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Kasseler Neueste Nachrichten

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Nummer 71

Dienstag 25. März 1930

20. Zahrgau-

Transatlantik-Oienfl mit Zeppelinen

Aufnahme -es Dienstes Ende dieses Jahres / Gewinnt dieEuropa" das Blaue Band?

Eckeners Verhandlungen in LlGA.

(Eigene Drahtmeldung.)

Ein Wendepunkt im Bolschewismus

Don m ferrm ständigen Kol r.spondenten K. H. Sörbing

Reuhork. 23. März.

Dr Eckener teilt bit Unterzeichnung von Sotv trakteu mit hervorragenden Frnanzleuteu und Luft' fahriiuteressenteu der Bereinigten Staaten und Europas mit. wonach eine Lustschifflinie zu, Be- fSreermtg een Post und Passagieren über den At- lamischcn Ozean eingerichtet werden soll.

Dieser Vertrag, de« Dr. Eckener in den Bereinig­ten Staaten abgeMoffen hat, um einen Zeppelin- Transatlantil-Dienst einzurichten, iftu.it getätigt worden mit der im letzten Jahre in Delaware gegrün­deten Zeppelin-Transportgesellschaft, mit der Natio- nal-City, mit der Goodyear-Zeppelin-Cesellschaft, mit dem LiMchiffbau Zeppelin, mit der Carbide and Carbon Chemicals Co einem Untertonzern der Union Carbide Co., mit der United Aircraft Co., dem größten Flugzeugkonzern der Vereinigten Staaten, und der Aluminium-Co, of America. Die Unterzeichnung wird als Beweis dafür aufgefatzt, daß der Plan eines Zeppelin Transatlan- tik-Fluges nunmehr einer baldigen Ausführung ent- gegenflcht.

Tic Beteiligung der United Aircraft-Co. bezeichnete Tr. Eckener als besonders bedeutsam, weil Flug- zeug und Luftschiff bisher als Rivalen detrach- tft worden seien, nunmehr aber zwei ihrer größten Organisationen ssch an der gemeinsa- men Unternehmung beteiligte,t

Dr. Eckener erwartet den Abschluß der Vorarbeiten für die Aufnahme des Transportdienstes zum Ende dieses Jahres. Auch nach der aus Anlaß der Bertragsunterzeichnung ausgegebenen offi- ztel>n Erklärung soll di« Organisierung des Dienstes noch x diesem Jahre vorbereitet werden. Die Luft­schiffe werden in Deutschland und in Amerika gebaut.

Zum Vorsitzenden des Aufsichisrates der Interna­tionalen Zeppelin-Transportgesellschaft ist Deeds, der Vorsitzende des Venvaltungslomitees der Air­craft, die ein ausgedehntes Flugnetz von Canada bis Mexiko besitzt, und jum Piäsivent:« Litchfield, zu gleich Präsident der Goodyear Rubber Co. ausersehen.

Reichstagsmehrheit bereits gefestigt fei, entbehrt jeder sachlichen Begründung.

Vielmehr stnd gerade int Laufe des heutigen Tages ,ioch sehr wicht ge interfraktionelle Bespie-- chungen zu überstehen, ehe man von einer Einigung in diesen Fmanzfragen sprechen kann. In dieser Hinsicht herrscht sogar ein gewisser Pessimismus, denn heute sollen

zunächst die Sachverständigen der Fraktionen zu» sawmentreten,

um über das gestern vom Reichstag verabschiedete Ge­setz zu verhandeln. Dabei steht wie immer int Vorder­grund die Arbeitslosenversicherung u. die Frage der nächstjährigen Steuersenkung. Heber diese beiden Dinge ist man sich zwar gestern irn Reichs­rat wenigstens durch einen Mehrheitsbeschluß einig ge­worden, aber in den heut gen Besprechungen der Frak- t onsverireier wird diese Einigung wahrscheinlich viel schwerer zu erzielen sein. Man fürchtet sogar, daß die alten D'fferenzpunkte, an denen in sachlicher Hinsicht in der Zwischenze't garnichts geändert worden ist, wie­der in voller Schärfe hervortreten könnten.

