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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 287

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, 6. Dezember 1929

19. Jahrgang

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Hessische Abendzeitung

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Kasseler Abendzeitung

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Sammelnummer 6808. Jnr-Msche Surechstnade teden Dienstag oon 5 Ms 7 Mr. «lE- Stratze

Oezemberstürme über England und dem Kanal

Schiffsverkehr lelüveife rmterbmiden / 16 Tote beim Untergang eines Dampfers / Sin Memorandum Schachts

150 km Stundengeschtvindigkeit

(Eigener Drahtbericht.)

Gegen die Noungplan-VerfAschung

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 6. Dezember.

der Rächt zum Donnerstag ging über England umd bat Kanal ei« furchtbarer Sturm mit schweren Wolkenbrüchen hinweg. In Falmouth mürben 158 Kilometer Stundengeschrnindigkeit des Sturmes »emeffe«. Ueberall wurden große Schäden angerich- tzet. In Islington, einem nördlichen Vorort von Lon d«l, stürzte die gesamte Vorderfront eines Hauser rin. An Aldershot und in Portsmouth stürzten die Seitenwände von drei Häusern ein, wo­bei eine Frau und drei Kinder verletzt wurden. Zahl­reiche Dächer wurden abgedcckt. Zwei Kinder wur­den von fallenden Bäumen erschlagen. In Hüll wurden zahlreiche Häuser schwer beschädigt und zahl­lose Fensterscheiben zertrümmert.

Der Schiffsverkehr im Kanal muhte teilweise ein­gestellt werden. Im Hafen von Bristol wurde ein schwerer Kran umgeworfen und die Eisenbahnlinie zerstört. Im Stadtgebiet von London wurden tau­fend Telegraphenleitungen beschädigt und 130 Ueber- bmdleitungen zerstört.

Zahlreiche Schiffe befinden sich in Seenot.

Vier Dampfer, zwei englische, ein französischer und ein dänischer, schweben in größter Gefahr. Der 24 000 Tonnen große französische DampferJsle de France" konnte Plymouth nicht anlaufen und mutzte die engfischen Passagiere zurücklaffen.

In der Nähe vo« Portsmouth treibt ein großer Dampfer, dessen Nationalität noch nicht festgestellt werden konnte, der Küste zu. Raketen-Apparate wer­den bereitgehalten, um die Besatmng an Land "« nehmen. Der spanische DampferEuech e, der sich mit gebrochener Schraube in Seenot befindet, komite do« Mei Hochseeschleppern ins Tau genommen wer­den.

Der 2384 to. große englische DampferFrank Duncan" ist gesunken

nur fünf Mann der Besatzung konnten gerettet werden, während sechzehn Mann ermntfen.

Me Ueberfchwemmungen in ganz England haben infolge der starken RegenMe erheblich zugenommen. Die Hösanrten Sommerhäuser nn Dhemfechal sichen unter Wasser. Im ganzen kamen auf See neunzehn und au Land sieben Personen ums Leben.

Aach die franzöMe Küste heimgesucht

Paris, 6. Dezember.

In der Morgen-Presse finden sich Nachrichten über die Folgen des Sturmes an der fvanzästschen Küste. Bei L o r r e n t ist eine Schalluppe gesunken, zwei an­dere sind schwer beschädigt worden. Nicht wemiger als vier englische Schiffe halben im Srurm um Hilfe gebeten. Vier Fischerboote wurden gegen die Mole geschleudert und zerschellten. Die Einfahrt in den Hafen von Cherbourg ist schwierig. Bor Caen ist die Schiffahrt überhaupt eingestellt.

beginn des HirMerger Prozesses

Hirschberg, 6. Dezember.

Bor dem Erweiterten Schöffengericht des hiesigen Landgerichtes begann heute mittag der Prozeß gegen den Grasen Christian Friedrich zn Stolberg-Wernige­rode, der der fahrlässigen Tötung seines Vaters, des Grafen Eberhard zn Stolberg-Wernigerode» ange­klagt ist.

