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Kasseler Neueste Nackrickten

I. Beilage

Dkeuetag, 28 Januar ISS»

ftr.23

Zwanzigster Jahrganq

Neues aus Kassel

staffel. 28. Januar.

Todesopfer: Sin Invalide

Fußgänger Vorsicht!

Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich gestern 12,50 Uhr in der Sandershäusrrstraße, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der 57jährige Inva­lide Weber H. wurde beim Ueberschrriten deS Fahr­damms von einem Motorradfahrer angefahren und vor einen auf »er rechten Straßenseite fahrenden uno mit Ziegelsteinen schwer beladenen Lastwagen geschleu bert. H. kam unter das linke Vorderrad des Lastwa gens, wobei ihm das linke Bein dreimal gebrochen wurde Ferner erlitt er durch den Sturz einen Bruch des Oberarms und eine Verletzung im Gesicht.

Der Verletzte wurde durch die Sanitätskolonne ins Landcskrankenhaus gebracht Dort ist er an den Ver­letzungen gestorben. Die Schuld soll den Verstorbenen selbst treffen.

Wenn alle Künste untergehn, die edle Kochkunst bleibt bestehn!"

Gl. Essen Sie gern gutundgratis? Vielleicht haben Sie Glück . . "i

Am 4. Februar, nämlich bei der Kochkunstausstellung des Kochkunstoereins Kaffel. Der ist kein unbekann­ter leit leinen wohlqelunqenen Fachschulprüfungen im Voriahre. Nun will er, wie sich das bei Vereinen so . c Bannerweihe abhallen und sein ^?i"^r'aes Bestehen freudig begehen. Und wie sich das bei Künstlern gebührt, gedenken sie auch ?ur JT£n Banner der deutschen Kultur , und prägten den höchst modernen Satz, den wir zur lleberschrift ge­wählt haben. Denn wenn man den Kr'tikern glauben gehen ja tatsächlich alle Künste unter. Aber auch zm Zeichen des Untergangs des Abendlandes braucht uns trebt bange zu fein, daß uns nicht doch eine f>unt= mer-Manonnaise tröstet: Vertrauen wir also dem Kochkunstverein Kassel.

Neben der Ausstellung, die an jenem Tage von 11 ws 7 Uhr im Stadtpark tagt, findet nachmittags Kaffeekonzert und abends 8 Uhr ebenda eine große Feier statt, bei der der Vorsitzende des Internationalen Verbandes der Köche eine natürlich wohlgewürzte Rede halten wird. Für materielle Gemüter der Knalleffekt: Die Platten der Ausstellung werden verlost und wenn du Glück hast, kannst du den Kalbs kodem du mor­gens treu ins Auge gesehen hast, getrost deiner Gattin als willkommenen Beweis deiner Anwesenheit und der Künstlerschaft unserer Fulle-Köche mit nachhause nehmen!

Nundfunkstörung durch Straßenbahn beseitigt

Die von der Oberpostdirektion und der A.^. Süd­westdeutscher Rundfunk mit der Verwaltung der Gro­ßen Kasseler Straßenbahn geführten Verhandlungen uber^Beseitigung der Störungen des Rundfunks durch die Straßenbahn sind zum Abschluß gekommen. Nach­dem bie_ Straßenbahnverwaltung sich bereit erklärt hatte, anstelle der jetzt verwendeten Alluminiumschleif- stllcke solche aus Hartkohle zu verwenden, die keine Störungen verurialyen.

Zerienzüge...

