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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 37 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Donnerstag/ 13. Februar 1930 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 20. Lahrganß

Die Internationale Zahlungsbank im Aufbau

Der Kamps geht ttm die leitenden posten / Vor der Aufklärung de- Zaster Kutiepow? / Kommunistische Revolte in Rüffelsheim

Reparationsagentm oder mehr?

Eigener Drahtbertcht.

Mailand, 13. Februar.

Mitglieder des Unterausschusses für die Organi­sation der Ban! für internationalen Zahlungsaus­gleich traten am gestrigen Mittwoch in der Mailän­der Nebenstelle der Bank von Italien zu einer Sit­zung zusammen.

Im Verlaufe der Besprechung wurde, wie die Agencia Stephani berichtet, festgestellt, daß die Ar­beiten für die endgültige Organisation der Bank für internal malen Zahlungsausgleich dank der herzlichen Zusammenarbeit aller an der Gründung beteiligten Emissionsbanken und der amerikanischen Großfinanz rasche Fortschritte mache.

Es wurde vereinbart, daß die Präsidenten der er­wähnten Emiffionsbanken deutnächst in Rom Zu­sammenkommen sollen, um zur Konstituierung der Bank zu gelangen und eine Verständigung über die Wahl der Mitglieder des Verwaltungsrates zu erzielen.

Ein Franzose Generaldirektor?

d Berlin, 13. Februar.

DasBerliner Tageblatt" beschäftigt sich sn einem Artikel, der Beachtung verdient, wenn man ihm auch nicht in allen Punkten zuzustimmen braucht, mit der Frage, wer die Leiter der Bank für In­ternationalen Zahlungsausgleich sein werden und sagt: Ob die Bank, die demnächst in Basel ihre Ar­beit beginnen soll, mehr werden kann als eine

kommerzialisierte Reparationsagentur",

wird wesentlich von den Persönlichkeiten abhängen, die sie leiten. An und für sich wäre die Bank in der Lage, für die europäische Wirtschaft in finanzieller Hinsicht das zu werden, was der Genfer Völkerbund für die Weltpolitik sein soll: Ein Zentrum der Zusammenarbeit, ein Organ für die Ausschal­tung von Schwierigkeiten im internationalen Leben.

Umso mehr kommt es darauf an, daß innerhalb des Personenkreises der Bankleirer ein wirkliches Vertrauensverhältnis besteht. Durch die sicher zu er­wartende Ernennung Mac Garrahs sollte man logisch bereits festgelegt sein, auch den zweiten Posten weder mit einem Deutschen noch mit einem Fran­zosen, sondern nach Möglichkeit mit dem Vertreter eines an den Reparationen nicht direkt betei­ligten Landes zu besetzen. Hierfür käme wohl in erster Linie der Holländer Bruins in Frage, der

London, 13. Februar.

Botschafter Sthamer feiert heute sein zehnjäh-, viges Jubläum als diplomatischer Vertreter Deutsch­lands in Groß-Britannien. Heute vor zehn,Jahren tras Dr. Sthamer in London ein, um die durch den Weltkrieg abgebrochenen diplomatischen Bezie­hungen zwischen Deutschland und England wieder aufzunehmen. Wenn das heutige anglo-deutsche Ver­hältnis ohne Zweifel als freundschaftlich bezeichnet werden kann, so ist dies in der Hauptsache das

Verdienst Dr. Sthamers.

Es gehörte im Jahre 1920 ein nicht geringes Maß von Entschlossenheit und Takt dazu, um bei der da­mals noch recht feindseligen Einstellung des größten Teiles der englischen OefsentlitAeit die deutsche Sache würdig zu vertreten. Zahlreiche Mißverständnisse mußten aufgeklärt, haltlose Anschuldigungen zuruck- gewiesen, und langsam das Vertrauen der englischen Oefsentlichkeit wieder hergestellt werden.

Durch sein würdiges Auftreten, sein taktvolles Ver­treten der deutschen Jnlereffen, auch durch eine ge­wisse Zurückhaltung vor der Oefsentlichkeit, hat Dr. Sthamer in England

zahlreiche Freunde für das Deutsche Reich geworben.

