Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 12
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig
Mittwoch, 15. Januar 1930
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
20. Zahrga«,
Schwere Zusammenstöße in Worms
regelrechtes Feuergefecht zwischen Kommunisten und Polizei / Beteiligung der Reichsbank an der S.3.3, wird gesetzliche Pflicht
Lin Abgeordneter j als Aufwiegler
Worms, 15. Januar.
Trotz eines ausdrücklichen Polizeiverbotes, zogen •m Montag im Anschluß an eine kommunistische Versammlung mehrere hundert Erwerbslose durch die Straßen der Stadt. Aus dem Marktplatz kam es zu einem scharsen Zusammen st oh mit der Polizei. Dabei sielen auch einige Schüsse. Ein Demonstrant wurde durch einen Beinschuh schwer verletzt, während fünf Polizeibeamte nach den bisherigen Feststellungen durch Steinwürfe Verletzungen am Kopfe daoontrugen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Unter den Verhafteten befindet sich auch der kommunistische preußische Landtagsabgeordnete Mül. l e r - Frankfurt a. M., der die Demonstranten immer wieder zum bewaffneten Widerstand gegen die Polizei aufgewiegelt hatte.
Da die Unruhen auch am Dienstag «och anhielten, sah sich die Wormser Polizei genötigt, Berstärkun- ge» aus Darmstadt herbeizurusen. Es wurde festgestellt, das, die Demoustranten reich mit Waf- fen ausgerüstet waren. Als die Polizei versuchte, die Strahen zu säubern, wurde ein regelrechtes Feuergefecht gegen sie eröffnet, so dah die Polizei auch ihrerseits gezwungen war, mit Scharfschüsieu gegen die Kommunisten vorzugehen. Dabei wurde ein Demonstrant durch einen Kopsschuh getötet, während ein Polizeibeamter durch einen Beinschuh uichst unerheblich verletzt wurde. Erst in den späten Abendstunden trat Ruhe ein. Die aus Darmstadt zur
•J Verstärkung herbeigerufene Polizei bleibt bis aus
nrikm in 9Rnr:na
Der vereinigten Wormser und Darmstädter Polizei gelang es, in der letzten Nacht, nach heftigen Kämpfen, die Kommunisten in der Judengasse ein» zukesseln.
Der am Dienstag verhaftete kommunistische preu- hische Landtagsabgeordnete Müller wurde in der Nacht auf Mittwoch mit sechs weiteren Rädelsführer» gefesselt und unter starker polizeilicher Bewachung mit Krastwagen in das Landgerichtsgefängnis Mainz überführt.
SSlz kehrt nach Sentschlanb zurück
Kowno, 15. Januar.
Wie aus Moskau gemeldet wird, wird nach einem «rehrmonatlichen Urlaub in Rußland der Kommnni- stenführer Max Hölz wieder nach Deutschland zurückkehren.
Dar Programm berFkottenkonferenz
Ein arbeiterparteilicher Vorstoß.
London, 15. Januar.
Mit dem Eintreffen der amerikani- schenKommissionzur Londoner Seeabrüstungskonferenz in Plymouth ttrirb für morgen Donnerstag gerechnet.
Während des kommenden Wochenendes werden zwischen den amerikanischen Hauptdelegierten, dem französischen Ministerpräsidenten, dem italienischen Außenminister Grandi und wahrscheinlich dem japanischen Delegationsführer Wakatsuki Verhandlungen pattfinden, nachdem eine Fühlungnahme zwischen Amerikanern u Engländern vorangegangen ist.
Die Rednerliste der Konferenz, die am Dienstag kommender Woche um elf Uhr eröffnet werden wird, ist veröffentlicht worden. Nach der Begrüßuugs- ansprache durch de« englischen König wird zuerst Premierminister Macdonald das Wort ergreifen. Als zweiter Redner wird Staatssekretär S t i m s o n sprechen, dem dann der französische Ministerpräsident Tardieu und der italienische Außenminister Grandi, sowie der japanische Delegationsführer Wakatsuki und schließlich die Vertreter der einzelnen Dominions folgen werden.
