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20. Zahrgans

Montag, 3. März 1930

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Nummer 52

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Gäste,

Bedenken

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Die Universal wird alle Schritte gegen das Teilver­bot ihres Filmes unternehmen.

4

Shanghai, 3. März.

Ein Abkommen zwischen der deutschen Lufthansa und dem chinesischen Berkehrsminister, in dem der deut­schen Lustverkehrsgesellschast das Recht erteilt wird, Flugpost von Deutschland nach China auf der nörd­lichen Route zu befördern, ist am Sonnabend hier un­terzeichnet worden. Die Flugroute wird wahrschein­lich über Sibirien oder Sinkia» in Chinesisch-Turkestan führen. An China soll eine deutsch-chinesische Luftver­kehrsgesellschaft ins Leben gerufen werden.

Moskau, Ende Februar.

In letzter Zeit fällt in den Artikeln der Sowjet­presse der immer stärker werdende Glaube an einen revolutionären Umsturz in Deutschland auf, wobei mit besonderer Liebe der verbotene Rote Frontkämpfer- bund behandelt wird. Vielleicht ist dieser Glaube wenigstens teilweise auf hochtrabende Reden verschie­dener Rotfrontkämpfer in der Sowjetunion zurückzu- sühren. Wie aus der in Chabarowsk erscheinenden ZeitungTrewoga", die das Organ der Fernöstlichen Armee der Sowjetunion ist, hervorgeht, scheint eine dort zu Besuch weilende Delegation eine besonders starke Propaganda für den verbotenen Verband ge­macht zu haben. Lassen wir die s e h r aufschlußreichen Dokumente für sich selbst sprechen!

T r e w o g a" (Nr. 7 vom 6. Januar 1930) ver­öffentlicht ein Gruppenbild, das den Kommandeur der Fernöstlichen Armee, Blücher, den Ches der politi­schen Verwaltung, Donenko, und die Rotfront­kämpfer Rosenfeld und Rogalla darstellt. Ueber den Besuch selbst schrieb die Zeitung u. a.:

sicherung noch fehlenden hundert Millionen Mar? durch ein NMopfer aufzubrinzen, das nur auf die Festbesoldeten, also in der Hauptsache auf die Be­amten beschränkt bleiben soll Die Bundesleitung ist der Auffassung, daß im Hinblick cruf die große Not. in der sich Millionen von Volksgenoffen be­finden, diesen außergewöhnlichen Verhältnisse« am gerechtesten durch Heranziehung aller leistungsfähi- gen Volksschichten auf dem SBeoe über einen be­fristeten Zuschlag $ur Echkommenst«uer Rechnung getragen we'den kann.

.Leute saßen im Kabinett des Kommandeurs liebe ste, die Roten Frontkämpfer Deutschlands. Der

Gloria-Palast- undSchauburg- eine Verfügung des Polizeipräsidenten erhalten, wonach die Vorfüh­rung des bereits seit Wochen umstrittenen Films .Ludwig II.- der Universal-Film-Corporation für München verboten ist, weil dadurch eine Gefähr­dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu be­fürchten wäre. Dadurch ist es den Münchener Kinos unmöglich gemacht, den Film Ludwigs des Zweiten, der ab 6. März laufen sollte, zu zeigen.

Die Herstellerfirma, die Deutsche Universal, erklärte nach dem Blatt zu dem Verbot des Münchener Poli­zeipräsidenten, daß es ihr unverständlich sei, wie man einen Film verbieten könne, der noch gar nicht vorge­führt worden ist. Der Film hab« nicht im mindesten den Inhalt, der ihm zugefchrieben wird. Der Film sei moralisch, historisch und künstlerisch einwandfrei.

Deutsch-chinesische Zusammenarbeit

im Luftverkehr.

Sellpach legt sein Mandat nieder

Heidelberg, 3. März.

Professor Dr. Hellpach, der frühere badische Unterrichtsminister, und Staatspräsident, hat in einem Schreiben an den geschäftsführenden Vorsitzenden der Demokratischen Partei, Staatssekretär a. D. Oskar Meyer (M. d. R.), mitgeteilt, daß er sein Reichs- tagsmandat niederlegt und gleichzeitig aus der Leitung der Deutschen Demokratischen Partei aus- scheidet.

