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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Aummer 66 , Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Mittwoch, 19. März 1930

Einzelpreis: Sonntag« 20 Pfennig.

20. Zahrgan-

Demonstrationsverbot wird aufgehoben!

Lach Seschluß her preußischen Regierung / Moskau zu den deutsch-polnischen Verhandlungen / Ser Zeppelindau rüstet zur SSdamer ikafahrt

Steuervorlagen vor dem Reichstag Reue Pläne Dr. Eckeners

Von unserer Berliner Schriftleitung. , Eigener Drahtbericht

th. Berlin, 19. März.

Da die erste Lesung der Steuergesetze im Reichs- tag erst heute beginnen wird, so blieb für die gestrige kürze Plenarsitzung nur die Erledigung der Abstim­mung zum Republilschutzgesetz übrig. Wie zu et- warten war, wurde das Republilschutzgesetz in der uamentlichen Abstiutmung mit sehr erheblicher Mehr­heit angenommen. (Siehe Seite 2!) Die preutzi- lche Regierung beabsichtigt, unmittelbar nach her Verkündung des gestern beschloffenen Gesetzes das ün Dezember erlassene Verbot der Demo«, strationen und Kundgebungen unter frei­em Himmel sofort wieder aufzuheben.

In der heutigen Sitzung des Reichstags wird «un der Reichsfinanzminister die gestern im Reichs- tag eingegangenen Steuervorlagen (Bier- steuer, Mineralwassersteuer und Zuckersteuer) im Ple­num des Reichstages vertreten. Es gilt jedoch nicht als wahrscheinlich, daß Dr. Moldenhauer dabei eine große Programmatische Rede halten, sondern vorläufig nur eine kurze Erklärung geben wird. Auch die Regierungsparteien beabsichtigen, sich m der ersten Lesung mit kurzen Erklärungen zu begnügen, da man allgemein bestrebt ist, die Steuer­vorlagen möglichst bald im Ausschuß zu behandeln. Es ist anzunehmen, daß das Plenum des Reichs­tages sich alsbald nach der heutigen Sitzung ver­tagen wird, um den morgigen Tag für andere Ver­handlungen freizulaffen. Mit Rücksicht auf den Mannheiiner Parteitag der Deutschen ^>»kspaz.ei ,inden morgen Parteisttznngen über Haupt nicht statt.

Reben den Wnarberatungcn des Reichstage« fieoen o:e mterfrcrknonellcn Besprechungen Wer Finanz- und Agrarfragen weiter. In den Finanzsragen wird man zunächst noch nicht m>i et- nem Resultat rechnen können. Hier macht sich mnj a^utlch &te Neigung bemerkbar die wichtigsten fra­gen erst nech dem Parteitag der Deutschen Dolks- partei in der nächsten Wiche ernstkaft in Angriff zu nehmen. Bei der gestrigen interfraktionellen Be- sprechung der Klnan'sachversiändiaen über die Re­form der ArHeitslosenversicherung ereab es sich, daß die Sozialdemokraten den bekannten Abände- rungsvorschsag der Deutschen Polkspartet rundweg ablehnen. Mit diesem negairven Ergebnis ging man auseinander, wird aber heute die Beratung fort'eben.

Teileiwgung in den Agrarfragen

Die Verhandlungen der Agrarsachverständigen der Regierungsparteien haben gestern abend zu einer wenn auch noch recht lückenhaften E i n i gu n g ge­führt. Offen geblieben sind dabei die Fragen des Roggenzolles, des Affttstnonopols und des Zucker­zolles. lieber die aitberen Fragen hat man sich jetzt auf folgender Basis geeinigt:

Der Weizenzoll soll um Mark 2.50 auf 12 Mark Pro Doppelzentner erhöht werden. Der Ger- stenzrll soll zwischen 2 und 10 Mark liegen und zwar Mark 2 trenn, wenn der Käufer den Nachweis er­bringt, daß er gleichzeitig ein bestimmtes Quantum

Roggen zur Vermahlung erwirbt. Der Haferzoll soll variabel gestaltet werden und zwar von 4 aus 12 ML. Der Mehlzoll soll auf das Eineinhalb­fache des entsprecheichen Getreidezolls gesetzt werden zuzüglich einer Schutz spanne von Mark 5,25 Pro Dop­pelzentner. Kleie soll mit einem Zoll belegt wer­den von der Hälfte des entsprechenden Getreide­zolles. Davon sind ausgenommen: Reine Weizen­kleie Maislleie und Maisabfälle.

