Nr. 37
StoengigRer Zahrganq
Kaffeler Neueste Nachrichten
1. Beilage
Donnerstag, 13. Februar 1930
Neues aus Kassel
toffel, 13. Februar.
Dom Karlen
Hast Du, verehrter Leser, einmal über das „War- •ten" nachgedacht? Sicherlich nicht. Und doch tft das Warten mit Deinem Leben aufs innigste verbunden. Man könnte saft von einer »Psychologie ves Wartens- sprechen. Einmal von jener Art, die unabwendbar, zwangsläufig mit Deinem irdischen Wege verbunden ist, der im tiefsten Innern em Gran Hoffnung birgt: Es wartet der Mann der Börse auf den großen Coup, der Geschäflsmann auf die glückverheißende Gelegenheit, Du selbst aus den Tag, der die Erfüllung Deiner Wünsche bringt. Dieses Warten gibt Deinen abgejagten Nerven d i e Spannkraft, deren sie bedürfen, ohne die Du getrieben würdest wie ein steuerloses Schiff. Denn Warten ist Hoffen, und Hoffen ist Leben!
Anders die Art des Wartens, die Dein liebenswerter Mitmensch Dir mit rücksichtsloser Brutalität auszwingt, die letzten Endes zu vermeiden ist. Hast Du schon einmal am Postschalter gestanden und gewartet? Du willst eine bescheidene Achtpfennigmarke erstehen, denkst Dir den Ablauf dieser Aktion höchst einfach. Weit gefehlt: Vor Dir steht ein Zeit- genofle am Schalter, der gerne wissen möchte, ob ein Bries, den er heute abend in den Kasten wirf:. und da übermorgen mit der „Reliance" in See geht, Ende der nächsten Woche auch noch das Postflugzeug nach San Francisco erreichen wird. Der Beamte wälzt dicke Pandekten herbei, blättert und sucht .... Kassel—Hamburg—Newyork—San Francisco. Dicke Schweißtropfen perlen dem Armen auf der gefurchten Stirn . . . noch ein Katalog ... ein Spezialplan der amerikanischen Fluglinien. Und hinter Dir wächst die Schlange der Wartenden; Tu bist mit ihnen auf Gedeih und Verderben verbunden. Ein Vorlauter murrt — der Frager wendet sich entrüstet um, knirscht ihn an: »Der Brief soll doch pünktlich zum Geburtstag da sein.- Bescheiden schleichst Du vondannen. Oder: Du möchtest eilig telephonieren. Die öffentliche Sprechstelle ist natürlich besetzt: Das Fensterchen zeigt Dir einen entzük- kenden Wuschelkopf. Und dieser Wuschelkopf spricht, redet, gestikuliert--2, 3, 5 Minuten.... noch
länger. Dir brennts unter den Nägeln; Du pochst an das Fensterchen und versuchst, die Kleine durch heftige Gebärdensprache zur Eile anzutreiben; sie versteht nicht und lächelt ein berückendes Lächeln durchs Fensterchen. Du deutest mit drohendem Zeigefinger auf das niedliche Schildchen »Fasse dich kurz!- Der Wuschelkopf begreift immer noch nicht, und redet emsig weiter. Du hüpfst von einem Salamanderstiefel auf den anderen, schnappst einige Brocken des Gesprächs auf: ..... den Rock aus dunkelroter Seide... mit gelben Volants — nein — eine orange Perücke.
»Gerade willst Du mit dem letzten, kläglichen Rest Deiner Energie die Polstertür aufreitzen, da hängt der Wuschelkopf (nach 12% Minuten) den Hörer an: „Auf Wiedersehen, Sonnabend, in der Stadthalle —."
Das sind einige wenige Beispiele des Wartens, die den Menschen das Leben gegenseitig schwer machen. Und die bald der Vergangenheit angehören würden, wenn wir uns einmal der Mühe unterzögen, über das „Warten- nachzudenken.
Der aufgeflogene Flugplatz
Endgültig verzichtet!
Nachdem die städtische Verkehrskommission die Frage der weiteren Unterhaltung des Flugverkehrs beraten hatte, lehnte gestern d:e Finanzkomnnssion alle Pläne für eine Aufrechterhaltung des Flugverkehrs wenigstens für das Jahr 1930 ohne Einschränkung ab. Damit hat Kassel sein Ausscheiden aus dem deutschen und internationalen Lufrverkehrs- netz zur Tatsache gemacht. Selbstoerstänvlich muß jetzt auch der Flugplatz aufgcgeven werden.
