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20. Zahrgan«

Mittwoch, S. Januar 1930

Nummer 6

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Oie Vermählungsfeierlichkeiten in

Sie Trauung des italienischen Kronprinzen nnd der belgischen Königstochter / Sie Sowjets verhaften einen deutschen Firmenvertreter

(Eigener Drahtbericht.)

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pariser Indiskretionen

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Zeutsch-russischer Zwischenfall

(Eigene Drahtmeldung.)

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Paris, 8. Januar.

Der Sonderberichterstatter der Havasagentur im Haag meldet, daß der gestern im Haag eigetrosfene Generalagent für die Reparationszahlungen Parker Gilbert abends eine Unterredung mit Minister­präsidenten Tardien in Anwesenheit des Finanz­ministers CHeron hatte.

nanzminister Moldenhauer mit den Finanzministern der übrigen Mächte in schwierigen sachlichen Ausein­andersetzungen das Feld zu behaupten wußte, wäh­rend der Reichsautzenminister Dr. Curtius u. a. Gelegenheit nahm, gegenüber den verschiedenen neuen Anforderungen, die z. T. die Grenzen des Youngplanes überschreiten, nachdrücklich auf die deut­schen Anstrengungen hinzuweifen, die schon während der ersten Haager Konferenz zur Erzielung eines Einvernehmens gemacht worden sind und die Gren- zen des deutschen Entgegenkommens eindeutig kenn­zeichnen.

ff Kanada lehnt die Aufnahme

der Rußland-Flüchtlinge vorläufig ab.

Ottawa, 8. Januar.

Bisher ist den Mennoniten keine Einreiseerlaub­nis für Kanada erteilt worden und dürfte auch in nächster Zeit nicht erteilt werden. Bei Besserung der Beschäftigungsverhältnissc im Frühjahr würde sich vielleicht die Einreiseerlaubnis ermöglichen lassen.

KeLwaSsebübr. I» Köllen t»m höherer Gewalt Setteht ketnSnsorKch «nf gietennta der Seiten« oder <afi Rückr-chlirn« deS Beznssoreiies. Verlag. SdmftleituM ew6 Druckerei: Solusiche S Waste M.- Televhou: Semnuelnnnrmer 6808. Juri Ehe Sprech Lunde jeden Dienstag von 5 MS 7 llbr. Lölnklche Strastr Nr. 10.

Iorsviel zur Flottenkonferenz

Eine Kundgebung Hoovers.

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Ä nun tafle Sette « 4. DffcrieeH6r » 4 (ta SnfteHeee 85 4V. Mr te» Erscheinen von «Meiern i» besiinrMte» S-Sgaben. <s besonderen VLde» nnd tiir teieohontsch, ernttte^ .Auftrage kerne Gewahr. Rech. nnnasbetrSae tenerhaS emi 5 Tagen rnblb«. Gerichtsstand Kassel. Vosischeckkonto Srankfnrt e. M. 6380

Prinzessin Mafalda von Hessen, der sich seit Jahrhunderten im Besitze des Hauses Hessen befindet. Der König, die Prinzen und die übri­gen männlichen Teilnehmer der Hochzeit waren in Uniform oder Frack mit Ordensbändern erschienen. Um 13 Uhr findet das Hochzeitsessen im Quirinal statt.

Sie pnmksäle reichen nicht aus

Rom, 8. Januar.

Am gestrigen Hofempfang im Quirinal hat eine so große Anzahl von Gästen teilgenommen, datz in den Zugängen der Säle ein nicht ungefährliches Gedränge entstand. Man berechnet, daß über 6000 geladene Gäste erschienen sind, so daß die Prunksäle des Qui- rinalS die Menge nicht fassen, konnten. >

Die Zufahrtstraßen zum Königspalast waren mit einem so gewaltigen Verkehr belegt, datz trotz aller Maßnahmen Störungen entstanden, durch die in der Nähe des Königspalastes der gesamte Verkehr stillgelegt wurde. Die meisten Gaste in ihren Abendtoiletten mußten weit vom Palast ihre Wagen verlassen.

Die Säle boten einen phantastischen Anblick. MS die königliche Familie und der Prinz mit seiner Braut erschien, hatte man alle Mühe, einen Gang durch die Menge frei zu machen. Die Regierung war durch Außenminister Grandi vertreten.

Die erste Lesung im Haag beendet.

Haag, 8. Januar.

