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WOCHENBEILAGE DER KASSELER N EU ESTEN 'tTÄc HRICHTEN / MITTWOCH, 8. JANUAR 1930 , --- jiiimiiiitt- - ax.'jimaniiwramrM ■nn«'i ™
(Es n?frd mehr geheiratet!
(Ein modernes Jrauenieben
Der Aufstieg einer Arbeiterin.
Ern modernes Frauenleden, das so recht bezeichnend ist für die resolute Dichtigkeit der grauen unserer Tage, erzählt die bekannte Schweizer Vorkämpferin der sozialen Bewegung Verena Conze« tn ihrem soeben bei Grellem u. (So. in Leipzig erschienenen Mich »Erlebtes uns Erstrebtes".
Dicise »Erinnerungen etner toepttätigen Frau" begrünen tn den ärmlichen Verhältnissen einer Züricher Familie, deren Vater erblindete und erst fpäter durch eine Operation vom grauen Star wieder geheilt wurde, nachdem unterdessen schwere Notjahre schon die zarten Kinder zur Arbeit gezwungen batten. Die kleine Verena kommt als blasses, schmächtiges zwölfjähriges Kind am Tage ihrer Schulentlassung in die Fabrik unv must mit an der Maschine bedienen, an einer so gefährlichen Stelle, daß sie stets der Möglichkeit eines Unfalls ausgesetz: tst. Sir Wird daher dort foctgenommen, bleibt erst arbeitslos und verdient sich dann ihr Brot als Kravatten-Nähertn Welche Seligkeit für die Kleine sino dir ersten 20 Rappen, mit denen sie sich Süßigkeiten kaufen kann! Wie stolz ist sie, als sie zu Weihnachten das erste Goldstück erhält! Sie möchte »höher hinaus", möchte Schneiderin oder noch lieber Modistin werden, und wirklich setzt sie es auch durch, tn ein Modegeschäst zu kommen, lernt etwas englisch und französisch und wird „Ladentochter", d. h. Verkäuferin Aus diesen Erlebnissen ihrer Kindheit gewinnt sie ein. starkes Gefühl für soziale Not, und so Hai sie volles Verständnis für die Bestrebungen des Mannes, dessen Frau sie wird, des Buchdruckers Conrad Cvnzett, der einer der tüchtigsten, reinsten Führer der Schweizer Arbeiterbewegung war. An den Sozialistenkämpfcn in Zürich nimmt sie teil, arbeitet sich mit ihrem Mann in glücklicher Ehe empor. Aber schwere Schicksalsschläge treffen sie. Ihr ältester Söhn wird geisteskrank; ihr Mann gerät in geschäftliche Schwierigkeiten und ertränkt sich schließlich Nun ist sie ganz aus sich selbst gestellt, mittellos mit ihren zwei Söhnen zurückgeblieben. Aber sie verzagt nicht, sondern macht in zwölfjähriger harter Arbeit aus der kleinen Druckerei ihres Mannes einen Musterbeirreb, der jetzt zu den größten berarttgen Unternehmungen in der Schweiz gehört.
Sie gründet eine Familienzeitschrift »In freien Stunden", die heut eins oer weitverbreitetsten Blätter ihrer Heimat ist; sie wirkt im Schweizerischen Arbeittrinnen-Vkrein und sonst für die Aufklärung der Arbeiterinnen und die Verbesserung ihres Loses; sie wirkt mit an der Errichtung des heule blühenden Mütter- und Säuglingsheimes »Der Jnselhof". Neues Unglück trifft sie; 'n der Grippezett von 1918 rasst ihr oer Tod innerhalb von fünf Tagen ihre beiden tüchtigen Söhne dahin. Doch sie .st ungebrochen und lebensfroh in ihrem Schaffen, und das Zaubermittel ihres Erfolges gibt sie selbst am Schluß mit den Worten an: „Das Geheimnis meines Erfolges besteht darin, daß es mir glückte, stets im richtigen Augenblick zuzugrcisen, mutig mir selbst zu vertrauen und trotz Schicksalsschlägen und Hindernissen unentwegt auf oas selbst gesteckte Ziel hinzustcuern."
ßumor
Schöpfungsgeschichte.
„Wie hieß der erste Mensch?" fragt der Lehrer in der Schule.
Der ausgerufene Knirps besinnt sich und meint: „Karl der Große."
„Aber, mein Lieber, besinne dich! Der erste Mensch hieß doch Adam!"
