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2. Beilage
Freitag, 17. Januar 1W0
Das Streichholz-Orakel
Ein Opfer feines Aberglaubens. j
Berlin, 17. Januar.
Unter ganz außergewöhnlichen Umständen hat in einer der letzten Nächte der 18jährige Friseur Ernst Volckmann Selbstmord verübt. Polckmann, der in der Karlstratz? ein Herrenfriseurgeschäst betreibt, pflegte in einem Lokal des Karl-Platzes zu verkehren. Er hatte dort einen kleinen Kreis von Bekannten, mit denen zusammen er die Abende zu verbringen pflegte Vor einigen Tagen war Polckmann wieder mit sei, nen Freunden zusammen. Man hatte Karren gespielt und Volckmann hatte dabei einige Verluste, die abes nicht sehr hoch waren. Es wurde auch ziemlich viel getrunken, und die Anwesenden waren in sehr angeregter Stimmung. Gegen Mitternacht kam einer von den Gästen, mit denen Volckmann an einem Tisch saß, auf den Gedanken, mit Streichhölzern ein Spiel zu treiben. Ma» nahm drei Streichhölzer von verschie- dener Länge und ließ jeden der Anwesenden ein Holz ziehen. Die Verabredung ging dahin, daß
derjenige, der das kürzeste Streichholz ziehen werde, von den drei Spielern nm ersten sterben werde.
Außer Volckmann nahm keiner von den drei Anwa- senden die Verabredung für ernst. Volckmann zog tatsächlich das kürzeste Streichholz Er sagte zu seinen Bekannten: „Ich glaube, die Sache stimmt, bi« Streichhölzer werden recht bebalten!" Rach Mitternacht trennten sich die drei Bekannten und Volckmün» machte sich auf den Heimweg. Gegen Morgen wurde er mi* durchschnittenen Pulsadern und einer schweren Vergiftung aufgefunden und in die Charitee gebracht. Dort ist er bald nach seiner Einlieferung gestorben. Wie sich heraussteltte, hat Volckmann nach dem Spiel mit den Streichhölzern ein starkes Gift genommen und sich dann die Pulsadern durchschnitten.
Leere Kaffen.
Dresden, 17. Januar. In Meißen, das wegen sei. ner schlechten Finanzlage bekanntlich unter Staats- aufstcht gestellt werden mußte, brachen in der vergangenen Nacht Diebe in das Finanzamt ein. Sie öffneten mit Gewalt den Tresor, in dem sie nur 6.55 Mark vorfanden Die Diebe ließen das Geld zurück und stiegen durch das Fenster wieder aus dem Finanzamt hinaus.
Das Unglück auf der Hcinitzgrube.
Beuthen, 17. Januar. Nach energisch durchgeführ- ten Rettungsarbeiten ist es gelungen, einen der noch unter den Trümmern liegenden Arbeiter lebend und nur leicht verletzt, wenn auch infolge der Strapazen sehr entkräftet, zu bergen. Ein besonderes Lob per- dienen die Rettungsmannschaften, die eifrig und mit Ausdauer ihr schweres Werk vollführen. Von den zwei noch unter den Trümmern befindlichen Opfern nimmt man an, daß sie wahrscheinlich nur noch als Leichen zu bergen sein werden.
Oer Talisman des Ozeanfliegers
Paris, 16. Januar.
Jean Assolant ist ein junger französischer Flieger, der im Juni vergangenen Jahres in Neuyork ankam, um von dort aus den Flug übers „Große Wasser" zu wagen. Einige Tage vor dem Start lernte Assolant Miß Parier kennen und verUebie sich >o in > ß die beiden glaubten, eine Trennung nicht ertragen zu können. Da es aber um den Geldbeutel Assolants und um den Ruhm Frankreichs ging, und nachdem die Stunden der Liebe und der Vorbereitungen für das kühne Wagnis wie im Fluge vergangen waren, nachdem man sich bereits auf dem Flugplatz befand und der Propeller eben ein letztes Probelied an- stimmte, entschloß man sich, noch „geschwind" zu heiraten und damit den Segen der Ehe gleichsam als Talisman mit auf den Flug zu nehmen. Also geschah es, das Wagnis gelang, Madame Affolam folgte ihrem Gatten zu Schiff nach Frankreich.