Sein« Beziehungen zu dem Foreign Office wie auch S dem gesamten diplomatischen Korps |tnb sreund- aftlicher Art. Seine Beziehungen zum englnchen Hose Waren ebenfalls immer herzlicher Natur. Wenn der bereits 73jähr. deutsche Botschafter sich im Som­mer dieses Jahres, wie er beabsichtigen soll, vom di- plomatischen Dienst zurückzieht und London vertagt, io Wird er eine nicht unbeträchtliche Zahl von Freunden für Deutschland in England zurücklassen.

Politiker Kuhhandel

Neutralisierung der Philippinen?

> London, 13. Februar.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Te­legraph" will wissen, daß die amerikanische Delegation in den letzten Tagen die Möglichkeit erwogen habe, den Philippinen in absehbarer Zeit die Unabhängigkeit zu gewähren. Es werde gehofft, daß Japan hierdurch zu einer Herab­setzung seiner Ansprüche, die sich bekanntlich aus 70

unter dem Dawesplan Kommissar bei der Reichsbank ist und sich tu diesem Posten objektiv sehr be- währt hat.

Statt dessen wird von französischer Seite mit Be­stimmtheit behauptet, die

Wahl des Direktors bei der Bank von Frankreich, Quesnay sei bereits so gut wir beschlossen.

Die großen Fähigkeiten dieses Mannes ständen zwar außer Frage; aber es müsse doch festgestellt werden, daßerinDeutschlandnichtdasVertrauen genießt, das der wichtigste Mann der Banklettunz gerade in dem Lande braucht, das gewissermaßen I

Darmstadt, 13. Februar.

Zn de« Opelwerke« waren vorgestern drei kommunistische Mitglieder des Betriebsrates entlas­sen worden, da sie während der Arbeitszeit die Ar­beiterschaft durch Versammlungen zur Riederlegung ihrer Tätigkeit aufznputschen versuchten.

Gestern vormittag erschienen auf Lastautomobi- len, Motorrädern und zu Fuß etwa 200 auswärtige Kommunisten in den Werken, denen sich etwa 400 kommunistische Arbeiter der Opelwerke anschlcssen. Unter den Eindringlingen besanden sich der preu­ßische Landtagsabyeordnete Oskar Müller und der hessische Landtagsabgeordnete Sumpf. Die Arbei­ter wurden mit Gewalt von der Arbeit abgehalten, teilweise wurden sie auch mißhandelt. Die Ein­dringlinge versuchten, die Dampfkeffel und Maschi­nenanlagen stillzulegen. Der gesamte Betriebsrat wurde tätlich bedroht. Der nichtkommunistische Be­triebsratsvorsitzende, dessen Absetzung die Demon­stranten verlangten, wurde von einem Kommunisten mit einem Dolchmesser angegriffen.

Um 1 Uhr trafen 200 Mann Schutzpolizei Äns Darmstadt ein, die die Fabrik umstellten und einige Führer der Putschisten verhafteten, darunter die bei­den Abgeordneten. Die preußische Polizei sperrte die preußische Grenze in der Richtung WicMaden -Frankfurt am Main ab.

Wie die Opelwerke mitteilen, lief der DetrieK

Prozent der Tonnage Amerikas belaufen, veranlaßt werden würde.

Ueber die gestrige Sitzung des ersten Ausschuffes meldet der Korrespondent, daß in keinem der vom Unterausschuß unerledigt gelassenen Punkte eine Ei­nigung erreicht wurde. Die Hauptschwierigkeit liegt in der britischen Forderung, daß die Kategorien nicht nur, wie die Franzosen es wünschen, bezüglich ihrer Geschützkaliber, sondern auch bezüglich der Tonnage begrenzt werden.

DerDaily Herald" erklärt, daß das Verlange« Frankreichs nach einer Erhöhung seiner Gesamt­tonnage von 401 000 auf 724 000 einigermaßen ver­blüffend fei. Die Aussichten würden sehr düster sein, wenn nicht zu hoffen wäre, daß diese Forderung i» kaufmännischem Sinne gemeint sei.