Beim W e i z e n z o l l ist eine seqenannte Ka- tastropheniklaufel eingesügi. Danach ist der Re i ch s- e r nähru ng sm> nifter ermächtigt, gemeinsam mit Reichsrat und einem Ausschuss des Reichstages den Weizenzoll ohne Bindung bis an die r'freie Grenze tu erhöhen, wenn der Weltmarktpreis für Weizen bis 40 Prozent unter die am 18. März an den drei wichtigsten amerikanischen Weizenbörsen festgestellte Notierung fallen sollte.

Der Antrag auf Einführung des M a i 8 m ono- vols wird lediglich von der SotiaDemokratie, dem Zentrum und der Bayrischen Volkspartel einge­bracht werden, während die Demokraten und die Volkspartei diesem Antrag widersprechen.

Beim Zucker ist beabsichtigt den Zoll von 25 auf 32 zu erhöhen, dagegen den Höchstpreis, der zwi­schen 21 und 22 35 Mark liegt, um 50 Psg. zu senken.

Neber diese Fragen muß heute noch weiter ver­handelt werden. An die Frage des Roggenzolles ist man überhaupt nicht herangegangen, weil eine Eini­gung nicht zu erzielen ist. Diese Frage bleibt also unerledigt.

Inwieweit es möglich sein wird, dem Wunsche der Sozialdemokraten nachzukommen, diese Agrar- Anträge lediglich mit der Mehrheit der großen Ko- t.niion unter Zuhils- »hme der Deittschnationaletr durchzubringen, ist angesichts der Lückenhaftigkeit dieser Einigung, noch sehr fraglich

AervostÄ in Moskau

Die Svwjetpreffe über den deutsch-polnischen Handelsvertrag.

Kowno, 19. März.

Wie aus Moskau gemeldet wird, nimmt die Svwjetpreffe zur Unterzeichnung des deut sch- polnischen Handelsvertrages Stellung. Die .Zswestija" erklärt, die russische Öffentlichkeit habe ein besonderes Interesse an den deutsch-polm- schen Beziehungen, weil die Liquidation des Zoll­krieges zwischen den beiden Staaten auf dieser Grundlage Polen freie Hand gegenüber seinen Nach­barn, besonders gegenüber den Randstaaten, gebe.

DiePrawda" erklärt zu dem Vertrag, daß er den ersten Schritt zur Einbeziehung Deutschlands in einen antisowjetist schen Block darstelle, und daß der Vertrag eine große politische Umwälzung in Osteuropa herbeizusiihren geeignet fei und die Sow­jetregierung zwinge, die politischen Jntereffen in Europa einer gewissen Revisiion unterziehen.

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Wie aus Moskau gemeldet wird, hatte der deut­sche Botschafter mit Litwinow eine längere Unter­redung über die deutsch-russischen Beziehungen, in der verschiedene politische Fragen, die zur Zeit tm Vordergründe des Interesses stehen, berührt wurden.

Macdonald gerettet!

Die Liberalen stimmen für das Kabinett.