* * *
London, 15. Januar. Sechsundsiebzig Mitglieder der Arbeiterpartei und ein liberaler Abgeordneter haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie eine weitgehende Herabset- 5ung der Rüstungen auf der kommenden Londoner Abrüstungskonferenz fordern. Die Abgeordneten verlangen in der Hauptsache die Abschaffung aller Schlachtschiffe und der Kreuzer von über zehntausend Tonnen.
Die Flaggeusrage in Bayern. Der Versasiungs- ausschuh des bayerischen Landtages befaßte sich gestern Nachmittag ,mit einem sozialdemokratischen Antrag, wonach die Regierung anordnen soll, daß bei Reichs- anläffen die Staatsgebäude auch in den Farben Schwarz-Rot-Gold beflaggt werden. Ministerpräsident Dr. Held erklärte, daß das Beflaggen der Zivil- und Staatsgebäude mit den bayerischen Farben einer Uebung entspreche, die seit der Gründung des Reiches üb^haupt bestehe. Die bayerische Regierung habe auch stets die Reichsfarben respektiert Nach der Ueberzeugung der bayerischen Regierung liege kein Anlatz vor, von der bisherigen Uebung abzugehen.
pomcatt als Rufer im Streik
Eigener Drahtbericht.
Paris, 15. Januar.
Der „Exzelsior" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten P o i n - e a r e über die Haager Konferenz.
Poinearö betont, daß aus den Verhandlungen
sehr beunruhigende Momente für die Zukunft
hervorgegangen seien, denn die deutschen Minister hätten häufig gesagt, daß der Doungplan früher oder später wenigstens korrigiert werden müsse, weil er die Zahlungsfähigkeit Deutschlands übersteige. Wenn es wirklich dazu kommen sollte, so betont Poincar«, so verliere nicht nur der Uoungplan gegenüber dem Da- wesplan seinen Wert, sondern Frankreich verliere auch die Garantien, die es durch den Aoungplan seinen eigenen Gläubigern hat geben wollen.
Solange der Etat in Deutschland nicht ausgeglichen sei, könne das Reich selbst bei dem besten Willen die Zahlungen nicht ausführen. Hierin liege der Kern der ganzen Angelegenheit. Wenn'Deutschland dem Rate Parker Gilberts nicht folge, würde auch das schönste Programm nichts nützen.
Alle diese Risiken geben den Sanktionen den besonderen Wert.
Im Haag vermehre die deutsche Abordnung noch die Zwischenfälle, die sich bereits bei den Beratungen in Paris ereignet hätten.
Die Abreise Briands nach Genf und die bevorstehende Londoner Konferenz würden hoffentlich
nicht dazu beitragen, übereilte Beschlüsse zu fassen, die für die Zukunft von unberechenbaren Folgen sein müßten.
Niemals sei restlose Einmütigkeit und Ueberlegung mehr am Platze als jetzt. Man müsse sich vor allem vor jeder zweideutigen Formulierung hüten, die oft dazu führe, angebliche Vereinbarungen zus»....nenzu- fassen, die in Wirklichkeit nur Meinungsverschieden
heiten darstellten und zu späteren Konflikten Anlaß geben.
Tardieu auf der Rückreise
Paris, 15., Januar.
Ministerpräsident Tardieu ist heute nacht 12 Uhr 15 programmäßig in Begleitung des Arbeitsministers Loucheur wieder nach dem Haag abgereist, wo er gegen Mittag ankommen wird. Auf dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung sämtliche Mitglieder der Regierung und zahlreiche offizielle Persönlichkeiten eingesunden. Das Publikum bereitete dem Ministerpräsidenten beim Absahre» des Zuges eine lange Ovation.
Laut -Bftttin" hat Tardieu in seinen gestrigen Besprechungen mit mehreren Parlamentariern und Pressevertretern immer wieder unterstrichen, daß man sich am Ende der langjährigen Verhandlungen im Haag befinde, und daß Frankreich keinerlei Konzessionen gemacht habe.
