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Wochenbeilage der Kasseler Neuesten Nachrichten

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Nummer 83

Dienstag, den 8. April 1930

Dilles schon dog

Stoöt tut sich fe viel auf Versachlichung uttij die .ntoierite Frau ,u gut. Wenn es nicht schc« Ben Mrba getan hätte, müßte man das Won erfinden 'Alles schon dagewesen.' Um bei dem heute wohl ntct)t mehr umstrittenen Thema: Rauchen anzusangen toetB der .Wandelstern" au8 dem Jahre 1845 zu be­richten:

.Dte Frauen-Emanzipation schreitet in Deutsch lanib ^rZUÜlich aber in Berlin, auf die merk tourt)tgfte SBetfe vorwärts. Sie hat die überraschend fien Resultate. In den dortigen glänzenden Zirkeln sprechen Mädchen von 19^20 Jahren mit einer Sicherheit über Guizot, Thiers, Kammer- und Durck- siMungsgesetze, die ans Fabelhafe grenzt. Viele

Mmlatur-George-Dands verschmähen schon setzt die Zigarre nicht. Neulich kam es sogar vor, daß eine elegante Dame einen Herrn mit brennender ätgarie auz offener Straße anhielt um die ihrige anzuzunden. Mes köstliche Aussichten! Wie lange ^'ed es noch dauern, so legen sie Hosen an, treiben 6ie Manner mit der Reitpeitsche in die Küche und saugen ihre Kinder zu Pferde! Kleinigkeit für eine Emanzipierte! Ein öffentliches Damen Kaffeehaus totrb auch schon eingerichtet, dort sollen zugleich De­batten Wer das Verhältnis der Frauen losgelassen, dabet ein Cagarrchen geraucht, die neuesten Jour­nale gelesen, genug... ein Herrenleben geführt wer­den. Wie sich die Ehemänner freuen werden, wenn sie ihre liebenden Weiber mit brennender Cigarre an die klovfende Brust drücken! Aus jeden Zoll, pfui Teufel!*

CIDCSen / (Ein (frauenspfegel

anzusehen, mußte sie zu unendlichem Ergötzen der Zuschauer eine geraume Zeit bleiben. Ein Nagel außen Wer dem Fenster hatte fest Fuß in dem Werg mtd Draht gefaßt, daß alle Bemühung sich los zu nachen umsonst war. Endlich zog sie, durch einen heftigen Riß, bloß ihren Kops heraus mit Zurück­lassung des entsetzlichen Qbergebäudes. welches an m gedachten Nagel, zu ihrem nicht geringen Ver­druß und Beschämung, als ein glänzendes Denkmal brer Modetorheit bangen blieb." Deshalb sollten tote ein anderer Bericht meint,in London die Th ir­ren zur St. Paulus $fir*e wegen dem hohen Feder- dutz der babhlonischen Köpfe, anderthalb Ellen er­höht werden."

Heber eine eigenartige Form der Ehe

in dem englischen Heer schreibt Möser in der Ber­linischen Monatsschrift" tm Mai 1784: -Die Eng­länder dulden in ihren Armeen keine ledige Weibs- üerfon. Dagegen aber können sich ihre Soldaten ein Weib vor der Trommel geben lassen, und sich auch o wieder von ihnen scheiden. Diese besondere Art to?-n Militärehen hat unstreitig sehr viel gutes. Der -oldat schützt sein Weib, mit der ihn der Tambour kopuliert bat, gegen jeden anderen; und man ha' toett'ger Beispiele von solchen als von anderen ge­brochenen Ehen. Ja es haben mich mehrmals die englischen Offiziere versichert, daß es hier mehr rifersucht gebe, als in einer christlichen Ehe. Das

englische Soldatenweib kann mit ihres Manne« Kameraden in einem Zelte liegen, und keiner wagt es. ihr etwas anzumuthen. Und wer es versuchen wollte, würde dafür seinen oder wenn er klagte, des Hauptmanns Zorn empfinden. Wenn er ihrer müde ist, so verkauft er sie, jedoch mit ihrem guten Willen einem anderen. Dieser schützt sie ebenso tote der vorige, so daß sie niemals verwildern kann, sondern immer ihren Bertheidiger hat. Sobald sie niemand mehr will, muß sie die Armee verlassen. UebrigenS st der Engländer gern Vater, und liebt sein Kind "^aher es nicht leicht geschieht, daß er ein schwange­res Werb von sich läßt oder für sein Kind nicht 'orgt.* Ob dies auch bei den abgezogenen Englän­dern im Meinland fo gewesen ist?

