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Turnier Sing, 10. Sprik 1930

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Aus aller Well

Oie Anti-Lärm'Liga tritt in Aktion

Erster Tag im Hamburger Menschenraub-Prozeß

Vie illuminierte Schneekoppe

Die heutige Nummer umiatzt W Seiten

Oer Genius im Kinde

Wozu dieser Lärm?"

die Stosse an so wenig bekannten Organe» Anteil haben und Veränderungen bewirken denen das Schicksal, populär zu werden, bisher erspart blieb, r>atz es unübersetzbarer ^rcmbtoorte oder ein rich­tiges. kleines Studium erforderte, wollte man, was hier mitaeteilt wurde, alles verstehen.

Ein grundlegendes Buch über d« zeichnerische An­lage des Kindes.

<p. F. Hartlaub legt sein vor einigen Jahren erschienenes Buch .Der Genius im Kinde" letz: in stark umgearbeiteter und erweiterter Auflage vor (Verlag Ferdinand Hirt in Breslau Mit 35 farbi­gen and 92 Schwärzt, cuckbtldern In Leinen 22,50 Mark) Tas Werk ii't allein schon mit Hinblick auf die umfassend und sinnvoll ausgesuchten Billdbe'.- gaben ($. T. in hervorragender farbiger Reproduk- rion> bahnbrechend für das Verständnis der Pro­duktiven Phantasie des Kindes. Zum ersten Mal werden geschlossene Eniwickluilgsreihen von 9 Kin­dern bildmäßig aufgezeigt und zsvckiilogisch bezw. Psychoanalytisch erläutert, eine Arbeit, die für die brennende' Frage der Weitecbildtung ktndheitl'.cher Möglichkeiten über das Kindesaltcr hinaus wert- vollen Ausschluß geben. Die Entdeckrurg der künst-

Oie Kammerkonzerte der Gesellschaft zur pflege der Kammermusik

Ein Rückblick.

Saal des Schwurgerichts. Stark vertreten ist das Auswärtige Amt, die fremden Konsulate, besonders die südamerikanischen.

Der Angeklagte Prenzlau, der Eigentümer deS Falke", schilderte, wie er 1924 in Paris mit Gene­ral del @060, dem Leiter des späteren Ausstandes, in Berührung kam. Dieser wollte für 200 000 Dollar Waffen, 2000 Gewehre und um 2 Millionen Schutz Munition, kaufen, die nach einer kleinen Insel gelie­fert werden sollten. Als Sicherheit bot del Gado Hypotheken aus Pariser Grundstücke an. Der Bestim­mungshafen ist anaeblich nie genannt worden. D'e Zahlung sollte bei Ablieferung der Waffen im Hafen von Port of Spain erfolgen.

Prenzlau gab an, gewußt zu haben, daß es sich um eine Revolution handelte, will aber nicht an eine Gefahr für Schiff und Mannschaft geglaubt haben.

drüse bezeichnet, ein Organ nm innerer Sekretion, dessen Bedeutung seit fast 50 Jahren die Forscher beschäftigt, seitdem nämlich der geniale Bl'ck Pterre Maries eine neue Kraickheit, den Riesenwuchs der Gliedenden und der hervorstechendsten Teile des Ge­sichts, im Bild beschrieb und als abhängig von einer Wandlung jener kleinen, im Schädel gelegenen Druse erkannt hat. Diese Krankheit er nannte sieacro- meoalie" ist nicht häufig. Aber die Hypophyse erzeugte seitdem immer neue Wirkungen ihres se­kretes und erscheint uns heute an den wichtigsten Le- bensfunklionen des Organismus beteiligt. Sie ist inzwiscken als eine der leistungsfähigsten innersekre­torischen Drüsen erkannt. Wir wlsien bereits von fünf verschiedenen Wirkstoffen, welche sie bildet, und haben Aussicht, noch mehr davon kennenzulernen. Das überaus klar« und sorgfältige Referat Trende- lenburgs gab einen scharfen Ueberblick vom i.etzigen Stande der experimentellen Hnpopbyscn-Forschung Eine Wiedergabe an dieser Stelle ist kaum möglich, und zwar deshalb, weil die Leistungen l«- ner innersekrewrischen Stoffe so fein sind, und weil

Vom Wiesbadener Aerztekongreß

Wiesbaden, 10. April.