Anzergrnvrrtte: ©eltbm- und S<im,!ien-«n^tgen Vie 30 tnm - Seile 11 Tfeitnte. #Iei«e

Staffel das Won 7 4. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile ll 4. «Wteen im SteHrtetetl bie 78 mm breite Zeile 45 4 Qksertgebühr 25 4 «bei Zustellung 85 4' 9°*>*,®rfa£tie" -He*

bestimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine Gewadr «cw nungsbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichtsltanb Lasset. Postscheckkonto Frankturt a. M. 8680.

Kommandeur und das Mitglied des Revolutionären Kriegsrates unterhielten sich mit den deutschen Ar­beitern über die

nahenden Kämpfe für de» Welt-Oktober.

Genosse Rogalla hatte vollkommen recht, wenn er sagte, daß die Roten Frontkämpfer dir zukünftige deutsche Rote Armee seien und in den entscheidenden Kämpfen mit dem Kapitalismus in den ersten Reihen an der Spitze der Massen stehen werden.Wir berei­ten uns jetzt mit vollem Tempo für die Kämpfe gegen die Kapitalisten vor", sagte Rogalla und fügte, auf den Tisch schlagend, in russischer Sprache hinzu:Die Fabrik ist bereits unser!"

Womit er sagen wollte, daß die Mehrzahl des deut­schen Proletariats die kommunistische Partei unter­stützt. Ferner sagte er:Unsere kommunistische Par­tei wächst langsam, aber fest. Am Jubiläums tag des Genossen Statin haben wir in Berkin 600 neue Mit­glieder in unsere Reihen ausgenommen, seit Oktober ist unsere Partei insgesamt um 70 000 Mann ge­wachsen. Allmählich gehen wir zum Angriff gegen den Kapitalismus über. Jeden Freitag fahren »vir ins Dorf und machen dort unter den Bauern Propa­ganda.- Die Rotfronttämpfer erzählten eine Menge Tatsachen:Wir fürchten die Faschisten nicht. In Leipzig versuchte die Polizei eine Avbeiterdemonstra- tion zu sprengen, in der Genosse Thälmann auftrat. Unsere Jungkommunisten haben die Polizisten ver­prügelt. Während der Beisetzung der gelöteten Front­kämpfer wollten Leute in Zylindern und mit faschi­stischen Abzeichen die Gefallenen nicht einmal durch Abnehmen der Hüte ehren. Die Jugend zwang sie mit ihren Fäusten, es zu tun.- Aus die Frage des Kommandeurs, wie die Nachricht vom Ueberfall auf die chinesische Ostbahn ausgenommen wurde, erfolgte die kurze und überzeugende Antwort:Die Arbeiter tvußten noch nicht, ob es wahr ist oder nicht. Doch zogen ste in riesiger Demonstration zum chinesischen Konsulat und schlugen dort die Scheiben ein. Der Zorn der Massen war unbeschreiblich.-

Man muß wirklich zugebcn, daß die Roren Front­kämpfer sich die Mühe gegeben haben, ihre Verdienste möglichst großartig hinzustellen und dabei in echt bol­schewistischem Tempo übertrieben. Außerdem scheint ihnen Steintiteifen höchste Ausdrucksweise kommuni­stischer Ideale zu sein!

Trewoga" (Nr. 8) veröffentlicht einen Brief der Rotfrontler an die Fernöstliche Armee, in dem es u. a. heißt:Wir Delegierten des Roten Front- kämpferverbandes Deutschlands können unsere Ge­fühle nicht mit Worten ausdrücken. Die Eindrücke, die wir bei unserem Besuch bei Euch davontrugen, sind unvergleichlich.

Wir werden in Deutschland dafür sorgen, daß der

Geist der Roten Armee sich bei der ganzen revo- lutionären Arbeiterklasse festigt.