Es wird jetzt darauf ankommen, die Abwicklung der Flugverkehrseinrichtungen ohne Härten durchzu- führen. Vor allen Dingen sollten Härten personeller Natur vermieden werden, soweit das übor- haupt angängig ist. Wie Stadtrat Sarrazin schon anbeutete, ist der Milltärfiskus bereit, die Stadt Kassel früher aus dem Pachtvertrag zu entlassen, damit nicht noch 10 000 M. Pacht bezahlt werden brauchen. Dafür soll allerdings die Stadt in diesem Jahr den Ban der Militärbrücke am Aueausgang übernehmen, eine Arbeit, die etwa 4000 Mark erfordern würde. Es könnten also noch 6000 Mark gespart werden. Die Verträge mit der Lufthansa und anderen Unternehmen werden sich hoffentlich ohne Schwierigkelt lösen lassen.
Wrr haben seinerzeit schon betont, daß die Ausgabe des Flugverkehrs eine Maßnahme von einschneidender Bedeutung tft, die auf lange Jahre hinaus bestimmend für die wettere Entwicklung unserer Stadt sein kann. Wenn man aber im Rathaus glaubt, die erforderlichen Mittel nicht mehr aufbringen zu können, so müssen wir uns damit abfinden. Die Beträge machen zwar bei uttfeien gegenwärtigen Finanzkalamitäten den Kobl auch nicht kett, aber wir wollen ihre Einsparung als einen Beweis dafür ansehen, daß Die >Lpac,am.ett auch ruaitch.slos auf anderen Gebieten betätigt wird, und zwar solange, bis die Ebbe im Stadtsäckel behoben ist!
... uni) Frühling wird er allerorten
also auch am Wochenmarkt.
Die Füße stellten sich sogleich Richtung Wilhelms- höhe-Herkulcs-Hohes Gras, als ich aus der Haustür trat, aber der Kopf telephonierte: „Achtung, linksum kehrt, marich-marfch Richtung Königsplatz!" Da kann man nichts machen. Verstand siegt über Erfühl und Pflicht über Vergnügen. Und schließlich kann man .^Soifrühlings-Spaziergänge" ja auch durch Gemüfe- stände und Hyazinthen- und Tulpentopfreihen machen, wenn auch nicht ungestraft. Aber wir haben ja fast alle Portemonnaie strapazierenden Angelegenheiten so ziemlich hinter uns, so daß wir uns schon ohne Gewissensbisse einen kleinen Nebenanhüpfer zu Ehren des anmarschierenden Lenzes erlauben dürfen. Für eine deutsche Reichsmark kann man sich ein Zimmer voll Hyazinthen- oder Veilchendust schaffen oder für ein paar Groschen eine farbenluftige Augenweide von
Mimosen, Priemeln, Alpenveilchen usw.
Ohne darüber die realeren Genüsse zu vergessen, als da sind:
glutrote Wurzeln,
— es müssen ja nicht immer Rosen fein — nach Gersonschem Rezept zu genießen, zu 20 Pf. das Pfund, für „gewöhnlichere" Zwecke zu. 15 Pf., schneeweiße Blumenkohlköpfe in tadelloser Qualität zu 35—50 Pf. das Stück, gelbgrüner kräftiger Lauch zu 20—25 Pf., weiße und rote Rüben zu 15 Pf., zarten Spingi zu 35 Pf. und Grünkohl zu 20 Pf., großknospigen Rosenkohl zu 35—40 Pf. Schwarzwurzeln zu 40 Pf. das Pfund und bissige Meerrettichstangen zu 35 Pf. das Stück, Rotkohl und Wirsing zu 15—20 Pf. und Weißkraut zu 5—8 Pf. in rohem Zustand und zu 15 Pf. das Pfund zu einem würzig-säuerlichen Gehobelten verarbeitet, Tomaten,
die „Saisondelikatesse"
am Eemüsemarkt, zu 65—70 Pf., Sellerie zu 30—35 Pf., Kopfsalat zu 35—10 Pf. (um jedes etwa gesunkene Grad am Wärmemesser klettert der Salatpreis um 5 Pf höher), Endivien zu 25 Pf. das Stück und Nüßchen zu 35 Pf. das Viertelpfund.