London, 19. März.

verschiedenen Ländern nicht milgerechnet werden sol-Liberalen so gut wie stcher.

nicht förderlich bezeichnet habe. ...... " ation scheine jetzt auf

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Daraus ist zu erwidern, daß von Deutschland die Lage, um die es sich hier handelt, ganz anders ge­würdigt wird, als in diesen Londoner Meinungs­äußerungen zum Ausdruck kommt. Zugrunde liegt die rrrage der Anrechnung der ausgebilde- tenReservenaufdieRüstungsstarkeder einzelnen Länder. Das größte Hlndernis für den Fortschritt der Arbeiten der Vorbereitenden Ab- rüstungskommiffion hat bekanntlich das französische Verlangen aufgeworfen, das die ausgebildeten Reser­ven bei der Abschätzung der Rüstungsmöglickkeiten und bei der Bestimmung der Heeresstärken in den

Die Londoner Flottenkonferenz befin­det sich schon seit längerer Zeit in einer Sackgasse, aus der man anscheinend einen Ausweg zu finden sucht, gegen den von Deutschland der ent,chiedenste Wider­spruch erhoben werden müßte. Es wird nämlich aus London über die inoffiziellen Besprechungen unter den verschiedensten Delegationen, besonders unter der französischen und britischen Delegation, gemeldet, daß der britische Premierminister Macdonald im Interesse eines Erfolges frei Flottenabrüstungskonferenz bereit sein könnte, Zugeständniffe zu machen, die er seiner­zeit als Mitglied der Oppozition als der Abrüstung

D'e britische Delegation scheine dem Standpunkt zu stehen, daß der Z w e ck d _____

tel heilige und daß es unverantwortlich sein wür­de, den Erfolg der Flottenkonferenz durch ein hart­näckiges Bestehen auf Forderungen zu gefährden, die in der Praxis doch nicht durchführbar wären. Es werde gellend gemacht, daß jedes Land, wenn es dies wolle, in der einen oder anderen Form Mannschafts­reserven ausbilden könne und, daß es im größeren Interesse z. B. Deutschlands liegen wurde, durch einen Erfolg das allgemeine Ziel der Abrüstung auch zu Lande näher gerückt zu sehen. Es werde sogar der Ansicht Ausdruck gegeben, daß sich Deutschland der Heberzeugungskraft dieses Beweisgrundes bei einge­hender Würdigung der Lage kaum werde verschließen tonneu.

Die in gewissen parlamentarischen Kreisen in aller Kürze erwarteten Neuwahlen sind durch eine überraschende Entscheidung der parlamentarischen libe- ralen Partei in weite Ferne gerückt worden.

Auf seiner Sitzung der liberalen Fraktion wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß es angesichts der gegenwärtigen Lage der Londoner Konferenz nicht im Interesse des Landes liege, wenn jetzt eine kritische Situation für die Regierung im Unterhaus heraufbeschworen werde. Die liberale Partei werde daher am Donnerstag für d ie Regierung stimmen. Eime Annahme 6er Kobleubill in drit­ter Lesung ist nach diesem Posittonswechsel der

len. Frankreich verfügt selbst über em Hebet« maß von ausgebildeten Reserven, wie sie in keinem anderen Lande vorhanden sind, und womit sich vor allem Deutschland in keiner Weise messen kann. Deshalb Hal Deutschland in der Abrüstungs­konferenz von vornherein den Standpunkt vertreten, daß die Angleichung der Rüstungsstärken, um zum Ziel einer wirklichen Abrüstung ober möglichster Rü­stungsgleichheit zu kommen, den vollkommenen Ein­schluß der ausgebildeten Reserven in die Heeres stärke erfordere.

Wie in der Londoner Meldung erwähnt ist, hat Macdonald früher für biefen Stanbpunkt Verstänanis gehabt, als er noch nicht Ministerpräsibent war. Er scheint jetzt aber Frankreich Zugeständnisse in dieser Frage machen zu wollen, die er früher als nichtförder­lich für die Abrüstung abgelchnt hat. Macdonald scheint die Flottenkonferenz durch ein be­sonderes Entgegenkommen an Frank­reichs wieder flott machen zu wollen, aber es muß sehr nachdrücklich auf diesen Meinungswandel Macdonalds hiegewiesen werden, da dieser Kuhhandel auf Kosten Deutschlands gehen und das Ziel der all­gemeinen Abrüstung und damit di« Interessen Deutschlands schwer gefährden würde.