Der Verband der Roten Frontkämpfer ist mit Eurem revolutionären Geiste zusammengeschweißt. Ihr konm überzeugt sein, daß wir jederzeit bereit sind, mit Euch zusammen das Vaterland aller Werkkätigen die Sowjetunion zu verteidigen.-

Was für ein abscheulicher bürgerlicher Geist hat die Roten Frontkämpfer erfüllt, daß sie schon garn cht mehr ihre Gefühle ausdrücken können! Was für ein ketzerisch beeindruckter Ausdruck vom Vaterland!

In derselben Nummer derTrewoga" wird «»V tudeutscher" Sprache folgender Brief veronentliau: Unser Regiment ist vom Jahre 1925 Won ein Na­tional Regiment. In dieser Zeit hat unser Regiment schon Taufende in den Politischen und Kriegssrage«

ter Seamien-Srganifatioaen

Berlin, 3. März.

Der Alllgemeine Deutsche B e a m t ei« -- bund bat ast den Reichskanzler eine Eingabe ge­richtet in welcher er feine Bedenken und feinen Wiacrsprucb gegen das beabft-tigte Notopfer gun: Ausdruck bringt, das er als eineeinteilige und unsoziale Maßnahme" bezeichnet. Es toate uu- erträalick» wenn das Notopier allem auz die Be- amren und die Angestellten beschränkt, dagegen alle Kreise der Besitzenden und alle sonstigen Oinkom viensarten davon befreit wurden -aourch werde der Grundsatz der »steuercueichheit mrletzt. ,iur die Beamten bedeute es eine versteckte ^chaltskwr- zung. der man auch aus verf^ssunasr^tlichen Grün­den !oiderspr«hen müsse Die Lage der unteren ^e- SMWmetSSnFMff« schaffen worden wäre, wie !« u ,

Reichskabinett erwogen worden ist. Keuiessalls der dar,' diese Betastung des Euikommens auftneBe

Aralie des Rotopters und beschlosst, für den 3 Die Bundesleitung halt si-b aber für verpflicy^ schon jetzt ihre größten Be senken geg n d Abjich: auszudrücken, die sm die Urbe.is..,enver-

Das Schreiben erklärt, daß Professor Hellpach zu diesem reiflich überlegten Schritt nicht durch persön­liche Verstimmungen, sondern durch den Wunsch ver­anlaßt worden sei, Bindungen abzustreifen, welche seine Meinungsäußerung oder Entschlußfassung zu de., großen inneipolitischen Problemen der Zeit beschrän­ken müßten.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Ab endzeitung

erfSehrongSroetfe: «öcheMNch sechsmal nachmittags. AbonnenrcntSvret»: für den Mona« 8.80 .Z bei tret« An­stellung ins Haus, in der (Selchäftsstelle abaebolt 2,10 Jt Durch die Poft monatlich 2.30 jl ausschließlich Zu- L,ellungsgebükr. Sn iZallen non höherer Gewalt be fleht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder am Rückzahlung deS Bezugspreises. Verlag. Schriftleitung und Druckerei: Stölnifdie Strafte 10. xeteobon. eommelnummer 6800. Juristische Svrechftuude leben Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Strafte Nr. lu.

Mmftiea in München

Der FilmLudwig II" i« München verboten.

München, 3. März.

Wie dieMünchener Telegrammzeitung" meldet, Haden am Sonntag die Münchener Pietzsch-THeater

Oie Krisengefahr im Reiche wächst!

Kamvf nm das Aowvfer / Gesamtdemission der Kabinetts oder Teilkrise? / Russische Aätter über die TStigkeit der deittschen Kommnnifien

Vor dem Rülkiritt MIdenhauers?

Don unserer Berliner Schriftleitung.

erzogen. Jetzt bekommen wir viele Briese aus der Wolgarepuvlrk und in jedem wird ein großer Dank an die Rote Armee gesandt für die ganze Ausklä- rung§ arbeit. In unserem Regiment war nicht längst ein Mitglied des EVK der Wolgadeutschen Republik, welcher erzählte, daß die Deutsche Republik auf 75% aus Kollektivwirtschaften bestehe. Unsere Rotarmisten warten jetzt mit Ungeduld die Gäste von Deutschland aus dem Bundder Rot Front", gez. Töws, politi­scher Leiter des Ner Regiments."

