Kasseler Neueste Nachrichten
Nummer 292
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Donnerstag, 12. Dezember 1929
19. Zahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Abendzeitung
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Oer letzte Kolonistentransport in Deutschland
Aoch 2000 deutsche Flüchtlinge ohne Auswanderungsgenehmigung bei Mskan? / Heute RegierungSeMSnmg im Reichstag
Das Mwerk einstweilen beendet!
(Eigener Drahtberichl.)
bruchbefitzers, Robert Wey and, ist vorläufig fest- genommett worden, obwohl bis jetzt ein Haftbefehl nicht vorllegt.
Die Beschuldigten wurden bereits in Anwesenheit des Untersuchungsrichters Dr. Masur und des Staatsanwaltfchaftsrats Dr. Eichholtz aus Berlin vernommen.
Eydskuhnen, 12. Dezember.
Heute nacht traf der neunte und letzte Transport deutfch-russtschcr Auswanderer in Eydtkuhnen ein. Er brachte 682 Personen, darunter 230 Kinder, mit. Auch diese Flüchtlinge gabyn an, daß sich in Moskau noch etwa 2000 Deutsch-stämmige Bauern befänden, die ebenfalls auswandern möchten, denen die russische Regierung aber die Ausreisegenehmigung nicht ertei- len wolle.
Mit der Abfertigung dieses Transportes, der heute abend 7,15 Uhr nach Hammerstein weitergeleitct werden wird, ist die Tätigkeit des Hilfswerks für die deutsch-russischen Auswanderer einstweilen beendet.
Innerhalb acht Tagen sind im Sanirrungslager Eydtkuhnen insgesamt 5053 Flüchtlinge abgefertigt worden, eine Leistung, die restlose Anerkennung verdient.
Das SanierungAager wurde gestern vom Bor ftandsulitglied des deutschen Roten Kreuzes, Oberst von Giese- Berlin und einem Beauftragten des Internationalen Roten Kreuzes, dem schwedischen Kapitän Petersen- Paris, besichtigt. Beide Herren waren bei der Ankunft des neunten Flüchtlingszuges zugegen und gaben ihrer Anerkennung für die Arbeit des Eydtkuhner Hilfswerkes Ausdruck.
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Wie weiter verlautet, schweben Verhandlungen darüber, datz auch die bei Moskau befindlichen Kolo ««ften -neu, «ach Deutschland transporli.rt werden. Hebet das Schicksal der deutschstämmigen Kolonisten, die von Moskau »ach ihren sibirischen Heimatögcbie- len zurücktranSportierl worden sind, lasse Mete Nachrichten nicht erzielen, und es scheint, als ob die Hoffnung, auch deren Los verbessern zu können, aufgegeben werden mutz.
Poiitischer Anschlag in Sstprrn-en
Gumbinnen, 12. Dezember.
an der Nacht vom 9. zum 10. Dezember hat der rige Besitzersohn Karl Moritz in Friedrichs- berg, Kreis Tarkehnen, einen selbstgefertigten Sprengkörper vor die Haustür des Besitzers W o r a t in Friödrichsberg gelegt und zur Explosion gebracht. Durch Sprengstucke wurden Haustür« und Wand beschädigt
Der Täter, der der Jungstahlhelmgruppe angehört, gibt an, datz er mit der Bombe dem Besitzer, der sich
gegen das Volksbegehren betätigte, einen Schreck habe einjagen wollen. Er wurde in Haft genommen. Das Strafverfahren ist eingeleitet.
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Mülheim (Ruhr), 12. Dezember.
Der Uhrmacher Rohling von hier, der vor kurzem in Verbindung mit den Bombenanschlägen verhaftet und dann gegen eine Kaution von 30 000 Mark wieder aus freien Futz gesetzt worden war, ist aufgrund eines neuen Haftbefehles wiederum festgenommen worden.
Man bringt die neuerliche Festnahme in Verbindung mit dem Dynamitdiebstahl, den der Steinbruchbesitzer Weyand vor einiger Zeit in Mülheim- Speldorf ausgeführt hat. Auch ein Bruder des Stein-
Kanton in Aufregung
London, 12. Dezember.
„Times" meldet ans Honkong: Die schweren Kampfe nördlich von Kanton dauern an. Tschana aikwms „eisernes Korps- drang bis Sunwai, 30 Kilometer von Kanton vor, wurde aber dann durch Verstärkungen der Regierungstruppen einige Kilometer zuruckgetrieben.