Die einzige Hoffnung, die man in dieser H'nsicht noch hat, liegt darin, Latz nach der Konferenz der Sach­verständigen eine zweite Konferenz der Frak­tionsführer ftattf'nden soll. Menn die Sachverstänb'gen auf Grund ihrer mater'elTen Beratung n ntck>t zg c'ner Em-gung kommen sollten, so erwartet man doch, daß

die Parteiführer unter gröberen politischen Ee- stchtspunkten diese Einigung noch zustande bringen

werden. Man hat allerdings dabei eine ganze Reihe von Klippen zu übermüden. Es ist z. B sehr fraglich, ob der vom Reichst nanzmin'ster Dr Mol­denhauer in Mannheim angekündigte En wurf der Beseitigung der Kapitalertragssteuer, der Milderung der Kapitalverkehrssteuer und der Senkung der Ge­werbesteuer (der wahrscheinlich nur in Zusammenhang mit einem Steuervere'nheitl'chungsgcs-tz h-rbe'"efit'it werden kann) die Zustimmung aller anderen Regie­rungsparteien finden wird. Vielmehr wrb die Fest­legung der Steuersenkung für das Jahr 1931 bei den Sosialdemokraten grobe Sch-nier'a^eiten machen

Unter diesen Umständen ist es sehr fraglich, ob der Wunsch der Regierung, die interfraktionellen Bespre­chungen bis heute zu beenden, durchgeführt werden kann.

Moskau im März.

Dem bekannten Artikel StalinsSchwindel- anfälle infolge Erfolge-, der sich gegen das zwangsweise Hineintreiben der Bauern in die land­wirtschaftlichen Kollektivwirtschaften, wie überhaupt die brutalen Zwangsmaßnahmen gegen das Land wandte, mußte ganz naturgemäß auch eine ähnliche Erklärung des Zentralkomitees der Bolschewisten Rußlands folgen. Diese beiden Veröffentlichungen kann man am besten als Erwachen aus einem Taumel um Handbreite vor einem Abgrund bezeichnen.

Die Theorien Trotzkis, die man in die Tar umsetzen wollte, wurden in einer Weise ad absur­dum geführt, wie es wohl die größten Gchner nicht erwartet hatten. Eigentlich kann man in die­ser Hinsicht das Schicksal Trotzkis tragisch nennen. Im Exil sieht dieser revolutionäre Romantiker, einstmalig der Abgott der Roten Armee, neben Lenin der größte Kopf der Umstürzler, wie seine Geisteskinder Kollekti­vierung Industrialisierung sich als Utopie ertoefen, wie sein Grundprinzip Militarisierung der Gewerk­schaften, Betriebsräte, Torfsowjets, Schwerindustrie (besonders der Kriegsindustrie) gleich einer Seifen­blase zerplatzte. Das ist das Schicksal Trotzkis.

Der radikal« Kurs, der seit einem Jahre von Sta­lin durchgeführt wird, hatte bereits im vergangenen Herbst eine äußerst bedenkliche Versteifung der laten­ten sowjetischen Wirtschaftskrise hervorgerufen.

Die Phrase desbolschewistischen Tempos" entstand.

Mit allen Mitteln versuchte man, die revolutionäre Begeisterung wieder zu erwecken. Mit einem Trom­melfeuer revolutionärer Phrasen, die tagtäglich durch alle sowjetischen Zeitungen in alle Teile der Sowjet, union hinausgellten, bearbeitete man die kommunisti­sche Jugend, trat man für die Besitzlosen in Stadt und Land ein, peitschte man die Klassengegensätze auf. Dabei machte sich eine sehr interessante Erscheinung bemerkbar. Früher waren die Bokschewiki Meister der Phrase, jetzt beherrschte die Phrase sie.