Auf Deutschlands Rücken

Euglisch-franzöflscher Kuhhandel in London?

Berlin, 19. Mörz.

Die lleberholungsarbeiten am LuftschiffGraf Zeppeli n" sind soweit fortgeschritten, daß bas Schiff nunmehr Anfang April wieber fahrtbereit sein bürste.

Zur Zeit wirb unmittelbar hinter der vorberen Hauptgondel eine

besondere Hilfsmaschinengondel eingebaut,

die zwei Hilfsmotoren mit einer Dynamoanlage auf­nehmen und lediglich der Beschaffung der Beleuchtung für die Küche und die Funkstation des Zeppelin unter­wegs dienen soll. Die für April dieses Jahres vorge­sehenen Fahrten desGrafen Zeppelin" werden also vor allem der Ausprobierung der sogenanntenE= Gondel" dienen.

3m übrigen wird in Friedrichshafen eifrigst an den Vorbereitungen fiir die große Fahrt nach Süd- und

Rordamerika

gearbeitet. In Recife (Pernambuco), dem füdamerika- nifchen Stützpunkt für das Luftschiff, wird neben einem Ankermast ein Lager von Gasflaschen, Motoren, Ma­schinenteilen usw. eingerichtet. Die Südamerikafahrt beginnt von S e v i I l a aus, wohin das Luftschiff im Mai die Reise antreten wird. Bei günstiger Wetter- lage wird derGraf Zeppelin" bei Ueberquerung des Atlantik, für die etwa zwei bis drei Tage vorgesehen sind, an Pernambuco vorbei bis Rio de Janeiro fahren, dort kurze Zeit zum Ausschiffen der Fluggäste und an Vo-dnahme der neuen Fahrgäste landen, um bann nach Pernambuco zuriickzukehren und hier den Gas- und Brennstoffvorrat auszufüllen. Der zweite

Teil der Fahrt von Pernambuco nach Lalehurst soll nach Möglichkeit über die westindischen Inseln führen, vielleicht auch mit einem Abstecher nach Ha­vanna. Von Lakehurst geht die Fahrt zurück nach Se­villa und von hier nach Friedrichshafen.

Der Preis für jede der drei Teilstrecken beträgt 3000 Dollars, für die ganze Fahrt 6000 Dollars.

Dr- Eckener, der sich zur Zeit auf der Reife nach Amerika zu einer Aufsichtsratssitzung der Eoodyeat- Zeppelin-Corporation befindet, wird seinen Aufenthalt drüben auch zur Klärung der Frage benutzen, ob an °®r erikanischen Ostkuste ein neuer Luft­schiff ha f e n für Verkehrszwecke geschaffen roeröen fann damit künftighin nicht immer die East- freund chaft der amerikanischen Marine in Lakehurst in Anspruch genommen werden muß.

In der jetzt fertiggestellten neuen Vauhalle in Friedrichshafen wird zur Zeit ein Versuchs­ring von etwa 40 Metern Durchmesser gebaut, an dem die notwendigen Belastungs- und Spannungsproben für das kommende neue Zeppelin-Luftschiff ,L. Z 128 teftens°mmCn merbeiL Schon jetzt steht fest, daß spa-

im Frühjahr 1931 auf dem Flugplatz Löwenthal be, Friedrichshafen eine weitere Zeppelinhalle in Angriff genommen

Eden wird, die in ihren Ausmaßen fast an die Halle 'n. "akehurst herankommen dürfte. Sie soll in erster Linie Verkehrszwecken, im Bedarfsfälle aber auch als Bauhalle dienen.

Der Wie-eraufbau Ser deutschen Hsn-erssiotte

Die erste Ozeanfahrl derEuropa"

Von Korvettenkapitän a. O. E. Metzenthin M. d. L.