„Gott ja," entschuldigt sich der Kleine, , wenn man die Ausländer mitrechnet." „Lustige Blätter".
Die Ahnungslosen.
„Welches sind die drei am meisten gebrauchten Worte in der Schule?"
„Ich weiß nicht!"
„Stimmt! Du hast richtig geraten!"
Tischgespräch.
Ben Jonson, der englische Dichter, war kein ganz seiner Mann. Einmal, bei Ladv Windermere, schob er feinen Teller zurück und meinte, das sei doch eigentlich ein rechtes Schweinefutter. Lady Windermere entgegnete: „Dann darf ich Ihnen wohl noch eine Portion anbieten?"
Seitdem grüßten sich die beiden nicht mehr.
Unter Freundinnen.
„Ich komme grade vom Schönheitssalon." „So? Der war wohl geschlossen?"
Wie werde ich schlank?
„Wegen der Gans, die Sie mir heute Morgen geschickt, möchte ich mich einmal nach etwas erkundigen ' fragt die beleibte Dame den Händler. „Sagen Sie mal, was haben Sie der eigentlich zu fressen gegeben, ich möchte ebenso schlank werden."
Die Schwierigketten unseres Wirtschasts- und Gesellschaftslebens, die große Wohnungsnot und die Lockerung der Familienbande, bte sich in so manchen Erscheinungen bemerkbar machen, bieten eigentlich genug Gründe dafür, .daß viele vom Heiraten abgeschreckt würden. Aber die Welt richtet sich nun einmal nicht nach Gründen, und so wird denn von den Statistikern festgestellt, daß heutzutage erheblich mehr' Eheschließungen stattfinden als vor dem Krieg«.
Die Zahl der Eheschließungen, die unmittelbar nach dem Kriege so rasch anftieg uns dann ebenso jäh sank, befindet sich seit 1924 wieder in ständiger Zunahme; sie ist von 440 000 im Jahre 1924 aus 857 000 oder 9,2 pro 1000 der Bevölkerung angewachsen und umfaßte 1928 125 000 Heiraten mehr als 1913 aus dem gleichen Reichsgebiet Diese Zunahme findet zu einem Teil eine recht nüchterne Erklärung tn der größeren Anzahl heiratsfähiger Männer nach dem Kriege Da es infolge der Kriegsopfer weniger Kinder gibt und unter den Erwachsenen nach dem Kriege die Sterblichkeit abgenommen hat, so sind gegenwärtig mehr Männer im heiratsfähigen Alter vorhanden als früher
Erst nach 1935, wenn die schwach besetzte Kriegsund Nachkriegsgeneration in die Reihen der Hei- ratenden einrückt, wird ein starker Absturz der Eheschließungen erfolgen.
Aber daraus allein erklärt sich die Zunahme der Heiraten nicht. Von den 2,3 Millionen verheirateter Manner, die es 1925 mehr gab als 1910, können nur 1850 000 aus den Veränderungen des Altersaufbaus erttärt werden. Die übrigen 460 000 Ehen, die nach dem Kriege mehr geschlossen wurden als vor dem Kriege, müssen aus einer gestiegenen Heiratsfreudigkeit erklärt werden. Viele Männer können heute aus äußeren Gründen srüher heiraten. So ermöglicht der Fortfall der allgemeinen Wehrpflicht den jungen Männern unter 22 Jahren das Heiraten, und sie machen davon in großem Umfange Gebrauch. Die Zahl der Frühehen unter 22 Jahren war 1927 mit 34 000
Polygamie, Vielehe — 'das ist nach weitverbreiteter Vorstellung die Ehe aus dem schwarzen Erdteil. Dtese Auffaffnng ist trotz ihres Alters und ihrer Verbreitung schon darum nicht rnögltch, weil das Verhältnis der Geschlechter zahlenmäßig das gleiche war, seit es überhaupt menschliche Erinnerung gibt. Vielweiberei ist als durchgehende allgemeine Sitte in keinem Volk der Erde jemals möglich gewesen, weil man die nötige Zahl Frauen nirgends gefunden habett würde. Für Afrika be» baupten namhafte Sachkenner, daß die Einehe die »liest« Form der Ehe gewesen ist. Die erste Abweichung davon werde in die altafrikanische Sitte gekommem fein in Fällen der Kinderlosigkeit der ersten Frau. Da eine zweite Frau zu nehmen, habe in manchen Fallen dem Manne die elfte kinderlose Frau direkt nahegelegt Abgesehen von diesen Fällen der Vielehe, die in den Augen des Afrikaners keine ist, steht die Vreleh« im Zusammenhang mit dem Erwerbsleben, dem Hackbau und der Viehzucht, sagt der Berliner Asrikasorscher Professor D. Meinhof. Die Vielweiberei ser durch den größeren Besitz und die Häuptlingsschaft hervorgerusen. Einige bevorzugte Männer bekämen mehrere Frauen und andere Männer gar keine. Das Volk im ganzen habe schon aus wirtschaftlichen Gründen dem Rechte aus mehrere Frauen keinen Gebrauch machen können.
