Kasseler Neueste Nachrichten
- Kasseler Abendzeitung .S? Hessische Abendzeitung
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Nummer 64
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig
Montag, 17. März 1930
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
20. Zayrgan«
Kommunistische Karnevalsfeiern am Osterfest
Die neuesten plane der Sowjets / Skandal nm den Wojewoden von pvmerellen / Sie neuen Bombenanschläge in Schleswig-Holstein
Die S.p.ll. wieder an der Arbeit
Eigener Drahtbericht.
Warschau. 17. März.
Wie von per polnisch sowjetrussischen Grenze ge melbet wird, hat die G. P. U. wieder 45 Dorfbewohner, die aus Sowjetrußland flüchten wollten, verhaftet und unter militärischer Bewaffnung verschleppt. Drei Bauern seien, wie von polnischer Seite beobachtet worden ist, unterwegs erschossen worden.
Wie aus Moskau gemeldet wird, haben leitende Stellen der Sowjets erklärt, daß sich in Sowjetrutz- land die Kirche als Feind der Revolution erwiesen habe. Mehrere Prozesse hätten ergeben, daß die katholischen Priester in Sowjetrutzland im Dienste des polnischen Generalstabes ständen und Propaganda gegen das Regime der Sowjets getrieben hätten
Die Sowjctvrrbände planen anläßlich der Oster- feier eine große antireligiöse Karnevalsfeier zu veranstalten, an der die gesamte Jugend und alle Verbände teilnehmen sollten. Man beabsichtige, Massenversammlungen abzuhalten und den Atheismus zu propagieren.
Rnsflsch-stanzösische Spannung
’ Paris, 17. März.
' Die nationalistische Zeitung »L'Ordre* will Einzelheiten über die Ursache der Meinungsverschiedenheiten mitteilen können, die zwischen dem Volkskommissar Litwinow und dem französischen Botschafter in Moskau, Herbette, bestehen sollen. Danach soll die Spannung entstanden sein, als Herbette Litwinow die Rote überreichen wollte, in der Rumänien unter aus oen Keuo»gp«tt gegen ote
von Chinesen und den Einbruch der Sowjettruppen in die Mandschurei protestierte. Bei der Ueberrei- chung der Note habe Litwinow sich unbeschreiblich ausfallend ausgedrückt und habe Miene gemacht, das Schriftstück auf die Erde zu werfen.
Die Zeitung wirft die Frage auf, ob die französische Regierung einen Nachfolger in Moskau für Herbette bestimmen werde, und bemerkt, es sei nunmehr eine schöne Gelegenheit da. um alle diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Sowjetrußland abzubrechen.
Sin seiner Wojewode
s Skandal um den Wojewoden von Pomerellen.
s Warschau, 17 Mär;
Wie aus Thorn gemeldet wird, hat der Woie- tvode von Pomerellen Lamot st-ine Amts- tätigeit plötzlich eingestellt und ist spurlos verschwunden.
Tue hiesige Zeitung .Robotnik" gibt nun am Sonntag einen Auszug ans der Zeitung „Mvsl Niepoolezla" in vem es unter anocrem heißt, vaß der Wojewode Lamot vor dem Kriege in Lublin tätig gewesen sei. Damals habe ^an ibn eines schönen Tages in der Wobmt « eine, zweifelhaften Persönlichkeit unter der Ankle«, des ktzrububersallcs her' artet. Das Gericht H-tbc ibn von oicsem Verdachts .reigesprochen, jedoch festgestellt, daß er
verschiedene dunkle Geschäfte
gemacht habe. Später sei er unter dem Namen Lamot .'.ufgetaucht, habe den wilden Anhänger Pil- sudskie gespielt und sei schließlich Wojewode von Pomerellen geworden In oieser Eigenschaft habe er ein wahres Schrecke nsregiment aus- tzeübt.
Zurzeit sind über Lamot noch wettere sensatio
nelle Gerüchte verbreitet Das Blatt droht mit der Veröffentlichung weiterer Einzelheiten.
Lamot soll sogar danach des Raubmordes schuldig sein.
Die bereits in die ausländische Presse gedrungenen Gerüchte über die Vergangenheit des Woiewoden werden, wenn sie sich auch nur zum Teil bewahrheiten sollten, die Verboten eines geradezu unge - heuerlichenSkandals sein
Höllenmaschine in Aenmnnster
Auf der Spur der Attentäter?
