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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Hummer 18

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Mittwoch, 22. Januar 1930

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20. Zahrgane

Seekonferenz hinter verschlossenen Türen

Vie presse von den Verhandlungen ausgesch'ossen / Vstschister Sackeft filier feine Ausgaben in Deutschland / Eurtius erstattet Bericht

privaie Besprechungen

Eigener Drahtbericht.

London, 22. Januar.

Wie der diplomatische Korrespondent desDaily" Telegraph" berichtet, find die privaten Bespre­chungen zwischen den verschiedenen Hauptdelegier­ten, die dazu bestimmt find, die größeren Meinungs­verschiedenheiten soweit als möglich vor dem Zusam­mentritt des Hauptausschuffes der Konferenz zu glät­ten, gestern bis in die späten Abendstunden hinein fortgesetzt worden. Die wichtigste dieser Unterredun­gen fand nach einem Abendessen zwischen 9Racbo» nalp. Henderson, Stimson, Morrow, Ta r- dieu und B r i v v d statt. Tardieu hatte vorher einen Meinungsaustausch mit (8 ran bi gehabt.

Der Hauptzweck bieser Besprechungen war, bie ernsten Meinungsverschiebenheiten zwischen Großbri­tannien unb Frankreich sowie Großbritannien unb Italien zu untersuchen, wobei bie amerikanischen De­legierten bis zu einem gewissen Grabe als Vermittler auftraten.

Die französischen Delegierten, so berich­tet ber Korresponbent, schienen sehr befriebigt zu sein fiber bie Art unb Weise, in ber bie Frage berNatio­nalen Ersorbernisse", b. h. politischer Garantien ber nationalen Sicherheit, in ben Dordergrunb ber Erör­terungen geruckt worben ist. Am liebsten würben sie einen Zuf atz zum Kelloggpackt sehen, wonach die Unterzeichner, einschließlich der Vereinigten Staa­ten sich feierlich verpflichten würden, nicht nur im Be­darfsfälle miteinander Rat zu Pflegen, sondern auch eine Verletzung des Paktes mit einer Sperrung ber Zufuhren zu beantworten. Sollten bie Vereinigten Staaten sich ablehneub verhalten, bann würben bie Franzosen immer noch eine solche Verpflichtung Groß­britanniens unb Spaniens im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Mittelmeerpakt begrüßen.

Der Korrespondent weist auf die Schwierigkeiten hin, bie in ber Frage des Verhältnisses der Schlacht­schiffe zwischen Japan und den angelsächsischen Mäch­ten bestehen. Er berichtet, in gewissen Kreisen sei gestern auch zugegeben worden, daß eine wirkliche radikale Verminderung der Schlachtschiffe vorherige Erörterung mit einer Anzahl anderer Mächte, wie Deutfchland, Spanien, Argentinien, Brasilien und Chile erfordern würde. Die japanische Delegation halte sich naturgemäß von den politischen Erörterun­gen, die Großbritannien, Frankreich und Italien an­gehen, zurück. Es wird erwartet, daß Japan ebenso wie Frankreich möglicherweise die Frage der Luft­waffe aufwerfe.

* * *

Der Sonderberichterstatter desDaily Expreß" er­fährt von zuverlässiger Seite, daß im letzten Moment entschieden worden sei, für die Sitzungen der Flöt- tenkonferenz im St. Jamespalast die Presse nicht zuznlassen.

Als Grund für die überraschende Entscheidung, die auf amerikanischer Seite, angesichts der Entsen­dung der zahlreichen Sonderberichterstatter, größte Ueberraschung und Bestürzung hervorgerufen hat, wird der ungenügende Raum des Sitzungssaales an­gegeben.

Mit heftigen Angriffen und Gegenüberstellung dieser Methode gegenüber ber Oeffentlichkeit der Genfer Verhandlungen wird von ame­rikanischer Seite zu rechnen sein.

Das Scho der Eröffnungssitzung

London, 22. Januar.

Die Eröffnungssitzung ber Flottenkonfe­renz findet in den Morgenblättern ohne Unterschied der Parteien eine günstige Ausnahme.