Dir Verteidigung Angeklagten k, .bei die Rechts­anwälte Luetgebrune-Göttingcn und Dr. Rusche- Hirschberg übernommen. Die Anklage vertritt Ober­staatsanwalt Dr. Engel. Zu der Vandhandlung sind annähernd 30. Zeugen geladen. Auch Sachverständige sollen gehört werden. Den Vorsitz führt Landgerichts­direktor Hönsch.

Auf die Frage des Vorsitzenden über feinen Lebens­lauf gibt der Angeklagte die Auskunft, er sei 1901 ge­boren und habe Forstwirtschaft studiert. Der Prozeß dauert an. '

Länderlvnferenz" in Schwerin

(Eigene Drahtmeldung.)

ff Schwerin, 6. Dezember.

Arn Freitag wird in Schwerin eine Konferenz von Ministern und Abgesandten der nord- und nordwest­deutschen Länder zusammentreten, aus der das Pro­blem der Vereinheitlichung und Neugliederung des Reiches, im besonderen Norddeutschlands, besprochen werden soll. Es verlautet, daß diese Konferenz auf eine Anregung des sozialdemokratischen Ministerprä­sidenten von Mecklenburg Strelitz zurückgeht. Zur De­batte steht die Frage, ob sich die Länder an Preußen anfchließen sollen, oder ob ein großes norddeutsches Santo, das etwa beide Mecklenburg, die Hansestädte und Oldenburg unter Führung von Hamburg vereinigen würde, gebildet wird.

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8»« zuständiger Stelle wird dazu mit geteilt: Die Meldungen über die bevorstehende Ministerkonferenz in Schwerin am 6. d. M., auf der die norddeutschen Länder vertreten sein sollen, sind über Gebühr aufge- baustht. In Wahrheit handelt es sich nur um eine Be­sprechung von Vertretern derjenigen norddeutschen Länder, die in dem zweiten Unterausschuß der Län- derkonferenz selber nicht vertreten waren. Diese Län- d haben lediglich den Wunsch, in einen Meinungs­austausch über die auch in der Presse veröffentlichten Beschlüsse des zweiten Unterausschusses der Länderkon­ferenz zu treten. Daß dies durch eine gemeinsame Aussprache am besten mföglich ist, versteht sich von f-lbst. Im übrigen kann damit gerechnet werden, daß über die Besprechung eine amtliche Verlautbarung er«

man hierzu noch von gut unterrichteter Seite eMhrt, werden die Staaten Hamburg und Bremen nicht aus der Konferenz vertreten sein, sondern nur die bettoen Mecklenburg, Lübeck und Oldenburg ÄWtiberg Arakttonsvorsttzender? i Berlin, 6. Dezember.

Dm Nachfolger für Graf Westarp als Vorsitzender ver deutschnationalen Reichstagsfraktion ist noch nicht gewählt worden, da man sich in der Fraktionssitzung am Donnerstag nicht zu einigen vermochte. Man hm dle Angelegenheit einstweilen auf nächste Woche ver- toOt Während man bisher annahm, daß der Abge­ordnete Dr. Oberfohren, ein überzeugter Anhänger Hugenbergs, den Vorsitz erhalten würde, wird diese Losung letzt doch wieder in Zweifel gezogen. Man rechnet stattdessen ernstlich mit der Möglichkeit, daß Hugenberg selbst auch die Leitung der Fraktion in fc,n£ nehmen will. Immerhin kann man an der Richtigkeit dieser Ansicht noch Zweifel hege», da die Uevernahme des Fraktionsvorsitzes der bisherigen

grundsätzlichen Einstellung Dr. Hugenbergs wider­sprechen würde.

*

Mßtratmisanträge im Sejm

Dr. Brüning Vorsitzender der Zentrumsfraktion Die Zetttrumslraftion des Reichstages wählte am L-onnerstag den Achg. Dr. Brüning zu ihrem ersten Vorntzenpen. Die stelle des ersten Fraktt.onsvorfitzen- oen war fett der Ernennung Stegerwalds zum Per- kohrsimmster unbesetzt.

Rach einer Meldung derKölnischen Zeitung" ist der stellvertretende Vorsitzende des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Abraham Frowein - Elberfeld, aus der Deutschnationalen Volkspartei aus­getreten.