Während des Winters nahm der Klassen- kampf immer schärfere Formen an. Tie armen Bauern und Landarbeiter waren die Haupt-

Rekordsahrl derEuropa"

Amerika kann voa Deutschland lernen.

Network, 25. März.

Nach einem Funkspruch bes DampfersEuropa" an die Associated Preß hat das Schiff um 11,20 Lhr abends (Dchifsszett) dog Nantucket Feuerschiff passiert. Falls nicht unvorhergesehene Umstände eintretcn, ist ein neuer Rekord zu erwarten.

*

Um den .Bremens-Rekord zu überholen, müßte die ,E rropa" Dunstag um 12 Uhr das Amioroje- Feuerschiff passieren.

Die NeUhorker Presse verfolgt die Fahrt der .Europa" nrtt größtem Inte reffe. Sonderkabelbe- rich»> von Bord des Schiffes üdc/r die Reise und die Geschwindigkeit werden überall auf der Front­seite der Zeitungen groß aufgezogen. DieWorld" hebt hervor, daß die amerlkaittschen Schiff sgesell- schatten, Senatoren und Politiker von DeutsaFand und dem Norddeutschen Lloyd lernen könnten, da die schnellstem Dampfer .Bremen" und .Europa" gänzlich ohne Regterungsunterstützung gebaut wor­den seien. Die Methoden des Schtffabrtsamles und des Postdepartements in der Unterstützung und Be- vorz.iüung amcrrkanisechr Linien mit Poftkont-rat- ten und billigen Attlethen könnten nicht kritiklos passieren. Richt Regieruuasanleihkn, sondern Umernehmungsgeist, deutsche Tatkraft und Energie hätten für Deutschland das Blaue Band des O;-.ans zurückerobert.

Voreiliger Optimismus

th. Berlin, 25 März.

Eine der großen Aufgaben, die der Reichstag unbe­dingt noch vor Ostern erledigen muv- dte Aenderung der Agrargesetze, ist gestern vom Reichstag so über­raschend schnell in zweiter Lesung erled.gt snehe -eile 2!) worben, daß man für heute ^.r mit bei Annahme der traten L.sung rechnen kann. Es fragt sich aber, ob man biefes angenehme Ereign s auch als ein gutes Vorzeichen für ben Verlauf der Finanz beratungen betrachten darf. In dieser Hinsicht liegen b:c Schwie­rigkeiten zweifellos viel ernster, und die in einem Te.I der Presse ausgefproch ne Vermutung, daß die Finanz­sanierung nunmehr gesichert und die dazu notwendige

Kuiiepow in Moskau?

Eigener Drahtbericht.

Paris, 25. März.

Derrussische Emigrantengeneral K u t i e p o w wird in Moskau im Gefängnis Lubjanskaja festgehal­ten", so lautet die Sensationsnachricht, die gestern abend in einer Sonderausgabe bert nationalistischen Liberte" stand. Vor sechs Tagen sei Kuiiepow noch am Leben gewesen.

Durch diese Verössentlichung ist das Verschwinden des russischen Generals wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt worden. Die Morgenblätter machen sich jetzt die Darstellung derSiberte" zu eigen und ergänzen sie durch Einzelheiten, die ganz offensichtlich von der Polizei selbst mitgeteilt sind. Danach soll sich angeblich eine

neue Zengin, eine hochgestellte russische Dame, gemeldet haben, die gesehen haben will, daß der Ge­neral am Nachmittag des 26. Januar in der Norman­die aus dem berühmten grauen Auto, das wieder von einem roten Taxi begleitet war, an Bord eines Mo- torbootes gebracht wurde, daß bann zu einem am Horizont sichtbaren Dampfer gefahren fei.

Der General fei mit zwei Mänteln eingeWllt und betäubt gewesen,

odatz et von den Insassen der beiden Kraftwagen, unter denen sich die von derEntführung her bekannten Personen, die Frau im grauen Mantel u. der Polizei­beamte, befanden hätten, zu dem Motorboot getragen werden mußte.