Das Jahr war noch nicht zu Ende, als Frau As- solant in Begleitung ihres Rechtsanwalts vor dem Richter erschien.
Scheidung! Sie wohn« nun schon sechs Monat« in dem gleichen bescheidenen Hotel, gab sie an, ihr Mann „umgebe sie nicht mit dem nötigen Komfort, aus den sie ein Recht habe", mißhandle sie, nehme es mit der ehelichen Treue nicht sehr genau usw.
Fran Assolants Klage wurde stattgegeben, und in einigen Wochen wird man sich vor dem Richter Über die Frag« der Alimente unterhalten.
Bei seinem nächsten Wagnis wird der jung« Fran- zose ehelichen Segen wohl nicht mehr als Talisman mitnehmen.
Sine Spur von Eielfon?
Moskau, 17. Januar.
Einer Meldung zufolge, die die Regierungskom- Mission für di« Erforschung der Arktis von der Funkstation Pinkignej erhalten hat ist der seit vielen Wochen verschollene amerikanische Flieger Eielson nach Berichten, die von den Einwohnern der Halbinsel Tschrrktschen überbracht wurden, in der Nähe des Flusses Anguemitz, 200 Kilometer vom Nordkap nach längerem Fluge stromaufwärts gelandet. Ei« Schlitten, der von Svenson ausgesandt wurde, um Nachforschungen anzustellen, mußte infolge eines Schneesturmes umkehren, ohne sein Ziel erreicht z« Haden. Die Regierungskommission hat Maßnahme« getroffen, um die Richtigkeit der Meldung nachzuprüfen. Ei« Dampfer und zwei Sowjeislieger sind angewiesen. Nachforschungen anzustellen.
Rache einer Lehrerin
18 Schulkinder erkrankt.
Neuyork, 17. Januar.
Wegen Gistmordversuchs an den ihr anvertrauten SchuMndern wurde in Montvale in New Jersey die 27jahrige Lehrerin Pearl Topper verhaftet. Di« Lehrerin war in einen Streit mit der Köchin geraten und entlassen worden. Sie wird nun beschuldigt, den Kindern Arsenik ins Essen geian zu halben, um damit die Köchin in den Verdacht zu bringen, diese Tat begangen zu haben. 18 Kinder erkrankten lebensgefährlich und kennten nur durch schnelles ärztliches Eingreifen gerettet werden.
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Kasseler Neueste Nachrichten
Nr. 14
Zwanzigster Jahrgang
Kreuzer „Köln" das neueste Schiff der Iieichsmarine, wurde dieser Tage in Dienst gestellt
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Ein neues deutsches Großkraftwerk vollendet
ist durch die chinegeschaffen worden.
Ruhe im Innern des Landes, sisebc Zentralrcgieiung bereits
Merkwürdiger Diebstahl
Was der Verteidiger der Brüder Saß erzählt
Berlin, 17. Januar.
lieber einen eigenartigen Vorfall, den er mit der Saß-Affäre in Zusammenhang bringt, macht R.-A Müller-Stromeyer, der Verteidiger der Brüder Saß. dem Berliner Gerichtsdienst folgende Mitteilung:
Noch zwei Millionen Chinesen vor dem Hungertode
„DienStag nacht ist mir etwas Merkwürdiges passiert. Nack einer ausführlichen Besprechung mit den Brüdern Saß in meinem Büro fuhr ich mit meinem ZPagen zu einer Konferenz in die Friedrichstraße und anschließend in die Dorotheenstraße Meinen Wagen ließ' <ch hier im Lichtkreis einer Laterne parken. Als ich nach Haute fahren wollte, fand ich das Verdeck des Wagens durchgeschnitten. Ans dem Auto war meine Aktentasche mit wichtigen Akten und eine Decke geraubt, während andere nützliche Dinge im Wagen geblieben waren. Ich habe das Gefühl, daß der oder die Täter sich nicht an der Aktenmappe und an der Decke bereichern wollten, sondern daß es sich um „Wahrheitssucher" oder um „Belohnungsinteressenten" handelt, die in der dicken Aktenmappe meine Handakten in der Sache Saß vermuteten. In diesem Falle bitte ich den „ehrlichen" Finder, mir doch wenigstens meine Akten, die für mich von größter Bedeutung, für ihn aber ohne jedes Interesse sind wieder zuzustellen."