Die gestrigen Verhandlungen der sechs Machte schloffen die erste Lesung über die Vor- schlöge zur Ausfüllung der offenen Punkte aus dem Aoungplan und die darüber hinausgehenden L ir- schlage der Gegenseite ab. Donnerstag um 11 Uhr gehen die Verhandlungen weiter. Für heute ist eine Verhandlungspause für dieses Komitee ein­gelegt, währenddessen die deutsche Delegation die Ver- handlungsergebniffe überprüfen und eigene Vorschläge und Forderungen sür die zweite Lesung vvrbereite» wird.

Die Gegenseite hat in der Frage des negati­ven Pfandrechts ihren Wunsch, dieses Recht ir­gendwie zu aktivieren, gestern nach Kampf fallen ge­lassen, selbst aber den Wunsch vorgebracht, datz die

Zahlungen der Reichsbahn (660 Millionen Mark jährlich) in irgendeiner Form besonders zur Ver­fügung gehalten

werden sollen. Auch dieser Wunsch ist deutscherseits als über den Aoungplan hinausgehend abgelehnt worden. In der zweiten Lesung wird deshalb ein neuer Vorschlag der Gegenseite vorgelegt werden.

Einen weiteren Verhandlungsgegenstand bildere die Anpassung des

deutsch-amerikanischen Sonderabkommens an den Aoungplan; hier hat die deutsche Delegation eine sinngemäße und selbstverständliche Erklärung ab­gegeben, die sür den Fall des Moratoriums die Gleichstellung der Gläubiger aus dem einen oder anderen Abkommen sichert und von den Juristen für das Schlußprotokoll nunmehr formuliert wird.

Ein weiterer Verhandlungspunkt war die Frage des Betriebsrechts der Reichsbahn, das nach dem bisherigen Reichsbahngesetz 1964 endet, während die Zahlungen der Reichsbahn erst 1966 ab­laufen. Die Differenz von 15 Monaten soll ohne eine Verlängerung des Betriebsrechts dadurch überbrück: werden, daß an die Stelle der Bahn eventuell das rechtsnachfolgende reichseigene Unternehmen diese 660 Millionen jährlich aufzubringen haben wird. Keine Einigung wurde in der Frage der Kompe­tenzen des Reichsbahnschiedsgerichls und einer Reihe von anderen Fragen betr. die Reichsbahn erzielt. Die diesbezüglichen Interpretationen wurden an das Organisationskomitee für die Reichsbahn zu­rückverwiesen, das jedoch nicht in seiner Gesamtheit besonders einberufen, sondern durch die hier bereits anwesenden Mitglieder vertreten wird, die für Don­nerstag einen Bericht in diesen technischen Fragen vorbereiten.

Die Anpassung der verschiedenen Liquida­ti o n s a b k o m m e n an die allgemeine Regelung der Vergangenheit ist noch offen gehalten worden, weil verschiedene der betreffenden Verträge noch nicht abgeschlossen worden sind. Die Vereinbarun gen über die

deutsche Einlage bei der B. I. Z.

in Höhe von 100 Millionen Rm. im Höchstfälle und die Anpaffung dieser Bestimmung an das Trust- Agreemen: würde bis zur gemeinsamen Behandlung mit den Fragen der B. I. Z.. die Ende der Woche vorkommen sollen, aufgeschoben.

In zwei Fragen von minderer Wichtigkeit ist also vorläufig Einigung erzielt, andere sind zum Teil ans organisatorischen Gründen, zum Teil wegen sachli­cher Differenzen noch nicht geregelt. Der Kamps war t sachlich scharf, wobei besonders der Reichsfi­

Berlin, 8. Januar.

Nach hier eingetroffetten Meldungen ist der Be­vollmächtigte des deutschen Konsortiums für den transperfischen Bahnbau, der Sowjetbürger Julius Hessen, am 3. Januar durch die G. P. U. verhaftet worden.

In dem Konsortium, das Hessen fein etwa zwei Jahren in Moskau vertrat, ist eine Anzahl erster dentfcher Firmen zufammengefaßt, die gegenwärtig an der Nordstrecke der Transpersien-Bahn arbeiten. Diefes Konsortium hat einen Vertrag mit der Sow- jetregierunfl abgeschlossen über die Durchfuhr beut- scher Materialien für den Bahnbau, wobei die ntffifdje Regierung eine Option auf diejenigen Ma­terialen hat, die sie felbft liefern zu können glaubt.

Bei Hessen konzentrierte sich die Abwicklung dieses Vertrages auf der deutschen Seite, soweit es sich um Rußland handelte.

Keine Einreiseerlaubnis

Sngenörrgs Reichsausschuß lagt!

th. Berlin, 8. Januar.