DieTimes" legt den Nachdruck darauf, daß die Konferenz nicht etwa gegenseltige Formeln für all­gemeine und ständige Abrüstung auszuarbeiten habe, sondern sich auf die Erörterung praktischer Fragen der Flottenabrüstung beschränken müsse. Wenn sich die Konferenz an diese Beschränkungen halte, so er­scheine trotz aller unvermeidlichen Schwierigkeiten ihr Erfolg gesichert.

2erDaily Telegraph" verzeichnet aufgrund der Eröffnungsrede des Königs und der Delegierten eine allgemein zuversichtliche Beurteilung, während die Morgenpost" sonst gegenüber Macdonald ausgespro­chen unfreundlich, seine Eröffnungsrede mit betonter Sympathie ausnimmt.

* * *

lieber die Sitzung selbst haben wir bereits ge­stern in einem Teil unserer Auflage berichtet. Kö­nig Georg hieß die Delegierten willkommen, wies auf die Schwierigkeiten der Arbeiten hin und er­klärte dann, wenn das Werk gelingen sollte, müßten von allen Beteiligten Opfer gebracht werden.

Macdonald, der zum Konferenz-Vorsitzenden gewählt wurde, hielt es für förderlich, wenn die Konferenz von zwei Voraussetzungen ausgehe: 1. daß bie Flottenbedürfnisse eines jeden Landes von seiner geographischen Lage und Ausdehnung rbhänqcn; 2. daß man aus technischen Gründen die Streitkräfte zur See, zu Lande unb in der Luft von­einander trennen und jede Kategorie bei den Abrii- ftungsbesprechungen einzeln behandeln muß, daß

man aber dabei niemals die praktische innere Ver­bundenheit der drei Kategorien vergessen darf. Sie nationale Sicherheit müsse natürlich in erster Linie berücksichtigt werden und der Zweck ber Konferenz solle auch nicht darin bestehen, diese Sicherheit zu schwächen, sondern sie zu stärken.

Stimson betonte den Zusammenhang der drei Kategorien der Verteidigung. Tardieu meinte, wenn die Konferenz scheitere, wird die allgemeine Ab­rüstung aufs äußerste gefährdet sein. G r and i be­tonte, daß Italien in seinen Bemühungen um den Frieden hinter keinem Land zurückstehe. Der Japaner Wakatsuki sprach den Wunsch aus, daß die natio­nale Sicherheit durch die Begrenzung der Flottenstärke nicht gefährdet werde. Ferner sprachen noch die Ver­treter Neuseelands und Südafrikas.

Amfisanie ZwischenMe

London, 22. Januar.

Bei der Eröffnungssitzung der Londoner Flotten­konferenz haben sich einige amüsante Zwischenfälle ereignet. Das Fernbleiben Dawes', der erst nach der Eröffnungsrede des Königs erschien, war auf den dichten Nebel zurückzuführen. Außenminister Henderson ist es erst nach gründlicher Auswei­sung gelungen, von den Dienern den Zutritt zum Saale zu erhalten. Der Postminister, der keine Ein­trittskarte vorweisen konnte, vermochte sich nur nach Legitimation des Sekretärs Henderson Zutritt zu verschaffen, während der Unterhausstaatsse- tretär für bie Dominions aus dem gleichen Grunde die Feier nur durch bie Glastür der Vor­halle mb ansehen konnte.

Mittler zwischen den Völkern

Abreise des neuen amerikanischen Botschafters nach Deutschland.

Renyork, 22. Januar.

Der neue Botschafter der Bereinigten Staaten für Deutschland, S a ck e t t, wird heute mit dem Dampfer President Harding" übet Plymouth, London Hoeck van Holland nach Deutschland abreifen. Botschafter

Warschau, 22. Januar.

