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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachnchtm

Nummer 44

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, 21. Februar 1930

20. ^ahrgan-

EinzelpreiS: Sonntags 20 Pfennig.

Briands Mitarbeit gesichert!

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin. 2t Februar.

Zahlen aus dem Reichsetat

Drei Millione« für den Zeppelin-Luftschiffbau.

Wie tote erfahren, sind in dem jetzt vom Kabinett genehmigten ReichShaushalt für 1930 drei Milli- sine n für die Zepbefin-Llffts^ffbau G. m. b SS erngestellt. Davon sind 2,5 Millionen für die ®r= rich-ung _ der neuen großen L-uftschiGhalle, deren Fertigstellung bekanntlich die Voraussetzung für den Dau werterer Luftschiffe bildet. Die übrige halbe Million ist für Dtudieniahrten des «Graf Kevvelrn-

Attentat ans Soovrr geplant

Mexiko, 21. Februar.

Eine Reuyorker Nachricht, die mexikanische Poli zei habe ein Komplott gegen das Leben des ameri­kanischen Präsidenten aufgedeckt, wird hier bestätigt

Ein Student soll bereits in St. Louis verhaftet worden sein, der Briefe eines in den Vereinigten Staaten wohnenden Studenten bei sich trug. Aus die­sen Briefen gehe hervor, daß die Vorbereitungen zu dem Anschlag vollkommen beendet gewesen seien. Die beschlagnahmte Korrespondenz sei bereits dem ameri­kanischen Konsul in Mexiko übergeben worden, der sie an die amerikanischen Behörden zur Untersuchung des Falles auf amerikanischem Boden weitergeleite» hat.

Der radikal-sozialistische Abgeordnete Chautemps.

«alen Verhandlungen im Haag und in London un­terstützt habe. Aus diesen Gründen allgemeiner Art müffe er bedauern, daß er nicht in der Lage sei, der an ihn gerichteten Aufforderung nachzukommen.

Dagegen haben nach Aussagen Chautesitps B r i a n d. Loucheur und Laurent-Ehnac ihre A u - sicherung zur Mitarbeit bereits gegeben. Malvtz habe abgelehnt, da er weiter Vorsitzender deS Finanzausschuffes der Kammer bleiben wolle. Her- riot habe unter Hinweis auf seine Schwierigkeiten als Bürgermeister von Lyon, für deren Ueberwin- dung er seine Freiheit behalten wolle, ebenfalls ab- gelehni.

Wie es um die Haltung der Sozialisten gegenüber dem neuen Kabinett Chautemps bestellt ist, geht aus den Aeutzerungen der Parteiblätter noch nicht deutlich hervor. DasOeuvre" antwortet nur auf die Frage, ob die sozialistische Unterstützung sicher sei, es sei zu früh, hierauf zu antworten. Gleich­wohl werden Chautemps aber die besten Wünsche für die Kabinettsbildung ausgesprochen.

Der Prozeß gegen die Drusag

Von unserem ständigen Korrespondenten - Karl-Hans Eörbing.

Vor der Lösung der französischen Krise

Shanlemp« bei der KavmellsbiUmng / Gleichzeitige Verabschiedung von Soungplan und Polenvertrag / Erhöhung der Kaffee- und Teezölle

I Dafür lagen vier Vorschläge vor. Die erste I Anregung, durch Reformen der Arbeitslosenversiche­rung, also durch Leistungsabbau, hundert Millionen einzusparen, fand sehr starken Widerspruch, weil die­selben Ausgaben bei den Gemeinden sofort neu ent­stehen würden. Der zweite Vorschlag sah die Deckung der hundert Millionen durch eine Beitragserhöhung der Arbeitslosenversicherung vor, die zwischen ein- viertel und einhalb Prozent liegen würde. Der dritte forderte ein Notopf er der Beamten-und der Angestellten mtt langfristigen Dienstverträgen in Hohe des, Arbeitslosenversicherungsbeitrages, also höchstens eindretwertel Prozent des Gehalts.

Da für keinen dieser Vorschläge Uebereinstimmuug bei den Parteien herge­stellt werden konnte, so blieb der Finanzminister bei seinem eigenen Vorschlag, die Arbeitslosenversiche­rung solle selbst mit qualifizierter Mehrheit, also ohne daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Ver­waltung sich gegenseitig überstimmten, ihre Sanie­rung durch Erhöhung der Beiträge oder Herabset­zung der Leistungen beschließen. Wenn ein solcher Beschluß nicht zustande käme, sollte das Reichskabi­nett entscheiden.

