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Kasseler Neueste Nachrichten

20. ^ahrgan-

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Montag/10. Februar 1930

Rümmer 34

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Deutsche Beschwerde in Kowno

Berlin, 10. Februar.

3m kritischen Stadium

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 10. Februar.

Gewerkschaftlicher Protest

Die gesamte polnische Preffe begrüßt den efiländi- lchen Staatsältesten in begeisterten Worten. Dar Blatt des RegierungsblocksGazeta Polski" betom daß das Ziel der polnischen Politik an der Ostsee nur der b a l t i sch e B u n d sein könne, ein Gedanke, wie er im März 1922 aus der Warschauer Tagung der bat- tischen Staaten entstanden sei.

Tie christlich demokratischeRzeczpospolita" weist darauf hin, daß beide Staaten von Deutsch­land (!) und von Rußland bedroht seien.

Berlin, 10. Februar.

Die Spitzenorganisationen der deutschen Gewerk­schaften haben eine Entschließung gefaßt, in der aus die Absicht deS Rrichsfiuanzministers hingewiesen wird das zu erwartende Defizit der Arbeitslosen­versicherung durch eine ZwangSanleihe bei der Invaliden- und Angestrlftenvrrficherung zu decken Die Gewerkschaften erheben gegen diesen Plan schärfsten Protest, da dadurch eine Gefährdung der Aufgaben dieser Anstalten und eine weitere Aus­höhlung des gerade von ihnen befruchteten Bau­marktes und damit eine weftcre Einschränkung der Arbeitsmöglichkeitcu die unausbleibliche Folge fein würde und somit eine Gefährdung der gesamten So­zialversicherung herbeischasfeu würde.

Die Londoner Seeabrüstungskonferrnz tritt in die­ser Woche in ein kritisches Stadium ein. Die Aus- gebe, die die Konferenz jetzt zu lösen hat, ist umso schwieriger, als zwei Streitfrage« geregelt werden müssen, die bisher mehr im Hintergründe der Berhandlungen standen: Vor allem die italieni. sche Forderung nach Flottenparität mit Frankreich und diejapanischeForderung nach einem 10:7 Verhältnis bei den großen Kreuzern.

Man glaubt im allgemeinen nicht, daß eine völlige Abschaffung der U-Boote, wie es Amerika und Eng­land morgen vorschlgen werden, von der Konferenz beschlossen werden dürfte.

*

London, 10. Februar.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" führt aus: Aus der morgigen Vollsitzung der Äonseren; werden sich Frankreich und wahr­scheinlich auch Japan gegen und Großbritannien, Amerika und Italien für die Abschaffung der U-Bootwaffe erklären. Im Zusammenhang mu der Frage der Vermenschlichung des U-Bootkrieges besteht die Möglichkeit, daß Frankreich oder Japan aus das seinerzeitige deutsche Argument zurück- greisen und verlange» wird, daß Handelsschisse, wenn sie vor sofortiger Versenkung durch U-Boote geschützt sein sollen, nicht bewaffnet sein dürfen.

Staatssekretär Siimson hatte Sonnag «wend eine Unterredung mit Briand. die dazu geführt hoben soll, daß Frankreich aus seine Absicht, eine Entschließung über die Vermenschlichung des u- Bootkrieges einzubringen, verzichtet und sich mrl dem englisch-amerikanischen Vorschlag einverstanden erklär:, daß die Entschließung Root, betreffend den U-Bvotkrieg, aus dem Jahre 1922 in ab geänderter Form wieder vorgenommen werden soll.

statten, und ihre Beschlüsse werden, wie er glaube, den Rationen auf dem Wege zur allgemeinen Ab­rüstung vorwärts Helse«.

Jede große Macht mit Ausnahnre Deutschlands, daß unter Zwang abgerüstct hat, gebe heute vielmehr für Rüstungen aus als vor dem großen Krieg. Tie Rationen der Well wenden jährlich ch5 Milli­arden Dollar für Rüstungen auf, wovon 60 Prozent auf die europäischen Länder, 20 Prozent auf die Bereinigten Staaten und 20 Prozent auf dir übrige Weft entfallen. Der törichte Lehrsatz, daß Vorbereitung die beste Politik sei, um Kriege zu vermeiden, habe sich als vollkommen falsch erwiesen. Rüstungen rufen Kriege hervor und erwecken bei internationalen Disserenzen Ms den Wunsch, auf sie zurückzugreisen, um die eigenen Forderungen durchzusrtzen.

