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Stoan i^ffer Sahraaaq

3. Dr kage

Kasseler Neueste Nachrichten

Sonnabend/Lvnntaa, 8 /9 Februar 1S30

Aus aller Welt

Ungünstige Lage für Meußdörffer

d. Kulmbach, 8. Februar.

In der Mordaffäre Meußdörffer hat sich di« Lage Jur den verdächtigten Kommerzienrat wieder ver- chlechlert, nachdem nun auch der zweit« Täter Popp ein Geständnis widerrufen hat. Dadurch, daß nun­mehr sowohl die Polizei, als auch die Justizbehörde sich in strengem Stillschweigen gefallen und sich wei­gern, die Presie mit näheren Nachrichten zu versehen, ist es schwer, die Lage völlig klar zu übersehen. Es ist' vor allen Dingen unbekannt, wie es zu dem Widerruf Schuberths und Popps kam, wieso beispielsweise die beiden Widerrufe in kurzer Zeit hintereinander er­folgten, obwohl Schuberth und Popp doch getrennt gehalten und wahrscheinlich auch getrennt vernom­men werden.

Auf jeden Fall war das Geständnis der beiden, das mit genauen und richtigen Einzelheiten belegt toar, glaubwürdiger, als der jetzige Widerruf. Die Inge wäre für Meußdörffer gar nicht so ungünstig, wenn ihn die unglückselige Geschichte mit der 6000 Mark-Belohnung für das Geständnis nicht moralisch belastet hätte. Jetzt nach dem Widerruf erweckt das natürlich den Anschein, als ob Schuberth wirklich bestochen werden sollte und als ob er sich das nun überlegt hätte.

Entscheidend für di« weitere Entwicklung der An­gelegenheit ist nun die Frage, ob es Popp und Schu­berth gelingt, das angebotene Alibi beizubringen. Die Justizbehörde in Bavreuth erklärt bereits, es sei «vwieien, daß sie sich in der fraglichen Nacht nicht in Kulmbach aufgehalten haben, die Kulmbacher Polizei scheint noch anderer Meinung zu sein. Auf jeden Fall ist jetzt an eine Haftentlassung Meußdörfsers nicht zu denken.

Er pfändet im tausch

Ole neuen Mitglieder der preußischen Akademie der Künste

Joseph HaaS (München) Komponist it Musik­pädagoge, Preis­träger des Beetho­ven Musikpreises

Hans Hertletn (Berlin), Regierungsbau­meister a. D., Bau­direktor des Siemens-KonzernS.

OSkar Kokoschka (Berlin), einer der Bahn­brecher moderner Maleret u. Graphik.

Heinz Tieffen (Berlin), der bekannte moderne Musiker.

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Ein Gerichtsvollzieher mit Zuchthaus vestrast

Berlin, 8. Februar.

Bor dem Schöffengericht Tenipelhos hatte sich der Obergerichtsvollzieher Roller wegen Unterschlagung zu verantworten. Raller war früher ein außer­ordentlich zuverlässiger und ehrlicher Mensch, und man stand vor einem Rätsel, als seine Unterschla­gungen ans Tageslicht kamen. Dann aber stellte sich heraus, daß er ein wahrer Rekordsäufer war, der zunächst mit täglich zehn ooer zwölf Kognaks begann iflib schließlich ein Quantum von täglich zwei Flaschen Kognak und eiwa 30 bis 40 Flaschen B:er vertilgte. In diesem Zustande nahm er dann feine Amtshandlungen vor. uno schließlich wußte er überhaupt nicht mehr, ob das Geld, das er bei sich trug, sein eigenes oder das von Prozeßparteien war. ^as Gericht verurteilte Raller Zu einem Jahr und einem Monat Zuchthaus sowie 100 Mark Geld­strafe wegen Amtsunterschlaqung in gewinnsüchti­ger Absicht und wegen Untreue. Die Strafe, die das Gericht gegen Raller verhängte, ist die gesetzliche Mindeststrafe. Das Gericht empfahl dem Angeklag­ten. der jetzt wieder in geordneten Verhältnissen lebt, ein Gnadengesuch ein;ureici)«n. Raller erklärte jedoch, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen.

Hamburg baut um

Ein Kriegerdenkmal im Herzen der Stadt.