Million ist für siudienüchrten des -Graf Zeppelin- °^tlurmt. Im vorjährtKn Etat waren für die Halle MEo-nen und für Studienftchtten eine halbe Million eiugeletzt.

Paris, 2L Februar.

Chautemps, der gestern vom Präsidenten der Republik mit der Kabinettsbildung beauftragt wurde, erstattete gestern abend Doumergue Bericht und er­klärte, daß er auf Grund seiner Verhandlungen am Nachmittage die Kabinettsbildung definitiv über­nehmen werde. Er hoffe, sein Ministerium im Laufe des heutigen Tages bilden zu können.

Tardieu hat eine Mitarbeit im Kabinett abge­lehnt. Der Eintritt in ein Kabinett Chautemps, so habe der bisherige Ministerpräsident Chautemps bei einer Unterredung in freundschaftlichem Ton er­klärt, könne ihm als eine Desavouierung der Mehr­heit ausgelegt werden, die ihn bei den internatio-

und beim österreichischen Gesandten Dr. Frank vor­gesehen. Auch ein Ausflug nach Potsdam und eine Galaoper Unter den Linden stehen auf dem Pro­gramm des dreitägigen Aufenthaltes in Berlin.

Daß es sich nicht nur um einen Höflich­keitsbesuch handelt, ergibt sich daraus, daß Bun­deskanzler Schober auch vom Sektionsches Dr. Schü­ler begleitet wird, der für Oesterreich die wirtschafts­politischen Verhandlungen mit dem Reiche führt.

Moskau, im Februar.

Von Moskau führt die Eisenbahn über Rostow a. Don, Armawir nach Tiflis und Baku. Im Nordkau­kasus liegt an dieser Strecke die deutsche Konzession Drusag. Man erreicht sie am besten von der Station Kawkaßkaja beim Dorfe Krapotkino aus. Die nächste Kreisstadt ist Armawir. Die Anfänge dieser Konzes­sion liegen viele Jahre zurück. Die Drusag, d. h. die Deutsch-Russische Saatbau -A.-E., ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Saatbau-A.-E. Die Konzesfionsverhandlungen begannen im Jahre 1922. Damals waren die Initiatoren der Verein der deut­schen Samenhändler und eine Stinnes-Eruppe. Der Konzesfionsvertrag wurde im Jahre 1924 abge­schlossen. Das Eründungskapital, das während der Inflation aufgelegt worden war, wurde durch die Stabilisierung der deutschen Währung stark beein­trächtigt. Es handelte sich damals um eine Million Eoldmark Aktienkapital, während tatsächlich die Summe der vergebenen Aktien wenrg. mehr als 500 000 Mark betrug, davon war ein Teil noch dazu in Waren von deutschen Maschinenfabriken beige­steuert worden.

Es war eigentlich eine natürliche Folge, daß sich sehr bald ein Kapitalmangel bemerkbar machte. Die Wechselschulden der Konzession, die sie bei den russi­schen Banken eingegangen war, führten zu großen finanziellen Schwierigkeiten, zumal die Banken auf Einlösung der Verpflichtungen drängten. Z m Frühjahr 1926 drohte der Konkurs. Eine Zwangsverwaltung übernahm die Konzesstons- güter und verfolgte weniger landwirtschaftliche In­teressen, als das Ziel, möglichst viel für die Gläubi­ger herauszuholen. Die Zustände waren damals we­nig erfteulich. Glücklicherweise fttiü ye nach wenigen Monaten zu einer Sanierung indirekt durch das Deutsche Reich unter Beteiligung ber Stadt Königsberg. Das Aktienkapital wurde im Verhältnis vier zu eins zusammengelegt und dann um 'sechshunderttausend Mark erhöht, so daß es die Gesamtsumme von 850 000 Mark erreichte.

Die Drusag ist die letzte von sechs früher gegründeten landwirtschaft­lichen Konzessionen, von denen die bekannte Konzession Rheinbaben liquidiert werden mußte und die andere größte Konzession Krupp-Manytsch in eine deutsch-russische gemischtwirtschaftliche Form gebracht wurde. Die Güter der Drusag umfassen elftausend Hektar, davon 7500 unter Pflug. Allein 5000 Hektar werden vertragsmäßig mit hoch­wertigem Saatgut bebaut. Der Rest wird nach Be­lieben der Konzession landwirtschaftlich ausgenutzt.