Hessische Abendzeitung

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Safsel das Sort 7 A. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile tt lj. Anzeigen IM Rekiameleil die mm Brette Heile 45 A Cffertaebübr 25 A (bei Zustellung 85 t>. Für das Erscheinen von Anzeigen in

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4,5 Milliarden Dollar für Rüstungen

suchen, zu einer Verständigung evtl, sogar zu gewissen Bindungen zu kommen. Allerdings liegen in dieser Hinsicht noch viele Schwierigkeiten vor.

In erster Linie macht die Arbeitslosenversicherung starkes Kopfzerbrechen,

denn die bis jetzt vol-eschlagenen Wege, also entwe­der eine Anleihe bei der Invalidenversicherung und der Angestelllenversicherung oder die Erhöhung der Beiträge auf 4 Prozent, sind bereits stark umstritten. Wie dieWelt am Montag" erfährt, wird noch eine Reihe anderer Wege erwogen, so z. B. die Heranziehung der Festbesoldeten, Notopfer der großen Einkommen und Vermögen, Verkauf eines Teiles der im Besitz des Reiches befindlichen Eisen­bahn-Obligationen, eine anderweitige Verteilung der Reichsbanküberschüsse usw. Auch alle diese Projekte stoßen auf große Schwierigkeiten. Vor allem ist natür­lich mit dem Widerstand der Sozialdemokraten gegen die Erhöhung der Umsatzsteuer und dem Wider­stand der Bayerischen Volkspartei gegen die Erhöhung der Bi er steu er nach wie vor zu rechnen, und es ist anzunehmen, daß die Auseinandersetzungen zwi­schen de» Koalitionsparteien über alle diese Fragen sehr schwierig und zeitraubend sein werden.

Kaffeler Abendzeitung

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S-llnngSgebübr. Fn Fällen von höherer Gewalt be steht kein Ansvruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung deS Bezugsvreises. Verlag. Schriftleitung und Druckerei: Kölnische Strotze 10. Telephon: 6antmdttuntiner 6800. Juristische Sprechstunde leben Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Strabe Nr. 10.

Russisches Kinderelend

Von unserem ständigen Korrespondenten, s

Karl-Hans Görbing. i

Moskau im Februar.

Es ist bekannt, daß di« Kinder desSowjetpara- dieses" nicht ein Leben im Paradies führen. Hin und wieder findet man auch in der sowjetischen P r o v i n z p r e sse erschütternde Bilder dieses Kinderelendes. Kürzlich brachte eine Zeitung in Millerowo sDonezbecken),Donezktj Chleborob" (Nr. 179) eine Schilderung der jungkommunistischen Schu­le in T e r n o w a , die von einer Kommission aus Jungkommunisten revidiert worden war. Nach die- em Kommissionsbericht sprang vor allem die Armut und der furchtbare Schmutz in die Augen. Ein be- onders trauriges Bild bot das Internat. Die Fen­ier waren längst zerschlagen. Statt Betten sah man einen Haufen Stroh. Die Türen waren nicht ver­schließbar. Mes machte den Eindruck einer ver­lassenen Wohnung, in der Obdachlose hausten. Ost kamen Hunde und Schwein« zu Gast, wahrscheinlich um ein Leben zu sehen, das noch schlechter als das ihrige ist.

Häufig fragten die Zöglinge:Warum schlafen wir aus Stroh? Warum können wir nicht wie dre Leiter unserer Schule leben?"

Die Ernährung der Kinder war auch nicht Vesser. Zwanzig Kopeken täglich, also herzlich wenig. Wäh­rend der Erntearbeiten wurde die Verpflegung ganz schlecht. Das hierzu bestimmte Geld lag in der Kasse, di« Kinder aber erhielten nichts. Ms Ergeb­nis dieser Mißstände

fand die Komiffion,daß die Kinder zu un­brauchbaren Leuten heranwachsen, die fast ge­gen die Sowjetwirtschaft gestimmt find."

Ein Zögling sagte:Wir leben im Land der Bürokraten. Während wir hier hungern, sitzt in Moskau irgendwo ein Bürokrat und wirft seine Zi- garettenstummel in hundert Rubel kostende Aschen­becher."

den sollen. Dieses Vorhaben ist Praftisch natürlich nicht durchführbar, und es ist auch anzunehmen, daß das Zentrum daraus keine weiteren Konse­quenzen ziehen wird. Immerhin wird man versuchen, bereits im Laufe dieser Woche, neben der außenpolitischen Debatt«, die Beratungen über Etat und Steuergesetze weiterzuführen.