Wo trotzdem die Vielweiberei stärker auf« tritt, teilweise unter dem Einfluß des Islam, Haven sich eigenartige Zustände, z. B. in Ostafrika unter den Kondenegern herausgebildet. Nur der vermögende Konoe vermag sich drei, vier oder fünf Frauen zu erwerben. In der Regel sind aber nut Männer von mittleren oder älteren Jahren reich genug dazu. Regelmäßig erwerben solche älteren Männer junge Mädchen. Namentlich ganz alte Staube kaufen ganz junge Mädchen, sagte Ludwig Weichert in seinem ausgezeichneten Buch »Erlauschtes und Erschautes aus Süvwest-, Süd- und Oft« afrtka". Den jungen Männern bleiben oft nur ältere und alte Frauen, sagt er, vielfach Witwen und geschiedene Frauen . . Beides ist so unnatürlich tote möglich und führt direkt zum Ehebruch. Es kommt vor, daß junge Männer, um sich rechtzeitig eine runfle Fran zu sichern, daS Mädchen schon als Kind von den Eltern taufen.
DaS merkwürdigste ist, daß in den Ehen mit Vielweiberei die Kinderlosigkeit zunimmt. Eine Statisttk der Landschaft Usambiro in Ostafrika zeigte, daß in solchen Ehen bie Hälfte der Frauen kinderlos blieben.
Das Wort vom Kauf der Frauen bedarf
etwa doppelt so hoch wie vor dem Kriege. Doch nicht nur die Jugend drängt sich ins Ehejoch, sondern
auch die älteren Junggesellen geben Überraschend häufig ihre Elftfeindlichkeit auf.
Die Tatsache, daß so manche Kriegenvitwe mit gut eingerichteter Wohnung auch den eingefleischtesten Junggesellen, der in möbliertem Zimmer Hausen muß, zu einem Antrag verlocken kann, genügt allein zur Erklärung dieser Tatsache nicht, sondern es sprechen wohl auch bie seelischen Erlebnisse der Nachkriegszeit mit, die so manchen Junggesellen davon überzeugt haben, daß es nicht gut ist, allein zu sein. Aber von den Männern zwischen 22 und 40 Jahren waren nach der Volkszählung 1925 mehr verheiratet, als nach den Vorkriegsverhältniflen zu erwarten war. Neuerdings aber zeigt die Heiratsztffer bei den 23- bis 28jährigen Männern wieder eine deutliche Abnahme, Wohl ein Beweis dafür, daß die junge Generation wieder mit mehr Ueberlegung heiratet.
Die Heiratsfreudigkeit ist aber hauptsächlich auf bie mittleren und unteren Gesellschastsschichten beschränkt,
während in den oberen Schichten den Heiraten augenscheinlich größere Hemmnisse entgegenstehen. Die Statistik zeigt einen sehr bemerkenswerten Gegensatz zwischen den Selbständigen und den Abhängigen. Die Selbständigen heiraten später, die Beamten, An- §estellten und Arbeiter srüher, als vor dem Kriege der iall war. Bis zum 25. Lebensjahr ist bie Zahl be« rer, bie unter ben Selbstänbigen heiraten, geringer als vor dem Kriege, unb auch bei den 25—30jährigen ist ein Hinaufrücken des Heiratsalters sestzustellen. Di« in abhängiger Stellung befindlichen Erwerbstätigen wetsen, mit Ausnahme der in der landw.irtschaft tätigen Angestellten, eine durchgehende Senkung des Heiratsalters auf. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den im Handel und Verkehr beschäftigten Arbeitern; überhaupt ist bie Heiratslust unter ben Arbeitern am größten.
einer gewissen Einschränkung. Es ist schon richttg, daß in Afrika nur bet eine Frau bekommt, der irgendwie Geld oder Gelveswert hat, er mutz die Frau ja kaufen. Nur daß.bie altüberlieferte Sitte ben Kauf in Formen lletbet, bie ihn äußerlich zum guten Teil verdecken. Vielehe tote Einehe sind an uralte feste Sitten gdbunben, bw man geradezu als ein Ehetecht der schwarzen Völker ansehen kann.