Zum Schluß die sogenante -Kameradschaftsehe" Natürlich in Amerika. Aber immerhin aus dem Jahre 1816. ,... Die Unterzeichneten sind auf diese Weife einander begegnet, und haben Neigung für einander gewonnen. In dem Glauben, daß diese eine glückliche und andauernde sein werde, haben sie beschlossen, die Pflichten. Freuden und Verantwort 'Weiten des Mannes und Weibes zu übernehmen Dazu fühlen sie sich durchaus befugt, und haben vollständige Freiheit, es nach ihrem Willen in ihrer eigenen Weise ohne die gewöhnlichen Formen ohne eine Erlaubnis vom Priester und Magistrat zu thun Sie sind daher von nun an von ihren Freunden, so toie von ihrer Verwandtschaft als in diesem Verhält­nisse zu betrachten Henrv F. £ato*b Eltza Smitb." Dieses Aufgebot ließen die beiden in der Gemeinde Skanoateles verleben. Womit aus dem Gesagten erwiesen wäre, daß es -nsibts Neues unter der Sonne" gibt, was nicht in ähnlicher Form schon einmal dagewesen wäre.

Schicksale einer Rasseier Sängerin

Eine andere Einstellung zu dem Problem ver­raten die .Erinnerungs-Mätter". ein Jahr später: -Hiesige und fremde Journale berichten daß ein bie- stp.es Wirtfchastslolal von der Polizei aufgehoben worden sei, weil in demselben einige Mädchen sich am Ciaarrenrauchen amüsiert hatten. Ich mag nicht glauben, daß dies wahr ist. Sonst möchte ich fragen: Was. Donner geht denn die Polizei das Rauchm der Mädchen an?"

An neurussisch« Amazonen-Reg'menter klingt ein- Meldung aus Livorno unter dem 14. Oktober 1732 an. .Nachdem einige Jahre her ein gewisses Aeibs- Bttd von sauberem Gesicht ht Mannes Kleidung unter den hiesigen Spanischen Troupen gedienet, und schon würcklich einige Zeit Wachtmeister gewesen bat selbige sich endlich in einen gemeinen Soldaten verliebt, und jüngstens, da sie eben auf die Woche »>ehen mußte, ein K nable in zur Welt geboren. Als solches der General Charnh erfahren hat er diesem Weibs-P'ld einen Ort angewiesen, und wird sie ihr Ltebster bevratben müssen, sodann aber ihre Wacht­meister-Stelle überkommen."

_ Einen reckt amüsanten Beitrag zu dem uner­schöpflichen Material

, Über Modetorheiten

liest man aus dem Jahr 1776 aus England. -Zu London hat sich kürzlich in einer Straße bet) Con­ventgarden etwas sehr lustiges zugetragen. Bey ei­nem Lärm auf der Straße öffnet eine Lady ein Fenster. Da sie einen übertriebenen neumodischen Kopfputz auf hatte, kostete ei ihr Mühe ihren Kops ztmt Fenster hinaus zu bringen. Diese Erscheinung zog bald die Aufmerksamkeit des Pöbels auf sich, der feine Augen mit Bewunderung von dem ersteren Gegenstände ab, und nun auf die L-ady wandte. Als diese es merkte, und zurücktreten wollte, fand sie bald alle Bemühung hinein zu kommen vergeblich. In dieser Situation es war unbeschreiblich lächerlich

D i e Mara Das Leben einer berühmten Sän­gerin von R. Kaulitz-Niedeck. Verlegt bet Eugen Salzer in Heilbronn.

Wie ein bunter abenteuerlicher Film zieht der sangt, iche Lebensweg der berühmten Kasseler Sän­gerin und Primadonna Friedrichs des Großen, der »großen Mara", wie sie in ihrer Glanzzeit auf dem ganzen europäischen Kontin.mt genannt wurde, in dem nuten Buch unseres Mitarbeiters Kaulttz-Rie- deck, an uns vorüber.