Schmerzenskinder der Reichsbahn

Die 422 Ferienzüge des Jahres 1929 waren nur v. 28100 Fahrgästen benutzt, weil diese Züge nur noch einen Preisnachlaß von 10 Prozent (gegen 33'/, Pro­zent von früher) gewähren. Einige Züge waren ganz schlecht besetzt. Der Gesamtrückgang gegen das Vor­jahr beträgt 25 Prozent. Die Reichsbahn trägt sich mit der Absicht, die Zahl der Ferienzüge im Jahre 1930 zu vermieden. Die Bonutzniio dieser Ferienzüge würde zweifellos aber steigen, wenn wieder die alte Verbil­ligung einqeführt wird und die Form der Züge ver­bessert würde. Vor allem müßten di« Züge beschleu­nigt werden und nute ^üaaen für fte bereb oesteNi werden. Die Ersparnis beträgt meist für die Hinfahrt nur wenige Mark, die man bei der Rückre^e mit Schnellzügen wieder zulegen muß. so daß eine Erspar­nis nicht eintritt..

Die Neichsbabn-Gesells^afr sollte sich einmal noch etwas Neuem umsehen. Wer viele Jahre hindurch die Ferienzüge benutzt, sieht lehr bald, daß die Reisenden, mit denen er z. B. nach München fährt, fast immer die­selben sind. Die Leute, die ihre Ferien in Ober­bayern oder Tirol verbringen, sind abgesehen von den neuhinzukommend-n. jahraus jahrein die gleichen. Da ist es nur zu selbstverständlich, daß jeder Reisende, der einmal im Jahre weiter hinaus fährt, auf dieser Reis« gern recht viel sehen möchte: er will vor allem nicht ileiche Strecke zweimal auf derselben Reise befahren. Man lasse doch die Ferienreisenden für ihr gutes Geld *- das mit den Zuschlag und Platzkarten für die Rück­fahrt fast den vollen Preis der Fahrten ausmacht »imnal ab Frankfurt. München oder ab Augsburg an­dere Strecken fahren. Diese Fahrkarten würden dop­pelt mehr verlangt werden als die bisherigen. Auch »ine Rückfahrt von Bauern aus durch Thüringen würde den Absatz der Fahrkarten heben. Wer jahre­lang hintereinander die Schweiz bereist hat. der hat ruf dem Rückwege auch Stuttgart, Freiburg Heidel­berg und Frankfurt besucht: für ihn muß es. einmal eine neue glitte geben ru^al die.(Vimfebrenfoen nie Iufammen oder an einem Tage zurückfahren, also eine leberfülluna der Züge kaum in Frage kommt.

Man kauft die Ferien-Sonderzugkarten heute nur noch der Bequemlichkeit halber: man kann häufiger aussteigen und hat nicht das Gedränge an den Fahr­kartenschaltern. Die Reichsbahn sollte bestrebt sein, für die Ferienzüqe dem Reisenden mehr Vorteile zu bieten. Der Versuch würde sich schon im ersten Jahre lohnen.

88»6t« gebe« wir «m Mittwoch?

Staat stbeaier:Tannhäuser', Over von R. Was­ner, 19 Uhr.

Kleines Theater:Pater sein dagegen lehr', 20 Ubr. ktadtvark: Gastspiel Wilb. Millmvrtsch, der .grobe Lachsch'agerDer Stolz der 8. Kompagnie", 20.15.

Kaffee Polter: Das grobe Beiprogramm und Aa- schiugS-Revuettchen.

L h a f s a l la - L i ch t sp ielc: .Die Rettung'.Die Ra­che des Scheichs .

«avitol:Der Leuanant Ihrer Male«»'. ..Alle» für die Zeitung'.Dte Rache des Scheichs'.

Reinhold-Saal: Philipps - Vortragsabend mit Vor­führung der neuesten Radio-Emvsangs- und Mustk- übertragungSgeräte, 20 USr.

Helfen land: Konzert mit Varietee.

Sduttierlviele Helleulaud-Perle haben der wirtschaftlichen Notlage durch Einleitung einet GinhettSbedlenung Rech­nung getragen (f. An,.).

Oie Reifeprüfung

und was dann?

Nichtakademische Berufe für Abiturienten

Oie ältesten Spuren der Menschheit

* * *

ter, das Feuer zu ent-

etne Stellung, sie ohne Studium

rgr. Die Schulzeit ist herum, der Pennäler erhält den letzten Segen der Lehrerschar und einen Zettel mit allerlei erfreulichen oder unerfreulichen Zeichen daraus. Er sucht nun in einen Berus zu starten, in dem er

sofort, viel und sicher zugleich verdient.

