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Dienstag, 7. Januar 1930

Kasseler Neueste Nachrichten

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schätze liegt in Ländern, die wirtschaftlich und politisch schwach sind, und mit Recht fleht Denny in dieser Tat-

Neuer Vorstoß gegen Schacht

chr geht dann bleibt Woraus Bülow mit

legen ein

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fache einen gefährlichen Anreiz zu Üebergriffen der wirtschaftlich und politisch stärkeren Staaten. Die ganze Geschichte der letzten Jahrzehnte ist erfüllst von diesen Kämpfen um das Erdöl. Mexiko, Venezuela, Columbien, Mosul, der Kaukasus und Persien waren die Schauplätze, auf denen diese Kämpfe ausgetragen wurden, und was hier die Erdölpolitik an Intrigen und Auseinandersetzungen mit sich gebracht hat, liest sich in Dennys Darstellung spannender, als mancher von einem erfindungsreichen Schriftsteller ersonnene

bigkeit der Quellen natürlich nur schätzungsweise fest­stellen läßt. Man rechnet aber, daß in den Vereinigten Staaten' 16,3 Prozent, in Rußland 13,5 Prozent, in

Anregung oorgeschlagene vorbereitende technische Kyh- lenkonferenz zusammengetreten. Di« Konferenz har darüber zu beraten, ob die Frage der Arbeitsbedin­gungen im Kohlenbergbau von der nächsten Arbeits­konferenz im Juni 1930 behandelt werden soll.

Deutschland ist vertreten für die Reichsregie- rung durch Ministerialdirektor Dr. Sttzler, für die Unternehmer durch Dr. Jüngst (vom Bergbauverein in Esten) und für die Bergarbeiter durch den zweiten Vorsitzenden des deutschen Bergarbeiterverbandes, Schmidt-Bochum. Di« deutsche Sprache wurde sofort nach Eröffnung der Konferenz neben den bei­den offiziellen Sprachen — englisch und französisch — als Verhandlungssprache eingeführt. Da- mit wird die deutsche Sprache zum erstenmal auch in den Vollsitzungen einer internationalen Konferenz als Verhandlungsspräche angewandt.

Keine vierte Berliner Oper. Wie die Brüder Rotte, jetzt einem Interviewer gegenüber erklären, ist bet von ihnen ausgestellte Plan, in Berlin Serien- Opernvorstellungen im nächsten Jahre aufzuführen. fäffchlich dahm mißverstanden worden, als beab­sichtigten sie, ein viertes Oper-Unternehmen neben den drei in Berlin bestehenden zu errichten. Das ist indeffen nicht der Fall. Vielmehr besteht die Ab­sicht, für den Fäll, daß eins der drei bestehenden Opern-Unternehmen. gedacht ist an die Berliner Städtische Oper durch Etat-Schwierigkeiten zum Er­liegen kommen sollte, dieses Unternehmen zu pachten Es ist dies eine Lösung, die in eingeweihten Ber­liner Theaterkreise« schon seit langem diskutiert wird. Bekanntlich interessieren sich für die Berliner Städtische Oper nicht nur die Rotters, sondern auch der RemHarht-Ktmser». ___

Sozialdemokratische Stimmen für Einschränkung der Befugnisse des Reichsbankpräsidenten

Vorhalt blieb in der Ueberfeyung des Dolmetschers lange Zeit unklar. Schließlich stellte sich heraus, daß

Karumidse meinte, zu einem Probedruck ge­hörten Taufende von Exemplaren.