1749 als achtes Kind van zehn Geschwistern m ter mgen Truselgusse in Kassel geboren, infolge der englischen Kränkste.t geschwächt und kaum lebensfähig, ahnte ihr Vater, der Stadtrnusikani Schmeling, damals nicht, daß aus El.sabeth einmal eine ganz Große im Mte-dic der Kunst werden sollte. Schon mit fünf Jahren spielte das Kino mit er­staunlicher Sicherheit auf der väterlichen Geige. Und von diesem Zeitpunkte an wurde es von seinem ge­winnsüchtigen Pater jahrelang zum Schicksal soge­nannter Wunderkinder verurteilt und ruhelos durch die Fremde getrieben Während eines Aufenthaltes in London wurde man auf das Sümmchen der nunmehr zehnjährigen hochmusikalifck)en Meinen Gei- genfürftilcrin aufmerksam und riet ihr, sich dem Ge­sang zuzuwenden. Sie folgte diesem Rat und be­schritt damit den Weg, der sie nach anfänglichen Mißerfolgen bald zu den höchsten künstlerischen Hitzen fuhren sollte Mtt 23 Jahren hatte ihre Stimme den erstaunlichen Umfang vom G bis zum dreigestrichenen E gleichmäßig stark. Musik lebte in ihr, sie drang in die Herzen der Hörer und Musik- kenner versicherten, daß diese Stimme einzig fei und

einzig bleiben werde Tie Engländer prägten von ihr den Ausspruch: .singen wie die Mara" oder musikalisch wie die Mara".

1771 fang Elisabeth Schmeling in Sanssouei vor Friedrich dem Großen,der sich lieber von seinem Pferde eine Arie vorwiehetn lassen wollte, als eine Deutsche als Primadonna feiner Oper zu besitzen" Sie bewies ihm, daß auch eine deutsche Kehle den Kunstgefang meisterlich verstand. Adel und Ge­schmack, schöne Koloraturen und ein unübertreff­licher Triller zeichneten ihre Leistungen aus, und der König verpflichtete sie bald alsprima donna affoluta" mit dem für damalige Zelten ungewöhn­lichen Gehalt von 3000 Talern.

In Berlin lernte sie den zwar boef) talentiert en, aber moralisch verdorbenen und haltlosen Baptist Mara kennen mtd lieben und heiratete ihn trotz aller Warnungen und gegen den Willen ihres Kö­nigs. Die Ehejahre brachten ihr zwar tausend bit­tere Enttäusckjungen stellten aber künstlerisch ihre Glanzperiode bar. Ihre teils gemeinsam mit Mara, teils allein veranstalteten Konzerte in Wien, Paris Versailles, Mailand, Turin. London waren für die chtoße. Tiara ein einziger Triumphzug und brachten ihr neben umrjukten künstlerischen auch große stninzielle Erfolge. Es war Zaubergewalt in ihrem Gesang. Dir Großen ihrer Zeit im Reiche btr Kunst? Gluck, Mozart, Haven. Schiller und Goethe zollten ihr restlose Bewunderung.

Ich sterbe wenn ich nicht mehr singe und ich finge, bis ich sterbe!' warbr Wahlspruch. Und diesem getreu hat sich die Mara durch ihr ganzes Leben gesungen. Sie gehörte zu denen, die noch

WelBe Zähne, Atem durch BiOX-ULTRA'AHNPASTA nach Hofrat Dr. Zucker, BIOX-ULTRA die schiu- mende Sauerstoff-Zahnpaste verhindert Zahn« steinansatz und Zahnbelag, sie spritzt nicht, ist hochkonzentriert, daher sparsamer.