Altona, 17. März.
Außer dem neuen Bombenattentat in Oldenloe, über das wir am Sonnabend berichtet haben, ist auch in Neumünster und zwar in einem Kellerloch an der Südseite des Finanzamtes eine Höllenmaschine entdeckt worden. Die Polizei beschlagnahmte die in einem Holzkoffer angebrachte Maschine und machte sie unschädlich.
Die weitere Untersuchung hat ergeben, daß die Höllenmaschine bereits am Sonnabend nachmittag explodieren sollte, da nämlich um diese Zeit der Strom bereits einmal eingeschaltet war und die Drähte auch geglüht haben. Entweder hat das Werk infolge eines Konstruktionsfehlers nicht funktioniert, oder, was wahrscheinlicher ist, es hat die durch die zu schwache Batterie erzeugte Hitze nicht ausgercicht, um die Sprengkapsel und damit die Höllenmaschine zur Explosion zu bringen.
Festaeffellt wurde tt. et., das durch eine Explosion der Höllenmaschine eine starke Beschädigung des Finanzamtsgebäudes wohl kaum eingetreten wäre. Da der Koffer nur in die Kelleröffnung gestellt und mit der Hauswand nicht in Berührung war, wäre zweifellos der weitaus größte Teil der Sprengladung ohne auf Widerstand zu stoßen, in die Lust geschleudert worden. Dem Täter dürfte bekannt gewesen sein daß die Arbeitszeit des Finanzamtes um 2 Uhr nach mittags beendet war, sodaß mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden darf, daß der Koffer zwischen 2 und 2,30 Uhr in die Kelleröffnung hineingestellt worden ist.
Nach dem Bekanntwerden des Anschlages herrschte in der hiesigen Bevölkerung große Erregung.
* * *
Berlin, 17. März. Nach den Ermittlungen der Altonaer Kriminalpolizei ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die beiden Bombenanschläge in Bad Clbeloe und Neumünster von gleichen Tätern versucht worden sind. Als Täter kommen nach Ansicht der Polizei zwei steckbriestich gesuchte Personen, der Student der Landwirtschaft M u t h m a n n und der Elektrotechnicher K a p h e n g st, in Frage, die seit langem in dem Verdacht stehen, seinerzeit auch das Attentat auf das Reichstagsgebäude verübt zu haben.
Spuren deuten daraufhin, daß die beiden nach ihrer Flucht aus Deutschland von einem in Dänemark, etwa eine halbe Stunde von der deutschen Grenze ersernt wohnenden früheren deutschen See- offozier ausgenommen worden sind. Wichtig ist, daß wie im Sommer vorigen Jahres, auch jetzt wieder ein Auto eine Rolle spielt, das gestern zwischen Oldeloe und Neumünster gesehen wurde und mit auffallender Geschwindigkeit zur dänischen Grenze gefahren sein soll. Die Untersuchungsbehörden in Altona sind der Ansicht, daß die Attentatsversuche nicht aus Kreisen der wegen der Anschläge im vorigen Jahr verhafteten, später von der Untersuchungshaft verschonten Personen unternommen wurden.
Das politische Wochenprogramm
Von unserer Berliner Schriftleitung.
t-h. Berlin, 17. März.
Das politische Wochenprogramm ist im wesentlichen durch die erste Lesung der Steuergesetze im Reichstag und den Parteitag der Deutschen Bolkspartei in Mannheim gekennzeichnet.
Heute wird zunächst der Reichspräsident von Hindenburg den Bericht der zuständigen Regierungsstellen über die Frage des verfassungsändernden Charakters des deutsch-polnischen Liquidationsvertrages entgegennehmen. Wahrscheinlich wird dieses Referat gemeinsam vom Justizminister und dem Innenminister erstattet werden. Obwohl sich inzwischen mehrere Persönlichkeiten, darunter der frühere Reichsgerichtspräsident Dr Simon, dahin ausgesprochen haben, daß dieser Vertrag verfassungsändernd sei, kann kein Zweifel daran bestehen, daß das Referat der Regierung heute den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen und die Verfassungsänderung verneinen wird.
Der Reichspräsident von Hindenburg wird daun unverzüglich den Polenvertrag unterzeichnen.