Dieser Zwischenfall gab dem Verteidiger R. A. Dr. Menz Veranlassung, die Zuziehung eines zweiten Dolmetschers zu beanragen. Seine Behauptung, der amtlich geladene Dolmetscher übersetzte sehr schlecht, wurde von drei ehemaligen russischen Rechts­anwälten, die als Berichterstatter ans den Preffe- bänken saßen, bestätigt. Auf Antrag des R. A. Dr Menz lud das Gericht einen dieser Herren als zwei­ten Dolmetscher. Er brauchte allerdings tm weite­ren Verlauf der Vernehmung von Karumidse mcht viel einzugreisen. ,

Der Angeklagte Karumidse schilderte auf prägen veS Vorsitzenden wie er mit den deutschen Kreisen Fühlung genommen habe, die dasselbe Ziel gehabt hätten wie er, nämlich die Bekämpfung des Bolsche­wismus. der die ganze Welt bedrohte. Dabei

vermied es Karumidse, die angeNagten Deut­schen zu belasten

wie er es in der Voruntersuchung getan hatte. Er ließ die Möglichkiet offen daß die in die Affäre ver­wickelten Deutschen nichts von seinem Vorhaben ge­wußt hätten, die Falschnoten in DeutsMand selbst drucken zu lasten. Es fei immer nur die Rede daon gewesen, daß der Druck im Ausland erfolgen solle. Das gilt natürlich nicht für den Angeklagten Schneider, der ja selbst der Drucker war. Im übri­gen blieb Karumidse dabei, daß

das Falschgeld nur für politische Zwecke benutzt werden sollte und nur in Rußland selbst. Es sei ihm sogar sehr unangenehm gewesen, daß ohne sein Misten 1000 Tscherwonzen bei einer deutschen Bank hinterlegt worden waren. Mit dem von der Bant aufgrund der Hinterlegung ausgestellten Kredit­brief ist der Angeklagte Bell als Agent des Komitees. zur Bekämpfung des Bolschewismus nach Trapeziint gefahren.

gegen Schneider und Kipping erfolgt, da gab es schon wieder einen Aufenthalt.

Di« Verteidiger der Münchener Angeklagten er­hoben den Einwand, das Gericht sei nicht zu­ständig.

da die Fälschungen in München begangen worden feien. Dieser' Einwand würde jedoch vom'Gericht nach kurzer Beratungen zurückgewiesen.

Als erster Angeklagte wurde dann Karumidse vernommen, der seine Aussagen in russischer Sprache machte. Er schilderte seinen Werdegang und seine politische Tätigkeit für die Unabhängig­keit Georgiens während und nach dem Kriege. Seine Behauptung, Deutschland habe Georgien als selbst­ständigen Staat anerkannt, auch nachdem die Sow­jet-Truppen dies Land wieder besetzt hatten, wurde von dem anwesenden Vertreter des Auswärttgen Amtes als unrichtig zurückgewiesen. Karumidse sagte weiter aus, er habe

einen Aufstand in Georgien gegen die Sowjet- Regierung vorbereiten

wollen. Da dazu viel Geld gehörte, sei er auf den Gedanken verfallen, falsche russische Noten zu drucken Allerdings sollten in Deutschland nur die Vorar­beiten getroffen und Probedrucke hergestellt werden Der Vorsitzende machte ihn darauf aufmerksam, daß doch Tausende von Noten in Deutschland gedruckt worden seien. Die Antwort Karnmidses auf diesen

Berlin, 7. Januar.

Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann am Montag früh unter dem Vorsitz des Amts­gerichtsrats Wartenberger der große Prozeß gegen die fogen. Tscherwonzensälscher. Das Jntereste des Publikums war nicht allzu groß. v - >

Das Auswärtige Amt und andere Behörden hatten jedoch Beobachter entsandt

und die Plätze für die Presse waren überfüllt. Die Anklage vertreten Oberstaatanwalt Tetzlafs und Staatsanwaltschasisrat Grünberg.

Auf der Anklagebank haben die beiden Georgier Karumidse und Sad atieraschwili Platz genommen, ferner die Deutschen Dr. ing. Becker aus Neukölln, Dr. Weber aus München, der Buch­händler B ö h l e aus Frankfurt a. M., der Kauf­mann Wilhelm Schmidt aus Nürnberg, der In­genieur Bell und Kipping. Einer der Haupt­angeklagten der Buchdruckereibesttzer Schneider aus München, der die ersten falschen Tscherwvnzen- Noten gedruckt hat ist nicht erschienen, er soll er­krankt fein. Er ist der einizige. der auch Kipping belastet hat. Das Gericht beschloß infolgedessen, das Verfahren gegen Schneider und Kipping zunächst abzutrennen.