Die gestohlenen Akten sind dem Rechtsanwalt Müller-Stromeyer am folgenden Mittag wieder zugestellt worden. Ein junger Mann ließ sich im Büro des Rechtsanwalts melden und übergab ihm die Aktentasche mit Inhalt, die er angeblich an einem Zaun in Marienfelde gefunden hatte Die gestohlenen Mten betreffen nicht die Gebrüder Saß, sondern einen ganz anderen Fall, der mit dem der Gebrüder Saß nichts zu tun hat.
nm Grenzen, und ihren Bewohnern liegt an einer Ausfuhr nichts, da sich der wirlschattltche Verkehr innerbclb der Bezirksgrenzen regelt Nur Kunst- gegenstätide Keramiken. Holz- int» Glasmalereien und vor allen Dingen Seide werden den Hasenprovinzen für den Auslandse^port zuaesüyrt Tie Waren gehen von Provinz zu Vrovin; unc schieben sich nur sehr langsam bis in die Exvorlstädte vor Da es sich aber durchweg um Waren handelt, die nickt der Mode uniertvorien find, und da die Bezahlung meistens auf dem Tauschwege — also sofort — erfolg», ist kein Mensch an einer Beschleunigung der Transporte interessiert, uno infolgedessen ist es außerordentlich schwierig Bahnbtuten in China zu propagieren Solange cs keine Bahnen gibt besteht aber leider — wie ich schon sagte — leine Möglichkeit, katastrophal Hungersnöte schnell und wir- kungsvoll zu beseitigen.
Immerhin glauben wir doch, daß sich in Zukunft derartige Katastrophen verhtndorn lassen werden. Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierzu, die
Drei Opfer eines Autounglücks.
Glast, 17. Januar. Bei Bad Reinerz fuhr ein Personenauw infolge der Glätte gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Der Chauffeur und zwei der Mitfahrenden wurden getötet, zwei Personen schwer verletzt.
Auch die einzelnen BezirkSregierunaen der reicheren Provinzen legen wenig Wert auf die Erschließung des gesamten Reiches durch Eisenbahnen
Um die Gründe für dieses Verbatten zu verstehen muß man folgendes berücksichtigen: In China gibt es eine Goldwährung auf Silberbasis den Uen, der zwar im ganzen Lande gilt, aber vorwiegend in dem Bezirken im Osten bezw Sudosten des Landes, die sich kulturell europäischen Gewohnheiten nähern und über mehr Städte verfugen, als Zahlungsmittel zu finden ist. In den ländlichen Provinzen herrscht bis ans der. heutigen Tag noch der Dauschhandcl vor. Die reichen Bezirke besitzen nun genügend Tauschobjekte innerhalb ihrer eige-
Herr Legationsrat Liang Lang von der chinesischen Gesandtschaft in Vertin hatte die Freundlichkeit, einem unserer Mitarbeiter int Laufe eines Gesprächs die folgenden ergänzenden Angaben über die Ursachen der entsetzlichen Hungersnot zu machen.
Die chinesische Provinz Sheuzi, die zurzeit der Schauplatz einer furchtbaren Hungersnot ist, wirr haupt'äck'ich von Bauern bewöhm, di« neben Vieh- zuctu Weiz.'nbaii beteiben. Die Bevölkenug ist größtenteils sehr arm, uno die Bod-nerträgnisse sind schon in normalen Zeiten ziemlich spärlich. Wenn nun gar eine besonders harte Winterperiode eintritt. wie das der Fall gewesen ist kommt es leide, nur zu leicht zu einer Hungersnot, um so mehr, als es an Zufuhren aus anderen besser gestellten Bezirken gänzlich mangelt, weil es tti China fast keine Eisenbahnen gibt und die Entfernungen ungeheuei groß sind.
