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Kasseler Neueste Nachrichten

1. Beilage

Donnerstag, 6. Februar 1930

Kassel wird sie nicht vergessen

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nungsstübchen" wie in Dehrn und der Stein­mühle. Dessen Wert übrigens zweifelhaft ist. Weil es zweifelhaft ist, ob sich die armen Sünder dort wirk­lich eines Guten besinnen. Schläge sind ver­boten. Ich bin ein Feind der Prügelstrafe. Aber ab und zu sieht man Dinge, wo durch eine gelinde Ohrfeige Wunder gewirkt werden könnten. Sehen Sie, da muß ich Ihnen Freund Walter vorstellen. Den Schrecken der nassauischen und westfälischen An­stalten. Zwölf Jahre alt. Sein Vater konnte nicht mit ihm fertig werden. Die Anstalten erklären ihn für unerziehbar. Herr Walter macht ihnen die Arbeit leicht, er kratzt regelmäßig aus. Nach Idstein, „der einzigen Stelle, wo man ihn versteht", wie er treu­herzig dem Landeshauptmann der Provinz Westfalen

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®tr zeigen die letzten Ausnahmen der um Kassels Entwicklung so hervorragend verdienten beiden Beigeordneten Henkel und Bürgermeister a. D. Brunner, deren Wirken wir bereits ausführlich bei ihrem Abschied in der letzten Stadtverordnetensitzung würdigten.

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II.

Man braucht keine Sorge zu haben, daß hier zu wenig geschieht. Eher zu viel. Werden die Kinder, wenn man sie wieder nach Hause gibt — und das geschieht in vielen Fällen recht früh — nicht vieles schmerzlich vermissen? Es muß mehr darauf geachtet werden, die Kinder auch im Heim an Verhältnisse zu gewöhnen, wie sie das Leben bietet. Draußen in der einfachen Familie muß auch das kleine Mädchen an ein Dutzend Dinge gleichzeitig denken: Da schreit das Brüderchen im Wagen, der Milchtopf brodelt und die Suppe will anbrennen; da aber hat man keine Erzieherin zur Hand.

Nichtig: die Strafen!

In Idstein gibt es nicht einmal ein „Besin-

herausarbeiten konnte. Die Arbeiter-Samariter-Ko­lonne brachte den Greis in seine Wohnung, doch ist sein Befinden ernst.

Großenritte, 6. Februar. Der letzte Gang. Ge­stern wurde unter einer so großen Beteiligung, wie sie hier noch nicht gesehen ,der Landwirt Heinrich Baun, der bekannttich tm Walde beim Holzholen von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren wurde, zur letzten Ruhe bestattet.

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Wettervoraussage bis Freitag.

Wechselnde Bewölkung, Neigung zu Schnee­schauern, später aufklärend, bei nordwestlichen Win­den sottschreitende Abkühlung und Frost.

Wobi» gebe« wir am Freitag?

Staatstheater: „Der Man» der seinen Namen än­derte", 20 Ubr.

Kleines Theater: „Arm wie eine Kirchenmaus". 20 Uhr.

K a f f e e Polter: Tas grobe Programm. 21 Uhr

Metrovol-Theater: „Der Ritter von Texas-, und „Der lebte Schuh"

Cavitol-Theater: Tonfilm „Dich hab ich geliebt". Palast-Tbeater- Wiener Revue „Ohne Kleid tut mir leid" und „Flucht vor der Liebe", Wochenschau Ufa-Theater: Tonfilm „Der weibe Teufel" mit Iwan Mosfukin

Künstlersviele Hessenland-Perle: „Varietee- und Kabarett-Attrakiionen"

Rosengarten (Nieder,wejren>: Gröhes Bockbierfeft" Lanüesmuseum tWeinbergstratzel: Dr. Wladimir Astrow. Berlin „Das neue religiöse Weltbild", 20 Ubr.