Die Unterzeichnung bzw. Paraphierung des d e u t f ch - polnischen Handelsvertrages hat durch die Warschauer Kabinettskrise eine Verzögerung er
litten, der man jedoch in Berlin keine große Bedeutung beimißt.
Am Dienstag will dann der Reichsfinanzminister Moldenhauer seine vom Reichsrat am Sonnabend verabschiedeten Finanzgesetze im Reichstag einbringen. Die erste Lesung wird im Plenum des Reichstages wahrscheinlich sehr schnell vorüber- gehen, und dann werden sofort die Ausschußverhandlungen einsetzen. Daneben sollen auch die interfraktionellen Verhandlungen weitergeführt werden, die bereits am heutigen Montag fortgesetzt werden sollen. Man nimmt an, daß diese Beratungen in dieser Woche noch nicht zu Ende geführt werden können. Am Donnerstag wird der Reichstag feine Arbeit unterbrechen, weil die Deutsche Volkspartei nach Mannheim zum Parteitag fährt.
Erst in der nächsten Woche wird die Entscheidung über die Finanzgesetze fallen,
die dankt aber auch keine Verzögerung mehr erleiden darf, da vor dem L April alles in Ordnung sein muß. bttnmungsgemäß glauht man, daß sowohl mehr Aussicht als vorher auf eine parlamentarische Lösung der ^nanziragen, als auch auf eine Verständigung zwischen den fünf Parteien der großen Koalition besteht,
so daß die Anwendung des Artikels 48 zum Zwecke der Durchführung der notwendigen Steuer- maßnahmen auf dem Verordnungswege wahrscheinlich nicht mehr notwendig sein wird. Allerdings handelt es sich dabei um Stimmungsmomente, die im Laufe der weiteren Verhandlungen ebensogut wieder eine Aenderung erfahren können.
Sehr schmierig gestalten sich gegenwärtig die Besprechungen über die Zollerhöhung und die sonstigen Agrarfragen.
Diese Besprechung mußte am Sonnabend nachmittag ohne ein Ergebnis unterbrochen und auf heute vertagt werden, da man über die verschiedenen Zollwünsche des Reichsernährungsministers sich nicht einig werden konnte, und da die Sozialdemokraten auch nicht in der Lage waren, zu der Frage einer dem Ernährungsminister zu erteilenden Ermächtigung ohne weiteres Stellung zu nehmen. Heute werden nun erst die Fraktionen über dieses wichtige Prodlem verhandeln. Es ist möglich, daß man einen Teil der vom Reichsernährungsminister in Aussicht genommenen Zolländerungen und sonstigen Agrarmaßnahmen mit wechselnder Mehrheit, also mit Hilfe der Deutschnationalen, im Reichstag durchzubringen versuchen wird.
Zerstörung eines Flugplatzes?
Berlin, 17. März.
Das französische Oberkommando in der Pfalz hat an- Mordnet. daß Deutschland bis zum 15. April sämtliche Aufbauten des pfälzifchen Flugplatzes Lachen- Speyerdorf zu vernichten habe. Wie wir erfahren, sind diese Pläne der Franzosen dem Auswärtigen Amt seit einiger Zeit bekannt. Da die Forderungen in keiner Weise berechtigt sind und jeder vertragsmäßigen Grundlage entbehren, hat das Auswärtige Amt bereits eingegriffen, und man erhofft, daß der Einspruch Erfolg hat.
Es handelt sich bei dem Flugplatz um eine alte Anlage, die während des Krieges erweitert worden ist und über ein geradezu ideales Flugqelände von 1000 Meter Breite und 1500 Meter Länge verfügt. Der P^atz enthält neben einem großen Werkgebäude einen Flughafen mit zwanzig großen Flugzeughallen und zahlreichen anderen Baulichkeiten aus Stein.
Sttiichie um die Räumung
Berlin, 17. März.
Der Pariser „Populaire" bringt eine Nachricht, nach der int französischen Ministerrat auch die Frage der Rheinlandräumung besprochen woroen sei und von den rechtsradikalen Mitgliedern des Kabinetts
in Abwesenheit Briands der Versuch gemacht worden sei, in die Verpflichtungen, die man vor dem Parlament hinsichtlich der Rheinlandräumung übernommen habe, eine Bresche zu schlagen, Tardieu habe daraufhin geäußert, dann könne die Räuntung nicht vor Ende des Sommers erfolgen und das Kabinett habe sich damit einverstanden erklärt.