Der Etat wird noch in dieser Woche in seinen Einzelheiten vom Kabinett verabschiedet werden, und die F r a k t i o n e n des Reichstages werden zum groben Teile bereits heute nachmittag zusammenire- ten, um nicht nur die außenpolitische Debatte vorzu­bereiten, sondern auch den Bericht ihrer Führer ent- qeqenzunehmen, welche bekanntlich Ende voriger Wo­che vom Reichskabinett über den Stand der Vteuer- gesetze unterrichtet worden sind. Dann wird man weiter durch intersraktionelle Besprechungen ver-

Ueber die Kolchosen (Genossenschaftliche Land­wirtschaften) hörte die Kommission folgendes Urteilt Sie agitieren für die Kolchosen und locken unbe- sonnens Bauern hinein, aber die Kommunisten und Jungkommunisten gehen selbst nicht hinein. Diese lieben ein leichtes Leben." Bei diesem Bericht könnte man auf den Gedanken kommen, daß sich hier der Einfluß eines sowjetfeindlichen Lehrers geltend gemacht hätte. Aber es sei ausdrücklich festgestellt, daß der Iungkommunist Wesenko Schulleiter war.

Ein geradezu grauenhaftes Bild gab die Zeitung Prawda Wostoka" über

dasReformatorium von Taschkent", das von den Kindernder Zähneklopfer" genannt wird.

Dieses Reformatorium sollte nicht nur ein Er­ziehungsheim für unmündige Kinder, sondern auch eine Heilanstalt sein, um die wilden Sprossen zu ver­edeln. Im ganzen sowjetischen Mittelasien ist dies das einzige Reformatorium, aus dem aber die Lei­tung eine Folterkammer gemacht hat. Hier wird den Kindern Haß und Verbitterung für ihr ganzes Le­ben eingeprügelt.

In der Anstatt, die von der Außenwelt vollstän­dig abgeschnitten ist, leben 50 Halbwüchsige im Alter von 1215 Jahren. Sie werden in einer Scheune erzogen, die den Katakomben sehr ähnlich ist. In Lumpen gehüllt, halbverhungert, mit blut­unterlaufenen Flecken in den Gesichtern und aus den Körpern liegen sie auf Pritschen. Da hier weder Er­zieher noch Lehrer vorhanden sind, belehren sie sich gegenseitig. Die einen machen einen Kursus im Stehlen durch, die anderen üben ähnliche theoretische Lehren eines leichten Lebens usw.

Dreimal täglich gehen sie in e,n« andere Scheune das Speisezimmer genannt wo man durch das Dach den Himmel steht. Wenn es gerade regnet, stehen die Kinder bis zu den Knien im Kot. Der Fußboden ist di« nackte Erde. Weder Tische noch Bänke sind vorhanden, die Kinder essen, besser ge­sagt, schlucken stehend eine kalte Arrestantenspeise hinunter, immer dasselbe. Dann geht es wieder auf die Pritschen. Bon Zeit zu Zeit gibt man sich etwas mit Handwerksarbeiten ab.

Die Erziehungsmethode ist die Faust, die di« Zähne einsthlägt. Ausgenommen vom Arzt uiti) dessen Gehilfen werden die kleinen Verbrecher von allen verhauen. Der Arzt ist hier aber nur ein seltener Gast. In der übrigen Zeit wird die Kur durch Prügeln mit der Faust, den Stieseln oder Eisenstöcken und zwar mit größtem Kraftaufwand durchgeführt. Missetäter schiebt man in die D e s - infektionskammer, wo sie zwei bis drei Tage verbringen müssen. Diese Kammer hat keine Fen­ster und ist voll von Schwefeldunst. Und über allem hängt das SchildDas Reformatorium von Tasch­kent!" ,

Von grauenhaften Zuständen in der Schule erster Stufe in Bek-Budi (ebenfalls im sowjetischen Mittelasien) erzählte im vorigen Jahre die Eewerk- schaftszeitung ,Dmo" (Nr. 85). Tort hatten sich die Lehrer längere Zeit hindurch cm den Kindern ver­gangen. All« diese Fälle waren den kommunistischen Parteiorganen des Bezirks, dem örtlichen Vollzugs­komitee, dem Volksbildungsamt und der Gewerk­schaft Wohl bekannt gewesen, aber alle hatten ver­sucht, die Angelegenheit zu vertuschen. Der Vor­sitzende der Gewerkschaft versuchte sogar, den Arzt Antonow, der diese Zustände enthüll«, wegen Ver­leumdung zu verklagen.