Kaum war die Abtrennung des Verfahrens

Safionalifientng und Luftfahrtindustrie

Berlin, 7. Januar.

Dem -Börsenkurier- zufolge hat sich der Reichs­verband der Luftfahrtindustrie dieser Tage in einer Sitzung mit dem Vorgehen des Reichsverkehrsministeriums gegenüber den Flug- zeugscchriken beschäftigt.

Das Reich hat sich int Einvernehmen mit dem Reichstag zu einer Rationalisierungsmaßnahme ent­schlossen, indem es erklärte, daß künftighin nur noch vier Firmen der deutschen Luftfahrtindustrie auf Beihilfen und Aufträge rechnen können und zwar Junkers, Dornier, Heinkel und die Bayerischen Flugzeugwerke. Dabei war seitens des Reichsver- kehrsministeriums betont worden, daß auch die Deutsche Lufthansa anderen Firmen als diesen vier keine Lieferungsaufträge erteilen werde

Hierdurch fühlen sich die von der Belieferung ausgeschlossenen Firmen in ihrer Existenz bedroht und haben es bei ihrer Interessenvertretung durch­gesetzt, daß der Reichsverband in aller Form gegen die erzwungene Rationalisierung beim Reichsver­kehrsministerium protestieren und die Wieder­herstellung der Beschaffungsfreiheit verlangen wird.

th. Berlin, 7. Januar.

Um die Persönlichkeit Dr. Schachts ist eine neue Auseinandersetzung entstanden. Die Sozialdemokra­ten haben es bekanntlich als besonders peinlich empfunden, daß Reichsfinanzminifier Hilferding im Dezember eine schwere Niederlage durch Dr. Schacht erlitten hat. Sie machen jetzt einen neuen Borftoß, um die Stellung des Reichsbankpräsidenten zu er­schüttern. Sie weisen daraus hin, daß durch den Youngplan eine Aenderung in dem Statut der Reichsbank vorgesehen ist lnämlich insofern, als die Ausländer aus der Reichsbank verschwinden, die durch die Dawesgesetze hintingekommeu sind), und hätten gern bei einer Neuregelung durch den Noung- plan zugleich eine Neuregelung der Stel­lung des Reichsbankpräslden't'e'n', die zunächst völlig unverändert bleiben würde.

Der „Vorwärts" hat infolflebeffen einen Versuchsballon hochgehen lassen, in welchem er an­regt, daß die deutsche Regierung bei den Verhand-

Oie gefälschten Tscherwonzen

Wie es zum Notendruck kam / Oie Vernehmung des Angeklagten Karumidse ihre Schwierigkeiten

mit einem Rechtsanwalt der zugleich Weinzüchter war, verlobt hatte, beglückwünschte sie Bülow und meinte, ihr künftiger Gemahl sei ja als Jurist sein Kollege, denn auch er hatte einmal Jura studiert. „Jawohl," erwiderte die Sängerin, „aber wenn es einmal mit der Juristerei nicht mehr geht dann bleibt uns ja immer noch unser Wein." Worauf Bülow mit dem liebenswürdigsten Gesicht: „Allerdings, dann wer­den Sie auch reichlich Gelegenheit haben, sich mit Eti­kettefragen zu beschäftigen." Sprachs und ließ sie stehen.