Die Meldung des .Populaire" ist. wie wir von tut« terrichteter Seite erfahren, unverständlich. Es wird ganz besonders daraus hingewiesen, daß während der Haager Konferenz der französische Ministerpräsident Tardieu dem Reichsaußenministet Dr. Curtius gegenüber ganz bindende Zusagen gemacht hat nach denen nach Ratisizierung des Ponngpianes wrch Frankreich und Deutschland die Räumung des
Revoltiereude Fürsorgezögliuge
Sie wollten bessere Nnterknnft und bessere Kinovorstellungen.
Hamburg, 17. März.
Aus dem Kattenhof in Kattendorf bei Kalten- kerchen, wo etwa 70 Fürsorgezöglinge des Rauhen Hauses untergebracht sind, brach eine Revolte aus. Die Zöglinge zerschlugen Vie Fensterscheiben und Etnrichtungsgegenstände Auch ein Klavier blieb nicht verschont
Es wurde Landjägerei und Feuerwehr Zu Hilfe geholt, die mit tnetter Mühe die Ruhe wiederherstellte. Die Rüdelsßichrer wurden n-ach Hamburg gebracht. Als Gruno gaben sie an, sie wollten ms Gefängnis, weil sie dort bessere Unterkunft und bessere Kinovorstellungen hätten als in Kattendorf.
Gandhis Demoustralwusmarfch
Bombay, 17. März.
Die Anstrengung en des Marsches nach dem Golf von Bombay machen sich bereits bei Ghandi und seinen Gefährten stark bemerkbar. Ghandi und seine Genossen sollen gestern in ziemlich erjchöpftem Zustande in der Ortschaft Boribiari eingetrossen sein- Um weitere Kräfte sür den Marsch zu fammel». soll dort ein Ruhetag angesetzt roorbfn .lyft Bisher > "harrdi und fein- GeMetr» sicht xauz er» i: --- des Marsches hinter sich. In dem Dorfe Anand toll Ghandi in einer Rede an die Dorfbenwhner erklärt haben, daß er die Unabhängigkeit Indiens nicht allein mit Gold erkämpfen könne, was zur Erreichung bet Unabhängigkeit notwendig fei, fei Leben und Blut.
Als erste direkte Maßnahme gegen die ungesetzliche Salzgewinnung, wie sie von Ghandi geplant wird, hat die indische Regierung eine AeüderungdesSalz- ge fetz es oorgenommen. Den Beamten, denen bie Ueberwachunq der Salzgesetze obliegt, ist Befugnis dahin erteilt worden, das ungesetzliche Salz jeber- zeit beschlagnahmen zu können.
Spaniens Ex-Diktator f
Paris, 17. März.
General Primo be Rivera, der frühere spanische Diktator, ist Sonntag morgen 11 Uhr im Hotel Pont-Royal. wo er seit seiner Ankunft aus Madrid wohnte, an einem Herzschlag verschieben.
Primo de Rivera hat sein Verschwinden von der potitizchen Bühne nur um wenige Wochen überlebt. Bereits im Frühjahr 1928, als er noch auf dem Gipfel ferner Macht stand, war bei ihm ein Zucker leiden ftstgestellt worden. Jetzt wollte er noch vor wenigen Tagen, wie es hieß, wegen dieses Leidens ein Frank- lurter Sanatorium aufsuchen. Der Tod ist der Kunst der Aerzte zuvorgekommen.
Der im Jahre 1871 als Sohn des später zum Marquis de Estella erhobenen Marschalls geborene Diktator hatte eine rasche militärische Laufbahn. Bereits im Alter von dreißig Jahren war er General. Als Führer einer der spanischen Osfiziers-Junten fltiff er während öer Marokko-Feldzüge mit der Forderung nach Ausgabe Marokkos in die Politik ein. Denselben Standpunkt vertrat er als Senator, welches Amt er von 1917—1921 bekleidete. Als Generalkapitän trat Primo im September 1925 an die Spitze der Militärrevolu- tion, die sich die Abschaffung der parlamentarischen Mißbrauche zum Ziel geletzt hatte.