Der polnische Heereshaushalt für 1930 31 sieht Ausgaben im Gesamtbeträge von 837,2 Millionen Zloty vor. Irn Vergleich mit dem Jahre 2627 sinv die Ausgaben um 34 Millionen Zloty gestiegen, wo­bei zu beachten ist. daß der Haushalt verschiedener anderer Ministerien noch Ausgaben für das Heer enthält. (Das richtige Verständnis für diese Mel­dung gewinnt man, wenn man bedenket, daß Polen schon immer mit seinen Rüstungsausgaben an vor­derster Stelle unter den europäischen Staaten stand. D. Red.). x

Aoiruse aus der Ostmark

Berlin, 22. Januar.

LautGermania" werden am Freitag, den 24. ds. Mts., die sechs Landeshauptleute ber Provinzen Grenzmark-Posen-Westpreutzen, Niederschlesien, Ober- schlefien, Pommern, Branbenbntg unb Ostpreußen dem Reichspräsibenten, bem Reichskanzler, dem Reichsinnenminifter, bem preußischen Ministerpräsi­denten und dem preußischen Innenminister eine um fangreiche Denkschrift über bie Notlage des deutschen Ostens überreichen, in der diese eingehend geschil­dert und Abhilfemaßnahmen geforderten werden.

Schneidemühl, 22. Januar. Die erste Tagung des 3. Provinziallandtages der Grenzmark Posen West- preutzen, bie gestern im Sitzungssaal des Landes- Hauses unter Leitung des Staatskommiffars Ober prästdenten von Bülow abgehalten wurde, faßte ein­stimmig eine Entschließung zum bevorstehenden Ver­tragsabschluß mit Polen.

In dieser Entschließung bittet der Provinzialland­tag, die für den Abschluß der Verträge maßgeben­den Stellen dringend darum, daß bie Verträge nur bann abgeschlossen werden, wenn einmal ber beut scheu und insbesonbere ber grenzmärkischen Land wirtschaft ihre Lebensfähigkeit in jeber Weise gewährleistet unb zweitens der in Polen lebenden deutschen Minderheit bie Sicherheit ganz ungehinderter kultureller unb wirlsköstlicher Betäti­gung gegeben wirb.

*

Warschau, 22. Januar. Die deutsch-polni­schen Roggenexportverhandlungen ha­ben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Dr. Baade hat Warschau verlassen. Der polnischen Seite ist es fretgestellt worden, das deutsche Angebot auf. ge­meinsame Exportorganisationen und Abnahme einer

Tackest gedenkt etwa am 5. Februar in Berlin ein- zutreffen.

Der Botschafter empfing gestern abend den Reu- yorker Vertreter des WTB., dem er auf feine Bitte um eine Aentzerung für das deutsche Bolk folgendes sagte: Sie ersuchen mich um ein Wort an Ihr Volk vor meiner Abreise aus Amerika. Ich verlasse mein Heimatland mit dem Wunsche, bem deutschen Volke bie Gefühle ber Zuneigung und der Frenndwilligkeit zu übermitteln, welche unsere Ration für das deut­sche Volk hegt. Ich hoste aufrichtig, daß ich dazu beitragen darf, die Bande, die unsere beiden Län­der verbinden, noch enger zu knüpfen. Ich

th. Berlin, 22. Januar.

Der AußeyministerDr. Eurtius hat gestern dem Reichspräsidenten von Hindenburg, und dem Reichskanzler einen ausführlichen Bericht über die Haager Konferenz erstattet, und im Laufe des heutigen Tages wird die Reichsregierung die Bera­tungen über den yonngplan und die sonstigen Haager Berhandlnngsergebnisse aufnehmen. Die Kabinetts­beratungen werde» vor allem der Ausarbeitung der Gesetzesvorlagen dienen, die znm Zwecke der Ratifi­zierung des Haager Protokolls in nächster Zeit dem Reichsrat und dem Reichstag vorgelegt werden sollen.

Aus Grund bei ersten Fühlungnahme zwischen der aus bem Hoog zurückgekehrten deutschen Delegation unb den maßgebenben politischen Stellen in Berlin kann man feststellen, daß unsere Delegierten

mit dem Ergebnis der zweiten Haager Konferenz im allgemeinen zufrieden

sind. Gerade angesichts der schweren Differenzen, die in den letzten Wochen zwischen der Reichsregierung und dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht "entstanden sind, ist es besonders bemerkenswert, daß man auch in

größeren Roggenmenge noch in dieser Woche anzu­nehmen. Jedoch haben sich beide Seiten bereits selbständige Exportrnatznahmen Vorbehalten.

