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kaum eine Sekunide später uritzuteilen. Wenn jeder deutfche Seither einige solcher Flrnkreporter besitzt und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Dendern noch enger wird, als es bisher der Fall ist, kann das deutsche Publikum täglich die interessan­testen und aktuellsten Geschehnisse der Zeit mit- erleoen.

Daneben wollen wir es natürlich nicht versäu­men, auch die direkte Uebermittlung zu pflegen. Tenn gerade hier hat ja der Rundfunk einzigartige Möglichkeiten. Er kann die denkbar rascheste, objek­tivste und lebensvollste Reportage bieten. Auch aus diesem Gebiet wird mit zunehmender Erfahrung eine immer sorgfältigere Themenauswahl einsetzen, der Kreis der Geschehnisse, die dem Hörer vermittelt werden, wird sich immer mehr erweitern. Diese Er­weiterung ist heute noch aufs stärkste gehemmt durch den Umstand, daß Parlament und Gerichtssaal dem Rundfunk verschlossen sind. Es ist wirklich nicht ein­zusehen, warum Jnstituttonen, deren Charatter ein ganz offizieller ist, die Presse zulassen, sich aber dem Rundfunk verschließen. Wenn die Funkreportage eine glänzende Zukunft haben soll, dann muß dieses Hemmnis beseitigt werden.

Neue Bücher

Gertrud Aretz: Die elegante Fra». Eine Sittenschil­derung vom Rokoko bis zur Gegenwart. Mit 63 Lichtdrucktafeln und 400 Seiten. Verlag Grethlein u. Co. in Leipzig. (In Leinen 32 Mark).

Es ist hie menschlich interessanteste Seite der Sit­tengeschichte, die Gertrud Aretz, Verfasserin zahlret- cher bedeutender Frauenbücher, hier geschrieben hat. Durch das Medium der eleganten Frau, die in ihren berühmtesten wie berüchligsten Exemplaren in Wort und Bild porträtiert wird, lernen wir ebenso leicht Kultur- wie Staa sgeschichte kennen, denn Gertrud Aretz beschäftigt sich und uns nicht nur mit dem in­timen Leben der Frau, sondern auch mit ihren Be­ziehungen zur Umwelt, zu Staat und Zeitgeschichte. Dabei ist der Stil, in dem Gertrud Aretz die Frau und ihre Zeit durch drei Jahrhundert beschreibt, stets amüsant, leicht verständlich, ohne je ins Banale oder Rur-Pikante abzugleiten. Die Ausstat ung des Bu­ches entspricht dem Titel: elegant, technisch hervor­ragend bebildert und gedruckt.

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Bengt Berg: Die seltsame Insel . Mit 105 Bildern und 186 Seiten. Verlag Dietrich Reimer, Berlin. (Zn Leine» 9 äRerfji

Reportage des Weltgeschehens

Bon

Intendant Dr. Flesch

Künstlerischer Letter des Berliner Rundfunks.

Die Funkreportage ist eines der stärksten Aus­drucksmittel des Rundftinks überhaupt. Ist es nicht eine beinahe ideale Ausgabe, einen Menschen, der sich in der Einsamkeit einer stillen Wohnung befindet, an dem Weltgeschehen teilnehmen zu lassen, an bren­nenden interessantesten Zeitereignissen, ihn täglich eine halbe Stunde lang horchen zu lasten aus den Herzschlag der Welt? Wohl nirgends kann der Rundfunk seine Daseinsberechttgung so stark bewei- sen tote auf dem Gebiet der Funkreportage.

Daher liegt ja auch die Funkreportage jedem deut­schen Funkintendanten besonders am Herzen, deshalb bemüht sich ja die künstlerische Abteilung jeder Sendegesellschaft so sehr um die Ausgestaltung, Ent­wicklung, Zukunft der Funkreportage.