FDottensfcher

Ich würde diesen schönen, dauerhaften Woll­stoff gern nehmen als Möbelbezug, ich furch e nur so sehr, daß die Motten ihn wieder zerfressen werden, wie bisher die Plüschmöbel". Diesem Ausspruch der Käuferin sucht der Verkäufer zu begegnen, mdem er Baumwollstoffe vorlegt. Hiermit wird Jhnm dos ganz gewiß nicht passieren, an Baumwolle gehen die Motten nicht, die wird nicht zerfressen" Ja, oberste sieht doch längst nicht so gut aus wie Wolle, sie wird blank, wirkt auch nicht so wollig uni mollig und weich--

Solche Unterhaltungen hört man immer t»fl neuem, und namentlich jetzt tm Frühjahr, wenn bte L-ausfran alle ihre Schatze an Kleidern, Anzügen, Wollgardinen, die nicht an nen .zenitern hn'gut, sondern mal eine Ruhevolle hatten klopft und für die Sommermonate neueinmottet . imdet sie zu ihrem Aerger und größten "e>bwsen _ osi Motten schaden, die unersetzlich sind DaS, liege sich "r mTiben, wenn es mehr bekannt wäre. daßesem Mittel gibt Stosse für eine .^"3- Reche von JA ren mottensicher zu n ahm, es :ft das Eulan. »rea sich, selber ausgespntzt, oder d.e Si-sk darin feuchtet, ist längst nicht fo. gut. dls wenn das Roh material schon mit Julin stehandett wurde, wenn man eben mottensichere Stoffe taufen kEte, daß das nut selten möglich ist. liegt .tut an d-n Käufenn n?n selber i Die Geschäftsleute fuhren, vas v.rlaagt wird verlangt die HauSsrau und Jausen» aber nicht mottensichere Stoffe, so kann der »au,nmnn sie nicht führen Die Käuferin könnte eine große ME grüben- bisher tat sie es nicht! Die «ulamsie. nma des Woll'adens kostet nur wenig, auf ein Meter Stoss würde der Mehrbetrag nur Menmge ausmachen, wie gern wurde die Haussrau dtefen Mchrbetraa zahlen, denn sie /ine Unsumme Zeittavbender, unangenehmer Arbeit sparen. Uno welche Summen gehen jährlich verloren durch Mot tenfrofc? Sie sind sehr groß! Nuss grbt es Kauf- lewe, die meinen, daß Stosse doch nicht eww batten dürfen sonst würde ja mchtS mehr st^auft werde^ weil nW« zu ersetzen sei! D^teKattulatwn ist Alle Stosse tragen und wetzen sich uni der geil alb. sind also zu erneuern. Satt aber ein Kleid em Mantel, ein Anzug länger, so wird-daeS i*t ,u erneuern ist em anderes KleidungSsiu« ntH«. Der Besitz deS Menschen und damit das Pokksvermöien atfe würde sich vermehren. Dazu würde wertvolle Frauen-Arbettskraff gefoart!

Mathilde MeissebKaeset

auf hoher LebenSwarle von den Strahlen ihres Ruhmes umgeben war 71 jährig, nannten Je bte Russen nochdie göttliche Mara mit der fabelhaf­ten Stimme "

Im M Lebensjahre starb die große M«a, bte einst ganz Europa entzückt und in ftaunenbe Setouiu derung versetzt hat, in Reval, wo sie verehrt und von treuen Freunoen umgeben ihre letzten Lebens­jahre verbracht hatte.

Glauben Sie.an Philo?

Efhe dunkle Gesdiidite aus einer guten Familie Von S S van Dine Bearbeite» von Elsa Staudemeyer Copyright by Verlag Knorr 6 Hirth in München O

15

Der Alte schlurfte aus dem Zimmer, und ein paar Minuten darauf schlenderte Sibylla zur Tür her­ein. eine Zigarette im Mund die linke Hand tn der Tasche ihrer grellgrünen Strickjacke. Trotz ihrer gleichgültigen Miene merkte man ihr an, daß das Ereignis der Nacht nicht spurlos an ihr vorüberge­gangen war. Sie sah hohl um die Augen aus, und das bleiche Gesicht kontrastierte seltsam mit dem aus­fallenden Rouge, das sie auf die Lipven oelegt hatte Als sie zu sprechen begann, klang ihre Stimme ge­zwungen wie wenn sie eine ihrer inneren Ver­fassung widerstrebende Rylle durch,usübren hätte

Guten Morgen, meine Herren", begrüßte sie uns in munterem Ton.Wie steht das Befinden? Host fenttich befriedigend allerseits." Sie schwang sich auf eine Stuhllehne und baumelte mit den Seinen Irgendwer muß einen Pik auf unS Greenes haben, das'steht fest. Armer, as er Ehrt! Mußtest in Filz­pantoffeln sterben! W.lch klägliches Ende für einen Sportenthusiasten Hm, ich nehme an. Sie haben mich in Ihre erlauchte Gesellfchafi berufen, bamif ick meine Gefchichie herbete Wo beginnen?" Sie stand auf. warf ihre haflnmfgerauchte Zigarette in den Kamin und setzte sich bann in einen Hamen hochlebnigen S'uhl Markhain gerade gegenüber. Ihre kräftigen Hände m* *"* 'n5* zulausenden Fin­gern faltete sie auf der Tischplatte.