Verschiedene Blätter berichten, daß am morgigen Freitag oder anfangs nächster Woche eine weitere Vorkonferenz abgehalten werden solle.

darbansche Politik"

London, 13. Februar.

Nach zwei flammenden Anklagereden des Erz­bischofs von London nahmen die versammelten Bi­schöfe der anglikanischen Kirche einstimmig eine Entschließung an, in der sie ihre Empörung gegen die Religionsverfolgungen in Rußland und ihre Sympa­thie mit den verfolgten Personen aussprechen und bit­ten, für sie zu beten.

Die Entschließung sagt weiter, daß die Sowjet­regierung, wenn sie gute Beziehungen zu Großbritan­nien aufrecht zu erhalten wünschen, die Grundsätze der Zivilisation und der menschlichen Gerechtigkeit beobachten müsse.

Ter Erzbischof von Canterbury brandmarkte die Religionsversolgungen in der Sowjet­union als grausame und barbarische Politik. Der Bischof bemerkte weiter, daß er sich, wenn keine wirk­liche Besserung einträte, für verpflichtet halten könnte, die Sache im Parlament zur Sprache zu bringen, wenn auch nicht als politische Angelegen­beit, so doch als eine Frage, bei der die Ehre eines christlichen Volkes und die Interessen der gemein­samen Zivilisation auf dem Spiele stünden.

das Objekt des neu zu gründenden Unternehmens ist. -Quesnay war der

Autor des berühmtenRechnungskunststückes", mit dem unter formeller Wahrung des allgemein ak­zeptierten Vorschlages von Owen D. Uoung die deutschen Zahlungsverpslichtungen in letzter Minute erhöht und nicht nur die Deutzchen, sondern auch verschiedene Gläubiger benachteiligt wurden.

Vorläufig komm» es vor allem darauf an, eine Atmosphäre des allgemeinen Vertrauens, vor allem auch in Deutschland zu schaffen. In dieser Hinsicht dürfte es zwischen der Regierung, dem Reichsbank- präsidenten und der deutschen Finanzweli keinerlei Meinungsverschiedenheiten geben. Die

Ernennung Quesnays zum Generaldirektor der BIZ würde das ganze Institut von vornherein belasten, und sie würde möglicherweise verhindern, daß diese Bank über eine bloßeReparationsagentür" hinaus­wachsen und zu einem neuen Zentralpunkt inter­nationaler Zusammenarbeit werden kann.

Kommunistische Agitation im Westen

Leipzig, 13. Februar.

Seit kurzem ist, de«Leipziger Neuesten Nachrich­ten" zufolge, die Zentrale der K.P.D. dazu überge­gangen, führende Männer der Parteizentrale in das Ruhrgebiet zu entsende«. In verschiedene« Städten des Ruhrgebietes haben Thälmann und der aus dem Tscheka-Prozeß und dem Kantoner Ehinesenaus- stand bekannte Heinz Neumann in Versammlungen gesprochen und de«Kampswillen der Arbeiterschaft" in aufreizender Form zu stärke« versucht. Die Entsen­dung Neumanns insbesondere läßt darauf schließen, daß sich im Saargebiet etwas vorbereitet. Recht bedenklich muß auch die Tatsache erscheine«, daß sich in der letzte« Zeit die Einbrüche in Waffengeschäfte ge­häuft haben, wobei als Täter Kommunisten festgestellt sind.

lleberraschungen im Fall Kutiepow?

Paris, 13. Februar.

Zn Pariser Gerichtskreisen ist man seit Mittwoch optimistischer über die Aufklärung der Verschleppungs­angelegenheit Kutiepow s. Die Nachforschungen sollen bereits soweit fortgeschritten sein, daß man

innerhalb 48 Stundeu mit einer lleberraschung rechne«

könne. Hierbei soll es sich um die I d e n t i t ä t d e s falschen Polizeibeamten handeln, der schon vor der Verschleppung wochenlang alle Ausgänge der Wohnung des Generals überwachte.

