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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 27

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Gomrabend/Gonntag, 1./2. Februar 1930

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20. Zahrgan-

Scharfe Kritik an Macdonalds Floiienpolitik

Zu »große Aachgiebigkeii" / Tardieu bleibt zunächst in Paris? / Zentrums-Kritik an den Vorgängen im preußischen Kultusministerium

Der neue Botschafter

8 Von unserem Korrespondenten. IF" Washington, im Januar.

ES ist schwer zu sagen, was eigentlich heute der Beruf eines Diplomaten in einer fremden Haupt­stadt ist. Daß ein Diplomat ein Mann ist,der für fein Vaterland lügt" das ist ein längst verklun­genes Märchen aus einer romantischen Zeit. Selbständige Politik dürfen die Herren aber auch nicht machen. Politik wird nur in der Zentrale ge­macht und wehe dem Botschafter, der von der ihm gegebenen Anweisung auch nur um eines Zentime­ters Breite abweicht. Erkundung der Zustände des Landes und Berichte darüber? Das besorgen Wirt­schaftssachverständige und Journalisten besser als der von hunderterlei Repräsentationspflichten in An­spruch genommene Botschafter. Man hat schon oft den Satz aufgestellt, daß in der Zeit der Kabel und des Funkes die meisten Angelegnheiten auch di­rekt zwischen den Regierungen erledigt werden könn­ten. Und gibt es etwas Großes, so kommen heute di« Premierminister jeden Augenblick zu einer Kon­ferenz zusammen und lassen ihre Botschafter drau­ßen warben.

Dennoch wird die Tradition der Botschaftersen­dung sich noch lange halten. Mit Herrn Frederick Moseley Sackett, den Präsident Hoover eben nach Berlin schickt, scheint es übrigens eine beson­dere und von der Tradition abweichende Bewandt­nis zu haben. Erst wollte Hoover den Bankier und Großspekulanten Louis Meyer aus Reuvork nach Berlin schicken. Aber man scheint in der Wilhelm- straße diesen Herrn ans Wallstreat dockt nicht- für eine für den Berliner Boden geeignet» Persönlich­keit gehalten zu haben. Man hat daher in Washing­ton darauf verzichtet, dasagreemeni" für Herrn Meyer nachzüsuchcn.

Darauf wählte Präsident Hoover sich den Senator Sackett aus, einen seiner persönlichen Freunde und einen smarten Geschäftsmann, der ander Spitze einer Reihe von großen Gas-, Kohlen- und Zementgesellschasten sicht. Keinen Selfmade­man die sterben jetzt in Amerika aus und es gilt der Satz: Freie Bahn dem Sohn des Tüchtigen! Frederick Moseley Sackett ist der Sohn eines sehr reichen Mannes, er ist mit einer sehr reichen Neu- vorkerin verheiratet. Er hat Jura studiert, als Rechtsanwalt angefangen, und hat die unergiebige Office, in der die Klienten sich nicht drängten, nach vier Jahren wieder geschloffen und das Geld seines PapaS sehr gewinnbringend in einer Reihe von großen Beteiligungen angelegt. Er ist sicher ein guter Organisator, ausgezeichneter Verwalter und glücklicher Geschäftsmann. Nicht bloß seinem Geld, sondern auch diesen Eigenschaften hat er es zuzu­schreiben, daß der Staat Kentucky ibn in den Senat geschickt hat. Als Herbert Hoover Wirtschaft?-

Empörung in den Mnnekreisen

Eigener Drahtbericht.

London, 1. Februar.

DerDaily Telegraph" veröffentlicht in großer Aufmachung einen Bericht seines Flottenmitarbeitrrs, wonach sich der am Mittwoch durch dir englische Re­gierung angekündigte Verzicht auf den Bau von zwei 10 000 Tonnen-Kreuzern nicht, wie allgemein ange­nommen wird, auf die beiden KreuzerSurrey" und Nordcumberland" des Bauprogrammes 192829, bezogen habe, sondern auf zwei Kreuzer des BauprogrammeS19293 0. Tatsache sei aber, daß die britische Regierung '.merhalb 48 Stunden vier Kreuzer, darunter drei 10 000 Tonnen-Kreuzer und einen 6000 Tonnen-Kreuzer, gestrichen habe.