Irgendwo las ich, daß
die „Mistingnette",
die ewig junge, ihre „Unvergänglichkeit" aus dem Saft der Apfelsine schöpft. Verehrte Frauen und Jungfrauen über dreißig und darüber, die Gelegenheit ist günstig: 11 Stück 50 Pf., efrt billigeres Schönheitsmittel ward niemals an den Markt gebracht. Aber nehmen Sie nicht etwa versehentlich eine Zitrone...
Für Ehemänner mit drohender
„Artillerieverkalkung"
empfehle ich: „Vier Tage der Woche los von Mutters Fleischschüsseln! Ein leckerer Fisch ist auch sehr schön und soll vor allen Dingen „helle" machen. Also wer Lust und wers nötig hat, ich offeriere: prima lebende Karpfen zu 1.50 M„ dito Schleien zu 1.80 M., Heilbutt zu 1.50 M., Riesenschupperte zu 90 Pf., prachtvolle Zander zu 1.20 M., kleinere Fische zu 1 M., Barben zu 90 Pf. bis 1 M., Brassen zu 85 Pf., Rotzungen zu 70 Pf., Dornhai (etwas ganz Ertraes) zu 60 Pfg., Fuldafische in jedem Format zu 50—60 Pfg., Schellfisch, Kabeljau, Goldbarsch zu 45—50 Pfg. und den Variationssisch „Grüne Heringe" zu 20 Pfg. das Pfund.
Aber da schließlich die Fleischer auch existieren müssen und es Leute gibt, die noch im Vollbesitz ihrer Kräfte sind und es nicht nötvig haben, „gesund- zu leben, ist ein Gang über den Martinsplatz auch nicht „von ohne", wovon sich jeder überzeugen mag.
Für Setz- und Spiegelei-, für Sol- und Rührei- Freunde diene: 13 Pfg. ein frisches Hühnerei, 14 Pfg ein grünliches Entenei, 30 Pfg. ein „Gelegtes von der
Vom Leben ausgestoßen
Man muß das wohl eine durch Lieblosigkeit verschuldete Tragödie des Alters nennen, was den 67jährigen Adam R. aus Altmorschen aus die Anklagebank gebracht hat. Aus der Untersuchungshaft wurde er vorgeführt, ein alter, abgearbeiteter, weißhaariger Mann, der seinem Gesichtsausdruck nach den höchsten Grad der Gleichgültigkeit erreicht hat. Man beschuldigte ihn, zu Allmorschen fahrlässig den Brand einer mit Futtermitteln gefüllten Feldscheune herbeigeführt zu haben, indem er beim Nächtigen in der «cheune eine Zigarette geraucht und das Streichholz achtlos weggeworfen haben soll.
Das sind nämlich die Angaben, die der Alte zwei Tage nach dem Brande bei dem Landjägereibeamten selbst gemacht hat. Dem Gericht erzählt er seine Leidensgeschichte: Die Kinder sind groß und nach Westfalen verzogen, wo sie sich schlecht und recht durchs Leben schlagen. Ihm wurde es in der alten Heimat zu einsam und so machte er sich auf, seine Kinder zu besuchen. Die waren indes von einem Dauerbesuch nicht sehr erfreut, so daß es bald zu Unzuträglichkeiten kam, Der Alt« bekam Sehnsucht nach der alten tcimat und zog wieder von dannen. In der alten eintat angekommen, erlebte er, daß auch hier kein Platz mehr für ihn sei. In seiner Verzweiflung verkroch er sich dann in einer Feldscheune, die dann im Lauf« der Nacht in der oben besagten Weise in Flammen aufging. Zuerst war der Alte davongelaufen, aber am nächsten Tage stellte er sich freiwillig der Polizei. Das Gericht glaubte dem AngÄagten die Fahrlässigkeit, obwohl viel dafür spricht, daß der Alte in seiner Verzweiflung die Scheune vorsätzlich angesteckt hat, um sich durch die Bestrafung für die Wintermonate ein warmes und trockenes Quartier zu verschaffen. Für zwei Monate gewährte ihm das Gericht nun freie Unterkunft, denn als Strafe faßt der alte Mann das gerichtliche Erkenntnis sicher nicht mehr. Und wenn man nach seiner Haftentlassung nicht vorbeugt, so wird man ihn noch öfter vor den Schranken des Gerichts wieder treffen; er sucht, verzweifelnd am Leben, jetzt im Gefängnis die Versorgung, die Lieblosigkeit ihm nicht gewährt.