Ich betone hierbei ausdrücklich, daß ich sur bte deutsche" Sprache be<* BetefeS nicht verantworte«*' bin, sonder» dieses Schreiven tooriltch aus der ge­nannten Zeitung übernommen habe.

WieTrewoga- (Nr. 9i erzählt, hatten am 9. Januar der Befehlshaber der Fernöstlichen Ar­mee, Blücher, und das Mitglied des revolutionä­ren Kriegsrates Donenko wieder eine Unterredung mit den Delegierten des Verbandes der Roten Front­kämpfer Deutschlands, Rogalla und Rosenfeld. Die Frontkämpfer erzählten dem Revolutionären Kriegs­rat von dem heldenmütigen Kampf der deutschen Pro­letarier, über die Arbeit der deutschen kommunistischen Partei usw. .

Diese bederkenswerle Freundschaft zwischen den Führern der Roten Armee und den Delegierten des verbotenen Roten Frontkämpferverbandes wird noch unterstrichen durch einen Aufruf in derTrewoga": Willkommen Rote Frontkämpfer! Die Rotarmisten des Ner Regiments begrüßen Euch teure Genossen auf Sowjeterde. In Euch begegnen wir die Vertreter der deutschen Arbeiterklasse der künftigen deutschen Sowjetrepublik." In derselben Nummer wird auch ein Aufruf der Rotfrontler an die Fernöstliche Armee veröffentlicht, zu dem die Zeitung sagt:Der Front­kämpferverband ist aufgelöst. Doch der deutschen Bourgeoisie ist es nicht gelungen, ihn zu erwürgen.

Die Frontkämpfer arbeiten nun im Geheimen.

Die deutsche rote Garde fährt fort zu kämpfen, zu Wachfen und ihre Kampsreihen zu verstärken."

Unter der UeberschnftDie rote Garde D e uts ch'l and s" beschreibt dieTrewoga" (Nr. 11 und 12) einen Besuch der kommunistischen Front­kämpfer in der Redaktion.

Danach erzählten die Frontkämpfer dort:Die Roten Frontkämpfer sind ietzt in kleine Gruppen zerschligen die sich regelyiäßig unter der Leitung eines erfahrenen Genossen, ihres Kommandeurs, versammeln. Sie fernen marschieren, studieren Kriegstheorie, die Erfahrungen der Barrikaden­kämpfe und Zusammenstöße mit der Polizei in den Straßen. Racb bim Verbot sind außer den frühe­ren noch zwei neue Zeitungen erschienen. Bei de« Straß.'nkämpsen i.i Wedding und Neukölln wurde dre mit Gewehren und Maschinengewehren bewaff­nete Pvlizei ganz kopflos und feuerte auf ihre eigenen Kameraden, die sie für Arbeiter hielt. Das Dors ist der Herd des Faschismus! Jetzt haben wir die Arbeit im Dorfe verstärkt. Eine Reihe unparteiischer Dorforganisationen haben wir unter unsere Leitung genommen".

Ueber die Propaganda in den Dörfern Deutsch­lands erzählten Rogalla und Rosenfeld:Die Ar- bmtslof.'n halten sich lange im Dorfe aus. Sic ziehen von Dorf zu Dorf und verbreiten komnmi- itische Literatur."

In Nr 13 derTrewoga" finden wir die Ab­bildung eines Flugblattes der deutschen Konferenz der Noten Frontkämpfer mit ihrem Kampfschwur, in dem es u a. heißt:

Ich schwöre, immer und ständig ein Soldat der Revolution zu bleiben, immer und ständig ein Pionier des unstillbaren Klaffenkampfes zu sein, an der Front und in der imperialistischen Armee für die Revolution zu wirken, den Revo­lutionskampf für den Sturz der Klassenherrschaft der deutschen Bourgeoisie zu führen. Ich schwöre immer und ständig für die Sowjetunion und für die siegreiche Weltrevolutiou zu kämpfen!"