In Flottenkrdisen wird diese Haltung der Regie­rung auf das schärfste kritisiert, da die britische Ma­rine gerade in der Kreuzerklasse außerordentlich schwach sei. Die arbeiterparteiliche Regierung werde wegen ihrer Flottenpolitik und wegen der unzurei­chenden Rücksichtnahme auf die Flottenwünsche der Vertreter der Dominions heftig angegriffen.

Tardieu in Paris

Paris, 1. Februar.

Ministerpräsident Tardieu wird heute abend aus London hier eintreffen. Für Montag vormittag ist ein Ministcrrat im Elysee etnberuscn worden.

Im Gegensatz zu den bisherigen Meldungen, in denen davon (trfpryhtn wurpe. T* Tarsiieu j*a<6 vier- oder fünftägigem Auseifthal» wieder nach Lon­don zurückkehren werde, wird jetzt berichtet, daß er seine Funktionen als Regierungschef wieder aufnehmen und sich nur dann jeweils auf einige Tage nach London begeben werde, wenn dort auf der Seeabrüstungskonferenz seine Anwesen­heit notwendig werden sollte.

Diese Dispositionsänderung ist offenbar durch die innerpolitische Entwicklung, vor allem durch die Zuspitzung der sozialen Bersicherungsfrage, notwendig geworden. Briand hat bereits gestern Lon­don verlaflen.

*

Paris, 1. Februar. Trotz der gestrigen Erklärungen Tardieus, daß der französische Tonnage-Bedarf noch nicht festgelegt worden sei, nennen die Blätter heute wieder Ziffern. Wie Pertinax imEcho de Paris" berichtet, hat Frankreich die Ziffer von 805 000 To. in

einer Unterredung mit Macdonald genannt, ohne sie jedoch als endgültig zu bezeichnen.

Der Korrespondent einer Londoner Agentur unter­streicht in diesem Zusammenhänge, daß Italien weder in finanzieller noch industrieller Beziehung in der Lage sein werde, eine gleich starke Flotte zu bauen. Frankreich werde auf der anderen Seite keiner onnagereduktion zustimmen, die Ita­lien eine gleiche Stellung einräumen würde.

Sie Soffchaft -er 3. Internationale

London, 1. Februar.

Den immer stärker werdenden Forderungen nach Bekanntgabe der Antwort der Sowjetruffischen Bot­schaft in London auf den Einspruch der britischen Regierung, wegen der Botschaft der dritten Internationale in der neuen kommunisti­schen TageszeitungDaily Wörter" schließt sich auch dieTimes" in einem Leitartikel an.

Der Regierung werden lebhafte Borwürfe ge­macht, und wirv erklärt, daß nach Veröffent­lichung der. Antwort des Sowjetbotschasters durcd die JSwcstija" von dem Außenminister entschieden verlangt werden müffe, daß er am Montag die auf die Angelegenheit bezüglichen Anfragen im Unter- Hause beantworten müffe.

Sie SntstihNM-es Zarengenersls

Moskauer Dementi.

Paris, 1. Februar.

Rach einer Meldung aus Moskau demen­tiert die Moskauer Regierung die Gerüchte, wo­nach der russische General Kutiepoff durch die Sowjetregierung amtlich entführt worden sei. Man sei sich jedoch in Pariser Kreisen darüber klar, daß dieses Dementi nur darauf abzielre, einem Schritte der französischen Regierung in Moskau vorzubeu­gen, der auf alle Fälle stalifinden werden, nm Auf­klärung zu erlangen.

