aeedweetdle eefean» e* »■lefflf Iinüii 6k 38 mm-Seöe u $fenirtg. Klein« Nn«tsea «l» Saget 6eS Bort 7 A. SuSwärti» Kleine Äaatiaea Ke 80 mm breite Zelle 11 A. Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zelle 45 A. vllertyebShr 35 A (bet Anstellnns 85 AU. — Für das Erfcheineo von Anzeige» ie beSintnrien Ä1sMobex. «X besondere» Flöhen »»6 für telephonisch erteilte Auftrage keine Gewähr. Rech- mrnaSbekraae «nerhalb ee» 5 lege» Mbkbar. Gert »rs Naud Safiel. — Potzicheckkonw Frankfurt a. St. 638»
Nummer 5
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Dienstag, 7. Januar 1930
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
20. Zahrgans
Schachts Reife nach dem Haag
Wahrscheinlich Anfang nächster Woche / Lebhafte Besorgnisse der pariser presse / Auch Geheimrat Kafil zu den Verhandlungen berufen
Auf Treu und Glauben
Don unserer Berliner Schrtftleitung.
In dem Sonderabkommen, welches jetzt zwischen der deutschen Regierung und den Vereinigten Staaten über unsere direkten Reparationszahlungen an Amerika zustande gekommen ist, findet sich der bemerkenswerte Satz, daß die Vereinigten Staaten Deutschlands Treu und Glauben als einzige Sicherheit und Garantie für die Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands annch- men wollen. Derartige Feststellungen sind für uns in den Jahren der Nachkriegszeit etwas Ungewohntes geworden, und man wird deshalb die amerikanische Erklärung mit großer Genugtuung zur Kenntnis nehmen, weil daraus recht deutlich zu erkennen ist, daß unsere wirtschaftliche Entwicklung im Urteile des Auslandes immerhin so weit vorangekommen ist, daß man mit uns auch ohne militärische Sanktionen Zahlungsverträge abschließen kann.
Diese amerikanische Erklärung kommt gerade zurecht, um ihre moralische Wirkung hoffent- lich auch im Haag auszuüben, wo bekanntlich gerade über die Frage gestritten wird, ob unter dem Regime des Ponngplanes überhaupt noch die Möglichkeit bestehen darf, im Falle irgendwelcher Zahlungsversäumnisse Deutschlands gewaltsame Veitrei- bungsmethoden anzuwenden. Daß derartige Methoden ein wirtschaftlicher Unsinn sind, haben die Franzosen ja schon bei der Ruhrbesetzung erfahren. Wenn sie trotzdem zur Zeit noch an dem Gedanken derartiger Zwangsmaßnahmen festhalten, wie sie in den Artikeln 429^-431 des Versailler Vertrages vorgesehen find, so beweist das, daß man in Paris — sehr im Gegensatz zu der amerikanischen Auffassung — das Reparations- vroblem immer noch nicht als eine wirtschaftliche, sondern nach wie vor als eine politisch-militärische Angelegenheit betrachten will.
Und doch führen alle Untersuchungen über die letzte Quelle jeder Reparationszahlung immer und immer wieder auf die Wirtschaft zurück. Dir Staaten und die Regierungen mögen Abkommen treffen, wie sie wollen. Die Erfüllung aller Zahlungsverträge bleibt stets abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Nation, die solche Verpflichtungen übernimmt. Man wird auch im Haag nicht daran vorbeikommen, aufdieLeistungsfähigkeitder deutschen Wirtschaft Rücksicht zu nehmen, wenn man nicht einen von Anfang an zum Scheitern verurteilten Vertrag eingehen will. Nun wird allerdings die Mehrzahl unserer im Haag versammelten Gläubiger schwerlich bereit sein, sich der amerikanischen Auffassung anzujchließen und lediglich auf Treu und Glauben hin mit uns zu einer Neuregelung der Reparationsfrage zu schreiten. Der Poungplan sieht ja auch mancherlei Garantien für die Erfüllung unserer Zahlungen vor, aber auch diese Sicherheitsventile müssen in erster Linie auf wirtschaftlichen Erwägungen beruhen, wenn sie sinngemäß funktionieren sollen. Das gesamte Reparationsproblem kann nach einer hundert- und tausendmal wiederholten, leider aber immer noch nicht genügend anerkannten Regel nur auf wirtschaftlicher Basis gelöst werden.