Beim Pariser Polizeipräsidium ist am Mittwoch eine neue Zeugenaussage eingegangen, die im Augen­blick der Gegenstand genauer Untersuchungen ist. Ein russischer Monteur, bet in einer Garage in Brüssel arbeitet, teilte telegraphisch mit, daß er im Augenblick

eine« Kraftwagen ausbessere, der dem von de« Berschlepper« beuutzte« gleich«.

Der Wagen sei ursprünglich grau gewesen und erst in den letzten Tagen zweimal neu überstrichen worden. Der Besitzer set ein Russe, der bereits am heutigen Tage habe abreisen wollen. Das Ergebnis der poli­zeilichen Untersuchung steht zur Stunde noch aus.

Ueber die Meldung eines Blattes, wonach bereits Verhaftungen vorgenommen worden feien, ver­weigert die französische Polizei jede Auskunft.

*

Paris, 13. Februar. Blättermeldungen zufolge, sollen am vergangenen Sonntag im Walde von Vin­cennes zwei unbekannte Männer den Versuch unter­nommen haben, den achtjährigen Sohn einer hochstehenden Persönlichkeit der russischen Emigranten­kolonie zu entführen. Dem Kindermädchen, in dessen Begleitung sich der Knabe befand, hätten die Männer, die einem Kraftwagen entstiegen seien ein gefälschtes Schreiben des Vaters des Kindes als' Aus­weis gezeigt. Auf die Hilferufe des Mädchens seien ein Polizist und ein Zivilist herbeigeeilt und die bei­den Männer hätten in dem Auw schleunigst die Flucht ergriffen.

3n polnischer Seleuchiung

Warschau, 13. Februar.

Ein bekanntes Krakauer Blatt bespricht die Aus­sprache über den Houngplan im deutschen Reichstage. Das Blatt geht sodann auf den deutsch-polni­schen Liquidationsvertrag über und macht eine Reihe von Aeutzerungen, die auch für Deutsch­land von größtem Interesse sein dürften.

Das Blatt sagt, es sei ein unbestreitbarer polni­scher Erfolg, daß Frankreich die Ratifizierung des neuen Planes von der gleichzeitigen Annahme des Liquidanonsabkommens mit Polen durch den Reichs- trag abhängig gemacht habe. Man sehe hierbei, wel­chen Wert das Bündnis mit Frankreich für Polen besitze. Der Vertrag sei für Polen außerordentlich günstig, denn er vereitele alle deut­schen Revisionsbetzrebungen im Osten,______

Differenzen

Die interfraktionellen Besprechungen über die Finanzfragen.

th. Berlin- 13. Februar.

Die zweite Rednerreihe im Reichs­tag hat gestern begreiflicherweise bei weitem nicht das gleiche Interesse finden können, wie es am Tag« zuvor bei der ersten Rednergarnitur der Fall wrr. Immerhin hat sich die Gelegenheit ergeben, daß nun­mehr auch zwei andere Regicrungsmitglieder das Wort ergreifen konnten, und zwar hat sowohl der Minister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth alS auch der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer in der Diskussion den Standpunkt der Haager Dele- gierten und der deutschen Regierung vertreten. Da­bei hat Dr. Wirth die Sankttonssrage behandelt, während sich Dr. Moldenhauer mit dem schwierigen Kapitel der Moratoriumsklauscl beschäftigte. Die Ausführungen beider Minister dürsten ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Rian hätte ohne Schwierigkeiten die erste Lesung der Houngplan-Gesetze gestern zu Ende führen können, denn der Rest der Rednerreihr, der für heute übrig geblieben ist, ist nur noch sehr gering. Heute wird nun die Ueberweisung des ge­samten großen Komplexes der mit der Haager Kon­ferenz zusammenhängenden Fragen an den Aus­wärtigen Ausschuß erfolgen, und dort werden weitere Aufklärungen gegeben, die im Plenum des Reichstages aus bekannten Gründen nicht möglich sind.