Heut« Donnerstag:

S t a b t p a r k: Kaffee-Konzert mit Masken-Mobenschau, 16 Uhr.

Reinholdsaal: Schallplattenkonzert". 20 Ubr.

Mit 1000 Mark Nachlaß gebe ab Goldhupothekenbrief über 15000 Goldmk. 1. Stelle zu 12 Pro­zent Zinsen eingetr. Wert Taxe 50000 Goldmark. Ang. B 254 Geschst.

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Und nun, geliebte Tante Susi, Heil und Sieg zu Deinen Kochkünsten. Vielleicht glückt's, was Du Dir vorgenommen hast!

Pädagogische. Tagung. Kommenden Sonnabend und Sonntag veranstaltet .wie bereits berichtet .der Verein Freie e ch u l e K a f f e l im Hörsaal des Lanüesmu- seums eine Reibe pädagogischer Borträge. Den Eronnnngsvorttag wird Lehrer Treiber .Kassel, hal- ten. Am Sonntag werden Dr. v. B arap alle. Graf ”• ® ° i b ch e r und Dr. stein von der Stuttgarter Wal- doEchule wrechen. Der Vortrag Gras v. Bothmers wird durch gomnaftisch: Vortuhrungen Stuttgarter Schülerinnen

Fr. Bräutigam

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Quer über den Wochenmartt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, es kann aber auch einmal umgekehrt der Fall sein. Als ich unsere gute Tante Susi heute morgen am Wochen­markt traf, war sie im Schweiße ihres Angesichts da­mit beschäftigt, einen ellenlangen Einkaufszettel her­unterzuarbeiten. „Nanu, Tante Susi, ist bei Euch Kindeltaufe oder ein sonstiges großes Ereignis, daß Du Dich so in die Vollen stürA?" „Ach nein, das nicht gerade, aber ich war vorgestern in der Köch- kunftausstellung. So etwas Fabelhaftes! Ich habe mir alles genau beguckt und beschlossen, es nachzutun. Außerdem wohnen wir morgen eineinhalb Jahr in unserer neuen Wohnung und genau vor einem Jahr hat das Friedel die Masern glücklich überstanden, also Grund genug, um zu feiern!" So eine tüchtige Haus­frau hat tausend gewichtige Gründe, wenn es gilt, ihre Künste zu zeigen. So habe ich denn ein übriges getan und sie über alles „Wochenmärktliche" orientiert, so gut ich konnte:

„Also da ist vorerst einmal am Fischbrunnen eine großartige Auswahl für ganz fabelhafte Fischplatten, je nach Geschmack und Portemonnaie, wie: Heilbutts zu 1,40 Mark, Zander zu 1,— Mark, Hechte zu 1,30 Mark, Barsche zu 1,— Mark, Schupperte und Barben ebenfalls zu 1,— Mark, Rotzunge und Schollen zu 60 Pfennig, Brassen zu 80 Pfennig, Fuldafische zu 60 bis 70 Pfennig, Schellfisch, Kabeljau, Seelachs, Gold­barsch zu 45 bis 50 Pfennig. Merlan zu 40 Pfennig und grüne Heringe zu 20 Pfennig das Pfund. Der Betätigung sind keine Grenzen gesetzt.

Mit einem Masthuhn zu 1,30 Mark oder einem jun­gen Hahn zu 1,20 Mark das Pfund kann man immer Staat auf der Tafel machen. Ein ältliches Suppen­huhn zu 1,— Mark das Pfund bleibt dagegen in jedem Falle eine riskante Sache. Auch eine Taube, wenn sie gleich eine deutsche Reichsmark kostet, kann enttäu­schen.