Das Präsidium des Reichsausschusses für das Volksbegehren u. den Volksentscheid trat am Diens­tag zu einer Sitzung zusammen. Entsprechend dem bekannten Schreiben des Reichslandbundprästdiums vom 23. Dezember nahmen weder die bisherigen Ver­treter des Reichslandbundes, noch, wie nach der in­zwischen bekannt gewordenen Stellungnahme der Christlich-Nationalen" Bauernpartei nicht anders zu erwarten stand, die Landvolkvertreter teil.

In der Sitzung wurde der Ansicht Ausdruck gege­ben, daß der Volksentscheid eine rechtliche Annahme des Freiheitsgesetzes mit sich gebracht habe. Es wurde beschlossen, einen Brief an den Reichskanzler zu richten, in Welchem diesem Standpunkte Ausdruck gegeben wird. Der Reichskanzler wird in diesem Briesegebetem er möge aus dieser Feststellung die ent­sprechenden Schlußfolgerungen ziehen und Einerseits nunmehr das Freiheitsgesetz durch Ver­kündigung in Kraft setzen.

Natürlich wird diesem Wunsch des Reichsausschus­ses durch den Reichskanzler oder andere Stellen der Reichsregierung in keiner Weise Folge gegeben wer­den. Immerhin ist es bemerkenswert, daß der Reichs­ausschuß überhaupt noch derartige Schritte unter­nimmt, da man annahm, daß die Auflösung des Reichsausschusses unmittelbar bevorstehc, nachdem das Präsidium des Reichslandbundes den Stand­punkt vertreten hatte, daß der Ausschuß aufgehört habe zu eriftieien und nachdem auch aus den Reihen des Stahlhelms kritische Stimmen laut geworden wa­ren. Um dieser Bewegung die Spitze abzubrechen, hat das Präsidium des Reichsausschusses gestern eine Zuwahl von neun Mitgliedern vorgenom­men. und zwar sind fünf Ritiergutsbesitzer und ein deutschnationaler Reichstagsabgeordneter hinzuge­wählt worden, der als Gegner des Präsidenten Schiele im Landtag galt. Ferner wurde der Bundes- sührer des Stahlhelms für Brandenburg in den Reichsausschuß koordiniert, der seinerseits wiederum innerhalb des Stahlhelmvereins ein Gegner des Bundesführers Seldte ist. Es scheint also, daß Hu- genberg die Absicht hat, aus den beiden großen Oraa- nisationen, die bisher dem Reichsausschuß angeschlof­fen waren, nämlich dem Reichslandbund und dem Stahlhelm, die oppositionellen Kräfte zu sammeln und dem Reichsausschuß anzugliedern.

Rom, 8. Januar.

Die Tkauung des italienischen Kronprin­zen mit der Prinzeflin Maria JofL von Bel­gien wurde am Mittwoch vormittag in der Paolini- schen Kapelle des Quirinal von dem päpstlichen Lega­ten Kardinal Martin, Erzbischof von Pisa, mit be­sonders feierlichem Zeremoniell vollzogen.

Der Trauung wohnten außer den Eltern sämtliche geladenen Fürstlichkeiten, Mussolini, die Chefs der ausländischen Ministerien, die Ritter und Damen deS Anuneiatenordens, eine Vertretung des Malte­serordens, ferner General P e t a i n als Vertreter des Präsidenten der französischen Republik, Vertreter des Königs von Albanien und Aegypten, sowie die obersten Hofchargen in Galauniform bei.

Die Kapelle war für die Hochzeit mit dunkelrotem Samt ausgefchlagen und mit kostbaren Gobelins geschmückt.

Gegen 10 Uhr näherte sich der Hochzeitszug der Ka­pelle. Voran der Zeremonienmeister des italienischen Königspaares und das Gefolge sämtlicher fürstlichen Gäste. Dann folgten die Ritter des Anunoiaten- orpens und der päpstliche Präfekt des Quirinals. Die Braut wurde von ihrem Vater geführt. Der Kron­prinz hatte seinen Arm der italienischen Königin ge­boten. König Viktor Emanel führte die Königin von Belgien. Dann folgten die übrigen Fürstlichkeiten und zum Schluß die Hofdamen.

Kardinal Martin erwartete den Hochzeitszug in der Kapelle, umgeben von seinem geistlichen Gefolge. Nachdem die Hochzeitsgäste ihre Plätze eingenommen hatten, kniete das Brautpaar vor dem Altar nieder.

Die Trauzeugen, zwei italienische und zwei bel­gische Prinzen, hielten während der Zeremonie über das Brautpaar einen Schleier.