Persien und Mesopotamien ebenfalls 13,5, im nörd­lichen Südamerika 13,3, in Mexiko 10,5, im südlichen Südamerika 8,2, in Niederländisch-Jndien 7, in Ru­mänien und Galizien 2,6 und in den übrigen Ländern 15,1 Prozent der Weltvorräte ruhen. Eins wird aus dieser Ueberstcht schon klar: ein großer Teil der Erdöl-

Dresdener Residenztheater zur Uraufführung. Das von Arthur Rebner verfaßte witzige Buch ist von dem bekannten Schlagerkomponisten in seiner charak­teristischen Art wirksam vertont. Mit dem beliebten Komiker Oskar Rigner als Gast und Charlotte Scheestrick. Georg Woertge und Magd Witt in den Hauptrollen hatte das Werk unter Carl Sukfulls Regre und Werner Goebels Orchesterlcitung einen parken Erfolg zu verzetchnen. Erwin Hoeffner.

Oie Beniner Staatstheaterkrise

Jetzners Rücktritt.

Wie aus Berkin gemeldet wird, hat gestern zwi­schen hem preußischen Finanzminister und dem Kul­tusminister eine Besprechung stattgefunden, in der über die Röte der Berliner Staatstheater verhan­delt wurde. Ms überraschendstes Ergebnis kann wohl angefeben werden, raß man den Generalinten­danten der Schauspielhäuser. Professor Leopold Jetz- ner, seines Postens entheben will. Jeßner hat unter dem Eindruck der Glückwünsche und Anerkennungeti zu feinem 50. Geburtstag im März vor zwei Jäh­ren seinen Vertrag erneuern können, der an sich noch vis 193 t läuft. Man will ihn um dieses Ver träges willen — zunächst nur von der Verwaltung der beiden Sl-rtstheater zurückziehen und lediglich noch in der Regie verwerten.

Neber die Nachfolge Jetzners schreibt der B. B C.: .Zentralisierung ist gut Aber das kann nicht etwa heißen, daß unter der Oberleitung des Genc raltntenbanten Tietjen bei Schauspieldirektor Patty die Funkttonen des Intendanten ausübt. Der ttich tige Theatermann Patry ist einer solchen Stellung die Jnittative und Elastizität verlangt, ebenso wenig gewachsen wie etwa Herr Eger, der Desor ganisator der Berliner Festtpiele und der Darm ttabter Intendant Carl Ebert".

Seine Urteile waren ebenso gerecht rote scharf. So sagte er z. B. über Mascagni: „Er hat in seinem Vor­läufer Verdi einen Nachfolger, der ihn lange überleben wird." Von dem Sänger Schott, der Reserveoffizier der Artillerie war, meinte er: ..Wie merkwürdig: früher war er Artillerist, und jetzt singt er unter aller Kanone." Einmal ärgerte er sich übet die schlechte Aussprache eines Tenors, der gewisse Konsonanten un­deutlich roiebergab. Als er in einer Lohengrinprobe abklopfen mußte, um etwas zu verbessern, rief er: „Meine Herren, wir beginnen drei Takte vor der Stelle, wo der Tenor singt: „Aus Knanz und Wolle komme ich her."

Nichts war ihm verhaßter, als eine Gesinnung, die den materiellen Gewinn über die Kunst stellte. So wußte er von der berühmten Konzertsängerin Hermine Spieß, daß sie auf jede Weise große Honorare heraus­zupressen suchte und rücksichtslos einen Konzertabend abjagte, wenn sie wo anders mehr bekam. Ws sie sich

zur See ohne Verletzung der Rechte schwächerer Na- tiotten" in sich schließt. „Kann die Diplomatie irgend ein derartiges Wunder erwirken, dann könnte das Erdöl aufhören internationaler Sprengstoff zu fein“. Auch darin wird man Ludwell Denny zustimmen

♦I Luöwell Tennos Buch „Oelauellen — Kriegsauellen", das eine famos geschriebene Darstellung des ganzen Pro­blems gibt und überaus reichhaltiges Material enthält, ist in der Reibe „Wcltmachtorobleme", die vom Verlag Drell Mtzli, Zürich und Leipzig, herausgegeben wird, erschienen. (376 S. 5 graph. Darstellungen. Kart. 6.40 Jl.) Das Buch kann allen, die für die in unserem Artikel angeschnittenen Fragen Jntereste haben, auss wärmste empfohlen werden, müssen.