Das gibt es nicht.

Entweder kostet es ein langwieriges und teures Studium, dann geduldiges Warten, dann noch einmal geduldiges Warten, und dann erhält man vielleicht eine Stellung, die «in wenig besser bezahlt ist als man ~erreicht hätte. Oder man ist durch die wirtschaftliche Lage der Familie gezwungen, so­fort etwas zu verdienen, wenn man auch später nicht ein solches Gehalt erreicht wie ein Akademiker, was aber noch gar nicht ausgemacht ist.

Wettervoraussage für Mittwoch:

Zunächst wolkig, vorübergehend leichte Niederschlogs- neigung, dann wieder auscheiternd, meist über Null, schwache Winde.

Gottsucher auf allerlei Wegen

Tie motferve Sektenbewegung als Schlußthema der Evangelischen Woche.

Auch der Abschluß der Evangelischen Woche am Sonntag Mio ben großen Saal des Vereinshauses in der Kölnischen Straße bis aus den letzten Platz. Professor D. Siegfried aus Marburg sprach über die sog. Sektenbewegung unserer Tage.

Immer gab es ein Gottcsfuctsen, das seine Son- gerwege ging: in Zeiten religiöser Entleerung ge­paart mit sozialer und seelischer Erjcyütierung, wie im heutigen Deutschland, uns religiöser Unter- driikimg wie in Rußland neigt das Gottessehnen noch mehr nach Formen, die mit einem überkomme­nen Ausdruck Sek.'cn heißen.

Die deutsche Religionsstatistik zeigte 1926 folgen btig Bild: Reben 40 Millionen Protestanten gab es .0 Millionen Katholiken Neben den evangeli­schen Landeskirchen standen kleinere Freikirchen darunter Baptisten, Methodisten, Mennoniten. Dazu kamen Adventisten Neuapostolische und sonstige Christen, die herkömmlich als Setten bezeichnet wer­den und zusammen etwa 2-0 000 Seelen zählen.

Zahlenmäßig ist das nicht sehe viel. Aber reli­giöse Glut gibt ihrer Arbeit meist eine erheblich größere Kratt.

Sie hat ihre Quelle darin, daß diese Christen die allgemeine christliche Ueverzengung vom kommenden Reich Gottes in stark eschatologischer Prägung haben Aus vereinzelten Stellen der heiligen Schrift meinen sie die Wiederkunft Christis genau berech­nen zu können. Die berechneten Termine, z. B. 1843, 1847. uno nenerere in unserer letzivergangenen Seit, gingen vorüber. Mit ganzer Seele hatten ine neu- gebildeten Gemeinschaften aus die Erfüllung ihrer lleberzengung gehofft. Die Gemeinschaften lösten sich aber nicht auf. Sie hatten ihre Kraft auch aus der Ueder;ei,Hung ihrer Sonoerberufung geschöpft. Be» fon/.-re Formen fanden die Darbysten und Mormo­nen, auch die sogen Ernsten Bibelforscher. Die Tacbvsten erkennen nur die Gemeinschaft der Seele mit Christus an: jeden kirchlichen Zusammenschluß halten sie kür überflüssig. Die Mormonen, die sich ,die He'ligen der letzten Tage" nannten, haben lange Zi it die Vielweiberei als religiöse Pflicht an­gesehen: nur Verheiratete können bei ihnen zur letz­ten Vollendung tönernen. Auch politische Forderun­gen sind in dieses und jenes religiöse Sonderbekenntnis ausgenommen.

Von evangelisch-kirchliehem Standpuntte aus ist weniger die Tatsache etngewendet worden, daß alle diese Gemeinschasten eine die andere verwerfen. 018 daß sie allesamt in der lieber zeugunz von ihrer Sonterberufvng nach einem Wort Luthers die Sünde des Glaubens an die eigene Sündlostgkeit bezeugen.