Die Polizei wird in einigen Tagen noch drei wei­tere Zeugen, vernehmen, die dieser Szene gleichfalls beigewohnt haben.

* * *

Rach den weiteren Meldungen bet Pariser Blätter teht e» jetzt angeblich fest, daß Kutiepow von Agenten der G. P. U. entführt wurde und im Gefängnis Lubjanskaja in Moskau geso-geugehaltcn

wird, in dem die zum Tode Verurteilten die letzten Tage vor der Hinrichtung verbringen.

po ritsche preffehche

Warschau, 25. März.

Die von Gehässigkeit strotzenden Leitartikel pol­nischer Blätter bieten einen schlagenden Beweis da­für, daß voneinerAbnahmeder polnischen Pressehetze gegen Deutschland, auch nach der Rati­fizierung des Warshauer Abkommens und nach Ab­schluß des Handelsvertrages keine Rede fein kann.

So schreibtABC" unter anderem, daß die Deut­schen eine wahre Komödie aufgeführt hätten, um das Liquidationsabkommen mit Polen künstlich aus der Gesamtheit der Haager Vertrage herauszulösen. Diese Komödie habe mit den bestellten Auseinander­setzungen im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages begonnen, den zweiten Akt hätten die dummen und naiven Anfragen des deutschen Botschafters von Hoesch (!!) in Paris dargestellt, während der letzte Att durch den Brief des Reichspräsidenten von Hin­denburg und durch die verfassungsmäßigen Bedenken gekennzeichnet worden sei. Der Liquidationsvertrag fei tatsächlich für Deutschland nichts anderes, als die erwünschte Grundlage für die Ausdehnung nach dem Osten (!). Darin sei sich das ganze Deutschland von rechts bis links einig, und es sei ein grober Fehler, wenn zwischen den Nationalisten und der deutschen Linken ein Unterschied gemacht werde.

V * *

Berlin, 25. März. DerReichsanzeiger" ver­öffentlichte in seiner Ausgabe vom Montag, den 24. März (Nummer 70) im nichtamtlichen Teil den Wortlaut des Wirtschaftsabkommens zwischen dem Deutschen Reich und der Republik Polen, das am 17. März 1930 in Warschau von den deutschen und polnischen Bevollmächtigten unterzeichnet worden ist. Das Abkommen ist noch nicht in Kraft, unterliegt i vielmehr noch der Zustimmung der an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften..

stützen dieses Kampfes auf dem Lande. Wenn mack die sowj.tische Politik kennt, die stets den armen Teil des Dorfes unterstützte, so kann man den armen Ele­mente, die trotz der Hilfe, Vergünstigungen usw. es immer noch zu nichts gebracht hatten, wahrhaftig nicht volkswirtschaftlich als werwolle Stützen des Sowjet­regimes bezeichnen. Diejenigen Landwirte, die sich emporgearbeitet hatten, wurden fürKulaken" er­klärt, ihr Eigentum beschlagnahmt und oftmals ihr g e s amtes Hab und Gut, sogar die Truhen mit den Kleidern und der Kinberwäscheenteignet" und den neuen bäuerlichen Kollektivwirtschaften überwie­sen ober verste'gert. DieKulaken" wurden entweder von Haus und Hof und aus dem Dorfe verjagt ober alsKonterrevolutionäre" ins Gefängnis gesteckt ober auf Zwangsarbeit geschickt. In die Kolchosen bürsten biesc Entrechteten nicht ausgenommen werben.. .

Klassenkampf bis zur endgültigen Vernichtung H des Gegners!

Tatsächlich wurde diese Formel ja in beit sowjetischen Zeitungen gepredigt! Andererseits wurden auch zahl­reiche Mittelbauern, ja sogar arme Bauerneittkula- kisiert", verfielen also ebenfalls den schärfsten Maß­nahmen.