Hamburg, 8. Februar.

Im Lause der kommenden Monate wird der !Hamburger Rathausmarkt so umgestaltet, daß ein fremder ihn kaum wiedererkennen dürfte. Zunächst oll aus Verkehrsrücksichlen der Reesendamm, die chmale Uferstraße an der Kleinen Alster, verbreitert werden. Man will sie um 3,50 Meter in die Kleine Alster vorrücken. Gleichzeitig wird auch die Treppen­anlage an der Schleusenbrücke vorgerückt. Auf dieser Treppengruppe soll ein K r i e g e r e h r e n m a l er­richtet werden, für das der Senat einen Wettbewerb ausgeschrieben hat. Ebenfalls aus Verkehrsrücksichten Wird das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vom Rathaus­markt entfernt werden. Die weitläufige Ummauerung, die Anlagegruppen und die mehrstufige Erhöhung des Platzes werden verschwinden. In die Mitte des Platzes wird anstelle der Denkmalsgruppe ein großer Parkplatz angelegt. Eine Insel wird diesen Parkplatz auf drei Seiten umgeben und den Platz soweit be­decken, daß nur gerade di« Fahrbahnen freibleiben.

Gelungene Probefahrt derHamburg"

Paul Schultze-

Naumburg, der sich um die Ge­sundung der archi- tektonischen Form­gebung verdient machte.

Alfred Rubln (Wernstein, Oesterr.) Graphiker dämoni­scher Phantasten.

Alban Berg (Wien), der Komponist des Wozzek", Schüler Schönbergs.

Bernhard Bleeker (München), Letter der Bild­hauerlehre an der Münchener Akademie

Krach um eine Milliorren-Erbfchaft

Albert Loeskes Testament wird angefochten Ein Riesenprozeß vor dem Landgericht in Berlin

Berlin, 8. Februar.

Elf FamUien mit zusammen 300 Köpfen haben sich zusammengetan, um das Testament des reichsten Mannes von Berlin, des bekannten Kunsthändlers Albert Loeske, anzufechten. Sie sind nämlich von der Erbschaft ausgeschlossen, die zum größten Teil dem langjährigen Freund und Sozius Loeskes, Direktor Oppenheimer und der alten Freundin des Verstorbe­nen, einer Frau Blaustein, zufällt. Die Anfechtungs­klage stützt sich aus die Behauptung, daß das Testa­ment des Toten nicht von ihm selbst geschrieben sei, womit unausgesprochen die Vermutung angebeutet wird, daß es sich um eine Fälschung handelt., Der Vertreter der Kläger behauptet, weder die Handschrift des Testaments, noch der Stil sei der Loeskes.

Besonders interessant wird der Prozeß dadurch, das Loeske jetzt als der reichste Mann Berlins hinge­stellt wird. Obwohl er seit Jahren schon der besitz Steuerzahler der Reichshauptstadt war, wußte die OeffentlMeit doch nur sehr wenig von ihm, da er außerordentlich zurückgezogen lebte und keinen An­spruch auf eine gesellschaftliche Stellung erhob. Loeske war Inhaber des bekannten Juwelengeschäfts Mark­graf uno Co., das jetzt von seinem Erben Oppenhei­mer aufgelöst werden soll, ferner einer großen Kunst­halle Unter den Linden und einer ganzen Reihe füh­render Auktionshäuser in Berlin und anderen deut­schen Großstädten. Ferner besaß er namhafte Anteile an Petroleumgruben, an einer holländischen Bank und einen ungeheuren Landbesitz im Ausland, dessen Wert nicht einmal von seinem Rechtsvertreter, dem Justiz- rat Schachian, übersehen werden kann. Von jeher war das Interesse Loeskes an seinen Unternehmun­gen stärker als das an seiner Verwandtschaft, die sich nie sonderlich um ihn gekümmert hat, als er noch ein

kleiner und mittelloser Anfänger Ivar. Er hat daher in der letzten Zeit wiederholt davon gesprochen, daß die Weiterführung seines Lebenswerkes nicht in den Händen ihm gleichgültiger Menschen liegen solle, son­dern daß er sic altbewährten Freunden übertragen werde. Welchen Ausgang der Prozeß haben wird, ist heute noch vollkommen ungewiß. Eine besonders pi­kante Note aber erhält er dadurch, daß die Loeskesche Verwandtschaft ihn nicht aus eigener Initiative an­gestrengt hat, sondern daß sie zu der Klage überredet worden ist von einem Außenstehenden, den die ganze Sache gar nichts angeht, der aber die Finanzierung des sehr kostspieligen Prozesses übernommen hat, wofür ihm ein sehr erheblicher Anteil amGewinn" zugesichert werden mußte.