Als der Kardinal die Frage an das Brautpaar rich­tete, ob sie einander angehören wollen, wandten sich beide vorfchriftsgemätz zunächst an ihre Eltern und gaben erst nach deren Zustimmung ihr Jawort. Darauf verlas der Kardinal die Regeln des italieni­schen Ehegesetzes. Eine stille Messe folgte. Nach dem Evangelium wurde das Meßbuch des Königs zum Kusse gereicht.

Nach der Unterzeichnung des Ehefchließungsaktes führte der Kronprinz feine junge Frau aus der Ka-

Hammerstein, 8. Januar. Die vom Reichs- gefundheitsamt entsandte Kommission zur Un­tersuchung des Gesundheitszustandes im Lager H a m m e r st e i n hat ein vorläufiges Gutachten ab­gegeben, in dem zunächst auf den stark verminderten Kränezustand der Lagerinsassen hingewiesen wird, der auf die Strapazen, Entbehrungen und seelischen Auf­regungen zurückzuführen sei. Die hierdurch bedingte Herabsetzung der Widerstandskraft gegen Krankheits­erreger, so heißt es dann in dem Gutachten, bezieht sich auf Erwachsene und Kinder. Bei den unter un­günstigen Ernährungszuständen stehenden jüngeren Altersklassen der Kinder mußten sich von außen kom­mende schädigende Einflüsse besonders unheilvoll aus­wirken, weil ihnen die natürliche innere Abwehrkraft fehlte. Es ist daher ohne weiteres verständlich, daß Infektionskrankheiten einen schweren, häufiger töd­lichen Verlauf nahmen.

Die Masern »neben aus Rußland ins Lager eingeschleppt.

Es konnte ermittelt werden, daß rund 250 vorzugs­weise ältere Kinder kurz vor der Abreise von Moskau Masern bereits überstanden hatten.

Der Autzenpolitiker desMatin" berichtet feinem Blatte aus dem Haag, trotz des methodischen Vor­gehens werde die Konferenz ihre Arbeiten nicht binnen wenigen Tagen zu Ende führen können.

Briand, der am Freitag abreisen müsse, um sich nach Gens zu begeben, beabsichtige, bereits am Donnerstag der nächsten Woche wieder nach dem Haag zurückzukehren. Ministerpräsident Tardien, der hoffe, am 13. Januar zur Eröffnung der Par- lamentssession endgültig nach Paris abreifen zu können, erkenne jetzt, daß er 48 Stunden später nach dem Haag werde zurückkommen muffen. Auch die für ben 19. Januar in CheeqnerS geplante Zusam­menkunft vtzr ber Londoner Seeabrüstungskonferenz fcheine in Frage gestellt zu fein.

Saarverhandlungen am 15. Januar

Berlin, 8. Januar.

Die Saarverhandlungen, die am 20. Dezember abgebrochen wurden, und die ursprünglich am 10. Januar in Paris wieder beginnen sollten, werden, nachdem durch die Haager Konferenz eine gewisse Verzögerung eingetreten ist. lautBosfisch. Zeitung" am 15. Januar in Paris von neuem ausgenommen werben.

Eine magere Bilanz

pelle, gefolgt vom König von Belgien mit der italie­nischen Königin und dem König von Italien mit der belgischen Königin. Das kronprinzliche Paar trat aus den Balkon heraus, während eine

unzählbare Menschenmenge dem Paar große Kundgebungen barbrachten.

Die Braut trug ein kostbares Gewand aus weißem Spiegelsamt und einen hermelinbesetzten Um­hang mit einer sieben Meter langen Schleppe. Am Diadem war ein langer Spitzenschleier befestigt. Das Kleid der Königin von Italien zeigte kostbare Gold­stickereien und Perlen auf champagnerfarbenem Grund. Ihr Goldbrokatumhang hatte eine fünf Meter lange Schleppe. Die königlichen Prinzessinnen und die Ehrendamen trugen gleichfalls kostbare Umhänge und Spitzenschleier.

Besonders wertvoll ist der rote Umhang der

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Paris, 8. Januar.

In Berliner politischen Kreisen hat es peinliches Aufsehen erregt, daß die französische amtliche Agen­tur Havas aus der gestrigen, bekanntlich sehr heftigen Auseinandersetzung im Haag zwischen ben Vertretern Deutschlands und Frankreichs einzelne Worte des französischen Ministerpräsidenten T a r- d i e u aus dem Zusammenhänge herausgerlssen und der Oesfentlichkeit übergehen hat.

Diese Indiskretion entgegen der sonst üb­lichen Vertraulichkeit der Verhandlungen, wozu sie ermächtigt worden fein muß, dürste geeignet sein, die inzwischen wieder etwas nachgelassene Er­regung im Haag erneut zu entfachen, zum min­desten alber Vie Verhandlungsatmosphäre auf das schwerste zu beeinträchtigen.