Was wird nun getan, um innerhalb des großen Ausgabenkreises, der jedem Funkintendanten gestellt ist, der Funkreportage besondere Entwicklungsurög- lichkeiien zu geben*

Der Berliner Rundfunk hat schon feit längerer Zeit eine aktuelle Abteilung geschaffen, die vor allem das Programm der Funkreportagen ausarbeitet. Im vorgedrucften Programmheft sind die Themen dieser aftueüen Reportagen zu finden. Sie ergeben sich aus dem Geschehnis des Tages. Als wir diese Ab­teilung einrichteten, waren wir uns von Anfang an darüber klar, daß beispielsweise der Zusammenstoß eines Filmstar-Autos mtt einem Ministerwagen kein aktuelles Geschehnis in unserem Sinne sei. Aber wir haben seit dem Bestehen dieser Abteilung noch sehr viel gelernt, wir haben erkannt, daß Ereignisse, die bei optischer und akustischer Ausnahme außer­ordentlich wirksam sind, bei rein akustischer Ueber­mittlung verblassen. Daher sind wir immer mebr dazu übergegangen, einen Mittler zwischen Gescheh­nis und Rundfunkpublikum zu schäften, der gleich­zeitig auch über das Optische Bericht gibt. (Sine der besten Reportagen dieser Art war die Uebermittlung der Eindrücke von der Siresemann-Beisetzung durch Alfred Braun.) Und es wird eine der Hauptauf- gaben der Funkreportage der Zukunft sein, zahlreiche solcher Funkreporter heranzubilden, die die Fähig­keit haben chas Erlebnis der Sekunde in seiner opti­schen und akustischen Gesamtheit dem Publikum

HotelPerpetuum mobile"

3m Gasthof der ungeahnten Möglichkeiten

ger Verwertung sicheres Kapital versprechen. Auslän­dische Weltflrmen unterhalten daher an den maß­gebenden Patentämtern der Welt (Berlin an erster Stelle) chre ständigen Beobachtungsposten. Die Spionagetättgkeit läuft häusig darauf hinaus, das; diese Firmen ihnen unbequeme Erfindungen, die z. B eine Umstellung ihrer Produkt on bedeuten mässen, einfach auflaufen um sie so aus der Welt zu schaf­fen. Das gttt insbesondere für spezielle technische Errungensc^flen, Verbefferungen im Maschinenbau und dergleichen.

Wenn man dar HotelPerpetuum mobile' öfter besucht, findet man bald d e Stammgäste heraus. Das sind die Berufserfinder, keine Amateure mehr, die durch e nen glücklichen Zufall einmal eine gute Idee hatten, sondern Professionals, die ununterbrochen on guten Ideen leiden. Sie verlausen ihre Erfindung zu

Stammgäste des HotelsPerpetuum Möble'.

jedem Preis, nur um die Idee loszuwerden und sich wieder einer neuen widmen zu können. Für ein warmes Abendbrot kann man sich das Gebrauchs­muster für den neuesten Krawattenhalter kaufen, der alsbald den aanzen Berliner Händlermarkt beherr­schen soll. Nicht viel teurer ist das Patentrecht für Rumänien auf eine duftende Häutcreme zu vergeben.

M. B. Berlin, im April.

Der Wirt ist ein Wirt wie jeder andere. Zu den ungeahnten Möglichkeiwn zählt er nicht. Er hockt wie angekettet hinter dem Schanktisch seines Gasthofes, der nahe dem Patentamt liegt, und döst me stenS vor sich bin. Es ist ja auch iftcht sehr viel zu tun. Die armen Leute, die bei ihm aus- und eingeben ober in seinem armseligen Quartier ein paar Rächte verbringen, machen ibm nicht viel zu schassen. Sie sind sehr anspruchs­los. Rur eine ein­zige Sorge verbin­det sie mit ihm: die Rechnung.

D^e Gilde der Erfinder ist in den letzten Jahren un- ?eheuer angewach- en. Man hört oft. es gebe zu viel Schriftsteller und Künstler. Es gibt noch viel mehr Er sinder. Im Grun­de sind sie ja alle mite nander ver­wandt. Erfinder haben etwas von Künstler und Dick- tern in- sich, nur Die luftgefüllte Gummiblase, tragen sie es nid), eine Erfindung für Bergste.ger. im Herzen sondern im Hirn. Aber man vernimmt von ihrer großen Zunft viel weniger als von ihren Vettern . . . Sie sind anonym, selbst wenn sie in ihrem Fach Prominente geworden sind. Selten ereignet es sich, daß man auf irgend jemand beutet und sagt:Sehen Sie dort den Mann mit der Br lle, er bat die nichtmehrtropfende Kaffeekanne erfunden', oberHier, die junge Dame, sie ist bi« Erfinderin der Dauerbügelfalte' usw.