Die in Paris erscheinende russische Zeitung -Re­naissance" erhielt vor einigen Tagen einen telefoni­schen Anrnf, in dem ihr die Entführung des Gene­rals mitgeteilt wnrde. Der Anrufer weigte sich jedoch seinen Namen zu nennen. Das Blatt bietet nunmehr 100000 Francs Belohnung, wenn er sich meldet und Angaben macht, die zur Verhaftung der Täter führen können.

Versiimmie KoalilionSgesährien

Von unserer Berliner

Minister unter Präsident Coolidge war, war Sak- kett Vorsitzender mehrerer Senatsansschüfle, die mit Wirtschaftsfrageu zu tun hatten. So lenkte sich Hoovers Ausmerksamkrit ans ihn.

Hoover scheint nicht viel von Berufsdiplomaten zu halten. Er bat die Botschaften in London und Paris mit Geschäftsleuten besetzt und ist jetzt in Berlin nachgefolgt. Sackett ist Geschäftsmann durch und durch. Seine Entsendung nach Berlin hat nach Ansicht hiesiger politischer Kreise den Sinn, die deutschen Verhältnisse darauf zu prüfen, ob sie sich für die Investierung amerikanischer Kapitalien eignen. Auch Dawes in London und Edge in Paris sollten ihr Augenmerk hauptsächlich darauf richten, dem Dollar die richtigen Wege in den betreffenden Ländern zu weisen.

Es empfiehlt sich, Herrn Sackett in Deutschland unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Er läßt sich nichts vormachen. Man zeige ihm nüchtern, ohne Redensarten und Uebertreibnngen, was Deutschland leisten kann und wozu es Kavital braucht. Dann kann seine Mission in Deutschland sehr nützlich wir­ken. Wenn Sackett, bevor er Deutschland betritt, sich erst in London aufhält, so gilt sein Hauptinteresse dort nicht dem Staatssekretär Stimson, dem er sich vorstellt, sondern dem Botschafter Dawes, mit dem er sich über deutsche Verhältnisse aussprechen wird. Dawes gilt nun einmal den Amerikanern als erster Kenner der deutschen Wirtschaft und der deutschen Finanzen.

Es wird nicht leicht sein, den richtigen Ton mit Herrn Sackett zu finden. Mit Herrn Shurman un­terhielt man sich sehr nett und gemütlich über all­gemeine Dinge, und das ist es eben, was Hoover nicht haben möchte. Herr Sackett ist ein schweig­samer Mann. Wenn er spricht, redet er nicht von den idealen Beziehungen der Völker höchstens so im Anfang, wenn die Korrespondenten ihn um ein paar Phrasen bestürmen, die sie ihren Blättern tele­graphieren oder telephonieren können. Er spricht Money". Chemnitz wird ihn mehr inter- efsieren alsAltheidelberg du feine", von der Herr Shurman geschwärmt hat. Sackett ist trocken" in jedem Sinne, bei seinen Diners wird e- Mineralwasser und Fruchtsäfie geben und man wirdbustneß" reden. Hosfentlich versteht Deutsch­land, ihn richtig zu nehmen und von ihm zu lernen.

Berlin, 1. Februar.

Die Vorgänge bei der Neubesetzung des preußischen Kultusministeriums haben bei den Koalitionsparteien Verstimmung heroorgeru- fen, die sich bekanntlich bei den Demokraten zu einer sehr starken Verärgerung steigerte.

MM

''7i.

HEB

Dr. Adolf Grimme

der neue preußische Kultusminister.

Auch beim Zentrum ist man von der über­raschenden Ernennung des Kultusministers Grimme nicht gerade erbaut, und man erwähnt mit allem Nachdruck, daß das Zentrum vorher überhaupt nicht gefragt worden ist, ja, daß der Ministerpräsident nicht einmal die Absicht der Ernennung des neuen Kultus­ministers vorher mitgeteilt habe. Ebenso

lehnt das Zentrum auch jede Verantwortung für diesen neuen Minister ab

und läßt heute durch eine führende Stelle der Land- tagsfraktion in derGermania" in aller Oefsentlich-

Schriftleitung.