Der erste Versammlungstag der Gesellschaft für innere Medizin brachte zwei einander ergänzende Referate über:Hypophdse" undHypophysen- Krankheiten*. Professor Trendelenburg (Berlin) sprach überdie innersekretorischen Leistungen der Hvypphyse" und Profcflor Lichlwitz-Altona über Hypophyscre Symptome und hypophysere Krank­

Berlin, 10. April.

In Berlin gibt cs eine Anti-Lärm-Liga als durch­aus begrüßenswerte Einrichtung. Sie hat sich aber bisher weder lärmend, noch sonstwie betätigt uns erst gestern zum ersten Mal praktische Arbeit gelel- stet. Und zwar in einer Konferenz, der nlchl nur die Mitglieder, sondern auch Aerzte, Verkehrssachleute und Techniker beiwohnten. Man hielt Referate über die Ursachen des Lärms, über die Notwendigkeit des Lärms, über die gesundheitlichen Schädigungen durch den Lärm und die Möglichkeiten seiner Ab­schaffung.

Die Anti-Lärm-Leute unterscheiden zwei verschie­dene Arten des Lärms: den Straßenlärm und den Hauslärm, Die dritte Kategorie, den Jndustrielarin, wollen sie gar nickt in Betracht ziehen, weil er ja doch nicht abzuschaffen ist. Der Itraßenlärm wird hauptsächlich von hupenden Auwmobilen, von knat­ternden Motorfahrzeugen, kreischenden Elektrismen und der Betätigung der Müllkutscker, Ausrufer und anderer Gewerbetreibender verursacht. Die Liga for­dert daher die gesetzliche Einschränkung des Hupens, die gesetzliche Einführung einer Einheitshupe, das Verbot knatternder Motorräder, Cvclonetten und Traktoren, die Einführung verbesserter geräuschloser Stratzenbahnwagen und behördliches ElNschrelte» gegen diefahrlässige" Erzeugung von Lärm,

AlsHauslärm" bezeichnet man vornehmlich TeP- pickklopfen, Radio- und Grammophonmusik. Ex soll durch behördliche Verordnungen eingeschränkt werden

Viele Vorschläge der Liga sind durchaus begrüßens­wert, vor allen Dingen auch durckführbar. wo die Abschaffung deS überflüssigen Hupens, die Besertl- gung knatternder Motorfahrzeuge, die Dampfuno des allzu eifrigen Lautsprechergetöses. Andere Vor­schläge sind wiederum nicht durchführbar, wie z. B. die kreischende Straßenbahn, die, da fc überall und immer kreischt, offenbar nicht anders kon­struiert werden kann.

3« der Hypnose erschossen?

Danzig. 10. Wrtt. '

In dem durch den großen Ritualmordprozetz be­rühmt gewordene» Städtchen Könitz, das jetzt pol­nisch geworden ift. erschoß vor einigen Monaten her beimDzi-nnik 'Romorm" beschäftigt g-wetene Re- daktronsgehilfe Paul Kaschubowski aus verschmähter Liebe die Konwristin Miefttowfla und brachte sieb selbst einen Brustschutz bei.. K. konnte auszcheitt und in das UntersuchungSgesängniS übergefuhrt werden. In den nächsten Tagen sollte der Prozetz gegen ihn stattfinden. Es waren für ft. Rechts­anwälte als Verteidiger bestellt, die ft. durch die Angabe zu entlasten versuchten, ft. habe seine frü­here Braut in der Hypnose erschossen. Er sei im Beisein anderer Personen, die als Zeugen zur Ver­fügung ständen, von einem betannten Hypnotiseur hypnotisiert worden. Dieser Hypnotiseur habe zu K

Si- »ch Tao-« in ein Mo^el

und dieses totschießen Als K. zu oiner auf dem Gesängnisflur einen Ange-Mick pW 'w stcht stand, einen am eisernen Ösen hangende Feuerhaken machte ihn glühend und

brannte sich damit beide Augen auS. 1

Er wurde sofort ins Krankenhaus übergesührt, w» mau jedoch nichts mehr für ihn tun konnte Der Prozeß gegen K. mutzte vorläufig vertagt werden.