Das neu- Großschiff des Norddeutschen Lloyd, dreEuropa", tritt heute ihre Jung­fernfahrt über den Atlantik au.

Heute tritt der neue Lloyd-SchnelldampferEuro­pa" feme erste Ausreise an. Nach seiner Jnö.enst- stellung werden von den se ch s g ß t e n S ch i s- fen der Welt zwei die deutsche Flagge tragen. Auf deutschen Wersten gebaut sind fünf, "amlich außer den NeubautenBremen" undEuro­pa die früheren Dampfer der Hamburg-Amerika- "Va'erland" undBismarck", die nach Friedens,chluß an England bezw. Nordamerika ausgeliefert werden mußten.

MitBremen" undEuropa" hat Deutschland den Kampf um das blaue Band des Ozeans wieder auf genommen.

Abgesehen von früheren kürzeren Epifoden ist es von 1897 bis 1907 in seinem Besitz gewesen. England nabm es uns mit derMauretania", die die für da­malige Zeiten unerhörte Geschwindigkeit von 26 Seemeilen erzielte. Infolge des Krieges ist die fchiffbauliche Entwicklung nicht so schnell vorwärts- gegangen, wie es Wohl sonst der Fall gewesen wäre. So hatMauretania" 22 Jahre den Ruhm des schnellsten Pasiagierschisses behaupten können. Erst dieBremen" hat 1929 mit einer Reisedauer von vier Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten zkviscken Nantucket Feuerschiff und Eddystone-Leuchtturm ihre Leistung übertroffen.

Als 1507 dieM a u r e t a n t a" in Dienst kam, verzichtete die deutsche Handelsschiffahrt bewußt dar­auf. einen gleich schnellen Konkurrenten zu schassen, weil es bei dem damaligen Stande der Technik aus­geschlossen war, ein solches Schiff wirtschaftlich zu betreiben. Die Engländer kamen über derartige Er­wägungen hinweg, weil ihre Regierung den Bau und Betrieb finanziell stark unterstützte. In bet Folge gab die Hamburg-Amerika-Linie die Jmve- ratorklasfein Bau, die zwar um e i n i g e M e i- len langsamer, dafür aber sehr viel größer und für die Passagiere bequemer und ange­nehmer war. Es ist nun interessant, durch Ver­gleich dieser Schiffe mit den Neubauten sich einmal klarzumachen, welche Fortschritte der Schiff­bau in 15 Jahren gemacht hat.

DieEuropa ist etwas kleiner als derImpera­tor". Sie wird 27 Seemeilen ist gleich 50 Kilometer gegen 23 Seemeilen desImperator" laufen. Wäh­rend dieser 60 000 VS hatte, verfügtEuropa" über 100000. Trotzdem ist es möglich gewesen. Mascbinen- nnd Keffelräume auf einen febr viel geringeren Raum zusammenzudrängen. Das hat feine Hrfache hcmpt- fächlich darin, daß man in der Zwischenzeit gelernt hat,

Kessel zu bauen, die nicht mit 17, sondern mit 25 Atmosphären Heberdruck arbeiten.

Jeder Kessel erzeugt Dampf für 5500 BS wäh­rend die Imperatorkessel nur für je 1500 PS. lie­ferten.Imperator" hatte 38 Kessel,Europa" besitzt nur 18, sodaß der Kesselraum fehr viel kleiner ge­worden ist.