Mit warmen Worten anerkannte der Vortra- gciide den Ernst, mit dem zahlreiche Glieder dieser Streik- unser gegenwärtiges Erleben als die Sprache Gortes an uns verstehen, und die hingebende Treue, mit der sie sich für ihre Sache einsetzen.

Film der Unfälle

Rangicrunfall. Der Eisenbahnangestellte Ei Ile aus Wolshagen, der beim Rangieren eines Güter» zuges mit dem Umstellen der Weichen beauftragt war, stolperte und fiel so unglücklich, daß er mit einem Arm auf die Schienen zu liegen kam, in dem Augenblick, als der Güterzug vorbeisuhr. Der linke Arm wurde zweimal üerfahren. Der Verunglückte wurde in das Krankenhaus nach Volkmarsen geschafft, wo ihm der Arm abgenommen werden mußte. Sein Zustand ist bedenklich.

In einer Wirtschaft der Altstadt kam es unter Be­trunkenen zu einer Prügelei, in der das Messer eine Rolle spielte. Drei Mann wurden verhaftet, während einer sich auf der Wache .Huldabrücke" verbinden lassen mußte.

In der Weserstraße rutschte ein zunger Mann auf einem Gemüseblatt aus und zog sich einen Bruch des Fußgelenkes zu. Die Sanitätswache Fuldabrücke brachte den Gestürzten zum Arzt., Dieselbe Wache leistete einem jungen Schlachtergesellen, der bei einer Schlägerei in der Bäckerherberge schwere Kopfverletzun­gen davongetragen hatte, die erste Hilfe und frrarote ihn zum Arzt. Einem Radfahrer, der die steile Or- leansftraße hinabfuhr, lief ein Hund in das Rad. Da­durch stürzte jener mit solcher Wucht auf das Pflaster, daß er außer schweren Eesichtsoerletzungen den Verftist mehrerer Zähne beklagen muß. Die nahegelegene Sa« niiätswache brachte ihn zu einem Arzt.

Lebens emporstieg. Wer das Wunder der Schöpfung in dem Werdegang der Lebewesen als Entwicklungs­wunder erkannt hat, wird von dieser Entwicklung auch den Menschen nicht ausschließen und wird sagen: Da ist der Mensch aus einem Naturwesen ein Mensch ge­worden, als er anfing nachzudenken Die den großen Saal füllende Versammlung nahm den an der Hand der Lichtbilder stark wirkenden Vortrag mit lebhaftem Beifall auf. W. M.

Deshalb geht auch die Hälfte aller Abiturienten in nicht akademische Berufe, wie Berufsberater Poersch ausführte. Diele brechen nämlich das begonnene Stu­dium ab.

An erster Stelle der in Betracht kommenden Berufe steht der des Kaufmanns, über dessen Aussichten wir schon des öfteren berichtet haben. Herr Poersch unter­strich, daß an guten Kräften immer Mangel sei. Ent­wicklungsmöglichkeiten sieht er im Versiche­rungswesen. Die Banken stellen fast nur noch Abiturienten ein die Lehre dauert zwei Jahre, die Bezahlung ist relativ gut: 40 M. im 1., 72 M. im 2., 96 M. im 3. Jahre Doch Mechanisierung, Fusionie­rung und Konkurse schaffen Stellenlose, so daß schwer unterzukommen sein wird. Die Reichsbank über­nimmt nur Leute, die 3)4 Jahre bei einer anderen Bank beschäftigt waren und nicht über 26 Jahre alt find.

Auch der Buchhandel hat fich spezialisiert. Eine gute Ausbildung vermittelt das Deutsche Buchhändler­lehrinstitut in Leipzig. Erwähnenswert ist das Hotelfach. Man macht eine praktische Lehre als Koch oder Kellner durch und besucht dann eine Hotel­fachschule, etwa im schönen Heidelberg. Zum D e - korateurfach haben fich viele Anwärter in diesem Jahre gemeldet. Notwendig ist Geschmack und schöpfe­rische Phantasie und der Besuch einer Fach- oder Kunstgewerbeschule im Abend- oder Dollkurs. Es empfiehlt fich, die zweijährige praktische Ausbildung vor den. Schulbesuch zu legen. Für kunstgewerbliche Berufe ist Reifeprüfung nicht erforderlich.