Der sechste und für diese Saikon letzte Abend des Museumsquartetts (Frau H. Cybulla-Ascher» mann und die Herren Rullmann, Geefe und Bender bescherte uns am 8. April als erste Pro» grammnunimer die Uraufführung eines Klaviertrios in D-dur von dem in den Kasseler MusStreisen wohlbekannten Landgericktsdirektor Fran; Uhlen- dorff. Das Werk ist hier gestern schon besprochen worden.

An zweiter Stelle stand das gekannte Klavier­quintett in ll-Moll (op. 31) von Johannes Brahms, eins der bedeutendsten Werke der gesamten Sammer« mnsikliteratur. In den Jahren 1862 bis 64 Wurde das Werk komponiert, zunächst für Streicher allein (2 Celli!), dann umeearbeitet für zwei Klaviere und schließlich für Streichquartett mit Klavierbegleitung, wobei jedoch das Klavier nickt selten die wichtigste Relle spielt. Einer eingehenderen Würdigung des ost gehörten Quintetts bedarf es an dieser Stelle nickt. Es genüge zu sagen daß das schwierige Mo» itumentalwerk vom Museumsquartett im Verein mit Kaiser einwandfrei gespielt wurde. Der überfüllte Saal spendete begeistert Beifall; das Ensemble hatte wieder einen besonders glücklichen Tag.

Werfen wir nochmals einen Rückblick auf die secks Abende, so werden wir finden, daß vom ausgeben­de« 17. Jahrhundert an bis auf die jüngste Gegen­wart jede Musikgeneration in einigen Probestücken zu Worte gekommen ist. Wir hörten neben bekann­teren Kompositionen wiederholt auch Werke, die saft nie zur Ausführung gelangen und dock wert sind, der Vergessenheit entrissen zu werden. Und rühmend sei herv'-raeboben. v"ß mit,der fast von Ab-nd zu Abend zahlreicheren Hörerschaft auch die -»ualität frei Darb eiunoen ein- bockst er'reulirt>e Steigerung erfahren hat. Man möchte diese Kammerkonzerte nicht mehr im Musikleben Kassels missen. Mit Dank neh­men wir für diesen SShver Abschied von dem Mu­seumsquartett und seinen Helfern, aber auch mit der zuversichtlichen Hoffnung, daß die Künstler uns fernerhin mit ihren Gaben erfreuen werden. Der hingebungsvolle Dienst an einer guten Sacke trägt seinen Lohn in sich selbst Der starke Besuch der Abende zeigte jedesmal, wie sehr diese Konzerte den ittuftfserttänbigen Kreisen unserer Stadt willkom- 3ttn sind. $r. F. Hsrael,

Berantwvrtliib flr den oplttikfien Teil. Dr. W a l t e i Pebn t: für das Kenillewn: ® e r mau M B o n a u. für den lokale» unb Heimattetl: Dr. S; n S 3oa<bt m l» latzer: für den Handel R a do lf Mr den

Sootitefl: Herbert So eich: Photoredakteur: S d n ar» Schul s-9 ef fei: für den «iUeiaenteil: Äon-ad Wachs, mann. Berliner Schriftleitung! Dr. Walter Lbum. Berlin SW 68. Aimmerftratze 9. Druck und Ver. lag: Kasseler Neueste Nachrichi-n ®. m. 6. H« Kassel« Külnlscke Stratze 10.

einer Form an der Tat beteiligt war, sondern es müsse eine konkrete FeststeMung getroffen werden, in welcher Form dies geschah. Wohl niemand dürfte sich entschloßen, allein auf Grund der Angaben der drei jetzigen Angeklagten Jakubowski wegen Mordes zum Tode zu verurteilen Schwer belastet als Anstif­ter erfcheine dagegen Paul Kreutzfeldt. Am Schluß seiner Ausführungen richtete der Rechtsanwalt einen Appell an die Richter, Jakubowski wegen erwiesener Unschuld sreizusprechen.