Hans von Bülows Witz

Zum 100. Geburtstag des groben Dirigenten.

Hans von Bülow, der am 8. Januar 1830 in Dresdin geboren wurde, war der erste große Dirigent Am modernen Sinne, der bedeutend­ste Vorkämpfer für zeitgenössische Musik, der sich mal für Wagners und Brahms' Werke erfolg­reich eingesetzt hat. Hier seien einige der zahl­losen um Bülow kreisenden Anekdoten er­zählt.

„Hans von Schwänkenreich" hat Richard Wagner den jungen Hans von Bülow genannt, in dem er so­lange den „Treuesten der Getreuen" finden sollte, und dieser geniale Geist ist stets unerschöpflich gewesen an witzigen Bemerkungen, geistreichen Einfällen und tol­len Geschichten. Freilich wurde fein Witz in dem Lauf eines tragischen Lebens voller Enttäuschungen und Kämpfe gegen die Dummheit und Niedertracht der Welt immer beißender, immer schärfer und greller, und überhaupt erwuchs der Humor dieses dämonischen Menschen, der immer wieder mit den dunklen Mächten der Zerrissenheit und des Trübsinns in seinem Innern zu kämpfen hatte, wie jeder große Humor aus tiefen Schmerzen.

Früh begann die Befreiung des hochbegabten Edel­mannes aus den Vorurteilen, in die ihn Zeit und

er fei in die Künstlerin verliebt rote er in öie Natur verliebt fet. Sie habe seinen Geist ergriffen und es feinem Herzen angetan. Nach der Vorstellung sollte er mit Freunden zu einer OPernredoute gehen. Ob­wohl Bülow sich zu diesem Zweck schon in den Frack geworfen hatte, rief er entrüstet aus: „Nein, nach einem solchen künstlerischen Genuß gehe ich nicht auf einen Maskenball!"

Weltberühmt wurden seine in München losgelas­senen „Schweinehunde". Da das Orchester nicht aus­reichte, bestand Bülow darauf, daß zwei Parkett­reihen zu diesem Zweck entfernt würden. Was er mit der kaustischen Bemerkung motiviette: „Es ist ja ganz gleichgültig, ob ein Paar solcher Schweinehunde mehr oder weniger im Theater sitzen!" Diese Aeußerung rief einen ungeheuren Skandal hervor.

In Meiningen spielte der große Dirigent einst Beethovens „Eroica" Das Orchester konnte ihn aber gar nicht befriedigen. Trotzdem spendete das Publi­kum am Ende stürmischen Beifall, dem sich auch der Herzog selbst anschlotz. Enttüstet wandte sich der Di­rigent an fein Orchester und sagte ganz laut mit einer demonstrativen Geste gegen die Hofloge: „Das findet er wieder einmal schön!" Tags darauf erkannte Bülow feine Ungehörigkeit und wollte sich beim Her­zog entschuldigen. Georg II. aber nahm die Sache von der heiteren Seite: „Lassen Sie nur, Bülow! Von musikalischen Dingen verstehen Sie wirklich mehr als ich!"

Eines Tages stellte der Musikdirektor einem ho­hen Besuch die Spitzen seines Personals vor. Nun fangen damals gerade zwei Damen erste dramattsche Partien, deren Körperfülle an den Umfang einer Riesendame gemahnte. Mit verbindlichem Lächeln stellte Bülow sie vor: „Gestatten, Durchlaucht, unsre Heiden Prima-Tonnen!"

Eisigst verließ einmal Bülow sein Hotel. In der Tür stieß er mit einem äußerst geckenhaft gekleideten Mann zusammen, der wütend „Esel!" hervorzischte Der große Dirigent drehte sich um. zog höflichst den Hut und entgegnete verhindlich: „von Bülow!"