Die hierbei befolgten Methoden — Verjagung der parlamentarischen Regierung und die Einsetzung einer Militär-Regierung — kann man ebenso nne' die Gründung der Union Patriotica in vielen Punkten als eine Kopie faschistischer Methoden und Nachahmung des Vorbildes Mussolinis ansehen: doch hat Primo de Rvera niemals das Format des italienischen Diktators erreicht vielmehr war seine Politik lange Jahre hindurch ein ständiger Wechsel zwischen Methoden der starken Hand und einem lockeren Zügel, der zusammen mit den oft verkündeten und ebenso oft wieder dementierten Rück- rrlttsabsichten der spanischen Politik den Charakter der Sprunghaftigkeit und Unentschlossen- h e i^t aufpräflte.
Zn diesem Zeichen standen alle bemerkenswerten Ereignisse die die Regierungstätiqkeit Pr'mos auslöste, w die Btldung des Direktoriums im Dezember 1925, bte Ausschaltung der Cortes und die tastenden Versuche Zur Bildung einer Nationalversammlung und zur Der- lagungsreform sowie die mehrfachen, hauptsächlich von letten der Artillerie kommenden militäri'chen Auflehnungen gegen die Diktatur, die nach harten Urteilen meist in weitgehende Amnestie-Erlasse ausmündeten. Am bedrohlichsten von diesen ErbeSungen war die- lenige, die von dem ehemaligen konservativen Mini- iterpräsidenten Sandte; Guerra gusging.
Die Diktatur Primas war vollkommen unbeliebt geworden, als zu den politischen Schwierigkeiten noch die wlttschaftlichen kamen, die ihren scharfen Ausdruck in dem zunekneiidetl Verfall der spanischen
Währung fanden. Die Unterdrückung freier geistiger Regungen, die zur Verbannung zahlreichem führender Köpfe, vor allem des Schriftstellers und Philosophen llnamuno, geführt hatte, hatte int Verein mit der scharf durchgeführten Zensur, auch bei den Jntellektu- eilen keine Sympathie für das Regime der Diktatur Hervorrufen können-
Das bemerkenswerteste Symptom der Lage, die bet Nachfolger Primos, General Berenguer, vorgefunden hat, ist die starke Zunahme der republikanischen Strömungen im Lande, bte bie neuen Machthaber vor schwere Aufgaben stellt.
primo de Riveras Mmoireu
Buenos Aires, 17. März.
Das hiesige Blatt ,2a Naclon" gibt bekannt, daß es mit Primo de Rivera einen Vertrag über die Veröffentlichung seiner Memoiren AgesMoffen habe. Diese Memoiren würden nunmehr wrhr- scheinlich sofort erscheinen
Atemaud wollte au die Aachrichi glauben
Madrid, 17. März
Als die Nachricht von dem Tobe des noch vor wenigen Wochen an der Spitze Bet Regierung stehenden Diktators Primo de Rivera die Stadl wie etti Lauffeuer durcheilte, wollte zunächst niemand daran glauben. Die Zeitungen erscheinen Sonntag nicht, und die Nachricht von bem Tode crsolgte durch Anschlag an die Plakate. Trotz Der durch Pri- mo be Riveras Rücktritt erfolgten Verschärfung der politischen Lage hat fein Tod auf alle Kreise der Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht. Man ist hier überzeugt, daß Aufregungen in ter letzten Zeit seiner Herrschaft und fein plötzlicher Ltur; zu diesem unerwartet raschen Ende viel vetge- tragen haben.
König Alfons hat sofort nach Empfang der Todesnachricht ein Telegramm an die Angehörigen d -s Verstorbenen gesandt, ebenso die Rcaieritng die außerdem den Pariser Botschafter beaus-ragte, persönlich an die nächten Angehörigen des Er-Dlkia- tors das tiefste Beileid des Landis zu übermitteln
Verschiedene hervorragende Persönlichkeiten vnd Mitarbeiter Primo de Riveras haben sich eilends nach Parts begeben, und die ehemaligen Minister des Diktators haben beschlossen, nach Iran zu fahre» und die Leiche von dort aus nach Madtts zu begleiten, wo am Mittwoch aus Bern Friedhof von San Isidro die Betsetzungsfeterlichke'icn ftait- finden werden. Die letzten militärisch» Ehren werden dem Verstorbenen nicht versagt bleib m