Dann erhielt der Verteidiger von August Rogens, Rechtsanwalt Müller-Neustrelitz, das Wort. Er plä­dierte auf Freisprechung. Das Geständnis, das August im Vorverfahren abgelegt hat, erklärt sich Rechtsan­walt Müller mit dem starken Eindruck der großen Persönlichkeit des Berliner Kriminalisten Eennat und mit dem Versprechen der Berliner Kriminalbeamten, August werde nur eine milde Strafe erhalten. Für den Widerruf des Geständnisses führt Dr. Müller eine

reiche Literatur an, die einen solchen Widerruf als etwas Selbstverständliches erscheinen lall en soll. Bor allen Dingen steht der Verteidiger für August Rogens kein Motiv für die Tat. Die Behauptung, das Urteil des vorigen Schwurgerichts, das in Uebereinstimmung mit dem Oberstaatsanwalt August als den alleinigen Täter erklärte, sei tendenziös, wird vom Oberstaats-

«lb,-««.m strelitz für Fritz Rogens. Auch er versuchte zunächst mit denselben Gründen wie Dr. Müller die Glaub­würdigkeit der früheren Geständnisse zu erschüttern. Auch Rechtsanwalt Albrecht plädierte auf Freispre­chung. Da nicht feststehe, wer der Täter ist, könne überhaupt niemand wegen des Mordes verurteilt werden. Rechtsanwalt Dr. Pieper als Verteidiger der Fran Kähler erklärte, das, was Frau Kähler ge­fehlt habe, habe sie schwer gesühnt. Rach Replik und Duplik wurde die Verhandlung vertagt.

Prenzlau zu, von der revolutionären Absicht gewußt zu haben. Prenzlau konnte ans die Frage des Staats­anwalts, tote er sich den Verlaus des Unternehmens gedacht habe, keine klare Antivort geben. In die Enge getrieben, gab er schließlich zu, daß Kapitän Zipplitt von den revolutionären Umtrieben gewußt habe; auch die Mannschaft sei völlig im Bilde gewesen. Der Dsr- teibiger erhob lebhaften Einspruch gegen die Frage­stellung durch den Staatsanwalt. Tann wurde die Weiterverhandlung auf Donnerstag vertagt.

Im Bild: Der venezolanische General del Gado, der hei seinem mit Hilfe des deutschen DampfersFalke" unternommenen Rebellenstreich gegen frie Regierung von Venezuela erschossen wurde.

Opfer der Arbeit

Berlin, 10. April

r Im Stahl- unb Walzwerk Hennigsdorf bei Ber­kin kippte in der Formerei die Gießerpfanne, die vom Kran ausgenommen wurde, um und das flüs­sige Eisen ergoß sich auf die in der Nähe befind­lichen Arbeiter. Der 64 Jahre alte Arbeiter August Verduhn wurde völlig von dem flüssigen Eisen über­gossen und starb auf der Stelle. Der 26jährige Kran­führer Oskar König wurde geblendet und an der Brust schwer verbrannt. Mehrere andere Arbeiter wurden in schwer verletztem Zustande nach Berlin in die Charite geschafft.

Geständnis einer 12 jährigen Mörderin

Berlin. 10. April.

Breslau, 10. April.

Vom 23. bis 26. Juni findet in Breslau di« Ta- gung des Reichsbundes der deutschen Konditoren statt, zu der als Delegiert« 2000 Konditoren aus allen Gauen Deutschlands erwartet werden. Mit dem Bundestag ist eine große deutsche Konditorei-Aus­stellung in den Scheitntger Ausstellungshallen ver­bunden. auf der die neuesten Erzeugnisse der Warrne- und Kälteindustrie zur Schau gestellt werden. Die Tagung wird mit einem Ausflug nach der T«lch- mannbaude im Riefengebirge abgeschlossen. Aus diesem Anlaß ist eine Illumination der 1605 Meter hohen Schneekoppe vorgesehen. Rings um die Berg- kuppe sollen Feuerkessel aufgestellt werden, von denen aus die Koppe und die Schneekoppen-Bauden mit bengalischen Feuern beleuchtet werden sollen. Außer­dem werden Leuchtraketen von der Schneekoppe auf­steigen.

Hamburg, 10. April.