Diese Tatsache ist in doppelter Hinsicht bedauerlich, Denn sie »rklärt auch, warum es sich z. B. nicht lohnen würde, daß die Bewohner ihr Land intensiver als bisher bebauen Es gäbe ja doch infolge des Fehlens an Transportmitteln keine Absatzmöglichkeit für die Bodenschätze.
Nack dem Umsturz in China wurde das Reick in venckiedene Bezirke eingeteilt, die jeher für sich eine eigene Regierung haben. Luder srtd die Bewohner der einzelnen Bezirke und ebenso ihr« Regierungen nicht immer mit ihren Nackibarbezirken echti« Es kommt namentlich tm Norden und Westen bed Rtefenre'chcs nicht selten zu Reibereien, die oft genug in Tätlichkeiten ausarten und zu Ausständen und .Kleinkriegen fuhren Die Zentralregierung in Nanking hat es nicht immer leicht, zu vermitteln und muß fast ständig an irgend einer Ecke des Reiches Aufstände Niederdrücken. Daß diefe Zustände eUnfalls die Landwirtfehaft nicht gerade anregen, ist wohl verständlich
Im vorigen Sommer war die Ernte im ganzen Reich besonders schlecht Dis Futter wurde knapp, das Vieh ging ein, und zu allem Unglück folgte ein Vinter von solcher Str.'nge. wie man es in China lisher noch nie erlebt hatte. Der Hunger Wütete, bildeten sich Räuberbanden, die plündernd die Hungerbezirke durckzoien Die Bezirksregterung von Sheuzi wurde gestürzt nno flüchtete. Tie neue Bezirksregterung rebellierte zunächst gegen die Zen- ttalregierüng in Nanking, bis es dieser gelang, den Ausstand niederzuschlagen.
Selcher herrscht zwar wieder Ruhe in Shenzi und seinen Nachbarbezirken, aber eine entsetzliche Hungersnot regiert nach wie vor. uns es ist un- mökBich, tatkräftig zu helfen, solange es tn Chtna keine Eisenbahnen gibt.
Dte chinesische Zentralregieritng will Versuchen, solchen Katastrophen für die Zukunft vorzubeugen. Das Problem ist schwierig da man Eisenbahnen natürlich nicht über Nacht bauen kann. Abgesehen davon gibt es für den Bahnbau neben den technischem Schwierigkeiten aber auch noch andere Hindernisse, die überwunden werden müssen. Die reicheren Bezirke Chinas wollen für die ärmeren die Ko-, sten des Bahnbaus nicht bezahlen und die ärmeren können sich derartige Ausgaben unmöglich leisten .
Millionen gefunden...
.... und 50 Mark Belohnung.
Berlin, 17. Januar.
Ein Kassierer der Reichsschuldenverwaltung »er lor, wie Tempo berichtet, auf dem Wege zur Reichs bank in Berlin eine Reichsschatzanweisung übet 2 005 000 Rm.. die bald darauf von einem Arbeiter dem Hilfsmeister Rudolf Hennig, an der Ecke der Linden- und Schützenstraße gefunden wurde. Hennig lieferte die Schatzanweisung beim nächsten Polizeirevier ab und die Polizei benachrichtigte sofort die Direttion der Reichsschuldenverwaltung. Als der unglückliche Kassierer die Wabmehmung von seinem Verlust machte, war die Reichsschuldenverwaltung bereits informiert. Hennig, der tn einfachen Verhältnissen lebt, erwartete, daß ihm eine Belohnung von mindestens 1 Prozent luftebe; das würde in biefem Falle mehr als 20000 Mark ausmacken. Die Direk tion der Reichsschuldenverwaltung steht jedoch auf dem Standpunkt, daß eine Belohnung in dieser Höhe nicht in Frage komme, da die Schatzanweisung niemals hätte eingelöst werden können. Der Kassierer, der die Anweisung verloren hat, soll dem Finder 50 Mark angeboten haben.