Die Besucher des HotelsPerpetuum Mobile' kommen oft von weither gereist. In 60 Minuten wollen sie die Welt in der Gitschinerstratze aus den Angeln heben, aber es werden Tage, Wochen und Monate daraus. Viele kehren überhaupt nicht mehr heim. Sie kreisen als ewige Trabanten um ihr graues Gest rn, den massiven Riesenbau des Berliner Patentamtes Mit magnetischer Gewalt angezogen, werden sie eines Tages von ihrem Stern gleich bren­nenden Meteoren verschlungen. Nur ein Tintenfleck in der Registratur des Patentamtes zeugt vielleicht

noch 150 Jahre lang von ihrem einstigen Kometen­dasein.

Im Perpetuum Mobile Hotel' immer dieselben Typen. Wechselnd sind nur die Ideen, die das enge Haus erfüllen. Und das ist gut so, denn wenn es auch immer dieselben Ideen wären, müßte ja das Patentamt elendiglich zu Grunde gehen. Aus dem ganzen Reich stießen hier die ungeahnten Möglich- ketten in ein Bassin zusammen. Natürlich möchte sich in dieser Wanne das interessierte Ausland gerne haben aber das ist nicht gestattet. Da sind ganz ge­naue Babevorschriften und sonndsoviele Babeme ster, die nach einem internationalen Abkommen das Was­ser vor Verunreinigung schützen. Es wird sauber auf Flaschen abgezogen und für teures Gelde exportiert. Dieses Geld kr egen dann die Patentanwälte, die Beamten, die Vermittler und Fabrikanten. Wenn noch etwas übrig bleibt, die Hinterbliebenen des Er­finders, denn er selbst ist ja gewöhnl.ch inzwischen verstorben...

Es ist aber nicht immer so tragisch. Auch unsere Erfinderwelt hat sich der neuen Zeit angepatzt mit ihrerNeuen Sachlichkeit:', die auch ein Extrakt allen Erfindergeistes tft Man jact heule keinem Perpetuum Mobile mehr nach, auch die Alchimie wird abgelehnt. Goldmacher zählen nicht mehr zur Ersinderzunft. Praktische Massenartikel! das ist bet Schlachtruf. Den Anstoß gaben schon die berühmte Sickerheitsnabel unb bet acht weniger berühmte Druckknopf. Unb nun ist der Reißverschluß wie eine Bombe ins praktische Ersinderlager geplatzt.

Bei einem Glas Bier und neuerdings auch bei einer ausgezeichneten Tasse Kaffee aus der viel be­wunderten, in allen Ländern bei Welt patentierten Expreßkaffeeinafch-ne, brebt sich die Unterhaltung ausschließlich um Gebrauchsmuster unb Zehn.elpfen- nige. Die Erfinber von Massenartikeln rechnen näm­lich nur mit Bruchteilen von Pfennigen. Bei einem entsprechenben Mill onenumsatz formen sich diese Zehntelpfemtiac schon zu einem schönen Batzen Geld Aus Bieruntersätzen und alten Briefumschlägen wer­den technische Skizzen entworfen. Manchmal kommt auch ein selbstversertigtes Modell zum Vorschein, frei« Nch nur mit der allergrößten Vorsicht! Denn es wer­den bei den Erfindern noch mehr Ideen gestohlen, als bei unseren guten alten Volksliedern durch mo­derne Schlagerkomponisten Anleihen gemacht werden. Oft genügt ja nur eine kleine technische Aendernng oder eine geringfügige textlicheftlmstellung der schrift­lichen Anmeldung, um eau neueErfindung' her­auszubringen.