Oer Roman einer MMionen-Erbschaft

Merseburg, 8. Februar.

Mehrere hundert Familien, meist im Kreise Mer­seburg wohnhaft, haben sich zu einer Erbschaftssorde- rungsgemeitychaft zusammengeschlossen, um zu ihrem Erbe zu gelangen. Die Erblasser sind ein gewisser Götze aus Neukirchen und ein Drogist Brandt aus Vitzhausen. Götze wandert« vor mindestens hundert Jahren nach Niederländisch-Jndien aus, während Brandl sich in Holland niederließ. Beide brachten es zu einem großen Vermögen. Rach dem Tod der bei­den wurden ihre Vermögen vom holländischen Staat verwaltet. Kürzlich weilte nun eine von den Erben ernannte Kommission in Amsterdam, um mit den dor­tigen zuständigen Stellen in direkte Verhandlungen zu treten. Nach Ansicht dieser Delegation stehen die Verhandlungen sehr günstig.

HanS Espenlaub, der Bruder des bekannten Kasseler Segelfliegers, Gottfried Espenlaub, stürzt«, wi« schon kurz gemeldet, bei einem Uebuugsflug aus dem Düsseldorfer Flugplatz ab und wurde tödlich verletzt.

; Hamburg, 8. Februar.

Auf der Probefahrt des ersten der vier in Umbau befindlichen Dampfer der Ballin-Klasse,Hamburg", wurde di« geplante, mit der Werft vereinbarte Schnel­ligkeit erreicht. Die Ueberfahrt von den Kanalhäfen (Southampton, Cherbourg) nach Neuyork in sieben Tagen ist somit sichergestellt, ohne daß die See-Eiaen- schaften des Schisses, insbesonder der ruhig« vibra- tionsfreie Gang, irgendwie beeinträchtigt sind. Die neue von Blohm und Voß erbaut« Maschinenanlage, die dem Schiff 29 000 effektive PS. statt bisher 13000 gibt, arbeitet einwandfrei.

Dasbefreite" Rheinufer

Köln, 8. Februar. In den nächsten Tagen werden fcie bisher von verschiedenen Rheinischen Damps- schiffahrtslinien an der Frankenwerft in Köln be­nutzten Lagerschuppen geräumt werden. Di« Guter- abfertignu der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschift- fahrtsgefellschast und der Niederländischen Dampf- fchiff-Reederei werden nach der Rheinauhalbinsel ver­legt. Di« Kölner Stadwerwaltung plant die hier ebfeitigung der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschtfs-

Hans Espenlaubs letzter Flug

Lagerhallen abzureißen, um auf diese Weise Platz für die Anlage einer Rheinpromenade und für den stetig wachsenden Verkehr zu erhalten.

Rew iZork...

die dritte Großstadt Badens

Karlsruhe i. B, 8. Februar.

Wie aus Karlsruhe mitgeteilt wird, hat Neuyork mehr als 100 000 Einwohner, die in Baden geboren wurden oder von badischen Eltern stammen. Diese Fefftellung wurde bei den Vorbereitungen für den im Sommer in Karlsruhe stattfindendenBadener Heimattag", das Welttreffen der Badener, gemacht. Mit der Zahl von über 100000 Einwohnern würde Neuyork hinter Mannheim und Karlsruhe und noch vor Freiburg, dessen Einwohnerzahl die 100 000 nicht ganz erreicht, die dritte Großstadt Badens sein!

üsteil im vierten Szoinoker Giftmordprozeß

Szoluok, 8. Februar.