Verwundete treffen in grosser Zahl in Kanton nn, wo große »tufregung herrscht. Da keine weiteren Verstärkungen aus Nanking zu erwarten sind, bereiten die wohlhabenden Chinesen sich zur Abreise nach Hongkong vor.
Das Kabine« versucht sein w
VonunsererVerlinerSchriftleitung.
Berlin, 12. Dezember.
Llats den Parlamentarischen Schwierigkeiten, die sich gegen das Finauzprogramm der Reichsregierung ergeben haben, hat sich das Kabinett gestern nicht mehr anders zu retten gewußt, als durch den Beschluß, nunmehr sofort vor den Reichstag zu treten und düs Plenum des Parlaments über die. VertraueuHfrage MMeideu zu .luffcn.
mehrere Fraktionen gesrern mittag Stellung genommen hatten und nachdem sich scwochi bei den SozialDemokraten, wie auch bei der Deutschen Volkspartei eine deutlich ablehnende Haltung gsgennber dem Fmianzpragra-mm Dr. Hilferdings ergeben hatte, war die Gefahr des Ausbruchs einer offenen Krise sehr groß geworden. Man war gestern nachmittag im Reichstag ganz überwiegend der Meinung, daß nur noch der Rück tritt des Kanzlers und des Finamzministers übrig bleiben und daß eine andere Lösung nicht mehr zu fmben sein werde.
In dieser außerordentlich schwierigen Situation hat das Reichskabinett endlich einmal das ge- tan was es schon seit Monaten hätte tun muffen, es hat sich nämlich z» einem Entschluß aufgerafft.
unb dieser Entschluß ging dahin, daß in einem kurzen amtl. Kommunique mitgeteirt wurde, über W Finauzprogramm werde die alsbaldige Ent- 'cbeiduuig im Reichstag herbeigeführt werden. Der Reichstagspräsident Lobe konnte am Schluffe der gestrigen Plenarsitzung mitteilen, daß als einziger i 'hrudkt auf Me heutige Tagesordnung die Entgegen- • -»ahme einer s»,gi. seiest werr-
G «dgüktlg ftchr fett, daß heute nachmittag A Uhr oer Reichskanzler vor den Reichstag treten, das Programm Der Regierung entwickln, und das Ver- trauetr des Reichstages fordern wird.
Es fragt sich nut, wie die Regierungsparteien ch zu dieser Forderung einstellen, und diese Frage ?ann lediglich nach Maßgabe der wetteren Verhandlungen und auf Grund der mehr oder minder chroffen Haltung der Regierung beantwortet werden. Wenn die Regierung dir sofortige Billigung des gesamten Ftnanzprogramms in vollem Um- pange verlangt, so wird sie damit bei den Reg'e- rungspartoim kein Glück haben. Wenn sie sich aber auf weitere Kompromifle einläßt. d. h. sich
im Augenblick mit einem sogenannten „Sofort" Programm begnügt.
Iranzösisch-ljalienischer Zwischenfall
(Eigene Drahtmeldung.)
welches aus der Erhöhung der Tabaksteueer und der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung besteht, 'o wird sie wahrscheinlich die Möglichkeit haben, dte allgemeine Billigung des Reichstags für ihr später ’n verwirklichendes Finanzprogramm zu bekommen ttnld zugleich ein Vertrauensvotum des Reichstags nach Hause zu bringen.
Paris, 12. Dezember.
Mussolinis Schachzug
Italien für Abschaffung der Unterseeboote?
sranzoitsch-iapantsche Zusammenarbeit in der Motten-
-J’.Fln®en konnte, verzichtet und sich dadurch die Unteritutzung vor allem Londons, Dann aber auch ^aihmgtons jur seine politischen Forderungen im Mittelmeer und anderswo sichert.
(Filter von den Ewiggestrigen
Parts, 12. Dezember.
»AS Festessen der Vereinigung für Handel Mrllerand das Wort, um uber Frankretchs Außenpolitik zu sprechen.
ni.Ttx„BIcILK’0o€,ben.5.rici>cn' doch könne man sie r^"^jzeichnung von Schriftstücken be- ruhtgen. ttie beste Licherheit für den Frieden sei die ^°«uer oer poltttichen Verhältnisse, wie die Frie- Det^verträge ge ge>chaffen hätten. Seiner Auffassung die Grundlagen des Versailler
ir 1Cln^ein e§ den Paragraphen 231 ,■?e 11 „ SJ,^^densvenrages, der die bestreitbare
>tinct Verbündeten am Weltkriege emari, beteiligt.