Selbstverständlich Wurde der Klassenkamps auch fn den Städten geführt. Allein der Ausdruckf r ü-> Here Menschen", ebenfalls ein Schlagwort des bolschewistischen Sprachschatzes, die ehemaligen Bür­gerlichen, ist bezeichnend. Diese Menschen waren Ent­rechtete, und natürlich erdrosselte man auch mit allen Mitteln die Nepleute, die Reste der Kaufleute und Kleinfabrikanten aus der Zeit der Neuen Lekonomi- schen Politik.

Und nun der Umschwung ! Erwürbe natürlich nicht oon bei Stabt, sonbern vom Lanbe herbeigeführt. Die Unruhe ber Bauern, bei sich immei mehr vei- stäikenbe Wibeistanb gegen bie zwangsmäßige Kol­lektivierung bei Baueinwiitschafien biachte bas jähe Eiwachen.

Die Lage kann man veigleichen natüilich mit gewißen Einschränkungen' unb Abweichungen mit dem Mäiz 1921, in bem Lenin mit bei Einfühlung desGesetzes über bie Lebensmittelsteuei" unb dem Nep (Neue Oekonomische Politik) vom Kriegskommu­nismus energisch abrückte. Auch jetzt ging bie Ent­wicklung zu einem militarisierten Kommu- n i s m u s. Die Ausschüsse ber Dorfarmen, bie in der Zeit des Kriegskommunismus unendlich großen Scha­den auf dem Lande angerichtet hatten, erfuhren eine Wiedergeburt im letzten Jahre in der Organisierung der Dorfarmut, nur daß die Vollmachten dieser Orga­nisationen diesmal nicht jenen diktatorischen Charak­ter der Jahre 1919/1921 hatten.

^smmer klarer wird cs, daß der junge bolsche­wistische Nachwuchs, auf den sich zweifellos Stalin zumindest gestützt, wenn nicht vielmehr ihm nachgegeben hatte, dieselben Wege ging wie die alte Garde und dieselben Fehler unb bieselben bitteren Erfahrungen machen mußte, wenn nicht noch bitterere! 2lber zweifellos ist es gut, baß gerabe bieje

bolschewistische Jugend als Stoßbrigaden «sw. zur Kollektivierung auf das Land geschickt

wurde. Selbstverständlich wollten sie es schaffen! Möglichst in einer Woche tausendprozentig alle Bauernwirtschaften in Kolchosen umwandeln, nicht nur das erbärmliche, morsche Europa einholen, son­dern sogar Amerika, die große Mode der bolschewisti- chen Jugend, zweihundertprozentig Überholen! Im Phrasentaumel fuhren sie aufs Land bem boliche- wistijchen Frühling entgegen! Die Abfuhr, bie ihnen bie Bauern gaben, war grünblich, herb, bitter, aber notwenbig. Angesichts bei Tatsache, roteniele Werte dieser Klassenkampf zurneuen Revolution" ver­nichtete, wieviele fleißige Bauen- mit ihrer ganzen Arbeit ausgerottet, verjagt, verbannt wurden, welch großes Mißtrauen unter den Bauern gesät wurde, kann man nur feststellen, daß diese Lehre sehr, ehr kostspielig war. Auch der Schaden des Klassenkampfes in der Stadt ist unberechenbar und wird sich genau wie im Dorfe erst im Laufe dieses Jahres voll auswirken.

Im engen Zusammenhänge mit dem Klassenkampf im Innern hat man auch wieder die Theorie des zerfallenden Kapitalismus" im Auslande, der kom­mendenWeltrc^lution" eifiigft verkündet. Hierbei handelt es sich nicht etwa ausschließlich um propa­gandistisches Fanfarenkonzert, das den revolutionären Schwung im Jnlande anfeuern sollte (wenngleich die­ses Ziel dabei auch verfolgt wurde), sondern um die Tatsache, daß die wirflif* einflußreichen und aus­schlaggebenden Personen in ber kommunistischen Par­tei Rußlands keine Ahm. g von Europa haben. Auch