Zum Handwerk verspüren die Abiturienten ge­wöhnlich wenig Neigung, sie unterschätzen sicher An­forderungen wie Verdienstmöglichkeit. Beliebt sind technische Berufe. Der Dentist, heute noch in Kon­kurrenz mit dem Zahnarzt, ist drei Jahre Praktikant, noch Prüfung drei Jahre. Assistent, besucht ein Jahr ein Fachinstitut und wird nach einer zweiten Prüfung auf die hohlen Zähne losgelassen, auf eigene Verant­wortung. Zur Krankenkassenpraxis bedarf er beson­derer Zulassung.

Der Eartenbauinspektor beginnt seine

Laufbahn mit drei Jahren Eärtnerlehre. Dann fol­gen vier bis fünf Semester Fachschule, Prüfung als Gartentechniker, nach zwei bis drei Jahren als In­spektor. Der Kulturbautechniker treibt zwei Jahre Straßenbau, besucht bann drei Jahre die Kul­turbauschule (die nächste in Siegen) und legt die ent­sprechenden Prüfungen ab wie der Earteninfpektor.

Der Bautechniker geht zwei Jahre in die Lehre als Maurer oder Zimmermann, verbringt fünf Semester auf der Baugewerkschule. Das Semester kostet 80 M. Dasselbe gilt für den Maschinenbauer, der aber, wenn er Beamter werden will, eine beson­ders anerkannte Schule besuchen muß.

Viel gefragt wird der Berater nach der Laufbahn des Funkers. Funker wird man durch die Debeg oder die Transradio, zwei Gesellschaften, die in neun­monatigen Kursen ausbilden. Erwünscht ist Franzö­sisch, Englisch, Spanisch.. Nach Ausbildung prüft das Reichspostzentralamt. Die Debeg bildet Bordfunker aus, die ihre Angestellten bleiben und nach dem Kur­sus 2)4 Jahre kostenlos praktisch weitergebildet werden.

Flieger werden ist die große Sehnsucht vieler, aber vollkommen aussichtslos, außerdem sehr teuer. Wer als Schiffsoffizier zur Handelsmarine gehen will, muß zwei Jahre auf einem Segelschiff fahren. Der Bremer Segelschiffsverein unterhält ein solches Schulschiff. Er hat noch die Seemannsschule zu besuchen, das Steuermanns- und Offiziersexamen zu bestehen. In der Theorie steht die Offizierslaufbahn auch dem Volksschüler offen.

Für den technischen B e a m t e n ist der Besuch einer Fachschule vorgeschrieben. Der Verwaltungs­beamte wird zuerst drei Jahre als Supernumerar verwandt und legt dann die Obersekretärprüfung ab. Doch sind die Berufsaussichten gering, ebenso für den Förster. Förster beginnen mit Obersekundareife mit zweijähriger Lehrzeit, besuchen drei Monate die Polizeischule (Mündens und ein Jahr die Forstschule (Spangenberg). Die Prüfung muß sofort bestanden werden, Wiederholung ist un-uläsfig. Nach fünfjähri­ger Forstgehilfenzeit erfolgt eventuell Anstellung.

Bei Reichswehr und Marine wird für Offi­ziere Reifeprüfung verlangt. Zur Marine meldet man sich Bis zum 25. November bei der Inspektion für Bildungswesen in Kiel. Der Andrang zur Schupo ist gewaltig. Verlangt wird Reifeprüfung, feste Ge­sundheit, Körpergröße von mindestens 1,68 Meter.

Einige Aussichten bietet noch der Beruf des Volks­schullehrers. Man wird zwei Jahre kostenlos auf einer pädagogischen Akademie ausgebildet, dann ge­prüft und in den Vorbereitungsdienst gestellt. Es wird aber jährlich nur eine beschränkte Zahl von Bewer­bern zu den Akademien zugelassen.