Auch auslänbifche Spionage ist eifrig tätig. In ben Vorzimmern des Patentamtes und im Hoiel kann man sich davon überzeugen. Unter den vielen Lächerlichkeiten, die täglich patentiert werden wollen, befinden sich natürlich auch Schlager, die bei rlchli-

Äie Deutiße Kummer umjM 12 Geilen

Verantwortlich Nr 6en poltitldien Teil: Dr. Walte» P e b n I: für das 6euide:on: German M Bona«: für den lokalen unb Heimatteil: Dr. Sans Joachim G i a v e r: für den Handel Rudolf G ker: für be» Sportteil: »erben Stent: tzboioredakteur: E d u a r » $ <& n I Mfl e f i e I: für den Anzeiguiieii: Konrad Wachs­mann. Berliner Schrittleitung: Dr. Walter T b u m, Berlin SW 68. eiiinmerftrabe 9. ----- Druck und Ver­

lag: tkalieter 3ieuefte Nackricht-n 19. m. b. H.. RafieL «dlniiche Strane 10

Bengt Berg, der Verfasser der Bücher vonAbu Markub' und denletzten Adlern', schenkt uns ein neues, merkwürdiges Buch. Seine ,.reltfame Insel' liegt hoch oben im Norden, an der!>rste Gotlands' es ist ein wildzerklüftetes Felseneiland, das in der wärmeren Jahreszeit der Tummelplatz unzähliger Meeresvögel ist. Seine Erlebnisse auf dieser Vogel­insel erzählt uns Berg in seiner klaren, schlichten Sprache, das Leben der Möven, Lummen und Eider­enten, der Erpeln, Austernfischer und Tordalken zeich­net er mit Worten und ben Bttbern seiner allgegen­wärtigen Kamera, als ob es das Leben denkender Menschen auf einer fernen, einsamen Insel wäre.

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George Groß: Die Gezeichneten. 60 Blätter aus 15 Jahren. Malik-Verlag Berlin (kartoniert vier Markt

Zn einem im Verhältnis zu der ausgezeichneten Reproduktion der Zeichnungen aussallend wohlfeiler. Preis bietet der Malik-Verlag diese Auswahl an, die folgenden Bänden von George Groß entnommen sind: Abrechnung folgt Der Spießerspiegel Ecee Ho­mo Das Gesicht der herrschenden Klasse. Ein Teil der Zeichnungen war bisher nur in Zeitschristen er­schienen ober auch noch unveröffentlicht. Der Titel gibt ben Sinn ber Auswahl an: .gezeichnet' sind für Groß alle .Ausbeuter' des Volkes, alle Spießbürger und Heuchler. .Gezeichnet' sind aber auch ertreme Zustände, die Groß seiner schonungslosen, evif die Dauer niederdrückenden Kritik unterzieht: das .Ver­gnügen' der Menschen von beute, Sentimentalität, seelische Roheit und Verbohrtheit. Großstad'leben usw.. Einige Akte beweisen, daß Groß den Zeichen- stist nicht nur kritisch-schars, sondern auch malerisch weich handhaben kann.

Ochattplatten

Grammophon' im April. Der Tonfilm ist die große Mode, er beherrscht auch die Schallplatte, hat mit seinen Schlagern die Operette fast schon ersetzt. Grammophon" bringt aus dem TonfilmSBien, du Stabt bet Lieder", der in Kürze in Kassel anläuft, die Hauptschlager in ber Originalbejetzung mit Max Hansen, den man nach ber Berliner Uraufführung ben bezauberndsten Chansonnier" nannte, derje auf einer Tonfilmleinwand seine Späße machte und ber bas Zeug in sich hat, ein beuti&er Al Jolson zu werden". Ferner hören wir neue Platten aus den Tonfilmen Lilly, Hai-tang, Liebe im Ring, Die Nacht gehört uns, Liebeswalzer usw. Aus amerikanischen Tonfilmen gibt es Originalausnahmen aufBruns­wick". Aushorchen lassen Melodien ausLhasing Rain- bows" (Lucky me), die Abe Lymans California-