In derselben Nummer meldet sich auch Heckert zu Wort. In seinem Brief an die Fernöstliche Ar­mee heißt es u. a.:Ter Feind wird nur dann ge- sturzi werden, wenn tn allen Ländern der Welt der Weltkommunlsmus triumphteren wird. Schulter au Schulter mit Euch, bis wir den endgülsiqen Sieg erringen! Mit tiefer Ergebenheit namens der kom­munistischen Partei Deutschlands und des revolutio­nären Proletariats der deutsche Vertreter gez. Heckert.

Diesen Dokumente» ist nichts hinzuzufügeu.

Rolsront-Vesuch im Femen Osten

Von unserem ständigen Korrespondenten K. H. Görbing

telnbe Haltung des Ministers Dietrich und bittet ihn, auch weiterhin auf eine die Krisis vermeidende Ver­ständigung hinzuw-rken. Sie stellt, um zu einer sol­chen beizutragen, sie

Frage zur Erörterung, ob nicht ohne Nachteil der Kapitalbildung die wirtschaftlich Leistungsfähigen durch einen einmaligen und provisori­schen Notbeitrag zur Linderung der gegen­wärtigen Finanznot beitragen und zugleich einer künftigen wirklichen Finanzreform den Weg berei­ten können. Dabei müßte gewährleistet werden, daß die Mehrzahlung im Jahre 1931 zurückerstattet wird. Dabei wäre gleichzeitig festzulegen, daß die Erleichterung des Haushalts im Jahre 1931 (durch Wegfall der 450-Millionen-Ausgabe) zu einer Sen­kung der direkten Steuern beuutzt wird.

Kabinett und Notopfer

Das Reichskabinett wird heute noch zu ei­ner Sitzung zusammentreten, nachdem seine vorige Sitzung bekanntlich wegen des Eingreifens des Reichspräsidenten von Hindenburg vertagt werden mutzte.

Es ist aber nicht anzunehmen, datz die Volkspar­tei den demokratischen Vorschlag erwägen wird, und infolgedessen ist der Auseinanderfall der Koalition in der Notopferfrage unbe- dingt zu erwarten.

Sollte es nun heute zu der bisher toiederholt ver­schobenen endgültigen Abstimmung des Kabinetts über das Notopfer kommen, so wäre mit Sicherheit zu erwarten, daß der Reichsfinanznrinister Dr. Mol­denhauer überstimmt wird, woraus fÄbstverständlich die Konsequenz seines sofortigen Rücktritts gezogen würde.

Man nimmt an, daß auch die Minister Gröner. S ch ä tzc I und Dietrich gegen das Notopser stim­men werden, aber ein Gründ zur Demission würde natürlich nur für den zuständigen Ressortminister, also den Reichsfinanzminister, vorliegen. Daß Dr. Curtius, der zurzeit noch wegen seiner leichten Er­krankung an das Zimmer gefesselt ist, gleichfalls mit Dr. Mvldenhauer demissionieren wird, gilt als zwei­felhaft. Ueberhaupt wird man sich bemühen, das Kabinett bis zur Erledigung des Youngplanes im Amte zu erhalten.

Da aber eine Demission Dr. Moldeichauers sehr leicht die gesamte Demission nach sich ziehen kann (darüber sind die Ansichten sehr geteilt), so wird man möglicherweise in der heutigen Kabinettsitzung noch einmal der entscheideiwen Abstimmung ausweichen, um auch die Demission Dr. Moldenhauers erst dann eintreten zu lassen, wenn der Aoungplan ratifiziert ist. Man hat also für den heutigen Tag mit der Eventualität einer neuen Vertagung oder mit der anderen Eventualität des 9Ht6truittS des Reichsfinanz­ministers zu rechnen.

Wenn es zu einer Gesamtdemissiou des Kabinetts kommt, würbe wahrscheinlich die Neubil­dung der Regierung auf der Basis der Weimarer Koalition versucht werden, da das Zentrum, die Sozialdemokraten, die Demokraten und die Bayern zusammen eine zwar nur knappe, aber ausreichende Mehrheit haben. Man ist jedoch bestrebt, diese Ent­wicklung erst eintreten zu lassen, wenn der Aoungplan Ende dieser oder Anfang nächster Woche endgültig angenommen ist.

th. Berlin. 3. März.