Nächtliches Intermezzo
Knattert da in der üblichen unvernünftigen Weise ein Motorradfahrer durch die Wolfhagerstraße. Er hat das Pech, von einem Polizeibeamten gestellt zu werden. Ein zweiter Beamter gesellt sich hinzu, und da unser Motorradfahrer keinen Führerschein besitzt, soll er zur Wache sistiert werden, wogegen er sich zur Wehr setzt. Und zwar mit großem Stimmaufwand, schließlich aber auch tätlich. Der Lärm lockt Neugierige an und aus der Menge beteiligten sich noch zwei weitere Männer an den Auseinandersetzungen. Während der eine in den Ringkampf zwischen den Beamten und dem Motorradfahrer aktiv eingreift, sorgt der andere mit schrillen Rufen wie „Bluthunde" und „Massenmörder" — womit die Polizeibeamten gemeint waren — für die notwendige „Stimmung". Es ging denn auch bunt genug zu: ein polizeilicher Gummiknüppel ging verloren, ein dito Seitengewehr wurde dem Beamten bei dem nächtlichen Ringkampf entrissen und sauste in hohem Bogen über die Straße, wo es einen jungen Mann am Knie tras.
Schließlich hatte die Staatsgewalt doch den Sieg davongetragen und die drei Ruhestörer saßen jetzt aus der Anklagebank. Natürlich wollten sie nichts getan haben, was ihnen das Gericht indes nicht glauben konnte und deshalb den Motorradfahrer mit zwei Monaten, seinen Helfer mit einem Monat Gefängnis und den bösen Schreier mit 100 Rin. Geldstrafe
Gans". Landbutter 1 Qualität Jt 1,80, 2. Qualität M 1,70, Süßrahm M 1,90^-2.0.
Geflügeltes
ist nur mit 10 Prozent Ausschlag zum Wirtschaftsetat zu erschwingen: ein Suppenhuhn oder ein junger Hahn von Qualität mjrb mit 1,30—1,40 Mk. das Pfund bewertet, einige — allerdings prima-prima — Gänse ebenfalls mit 1,40 Mk ein paar überschlanke Tauben mit 80—90 Pfg. das Stück.
Wofür ich mich von all diesen Genüssen entschlossen habe? Ich esse Apfelsinen, um schön, Gemüse und Fisch, um schlank und Fleisch um Klug zu werden. Der Erfolg soll Ihnen nicht vorenthalten bleiben.
Staatliches Theater.
Das vierte Reihenkonzert findet am Freitag, den 2t. Februar. 20 Uhr in der sradthalle statt. Anher Rewhigis „Pinien von Rom" und dem Violinkonzert von Glazpunow gelangt die herrliche zweite Symphonie in C-moa von Gustav Mahler zur Aufführung. Als Gäste wirke» mit: Fräulein Eva Liebenberg, Berlin, Fräulein Hildegard Weigel und Konzertmeister Leon Rüdelsheim vom -Staatlichen Theater.
Im Schauspiel wird für Sonnabend den 22. Febr. Frank Wedekinds „Lulu" vorbereitet. Inszenierung Jacob Geis.
Sonntag. 16. Februar, 11.30 Uhr, sinket eine Tanz» niatinö statt, die von der Ballettmeisterin Hilde. Birumof und der gesamten Tanzgruppe ausgesührt wird. D« musikalische Leitung hat Adolf Maser. Einleitende Worte über „Die Bedeutung des Tan^s für unsere Zett" übernimmt Fritz Böbme, Berlin. I» der Tanzveranstaltung gelangt auüer Werken von Rameau. Händel. Chopin, Komme, Liszt. Debusty, Falla. Hata, Jlavenski, Ponlenc. Barwinsky. Torjunska. Winianski, Max Brands „Tra- gvdietta" zur Erstausführung.
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Oer gesunde Methusalem
Rezept; Direktor Gotzmaun.