Unerreicht blieb er in her Kunst, zudringliche Leute abzufertigen. Einmal ging er auf der Ring­straße in Wien spazieren, als ihm ein gemütlicher Wiener, der irgendwo einmal sein Tischnachbar ge­wesen war, mit den Worten entgegenstürzte: „Ich wette, Herr v. Bülow. Sie kennen mich nicht mehr."

Bülow betrachtete den Mann einen Augenblick, sagte kurz und bündig: „Sie haben die Wette ge­wonnen!" Und eilte an dem verdutzten Mann, ehe sich dieser noch besinnen konnte, vorüber.

Uraufführungen im Reich

Dresden: Operette von Ralph Benatzky Aus Dresden wird uns mitgetcilt: Ralph Benatzkys neueste breüttige Operette „Mit dir allein auf einer einsamen Insel" gelangte am Silvesterabend im

Verhältnisse verstrickten. „Lassen Sie doch den „Frei­herrn" fort — ich gebe nur etwas auf die erworbenen Titel, nicht auf die ererbten,“ meinte er, und freute sich deshalb besonders über den Ehrendoktor, den ihm die Universität Jena verlieh. Welchem Vorurteil er als Baron zu begegnen hatte, das zeigt eine Ableh­nung des Königs von Württemberg, der gegen Auftreten Bülows bei Hofe als Grund anführte, Aristokrat als Künstler sei ihm fatal."

9er Kanzler mahnt zur Eile

Berlin. 7. Januar.

Der Reichskamzler hat den einzelnen Refforts den Wunsch mitteilen lassen, die Etats so jeitig wie möglich 'fertigzustellen. Als äußerster Termin für ihre parlamentarische Verabschiedung gilt dabei Mitte April, wobei afber versucht werden soll, den normalen Termin (31. März) nach Möglichkeit inne zu halten.

Roman.

Wer sind die Kämpfer auf diesem Schlachtfeld?? Zwei Männer stehen in vor­derster Reihe: John D. Rockefeller, der „Erdöl­könig", und Sir Henri Deterbing, ein „Napoleon in seinem Wagemut und ein Cromwell in seiner Gründlichkeit". Aber hinter diesen beiden steht mehr, hinter ihnen stehen riesige Trusts. Der Amerikaner Rockefeller stütz! sich auf die gewaltige Organisation der Standard Oil Company, und der vom Holländer zum Engländer gewordene „Napoleon" Deterding führt die Dutch-Shell-Eruppe ins Feld. Und noch tiefer sind die Kampftruppen gestaffelt: Den englischen Gruppen sekundiert die Londoner Regierung mit ihrer Änglo-Persian-Company höchstselbst, und in die ame­rikanische Kampffront ist allmählich das Washingtoner Auswärtige Amt immer mehr hineingezogen worden. In allen Erdölgebieten entbrannte zwischen diesen bei­den großen Gegnern der Kampf, und wie überall, so suchten sich Deterding und Rockefeller auch in Rußland den Rang ahzulaufeu.

Beide Konkurrenten begannen in Rußland, dessen Erdölgebiet« bekanntlich in der Hauptsache um den Kaukasus liegen, mit dem Aufkauf von Aktien der früher von den Sowjets enteigneten russischen Gesellschaften. Die zweit« Epoche des Wettstreites stand im Zeichen direkter Verhandlungen mit Mos­kau, und fast schien es, als ob der englische „Napo­leon" als Sieger durch das Ziel gehen und das Mo­nopol als ersehnte Siegesprämie erhalten sollte. Aber diplomatische Schwierigkeiten, durch die Vereinigten Staaten genährt, verhinderten den Erfolg. Die dritte Epoche begann: Standard Oil und Dutch-Shell schlos­sen sich zu demeinsamem Boykott des russischen Erd­öls zusammen. Hinter den Kulissen wurde aber von beiden Parteien munter mit den Moskauer Machtha­bern verhandelt. So kam es zu einem neuen Front­wechsel: Di« amerikanischen Gesellschaften versuchten «s bei den Russen mit Freundlichkeiten; sie kauften russisches Erdöl in großen Mengen und suchten'De­terding durch Preisunterbietungen vom vorderasiati­schen Markte zu verdrängen. In dies« Jahre fallen bann auch die britischen Versuche, durch I n s z e n i «- rung von A.ufstänben in Georgien den Sowjets die Erdölfelder von Baku und Grosni abzu­jagen. 1924 wurde von den russischen Truppen ein Ausstand in Georgien niedergeschlagen, bei dech nach­weislich englische und französische Gelder eine Rolle gespielt hatten, und etwas später ereigneten sich die Vorgänge, in die jetzt der Prozeß in Moabit ein we­nig hineinleuchtet.