Das Eingreifen des Reichspräsidenten von Hin­denburg in den Streit um das sogenannte Not­opfer hat zur Folge gehabt, daß die Fraktionen der Deutschen Volkspartei und der Demokraten gestern Sonntag Beratungen im Reichstag abgehal­ten haben. Aber das Ergebnis ist, daß lediglich die bestellenden Gegenstände in einer scharfen Debatte bestätigt worden sind.

Eine Erklärung der O DP.

Die Deutsche Volks-Partei hat nach etwa ein- stündiger Beratung folgende Erklärung heraus-- gegeben: Die Deutsche Volkspartei ist der Auffassung daß das Kernstück jeder Finanzreform eine Ent­lastung der Wirtschaft, die Wiederherstellung der Rentabilität in Landwirtschaft, Handel, Handtverk und Industrie, sowie die Förderung der Kapitals- bilduug sein mutz. Nur aus diesem Woge ist es mög­lich, das größte der sozialen Uebel, die Arbeitslosig­keit, wirksam zu bekämpfen und aus dem Dreimilll- onencheer der Erwerslosen einen möglichst großen Teil wieder in die Wirtschaft einzugliedern.

Nachdem die Entwicklung der Finanz- und Kassenlage des Reiches die von allen Seiten als not- wendig erkannte Senkung der direkten Steuern für das Jahr 1930 unmöglich gemacht 6at muß diegcsetzlicheFestlegung einer sol­chen Senkung für das Jahr 1931 gefordert werden. Unvereinbar hiermit wäre eine neue Erhöhung der. - direkten Steuern, gleichviel unter welcher Bezeich­nung sie erfolgt. Das sogenannte Notopfer würde außerdem den Willen zur Reform auf der t.u-.'i|ubei.(v.ie des (.leiiyshausl ti-is im Keime ec sticken.

Im Zusammenhang mit dem Reichshalt für 1930 Müssen daher folgenden Maßnahmen getroffen wer­den: Gesetzliche Sicherung der Ausgaibensenknng im Reich, Ländern und Gemeinden, insbesondere auch durch Sanierung der Arbeitslosenversicherung; unter Vermeidung jeder weiteren Erhöhung von direkten Steuern, gesetzliche Feftleguna^einer Seww^l die>er Steuern vom Beginn des nächsten Haushaltsjahres c ab.

Demokratische Dermittlungsakiion

Die Demokraten haben jedoch gestern noch . einmal den Versuch gemacht eine Vermittlung 1 an-mbahnen und haben nach mehrstündigen Beratun­gen einen Vorschlag veröffentlicht, in dem es u. a. heißt:

Die deutsche demokratische Reichstagsfraktion er­achtet aus außen- und finaitzpolitischen Gründen die baldige Verabschiedung des Youngplans für unbe­dingt geboten. Die Fraktion hält daran fest, daß der entschiedene Versuch gemacht werden muß, den Fehl­betrag des Haushalts durch Ersparnisse wesent­lich zu verringern. Sie wird mit Anträgen hervor­treten sobald der Haushalt vorgelegt sein wird. Sie wird insbesondere die Reform der Arbeits­losenversicherung verlangen. Die yrattwn verschließt sich nicht der Einsicht, daß zur Deckung^ des Reichsdefizits eine Erhöhung der Lasten für das ^ahr 1930 unabweisbar ist. Sie erhebt gegen das Frnanz- programm des Reichsfinanzministers kerne grundsätz­lichen Einwendungen. Dagegen lehnt ste es ab, in eine Erhöhung der direkten Steuern zu willigen. Sie teilt auch die ärgsten Bedenken gegen das sogenannte R o t o p s e r der Festbesoldeten.

Die Fraktion würdigt jedoch den ungeheuren Ernst der Lage. Die Fraktion billigt deshalb die vermlt-