Vor dem hiesigen Strafgericht wurde der vierte Eiftmordprozetz verhandelt. Die verwitwete Frau Varga wird bekanntlich beschuldigt, ihren Mann und auch dessen Vater, mit dem sie ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, mit Arjen vergiftet zu haben. Frau Varga leugnete ihre Schuld, wurde aber von der im dritten Eiftmordprozetz bereits -um Tode verurteilten Frau Kardos überführt, die erklärte, sie habe einmal mit derDorfhexe" Fazekas gesprochen, als diese gerade aus dem Hause der Varga kam und sich dar­über beschwerte, daß Frau Varga die vereinbarte Summe nicht bezahlen wolle. Obwohl die Dorfhexe nicht davon sprach, was sie bei der Varga gesucht habe sei es klar, sagte die Kronzeugin, daß es sich um feen Verkaufspreis von Arsen gehandelt habe, denn wo die Dorfhexe erschienen sei, fei der Tod sicher gewesen. Die Angeklagte, die Bäuerin Varga, wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Der Ver­teidiger legte Berufung ein. Bei der Vernehmung der Hauptbelastungszeugin, der wegen Giftmords zum Tode verurteilten Bäuerin Kardos. war es zu drama­tischen Szenen gekommen. Frau Kardos rief weinend aus, man verurteile nur die Angeklagten, die Ge­ständnisse machen, und spreche die anderen frei.

Eigenartiger Selbstmord.

Ein Mjähriger Klempnermeister in Gießen machte auf eigenartige Weise seinem Leben freiwillig ein Ende. Er ließ in feinem von ihm allein bewohnten Hause nach Abstellen des Hauptwasserleitungsrohrs die ganzen Wasserleitungsrohre im Haus« leerlaufen. Darauf stellte er in der im Parterre gelegenen Küche mit einem Schlauch eine Verbindung vom Küchen- gasherd nach der Wasserleitung Her und dreht« nun

den Gashahn auf. Das Gas drang jetzt von der Küche im Parterre Durch die Wafferleitungsrohr« ins tum 'weiten Sttckwe"ck des f'ia--fe§. worauf er in der Badestube neben feinem Schlafzimmer alle L ^ffe- b-.hne - u » E* Pate > * dann »»« wet

und fand den von ihm gesuchten Gastod. Schwer« Familienzwistigkeiten dürften als Grund der Tat anzusehen fein.

Das Spritlager im Kinderwagen.

Durch Kriminalbeamte wurde in W-olfshagen (Ostpriegnitz) ein umfangreicher Spritschmuggel ent­deckt. Von der Brennerei Wolfshagen wurde auf Dem Bahnhof Groß Pankow unter Aufsicht eines Zollbeamten Sprit verladen, wobei aus unerklär­liche Weise eine große Menge Sprit verschwand. Haussuchungen bei Arbeitern in Wolfshagen för­derten verschiedene größere Pesten Sprit zutage Einen greßen Teil fand man bei einer Familie im Kinderwagen! Darüber war fanft das Kind ge­bettet. Die Beamten wurden höflichft gebeten, doch das Kind nicht zu wecken...

Eiserne Hochzeit Todestag.

Ein Landwirt, der in Niederoberweiler bei An- -ernach das Fest seiner Eisernen Hochzeit feierte, wurde inmitten der um ihn versammelten zahl­reichen Familienangehörigen von einem Schlag­anfall dahingerafft.

D'Annunzio im Mönchsgewand.

DÄnnunzio, der Dichterfürst von Montenevoso, hat sich eine neue Marotte ausgedacht, um die Oef- fentlichkoit zu beschäftigen. Er trägt auf feinem Gute am Garda-See, wo er augenblicklich weilt, das Ge­wand eines Franziskaner-Mönches und auch dte Diener sind als Mönche gekleidet. Der Dichter sam­melt zualeich eifrig Gelder für den Bau einer katho­lischen Kirche. Jeder Besucher mutz ein Geldstück in eine dafür angebrachte Sammelbüchse werfen. Es scheint, daß D'Annunzio durch diese Bestrebungen das Wohlwollen des Heiligen Stuhls wieder zu er­langen hofft.

20 Tiwesopfrr eines Bergwerksunglücks.

Salt Lake City, 8. Februar.