Ein anderer grundsätzlicher Fortschritt besteht da­rin. daß man es gelernt bat. Hebersetzungs- aetriebe von außerordentlicher Lei­stungsfähigkeit zu bauen. Dadurch wird die Verwendung hochtouriger

Turbinen von geringstem Gewicht und mit bester Wärmeausnutzung

möglich, wobei man trotzdem die Drehzahl der Pro­peller int Bereich günstiger Wirkungsmöglichkeiten halten kann. Schließlich fptelt noch eine Rolle, daß nur »och Oel -um Antrieb gebraucht wird, das

einen wesentlich größeren Heizwert hat und in Dop­pelbodentanks untergebracht werden kann, sodaß eS keinen nutzbaren Raum fortnimml. Die Folge davon Nck daß dieBremen" Platz für 2 200 Passagiere

Es ist felbstverständlich, daß die Si'cherheits- elnrtchtungen auf das Beste ausgebildet sind. Das Schiff hat 15 wasserdichte Abteilungen. Es " « * no$ schwimmsähig, wenn die z'eei größten voll Wasser gelaufen sind. Für den schlimmsten Fall sind 22 Motorrettungsboote für je 145 Personen vor« Händen.

Wenn manMauretania" mit derEuropa", die nur um etwa eine Seemeile schneller sein dürfte, vergleicht, so wird man sagen können, daß eine Schiffsgeschwindigkeit, die vor 15 Jahren nur technisch möglich war, fetzt aucb wirtschaftlich möglich geworden ist.

Es ist selbstverständlich, daß der Norddeutsche Llovd die neuen Schnelldampfer nicht gebaut hat. um Geld daran zuzusetzen. Es ist ebenso selbstverständlich, daß eine Subvention des Reiches nicht in Frage kommt. Tie Schiffe müssen sich aus eigener Kraft erhalken und amortisieren.

In dieser Feststellung liegt auch eine andere Tat­sache begründet. Zweifellos ist es

technisch möglich, Dampfer zu bauen, die Deutschland das blaue Band des Ozeans wieder entreißen.

Es wird fett Jahren davon gesprochen, daß die Ver­einigten Staaten von Nordamerika 30 Seemeilen­dampfer. daß auch England gleichschnelle Schiffe aus Stapel legen wolle. Dies ist lediglich eine Frage der Opfer, die man dem nationalen Prestige in Form von Subventionen zu bringen bereit ist ' Im- merhin ist festzustellen, daß. nachdem die Wbite- ^^re-Llne den Bau derOeeanic" wieder eingestellt

"5*« o'E Frage des Antriebes noch nicht ge­klart ist . zurzeit kein Konkurrent gebaut wird. Das bedeutet

für Deutschland einen Vorsprung von mindestens drei Jahren.

Hoffentlich wird es in dieser Zeit gelingen, recht viel zahlungskräftiges ausländisches Stammpubttkum auf unsere Schiffe zu ziehen, Dollars zu ernten und unsere Zahlungsbilanz zu verbessern. Bei guter Be­setzung derEuropa" bringt jede Reise eine Brut­toeinnahme von etwa 2 Millionen Rm. Möglicherweise wird mit derEuropa" die höchste Stufe der Entwicklung, die mit der Dampfmaschine zu erzielen ist, erreicht sein-

Wenn andere Nationen sich bisher nichi zu ähnlichen Bauten entschlossen haben, so liegt dies zum Tctl da­ran, daß man glaubt, zu einer anderen Art des An­triebes übergehen zu sollen. Es ist nicht möglich hier auf biefe Dinge eiuzugehen. Immerhin mag angedeutet werden, daß vielleicht fchon die nächste Serie großer Schnellschiffe d i cse?m o t o r l schc n Antrieb erhalten wird.

*

Auf ein frei der gestrigen Probefahrt derEuro­pa" an den Reick-spräsibciiten abgesandtes Tele­gramm, hat der Reick,spräfibent erwidert:

Dem Vorstand und Aufsichlsrat des Nord­deutschen Lloyds danke ich für die erfreuliche Mel­dung von der glücklich becndcien Probefahrt des nctten SchnelldampfersEuropa". Ich wünsche dem neuen Schiff allzeit glückliche Fahrt Möge es stets deutschem Schiffbau und deutscher Schis' fahrt Ehre machen und <o unserem Vatcrlnude auf dem Meere erfolgreich dienen. Aff, den besten Grütze« e. Hindenburg".