Nach dem Verlaffen der Liquidationskommission, die die Güter ziemlich heruntergewirtichastet hatte, begann die sehr schwere Arbeit des Wiederaufbaus, die nur mit höchster Anspannung aller Kräfte mög­lich war. Besonders schwer war es, den Arbeitern, die unter sehr starkem Einfluß eines wenig einsichtt- gen Betriebsrates standen, beizubringen, daß Disziplin die Grundlage für eine gedeihliche Arbeit fein mußte. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es dennoch, die Herbstbestellung in dem beabsichtigten Umfange durchzuführen. Die Erfahrungen brachten auch eine allmähliche Besserung der Erträge von Jahr zu Jahr, die vielleicht noch erfreulicher gewesen wären, wenn nicht immer wieder die Witterungseinflüsse hemmend auf die Entwicklung eingewirkt hätten.

Um im Falle von Mißernten sich eine natürliche Reserve anzulegen, richtete die Konzession eine Zucht- und Nutzviehhaltung ein. Bei Uebernahme der Kon­zession waren nur 50 Joch Ochsen (für den Betrieb unumgänglich notwendig), etwa 100 Pferde und eine tleine Anzahl hochbeiniger, schmalrückiger Schweine vorhanden. Schafe und Rinder gab es nicht. Im Laufe des letzten Jahres gelang es teils durch Im­port aus Deutschland, teils durch Ankauf in der Sowjetunion selbst, den Viehbestand bedeutend zu er- höhen, der gegenwärtig etwa 200 Pferde, 1000 Rin­der, 1000 Schweine und 10 000 Schafe beträgt. Be­reits Ende des vergangenen Jahres konnte die Zukunft der Konzession als gesichert angesehen werden. Die Bilanz der Konzession erzielte erst­malig einen Gewinn. Diese Tatsache verdient um so mehr hervorgehoben zu werden, da eine an die Konzession grenzende Staatswirtschaft erhebliche Zu- chüpe benötigte, also mit Verlust gearbeitet hatte. Es ist bemerkenswert, daß das Verhältnis zwischen Konzessionsleitung und Sowjetbehörden, sowie den owjettschen Gewerkschaften durchaus erträglich war, wenngleich kleine Reibereien natürlich vorkamen, die aber stets im beiderseitigen Einverständnis liquidiert werden konnten. Dieses Verhältnis herrschte in der Zeit, in der der Konzessionsbetrieb Valutazuschüsse und Maschinenimporte aus Deutschland benötigte. Mtt dem vergangenen Jahr aber hätten die Sowjet­behörden laut Konzessionsvertrag den Gewinn der Konzession in Valuta nach Deutschland überweisen muffen. Es scheint beinahe, daß sich gleichzeitig mit diesem wirtschaftlichen Umschwung bet Drusag, also etwa ah Mitte des vergangenen Dezem­bers, das erträgliche Verhältnis bedeutend trübte. Zu diesem Wechsel mag die Verkaufspolitik der Kon- $eT?L6®£8e^a9en Huben, die laut ihrem Vertrag be­rechtigt tst, ihre Probuktion auf bem freien Markte i verwerten. Zunächst kamen bei bei beantragten Gestellung von Waggons Schwierigkeiten. Verlade- genehmtgungen würben erst nach anbaueinber Mah­nung fettens ber Konzession erteilt. Dann traf ein Schreiben des Landwirtschaftskommissariats an die

Sondert Millionen werden gesucht!

3ur Sanierung ber Arbeitslosenversicherung

» folgende Zahlen aus dem neuen

AEetat interessieren: Der Etat schließt mit 7.88 München -b; dazu kommen noch die diesmal etat­mäßig behandelten liebertoerfungen an die Länder mW Gemeinden mtt 3,234 Milliarden gegen 3,287 im Donahre, sodaß

der Gesamtetat fiq auf 11,114 Milliarden «egen 10,2 Milliarden im Vorjahre beläuft.

Bei den einzelnen Verwaltungszweigen des Reiches ist gegenüber dem Vorjahre eine Steige- gernng 'ber Ausgaben um 4Oo Millionen einaetreten; °us Reichssmanzministerum hofft aber, diese Summe durch Verhandlungen mit den Ressorts auf etwa 325 Millionen herunterzudrücken.