Markhmn beobachtete sie eine Weile schweigend Dann begann er:Sie lagen gestern nacht im Seit und lasen, als der Schutz bei Ihrem Bruder fiel?"

ZolasNana", um ganz korrekt zu sein Mutter Tagte mir, der Roman toäre nichts für mich, infolge­dessen habe ich ibn mir sofort besorgt. Leider hat er mich sehr enttäuscht."

Und was taten Sie, als Sie den Schutz hörten?" fragte Markham weiter. Ich sah. daß er nur mit Mühe seinen Unwillen über das leichtfertige Ge­schwätz des Mädchens verditz.

Ich legte mein Buch aus der Hand, stand auf, zog meinen Kimono über und horchte ein paar Mi­nuten an der Tür. Als sich nichts weiter rührte, wagte ich mich hinaus Der Flur war dunkel, und die Sille hatte ein bißchen was Spukhaftes. Ich hätte nattirlich schnurstracks in Chesters Zimmer gehen und nachsehen müssen, was los war ich weih, ich weih, meine Schwesternpflicht heischte das Aber um Ihnen die Wahrheit zu gestehen, Mister Mazharn ich war einfach zu feige. So rannte ich die Dienertreppe nach oben und holte Sproot aus dem Bett Zu zweit rekognoszierten wir dann das Terrain. Che'S Zimmer war unverschlossen, und der allzeit furchtlose Sproot machte die Tür auf Da f Chef mit einem Gesicht als hätte er einen Geist gesehen. Ich wußte sofort, er war tott Sproot ging an ihn heran und berührte ihn. Ich blieb auf der Schwelle stehen. Dann gingen wir nach unten ins Eßzimmer. Sproot telephonierte an alle möglichen Leute und zwang mich dann, eine schauderhafte

Brühe zu trinken, die er mir unter der euphemisti­schen BezeichnungKaffee" vorletzte. Rach einer halben Stunde oder so tarn bann biefer Herr" sie bewegte brn Kopf zu Heath hin,machte ein ent­setzlich sauertöpfisches Gesicht und wies sehr ent­schieden Sproots barbarischen Trank zurück."

Und vor dem Schuß haben Sie keinerlei Ge­räusch gehört?"

Richt einen Laut. Wir waren alle früh zu Bett gegangen. Das letzte, was ich vernahm, war Mut­ters linde, liebevolle Sttmme. mH der sie bet Schwe­ster erklärte, sie fei genau so rücksichtslos wie wir und ihr befahl, den Moraentee Punkt neun Uhr zu bringen, ohne habet die Türen zu schmeißen wie dies sonst ihre Gewohnheit sei. Dann herrschte Ruhe und Frieden bis una-fähr geaen halb zwölf als ich den Schuß in Chets Zimmer hörte."

.Wie lange dauerte vieles Interregnum der Ruhe Miß Greene?" fragte Philo dazwischen.

Mutter pflegt im allgemeinen ihre täaliche Kri­tik an der Familie gegen zehn U6r dreißig ahzu- lchließen. Der Rirbeucktand wird also ungefähr eine Stunde gedauert haben."

Und während dieser Zeit haben Sie wirklich nichts gehört? Kein fchtorsende« Geräusch in der Diele? Kein leises Türlchließen?"

Das Mädchen schüttelte gleichgültig den Kopf und hotte ein zierliches (3ui von Elfenbein aus ihrer Jackentesche, dem sie eine zweite Zigarette ent­nahm.Tut mir leid, ich habe nichts gehört. Des­wegen können ober zehn Leute im Hanse gefchlurs' und Türen geschlossen haben. Mein Zimmer liegt hinten und der Lärm vom Fluß und her 52. Straß- Her übertönt alles, was vorn im Haus vor sich geht."