Aus einem Kohlenbergwerk bei Standartville (Utah), in dem sich eine Explosion ereignete, sind bis­her 20 Leichen geborgen worden. Zwei Bergleute werden noch vermißt. Die Explosion war nicht sehr heftig. Die Retter fanden nur wenig Trümmer vor. Der Tod der verunglückten Bergleute ist offenbar durch GaSdämPs« verursacht worden. Fünf Bergar- beiter hatten sich in einem gasfreien Teil deS Berg­werks verbarrikadiert und konnten lebend geborgen werde«. ___________________

Das Glasauge

Gin Südsee-Erlebnis

Doa Maria Therese Hemmer

Es ist grausamer, Südseeinsulaner zu einer Aen- beiung ihrer Lebensgewohnheiten zu zwingen, als sie mit Fliegerbomben zu bedrohen. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Und es ist unmöglich, sie zu Plan­mäßiger Arbeit zu erziehen; das weiß jeder, der drau­ßen war Die struwelpeterhaarigen, plattnasigen Fid­schianer haben ausgerechnet, wieviel Arbeit man spa­ren kann, wenn man die Arbeit auf den nächsten Tag verschiebt und von diesem Standpunkt kann sie derna Italia Popalanga", der närrische Euro­päer, nicht abbringen.

Um unsere kleine Zuckerplantage auf Fidschi eini­germaßen in Schwung zu bringen, hatten wir schwarze Kulis von den Neu-Hebriden eingespannt. Unter strengster Aufficht leisten sie recht gute Arbeit, vorausgesetzt allerdings, daß man ihnen genügend Zeit zu Fesffchmaus und Masken-anzspielen läßt. Bill, ein frischer, englischer Junge, wurde angestellt, diesen Trupp ständig zu beaufsichtigen und immer neu zur Arbeit anzufeuern.

Bill hat scharfe Augen, das merkten die Schwar­zen; wo der Blick seiner stählernen Augen hinfiel, da wurde fieberhaft gearbeitet. Was die Schwarzen aber nicht wußten, war, daß Bill eigentlich nur ein einzi­ges Ange hatte. Das zweite, das mit dem stechen­den Blick, das Bill sich nach dem Kriege in Nauheim hatte anfertigen lassen, war nur ein Glasauge. Bill hütete dieses Geheimnis wie feinen gefunden Aug­apfel: denn unten in Suva faß und wartete feiner eine braune Maid mit safranrot gefärbtem Wuschel­haar und glänzend glatter Scblangenhaut. Das arme Kind wäre zu Tode erschrocken vor diesem Teu- selsspuk, einem Glasauge.

Die Tropensonne brannte auf di« Nacken der schwarzen Kulis, sie schützten ihre Schädel durch rie­sige Reisstrohhüte.Zum Teufel!" schrie Billy und bega.» zu tropenkollern,ich halte es hier nicht län­ger aus. Ich muß hinunter nach Suva, und wenn die ganze Farm zum Kuckuck geht." Und da Not be­ten lehrt, kam Billy eine glänzend« Idee.Ihr ver­maledeiten Kerle, ihr faulen Haderlumpen," schrie er feine Kulis an,kommt hierher und hört mir zu. Ach habe wichtige Geschäfte in Suva zu erledigen und mutz für einige Tage fort Aber glaubt nur nicht, datz Ihr Taugenichse nun faulenzen könnt Das Auge Eures Herrn bleibt da und überwacht Euch, während ich fort bin. Dill nahm zum Entsetzen ter Schwar­zen mit einem schnellen Griff sein künstliches Ange aus der Höhl« und legte es auf einen großen Stein. Da liegt es und sieht Euch an; wer faul war kriegt bei meiner Rückkehr fürchterliche Prügel."

Bill setzt« sich quietschvergnügt auf die Ladung ei­nes Zuckerzuges und fuhr bergab gen Suva.

Die Kulis schlichen scheu um das wachende Auge ihres Herrn herum und arbeiteten fleißig wie nie zu­vor. Das Auge funkelte, stach und blitzte in der hei­ßen Mitiagsonne, und schweißtropfend schleppten die Schwarzen. Erst wenn mit der sinkenden Sonne der Glanz des Auges erlosch, schlichen sie zaghaft davon.

Als Billy am siebenten Tage seinen Rausch aus- gefchlasen hatte, kam er, nach dem Rechten zu sehen.