In polnischen Lanhwirtschaftskreisen besteht die Neigung, die deutschen Vorschläge anzunehmen, da man bie polnische Exportorganisation nicht für stark genug hält, um den Konkurrenzkampf mit Deutsch­land aufzunehmen, während der polnische Getreide- Handel infolge ber Vorteile, die ihm gegenwärtig durch das System der Exportprämie zufallen, dem deutschen Angebot ablehnend gegenübersteht.

Grallöi reist nach Warschau

Warschau, 22. Januar.

Wie die Polnische Presse meldet, wirb bet ita lieniscke Auflenminisier G r o n b i nach Beendigung ber Londoner Seeabrüstungskonfetenz ber polnischen Regierung in Warschau einen auf zwei bis drei Tage berechneten amtlichen Besuch abstatten, in Er­widerung bis vor längerer Zeit erfolgten Besuches des Außenministers Z a l e s k i in Rom.

Dieser Besuch Grandis, bet von ber polnischen Presse schon für den vergangenen Sommer ange­kündigt wurde, kam bekanntlich im Vorjahr nicht zu. stände.

Em Roggenbrvlgesetz?

Berlin, 22. Januar.

Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, schweben in Rcgierungskreisen Erwägungen, den Roggenpteis durch Schaffung eines Roggenbrotge- setzes zu heben. Die Stützung des innerdeutschen Roggenmarttes ist nach wie vor eine der dringend­sten Aufgaben unb das umsomehr, da trotz der Zoll­erhöhungen der Roggenpteis erneut gefallen ist.

Bei den gegenwärtigen Erwägungen wird an eine Maßnahme gedacht, wie sie vor kurzem bereits in München durchgeführt worden ist. Der Geschmack ber Verbraucher an Roggenbrot soll baburch geföt- bert werben, baß man Vorsorge trieft, daß das Rog­genbrot anstelle des üblichen aus gemischten Mehl bestehenden Schwarzbrotes als reines Roggenbrot in den Handel gebracht wird, unb zwar bürfen die­sem Roggenbrot höchstens 5 Prozent von anderem Mehl beigemengt werden. Ein solches Roggenbrot wird durch eine Siegelntarke als Markenbrot gekennzeichnet sein. Eine Entscheidung über die ge­planten Maßnahmen ist noch nicht gefallen.

empfinde es, welches Vertrauen mir Präsident Hoo­ver erwies, als er mich damit betraute, als Dolmet­scher des tiefen Gefühls ber freundschaftlichen Zu­neigung zu wirken, das amerikanische Männer und Frauen dem deutschen Volk entgegenbringen.

Ich bin gewiß, daß ich während meines Aufent­haltes in Deutschland ein ununterbrochenes Wachsen des gegenseitigen Vertrauens erleben werde, welches unter ber gemeinsamen Fürsorge meiner verehrten Vorgänger und der hervorragenden Männer, bie als Botschafter Deutschlands in den Vereinigten Staate« bie Freundschaft unserer beiden Nationen auf breite­ster Grundlage aufbauten, bereits so schön erstarkt ist.

Regierungskreisen Wert darauf legt, im Einverständ­nis mit Dr. Schacht ein politisches Programm ver­fochten zu haben, welches durch die Wortekeine weitere Belastung und Verfälschung des Youngplanes!" gekennzeichnet ist. Man ist mit der Ueberzeugung aus dem Haag zurückgekehrt, daß diese gemeinsame Forderung in allen wesentlichen Stücken erfüllt worden ist, besonders da man sich im Haag in taktischer Hinsicht zu allermeist in der De­fensive befand. Ein Teil der zahlreichen gegneri­schen Wünsche, besonders soweit sie sich auf die Reichs­bahn und die Reichsbank bezogen, konnte schon in den Vorbesprechungen zurückgewiesen werden, und in dem Kampfe um das bekannte Programm der zwölf stritti­gen Punkte hat unsere Delegation durch die von ihr betriebene Verteidigungsmethode in den meiste,. Stücken den deutschen Interessenstandpunkt erfolgreich vertreten können.