Nach der amtlichen französischen Agentur soll Dardieu in der scharfen Auseinandersetzung mit den denifchen Mtnist-'rn u. a folgendes,gesagt haben'

Sie versichern, daß Ihre feierliche Verpflich­tung, ben Aoungplan auszuführen, allein genügt, um alle Pfänder zu ersetzen, die wir früher in ber Hand hatten. Wir alle haben das Vertrauen zu der feierlichen Verpflichtung, ber hier an­wesenden Reichsminister. Indessen lassen unsere Beobachtungen hier fortwährend irreführende Feststellungen auftanchen. Sie fordern, daß man Vertrauen zu ihnen haben fall, und Sie schei­nen kein Vertrauen zu sich felbst zu ha­ben. Als gestern die Rede von dem endgültigen Charakter des in Kraft zu setzenden Abkommens war ließ die allgemeine Aussprache bei Ihnen beunruhigende Revisions-Absichten er­kennen Dasselbe war heute vormittag ber Fall in ber Frage ber Zahlung ber Rückpfänder. Sie sagen, datz sie den Aoungplan annehmen, und jedes mal, wenn man seine genauen Ver­pflichtungen festlegen will, lehnen Sie ab. Eine derartige Haltung führt uns dazu, an Ihrer all­gemeinen Verhandlungsfähigkeit zn zweifeln. Die Frage mutz ich früher oder fbätet stellen. Ich ziehe es vor, sie bereits heute zu stellen, da Ihre Haltung unsere Arbeitsgrund- Inge völlig verändren kann."

Die deutschen Minister Moldenhauer und Curtius sind dem französischen Minisierpräsi- denten ihre Antwort nicht schuldig geblieben. So­viel kann jedenfalls versichert werden, daß die offene und rückhaltslose Auseinandersetzung keineswegs von Herrn Tardien einseitig geführt worden ist.

Washington, 8. November.

Präsident Hoover gab gestern der amerikanischen Delegation zur Londoner Seemächtekonserenz ein Ab- fchiedsfrühstück Im Anschluß daran wurde eine Kundgebung des Präsidenten veröffentlicht, in der es u. a. heißt:

Ich habe die Ueberzeugung, daß die ganze Nation der Delegation zur Seemächtekonferenz eine glück­liche Reise und ihren Bemühungen Erfolg wünfchl Die Völker und Regierungen der fünf an der Kon­ferenz teilnehmenden Mächte sind alle von dem ehr­lichen Wunsch beseelt, daß ein Abkommen zustande- kommt, durch das nicht nur das Wettrüsten beendet, sondern auch eine tatsächliche Verringerung der Rü­stungslasten herbeigesühtt wird. Ich hoffe, daß unser Volk die Arbeit unserer Delegation unterstützt, in­dem es Geduld beweist, die Delegation ermutigt und nicht sie kritisiert. Wir gehen nach London in einer Atmosphäre internationaler Freundschaft und wir haben die Pflicht, soweit es an uns liegt, diese At­mosphäre zu erhalten.

Parker Gilbert bei Tardien

(Eigene Drahtmeldung.)

Im Lager Hammerstein entstand durch die unterwegs erfolgten Ansteckungen eine Epidemie, die sich trotz durchgreifender Desinfektionsmaßnahmen ausbreitete, weil zahlreiche kranke Kinder von den Eltern versteckt wurden. Im ganzen kamen mit den Transporten 1534 Kinder bis zu zehn Jahren in das Lager Hammer­stein. Davon erkrankten an Masern 191 Kinder und starben insgesamt 39. Don den Erwachsenen erkrankte niemand an Masern. Im ganzen haben sich

bisher 57 Todesfälle unter Kindern

des Lagers ereignet. Davon betrafen 39 Masern, drei Kinderatrophie, zwei Diphtherie, fünf Sepsis (im Alter von 13 Jahren), 1 Scharlach. 7 kruppöse Lun­genentzündungen (nicht infolge von Masern im Alter von 15 Jahren).

Von Anfang an wurde auf die Ernährung aller Insassen der größte Wert gelegt. Für die Ver­pflegung der Kinder, die u. a durchschnittlich einen halben Liter Vollmilch erhalten, wurden beson­dere Küchen eingerichtet. Neben diesen auf die Ver­minderung der Sterblichkeit abzielenden Maßnahmen werden die bisher bewährten Seuchenbekämp­fungsmaßregeln auch weiterhin streng durch­geführt.