Orchester volltönig spielt. Bleiben wir gleich bei den Unterhaltungsplatten: Da ist vor allem ein ausfallend schönes PotpourriFortissimo", (großes Symphonie- Orchester), bas die besten Kalmanmelodien vereint, von der Ljardasfürstin bis zur Zirkusprinzefsin. Ben Berlins Orchester spielt u. a. zwei originell instru­mentierte TänzeBabys etile Uhr" unb Clown clolly (mit Xylophon). Beachtung verdient wieder das Orchester Livschakoft. Auf Eesangsplatten hört man die Abels, die Tenöte Atamesco, Baumann und den herrlichen Völker, ber zwei Rosenliedet außer­ordentlich beseelt unb schön singt. Das klassische Pro­gramm Dringt Haydns 6. Symphonie (mit dem Pau­kenschlag), gespielt von ben Berliner Philharmonikern auf drei Platten. Eine so plastische Klavieraufnahme wie die mit Alexander Brailowsky (Stuben von Cho­pin) wird ben Plattenfreunben sehr willkommen sein. Die Choraufnahmen ausNachtlager in Granada" unb .Fidelio" (Heil sei dem Tag) beweisen daß man nicht nur in Mailand einen berühmten Opern­chor hat: der Chor der Staatsoper Berlin ist jedenfalls in diesen beiden Proben ben Scala-Sängern eben­bürtig. Piccaver, Sarobe, Ludwig Hofmann unb Adele Kern präsentieren wertvolle Neuaufnahmen.

-U.

Kongreß für innere Medizin. In Wiesbaden wurde die 42. Tagu.lg der Den.sehen Gesellschaft für innere Medizin durch den Vorsitzenden, Professor Volhard (Frankfurt a. M.) eröffnet. Fast 1000 Aerzte des Jn- und Auslandes nahmen an den Verhandlungen teil. Von den führenden Klinikern Deutschlands unb der Nachbarstaaten fehlte kaum einer. Die Tag'sordnung des ersten Verhandlungstages war den Leistungen deS Hirnanhangs (Hypophvfe) unter Normalverhält­nissen und den Symptomen ihrer krankhaften Störun­gen gewidmet. Referenten waren der Berliner Phar­makologe Professor Paul Treudelenburg unb Proses- for Lichlwitz (Altona).

Rudolstadt erhält ein Schiller-Museum. Ans Art­latz oes 12-jähpigen Todestages Friedrich von Tcknllers am 9. Mai bat die Stabt Rudolstadt be­schlosst n das Techaus auf bei Schloßterrasse zu einer Schiller-Gedenkstätte umzugest.ttten Den Mct°- tolvuttk» des Museums soll die Dannicker-L uste bil­den die der Kitttstler vor 100 Jahren ber Stadt ge­schenkt bat. Tas Museum soll ferner sämtliche in Rudolstadt vorhandenen Schiller-Dokumente. Briefe, Bilder usw. vereine».

DienStag, 8. «peil 1930

Staffelet Kettelte Nachrichten

Oer Staatsanwalt hat das Wort

Plädoyer im Zakubowski-prozeß / Todesstrafe gegen August Aogeus beantragt

Neustrelitz, & April.

Lautlose Stelle lag über dem gelben Saal des Neustrelitzer Schlosses Der Zuschauerraum war über­füllt, als Oberstaatsanwalt Dr. Weber am Monlag nachmittag sein Plaidoyer gegen die Angeklagten im Rogens-Jakubowski-Prozeß begann Es sind nicht die schlechtesten Eigenschaften, so sagte er, die hier ent­brannt sind um die Schuld ober Unschuld Jakubows­kis, aber jetzt müssen alle Gefühle und Wünsche schweigen. Nur strenge Rech'l'.chkeit kann hier den Ausweg finden Dann schilderte Oberstaatsanwalt Dr Weber den Hergang der Tat, das Auffinden st­reiche und die früheren Geständnisse der jetzt Ang klagten, wonach Frau Kaehler von ber Absicht de Ermordung gewußt Hobe unb baraufbin am Mord tag bene'ft fei, ferner wie August NogenS, was durch zahlreiche Indizien bestätigt werde, die Tat ausge führt, und Fritz Nogens an der Vorbereitung unb dem Beiseiteschaffen ber Leiche mitgetotrh habe' Frau Kaehler habe ihr früheres Geständnis im wesentlichen aufrechterbalten. Der W-dcrruf von Fritz und August Nogens sei völlig unglaubwürdig. Natürlich bedürfen auch Geständnisse ber Nachprüfung, umsomehr, als die Ergebnisse der Beweisaufnahme in dein neuen Ver­fahren einige Abweichungen gegen früher ergeben, so daß sich das frühere Urteil insofern nicht aufrechter­halten läßt. Aber