Ein alter Kämpfer des Vegetarismus der schon vor vier Jahrzehnten dessen Banner in Kalssel hissen durfte Direktor Heinrich Eoßman (Wilhelmshöhe) dem man keinesfalls fein biblisches Alter durch die infolge seiner naturgemäßen Lebensweise erhaltenen großen Rüstigkeit ansieht, hielt gestern abend auf Einladung der Vegegatarischen Gesellschaft, — man merkte an dem überfüllten Raum die große Wirkung der Hindhede-Lehre — einen anschaulichen Vortrag über
»Sechs Jahre vegetarisches Leben in Südamerika*
Dem Redner war es bei den bei feinem Aufenthalt in Chile erhaltenen Anschauungen kein Wunder, daß die dortige Bevölkerungsziffer in den letzten 20—30 Jahren trotz des gesunden Klimas keinen Zuwachs erhalten hat, immer ein großes Streben der Kinder
belegte. — Eine Berufungsinstanz bekommt den Fall jetzt noch einmal zur Erörterung!
Oer Mann mit den fünf Bräuten
aber sonst ein ganz ordentlicher Mann.
Innerhalb von zwei Wochen sah man diesen Konrad M. nun zum dritten Mal vor Gericht erscheinen. Seine Betrügereien, wegen deren man ihn in Nummer Sicher brachte, tragen samt und sonders stark pathologische Züge, sodaß man manchmal an dem gesunden Verstand dieses Menschen zu zweifeln beginnt. Vor einigen Wochen hatte man diesen Prozeß schon einmal verhandelt, ihn aber vertagt, weil Konrad sich von dem Vorwurf der Heiratsschwindelei damit herausreden wollte, daß die gefchädigten Mädchen sich ja garnicht betrogen fühlen. Er hatte damals glühende Liebesbriefe einer seiner Bräute überreicht und dem Gericht waren Zweifel an der Echtheit dieser Briefe aufgestiegen, wie auch die sonstigen Einzelheiten der damaligen Verhandlung zu weiteren Nachforschungen anreizten. Bei diesen Nachforschungen ist nun nicht viel Strafrechtliches mehr herausgekommen, umsomehr aber steht jetzt die Persönlichkeit des Konrad nach der moralischen Seite hin fest. Er ist nicht nur ein Don Juan gewesen, sondern ein Ausbeuter und Peiniger der ihm verfallenen Frauen, der aber gerissen genug war, sich von strafrechtlichen Verschulden freizumachen.
Aus dem Zeugnis feiner Logiswirtin hörte man, daß sie alle Mühe gehabt hat, dem Ansturm der Frauen und Mädchen auf Konrads Bude zu wehren, mindestens fünf Frauen seien ständig getommen, denen Konrad sämtlich Versprechungen gemacht hatte, deren Einlösung nur vor dem Standesamt erfolgen kann. Aber sonst, meinte die Biedere, wäre er ein ganz ordentlicher Mann gewesen, wenn man noch in Abzug bringe, daß er einen Teil seiner Miete nicht entrichtet hatte. Von den Bräuten saßen zwei auf der Zeugenbank, die eine, die die glühenden Liebesbriefe geschrieben hatte, und die andere, die Konrad hatte „hochaehen" lassen. Die erste der Zeuginnen bekannte sich als die Schreiberin der Briefe und ließ auch sonst — o holde Einfalt des Frauenherzens! — dem Konrad jeden Schutz ?.nge- deihen, selbst dann noch, als man die Angelegenheit aus dem Entbindunasbeim zur Sprache brachte. Damals hatte das Mädchen ein Kind zur Welt gebracht, dessen Vater Konrad war. Es lag in einem Entbindunosheim, dem Konrad eines Tages einen Besuch abftattete, aber nicht um dies unglückliche Wesen zu besuchen, sondern um einer zweiten Braut die übrigens in dem gleichen Zimmer lag. „Beweise seiner Liebe" zu überbringen. Es gab bei der Erörterung dieses geradezu grotesken Vorfalls wobl reichlich Tränen, aber im übrigen war bei dieser .Braut" alles verziehen. Anders bei der -weilen Braut, die Konrad heute in einem Kaufhaus kennen lernt, mit ihr ein Kaffeehaus aufsucht, um bann bereits am nätfiften Tag um ihre Hand anzuhalten. Dieser schneidige Ritter hatte aber weniger das Standesamt zum Ziel, als das Bestreben, sich einige Wochen hindurch von den Eltern seiner „Braut" verpflegen zu lassen. Und diese Suppe war es, die dem Konrad nicht bekam. Die Braut kam hinter seine Schliche und eines schönen Tages bezog er Freiquar- tier im Polizeigefänanis. Das Gericht erlegte ihm wegen dieser Dummheiten zusammen 4 Monate Gefängnis auf. fodatz Konrad M. gemeinsam mit den in letzter Zeit gegen ihn erkannten und mit noch zu erwartenden Abstrafungen wohl ein halbes Dutzend Jährchen abzumachen haben wird, ehe er wieder auf die Brautschau gehen kann!