Der mit Spannung erwartete Prozeß gegen die Reeder und den Kapitän des DampfersFalke" hat Mittwoch feinen Anfang genommen. Vorn frühen Morgen an hatten Polizeibeamte schwere Arbeit, die herandrängenden Neugierigen zurückzuhalten. Um 10 Uhr begann die Verhandlung im vollbesetzten

raut per Putschisten sein. Die W«# Dollar für den Fall, daß del Gado d:e RegMusn,^. Venezuela übernehmen sollte, bezeichnet der Ange­klagte als ein schönes Versprechen, das er jedoch nur als eine Art Lotterielos bewertet habe lieber seine Anstellllungsverbandlnngen mit Kapitän ZipplUt sagte Prenzlau aus. der Kapitän habe zwar gewußt, daß er einen Wafsentransport führen sollte, habe sich hierbei jedoch nichts Arges gedacht. Der eigentl cke Vertrauensmann Prenzlaus sei der erste ^cngenieur gewesen. Sckon in Hamburg habe del Gado einige Massen an Bord gebracht, offenkundig unter den Anqen der Bevölkerung. Die eigentlichen Waffenan- käüse seien von ihm und seinem Mitangeklagten Kramarski in Polen erfolgt: die Waffen seren dann nach Gdingen geschasst worden.

Die Mannschaft, die sich über die Waffeneinladung an Bord wunderte, wurde durch die Zusage einer doppelten Heuer wieder beruhigt.

cker Angeklagte wurde bann über beit m'tgeführten Sckeinwerser befragt- Er wich auf biefe Fragen aus.

Am Schluß der Vernehmung gab ber Angeklagte

Ter neue russische Großfilm. Der in letzter Zeit in Den Bordergrunb getretene junge ukrainische Re­gisseur Tosstzenko hat einen neuen Grobfilm ge­schaffen:Die Erde", der von der Sowtet-Kritlk öffentlich umkämvst wird. Der Film, der dieser Tage in Moskau' seine Uraufführung erlebt hat, behandelt in epischer Breite das Thema:Sterben, Letzen und Gebären". Er behandelt den problema­tischen Kampf der Bauern um die neue Zen, aber in einer dramatischen Form mehr nach der mensch­lichen Seite. Er ist insofern ein direktes Gegenstück zu EisensteinsGenerallinie".

Moderne Märchen verlangt. Wie die Zeitschrift Die Literatur" mitteilt, soll eine Sammlung von Märchen und Träumen herausgegeben werben, in bauen die reale Welt, der die Erscheimmge» und Gesckfehnisse des Lebens, unter deren Beziehungs­losigkeit wir leiden, aittspringen, in Bildern sicht­bar wird, die zum Erlebnis dieser Realität führen können. Einsendungen solcher moderner Märchen in gedrängtem Stil unb künstlerisch erlebter Sprache sind an Hans Steurer, Mereystraße 2. Frei­burg (Breisgau) zu richten. Einsendungsschluß ist der 25 April.

Der größte stalienische Ltteraturpreis. Das bekannte Turiner BlattLa Stampa" hat einen Preis von 50000 Lire für das beste literarische Werk ausge­setzt, das während deS gegenwärtigm Jahres Ber« öffentlich! wird. Die Summe die etwa 10 760 M. darstellt, ist die größte, die bisher in Italien zu die­sem Zweck ansgeworfen wurde. Man hofft, daß dadnrch das Niveau ber zeitgenössischen italieni­schen Literatur, das viel zu wünschen übrig läßt, gehoben, uns bie Unzahl von Uebeisetzungen c»s- ländischer Bucker eingeschränkt werden wird- Tas preisg^rönte Werk tarn Sin Roman, eute histo­rische Darstellung, eine Reisebeschreibung oder eine kritische Abhandlung sein.

Westermanns Monatshefte. Das Aprilhest bringt einen interessanten Kunstaussatz über moderne Minia- turporträte. Pros. Verweyhen geht in seinen Kar­freitagsgedanken dem Erlösungsproblem nach. Prof. Albinmüller schreibt über das fabrikmäßig hergestellte Eigenwohnhaus, Ehlers über die Berufe ver Frauen.