Nach fünfjähriger Arbeitszeit ist nun das Pumpspeicherwerk Niederwartha an der Elb« fertig stellt worden. Es soll zur Ausspeicherung von Ueberfchutzenergien für die Großkrazwerforgung bitten und ist ein« der größten Anlagen feiner Art in Europa. Im Bild«: Kraschaus und Rohrenleitung des Talabschnitts des Pumpspeicherwerks.
Die Meldungen über den Hungertod von zwei Millionen Chinesen in der Provinz Chansi enthüllen nur einen Teil des furchtbaren Schicksals, das dieses Gebiet betroffen bat. Die gleiche Anzahl von Söhnen des Himmels scheint bis zum nächsten Juni zum Hungertode verurteilt zu fein, denn eine Rettung ist kaum möglich.
Es ist das Gebiet des Wei-Flusses, in dem sich diefe grausige Katastrophe vollzieht. Vor einem Jahr betrug die Bevölkerung noch sechs Millionen; von diesen sind zwei Millionen im vergangenen Jahr hauptsächlich durch Hunger gestorben, und auch jetzt noch sind zwei Millionen Menschen zuviel denen keine Lebensmöalichkeiten mehr bleiben werden Der furchtbar harte Winter hat mit der Mißernte zusammen gewirkt, um dieses Massensterben hervorzurufen. Eine ungeheure Teuerung herrscht, und die Nahrungsmittel sind, wenn sie überhaupt erhältlich sind, mehr als 10 mal so teuer als früher. Beamte, die zur Untersuchung der Verhältnisse hlngeschickt waren, fchikdern die entsetzlichsten Szenen.
In einer Grupve von 10 Pöttern fanden sie nur einen einzigen Raum mit einem Dach: alle übrigen Häuser waren abgedeckt worden, um das Holz zn Brennmaterial zu verwenden.
Eine Tonne Kohle kostet 220 bis 380 Mark, ist also für den größten Teil der Bevölkerung unerschwinglich. Im Tal des Wei-Flusses leben 300 000 Soldaten, die mit Gewalt diejenigen die noch Nahrung hatten, zwangen, sie ihnen herauszugeben. Doch selbst di« Ration der Soldaten ist auf % Pfund Korn herabgesetzt, kaum foviel. wie ein normaler Meirich zum Leben braucht. Die Beamten brachen eine kleine An- zahlt von Broten nach einem Dorf von 800 Men- fchen, die feit drei Monaten keinen Bissen Getreide- nahruna mehr gehabt haften. Der Anblick einer richtigen Speise, die sie so lange nicht gesehen hatten, verwandelte die vor Hunaer schon halbtoten Menschen in wilde Wölfe, die sich auf die Brote stürzten und von den Soldaten mit Peitschen vertrieben werden mufricn, um eine Verteilung zu ermöglichen Seit dem Jahre 1927 sind in dieser Gegend beständig Mißernten gewelen. Im Herbst vorigen Jahres wurden nur 15 Prozent der normalen Erträge geerntet Dazu fomntt die Kälte und die Plünderung durch die Soldaten. Die Beamten sehen keine Möglichkeit, genügende Mengen von Nahrungsmitteln in das Hungergebiet zu bringen; durch den Transport würde der Preis der Waren um das 10- fache verteuert werden, wenn überhaupt ein folcher Transport möglich wäre.
Es ist eine entsetzliche Ironie des Schicksals, daß diese heute so armseligen Landgebiete des Wei-Flusses in ein Paradies von Fruchtbarkeit verwandelt werden könnten, wenn die nötigen Mittel vorhanden waren, um einen Tunnel durch die Berge zu stechen.
Mit einem Kostenaufwand von einer Milliarde Ntark könnte man auf diese Weise die Fluten des Gelben Ses herüberleiten und 400 000 Hektar des Wei-
-Tales bewässern.