D°e Mehrausgaben verteilen sich folgender- 35« HnfentuEfotge und die werteschaffenbe Apbeitsloseniurforge beanspruchen je 30 Millionen mehr, die Kriegsbeschädigtenversorgung 40 Millionen ®ct des Re ichswehr Ministeriums ifi

um o0 Millionen hoher als 1929. Der Grund liegt NMi Teil in einer Zwangsläufigen Steigerung bei Personalausgaben. Die Kosten für die Manöver sind rn diesem Jahr wieder eingesetzt worden. Das ^nbsernabeitMgsminisieriitm erhält etwas über 30 DEwnen mehr. Im Haushalt des Berkehrsmimste- nurn* t^rjr ^cn name,' 'sich d-e A«-fwent,u,ven für

Wasserstraßen und für die Luftfahrtindustrie ettte Erhöhung die sich zusammen mit anderen Mehr- Egaben aus 20 Millionen stellt Bei dem Kapitel Re ich-schuld mußten 30 Millionen mehr eiwge

Werner " Millionen Abführung an den Anlecheablösungsfonds. Beim Finanzministerium haben sich die Ausgaben um 25 Millionen erhöht. ®aju kommen noch 50 Millionen mehr an Be» atzungs- und Räumungskosten und 20 Millionen für das belgische MarLabkommen,

Sie provisorische Mmsterliftr

Paris, 21. Februar.

WiePetit Parisien- mitterlt, hat Chautemps Sesternfrüh2 Uhr französischer Zeit folgende proviso­rische Mmisterliste bekanntgegeben:

Ministerpräsidium und Inneres: Chautemps (Radikaler Abgeordneter); Auswärtiges: Br. and ^ozialrepublikanischer Abgeordneter); Finanzen: Charles Dumont (Radlkaler Senator) oder Abgeord­neter Palmade «Radikal-; Justiz: Besnarb «Radikaler Venator) oder ber radikale Abgeordnete Lamoureur: Marine: AlbertSarraut (Radikaler Senator-;Krieg: Abg- Flandin (Linksrepublikaner); Oeffentl. Arbeiten- Abgeordneter Charles Durand (Radikal) oder Rrcolfi (LinksrepubManer); Handc-l: Abgeordneter üamoureur ober Senator Besnarb (Radikal); Poft- «nd Telegraphenwesen: Senator Mario Roustan (Radikal); Kolonien: Abgeordneter Georges Bok- net «Radikal); Arbeiten: Abgeordneter Loucheur (Radikale Linke); Lustfahrtminister: Abgeordneter Laurent Eynac (Radikale Linke); Landwirtschaft: Abgeordneter Queuille (Radikal); Pensionen: Se- «awr Gallet (Radikal); Hanbelsmarine: DaniÄou (Radckale Linke).

Da verschiedene Morgenblätter und auch die Agen- iur Havas provisorische Listen veröffentlichen, Die jum Teil in wichtigen Portefeuilles andere Kandi­daten nennen, muß die Liste desPetit Paristen- mtt der größten Vorsicht ausgenommen werden.

men des Pen-Clubs und der jugoflawischen Schrift­steller Wello Petrowitsch und im Namen der jugo- slavischen Sozialisten Topalowitsch. Es waren das ganze diplomatische Korps, die Spitzen aller Be­hörden, zahlreiche Schriftsteller und Künstler sowie Mitglieder der Belgrader Gesellschaft anwesend.

Die Leiche Kösters wird in einem Sonderwagen nach Hamburg gebracht, der Mer Budapest nach Ber- km abgefahren ist. Die Beisetzung Kösters erfolgt aim Soivmabendmittag in Hamburg.

Schobers Berliner Besuch

Berlin, 21. Februar.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober, dessen Besuch schon vor mehreren Wochen angekün­digt'wurde, trifft am Sonnabend 9 Uhr vormittags in Berlin ein.

Dr. Schober wird noch am Vormittag dem Reichs­präsidenten von Hindenburg und dem Reichskanzler seine Besuche machen, im Anschluß Mittagsgast des Reichspräsidenten sein. Für die nächsten Tage sind Empfange beim Reichsanßenminister Dr. Curtius

Sie Seisetzungsfeierlichkeiien für Köster

r Belgrad, 2L Februar.

Am kältesten Tage des Winters bei eisigem Winse ftmd gestern die Leichenfeier für den deutschen Ge­sandten Adolf Köster statt, die einen überaus wür­digen Verlaus nahm. Auf den Straßen, durch die fwh der Lmchenzug bewegte hatte eine große Men­schenmenge Aufstellung genommen.