Vor Kasseler Gerichten
einjetzt, und die Bewohner von mannigfaltigen Krankheiten oer Haut, des Magens und des Darmes heimgejucht sind, jodaß sie mit 45—50 Jahren jchon bei einer bösartigen Aoervenalkung am Grabesrand stehen. Die Schuld liege nur daran, daß |ie noch nicht die Lehre begriffen habe, daß der Menfch vorerst ein Fruchtesser und jein Darm auf Pflanzennahrung angelegt sei. Obwohl dort die herrlichsten Früchte wachten, sei hier in erster Linie bei nur geringer Bewegung weichliche Fleisch- und Fischnahrling. dazu kommt noch als Getränk der 15prozentige Wein. Hier konnte nun Direktor Eoßmann in emem dort errichteten Diät-Sanatorium eine überraschende schnelle und wirkungsvolle Heilung der bösartigsten Krankheiten erzielen.
Mm der Unfälle
In der Ecke der Aolerapotheke kam es zwischen einem von der Bettenhäuserftraße kommenden Kleinauto und einem vorn Altmarkt kommenden Motorradfahrer zu einem Zusammenstoß, wobei ein Eisenteil dem Motorradfahrer den rechten Schuh durchbohrte und ihn am Fuß schwer verletzte. Die Unfallwache Holzmarkt sorgte für ärztliche Hilfe.
In einer Maschinenfabrik vor dem Holländischen Tor stürzte e.ne mehrere Zentner schwere Rohrwand um uno verletzte einen Arbeiter aus Crumbach |o erheblich am Fuß, daß er von der Sonnätswache Wai- jenhausftraße nach feiner Heimat gebracht werden mußte. — Dieselbe Wache leistete einem Schuhmacher aus der Leipzigerstraße, der mit den Ledermesser ausgerutscht war und sich den linken Unterarm der Länge nach ausgeschnitten Latte, die erste Hilfe, ebenso einem Arbeiter in der Wallstraße, der sich durch Fehlschlag mit einem Hammer einen Finger der linken Hand zerschmettert hatte, und einem 26jähr-'g. Schneider ans der Jsenburastraße der mit einer Hand in die Nähmaschine geriet und sie sich durchnäbte. wobei zu allem Unglück auch noch die Rodel abb-och, sodaß sofort e;ne Operation gemacht werden mußte.
Gestern früh stieß auf dem Friedrichsvlatz ein Motorradfahrer mit einer Kraftdroschke zusammen, als diese wenden wollte. Der Motorradfahrer stürzte zu Boden wobei er sich einen bobbeiten Beinbruch rnzog. Er wurde mit einer Kraftdroschke in daS Elisabethkrankenbaus überführt.
Ans hat der eins in
Allerlei vom Tage
Verlängerung der Polizeistunde.
Anlaß der karnevalistischen Veranstaltungen Polizeipräsident auf Antrag des Wirtever- Kassel unter dem Vorbehalt des jederzeiti--
Wetervoraussage für Freitag den 14. November
Vielfach neblig, in höheren Lagen meist heiter, trotzen, tagsüber bei schwachen nach Süden drehenden Winden, Temperaturen meist über Null Grad. Nur nachts noch leichter Frost.
Wohin geben mit am Freitag?
Staat 6 8 th e ater: „Web dem. der lügt", 19,30 Uhr.
ftlet ne« T 6 e ater: „»Batet sein dagegen sehr", 20 Uhr a d! - V Es.deltint Reoue.„Es ist etwas los", 20.18 U6r
$ 9 f f eeP öltet: Das große Faschings-Programm
U i a-T 6 e ater: „Der weine Teufels Wochenschau
A p v o l l o - T 6 e a t e r:: Liebfrauenmilch und ZirkuS Pat und Patachon.
©aftftdtte zu m Ständehaus! D. H. B. Jahre». _ Hauptversammlung. 20,30 Uhr.
daurischer H o f: Oesfentl. Vortrag, veranstaltet vom Zwecksparverband für Eigenheime e. V. Aachen, 20
Restaurant Gildehaus: Reichsbund der Kriegs- beschädigten, Jahreshauptversammlung, 20 Uhr.
gen Widerrufs und der Bedingung, daß den Arbeitnehmern die damit verbundenen Ueberstunden besonders bezahlt werden, für die Zeit vom 15. 2. bis 4. 3. die Polizeistunde für Gast- und Schank- wirtfchaften allgemein bis 4 Uhr verlängert.