Weiterhin greife Deutschland die wichtiasten Be- sttmmungen des fVersailler Friedensvertrages an. Er glaube nicht, noch,einmal wiederholen zu müssen, datz ■Lra!lifcUl?=2tout,"<^er Verständigungs- polittk ist. jk.) Doch halte er es für völlig unzuläs- jig, die wichtigsten Interessen der Alliierten preiszugeben, um die deutzche Rachsucht zu beschwichtiaen
Bererts am 9. Februar 1925 habe man diesen vt-ea beschritten, als man Deutschland erlaubte einen Um ^'Ed Zwischen seinen Westgrenzen, an die nicht qe- nchrt werden darf, und den anderen Grenzen zu ma- chen Am lb. Leptember 1928 erreichte Deutschland tn Genb offizielle Verhandlungen über die vor- zetnge Rhernlandräumung anberaumt werden sollten Jetzt wird tn Paris über die Zukunft des Saarae- bteie-, lowett es Deutschland zurückgegeben werden soll, verhandelt, wobei man behauptet, die Rechte der Saarbevölkerung nicht zu schädigen. Der Ansckluft Oesterreichs an Deutschland wird folgen, ebenso wie der polnische Korridor und zum Schluß Danzig
Millerand schloß mit den Worten: „Die wichtigste Ausgabe unserer Außenpolitik ist und bleibt die Achtung vor den Verträgen. War werden nicht dulden Daß man sie anrührt." (Zu diesen Ausführungen eines Der Hauptregisseure des Ruhreinbruches ist nur zu sagen, daß Millerand die Entwicklung, Die Die Singe seit dem Jahre 1923 genommen haben, offenbar nicht begriffen hat. D- Red.)
Zu einer von italienischen Blättern und auch von der „Times" über einen französisch-italienischen Zwischenfall in dem Dalmatinischen Hasen Scbenico gebrachten Meldung, wo angeblich Mannschaften des dort liegenden französischen Mittelmeergeschwaders vor dem italienischen Konsulat mit den Rufen: „Nieder Mussolini! Nieder der Faschismus!" demonstriert haben sollen, bemertt „Echo de Paris", in de» zuständigen französischen Ministerien erkläre man, der Kommandant des Geschwaders. Admiral Dubois, habe über den Zwischenfall nicht berichtet.
Das Blatt spricht die Hoffnung aus, - daß die von der italienischen und englischen Presse gebrachten Meldungen übertrieben seien; anderenfalls müsse eine strenge Bestrafung erfolgen.
London, 12. Dezember.
Der Timeskorrespondrttt in Rom will in Bestätigung früherer Nachrichten mitteilen können, vatz die italienische Regierung nach langer und sorgfältiger Erwägung aller Umstände beschlossen habe, den britischen und amerikanischen Vorschlag betreffend Abschaffung der U-Boote zu unterstützen.
Es verlautet, daß der italienische Autzeuminister G r a n d i gleichfalls in der Flottenkonferenz eine entsprechende ErNärung abgrben und datz Italien diesen Standpunkt beibehalten werde, gleichviel, ob Frankreich und Japan geneigt fein werden, sich anzufchlie- tzen oder nicht.
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Wenn sich diese Meldung bestätigen sollte, würde diese Schwenkung Italiens in der U-Bootfrage in erster Linie als eine ohne Zweifel geschickte :ak:ische Maßnahme Mussolinis anzusehen fein. Der Duce ist offenbar der Ansicht, daß Italien an Der Seite Englands und Amerikas politisch beffer und seine Kosten kommt als im heutigen Verein mit Der lateinischen kcbwester und Dem Vertreter aus Dem Fernen Osten. Deine Rechnung gehr wohl dahin, daß er auf Die Vorteile, Die- ihm unter Umständen Die italienisch-
AllerDings find diesachlichen Widersprüche innerhalb der Koalition noch keineswegs aufgeklärt, nitd auch der .Vorwärts" stellt in voller Defektivität fest, daß die Sozialdemokraten ebenso Bedenken gegen die Erhöhung der Tabaksteuer, wie auch die Deutsche Volkspartei gegen Die Erhöhung der Versicherungsbeiträge tragen. Der .Vorwärts" gibt offen zu, >baß man heute noch nicht werß, wie diese Schwierigkeiten überbrückt werden sollen, und daß z. B. eine sofortige Entschließung des Reichstags, anstelle der vom Kabinett verlangten „alsbal- d.g>en Entscheidung", zu einer glatten Ablehnung durch Has Parlament führen muffe.