kett erklären, daß man zu dem neuen Minister über­haupt erst Stellung nehmen könne, wenn man gesehen habe, welche Politik et treibe. Man werde von ihm Objektivität und Gerechtigkeit erwarten müssen, und man gebe ihm die Warnung mit auf den Weg, datz er wie alle preußischen Kultusminister unbedingt mit den politischen Realitäten der beiden großen christ­lichen Bekenntnisse, sowie mit der Zentrumsfraktion des Landtages zu rechnen habe. Im übrigen werde die zwischen den Parteien bestehende Verstimmung aus Anlaß des Wechsels im Kultusministerium nicht zu Reibungen fuhren, sondern man habe den Eindruck, daß man sich allgemein

mit dea vollendeten Tatsache» abfinden müsse.

Am Dienstag soll noch einmal eine Besprechung zwischen einem Vertreter der Sozialdemokratie und einem Vertreter der Deutschen Dolkspar- tei stattsinden, aber davon werden selbstverständlich keinerlei neuen Anhaltspunkte für eine etwaige Er­weiterung der preußischen Koalition mehr erwartet. (Vergleiche auch den Bericht über die gestrige Land- tagsfitzung auf Seite 2! D. Red.)

Sämtliche Beamte, Angestellte und Arbeiter des Preußischen Kultusministeriums versammelten sich am Freitag im Großen Saal des Ministerialgebäu­des, wo in feierlicher Weise der Wechsel in der Füh­rung des Kultusministeriums vollzogen wurde.

Der scheidende Minister Becker dankte allen seinen Mitarbeitern für die vertrauensvolle Zu­sammenarbeit. Bei Einreichung feines Demifsions- aesuchs habe er sich dem Druck einer neuen fachlichen Situation gefügt, wonach scheinbar die Besetzung verantwortlicher Poften abhängig sein solle von der Dokumentierung eines bestimmten parteipoli­tischen Bekenntnisses.

Der neue Kultusminister Grimme betonte, Minister Becker wisse ja, tote eng er sich ihm ver­bundenfühle. Er könne versichern, baßer die Trab,- tion der Aeta Becker nicht abbtechen, sondern das Erbe Beckers ausbauen und persönlich zu gestalten versuche« wolle.

Welirevoluiion?

Die kommuaistifchen Umtriebe.

Berlin, 1. Februar.

Die Kommunistische Partei hat für den ersten Februartag große Demonstrationen zur Einleitung der sogenannten Weltrevolution angekündigt. Seit Wochen wird dieser kritische Tag erster Ordnung, der erste Februar, durch ein ganzes System öffentlicher Heraus­forderungen vorbereitet. Die bolschewistischen Agen­ten undFunktionäre", wie sie sich selbst nennen, in­szenieren Lärmattacken in den Parlamenten und Stadtverwaltungen, organisieren Zusammenstöße mit der Polizei und fordern in ihrer Presse zum gewalt­samen Umsturz auf.

Diese auffallende Aktivität steht offenbar im Zu­sammenhang mit der Belebung der Aktivität der Kommuni st ischcn Internationale. Tat­sache ist, daß sich Moskau nach Aeußerungen der Iswestjia" undPrawda" in rosiger Hoffnung auf einen nahe bevorstehenden kommunistischen Putsch in Deutschland wiegt. Die Verschärfung des Klassen­kampfes im Auslande wird von bcn Moskauer Blät­tern lebhaft begrüßt, und in den Reden der maßgeben­den russischen Komintern führet werden gerade die deutschen Kommunisten zu einer weiteren Verschär­fung ihres Kampfes aufgerufen.