Bm der Leichenfeier in der Gesandtschaft sprachen im Namen der Regierung der stellvertretende Außen- mnrifter Kumanudi, im Namen des diplomatisch Korps der päpstliche Nuntius Pelogrinetti, hn Ra­

th. Berlin, 21. Fehxuqr.

.DaS Reichskabinett hat gestern einige sehr wichtig« Beschlüsse gefaßt, die einen weiteren Schritt zur Lösung der Reparations- unb Fiuanzfrage bar» stellen. Vor allem hat bas Kabinett beschlossen, an seiner bisherigen.Haltung in Bezug auf die gleich­seitige Verabschiedung desNoungpla- nes und des deutsch-polnischen Liquida» tionsverträges fcstzuhalten.

Dieser Beschluß kann nur dadurch ermöglicht wer­den, daß die Besprechungen mit 'den Parteiführern tn den letzten Tagen einige Sicherheit dafür erbracht ha­ben, daß

bei den Regierungsparteien nun doch noch eine knappe Mehrheit für das Polenabkommen Zustandekommen

wird. Bekanntlich war diese Mehrheit bisher außer­ordentlich fraglich, und es schien zum Teil sogar, als ob auch bei der Deutschen Volkspartei und beim Zen­trum ein so großer Teil ber Mitglieder gegen den Polenvertrag stimmen würde, daß man bei einer of­fenen Abstimmung über diese Liquidationsabkommen die definitive Ablehnung durch den Reichstag riskiert hätte. Inzwischen hat man sich überzeugt, daß eine Mehrheit jedoch Zustandekommen wird, und darauf hat das Kabinett seinen ursprünglichen Beschluß über die Verbindung der Abstimmungen über den Aoung- plan und das Polenabkommen erneut bestätigt.

Man hat zwar inzwischen festgestellt, daß diese politische Verbindung nicht unbedingt notwendig ist, weil in Paris und London die im Haag aufgestellte Forderung nach gleichzeitiger Ver­abschiedung dieser beiden Verträge nicht mehr auf­rechterhalten wurde. Trotzdem entspricht die Verab­schiedung des Polenvertrages natürlich den Wünschen der Regierung, weil sie sich für dieses Abkommen außerordentlich stark eingesetzt hat.

Ein zweiter Beschluß des Kabinetts betraf eine

Erhöhung der Zölle für Käfter mh6 Tee.

Danach soll am 5. März eine Verordnung in Kraft treten, wonach der Kaftee^ll von 130 aus 160 RM. pro Doppelzentner erhöht wird, der Zoll für gebrann­ten Kaffee von 175 auf 300 Mark, der Zoll für Tee von 220 auf 350 Mk. Außerdem ist eine Nachver­zollung der bereits vorhandenen Bestände iu Aus­sicht genommen, und zwar sollen «ach dem 5. März dir lagernden Vorräte binnen acht Tagen zur Ra«h- »erzolluug angemeldet werden und davon nur Heine Mengen bis zn 5 Kg. für die Haushaltungen frei­bleiben. Boa dieser Zollerhöhung, di« ans Grund eines Gesetzes vom Jahre 1922, jetzt ohne Befragun- drs Reilhstages, durch einfache Verordnung der Reichsregieruug erfolgen tonn, erwartet mau eine Mehreinnahme non rund 60 Millianea Mark and zwar 40 Millionen Mk. ans der erhöhten Kafteefteuer, sieben Millionen ans de« erhöhten Tee- zoll und 13 Millionen aus der Rachverzollung.

Inzwischen hat der Finanzminister die Zusage der Angestelltenverficherung erhalten, daß diese An­stalt schon 1930 etwa fünfzig Millionen und im näch­sten Jahr weitere fünfzig Millionen zum Ankauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn freimachen wird. Wettere fünfzig Millionen für diesen Zweck glaubt bet Flnanzminister von bet Invalidenver­sicherung bekommen zu können, mit der die Ver­handlungen allerdings noch nicht abgeschlossen sind. Die auf diese Weife in die Reichskasse fließenden 150 MEwnen sollen der Arbeitslasenverstcherung als Reichszuschuß gegeben werden.

Die Arbeitsloseuvetficherung braucht jedoch »och wettete hundert Millionen Mark Zuschüsse.

Die Frage, wie diese hundert Millionen aufzubtin» gen leien, bildete den Gegenstand der Verhandlun­gen des Finanzministers mit den Patteieu.