Ein Spionagewerk vom letzten Chef des öster­reichisch-ungarischen Nachrichtendienstes Generalma­jor Mar Ronge erscheint socken unter dem Titel Kriegs- nttb Industrie-Spionage" im Amalihca- Verlag (Zürich, Leipzig, Wien).

loriscken Eigenwelt des Kindes, ihrer heuristischen Bedeutung für die Erkenntnis ber Anfänge per ztunst unb für die Völkerkunde, ihr Gewinn sur Kinderpsychologie und Pädagogik, insbesondere ihre bahnbrechende Wirftrng auf den Sckulzeickenunter- lickt, ber in der Reform ber Schulmusikpflege eine beachtliche Parallele aufweist: bas alles gebärt zu ben großen recht eigentlichen E rkcnntnisg p vinnen der Geaenwart unb das alles erläutert Hartland in diesem arundlegcndeu Wrrk, dem organisch eiv ztveitcs WerkTie Kindheit des Künstlers" sich an- schließen soll, ein Werk, das die Fragen nach der künstlerischen Sonberbegabunq und ihrer Erziehung im Gegensatz zu dem vorliegenden Werk an den­jenigen Einzelsällen erörtern soll, Die später noto­risch zu reifer Künstlerschaft ?efüutt haben.

100 Jahre Fleischhauer und Spohr. Die am 17 April 1830 gegründete Verlagsbuchhandlung begeht ihre» hundertsten Geburtstag, zu dem sie eine Fest­schrift hetauSaibt, tne über das Verlaqswerk orien­tiert Neben wertvollen geographischen Werken. Sckullehrbückern und Atlanten hat der Verlag sich einen Namen durch seine wohljetle Sammlung der Kristall-Bücher" gemacht, die moderne Novellen von Bonsels, Ehrler, Bruno Frank, Jacques. Isolde Kurz, Molo. Paqüer, Zahn u. a. in schöner Ausstattung enthält.

Die Errichtung einer Friedrich Lienhard-SZstunq. Zum Gcbacktms Friedrich Lienhards, dessen Todes­tag sich am 30. April zum ersten Male jährt, haben Freunde unb Verehrer unter ber Führung des Eisenacher Oberbürgermeisters Janson die Samm­lung eine Ehrenspende beschlossen. Aus oem Er­trag sollen Werke Lienharbs erworben und am Todestag an Volksbibliocheken unb ähnliche der Allgemeinheit bienende Institute gcschenft werden. Der P- isiker.Verbanb protestiert gegen ben Ton­film. Nack den Vorstößen ber englischen unb fran­zösischen Musikerverbände wird jetzt auch der deutsche MusikcrverbanL Schritte gegen bu Aus­schaltung burch ben Tonfilm unternchme«. In einer öffentlichen Protest-Versammlung, bie für ben 16. b Mts. nach Berlin berufen wirdz wird »er Verbandsvorsitzende zu der TagesordnungDer Tonfilm eine Gefahr für den Muftker-Beius und die Musik-Kultur" sprechen. Ob der Verband, wie das in England geschehen ist, auch zu Botzkott-Maß- nahmen greifen wird, ist allerdings noch nickt be­kannt. Ein« Protest-Versammlung hir sich allein wirb kaum viel helfen,

Die zwölfjährige Anna Riefer, die in Saar­brücken unter Mordverdacht verhaftet wurde, hat nach langem, hartnäckigem Leugnen gestanden, daß sie die S'/rjährige Annemarie Scholtes, deren Leiche am 31. März in einer Sandgrube am alten Fried­hof in Saarbrücken gefunden wurde, getötet hat. Sie hat jetzt auch zugegeben, daß sie eine große Zahl von Kindern aufs schwerste mißhandelt hat.

6ine Kahensteuer

Breslau, 10. April.