Längere Zeit hindurch war die Kommunistische In­ternationale durch den Streit innerhalb der Kommu­nistischen Partei der Sowjetunion, der auch im Präsi­dium der Komintern ausgefochten wurde, in ihrer Aktivität behindert gewesen. Solange Bucharin an der Spitze der Kommunistischen Internationale stand, konnten die Radikalen die Oberhand nicht gewinnen. StalinsSäuberungsaktion" nach dem Siege übet die Rechtsopposition hat sich bis auf den ausländischen Anhang Bucharins erstreckt. Sein Eibe traten Männer an, Manuilski und Molotow, die seit jeher zu den Radikalen in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gehörten und die Politik Bucharins stark mißbilligt hatten. Manuilski hat auch eine, bis­her allerdings nicht ganz aufgeklärte Rolle bei den Berliner Maiereignissen des letzten Jahres gespielt. " Diese neuen Männer veriunden nunmehr den Be­ginn einerdritten Periode" des revolutionä­ren Kampfes, die unmittelbar zum revolutionären Aufstand und zur Eroberung der Macht durch die Kommunisten führen soll. Entsprechend dem Niveau, das die kommunistische Bewegung in den einzelnen Ländern erreicht hat, werden die Staaten in den Richt linien der Spmintern in drei Gruppen eingeteilt, wo­bei bezeichnenderweise die Spitzengruppe von Deutschland geführt wird. Die vorbereitende Kleinarbeit sei geleistet worden, das Anwachsen des Kommunismus und die Radikalisierung der Arbeiter schäft in Deutschland und den drei anderen Ländern der Spitzengruppe Frankreich, Tschechoslowakei und Polen zeige, daß die kommunistischen Parteien dieser Länder, vor allem die Deutschlands, der Erobe­rung der Macht am nächsten seien.

Wenn man den letzten Bericht des'Reichs- w ehr Minister iums liest, bekommt man einen Begriff von den Methoden, nach denen von der 3. In­ternationalen gearbeitet wird. T» werden Einzelhei­ten der kommunistischen Zersetzungsarbeit geschildert, da wird bis ins Einzelne uachgewiesen, wie die Sow jetspitzel den Soldaten im Gedränge der Straßen oder in Gaststätten die Propagandaschriften in die Tasche stecken, in die Kaserne schmuggeln, über die Mauer werfen oder gar ganz offen durch die Post zustellen. Im ganzen Reich verteilen sie so die kommunistische FlugschriftTer Reichswehrsoldat". Sie machen sich an die Verwandten und Bräute der Soldaten heran, um diebetoassnete Macht zu beeinslussen". Es wirs außerdem versucht, geschulte heimliche Mitglieder der K. P. D. aus die Rekrutenliste der Reichswehr und Marine zu bringen, damit sie dort das Waffenhand­werk gründlich lernen, und, wenn diePoiemkin- Stunde" schlägt, es für dieBefreiung der Brüder" ausüben können. Bezeichnenderweise werden für die politische Beeinflussung solche Soldaten bevorzugt und besonders ausfindig gemacht, die von ihren Vorgesetz­ten häusig bestraft sind und kein gutes Führungszeug­nis besitzen. Sie sind mit ihrem militärischen Dasein wahrscheinlich selbst nicht zusrieden. Man kann sie leichter verjähren.

Selbstverständlich tun die Reichswehrkommandos alles, um diese kommunistische Zersetzungsarbeit schon im Keime zu ersticken. Wachsamkeit ist jedenfalls not, und wenn man die bolschewistische Gefahr auch nichi überschätzen soll, so wird man sie andererseits in einer Zeit wirtschaftlicher Not, wie wir sie jetzt durch leben, auch nicht unterschätzen dürfen. Tie veranr- wortlichen Stellen im Reich und in Preußen sind über das, was von den Kommunisten gespielt wird, unter­richtet, und wir dürfen zu ihnen das Zutrauen haben, daß sie es unter Umständen an der nötigen Energie nicht fehlen lassen werden.

Sine internationale Gefahr?

Prof. Hoetzsch beendet feine Vortragsreihe über denBolschewismus".

In der Kurhessischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft beendete Professor Dr. Hoetzsch gestern seine Vorlesunqen über den Bolschewismus". dem ersten Teil dieses letzten Vortrags wurde das Kulturprogramm des Boftche- wismus behandelt, während in der zweiten Hälft«