Andererseits gibt man auch in ien Kreisen der Delegation offen zu, daß wir z. B.

in ber Frage der Zahlungstermine nachgegeben

haben, aber man betont, daß dadurch kein nennens­werter finanzieller Schaden entstanden.sei, weil ja, soweit die Zahlungen der Reichsbahn (also die unge­schützte Annuität) in Frage kommen, der Ultimoter­min vereinbart worden ist, während die Gelder des Reiches, die schon in ber Mitte des Monats entrichtet werden müssen, für gewöhnlich soweit überhaupt flüssige Mittel vorhanden sind zinslos bei der Reichsbank untergebracht werden. Ein nennens­werter Zinsverlust würde demnach durch die Mediozahlung nicht entstehen.

Es ist erinnerlich, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht vor der zweiten Haager Konferenz verlangt hatte, man müsse versuchen, die Ergebnisse der ersten Haager Konferenz und die inzwischen getroffenen diplomatischen Vereinbarungen (besonders auf dem Gebiete der Liquidationsverträge) wieder rück­gängig zu machen. Die Regierung und die De­legation waren sich darüber klar, daß ein solches Ver­fahren sofort zum Auffliegen der Konferenz geführt haben würde Auch der in einigen Blättern wiederholt erörterte Gedanke, daß man in den letzten Tagen der Haager Konferenz eine Vertagung hätte anstreben können, ist von der Delegation verworfen worden, und zwar vor allem, weil in diesem Stadium der Dinge eigentlich nur noch die Mobilisierungsfrage umstritten, alles andere aber erledigt war.

Der Sinn einer Vertagung wäre brnnit illu­sorisch geworden,

abgesehen davon, daß man in einem solchen Falle mit der Kündigung der mit Parker Gilbert verein­barten Uebergangskredite von 200 bis 300 Millionen Mark hätte rechnen müssen. In erster Linie aber war man bei der deutschen Delegation davon über­zeugt, daß aus außen- und innenpolitischen, sowie aus wirtschaftlichen Gründen eine weitere Hinaus­schiebung der endgültigen Entscheidung über den Poungplan nicht mehr angängig schien, und daß jetzt unbedingt der Zeitpunkt gekom­men war. in welchem man die Ve-antwortimg für ein klares Ja oder Nein übernehmen mußte.

Das Ergebnis der Sanktionsverhand­lungen sehen die Delegierten darin, daß es tm Haag gelungen ist, vom Boden des Versailler Ver­trages in der Sanktionssrage restlos ans den Boden des allgemeinen Völkerrechts hinüber zu gelangen. Die Verhandlungen über dieses Kapitel haben sich im Haag bekanntlich sehr schwierig gestaltet, beson­ders da man vorher der Auffassung war, daß im Falle der Zerreißung des Poungplanes durch irgend eine deutsche Regierung die Bestimmungen des Ver­sailler Vertrages automatisch wieder au denen wür­den. Aber selbst für diesen äußerten Fall ist jetzt die Einschaltung des Haager Schiedsgerichts erreicht wurden.

Auch französische Blätter haben anerkannt, baß bas Sanktionsrecht bcs Versailler Ver­trages nicht mehr existiert.

Die Einschaltung des Haager Gerichtshofes ist um so bedeutungsvoller, als ja auch das geltende Völ­kerrecht für den Fall von Konflikten wegen finanzi­eller Verschuldung gewisse militärische Zwangs­maßnahmen, wie Blockade oder ähnliche Dinge, noch vornebt.

Als ein selbstverständliches Ergebnis der zweiten Haager Konferenz mußte man es ansprechen, daß die Vereinbarungen, die auf der ersten Konferenz über die Räumung des Rheinland es getroffen tour«

polnischeAbrüstung"

(Eigene Drahtmeldung.)

Haager Bilanz

Von unserer Berliner Schriftleitung.