Ms ein sehr bemerkenswertes Moment in der parlamentarischen Entwicklung spricht man es aus, daß die Zenlrumsfmktion des Reichstags gestern abend sich dahin erklärte, daß das Zentrum oas Finauzprogramm der Regierung billigen werde, allerdings unter der Povaussetzung, daß sämtliche Regierungsparteien das gleiche tun. Damit hat
Das Zentrum einen taktisch sehr bemerkenswerten Schritt unternommen, indem es ein Sickurhcits-Ventil gegen den Ausbruch einer offenen Krise einschaltete
itnD zugleich den anderen Regierungsparteien gewissermaßen die moraliche Verpflichtung airferte&t, nun an die Stelle des Zentrums zu treten und mit Hm gemeinsam die Regierungserklärung zu billigen.
Troydent ist es natürlich noch keineswegs aus- geschloffen, daß eine Kabinettskrise ausbricht, daß der Kanzler und Finanzminister durch andere Persönlichkeiten ersetzt werden und daß auch das Finanzprogramm des Kabinetts eine Benderung erfahren mutz. Die Sozialdemokraten und die Deutsche Bolkspattei wollen jedoch ihre endgültige SM kungnahme erst von der heutigen Regierungserklärung und von dem Verlaus der Debatte abhängig machen. Vor Sonnabend, dem Tage der Abstimmung, ist mit einer endgültigen Entscheidung nicht zu rechne».
Die alte Melodie
w. P. Im Palais Bourbon waren die Sitzung,, zimmer und die Wandelgänge Nacht für Nacht er- leuchtet. Aus Sonntagen wurden für die Mitglieder der französischen Kammer Arbeitstage. Die Redner der Fraktionen lösten die Referenten ab, und die Referenten Begannen mit einem neuen Kapitel des Budgets, wenn die Parteigewaltigen das Ihrige getan ober geredet hatten. Zwischendurch erhob sich der jovial-behäbige Finanzminister von seinem Platze, um mit väterlich mahnenden Worten der Opposition das sündhafte ihrer Verschleppungstaktik klarzumachen, und wenn das nichts mehr fruchtete, fuhr Andre Tar- dieu, der Ministerpräsident, schneidig mit der Vertrauensfrage in diese Budgetdebatten, Die nun einmal — Das war zunächst sein Wille — bis zum EnDe Des Jahres beendet werden sollten. Sein Schneid wurde jedesmal belohnt; die Abgeordneten parierten, und Die Regierung legte sich allmählich eine kleine Plantage gut unD minDer gut genährter Vertrauensvoten an. Das alles war für Den deutschen Beobachter berzlich uninteressant, und auch Tardieus neuestes technisches Kunststück, der plötzliche Entschluß, den Beginn des Etatsjahres auf den 1. April festzulegen, liegt außerhalb Der Dinge, Die uns zu Beifalls- oder Mißfallenskundgebungen veranlassen könnten. Wir gönnen Den französischen Parlamentariern, Die nun nicht mehr ohne Rücksicht auf Feiertag unD nachtschlafene Zeit Mr Arbeit geDrängt werben, ihre sonntägliche unb nächtliche Ruhe. Vorausgesetzt freilich, Daß Der Albdruck, Der angeblich vielen von ihnen auf Der Seele lastet, sie überhaupt zum Genießen ihrer RuhestunDen kommen läßt!
In Den letzten Kammersitzungen ist roieDer viel von diesen Aengsten, Denen Das arme Frankreich ausgesetzt fei, geredet worden. Bei der Beratung des Kriegsbudgets hallte Der Sitzungssaal im Palais Bourbon von Klageliedern wiDer. Dinge mürben zur Sprache gebracht. die au S Miksatz zu aU Dem anderen, was zuvor nn trau,willen iparmmer wäbrmD der 1 «Men beredet rourDe, auch uns angehen. Anklagen würben erhoben, die sich gegen Deutschland richteten: Vorwurfe hagelten auf uns hernieder, die nicht einfach hingenommen werden dürfen.