DieBerliner Börsenzeitung" teilt weiter mit: Wie uns aus Kreisen der aus der deutschnationalen Fraktion ausgetretenen Abgeordneten mitgeteilt wird, haben sich neben dem Vorstandsmitglied des Reichs­verbandes der Deutschen Industrie Frowein auch fol­gende vier namhaften deutschen Hochschullehrer der Sezessionsbewegung angeschloffen: Die Berliner Pro- fefforen T r i e p e l und Smend, Edward mEi)er »an der Universität Göttingen und Profeffor Holstein von der Universität Kiel.

Warschau, 6. Dezember.

Der Sejm wurde gestern mittag 12 Uhr ohne Storung eröffnet. Diplomatenloge, Presse- und Pu- blikumslribüne waren stark besetzt. Die Regierungs­bank war leer. y

Sejmmarschall Daszinski eröffnete die Sit­zung mit einer Ansprache, in der er betonte, daß sich der Soldat der Politik fernhalten müsse. Er gedachte der Verdienste des verstorbenen französischen Staats­mannes Clemenceau um den polnischen Staat Dieser Abschnitt der Rede wurde vom Hause stehend angehört. Die Abgeordneten der Deutschen Fraktion erschienen erst nach der Ehrung für Clemenceau im saale.

Nach der Ansprache Daszinskis betrat die Regie­rung mit Ausnahme des Marschalls Pilsudski den Saal, worauf der Leiter des Finanzministeriums Oberst M a t u s z e w s k i das Wort zu einem Erposee uber^ den Staatshaushalt ergriff.

spät abends wurde im Sejm von den vereinigten Parteien der Linken der angekütrdigte Mißtrau- ensantrag gegen die Regierung Switalski eige- "rachtz tu dem das Kabinett zum Rücktritt aufgefor­dert totrb. Nach der Geschäftsordnung kann der An­trag erst nach Wochenfrist zur Abstimmung gelangen. Etn zwetter Mißtrauensantrag gegen die Regierung »uröe von den Ukrainern eingebracht.

Berlin, 6. Dezember.

Reichsbankprästtoent Dr. Schacht hat den zustän­digen Stellen ein Memorandum zum Aoungplan über­reicht, in dem er betont, daß es ihm unmöglich sei, weiter zuzusehen, wie die Absichten des Noungplanes verschoben und seine Erfolgaussichten gefährdet wer­den. Das, was inzwischen geschehen sei, oder ange strebt zu werden scheine, erfülle ihn mit der aller­größten Besorgnis.

Der Umstattd, daß die deutschen Sachverständigen die Tragbarkeit der Noungzisfern nicht anerkannt ha­ben, lege auf das klarste die Größe der Verantwortung dar, die die Gläubiger-Sachverständigen auf sich ge­nommen haben, indem sie die Ziffern für tragbar er- klärtcht. Wenn in den Verhandlungen mit den aus­wärtigen Regierungen über die Inkraftsetzung des Doungplanes nunntehr von Deutschland über den Uonngplan hinaus weitere große Opfer ver­langt werden, so sei von vornherein klar, daß die Tragbarkeit der Ziffern des Foung- Planes noch viel mehr in Frage gestellt unb die Verantwortung der Gläubigersachverstänbigen von den ausländischen Regierungen noch stärker be­lastet werde. Damit, daß jetzt nahezu jede einzelne Gläubigerregierung versuche, übtr den Youngplan hinaus weitere finanzielle und wirtschaftliche Leistun­gen aus Deutschland herauSzupressen, verstoßen die ausländischen Regierungen gegen die ausdrücklich im Nvnngplan ihnen zur Pflicht gemachte Zusammcnar- bett. Die finanziell eEntla st nng werde durch die zusätzliche Belastung, die man Deutschland außer­halb des Planes zumute, illusorisch gemacht. Es liege keinerlei Veranlaffung vor, ohne gleichwertige Gegenleistung freiwillig in irgendeinem Punkte auf die Geltendmachung der Klausel zu verzichten, daß Deutschlands frühere Verpflichtungen durch den Aoungplan ersetzt werden sollen, oder Zahlungen zu leisten oder Verzichte auszusprechen. Wenn Deutsch­land sich bereit erkläre, einseitige Empfehlungen der Glänbigersachverständigen zu befolgen, so müffe da- gegen verlangt werden, daß die Empfehlungen der deutschen Sachverständigen ebenfalls befolgt oder andere Gegenleistungen geboten werden.