Der Mann kann nicht kommen: Ich will eure Tochter kaufen, sie soll meine Frau fein. Bei Dem Konbe ist bie Form diese: der Freier bittet vurch einen Brautwerber bie Elften um die Erlaubnis, in ihre Sippe eintreten und mit feiner Arbeitskraft unb mit seinen Geschenken um das Mädchen werben zu dürfen. Es gehört übrigens ein langes Zeremoniell dazu, das sorgfältig eingehalten wird.
Tie Verlobung geht auch nicht ohne das Mädchen selbst, dem vielmehr durchaus auch ein glattes Nein zusteht In Fällen, wo das Rädchen als Kind verlobt würbe, hat ein solches Nein zur Folge, baß bann bie Geschenke bem Bräutigam zurückgegeben werden müssen. Da bas oft nicht mehr möglich ist, nehmen diese Verlöbutsse oft ein Ende mit Leib.
Ist her Verlobte reich, so kann er die Verpflichtung zur Felbarbeit auf bem Lande seines Schwiegervaters mit Geld ablösen, sonst muß er die vereinbarte Zeit hindurch schweren Dienst leisten, so tote Jakob in der Erzvätergeschichte um Lea und bann um Rahel dienen muß
So stellen tatsächlich die Mädchen einen Geldwert bar. Deshalb werden sie in ihrer Kindheit von bem Eltern oft besser ernährt als bie Buben und früh mit Putz behangen. Es ist klar, baß der Mann die Frau, für bie er fo schwer hat arbeiten müssen, in Wirklichkeit viel höher wertet. Behandelt er sie offenkundig sehr schlecht, bann kann sie in ihre Sippe zurückkehren unb bie Morgengabe bes Mannes ist verfallen Verläßt aber sie ihn böswillige so muß ihm diese Morgengabe rückerstattet Werben, der Frau aber werden von ihrer Sippe btc Ohren abgeschnitten.
In ber Ehe herrscht Gütertailung. Die Früchte werden geteilt. Das Geflügel gehört der Frau, das Vieh bem Manne. Bekommt die Frau von ihrem Vater ober ihrem Manne eine Kuh geschenkt, so kann die Milch nicht ohne ihre Zustimmung verwandt werben Die Hausmöbel gehören der Frau. Mann und Frau äffen getrennt; darum gehört dem Manne bet Tisch, von bem er ißt. Ehebruch wurde früher mit bem Tode des Ehebrechers bestraft; die beteiligte Frau verlor zum minbeften die Ohren. Unter der Herrschaft der
Europäer darf das heute nicht mehr fein, aber insgeheim geschieht doch noch oft genug die alte Sühnung. Unter dem Vordringen der europäischen Kultur, vollends unter der allzu raschen ^udustnatt- fierung mancher afrikanischen Gebiete ist in Afrika die alte Ehe- und Familiensitte unb beit Volksbe- ftanb der Eingeborenen gefährdet In die großen Städte Kapstadt und Johannisburg im Süden, Tsumb im Südwesten, Daressalam unb Nairobi im Osten, aber auch an bie Goldküste unb bie Küste von Kamerun wie in alle Häsen drängen die schwarzen' Menschen sich in dichten Massen ins modernste Erwerbsleben. Sie schlüpfen äußerlich in die europäischen Shilturformen, in Wirklichkeit verlieren sie ohne irgendwelchen inneren Gewinn ihre alte Sitte unb damit auch jeden inneren Hall. In dieser Berührung mit einem selbstischen, vielfach seelenlosen Euroväertum, bem der Diammon das höchste ist, entsteht unter den Eingeborenen erst btc moderne Vielweiberei unb 8rauenlauf auf Zeit, jener Ehebruch ohne Strafe unb ohne Ende, am widerlichsten in den Slums, ben Arbeitskolonien um die Großstadt Johannisburg. In diesen Sümpfen des überhastet industrialisierten Afrikas versinkt sein altes Familien- unb Stammesieben und Todeskeime steigen auf, sich langsam, aber sicher über ben ganzen ungeheuren Erdteil zu verbreiten.