Di« Städtische Batzeverwolftmg Landeck teil» mit: Der Pflege und Erhärtung der einheimischen Sing­vögel Hai dte Städtische Garten- und Forstverwal- in Lonbeck se" 51ab-->n durch Sckafsuno von jNistgelegenheiten Winterfütt-.rung, Anpflanzuu- Ion Sträuchern und Hecken und bergl. größte Aufmerk, samkeit entgcgengckracht. Trotz aller bieser Matz- nahmen war zu beobachten, daß der Bestand tem Singvögeln in unseren Wäldern und Anlagen von . Jahr zu Jahr zurückging. Es wurde aber anderer­seits festgestellt. daß in einzelnen Häusern Katzen gehalten wurden, die oft, den Singvögeln nach­stellend. in 99«älhern u-tz Anlagen beobacht» mu1-. ben. Aus hygienischen Gründen ist eine solche Zahl von Katzen in einem Badeort nicht zu dulden, im Interesse der heimischen Bogelwelt mutz die über­große Zahl dieser Tiere bekämpst werden. Da an­dere Mittel nicht zur Verfügung stehen, haben die städtifchen Körperschaften die Einführung einer Katzensteuer beschlossen. Diese Steuer soll in der Hauptsache keine besondere Einnahmequelle dar­stellen. sondern ist als Kampfmittel zu bewerten und als Schutzmaßnahme für die Singvögel, die unserem deutschen Wald« erst den eigentlichen Eharakier fieben.

Inter Trinkerkontrotte

Bremen, 10. April.

Ein seltsam anmUtendes Urteil erging vor dem hiesigen Schöffengericht. Ein junger Mann hatte im Woholrausch einen schwere» Exzeß verübt. Er traf aus der Straße ein Mädchen, das er früher einmal in einem Tanzlokal kennen gelernt hatte. Als dqs Mädchen ihn abwies, wandte er Gewalt an und vergriff kick an t$*. *'« «m» w- einer Gesünanisftrase von drei Monaten. -iod) wurde ihm eine Bewährungsfrist in Aussicht gestellt unter ganz bestimmten Bedingungen. Er müsse ein. mal eine Buße von 200 Rm bezahlen, ferner fick verpflichten, während der dreijährigen Bewährungs- friff vollkommen ofn»'n""»u lck-n U"V nch frei­willig unter die Kontrolle der Trinkerfürsorge zu stellen. Der Angeklcgte überlegte lange, ob er dieses Urteil annafrmen solle unb behielt sich schließlich b:e Annahme dieser schweren Bedingung vor.

Verieidiger-piä-oyer im Nogens-Prozeß

[. Neustrelitz, 10. April.

Am Mittwoch begannen die Plädoyers der Ver­teidiger im Nogens-Jakubotoski-Prozetz mit den Aus­führungen des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr. Brandt, der in seiner Rebe u. a. darlegte, schon die­ses Gericht müsse zu der Frage Stellung nehmen, ob Jakubowski schuldig toar oder nicht. Es bedürfe sorgsamer Prüfung, ob die jetzigen Angeklagten Glau­ben verdienen, soweit sie Jäkuboivskt belasten. Es genüge Nicht, festzustellen, daß Jäkuboivskt in irgend-

150 Jahre Universität zu Münster

Am 16. April wird bie Westfälische Wilhelms- Universität zu Münster ihr 150jähriges Jubtlaum festlich begehen. Die im Jahre 1780 eröffnete Uni­versität kann auf eine wcckselvolle Geschichte zuruck- blicken, ba sie in ihrem Ausbau unter ber Unzu­länglichkeit ber Mittel unb ben politischen Umwal. sungen sehr zu leiden hatte. Die Universitär, bie ursprünglich einen ausgesprochen religiösen Charak­ter hatte, sollte nach der Aushebung des Fürstdis- tums und nach Besitzergreifung durch Preußen auch den Interessen der umltegeitben evangelischen Ge­bieten geöffnet werben. Tas Scheitern dieser Re- sornipläne, die auf die ersten preußischen Lverpra- stdenten, die Freiherr» vom Stern und von Vincke, zurückgtilgen, führte 1818 zur Auslösung der Uni­versität Münster und zur Wiedereröffnung der Uni­versität Bonn. Bis zum Jahre 1902 bestand me Universität, ber nur ein philosophischer, ein allge- meinwissenschaftlicher sowie ein theologischer Kur­sus verblieb, alsAkademische Lehranstalt". Rach stetigem Ausbau der verschiedenen Disziplmen wurde die Akademie im Jahre 1902 mit Einfüh­rung der juristischen Fakultät zur Wesffalischen Universität erhoben. Die Universität, die jetzt auch eine technische Fakultät emzurichten beabsichtigt, weist in den letzten Jahren eine gewaltig gewach­sene Besucherzahl auf.