Bill rieb sich die Hände als. er sah, wie fleißig geschafft worden war, steckte das Auge zurück (in Suva hatte er fein Ersatzauge getragen), knallte mit der Peitsche und schrie:Es ist gut, nun weiter an die Arbeit!"

Nach einigen Wochen dachte Billy: Die Idee ist zu gut, um brach zu liegen, ich werde den Trick jetzt regelmäßig wiederholen". Er legte das Auge auf den Stein und verschwand gen Suva.

Die Kulis gingen wütend an die Arbeit.

Diesmal blieb Billy 14 Tage aus.

Als Billy sich der Plantage näherte, stand er wie angewurzelt! Die Halme hingen in bleierner Hitze, die Kulis lagen, alle Viere von sich gestreckt, im küh­len Schatten ihrer Hütten. Die Plantage gähnte im Mittagsschlaf Milliarden schwarzer Ameisen krab­belten im klebrigen Zuckersaft,

O, Ahr Schafsköpfe!" hatte am dritten Tag nach des Aufsehers Abreise ein langer hohlbäuchiger Kuli zu feinen Kameraden gesagt.Jawohl, hier liegt das Auge unseres Herrn und bewacht uns. Aber nun patzt mal auf! Er nahm seinen riesigen Reisstroh­hut vom triefenden Schädel und stülpte ihn über das gläserne Auge . . . schnavp! wie über einen Schmet­terling. Die Band« heulte schadenfroh auf:Jetzt sieht er nichts mehr, derna lialia Popalanga", der närrische Fremde!!!"

Billy weiß seither, was ein blamierter Euro­päer ist.

Trunkene Geschichte

Man tarnt zwar zum Filmstar geboren werden, aber das genügt keineswegs, um ein Engagement zu finden, man mutz sich vorerst noch entdecken lassen. Und es ist keinem in der Wiege gesungen, auf welche Weise er wenn überhaupt entdeckt werden wird. Absonderlich sind die Wege der Filmgötter.

Eine junge hübsche Deutsche, vom Filmfieber be. fallen, hielt sich in Paris auf Mit vielen anderen wandelte sie den breiten Weg von Direktor zu Direk­tor, aber keiner erkannte in ihr das schlummernde Talent, und jedesmal mußte sie unverrichteter Sache abziehen. Der Kummer nagte an ihrem so recht für die Leinwand geschaffenen Herzen bis sie eines Tages in eine vergnügte Gesellschaft geriet, in der sie bet französischem Wei» das Mißgeschick des Alltags ver- gatz. Leider wurde nicht nur sie, sondern auch die Freunde von allen Sinnen verlassen, und keiner wußte, wie es geschah, daß die junge Dame von der Pariser Polizei aufgegriffen, in Schutzhaft genom­men und auf der Stelle Cbiappis Erziehungsmetho­den unterworfen wurde. Weife und gütig wie wei­land Salomo hat nämlich Chiappi, seiner Nationali­tät nach Korse, die Anordnung getroffen, alle Betrun­kenen, die bei der Polizei eingeliefert würden, zu fil­men. Der Film soll dann dazu dienen, den wieder nüchtern gewordenen als abschreckendes Beispiel zu dienen. So geschah es auch mit der jungen Deutschen. Sic wurde beim Anblick ihres Bildes von tiefster Reue erfaßt und gelobte unter Tränen, nie mehr ein Glas Wein anzurühren. Damit sie aber den unwür­digen Zustand ihres Sündensalles immer vor Augen behielte, bat sie sich von dem Beamten den Film aus.

Obwohl dieser keinerlei Befugnis hatte, die Filme seinen Klienten zu überlassen, schenkte er ibn doch, durch den Anblick der reuigen Sünderin gerührt, der jungen Tarne. Sie verbarg ihren heimlichen Triumph und nahm sich schnell ein Taxi, das sie im Flug zu jenem Direktor führte, der ihr vor kurzem ein Enga­gement verweigert hatte. Auf ihre Bitte hin ließ er den Film vorführen und brach in Begeisterung aus angesichts einer so überzeugend dargestellten Trunkenheit. Er engagierte die Glückliche vom Fleck weg mit einem Monatsgehalt von 3000 Franken.

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