Paris, 15. Januar. In dem Ministerrat, der gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik und in Anwesenheit der beiden aus dem Haag zurückgekehrten Kabinettsmitglieder, des Ministerpräsidenten Tardieu und des Arbeitsministers L o u - ch e y r, stattfand, erstattete Ministerpräsident Tardieu Bericht über alle Verhandlungen, die er und seine Kollegen, Außenminister Briand, Finanzminister Cheron und Arbeitsminister Loucheur, seit dem 3. Januar im Haag geführt haben. Er betonte die unbedingte Einigkeit, die stets zwischen den Delegatio- nen der einladenden Gläubigermächte geherrscht habe, und fügte hinzu, daß die Beziehungen dieser Delegationen zur deutschen Delegation korrekt und gut gewesen seien. Die meisten Verhandlungen seien be- i.idet oder stünden unter günstigen Bedingungen vor ihrem Abschluß.
Verständigung mit Schacht
Eigener Drahtbericht.
Wir hatten bereits gestern in einem Teil unserer Auflage mitgetetlt, daß im Haag aussichtsreiche Ver- bandlungen zwischen Reichsfimmzmiuister Molde «haue r und Dr. Schacht zur Beilegung des bekannten Zwischenfalles eingeleitet waren. Die in dieser Meldung zum Ausdruck gebrachte Erwartung, daß sich iene Verständigung erzielen lassen werde, ist, wie aus der folgenden Meldung hervorgehl, in Erfüllung gegangen.
Am frühen Nachmittag gab die deutsche Delegation im Haag folgendes Kommunigue heraus: Die deutsche Delegation wird in der Sitzung am Mittwoch die erforderlichen Schritte tun, um die Beteiligung der Reichsbank an der Bank für internationalen Zahlungsausgleich und die Mitwirkung der Reichsbank bei den Aufgaben der B. I. Z. gesetzlich zu gewährleisten.
Der Reichsbankpräsident hat in einer Besprechung mit Richsfinanzminister Moldenhauer erklärt, sich selbswerständlich für diesen Fall den daraus sich ergebenden Verpflichtungen nicht zu entziehen. Damit ist die Mitwirkung der Reichsbank gesichert.
In einer sich anschließenden Besprechung des Reichsbaukpräsidenten mit sämtlichen vier deutschen Delegierten wurde die Nebereinstimmung auf vorstehender Grundlage festgestellt.
Teilung -er Kompetenzen
Heber das Ergebnis der gestrigen Verhandlungen zwischen Regierung, Delegation und Dr. Schacht gibt unsere Berliner Schriftleitung folgende aufschlußreiche Mitteilungen:
Durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen dem Reichskabinett in Berlin und den deutschen Delegierten int Haag, sowie durch geschickte und einsichtsvolle Komproinißverhandlungen des Finanzministers M o l d e n h a ü c r mit Dr. Schacht «st der schwere Konflikt beigeleat worden, der gestern durch die Weigerung Dr. Schachts entstanden war. die Reichsbank an der Bank für internationale Zahlungen zu beteiligen. Tas Ergebnis der schwierigen Einigungsbestrebungen läßt sich auf die Forme! bringen:
Nachdem Dr. Schacht den vollständigen Rückzug aus der Verantwortung durchgeführt hat, die er durch seine Mitarbeit am Aoungplan seinerzeit angenommen hatte, die er aber angesichts der Verschlechterung des Boungplanes nicht mehr tragen wollte, ist jetzt der Weg für eine neue Zusammenarbeit zwischen der Reichsregierung und dem Reichs bankprästdenten wieder gefunden worden, und dieser Weg wird auf der Basis der Teilung der Korn petenzen weiter durchgesührt werden. Dabei ist vor allem festzustellen, daß die Reichsregierung nicht daran denkt, den Versuch zu machen, an der Unab hängigkeit der Stellung des Reichsbaukpräsidenten zu rütteln. Alles was jetzt in gesetzgeberischer Beziehung z« geschehen hat, ist eine Benderung des Reichsbank- ftatuts in dem Sinne, daß die Beteiligung der
R e i ch s b a n k an der Bank für internationale Zahlungen zu einer gesetzlichen Pflicht erklärt worden ist.