Im zweiten Teil des Memorandums wird ausge­führt, welche

neuen finanziellen Zumutungen an Deuffchland gestellt worden sind. U. a. solle Deutschland auf den Ueberfchuß von 400 Millionen Mark verzichten, der sich aus der Ueberschneidung von Dawesplan und Young- Plan ergibt. Deuffchland solle gerade in den ersten Jahren des Youngplanes, deren Erleichterung für das Gelingen des Ganzen von enffcheidender Bedeutung ist, eine Erhöhung der ungeschützten Annuität vorneh­men. Deutschland solle auf rund 300 Millionen Mark aus liquidiertem deutschen Eigentum verzichten. Deuffchland solle laut deutsch-polnischem Vertragsent­wurf auf außerordentlich hohe Eigentumsansprüche ge­gen Polen verzichten. Alle diese Verpflichtungen, die zusammen in die Milliarden gingen, sollten ohne irgend eine nennenswerte Gegenleistung erfolgen.

In Teil 3 erklärt Dr. Schacht, es fei auch

nicht die leifeste Begründung im Aoungplan ent­halten, Verzichte unb Zahlungen ohne gleich­wertige Gegenleistungen zuzufagen.

Im Teil 4 des Memorandums führt Dr. Schacht u. a. aus, daß eine weitere unerläßliche Voraussetzung für die deutfchen Sachverständigen in Paris die En»- fchlossenheit der Reichsregierung war, im finanziellen Gebaren von Reich, Ländern und Gemeinden eine dauernde Ordnung zu f(baffen, und die Tragung der fchweren Lasten des Youngplanes durch eine

innerwirtschaftliche Erleichterung der toeutfchen Produktion

zu ermöglichen. In beider Hinsicht fei feit der Unter­zeichnung des Youngplanes nicht das geringste ge­schehen.

Im Teil V bezeichnet Dr. Schacht die Situation, vor der er sich als deutscher Mitunterzeichner des I .Youngplanes befinde:

Das deutsche Volk muß erwarten, daß die aus­ländischen Regierungen endgültig ihre Versuche aus- geben, über den Aoungplan hinaus Sonderleistungen unb Sonderverzichte aus der deutschen Wirtschaft her- auszupreffen. Sie müffen wiffen, daß sie durch eine solche falsche Poljffk die Verantwortung dafür auf sich laden, wenn der Aoungplan von vornherein mit schweren Störungen zu rechnen hat, und die Mobili­sierung der Annuitäten gefährdet wird.

Ich habe so erklärt Dr. Schacht schließlich mit allem Nachdruck die Agitation gegen den Aoung- plan bekämpft, ich halte das eingeteitete Volksbegeh­ren, das dieser Agitation dient, für einen schweren I

Fehler. Aber gerade well ich mich für die Annahme des Aoungplanes einsetze, Wünsche ich nicht, teilzuha­ben an seiner Verfälschung.

Veraniworümgsbewußte Opposition

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Berlin, 6. Dezember.

Das netze Memorandum des Reichsbankprästdenten Dr. Schacht, in welchem er sich gegen Verfälschung des Youngplanes, gegen neue Verpflichtungen und vor allem gegen jede Verschleppung der neuen deutschen Finanzreform wendet, hat besonders wegen der voll­kommen überraschenden Form seiner Veröffentlichung das größte Aufsehen hervorgerusen. Das Reichs- k a b i n e t t wird sich noch im Laufe des heutigen Tages mit diesem Memorandum beschäftigen, dazu Stellung nehmen und voraussichtlich eine Antwort darauf veröffentlichen.