Philo stand auf und zündete ihr die Zigarette an. Sie sehen übrigens nicht im geringsten verängstigt aus Miß Greene."

Woiu soll ich mich mistigen?" Ihre gefalteten fiänbe losten sich mit einer resignierten Bewegung Wenn mir etwas passieren soll passiert es mir. einerlei, wie ich mich verhalte Aber ich rechne aar nicht einmal mit ein-m unmittelbar bevorstehenden Alckeben meiner geschätzten Person. Niemand hat auch nur den geringsten Anlaß, mich umzubringen höchstens einer von meinen früheren Bridgepart­nern Das aber sind alles harmlose Gemüter, ganz unfähig zu derart ertremen Maßnahmen."

Ja aber" Philo Bance blieb bei feinem leich­ten Unterhaltunastonhei Ihren Geschwistern Julia. Ada und Ehester lag doch schließlich auch kein scwverwieaender Grund vor."

O das kann man gar nicht zo genau wissen Wir Greenes berteaten unS gegenseitig untere Ge­heimnisse nicht an. Die Fr-im-urer sind Klatschbasen gegen uns. Gewiß steckt hinter den Schießereien irgendein Beweggrund. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß sich iemand aus kindlichem Spatz am Knallen diesen Scherz erlaubt hat." _

Sibylla sog eine Weile nachdenklich an ihrer Zi­garette und fuhr bann fort:Ja irgend ein Mo­tta steckt hinter all dem, obwohl man könnte mich totschlag.-n ich wüßte nicht zu sagen, welches. Zuge­geben, Julia war eine gattige. unangenehme Per­son, aber sie kam wenig unter Leute und ließ ihre diversen Kampiere an der Fam'lie aus. Aber letz­ten Endes was weiß ich eigentlich von ihr? We­niger als nichts Wenn solch verbissene alte Jung­fern eines Taaes ihre Hemmungen durchbrechen, lei­sten sie sich schließlich die erttavagantesten Sprünge Andererfetts muß ich gestehen, es fällt einem nicht aanz leicht, sich Julia mit einem Rudel eiferlüchttger Romeos an den Fersen auSzumalen." Sie schnitt eine komische Grimasse bei dem Gedanken.Ada. ihrerseits ist das. was wir in der Algebra eine .un­bekannte Größe" zu nennen pflegten Nur Vater wußte, wo sie auSaefchlsiPft ist. Wir Geschwister ha­ben es nie gegründet Vi"l Zeit sich herumzutreiben Nrt sie allerdings nickst. Mutter forat schon bei ihr für andr-uernde Beschädigung. Trotzdem sie ist iun-r und hiibfch. was man fohübsch" n-mtt" die Feststellung klang etwas giftigund man fflnn nicht wiften. was für Verbindungen fie außerhalb dieser heiligen Hallen angeknüvst hat und vflegt. Itnh Ehester Chester? Ick, wsihte niemand, der ihn leidenschaftlich gefielst hätte. Kann mich nicht erinnern jemals ein gutes Wort über ihn gebärt «u haben. In seiner Vergangenheit wimmelt es sicher­lich von Ursachen für ein getogfttemeS E"de."

Ich stelle fest. Miß Green» daß Ihre Ansichten über die Schnldfraae sich erheblich gewandelt haben", ver­setzt- Bhilo obenhin.

Sibvlla wurde dnnkelrot.Ach war neuttch ein bißchen verrückt, ich weiß. Aber dennoch" in ihrer Stimme grollte Trotzwas wahr ist. hl-ih, wahr: Ada gehört nicht hierher und sie iss ene hin­terhältige kleine Sckssanae Es wäre ihr eine Wonne wenn wir alle abgetan würden Der einzige M-nfch der wirklich an ihr zu hängen sch-int. ist hie Köchin Aber das will nicht viel sagen. Esther B-roson ist eine sentimentale GanS. die alle W-lt mit ihrer Liebe beglückt. Sämtliche herrenlosen Kotzen und Sunde der Umgegend Nesi sie auf Unser Garten hinten ist im Sommer das reine Tierasyl."