Wer sonst noch Auskunft wünscht, wende sich au das Veratungsantt. das Freitags von 35 Uhr beson­dere Sprechstunde für höhere Schüler hat.

Quer über den Wvchenmarkl

Die Welt wird schöner mit jedem Tag besonders nachmittags zwischen zwölf und vier Uhr. wenn ein durchaus einwandfreies Frühlingsjönnchen neben Prie- * mein, Stiefmütterchen, Haselnuß- und Weidenkätzchen auch sämtliche Kinderwagen Kassels mit ihrem wvhl- verpackten, teils vergnügt krähenden, teils sanft schlum­mernden Inhalt oft sogar in doppelter Auflage auf die sonnenwarmen Alleen hinauslockt. Eine fröh­liche Frllhlingsparade, die nicht minder eindringlich von einem in diesem Jahre gänzlich vorbeigelungenen Mn- terreqiment spricht, als das frühzeitige Knospen und Keimen in der Natur.

Auf dem Königsplatz merkte man heute morgen allerdings noch nicht viel von Sonnenschein und Früh­lingswärme, im Gegenteil. Viel dampfende Kaffee­pötte rauchten gen Himmel, sofern sie nicht gerade er« rönne Nasenspitzen aufzutauen hatten. Als innerlich wie äußerlich anzuwendende Medizin schäften sie aber bald wiedereinnahmefähige" Fingerspitzen und inne­res Behagen.

Der Fischmarkt stellt für nächsten Donnerstag ein« besonders große Auswahl der leckersten See- und Fluß- ftche in Aussicht. Für heute wartete er mit lebenden Schleien zu 1,70 Mark, lebenden böhmischen Spiegel­karpfen zu 1,60 Mark, mit prima Angelschellsisch zu 55 bis 60 Pfennig, Seeaal zu 60 Pfennig. Kabeljau zu 50 Pfennig. Seelachs zu 45 Pfennig. Fischfilet zu 65 Pfennig und grünen Heringen zu 25 Pfennig das Pfund auf.

Zu den besagten grünen Heringen bin ich von der Fvfchhändler-Zunst am Fischbrunnen ersucht worden, den verehrten Hausfrauen mitzuteilen, daß die bösen Menschen in Norwegen, der Bezugsquelle dieser grätigen Gottesgabe meuchlings einen Trust gebildet haben, der Ausfuhr und Preise bestimmt und somit den deutschen Hausfrauen ihre Ho-ffnun- gen aus ein billiges Gericht grüne Heringe zu schän­den macht. Außerdem werden die Fische drei bis vier Tage später als sonst versandt und erleiden da­durch natürlich eine gewisse Einbuße an ihrer Qua­lität. DieS zur Rehabilitierung unserer am Fisch- brunnrn ansässigen Verkäufer und zur Orientierung unsrer .f-vsfrasten!

Der Geflügelmarkt ruhte heute richtiggehend auf seinen Lorbeeren vom vergangenen Sonnabend auS. Em paar durstige Hühner und Hähne zu 1,20 hiö 1,30 Mark das Pfund waren der ganze Segen gegen di« stattliche Geflügelzahl am letzten Markttag.

Am Eiermarkt spitzte man die Ohren! 12% Pfen­nig. aber auch 13 und 14 Pfennig wurden für ein Ei verlangt, was besagt, daß eine fröhliche Eierlegerei im Gange sein mutz! Geringe Quanten Landbutter gingen zu 1,70 Mark, Süßrahmbutter zu 1,90 Mark das Pfund schleppend ab.

Am Martinsplatz gab es für Liebhaberinnerer Angelegenheiten" vom Rind, Schwein ober Kalb allerhand gute Dinge als Leber, Nieren, Lungen, Magen ufw., neben dem immer gangbaren Gesul- perten und den üblichen Braten.