Ludwig Weicherts Astikabuch mit bem was es aus dem afrikanischen Ehkleben Geschautes in lebenswahren Skizzen unb Silbern bringt, wirkt auf den Besinnlichen tote etn Spiegel des Ehelebens moderner Treibhauskultur überhempt. rt
Jrau und (Ehe
Von
Bell
Größer als je ist heute für uns Frauen bie Not- . wendigkeit, von neuem zu einer eigenen Wesensform ju gelangen, bie sich der heutigen Entwicklung anpaßt, und wir sehen ja auch, in was für einem suchenden ; Zustand sich in dieser Hinsicht unsere Iungmädchenwelt und viele Frauen befinden. Es scheint gerade bei bet Anarchie heutiger Zustande Sinn und Ausgabe vor . allem der Ehe, diese gemeinsame Höherentwicklung neu zu gestalten. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ' kann allein bie Ehe uns Frauen bie Vollendung des Lebens gewähren, weil sie nur jene Stätte innigen und dauernden Wachsens zu bereiten vermag, die als Nährboden zu wesentlicher Entfaltung unerläßlich ist. ,
Als Frau hat es mich immer erschüttert, im Zusammenhang mit diesen Fragen von den furchtbaren Kinderausbeutungen zu hören. Und nie werde ich die Eindrücke vergessen, die ich sowohl in England wie im Erzgebirge auf den Friedhöfen empfing, da ich als noch junger Mensch entsetzt vor zahllosen Reihen kleiner Hügel stand, als ob es in diesen Gegenden erwachsene Tote gar nicht gäbe.
Die Frauen sind infolge des Frauenüberschusses und der modernen Jndustrieentwicklung den wirtschaftlichen Notwendigkeiten unterlegen. Sie haben aus diesem harten Wege Leid und Not unb bie Unerfülltheit ihres Frauentums getragen unb aus bet Idee allein lebendiges Leben gestaltet. Sie haben sich später eine geistige Mütterlichkeit geformt, weil ihnen die körperliche versagt bleiben mußte, ober sie ihre Kinder zu-? gründe gehen sahen. In jenen Zeiten ist auch die Ueberroinbung der rein physischen Mutterschaft als eines alleinigen Wertmaßstabes für bie Frau erfolgt, weil man sah, daß die Frau in unendlich vielen Fällen diese Macht dem Manne gegenüber immer wieder dazu benutzte, um ihn zu demütigen oder zu beherrschen. Und jener neue Frauentyp lehnte sich mit Recht dagegen auf, daß der Wert der Frau vor allem von dieser Funktionsleistung im Körperlichen bestimmbar sei und daß der Frau keine anderen Entfaltungsmittel zur Persönlichkeit möglich fein sollten. Man empfand dabei, daß „Mutterschaft an sich" ein abgegriffenes Wort geworden ist, das zudem oft in unwahrem, sentimentalem Gefühlsüberschwang auch von Männern gegen Frauen ausgespielt wurde, um sie von der Konkurrenz fernzuhalten.
Doch bleibt es die große Sehnsucht von uns Frauen; Mit dem Manne schreiten zu können und nicht gegen ihn. . . Darum dürfen wir wenn wir die Gleichberechtigung der Geschlechter erstreben, uns nicht allein im Kinde ausleben wollen. Ist es doch gar zu leicht so, daß Eltern ihre eigenen unerfüllten Wünsche als eine Schablone dem Kinde als Wesensform auferlegen, weil sie sich im Kinde spiegeln und über die persönlichen Grenzen hinaus sich in ihm erfüllt sehen wollen.
Erziehung kann heute nut da gedeihen, wo Eltern und besonders die Frauen als berufene Erzieherinnen der Heranwachsenden Jugend die Eestaltsorm des Kindes entfalten wollen unter Entwicklung des notwendigen Gemeinschaftsgefühles. In der Mutier erlebt das Kind seinen ersten Mitmenschen. Je stärker die innere geistige Freiheit der Mutter ist, um so echter wird auch im Kinde der soziale Mensch sich entfalten können, den wir auf der ganzen Linie brauchen. Damit aber Frauen derart als Mütter und Erzieherinnen wirken können, muß der Mann sie in ihrer neuen Wesensart verstehen und gewähren lassen. Denn alle tiefere Entwicklung ist eng verbunden mit dem Wissen und dem in die Tatumsetzen einer größeren gegenseitigen Freiheit, der allerdings eine ebenso große Verantwortlichkeit des sittlichen Menschen entspricht.
^Afrikanische (Ehen
Dielehe und (Einehe / Jrauenhauf und «Jrauenrecht / (Ehenot und Dolhsnot der (Eingeborenen unter dem (Einfluß der modernen Rultut der alrihanischen (Brofestad
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