Man wird also auch im Haag die Frage prüfen müssen, ob und bis zu welchem Grade die deutsche Wirtschaft zahlen kann, aus der ja der Staat auf dem Umweg über mancherlei Abgaben die Mittel zur Begleichung seiner Verpflichtungen nimmt. Zur Beantwortung der Frage liegen gerade jetzt mehrere recht interessante Urteile vor, Von besonderer Bedeutung ist dabei das Urteil sehr prominenter ausländischer Beobachter des deutschen Wirtschaftslebens, wobei es recht bemerkenswert ist, daß man dort beinahe etwas optimistischer über unsere Wirtschaftslage und unsere Wirtschaftskraft denkt als im Inland« selbst. Es wurde bereits berichtet, wie die Kommissare für die Reichsbank und für die Reichsbahn über unsere wirtschaftliche Entwicklung urteilen. Jetzt ist nachträglich noch
der Bericht des Treuhänders für die Jnduftrieobligationen erschienen, in welchem sich die recht beachtlichen Worte finden, daß verschiedene deutsche Produktionszweige ihre Fähigkeit erwiesen haben, die Elemente der Schwäche zu überwinden, die sich seit dem Sommer 1928 gezeigt haben, und daß die Rückschläge in den anderen Zweigen unserer Industrie nur als vorübergehend angesehen werden könnten. Man sieht also, daß im Inland wie im Ausland die Gesamt- läge der deutschen Wirtschaft zwar keineswegs als rosig, aber doch auch nicht als verzweifelt angesprochen wird.
Man wird dem entgegenhalten, daß gerade in allerletzter Zeit eine Reihe böser Anzeichen zu beobachten waren, so z. B. die schlimme Finanzlage nicht nur der Stadt Berlin, sondern auch anderer deutscher Kommunalwesen, Stillegungen in der Industrie und Steigerung der Arbeitslosigkeit, ganz zu schweigen von derartigen sensationellen Einzelerscheinungen wie der plötzlichen Krise im Berliner Bergnügungsgewerbe.
Man wird derartige Symptome nicht überschätzen dürfen, und die berufenen Beurteiler unseres Wirtschaftslebens kommen, wie man sieht, zu Ergebnissen, welche den gedämpften Optimismus der Reichsregierung — die ja andernfalls niemals ihre Hand zur Unterzeichnung des Youngplanes bieten dürste — rechtfertigen. Wohl aber ergibt sich auch aus diesem Urteil die dringende Notwendigkeit, beim
| lief; auch in Europa der Grundsatz von Treu I und Glauben treten, denn die militärischen Gewaltmaßnahmen stellen sich bei der wirtschaftlichen Regelung der Reparationsfrage als ein ähnlicher Unsinn heraus wie z. B. die Kriegsschuldlüge — beides Bestimmungen des Friedensvertrages, die durch ihre eigene Unhaltbarkeit hinfällig werden müssen. Dr. Th.
Reparationsproblem immer wieder an di« Rücksichtnahme auf die Wirtschaft zu erinnern, denn nur die gesunde wirtschaftliche Basis eines solchen Zahlungsvertrages gibt die wirkliche Garantie für seine Erfüllbarkeit, jedenfalls bessere Garantien als es die in Paris immer noch verlangten Sanktionen sind. An deren Stelle mutz nicht nur in Amerika, sondern end-
Einsturz eines Eisenbahn-Aadakies
Ein Zug stürzt in die Tiefe / 12 Tote?
Paris, 7. Januar.
Aus Tunis wird gemeldet, daß ein Zug, der gestern morgen 7 Uhr Tunis verließ, in der Nähe von Guelma durch den Zusammenbruch eines Viaduktes in eine Schlucht hinabstürzte. Ein Pfeiler des Viaduktes war eingestürzt, was den Zusammenbruch der ganzen Brücke zur Folge hatte.
Die Lokomotive, der Packwagen und zwei Personenwagen stürzte« etwa 50 Meter tief hinab und begruben zahlreiche Reifend« unter sich. Einzelheiten fehlen noch, doch soll die Zahl der Opfer beträchtlich sein. Der „Matin" berichtet ergänzend: 12 Reisende sollen getötet, etwa 20 verletzt worden sein.
Zeiertag in Wien
Rom, 7. Januar.
Der Trauungstag des italienischen Kronprinzenpaares, Mittwoch, der 8. Januar, ist in Italien als
Feiertag erklärt worden, an dem alle Büros und Betriebe geschloffen bleiben.