Ms Preise für Beigemüse melden die Händlerin­nen am Königsplatz folgende: Rosenkohl 35 bis 40 Pfg., Wirsingkohl und Rotkohl 15 Pfg., Weißkohl 8 Pfg., Blumenkohl. Riesenlöpfe. 5060 Pio Lauck» 20 Pfg., Unterkohlrabi 10 Pfg, Grünkohl 15 Pfg.. Spi­nat 25 Pfg. (verlesen 30 Pfg.), rote und weiße Rüben 15 Pfg., Sellerie 30 Pfa.. Schwarzwurzeln 40 bis 50 Pfg. Möhren 1215 Pfa das Pfund. Die Salier wachsen und gedeihen und lassen nach im Preis znr Freude der schlanken Linie. Kobfsalat kostete 25 Pfg., Endivien 10 bis 15 Pfg. das Stück, Nüßchen 20 Pfg. das Viertelpfund. Tomaienliebhaber mußten noch immer etwas tiefer in den Beutel greifen und 70 bis 75 Pfg. für ein Pfund locker machen.

Mit dem Apfelbestand wird langsam aufgeräumt. Es gibt noch ein paarschrumpelige" zu 10 bis 20 Pfg. das Pfund. Dafür kann man sich unter den großen Mengen Dörrobst zu 30 Pfg. das leckerste aussuchen. Zu Apfelsinen-Cremes empfehlen sich Mandarinen, 10 Stück zu 40 Pfg. oder Apfelsinen zu 8 bis 15 Pfg. das Stück und mit einem prima Königsplatzschnupfen, das Einzige, was man kosten­los erhält, ich mich jetzt ebenfalls!

Steinachs Versuche durch Einpflanzung bestimmter Körperteile anderer Lebewesen den Menschen zu ver­jüngen und dazu das nächstverwandte Geschöpf zu neh­men, haben das schon stark zurückgegangene Interesse an der Feststellung des Zusammenhangs zwischen Mensch und Affe wieder hervortreten lassen.

Die streng wissenschaftliche Forschung hat nichts zu tun mit allerlei photographischen Nachweisen der Ent­wicklung vom Affen zum Menschen. Hier liegt nicht nut ein quantitativer, sondern qualitativer Unterschied vor, weil das umgekehrte Verhältnis der Gehirn- und der Körpergröße zwischen Affen und Menschen sich notwendig qualitativ auswirkt. Die primitivsten der gegenwärtigen Menschenrassen, die Buschmänner, sind dem höchststehenden Kulturmenschen offenbar viel näher als dem Affen. Auch die Urmenschen stehen den gefundenen Schädeln nach dem heutigen Menschen nahe.

Etwa vier Fünftel der Zoologen halten an der Ver­wandtschaft von Mensch und Affe fest, obgleich jüngst wieder der sehr bedeutende amerikanische Sachverstän­dige Osborn in Neuyork in einer akademischen Fest­schrift diese Anschauung aufgegeben hat.

Lange Zeit hat man in der Größe des Knochen­wulstes über den Augen einen Gradmesser der Ver­wandtschaft mit dem sogenannten Affenmenschen sehen wollen, den man als gemeinsamen Borfahren von Mensch und Affen ansah. Aber der nachweislich älteste der ausgegrabenen Menschenschädel, der den stärksten Stirnwulst haben müßte, ist davon völlig frei und steht in dieser Beziehung dem heutigen Menschen am nächsten. Man fand ihn in England in P i I t d o w n. Um die Vergleichung der gefundenen Schädel bezüglich ihrer Form- und Zeitunterschiede hat eine außer­ordentlich exakte Forschung unter Zuhilfenahme der modernsten Hilfsmittel bis zur Röntgenuntersuchung sich in peinlichster Sorgfalt bemüht. Man wird sagen dürfen, daß von den vorgeschichtlichen Menschen der Neandertalmensch. dessen Schädel man in der Neandertalhöhle bei Düsseldorf fand, zeitlich uns am nächsten steht, obgleich man ihn etwa 150 000 Jahre vor uns ansetzt. Der Heidelberger Mensch, den man in sehr tiefem Sande fand, wird doppelt so alt geschätzt; sein Kinn ist nicht spitz nach vorn ge­wandt, sondern rund, vielleicht weil die Zähne außer­ordentlich stark entwickelt waren und den Kiefer nach vorn drängten. Vor zehn Jahren fand man in Rho- defia in Südafrika einen noch älteren Schädel; dieser Rhodesiamensch scheint wesentlich primitiver als die vorgenannten. Der Pithecanthropus galt längere Zeit als der gesuchte Affenmensch, von dem Affe und Mensch abgezweigt seien; aber der Schädel ist neuerdings sicher als Menschenschädel erwiesen worden. Ein Affenmensch hat keinerlei Spuren hin­terlassen. Der bei Peking zuletzt gefundene Schädel des Chinamenschen hat die gelehrte Forschung überrascht. Nicht nur durch seinen Fundort und seine Knochenbildung ist er als außerordentlich alt erkannt