Auch unter den Gemüsen kann kritischste Wahl ge­troffen werden: Wie unter qualitativ hervorragen­dem Blumenkohl zu 40 bis 60 Pfennig das Stück, Rosenkohl zu 32 bis 35 Pfennig, zarten Sprossenkohl zu 25 Pfennig, Grünkohl zu 15 Pfennig, Spinat zu 25 Pfennig, Rotkohl und Wirsing zu 15 Pfennig. Weiß­kohl zu 8 Pfennig. Lauch zu 25 Pfennig, Schwarz­wurzeln zu 40 bis 50 Pfennig, prachtvollen Meerrettich zu 30 bis 35 Pfennig und Tomaten zu 70 Pfennig das Pfund. Von Salat ist großblätteriger Endivien zu 25 Pfennig besonders zu empfehlen, aber auch zar­ter Kopfsalat zu 20 bis 25 Pfennig das Stück und Nüßchen zu 25 Pfennig das Viertelpfündchen.

Für eine leckere Eierspeise werden Massen von fri­schen Eiern, „garantiert noch keine drei Tage alt", zu 13 bis 14 Pfennig das Stück angeboten und Süß­rahmbutter zu 1,90 Mark bezw. Landbutter zu 1,80 Mark.

Als Magenschluß nach all den Schlemmereien: Edeläpfel zu 25 bis 30 Pfennig, Bananen zu 35 bis

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Allerlei vom Tage

Um die Berkehrsrationalisiertmg. Vom Bürger­bund wird uns geschrieben: Zu den in den letzten Nummern der Tagespreise erschienenen Besprechun­gen über btt beabsichtigte Rationalisierung unserer Verkehrsgesellschaften werden selbstverständlich Bür­gerbund und Bezirksvereine Stellung nehmen. Dies um so mehr, als die diesen Vereinen zugeschobene |

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Mitwirkung an der ungünstigen Ent­wickelung der Verkehrsverhältnisse durchaus ab­wegig ist.

Etternverfammlnng der Bürgerschule 6. Donnerstag, 6. Februar, 19 Uhr Sri. Klaue spricht über Schulwan­derungen.

Schnlunterrichtsbegiun 8 Uhr. Wie «ns mitgeteilt wirb, beginnt der Unterricht in den höheren, Mittel-, Bürger- nnd Hilfsschulen ab Montag um 8 Ubr. — Damit bat man den schweren Fehler der Verlegung auf den Beginn der Hauptgeschäftszeit trob unserer Warnungen nicht vermieden .obwohl für die Verkehrsmittel ein paar Mi­nuten Verlegung eine grotze Erleichterung der unctträg- lichen Spivenbelastung bedeutet hätte. Vielleicht überlegt sich Herr Oberschulrat Boefe die Sache noch einmal.

Bolkshochschule. Donnerstag, den 6. Februar, 20 Uhr. spricht Dr. Hans Z b i n d e n , Zürich über die religiöse Krisis der Gegenwart und Seelenforschung Holzapfels. Den zweiten Vortrag hält Dr. Wladimir Aftrow, Ber­lin, der Biograph Holzapfels, am Freitag, den 7. Februar. 90 Ubr über das Thema „Das neue religiöse Weltbild". Bottragssaal des Landesmufeums.

.„„Die Freimaurerloge „Friedrich ,nr deutsche» Treue" itiftete für die »luchtUnge deutscher Abstammung aus Rutz- länü 100 Jl, für das Auslandsdeutschtum 50 Jt und für etc.c?P,lt deutschen Freimaurern ins Leben gerufene Grenz- nothtlfe im Osten 100 X

Läuftleriviele „Hefleulaub-Pcrle" veranstalten am Don- nerstag. den 6. Februar die ersten karnevalistischen Sitzun­gen.

Palaft-Tbeafer. Wie uns die Direktion mitteilt, ist eine Verlängerung der erfolgreichen Wiener-Revue „Ohne Kleid — tut mir letd nicht möglich. Die lebte Vorstellung findet Donnerstag, 20 Ubr statt.

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Erfolge unserer Polizei

In einem hiesigen Hotel kamen in letzter Zeit des öfteren den Hotelgästen kleinere Geldbeträge abhan­den. Die von der Kriminalpolizei ausgenommenen Ermittlungen waren erfolgreich. Sie konnte als Täterin eine Angestellte feststellen, die die Diebstähle schließlich eingestanden hat. Eine Durchsuchung ihrer Wohnung förderte weiteres Diebesgut zutage. So wurden u. a. größere Bestände an Wäsche, Tafel­silber aller Art, Gläser vorqefunden und beschlag­nahmt. Auch hier gab sie die Diebstähle zu.

Im Juli 1928 wurde in eine Kleiderfabrik in der Gießbergstratze eingebrocheit, ohne daß es jemals ge­lang, des Täters habhaft zu werden. Erst jetzt konnte der Täter in der Person eines schon wegen ähnlicher Delikte mehrfach Vorbestraften festgenom- men werden.

Die Gattenhäuser am Brasselsberg wurden im Spätsommer und Herbst des öfteren von Dieben heimgesucht. Einige dieser Einbrüche wurden schon früher von der Kriminalpolizei aufgeklätt. Zum Teil sind die Täter bereits abgeuttilt. Vor einigen Ta­gen konnte nun die Kriminalpolizei einen weiteren ihr nicht Unbekannten überführen, im September einen Gattenhauseinbruch am Brasselsberg verübt zu haben. Der Täter sitzt schon wegen einer anderen Sache in Untersuchungshaft.

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Film der Unfälle

An der Ecke Mattinsplatz-Marktgasse stieß ein Lastwagen und ein aus der Markt gaffe kommender Straßenbahnwagen der Linie 3 zusammen. Der An- prall war so hefttg, daß der Wagen statt beschädigt abgeschleppt werden mußte. An dem Straßenbahn­wagen ging die Schutzscheibe in Trümmer. Per­sonen kamen bei dem Unfall nicht zu Schaden.

Auf dem Verfchiebebahnhof geriet heute nacht beim Rangieren ein 48jähriger Eisenbahnschaffner aus der Moritzstraße (er hatte zwei Wagen zu koppeln) zwi­schen die Puffer und erlitt schwere Schulter- und Brustquetschungen und wurde durch die Sanitüts- hauptwache in ernstem Zustand in das Marienkran- kenhaus eingeliefert.

Die Arbeitersamäriterkolonne betreute einen Fri­seurgehilfen, der sich aus Liebeskummer mit einem Rasiermesser die linke Pulsader durchschnitten hatte. Er erlitt große Blutverluste und fand in sehr be­denklichem Zustande Aufnahme im Landeskranken- haus.

An der Ecke Wildemannsgasse — Marktgasse lief ein zweijähriges Mädchen vor ein Lastauto. Obwohl der Krafttoagensührer sofort bremste, wurde das Kind doch von dem vorderen Kotflügel erfaßt und zu Bo­den geschleudert. Es erlitt dabei aber nur eine leichte Verletzung im Gesicht.

Auf offener Straße unternahm am Königstor ein Gartenbaulehrling einen Selbftmordversuch, indem er sich mit einem Pflanzenmeffer die Pulsader durch- schnitt. Er erlitt schwere Blutverluste und wurde durch das Krankenauto der Feuerwehr (zufällig vor­beigehende Sanitäter hatten ihm den Arm abgebun­den) in das Elisabethkrankenhaus eingeliefert.

Beim Turnen stürzte gestern abend in der Turn­halle in der Jahnstraße ein Schüler so unglücklich vom Banen, daß er sich einen Bruch des Ellen- bogensgelenkes zuzog und von der Samariterwache Holzmattt zum Arzt gebracht werden mußte.

Ein 82 jähriger Invalide aus der WildeManns- gafle begab sich abends zu einer Vereinssitzung im Gildehaus, war aber nicht nach Hause zurückgekehrt. Gestern vormittag fanden ihn Landleute bei Ih­ringshausen auf freiem Felde zwar noch lebend, aber fast vollständig erstarrt in einem Wassergraben auf, aus dem er sich infolge seiner Schwäche nicht