Am Montag abend gab dir italienische Königs- familie im Quirinal einen prunkvollen Empfang, an dem alle zur Hochzeit nach Rom gekommenen Fürstlichkeiten und das diplomatische Korps teilnahmen.
* * *
Rom, 7. Januar. Der König hat auf die ihm von den Abordnungen der Kammer, des Senats und des Großen Faschistenrates überreichten Huldigungs- und Ergebenheitsadressen einzeln geantwortet, wobei besonders seine Antwort an den Parteisekretär Turati als Leiter der Abordnung des Großen Faschistenrates, bemerkenswert ist. Der König sagte unter anderem: Mein Haus hat immer der Stimme des Volkes willig Gehör geschenkt und ist erfreut, diese lebendigen und frischen Kräfte um sich zu fühlen, die für das Wohl des Vaterlandes mit zähem Willen und Opfergeist wirken.
DerKamps um die Zahlungstermine
Von unserer Berliner SchriftLeitung.
th. Berlin, 7. Januar.
Bei dem Fortgang der Haager Verhandlungen interessiert in Berlin jetzt vor allem die Festsetzung der Zahlungstermine. Bekanntlich fordern die deutsche« Delegierten, daß die Monats» Zahlungen Deutschlands immer am Ultimo zu leisten find, während ein Vorschlag des englischen Schntz- kanzlers eine Zahlung in der Mitte des Monats herbeizuführen wünscht.
Man hat inzwischen unverbindlich berechnet, daß die Verpflichtung zur Zahlung in der Mitte des Monats für uns einen jährlichen Verlust von ungefähr 4—5 Millionen (nicht etwa 100 Millionen Mark, wie behauptet worden war). Immerhin wird die deutsche Delegation natürlich versuchen. den Ultimo-Zahlungstermin, der für den ungeschützten Teil der Annuitäten bereits vorgesehen ist, auch für de« allerdings größeren Teil der ungeschützten Annuitäten noch zu erkämpfen.
Zur Frage der Zahlungstermine haben sich ja bereits im Sommer dieses Jahres die Pariser Sachverständigen eingehend geäußert und da man jetzt im Haag offensichtlich in Meinungsverschiedenheiten darüber geriet, so lag es nahe, auf die Sachverständigen zurückzugreisen und ihren Rat einzuholen Deshalb sind, ebenso wie von den andern Delegationen, auch von der deutschen, die hier auftauchenden Fragen den Sachverständigen vorgelegt worden und Dr. Sch acht und Dr. Kastl find gebeten worden, sich zu dieser Frage zu äußern.
Dr. Kastl wird bereits am 8. Januar im Haag eintreffen, während Dr. Schacht erst am 12. Jan. dorthin kommen kann. Infolgedessen wird er zunächst schriftlich antworte n, und es ist an- zunehmen, daß die im Haag ausgetretenen Meinungsverschiedenheiten durch das Eingreifen der Sachverständigen aller Delegationen geklärt werden können, da man ja im Haag behauptet hat, es sei in Paris seinerzeit eine Art stillschweigendes Uebcr- einkommen zwischen den Sachverständigen erzielt worden, danach die Mitte des Monats als Zahlungstermin zu gelte« habe. Darüber Aufklärung zu schassen, wird eine der wichtigsten Ausgaben des deutschen Reichsbankpräfidentcn Dr. Schacht sein.
Schwierige Probleme
Haag, 7. Januar
Die Haager Konferenz ist am gestrigen Montag mitten in die schwierigsten Probleme, die ihr zu regeln bleiben, hineingekommcn.
Die Verhandlungen zwischen den sechs einladenden Brächten trugen zum Teil das Gepräge eines sehr ernsten Kampfes, da die Alliierten an Deutschland ein« Reche Forderungen stellten, die von der deutschen Delegation zum Teil mit Erfolg bestritten wurden.
Von der Frage der Zahlungstermine abgesehen, betrafen die materiellen Fragen, die noch zu behandeln sind, die vom Aoungplan vorgesehene Umwand
lung des positiven Pfandrechts an den bekannten deutschen fiskalischen Einnahmen in ein
negatives Pfandrecht,
weiter die Frage, was mit den aufgeschobenen Zahlungen unter einem etwaigen Transfermoratorium zu geschehen hat, und die Verträge über Liquidationen, wie sie mit England und Belgien abgeschlossen sind und mit Italien usw. vorbereitet werden.
Die Sanktionsfrage ist nicht behandelt worden. Es sind schriftliche Vorschläge von französischer Seite angekündigt, die jedoch noch nicht bei der deutschen Delegation vorliegen.