Nur daS gerötete Gesicht verrät deutlich ihre innere Erregung. Fritz und August Rogens folgten vom ersten bis zum letzten Wort mit angespannter Auf­merksamkeit der Rede des Staatsanwalts; auch nach Verkündung der Strafanträge lasse» sie keinerlei Be­wegung erkennen.

Die Plaidoyers der Rechtsanwälte werden morgen vormtttag beginnen.

Neue vvrgefchichtftchr Ausgrabungen in Ostpreußen Wie die Altettumsgesellschaft Prussia in Königs­berg mitteilt, sind in Ostpreußen stank der Mit- gebe, weitester Kreise der Bevölkerung neue ooraefaüdiri te Funde gemacht worden. Bei Wos- ncyen im Streife SenSburg wurden Grabstätten aus der römischen Kaiserzett gesunden. Tie Toten sind nadtoeiMch gUf dem Scheiterhaufen verbrannt und in Leickenbraiivutricm mit Deckeln bstgesetzt wor­

den In der Nähe oes ehemalig-» «(einen Köttel- sees wurde eine Psablbausiedlimg ber früheren Elfenzeit (800 bis 500 v. Ehr) auSgegraben. Im füvwestlichen Teil Ostpreußens fuib Gräber aus ber Steftnk'.t, Steinkisten mit reichen Verzierungen, aus- oefutto;n worben, btc 4 bis 5000 Jahre alt sind. Bisher bat man in Ostpreußen 23 Steinzettgräber emroanbfrei nachweifen können.

England hört Karfreftagsmufik aus Leipzig. In der Thomaskirche zu Leipzig findet am Karfreitag, den 18. April, eine Ausführung von Johann Sebastian Bachs .Maithäuspassion' unter Leitung von Prof D. Dr. Carl Straube statt, die über den Mitteldeut­schen Rundfunk auf bi« englifche Sendegesellschaft übertragen und über ganz England verbreitet weiden wird. An dem Konzert wirken das Srädtifche Or­chester, die Chorvereinigung deS Gewandhauses, der Thomanerchor und ein Knabenchor mit.

Kasseler Konzerte

Lieder Abend des Sängerchors der Minenwerser- kompagnie I. R. 15.

ES ist freudig zu begrüßen, daß in einer Zeit der Bersportlichung eine .rauhe' Kriegerschar stch zum

Seife S

Gesang zusammengesunden hat. Es kann na.ürlich nicht gleich verlangt werden, daß der junge Chor mit einer abgerundeten künstlerischen Leistung hervorttiS. Wie Herr Hauptmann Flörke, der Kompagnieches, in seiner Begrüßungsansprache betonte, man möchte die bargeboteiten Leistungen nicht zu kritisch beurteile», weil der Gesang Freude bereiten soll, und in diesem Fall ein Fest verschönen, so muß es meiner Ansicht nach gerade den Ehrgeiz der Sänger anreizen, daS Bestmögliche zu erreichen. Der junge Chor mutz sich noch vor Raubeiten unberufener Solisten hüten ein Chor soll dastehen wie ein Mann unter dem Wil­len des Dirigenten. Soldaten, disziplingewohnt, werden stch auch hier für das Ganze unterordnen, wie sie in den srohgestimmten Gesängen bereits be­wiesen haben. Musiklehrer Staufenberg der Chor­leiter des .Sängerchors M. W. K ' zeigte auch bei den Gästen d«S Abends, dem .Männergesangverein Concordia', fein Können. Weitere Gaste des Abends waren .Männergesangverein Niederzwehren, ferner der ,$tänneigcfang»eiei» Liederhor' Wolfsanger unter Leitung von Rektor Waldschm Der letztere versügt über ein reckt gutes Stimmer al unb ist tm Klang schön ausgeglichen. Die Ec änge Iprachen offenbar am meisten an, sobatz eine Zugabe gewünscht wurde. Der Schluh des Programm" war eine humo­ristische JnstruktionSstunde beim Fliegerbataillon. H.