Neben den Plenardebatten laufen die inter­fraktionellen Besprechungen über die Finanzfrage einher. Gestern hat die erste derartige interfraktionelle Beratung der Finanzsachverständi­gen der Regierungsparteien über das Steuer­programm des Reichsfinanzministers stattgefun­den. Man hat sich zunächst mit einem Einzelfall be­schäftigt und zwar mit dem Problem, ob aus dem außerordentlichen Etat (der bekanntlich mit 1300 Millionen Mark beziffert ist) die 450 Millionen des Schuldentilgungssatzes und die 154 Millionen, die aus dem Etat für 1928 ungedeckt übrig geblieben sind, gleichzeitig mit dem neuen Etat gedeckt werden müssen Man spricht von zwei Möglichkeiten, nämlich die gesamten 600 Millionen oder nur 450 Millionen zu decken, und daher

sind die Schlagworte von derGroßen Deckung" und derKlemen Deckung entstanden. Die An­hänger dergroßen Deckung" sind das Zentrum, die Demokraten und die Vollsparteiler. Die Heine Deckung" wird von den Sozialdemokraten und der Bayrischen Volkspariei gewünscht.

Diese kleine Deckung besteht darin, daß man die 154 Millionen noch einmal ein Jahr hinausschiebt, und daß statt 600 Millionen nur 450 Millionen für dieses Jahr gedeckt werden. Eine Einigung ist unter den Finanzsachverständigen in diesem Falle noch nicht erzielt worden, und heute nachmittag sollen diese Verhandlungen sortgesetzt werden.

Inzwischen hat man auch einen Unteraus­schuß eingesetzt, der zunächst die Möglichkeit von Steuerabstrichen noch einmal genau prü­fen soll.

Eine zweite Differenz ist in der heutigen glei» chen Besprechung bei der Frage der A r b e i t 8» losenversicherung entstanden, wobei es sich darum handelt, bis zu welcher Höhe das Reich die in seinem Besitz befindlichen Reichsbahnvor­zugsaktien für die Finanzierung der Arbeits­losenversicherung verwenden fvlll

Bekanntlich sollten diese Vorzugsaktien der Ange» stelltenversicherung und der Invalidenversicherung übergeben werden, damit diese beiden Anstalten ge­meinsam der Arbeitslosenversicherung ein ent­sprechendes Darlehen geben könnten. Jetzt sind aber bei der gestrigen intrrfraftionellen Besprechung Be­strebungen aufgetaucht, nicht etwa die gesamten 450 Millionen zu decken, die die Arbeitslosenversicherung braucht, sondern nur einen kleinen Teil davon, näm­lich entweder 150 Millionen oder auch nur 100 Mil­lionen und den fehlenden Restbetrag dadurch herein­zuholen, daß man innere Reformen in der Arbeitslosenversicherung vorntmmt. Es kann keinem Zweisel unterliegen, daß dieser Weg überaus schwie­rig ist, weil ja die Sozialdemokraten nicht auf der­artige Vorschläge eingehen werden.

Das Zentrum verlangt nach wie vor mit aller Stärke interfraktionelle Bin­dungen auf das Fiuanzprogramm vor der Verabschiedung, aber man ist im Parlament da­von überzeugt, daß das Zentrum die Verantwor­tung nicht aus sich nehmen wird, den Youngplan in dritter Lesung scheitern zu lassen, wenn bis dahin (wie es mit ziemlicher Sicherheit voraus- zusehen ist) die interfraktionellen Bindungen der Koalition für das Finanzprogramm nicht zu- standegekommen sind.

Das Reichskabinett wird heute noch einmal zusammentreten, um über die Einzelheiten des Haus­haltsplanes Beschluß zu fassen. Bekanntlich ist vor

Zehn Lahre Botschafter

(Eigene Drahtmeldung.)

Krawalle in den Opelwerken

Eigener Drahtbericht.

vollkommen weiter. Bei Betriebsschluss war in den Opelwerken gestern abend wieder völlige Ruhe eingetreten. Die Arbeiter verliehen in voller Ord­nung die Fabrik. Die eingesetzten Polizeikräfte wurden zurückgezogen.