Es ist gestern weiter eine Reihe von
Fragen mehr formalen Charakters
behandelt worden. Tabin gehört diejenige der Einleitung des Sachverständigenvorschlages, in dem von einer vollständigen und endgültigen" Regelung des Reparationsproblems die Rede ist. Diese Wendung wird nunmehr auch in dem endgültigen Protokoll vorangestellt, so daß sie alle Teile des Abkommens erfaßt, nachdem von der Gegenseite versucht worden war, sie durch andere Plazierung innerhalb des Textes vornehmlich aus die deutschen Zahlungen allein abzustellen. Eine weitere Frage betrifft die
Eoldeinlösungspflicht
nach Artikel 81 des Planes. Auch hierüber vermochte Einvernehmen erzielt zu werden, ohne daß Aenderun- gen gegenüber dem Plan notwendig gewesen wären. Weiter hat man sich eingehend mit der Abfassung des Zertifikats über die deutsche Eesamtverpflichtung befaßt.
Diese Fragen werden heute vom Juristenausschuß nochmals wegen formaler Punkte behandelt werden.
Schachts Berufung
und die Pariser Presse.
Paris, 7. Januar.
Die Haager Berichte der französischen Presse beschäftigen sich sehr lebhaft mit der Berufung Dr. Schachts nach dem Haag und lassen die Befürchtung erkennen, daß das Eingreifen des Reichs- bankpräsiventen die Verhandlungen ungünstig beeinflussen könne.
So erklärt der im Haag befindliche Autzenpoli- tikcr des „Echo de Paris*, die
Nachricht von der Ankunft Dr. Schachts habe bei der französische« Delegation einige Be- sorgnis ausgelöst.
Dr. Schacht werde innerhalb der deutschen Delegation nicht gerade für Zurückhaltung eintrete«. Gewisse Kreise behaupten, da es nun einmal so stehe, fei es schon besser, daß der große deutsche Sachverständige an die Seite von Curtius und Moldenhauer trete, denn dann habe er wenigstens mit Teil an der Verantwortung. Allerdings frage es sich, in welchem Sinne Dr. Schacht operieren werde.
Der Sonderberichterstatter des „Excelsior" sagt. Wenn Dr. Schacht die Absicht habe, die Atmosphäre der Herzlichkeit, des Vertrauens und des Entgegenkommens, die im Haag herrsche, zu zerstören, dann werde er eine schwere Verantwortung aus sich laden.
Internationaler Sprengstoff
W. P. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stehen zwei Georgier und ein halbes Dutzend Deutscher als Angeklagte. Urkundenfälschung, Betrug, Bestellung, Herstellung und Ausgabe falscher Tscherwonzen sind einige der Hauptpunkte aus der Anklageschrift. Der Schlußakt eines politischen Sensa- tionsstückes beginnt, das die Oeffentlichkeit während der letzten Jahre ab und an beschäftigt hat. Phantastische Pläne waren es, denen diese beiden Georgier, dieser Karumidse und dieser Sadatieraschwili, nachjagten. Vertrieben aus ihrer georgischen Heimat, glühte der Haß in ihnen, der Haß gegen die roten Eroberer, die 1921 in Georgien einmarschiert waren, die georgische Nationalversammlung, der Karumidse angehört hatte, vertrieben und das Sowjetbanner über dem Lande gehißt hatten. Oder war es gar nicht politische Leidenschaft, die Karumidse und seinen Gefährten zum Verbrechen trieben? War es gar nur schnöde Gewinnsucht, die diesen Anschlag gegen die russische Währung gebar? Für die Beurteilung der beiden Angeklagten ist die Beantwortung dieser Fragen von Wichtigkeit, auf die Affäre selbst wird diese Antwort kaum ein neues Licht werfen.