Und die Melodie dieser. Klagelieder? Sie ist bekannt, es ist die alte Weife von Der bedrohten Eicher- beit Frankreichs. Sie wurde von Paul Voncour, dem stlmmbegabten, französischen Heldentenor, auf der ©enfer Bühne gesungen, wenn es galt, das Schnecken- tempo der Abrüstungsverhandlungen noch stärker abzubremsen. Sie wurde von den französischen Militärs immer wieder verwendet, wenn der Räumung Schwie- rtgkelten bereitet werden sollten, und auf sie werden iHt "re Kammerreden eingestellt, mit denen die Notwendigkeit Der im ÄriegsbuDget vorgesehenen Aus- gaben nachgewiesen werden soll. Es ist kaum möglich M unterscheiden, bei welchen von den Rednern dieser Gedanke daß Frankreichs Sicherheit von Deutschland Gefahr drohe, fixe Idee, bei welchen er nur taktischer Vorwand tst. Jedenfalls — unser Werben' um Ver- trauen ftoßt immer noch in weiten Kreisen der franzö- fischen Parlamentarier auf Widerstand. Trotz der vielen Millionen Franken, die in Kanonen, Tanks und Flugzeuge umgesetzt ufttrben, trotz der Riesensummen Die in bie Befestigungsarbeiten an der Ostgrenze qe- steckt wurden und noch gesteckt werden sollen, trotz un» feret Entwaffnung unb trotz ber weitgehenden Er- futlung ber Wünsche, bie Frankreich uns hinsichtlich der Entmilitarisierung der Rheinlande vortrug, trotz alledem werden im Palais Bourbon Gespenster zitiert ।
Nicht allein Franklin-Bouillon, unbestrittener Meister im Eespenstersehen, trat in Aktion, wichtiger
^atsache, daß selbst Leute, die wie Bouillon- Lafont, der Berichterstatter über das Kriegsbudget fast auf dem linken Flügel der allerdings rechtsorientier» ten Regierung stehen, nicht eben sparsam mit Vorkursen gegen Deutschland umgingen. Ja, der Deputate unb Kriegsbudget-Referent Bouillon-Lafont fann sich sogar rühmen, zu ber alten Melodie einen betnal; neuen Text gesunden zu haben. Beinah neu! Denn gehört haben wir das, was er über die angeb« litfje Vorbereitung des chemischen Krieges in Deutschland zu sagen hatte, auch schon einmal. Das war da- mals, als sich um die Mitte des vorigen Jahres das schwere^ Phosgen-Unglück in Hamburg ereignet hatte, ^n diesen ersten Tagen des Junis 1928 strotzten die Ganser nationalistischen Blätter auch von Verdächtigungen gegen die Reichswehr; der Ruf nach Investigationen wurde laut. Aber selbst französische Fachmänner mußten damals zugeben, daß Deutschland sich keiner Verfehlungen gegen die Abrüstungsvorschriften schuldig gemacht habe. Es ist erfreulich, daß jetzt sofort von deutscher Seite den Anschuldigungen Bouillon- Lafonts entgegengetreten wurde. Das Phantasie- gebäude des französischen Deputierten konnte ohne Anstrengung eingerissen werden: Künstlicher Nebel der von der Reichswehr — übrigens alsAbwehr « Maßnahme gegen Fliegerangriffe — bei Hebungen an» gewendet wurde, ist wahrhaftig kein Giftgas Serbin, düngen zu chemischen Fabriken bestehen nicht. Die eine Firma, die genannt wurde, hat in Deutschland überhaupt leine Fabrik, und die andere erzeugt zwar Feuerlöscher, aber es ist doch wohl eine kühne An- uahme, daß sich diese Produktion von Handlöschappa- raten ohne weiteres auf die Erzeugung von Flam- menwerfern umstellen lasse. So folgt eine Widerlegung der anderen. Aber was tut's: Herr Bouillon» ^.afont wird es mit dem alten lateinischen Worte hal- ten: „Semper aliquib haerei." „Es bleibt immerhin etwas hängen."
Wenn wir aus ber Serteibigung gegen diese fran« önsslchen Verdächtigungen zur Offensive übergehen