Dr. Schacht wollte keineswegs freiwillig die Zu- stimmuiig zur Mitwirkung der Reichsbank an der Bank für interationale Zahlungen zugestehen, aber mau hat den Umweg gewählt, daß diese Mitwirkung durch gesetzlichen Zwang hevbeigesührt wird, und damit ist Dr. Schacht durchaus einverstanden, weil angesichts eines solchen gesetzlichen Zwanges, auch keinerlei Verantwortung für diese Maßnahme mehr aus ihn entfällt. Dieses schr komplizierte Verfahren stellt in einzelnen folgendes dar:
Man wird zunächst die Reichskreditgesellschaft und die Preußifche Staatsbank an der Gründung der Bank für internationale Zahlungen teilnehmen lassen, wobei der Betrag von rund 10g Millionen Mark, der aus Deutschland entfällt von dieser Bank einzuzahlen isi. Dieser Zustand wird jedoch nur so lange andauern, bis die gesetzliche Neuregelung über die Stellung der Reichsbank getroffen wird, die bereits heute im Haag bei dem Komitee für die Reparationszahlungen beantragt werden wird
Demgemäß wird entweder in das Schlußprotokoll des Boungplanes oder in das Organisations-Statut ■ter ReichsbaE die oben erwähnte Bestimmung von der pflichtmäßigen Beteiligung der Reichsbank an der Bank für internationale Zahlungen ausgenommen werden, und wenn diese Bestimmung durch das Parlament ratifiziert ist, dann wird die Reichsbank dementsprechend in die Bank für internationale Zahlungen eintreten Die Reichskreditgesellschaft und die Preußische Staatsbank werden wieder ausscheiden. und das wird dann mit einer gewissen Verzögerung und auf einem gewissen Umwege ge- chehen, alber mit der bedeutsamen Begleiterscheinung der moraldschen Entlastung des Reichsbankpräflden- ten Dr. Schacht. Damit wird ein Zustand erreich:, der im shoungplan vorgesehen, der aber angesichts der bisherigen Weigerung Dr. Schachts nicht auf geradem Wege zu ereichen war.
Finanzminister Moldenhauer hat, wie weiter verlautet, dem Vernehmen nach eine Kabinettsfrage auS der Aufrechterhaltung der völligen Unabhän- gigkeit des ReichS bankp rSsiden ten gemacht, und es ist festzuftellen, daß das Reichskabinett, einschließlich feiner sozialistischen Mitglieder, nicht daran denkt, an dieser Unabhängigkeit zu rütteln. Der „Vorwärts" setzt allerdings feinen Feldzug gegen Schacht fort und gibt erneut die Parole aus: „Fort mit Schacht!"
Konseronzschlllß am Sonnabend?
Haag, 15. Januar.
Die auf heute vormittag anberaumte Sitzung der sechs Mächte soll in erster Linie der Bereinigung der M o b t l i s i e r u n g s f r a g c bienen. Die Vorderer tung hierfür stellte die gestrige Besprechung Molden- hauer-CHSrou dar.
Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß die Konferenz am Sonnabend abend beendet sein wird.
Die Sanktionsformel soll bekanntlich heule veröffentlicht werden Es handelt sich dabei um einen für zen Notenaustausch., Rach deutscher Ueberzeugung ist die darin gefundene Lösung für uni durchaus tragbar.
Irrungen, Wirrungen
W. P. Das war ein Tag der Irrungen und Wirrungen, der Falschmeldungen uitb der Dementis. Dieser Tag nach dem Haager Zwischenfall, dessen Urheber der Reichsbankpräsident Dr. Schacht gewesen war. PesstmismuS, Hoffnungen, daß die Krisengefahr beschworen sei, neue Befürchtungen
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Reichsbankprästdent Dr. Schacht.
und dann wieder gedämpfter Optimismus. —, Der Zeiger auf dem Barometer, das die politischen Stimmungen registriert, machte Sprünge von einem Extrem ins andere. Selbstverständlich waren diese Erscheinungen in erster Linie auf die starke Nervosität zurückzuführen, die der Schachtsche Vorstoß in alle Lager, in das Lagere- der deu.scheu TsttSSÜR" nicht weniger als in die Kreise der Gläubigervertreter, hineingetragen hatte. Und alles war im Fluß; es wurde an drei Stellen zu gleicher Zeit ver- handelt: Im Haag, in Berlin imv in Paris. Auch das schuf Unsicherheit und erschwerte die richtige Beurteilung der Lage. Man kombinierte, und man ver kombinierte sich; man meldete, und man berichtigte sich . . .