Das Stück, bei dem die Georgier mitwirkten, greift ins Politische, ins Weltpolitische sogar hinüber; auf die persönlichen Motive der beiden kleinen Akteure kommt es, wenn man den Prozeß von dieser seiner politischen Seite her betrachtet, wahrhaftig nicht an. Und dieser Versuch, gegen bas neue Sowjetregime int erdölreichen Georgien militärische Verschwörungen anzuzetteln, die russische Währung durch eine Inflation falscher Tscherwonzen zu unterwaschen und zum Einsturz zu bringen, aus diesem Versuch, aus währungspolitischen Schwierigkeiten innere Wirren zu machen nnb bann den Sowjets die georgisch- Leui e-- abzujagen, stellt sich, bei rechtem Lichte betrachtet, nur als ein Zwischenspielchen in einem der größten weltpolitischen Sensationsdramen dar, die je vorgeführt wurden. Am 22. November lp27 berichten die Nenyorker „Times" aus Berlin: „Auf Grund hartnäckiger Gerüchte verbrachte der Vertrauensmann Sir Henri Deterdings, des Präsidenten des britischen Erdölkonzerns, einige Zeit in Deutschland und stand im Verdacht, den Fälschungsplan aktiv finanziert^ zu haben." Hier werden Zusammenhänge angedeutet, die inzwischen — die „Vossische Zeitung" brachte in diesen Tagen in ihrem Vorberichte zu dem Fälscher- Prozesse interessante Einzelheiten — klarer zutage getreten sind. Im Hintergründe dieser Ereignisse um Karumidse, Sadatieraschwili und ihre deutschen Helfershelfer und Mittelsleute taucht die Gestalt des Erdöl-Napoleons auf, und "bie Handlung gründet ein in den großen Kampf um das Erdöl, dessen Zeugen wir sind.
Freilich, was weiß man bei uns in Deutschland von diesem Kampf, der bie politischen Schicksale ber Menschheit schon aufs stärkste beeinflußt hat unb ihnen in Zukunft vielleicht die entscheidende Wendung geben wird? Wem ist es zum Beispiel bekannt, daß Poin- care Englands stillschweigendes Einverständnis zum Ruhreinbruch zum Teil durch das nachher freilich nicht erfüllte Versprechen, et werde den britischen Wünschen nach dem Mosuler Erdölgebiet keine Schwierigkeiten bereiten, erkauft hat? Wer hat sich gar einmal bie Mühe gemacht, hinter bie Kulissen ber Wirren in Mexiko, Venezuela unb in ben anberen erdölgesegneten, an eigenen Machtmitteln aber armen Ländern zu blicken? ErbölistinternationalerSpreng- stoff, sagt Lubwell Denny in seinem zuerst in Neu- york erschienenen unb jetzt auch in einer vortrefflichen beutsche« llebersetzung vorliegenden Buche .Ölquellen— Kriegsquellen"*), unb es ist wahrhaftig notwendig, sich mit diesem vielleicht wichtigsten Weltmachtproblem ein wenig eingehender zu befassen. Notwendig auch für uns, die wir zwar an den Erdöl- schätzen ber Welt nicht beteiligt finb, bie wir aber mit der Erfindung wertvoller Ersatzmittel ein neues Moment in die Auseinandersetzungen gebracht haben.
Bei unseren Vätern hieß es, Stahl sei König; heute kann man dieses Wort mit gutem Rechte variieren und dem Erdöl die Stellung des Stahls zuerkennen. „Derjenige, der das Erdöl besitzt, wird bie Welt besitzen, benn er wirb bas Meer burch bie Schweröle beherrschen, bie Luft durch bie feinstraffinierten Oele unb bas Laub burch Benzin unb bie Leuchtöle. Außerdem wirb er feine Mitmenschen wirtschaftlich beherrschen auf Grund des phantastischen Reichtums, den er vom Erdöl herleiten wird — dieser wundervollen Substanz, welche heute gesuchter unb wertvoller als alles anbere ist," so lautet bas Loblied, mit dem ber französische Senator Verenger die Bedeutung des Erdöles herausstreicht, und Verenger ist einer ber Kundigsten auf diesem Gebiete. Er war wahrend des Krieges Oelkommissar in seinem Lande und hat erfahren, welchen Wert das Erdöl für die Wirtschaft und für die Kriegsführung hat. „Erdöl ist so notwendig wie Blut in den kommenden Schlachten" gesteht der Zyniker Clemenceau im Jahre 1917 in einem Schreiben an den amerikanischen Präsidenten Wilson, unb mit bem Satze: „Die Alliierten wurden auf einer Erdölwelle zum Siege getragen", quittiert Lord Curzon das amerikanische Eingreifen in den Weltkrieg.
Das find ein paar Zitate, bie Ludwell Denny in feinem Buche gibt; ein paar Zitate, bie eindringlicher als lange Ausführungen zeigen, was heute das Erdöl im Frieden und im Kriege bedeutet. Unb wie find diese Erdölschätze in der Welt verteilt? Die Angaben darüber schwanken, weil sich die Ergie-