Die Nowosibirsker ZeitungSowjetskaja Sibirk" (Nr. 2922) schreibt von dem Kinderhaus in Bu­gri n s k, daß dort vor zwei Jahren ein« gute land­wirtschaftliche Kommune bestanden hatte, in der sechzig obdachlose Kinder arbeiteten. Bon den 97 Desjatinen Land wurde die Hälfte bebaut, außer­dem Bienen und Geflügelzucht betrieben. Kühe, Ochsen, Pserde, Schweine, alles war vorhanden. Alles war sauber. Die Kinder waren satt und gut gekleidet. Jetzt hat sich das Bild vollkommen ver-

Warscha«, 10. Februar.

Der ostländische Staatsälteste Strandmann ist in Polen außerordentlich prunkvoll empfangen worden. Schon an der Grenze hatten sich zahlreiche Würdenträger eingefunden. Auf der Fahrt nach Warschau, die er in dem zur Versügung gestellten Sonderzug des polnischen Staatspräsidenten zuruck- legte, wurde in W i l n a längerer Aufenthalt genom­men, und zwar wurde Strandmann auf dem Bahn­hof von den Vertretern der Behörden, des Mckitärs und der Geistlichkeit aller Konfessionen begrüßt.

In Warschau hatten sich zum Empfang Strand­manns am Bahnhof die höchsten Würdenträger mit dem Staatspräsidenten und der gesamten, Regierung an der Spitze eingefunden. Ein M.litärfpalier stand vom Bahnhof bis zum Schloß, wo Strandmann Wohnung genommen hat.

Am Sonntag fand tm Schloß ein Festessen statt, bei dem die beiden Staatsoberhäupter Professor Moscicki und Strandmann die herzliche Freundschaft zwischen Polen und Estland betonten. An dem Festessen nahm u. a. auch Marschall Pilsudski teil.

London, 10. Februar.

Schatzkanzler Snowden hielt gestern eine Rundfunkansprache, die in den Bereinigten Staaten und Kanada verbreitet wurde. Er sagte darin u. a:

Noltenkonkirtna gehe bisher befriedigend von-

Berlin, 10. Februar

Im Volkswirtschaft! ich enAuss chuß des Reichstages wurde am Sonnabend bei der Bera­tung des Schankstättengesetzes ein vom Abg. D Mumm (Chr.-Rat.) und von den Sozialdemokraten gestellter Mftrag angenommen, wonach die Zahl der konzessionierten Schankstätten zur Einwohnerzahl im im Verhältnis von eins zu 400 stehen soll. Das würde eine Verminderung der Schank- istätten bedenken, denn jetzt überschreitet die Zahl der Schankstätten die in dem Ausschußbeschluß festge­legte Relation um rund 70000. Beim Besitzwechsel von Gastwirtschaften würde sich die vom Ausschuß beschlossene Bestimmung auswirken, wenn der Reichstag die Ausschußbeschlüsse übernimmt.

Das ist aber zweifelhaft, denn der Ausschuß hat seinen Beschluß mit einer Zufallsmehrheit von 15 gegen 13 Stimme« gefaßt, die dadurch zu­stande kam, daß her christlichnationale Abg. D. Mumm im Gegensatz zu seinem Fraktionsgenossen i Hanse mit tcn Sozialdemokraten, Kommunisten und | vorn Zentrum für die Relation stimmt«, __

Der Gouverneur des Dlemeldirekwriums hat den reichsdeutschen Lehrern im Memelgebiet angekündigt, daß sie nicht mehr im MemellLndlscheu Schulgebiet tätig bleiben könnten und zum 1. April das Memelgebiet verlassen müßten Diese Mtt- teilung ist sämtlichen elf reichsdeutschen Lehrern un Memelgebiet zugestellt worden.

Wie wir von maßgebender seit« Horen, schweben zurzeit Verhandlungen zwischen . der Lchrers^ift und dem memelländischen Direktorium, und es war vereinbart worden, daß während dieser Verhand­lungen keinerlei Aenderungen vorgenommen werden sollen Die deutsche Regierung ist deshalb bei der litauischen Regierung vorstellig geworden, daß die Kündigung der Lehrer zuruckgenommmt wer­den solle, weil sie den Vereinbarungen widerspreche Der Gouerneur hat also einen eiwseltigen Willkürakt unternommen, und cs ist M erwarten daß die deut­sche Regierung mit aller Entschiedenheit _ auf eine befriedigende Lösung dieser Streitfrage drangt. Bis­her ist eine Dnrwort der litauischen Regierung auf die deutsche Beschwerde noch nicht cingeaangcn.

Mmstenum für Grenzlandsiirsorge

Ein Forderung des oft: «schlesischen Zentrumsführers.

Beuthen, 10. Februar.