Fritz und August Rogens sei es nicht gelungen, ihr Alibi für die Zeit des Morges nachzuweifen.

Was die Rolle von Frau Kreutzfeldt unb Blöcker be­trifft. so hab« btefe Herhaubluug weniger Verbachts­momente gegen sie ergeben als bie früheren. Zwar feien sie burch Rebensärten belastet, bock betrachte der Staatsanwalt diese Belastungen in erster Linie als ein Mittel ber Vertetbiaung. bi« angeklagten Brüder dcogens zu entlasten. Es ist unwahrscheinlich, baß Kreutzfeldt und Blöcker damals zufammen den Mord ausgesührt haben, zumal da sie miteinander verfein­det waren. Beck« batten außerdem an der Ermordung des kletnen Ewald ke n Interesse. Hinzu kommt daß Kreutzfeldt an dem Mordtage überhaupt nicht in Palingen war, lute einwandfrei nachgewiesen ist.

Ich halte es für errotefen, daß Jakubowski von ber Tat gewußt hat.

Er bat ganz bewußt seine Kompl'zen aus dem Spiel gelassen, um sich nicht selbst der Gefahr einer Be- lastung auszusetzen und hat sich mit unklaren Andeu­tungen begnügt. Frau Kaehler ist n-cht bie Triebkraft des Verbrechens aewese» Von sich aus batten aber weder Fritz noch August Rogens ein Interesse am Verschwinden des Kindes.

Als einziger Anstifter bleibt demnach bei nüchterner Betrachtung Jakubowski übrig.

Ob ihm die Tat znzutraueu ist, möchte ich bejahen. Der Lehrer Peters bat ihn für sehr verschlagen ge­halten Er hat sehr viel berumgelogen und war Meister in der Verstellungskunit Dazu kommt fein auffälliges Benehmen bei der Suche nach der Le'che intb anderes Besonders belastet wird Jakubowski durch das Vergiftungsgesprach unb später burch Acuße- rungen wie bas Ausgabeaespräch. Zusammenkaffeuv kommt Oberstaatsanwalt Weber zu betn Ergebnis, baß die Mordtat von Jakubowski angestiftet, und. ...von. August Nagens ausaefübrt wurde. Die Rolle, die Jakubowski gespielt hat. ist nicht ohne weiteres berauszunebmen. D es ist vor allem Sache eines be­sonderen Wiederausnahmeverfahrens. Hier sei ent­sprechend der Anordnung des Reichsgerichts lebinlid) ber genaue Hergang ber Tat zu klären nnb bie Schulb ber jetzigen Angeklagten unb bie Glaubwürbigkeit ihrer Geständnisse zu prüfen.

Unter atemloser Svannung stellt Oberstaatsanwalt Dr. Weber am Schluß seines vierstünbigen Plm- bovers bie folgenben Strafanträge:

Gegen August Rogens die Todesstrafe wegen Mordes und Aberkennung der bürgerliche» Ehrenrechte auf Lebenszeit, gegen Frau Kaehler sieben Jahre Zuchthaiis wegen Beihilfe zum Morde und Meineid unter Anrechnung der Nnterfuchungshaft, sowie zeh» Jahre Ehrverlust: gegen Fritz Rogens vier Jahre Gefängnis wegen Beihilfe zum Morde und Meineck unter Berück­sichtigung des § 9 des JugendgerichtsgeseqeS.

Frau Kaehler ist mtt gesenktem Kops den Ausfüh­rungen des Staatsanwalts von Anfang an gefolgt