Der Kamps zwischen den englischen und amerikani­schen Oelinteressenten ist auch heute noch nicht abge- fchloflen. Gegenwärtig ist die Lage zweifellos so, daß „Rapoleon" Deterding über den amerikanischen „Oel- lönig“ Rockefeller einen Punkt-, aber noch keinen k. o- Sieg errungen hat. „Amerika hat unbekümmert ein Erbe an Oelschätzen vertan, das richtig erhalten für mindestens anderthalb Jahrhunderte hatte ausrelchen müssen . . . Die britische Stellung ist unbezwingbar. Alle bekannten Oelselder, alle möglichen oder wahr- schefnltchen Oelselder außerhafl» der 'Bereinigtet; Staaten selbst sind in britischen Händen oder unter britischer Leitung und Kontrolle, ober wenigstens durch britisches Kapital finanziert". So triumphierte schon 1919 ein maßgebender Engländer; heute, zehn Jahre später, ist nach Dennys Urteil dieser englische Siegesrus nid?« mehr unbegründet.

Die Gefahr, daß das Erdöl in der Tat als inter­nationaler Sprengstoff wirken würde, war riesengroß. Die englische Regierung stand hinter ihren Oelinter- effenten, und auch die amerikanischen Admirale, die wegen der schwindenden amerikanischen Oelvorräte mit starken Besorgnissen einem etwaigen englisch-ame­rikanischen Kriege entgegensahen, schlugen Alarm. Die Gefahr war riesengroß. Ist sie durch die neue amerikasreundliche Politik des Kabinetts Macdonald endgültig gebangf? Wird sich die Londoner K o n- ferenz, die bevorsteht, in diesem Sinne auswir­ken? Vieles spricht dafür, daß England, das sich ei­nem finanziell und auch wirtschaftlich auf den meisten Gehieten überlegenen Amerika gegenübersieht, ernst­haft zur Versöhnung bereit ist Diese Versöhnung kann aber nur von Dauer sein, wenn sie „Teilung der Rohstoffe und Märkte, sowie Teilung der Herrschaft

Es gab einen Heldentenor, dem nachher immer noch heiß und kalt wurde, sooft er die Stelle singen mußte: „Elsa, ich liebe dich!" Denn bei dem „a", das ihm einstmals in Hannover schlecht geriet, sah er plötzlich den Taktstock des entrüsteten Dirigenten wie einen strafenden Donnerkeil gegen sich heranflie­gen. während der Donnerer sich im Orchester verzwei­felt beide Ohren zuhielt. Nach einer anderen Lesart soll Bülow dem Tenor zugerufen haben „Sie fingen nicht wie der Ritter vom Schwan, sondern wie ein Ritter vom Schwein!"

Als Bülow einst ein Konzert dirigierte, drang plötzlich ein Geräusch an fein Ohr, das dem Flügel- schlag eines Vogels glich. Erstaunt wandte er sich um und gewahrte in der ersten Sitzreihe, gerade ihm gegenüber, eine Dame, die sich mit einem mächtigen Fächer Kühlung zuwehte. Bülow fixierte die Ruhe­störerin, was diese aber nicht zu beachten schien. End­lich legte der Dirigent entrüstet den Taktstock auf das Notenpult und rief laut der Dame zu: „Madame, wenn Sie durchaus fächeln müssen, fächeln Sie we­nigstens im Takt!"