Philo sah ein- Weile sinnend vor sich hin Dann schaute er plötzlich auf .Ans Ihren Bemerkungen. Miß Greene entnehme ich. Sie halten nunmehr einen Außenstehenden für den Täter."

Vermutet etwa irgendwer etwas anderes?" fragte Sibvlla in plötzlicher Angst.Man hat doch beide Male Fußspuren im Schnee gefunden Das beutet hoch aan, bestimmt auf einen von außen Kommenden hin."

.Selbstverständlich, Miß Greene", beruhigte sie Philo.Die Fußspuren beweisen unleugabar. daß der Täter beide Male durch daS Hauptportal ins Haus gedrungen ist.

Aber Sie brauchen sich keine weiteren Sorgen zu machen, Miß Greene", fiel Markham ein..Ihr Haus wird von heute ab an beiden Eingängen Taa und Rächt bewacht. Ich werde das sofort <w ord­nen. Sie stehen von nun an unter sicherem Schutz."

Heath nickte Beifall.Wird gemacht, Sir. Ich sorge dafür, daß ab heute zwei zuverlässig Heute zur Stelle sind."

Zn rührend wirklich!" rief Sibylla spöttisch, aber ich glaubte etwas wie geheime Angst in ihren Augen zu lesen. ____

Wir wollen Sie jetzt nicht länger aufhalten. Miß Greene." Markham erhob sichAber ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich auf Ihr Zimmer zurückzögen, bis wir mit unseren Nachforschungen im Haus zu Ende sind. Ihre Frau Mutter können Sie selbstver­ständlich besuchen."

Danke vielmals, Mister Markham, aber ich ziehe vor, ein Stündchen der Ruhe zu pflegen. Muß ver­säumten Schlaf nachholen, damit meine Schönheit nicht leidet." Sie nickte unS freundschaftlich zu und verließ das Gemach.

Wen wollen Sie als nächsten sprechen, Mister Markham?" Heath stand mitten im Zimmer und machte krampfhafte Anstrengungen, feine ausgehende Zigarre wieder richtig in Brand zu bringen.

Aber bevor Markham antworten konnte, gebot Philo mit einer Handbewegung Schweigen und beugte sich in lauschender Stellung vor.Ach bitte, Sproot!" rief erKommen Sie doch mal einen Augenblick herein!" .

Der alte Diener erschien unverzüglich. Still und devot blieb er an der Tür stehen.

Ich will Ihnen ettvgs sagen, Sproot." PhiloS kalte Augen bohrten sich in das ausdruckslose Gesicht des Mannes. .Es besteht nicht die geringste Ver­pflichtung für Sie. sich diensteifrig und etwaiger Be­fehle gewärtig hinter den Portieren der Tür zu schaffen zu machen, solange wir hier drin beschäftigt sind. Sehr aufmerksam und entgegenkommend von Ihnen, aber wenn wir Sie brauchen, klingeln wir schon" _

Gan, toie Sie wünschen, anädiger Herr * Sv^oot wandte sich zum Gehen, aber Philo hiett ihn ,'irück.

Da Sie gerade hier sind, können Sie unS gleich ein paar Fragen beantworten."

Sehr wohl, gnädiger Herr."

Bitte, denten Sie scharf zurück und faaen Sie uns dann, ob Ihnen irgend etwas Unnetoöh"licheS aufaefatten ist, als Sie gestern abend das Haus ah* schlossen."

Gar nich'S gnädiger Herr", antwortete der Mann promvt.Sonst hätte ich selbstverständlich der Poli­zei schon beute morgen Mitteilung gemacht'

Und haben Sie sonst etwas gehört, nachdem Sie auf Ihr Zimmer gegangen waren ein Geräusch, .eine Bewegung irgendwelcher Art, ober ein Tür­schließen?" ,, .

Stein, gnädiger Serr. Es war alles ganz ruhig." Und wann sind Sie zu Bett gegangen?" Genau kann ich ei nicht sagen, gnädiger Herr. Vielleicht so gegen zwanzig Minuten noch elf, wenn ich mir gestatten darf, zu mutmaßen *

(Fortsetzung folgt.)

e Betrachten Sie Ihren Hut!

Zeder tut'«!

Und dann zum

Magazin zum pf<m

ante« «dnlgstratz, 58 »der obere KSnlgstraße 20