Für Deutschland Waren dieser Montag und dieser Dienstag schwarze Tage. Schwarze Tage vor allem deshalb, weil unsere Kräfte nicht zur gemeinsamen Abwehr der Gläubiger-Forderungen eingesetzt waren, sondern miteinander in Kollision gerieten. Was gesündigt wurde, ist auch bamti nicht wieder gutgemacht, daß am gestrigen Nachmittage schließlich zwischen der deutschen Delegation, hinter der natürlich die Reichsregierung steht, und dem Retchslbankvrästdenten doch noch eine Verständigung erzielt wurde. Die Reichsbank wird sich an der Bank für internationale Zahlungen beteiligen; wie diese Beteiligung nunmehr gedacht ist, wird an anderer Stelle ausführlich geschildert. Das Verfahren ist kompliziert, aber es ist ohne Zweifel zu begrüßen, daß ein Kompromiß gesunden wurde. Denn schon letzt wurden beispielsweise von französischer Seite Bedenken gegen die geplante Notlösung vorgebracht. Aber die nachteiligen Folgen der ganzen Aktion sind durch die im letzten Augenblick zustandegekommene Einigung zwischen Delegation und Reichsbaukpräsidenten, wie nochmals betont werden muß nicht ausgeschaltet worden.
Zunächst bleibt abzuwarten, wie sich die Gläubigerstaaten mit den Bedingungen, unter denen Dr. schacht die Reichsbank an der B. I. Z. Mitarbeiten lassen will, abftnden werden. Wesentlicher aber noch ist die Tatsache, daß die Mission, die der Reichsbankpräsident im Kampf gegen die „Verfälschung des Aoungplaues" hätte erfüHen können, zumindest fürs erste zu Ende ist. Schacht mag weiter als Delegierter in dem Organisationskomite für die B. I. Z. sitzen, größere Aufgaben werden ihm auf dieser Konferenz kaum noch zufallen.
Obwohl es von weiten Kreisen stark bestritten wird, hätte unserer Ansicht nach der Reichsbankprä- sident als deutscher Vertreter, der von den politischen Instanzen unabhängig ist, der deutschen Sache auch jetzt noch im Haag nutzen können, wenn von ihm und der deutschen politischen Vertxetung nach dem Grundsatz „Getrennt marschieren und vereint schla- gen gehandelt worden wäre. Die Sorgen, mit denen die Presse der Gläubigerstaaten Schachts Ankunft im Haag entgegensah, und die Bemühungen Tardieus und Snowdens, die Verhandlungen noch vor dem Eintreffen des Reichsbaukpräsidenten zu beenden, bewiesen, daß Schacht bis vor kurzem drüben im anderen Lager als Gegner gefürchtet wurde. Heute tst den Gläubigern dieser Alpdruck von der Seele genommen; aus den Kommentaren der Pariser und Londoner Blätter spricht unverhohlene Freude, und triumphierend stellt man fest, daß Schachts Erscheinen im Haag kein „veni, vidi, viel", kein „Ich kam, ich sah, ich siegte", sondern ein „Ich kam, ich sah nicht und ich ward geschlagen" war.
Daß es so kam, ist sicherlich zu einem guten Teil auf das eigene Verschulden des Reichsbaukpräsidenten zurückzumbren Auch wer nicht zu den „Schachtgegnern aus Prinzip" gehört, konnte diese Haager Extratour des Reichsbaukpräsidenten nicht gutheißen und wird zugeben müssen, daß keine Regierung derartige Eingriffe in iffte Außenpolitik zulassen kann. Die Grund«, di« Schacht bei feinem Handeln bestimmten.