allerlei vom Tage

Die drei Beigeordneten amtlich bestätigt. Die amt­liche Bestätigung für die gewählten Beigeordneten der StÄ»t Kassel die Herren Geck. Nagel und Schom- burg liegt nunmehr vor.

Eine hochherzige Spende. Die Firma Leonhard Tietz A.-G. hat aus Anlaß ihres 50jährigen Eeschäfts- fubiläums zum Andenken an den Gründer der Firma, Herrn Leonhard Tietz, den Gemeinden, in denen sich ihre Verkaufsbetriebe befinden, die Summe von ins­gesamt 250000 Mark für Wohlfahrtszwecke zur Ver­fügung gestellt. Wie das städtische Nachrichtenamt mitteilt, entfällt auf die Stadt Kassel ein Betrag von 10 000 Mark. Der Magistrat hat in seiner heutigen Sitzung die Schenkung mit Dank angenommen und be­schlossen. die gesamte Summe der Winterhilfe zu überweisen.

Geheimrat Heer 70 Jahre alt. Landgerichtsrat a. D. Geheimer Justizrat Georg Heer, der Historiker des Marburger Studententums, konnte die Feier feines 7vjähngen Geburtstages begehen. Heer gilt als einer der besten Kenner deutscher Studenten­geschichte.

3m Silber kram. Am 29. Januar begeht ein eifriger, langjähriger Leser unseres Blattes, Lackierel Theodor Euler. Kassel. Letbnitzstrabe 4. die silberne HoLrett.

worden, sondern auch durch die lleberlegung, daß seine Fundstelle ein deutlicher Beweis für vorausgegangene ungeheuere Wanderungen darstellt.

Aus noch früherer Zeit stammen eine Anzahl aus­gegrabener Steinwerkzeuge. Sie passen nicht in Affen-, sondern in Menschenhand. Feuerspuren fand man da­neben. Aber es gibt kein T' zünden weiß.

Gab es erst von da ab einen Menschen, als er fich solche Werkzeuge zu schaffen wußte deren Fundort auf über eine Million Jahre schließen läßt? Wird der Mensch, ehe er Steinwerkzeuae befaß, nicht solche aus Knochen oder aus Holz gehabt haben, wenn auch noch so primitive?

So muß man das Alter des Menschengeschlechts wesentlich höher ansetzen als bisher. Von den An­fängen weih man überhaupt nichts Es bleibt mög­lich, dah der Mensch aus einer sehr alten Wurzel des

Mißfarbene Zähne

entstellen das schönste Antlitz. Uebler Mundgerudi wirkt abstoßend. Beide Schönheits­fehler werden gründlich beseitigt oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste. Die Zähne erhalten darnach einen

wundervollen Elfenbeinglanz, auch an den Seitenflächen, besonders bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-Zahnbürste mitgezahntem Borsten­schnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt. Chlorodont: Zahnpaste, Mundwasser, Zahnbürsten Einheitspreis 1 Mark bei höchster Qualität Man verlange nur echt Chlorodont in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurück.