Kasseler Neueste Nachrichten
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Nummer 289 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Montag, 9. Dezember 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
Oie Entmilitarisierung des Rheinlandes
Durchführung des Entmilitarisierungspwgramms / Abbmch einer Verladerampe bei Trier / Wahlen in Thüringen nnd Bayern
Die „geführliche" Verladerampe Ein Sonntag -er Wahlen
(Eigene.Drahtmeldung.) (Eigener Drahtbericht.)
Trier, 9. Dezember.
Aus dem großen Berschiebebahnhof E h r a n g bei Trier wird die Berladerampe am Westausgang des Bahnhofes, die im Jahre 1913 mit einem großen Kostenaufwand errichtet wurde, infolge des Entmili- larisierungsprogranttnS abgebrochen werden. Die Arbeiten werden in diesen Tagen beginnen.
Auch die 1.5 Kilometer lange Erhöhung bei Wengerohr an der Bahnstrecke Koblenz — Trier fällt dem Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich zum Opfer, hier sind ebenfalls die Zerstörungsarbeiten im Gange.
In nächster Zelt wird der Abbruch der zweiten Gleise auf der Strecke Gerolstein — Prüm — Steineck (Reubclgien) in Angriff genominen werden.
Die Engländer räumen Wiesbaden
Wiesbaden, 9. Dezember.
Seit Sonntag ist Wiesbaoen zum größten Teil von den englischen BesahnngStruppen geräumt. Es ist nur noch ein kleiner Teil eines Füfelierbataillons zurückgeblieben, der beim Einziehen der englischen Flagt e am 13. Dezember die üblichen Ehrenbezeugungen erweisen wird. Das Militärhospital, die Bäckerei und der Militärbahuhos sind schon geschlossen u'd die Gebäude zum Teil an die deutsche Verwaltung zuriickgegeben worden.
Saarbrücken. 9. Dezember Der Kreistag Saarbrücken-Land hat beschlossen, der bekannten Entschließung des Lamdesrats des Saargebiets über die Voraussetzuwgen der Rückgliederung sich voll in- haltlich anzuschlietzen.
Der Vorsitzende, Landrat Dr. Vogler, erklärte darauf, der Vorsitzende der Iregierungskommissioa Sir Ernest Wilton habe erklärt, daß es nicht Ausgabe der Körperschaften sei, diese Entschließungen zu fassen, die ja auch der Sache nicht dienlich seien Es sei ihm also als Beamten verboten (!), die Ab- stinimunq über die Entschließung zuzulassen. Daraus wurde die Entschließung unter einem anderen Vorsitzenden einstimmig, mit Ausnahme der Kommunisten, gefaßt.
Hur 23 Stimmen Mehrheit!
Tardieu stellt wieder die Vertrauensfrage.
Paris, 9. Dezember.
In der Kammer kam es bei Beratung des Budgets für öffentliche Arbeiten zu einem lebhaften Zwischenfall zwischen Ministerpräsident Tardieu und dem Berichterstatter, Abg. B o d o u c e (Sozialist). Dieser verlangte die Bewilligung eines budgetären Kredits von 100 Millionen Francs für die ersten Jnstandsetzungsarbeiten des Straßen- und Wegenetzes. Tardieu sprach unter Hinweis auf die im Plan für die Hebung der nationalen Wirtschaft vorgesehenen Mittel von politischen Hintergedanken bei einem derartigen Verlangen, worauf der Berichterstatter seine Akten schloß und das Rednerpult verließ. Erst nach der Erklärung des Ministerpräsidenten, daß er den Berichterstatter nicht habe beleidigen wollen und nach dem vermittelnden Eingreifen des Vorsitzenden des Finanzausschusses wurde der Zwischenfall dadurch beigelegt, daß das detreffende Budgetkapitel zurückgestellt wurde.
Kurz daraus sah sich der Ministerpräsident genötigt, gegen einen Antrag M o u 1 e t (Sozialist) aus Rückverweisung des Kapitels über die Besoldung der staatlich beschäftigten Straßcnarbeiter an die Kommission die Vertrauensfrage zu stellen. Mit der diesmal etwas knappen Mehrheit von 23 Stimmen (295 gegen 272) siegte die Regierung.
Kompromißformel gesucht!
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Berlin, 9. Dezember.
Erne Woche sehr intensiver politischer Arbeit liegt vor uns, und es ist nicht zu verkennen, daß der bevorstehende Verlaus der Verhandlungen über die Finanzresorm vor allem unter dem Einfluß des vom Reichsbankpräsidenten Schacht veröffentlichten Memoranduins stehen wird. Man hätte zwar auch ohnedies eine interne Besprechung des Finanzprogramms herbeigeführt, aber man hätte sich zweifellos noch lange nichi dazu entschlossen, nun endlich einmal mit diesem Programm an das volle Licht der öffentlichen Rcichsiagsverhandlungen zu treten. Nunmehr wird jeder Tag eine neue Etappe der parlamentarischen Verhandlungen bringen, und der Kampf wird dabei sehr heftig werden.
Das voraussichtliche Ergebnis, ein Ver- trauen svotum oder eine Billigungserklärung des Reichstags wird sich schließlich nur aus allgemein politischen Gründen, vor allem aus der Rücksicht auf die bevorstehende Haager Konferenz, nicht aber aus einer wirklich sachlichen Einigung der Parteien erklären lassen. Dem Vernehmen nach besteht vor allem der Kanzler mit großem Nachdruck darauf, daß er ein wirkliches Vertrauensvotum bekommt, während in parlamentarischen Kreisen starke Neigung zu einer bloßen Billigungsformel vorhanden ist.
Es ist bezeichnend, daß auch der „Vorwärts' ohne weiteres zugibt, daß der Reichstag viel lieber eine Billigüngsformel als ein Vertrauensvotum ausspricht. Das Blatt glaubt aber folgern zu können, daß in dem vorliegenden Falle eine Billigungsformel ohne weiteres eine Festlegung der Parteien aus die Grundzüge des Finanzprogramms bedeuten würde, weil ja in einer solchen Formel gerade die Darlegungen der Regierung über das Finanzprogramm gebilligt würden.
Allerdings besteht die Gefahr, daß die Darlegung der Grundzüge der Finanzresorm nur auf sehr allgemeine Richtlinien beschränkt würden, und daß dabei eine Reihe Einzelheiten, die gerade von ausschlaggebender Wichtigkeit sind, vielleicht nicht ausreichend geklärt wird. Auf diese Gefahr weist heute auch der sozialdemokratische parlamentarische Mitarbeiter der „Welt am Montag' hin, welcher ohne weiteres zugibt, eine Beschränkung aus einige mehr oder weniger allgemein gehaltene Andeutungen würden den erstrebten Zweck verfehlen und würde die Unsicherheit und Unruhe nicht verringern, sondern erschweren.
Andererseits ist aber festzustellen, daß eine Regierungskrise im Augenblick von feinet Partei gewünscht wird. Besonders das Zentrum und die Demokraten treten nachdrücklich dafür ein, daß man den Auseinanderfall des Regierungsblocks zur Zeit auf jeden Fall vermeiden müsse. Bei der Deutschen Volkspartei und den Sozialdemokraten stehen wiederum die gegenseitigen sachlichen Meinungsverschiedenheiten im Vordergründe.
So haben die Sozialdemokraten jetzt den Grundsatz ausgestellt, „Keine Steuersenkung ohne Ersatzeinnahme", was. bedeuten würde, daß die Wirtschaft in Wirklichkeit nicht entlastet werden würde, wenn für eine Steuersenkung an einer bestimmten Stelle eine Steuererhöhung an einer anderen Stelle eintreten müßte. Ferner behaupten die Sozialdemokraten, daß die Ersparnisse, die aus dem Doungplan zu erwarten sind, nicht einfach zur Steuersenkung verwendet werden dürfen, während doch bisher von den bürgerlichen Parteien immer wieder betont wurde, daß Repara- tionsersparnisse unbedingt zur Erleichterung der Wirtschaft, also zur Steuersenkung dienen müßten. Abgesehen von diesen grundsätzlichen Widersprächen sind
auch im Einzelnen genug Meinungsverschiedenheiten vorhanden. Diese beziehen sich einmal auf das Tempo, welches bei der Senkung der Ein- kommensteuer eingeschlagen werden soll. Ferner auf die sogenannte Kopfsteuer und aus die Bier- und Tabaksteuer. Weiterhin aber auch auf die Ausstellung des Etats, der ja von der Finanzreform nicht zu trennen ist.
Hier verlautet, daß insbesondere auf der Ausgabenseite des Etats einige Streichungen durch den Reichsfinanzminister vorgenommen wurden, die an politisch stark umstrittene Fragen rühren, sodaß auch hier Differenzen zwischen den" Koalitionsparteien zu befurch-en sind.
Unter diesen Umständen hat die Erwartung eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß man zunächst "den Versuch machen wird, durch eine verhältnismäßig inhaltslose Kompromißformel die Gegen- sähe, die man nicht beseitigen kann, zu vertagen und zu überbrücken, sodaß das Vertrauensvotum für die Regierung nur einen allgemein politischen Charakter haben würde, daß aber die eigentliche Arbeit an den Einzelheiten der Finanzreform wieder erst nachträglich in Angriff genommen werden müßte.
Weihnachtsamnestie für Femeleute verlangt. Im Preußischen Landtag hat der Abg. K u b e (Rat.-Soz.) eine Kleine Anfrage eingebracht, in der ausgeführt wird, der Reichspräsident habe Angehörige der alten Armee, die wegen gemeinen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt seien, völlig begnadigt. Das Staatsministerium wird gefragt, ob es bereit sei, durch Gewährung einer politischen Amnestie den Angehörigen des ehemaligen Selbstschutzes und der ehemaligen Freikorps dieselben Vorteile zuteil werden zu lassen. In einer weiteren Kleinen Anfrage desselben Abgeordneten wird das Staatsministenum gefragt, ob es angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes alle wegen sogenannter Femetaten von preußischen Gerichten Verurteilte amnestieren oder wenigstens durch Bewilligung einer sofortigen Bewährungsfrist aus dem Gefängnis entlassen wolle.
Weimar, 9. Dezember.
Rach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis • der Thüringer Landtagswahlen ergibt sich folgendes Bild:
Sozialdemokraten 257 357 Stimmen 17—18 (18) Mandate, Christnat. Bauernpartei 131688 Stimmen men 9 (9) Mandate, Kommunisten 85120 Stimmen 6 (8) Mandate, Wirtschaftspartei 76 217 Stimmen 5—6 (61 Mandate, Deutschnationale 31618 Stimmen 2—3 (4) Mandate, Nationalsozialisten 90 236 Stimmen 6 (2) Mandate, Demokraten 23 528 Stimmen 1—2 (2) Mandate), Bolksrechispartei 9 622 Stimmen 0 (1) Mandate, Deutsche Bollspartei 70 413 Stimmen 5 (6) Mandate, Komm. Opposition 12156 Stimmen 0 Mandate, Zentrum 9632 Stimmen, 0 Mandate, Hausbesitzer 423 Stimmen 0 Mandate.
Die eingeklammerten Zahlen geben die Zahl der Mandate an, die die Parteien im alten Landtag hatten Zugegeben wurden insgesamt 798005 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent.
* * *
Thüringen hat bisher unter feinen sehr unklaren Mehrheitsverhältnissen im Parlament gelitten. Die gestrigen Wahlen dürften die Hoffnung, daß jetzt endlich die notwendige Klärung erfolgen würde, enttäuscht haben. Die Parteien der bisherigen Regierungskoalition sind aus dem Wahlkampf nur noch geschwächt hervorgegangen. So hat die Deutsche Volkspartei ein Mandat verloren. Demokraten und Wirtschaftspartei werden bestenfalls ihren Bestand bewahren. Verloren haben ferner die Kommunisten und Teutschnalionalen. Die Volksrechtspartei verschwindet wieder ganz aus dem Landtage. Die e i u- zigen Gewinner sind die Nationalsozialisten, die ein Mehr von 4Mandaten zu verzeichnen haben. Die Wahlen hatten auch insofern allgemeine Bedeutung, als im Mittelpunkt des Wahlkampfes die Anschlußfrage gestanden hat. Während die Demokraten die Hauptverfechter des Anschlusses an Preußen sind, treten die Deutschnationalen, die Wirtschaftspartei und der Landbund für die Selbständigkeit Thüringens ein. Die Volkspartei, die grundsätzlich ein Aufgehen Thüringens im Reich für notwendig hält, legt sich noch gewisse Reserven auf mit Rücksicht auf die geteilte Stimmung ihrer Wählerschaft. Auf sozialdemokratischer Seite warnt man vor voreiligen Schritten und neigt mehr dem Gedanken von Verwaltungsgemeinschaf- tven zu, wie sie kürzlich mit Preußen vereinbart wurden. Es wird aber schwer fallen, aus dem Wahlergebnisse sichere Rückschlüsse auf die Einstellung der Wählerschaft zu diesen Fragen zu ziehen.
Nationalsozialistische Erfolge in Nahem
München, 9. Dezember.
Die Wahlbeteiligung bei den Gemeindewahlen in Bayern ist mit 79 bis 80 Prozent anzunehmen, dürste also den Durchschnitt der Wahlen von 1924 erreichen, wenn nicht übertreffen.
Ans den bisher gemeldeten Ergebnissen läßt sich ein ziemlich, sicherer Schluß aus dem Wahlausfall ziehen. Der hervorstechendste Zug ist das
außerordentlich starke Anwachsen der
Nationalsozialisten.
In den von dem Landesdienst des Süddeutschen Korrespondenzbureaus verwandten Städten und Gemeinden haben die Nationalsozialisten insgesamt 62 Mandate neu gewonnen und ihren Besitzstand teils verdoppelt, teils verdreifacht.
Als zweites Charakteristikum zeigt die Wahl stellenweise eine sehr
beträchtliche Schwächung der bürgerlichen Mittelgrnppen,
die in den verschiedensten Kombinationen in den Wahlkampf gingen. Im ganzen ist der Mandatsverlust in diesen Zahlen zugrunde liegenden Kommunen mit rund 50 Mandaten anzunehmen.
Vielfach sind an den Einheitslisten auch die Deutsch- nationalen beteiligt gewesen. Wo die Deutschnationale Volkspartei allein in den Wahlkampf gegangen ist, läßt sich ebenfalls ein starker
Rückgang der deutschnationalen Mandatszahlen feststellen. Ebenso haben die Demokraten und die Deutsche Volkspartei, die nirgends eigene Liften aufgestellt hatten, Teil an dem Rückgang der Einheitslisten.
Im Gegensatz hierzu steht ein beträchtliches An- wachsen der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes. Die Bayrische Volkspartei und der Bayrische Bauern- und Mittelstandsbund haben ihren Besitzstand im wesentlichen gewahrt. Die
sozialdemokratische Partei hat mehrfach nicht unbeträchtliche Mandatsgewinne, aber an anderen Punkten auch Berluste zu verzeichnen,
die sich ziemlich die Wage halten. Das Gleiche gilt von den Kommunisten.
* * *
Die Stadträte in München, Augsburg und Regensburg verfügen über eine zweifellos bürget- 11 $ e Mehrheit. In bett genannten drei Stabten burftc die Bayrische Volkspartei wieder die ersten Bürgermeister stellen.
Der neue Münchener Stabtrat wird sich wie folgt zu,ammensetzen: Sozialdemokraten 17 Sitze (16), Deutschnationale Volkspartei 3 (6), Koinnmni- 'te" ^«Ortfcbe Volkspartei 12 (14), Rationalso- ^alisten 8 (4), Grund- und Hausbesitzer 2(1), Freie Ette 3 (4). Tie aus Demokraten, Deutscher Bolkspartei u. Reichspartei des deutschen Mit- telstanbes gebildete Freie Bürgerliche Mitte, die bei den Wahlen 1924 getrennt vorgegangen war, hat demnach trotz des Zusammenschlusses einen Sitz ver- loren. Außerdem sind im Münchener Stabtrat neu .^^rkschastsring mit einem Sitz unb eine Bay- rrsche Mittelstandspartei ebenfalls mit einem Sitz
In Rürnberg stellen 19 bürgerliche Situ 51 Sozialdemokraten und zwei Kommunisten gegenüber Vier bilden die arfit Mandate der Nationalsozialisten oas Zünglein an der Wage.
politische Zwischenfälle in Frankfurt
Frankfurt (Main), 9. Dezember.
Die Nationalsozialisten hatten am Samstag abend am Hessendenkmal eine Kundgebung veranstaltet, an die sich ein Demonstrationszug durch die Stadt an- schließen sollte. Trotzdem dieser Demonstrationszug im Hinblick auf die in letzter Zeit sich häufenden Aus- fchreimngen der Nationalfozialisten polizeilich verboten wurde, bildeten sich dennoch mehrere Gruppen, die durch verschiedene Straßen nach dem Schillerplatz zogen. Aus dem Wege dorthin kam es zu Zusammenstößen mit Passanten. Ein Passant wurde gegen den Leib getreten, sodaß er mit schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Die Polizei schritt mit Gummiknüppeln ein. 23 Verhaftungen wurden vorgenommen.
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Jena, 9. Dezember. Ein etwa 40 Mann zählender Trupp Nationalsozialisten stieß am Vormittag des Wahltages in der Nahe des Wahllokals „Weintraube' mit einem kleineren Trupp Jungsozialisten zusammen, die damit beschäftigt waren, Plakate der S. P. D., die in der Nacht abgerissen worden waren, wieder zu erneuern. Es kam dabei zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der 16 Jahre alte Jungsozialist Hellmuth Vogel von einem Nationalsozialisten einen SttchindenRücken erhielt. Ter Verletzte wurde in die Klinik geschafft.
Wflimg für Pius XL
Köln, 9. Dezember.
Aus Anlaß dos goloencn Priesterjubiläums Papft Pius XL veranstaltete der Volksoeroin für das katholische Deutschland unter dem Protektorat -es Kölner Erzbischofs Kardinal Dr. Schulte in
dsr großen Messehalle eine Kundgebutig, bei der unter Leitung von Professor Bache mehrere Choräle vorgetragen wurden. Don Korn des Abends bildete die Festrede von Domkapitular Lenne, her. die Fraye: .Was ist mit dem modernen katholischen Papst und Papsttum?' behandelte.
Eine abgefunbte Huldigungsdepesche an den Papst sand eütfttmmig Annahme. Mt Begeisterung wurde das Autwortlelegramm des Pavstcs ausgenommen Ein Schlußwort von Weihbischof Heinrich Hamels, der den Segen des Papstes speu- t-etc, beschloß die Feier.
Sie polnische Kabinettskrise
Warschau, 9. Dezember.
Nachdem der Sejm Freitag bekanntlich ein Miß trauensvotum gegen das Kabinett angenommen hat beschloß der Ministerrat in seiner Sonnabend-Sitzung die Gesamtdemission des Kabinetts.
Zur Frage der Regierungsbildung, die, wie gemeldet, heute Gegenstand von Unterredungen des Staats Präsidenten mit dem Sejmmarschall und dem Senats marschall bilden wird, bezeichnet der sozialistische „Ro- botnik" das Gerücht, wonach innerhalb der matzgeben den Kreise der Gedanke Oberhand genommen habe, eine gemäßigteRegierungzu berufen, die eine Verschärfung der Situation vermeiden und mit dem Sejm Zusammenarbeiten wolle. Der polnische Gesandte in Moskau, P a t e k, und der ehemalige Mini sterpräfident B a r th e l werden in diesem Zusammenhang als aussichtsreichste Kandidaten genannt.
Die im Regierungslager stehende Presse erklärt, daß das vom Sejm gegen die Regierung am Freitag ausgesprochene Mißtrauensvotum eine Sinnlosigkeit ge wesen sei, da jede grundsätzliche Aenderuug des Systems unmöglich wäre.