Straßenbenennungen. Im Einvernehmen mit dem Magistrat erhielten durch den Polizeipräsidenten die im Stadtteil Rothenditmold gelegenen Straßen Ro. 8 und Ro. 9 die Bezeichnung Gudensberger, und Rotenburgerstraße.
Diebstahl. In der Ludwigstraße wurden aus einem Lastwagen-Anhänaer ein Gummireif, zwei Feuerlöscher und andere Werkzeuge entwendet. Als Täter soll eitti auswärtiger Kraftwagenführer in Frage kommen. — Im Juli wurde in ein Erfrischungshäuschen in der Frankfurterstraße eingebrochen und Geld und Erfrischungen entwendet. Jetzt ist es gelungen, als Täter eine wegen ähnlicher D- liktc schon mehrfach vorbestrafte männliche Person zu ermitteln. — Vor einiger Zeit versuchten drei junge Burschen, die Lagerräume am Söhrebahnhof in Bettenhausen zu erbrechen. Sie hatten sich zu diesem Zweck Dietriche angefertigt, um die Türen durch Nachschließen zu öffnen. Die drei Burschen konnten bieder Tage ermittelt werden und gab ihre Absichten zu. Zwei dicker Burschen waren später in das Bootshaus des Frauenruder-Vereins in der Aue eingebrungen und hatten aus ben Garderoben- fchränken Kleibungsstücke unb Bootsräder zur Mitnahme bereitgelegt, die sie am anderen Tage ab- bolen wollten. Vorher war man ihnen aber auf die Spur gekommen und nahm sie fest.
Achtung Juvaliteurenteuempfänaer! Die Auszahlung her Unterstützungen für Februar 1930 findet unter Vorlage gelben Ausweiskarte in bei stöbt. Rentnersürkorae. öoH. etr. 19 von 9—12% Uhr statt: Sonnabend. 15. Fe- bruar, Nr. 1—850 Montag. 17. Februar 851—1800: Dienstag. 18. Februar 1701—2650: Mittwoch. 19. Februar 2651 b's LL,D°nn-rstag, Al Februar 3551 bis Ende: Freitag, »;J^,rom-,äBttrocn Waisen 1-450: Sonnabend. 22. Februar. Witwen und Waisen 451 bis Ende.
sn rse5Mt t- Das in unserer Zeitung veröffentlichte Sn« des Kaffeler Lehrerver-
eins entstammte dem Atelier Guido Staude-Kaffel.
®ewi««e ter Staats-L-itreie 34 260. Preuh-Tüddenisch. scheu Klaffen-Loiierie. 4. Ziehungstag 12. Februar 1930. 5000 Jl: 382 117, 388 120. 3000 JU 113 766, 168 510, 213 938. 278 450. 329 509. 337 966. 365 840. 2000 Jt". 57 045, 90 550 116 271. 128 796. 134 030, 153 546. 184 632, 343 804, 375 796. 1000 JL-. 426. 24 849, 37 561, 55 900, 57 905, 92 858, 122 456. 139 007, 180 543, 192 604, 193 029, 206 888, 23 670, 263 140, 273 528, 284 293, 301 541, 309 424, 339 486, 351 324, 381 178, 395 907. 500 Jl: 1458, 2463, 17 918, 26 190, 32 330, 43 077. 43 603, 44 320, 49 580, 57 908. 72 425, 74 407, 79 391, 84 287. 90 480. 103,949. 115 357. 125 917, 128 298, 133 369, 136 531, 140 331, lo7 677, 160 972, 163 661, 168 838, 173 810, 178 529 195 560, 207 795, 207 847, 212 257, 213 186, 213 975, 215 542,
224 221, 228 488, 232 014, 235 715, 236 830! 245 75k 24 7 263'
247401, 247594. 247737, 253042, 264999, 272060, 278980, 280738 289 371. 303 728, 311501, 314 632, 320 349, 340 845, 346114.
3o4 938. 361 879, 364 943, 366 398, 368 980, 373 091, 373 426.
375 522. 384 896, 388 889, 389 348 (ohne Gewähr).
Weite« Lokalnachrichrichten siehe 3. Seite 1. Beilage.
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