Reichstagsabg. Prälat Ulitzka wird in derZeitschrist für Geopolitik über die Errichtung eines Grenzland­ministeriums einen Artikel veröffentlichen, in dem es u a. heißt: Noch sind die Grenzen im Osten immer noch nicht endgültig. Wann eine Korrektur kommen, wie sie erfolgen wird, das kann heute rue- mand Voraussagen. Eine Forderung ergibt sich für uns aus diesem Zustand: Daß wir unsere östlichen Grenzgebiete mit besonderer Aufmerksamkeit und Pfleglichkeit behandeln. Die gleichen Ausgaben aus den llrsczchen und die gleiche Dringlichkeit und WtH- tigkeit ihrer Lösung aus staatspolitischem, ^nterene fordern aber naturgemäß auch die gleiche fürsorgliche Behandlung im gleichen Ministerium, das heißt aus dem .Ministerium für die besetzten Gebiete" müßte ein .Ministerium der Grenzlandfürsorge" oder ein Grenzlandministerium" werben. Grenzland ist ein Begriff gesamtdeutscher Verantwortung.

Rach verschiedenen Stratzenumzügen veranstaltete die polnische Seeliga am Sonnabend eine Festversammlung, auf der eine Entschließung ange­nommen wurde, in der es u. a. heißt, daß Polen alle Kräfte anspannen müsse, um seine Handels- und Kriegsflotte auszubauen. Die Krtegs- marine solle nicht nur die Freiheit des polnischen Seehandels, sondern auch die Unabhängigkeit des Staates "überstellen. ;

Dor großen Tagen im Reichstag

Von unserer Berliner Schriftleitung.

parlamentarischer Hochbetrieb in Berlin

Lehfe Vorberettnagen in den Reichsiagsstaftionen / Är. Lmtius wird die außeitpoMWe Debatte einletten / Sstländischer Sefnch in Warschau

Berlin, 10 Februar.

Die große parlamentarische Woche, die heute be- gnnt und die nur den ersten Abschnitt der bis Ostern meritben Arbeiten darstellt, ist bereits beiden Haupt­aufgaben gewidmet, um die es sich in dieser ganzen Periode überwiegend handeln wird: Der Ratifizie­rung des Doungplaiies und den neuen Steuergesetzen.

Im Lause des heurigen Tages wird der Aelre- stenrat noch einmal zusammentreten, um bas Ar­beitsprogramm genau sestzulegen, aber es kann schon jetzt gesagt werden, daß die groß«

brdtä !ge außenpolitische Debatte,

die die erste Lesung des Youngplanes mit sich bringt, morgen nachmittag von Außenminister Dr. E u r - tius eingeleitet werden wird. Der Minister beab­sichtigt, diesmal, angesichts der angekünüigten scharfen Vorstöße der Opposition, die Motive der Regierung und di« politische Bewertung der Haager Abmachun- g«n durch das Kabinett eingehend darzulegen. Seine Haager Kollegen, also in erster Linie der Finanzmim- ster Dr. Moldenhau « r und der Minister [ur die besetzten Gebiete Dr. Wirth, werden voraussichtlich erst im Laufe der Debatte, je nach Gestaltung der Aussprache, das Wort ergreifen.

Die Opposition wird voraussichtlich scharf« Kritik an den Haager Abmachungen üben. Die Mehr- hott für die Annahme des Youngplanes steht aber bekanntlich bereits jetzt fest. Die Schluß ab sttm- mung über den Youngplan wird MUte der Nächsten Woche stattfinden, besonders nachdem der deutsche Botschafter in Paris noch einmal mit vriand über die

Innehaltung des im Haag vereinbarten Termins vom 20. Februar für die Ratifizierung der

Haager Abmachungen

Rücksprache genommen hat.

Die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten, die neue Treviranische Gruppe und Die Kommunisten werden gegen den Youngplan stimmen. Bei der Ab­stimmung über das he utsch - Polnlsche L iqul- datio ns abkommen wird die Mehrheit aller­dings wahrscheinlich ein wenig anders fein, detzn hier ist mit den bekannten Vorbehalten des Zentrums und einiger Volksparteiler zu rechnen. Nachdem aber die deutschen Minderheiten in Polen stch r.ur die Annahme des Liquidationsabkommensebew falls ausgesprochen haben, ist anzunehmen, daß auch der Widerstand im deutschen Reichstag geringer wer- t>en®a§ ^3 e n t rt m beabsichtigt übrigens, schon bei der ersten Lesung der Younggesetze seine bekann.en Wünsche vorzubrlngen, wonach die neuen steuervor- lagen noch vor der Ratifizierung verabfchiedet wer-

1 ZU 400

Der Volkswirtschaftliche Ausschuß zur Schankstätte«- Konzeffionierung.

polnische Ostseepoliiik

Eigener Drahtbericht.