Die politische Bedeutung dieses Memorandums ist darin zu erblicken, daß einesteils für die zweite Haager Konferenz gewisse Schranken aufgerichtet werden, die nicht überschritten werden dürfen, falls die Sachverständigen überhaupt noch eine Verant­wortung für den Aoungplan aufrechterhalten sollen. Andererseits ist die Mahnung für die Reichsregierung, die Iinanzreform ,-*ä beschleu­nigen, von großer inn polit scher Bettung. Man wird dem Sinne der Denkschrift nur gerecht werden, wenn man darin die Methoden der verantwor­tungsbewußten Opposition erblickt, aus der noch jede Regierung Nutze» ziehen konnte, wenn sie in der Lage war, einen derartigen oppositionellen Vorstoß politisch richtig auszuwerten.

Es iift sehr zu wünschen, baß es dem Reichskabi- nett gelingt, eine derartige Stellungnahme zu der Schlachtschcn Denkschrift zu gewinnen, weil aüdcror- seits der damit verbundene ernste und wtchftge Zweck verfehlt würbe und lediglich der Parteipoli­tische Meinungsstrett übrig bleiben würde, den die Denkschrift bereits jetzt hervorgerufen hat.

Der innerpolitische Teil der Aktion Dr. Schachts . ist allerdings bereits in dem Augenblick überholt, in welchem er veröffentlicht wird denn wir haben vor einigen Tagen bereits gemeldet, daß die Reichsre- gierung den bisherigen Plan, die Finanzre­form erst nach der Elledignng des Youngplanes in Angriff zu nehmen, aufgegeben hat und daß noch in diesen Tagen Besprechungen zwischen dem Ka­binett und den Parteiführern über die schleu - n i g e Erledigung der Etataufstellung und der Steuerreform stattfinden sollten.

Das Schacht-Memorandum

im Spiegel her Berliner Presse.

Berlin, 6. Dezember.

^-Das Memorandum Dr. Schachts wird im .Vor­wärts rundweg abgelehnt Das Blatt unterstellt dem Retchsbankprasidenten sogar persönliche Motive und vermutet, daß Dr. Schacht mit seinem Vorstoß eine tnnerpolitische Mtion plane. Es verlangt, daß der Relchsbankpräsident in die Schranken seiner Be­fugnisse zurückgewiesen wird.

. , Die .V ossische Zeitung" und das .Tage- b l alt äußern zwar auch gewisse Bedenken in der H-nncht. daß das Memorandum vielleicht statt des erhosfien Nutzens außenpolitisch Schaden stiften könne, xsn beiden Blättern wird aber bet tiefe Ernst unb ba§ Verantwortungsbewußtsein anerkannt, mtt welchem Dr. Schacht seine Aktion unternommen hat.

Eine besonders sachliche und dem Sinne der An­gelegenheit gerecht werdende Beurteilung findet sich rn zwei anderen durchaus mittelparteilich gerichteten Blättern, nämlich im Zentrnmsb'att .Germania" und im demokratischen berliner Vörsencourier". In der .Germania" wird ausgeführi, daß diese Denk schrist gerade das beteiligte Ausland darauf hinzu weisen vermag, daß über den Youngplan noch kei­neswegs dcks letzte Wort gesprochen wurde Es fei zu hoffen, daß die Denk'chritt eine entsprechend klärende und für Deutschland bessernde Wirkung im Ausland zui Folge haben werde. Auf jeden Fall müßte alles zur Stärkung der deutschen Unterhändler bei den bevorstehenden Haager Verhandlungen getan werden.

ImBörsencourier" wird betont, daß die Lachoer ständigen der Alliierten ebenfalls die Deduk­tionen Dr. Schachts, die tn allen Einz»'hei.en nüch­tern, sachlich und Überzeugeno feien. Lsort für Won unterschreiben müßten, denn daran lasse sich nichts drehen uns deuteln. Der Reichsregierung seien für die bevorstehenden Haager Verhandlungen die Hände nunmehr noch fester gebunden als bisher und der Zweck dieser Bindung sei fine ehrliche und rücksichts- tose Liebe des deutschen Sachverstänbigeifführers zur wirtschaftlichen Wahrhaftigkeit, zu seinem Volke und dem Weltfrieden.