Von einem mäßigen Pianisten sagte er einmal: „Dieser Mann besitzt eine Technik, die jede Leichtig­keit mit der größten Schwierigkeit überwindet!"

Ein Freund suchte ihn einst im Künstlerzimmer auf, wo er zu feiner Ueberraschung auf dem Tisch das Bild der Prima-Ballerina Fräulein Cerale vor­fand. „Ja, sind Sie denn ein solcher Bewunderer bet Tanzkunst?" fragte der Herr. „Gewiß", erwiderte Bülow, „ich verehre Fräulein Cerale. Denn sie ist die einzige Dame in der Hofoper, die nicht disto- niert!"

Zu seinen merkwürdigen Eigenheiten gehörte cs Personen, die ihm vorgestellt wurden und aus ir­gendeinem Grunde feine Antipathie erweckten, rück­sichtslos stehen,ulassen. Als ihm einst in Kopenha- gen ein fremder Cellist begegnete, der mit einer eben­so großen Künstlerschaft wie Nase begabt War, stürzte Bülow mit den Worten davon: „Diese Nase ist ein­fach unmöglich!"

Wenn Bülow tm Theater saß und über eine Lei­stung in Entzücken geriet, kannte sein Enthusiasmus keine Grenzen. Er war außer sich und sprach so laut, daß alle Besucher erstaunt nach feinem Platz sahen So ging es ihm auch einmal, als er tm Burgtheater von dein Spiel der reizenden Stella Hohenfels in Begeisterung gebracht wurde. Kurzweg erklärte er,

Reichsansschußsthung ohne Landvolk. An der heutigen Sitzung des Retchsausschusses für das Deutsche Volksbegehren werden, wie die „Landvolk- Nachrtchten" erfcchren, weder di« bisherigen Ver­treter des ReichslauL-hunbes noch die der Lhrisüich- Nationalen Beuern- und Landvolkpartei tellnehmen.

Nene Ausschreitungen in Prenzlau. Am Montag­nachmittag kam es wiederum zu Zusammenrottun­gen von Kommunisten und Erwerbslosen. Vom Vereinslokal zog der Zug unter Dorantragtmg von Transparentem zum Gerichtsgefängnis, um die am 4. Januar Verhafteten zu befreien. Ms die Befrei« und nicht gelang, marschierte der Zug wieder zum Arbeitsamt. Dann begaben sich bi« Demonstranten 5um Marktplatz. Hier griff di« Schutzpolizei mit Gummiknüppeln em.

jungen im Haag die Gelegenheit ergreifen sollte, um bei bet Aenberung des Rcichsbankstatuts auch eine Einschränkung der Befugn i'sss'e des Reichs- bankpräsibenten herbeizuführen. Der „Vorwärts" spricht dabei sogar von der Notwendigkeit bet Wie- berherstellung der deutschen Souveränität in diesem Punkte.

Aber et- ist kaum anzunehmen, daß die Regie- rung diesen Anregungen Folge leisten wird. Einer­seits ist dafür schon bet Umstand maßgebend, daß in den Organisationslomitees ausführlich genug über die Neugestaltung der Reichsbankverhältnisse bera­ten woroen ist» so daß die Haager Vollkonferenz schwerlich über die Vorschläge des Crganifationß- tomitees hinausgehen wird. Andererseits aber ist man fich allgemein bewußt, daß der Kompetenzstreii zwischen Reichsregierung und Reichsbankprästdent im wesentlichen durch die Mißgriffe der Reichs- fiiyanzpolitik verursacht worden ist und daß dieser Streit von selbst verschwinden wird, sobald diese Fehler beseitigt sind.

Beginn der Kohlenkonferenz

Deutsch als Verhandlungssprache.

Genf, 7. Januar.

Im Internationalen Arbeitsamt ist gestern die von der letzten Völkerbundsversammlung auf englische

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