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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung JM. Hessische Abendzeitung

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Nummer 226 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig Sonnabend/Sonniag, 23-/24. November 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Ohne Rüstungsbeschränkung keinWettfriede"

Sine Rede Kellogg- in London / Rene Ettiärungen Irlands zur Räumungsstage / 300 deutsche Kolonisten erhalten AusreisegenehmiMg

Totenfest

oon

Arthur Brausewetter

Totenfest! Nein, fie sind nicht tot, die uns genom­men. Sind es ebensowenig wie wir es einmal sein werden, wenn dieser Erde Tage für uns dahin sind. Einen Tod, der Aufhören des Lebens ist, gibt es gar nicht. Denn das Leben an sich ist etwas füglich Un­zerstörbares. Es sei einem denkenden Wesen durch­aus unmöglich, sich ein Nichtsein, ein Aufhören des Denkens und Lebens zu denken, sagt Goethe einmal zu F. v. Müller (19. Okt. 1823). Das Fortlebende nennen wir die Seele. Aber wo bleibt sie, wenn sie den Körper verlassen? Geht sie ein in das Reich der Aeonen? Kehrt sie zu Gott zurück? Oder wandert sie?

Es ist wunderbar, wie tief der Gedanke der Seelen­wanderung dem Menschen eingeboren ist. Schon der Seelenwanderungslehre der ältesten Religionen liegt «in tiefer Sinn zugrunde: das Gesetz der Vergeltung. Der Tod nie etwas Endgültiges, sondern nur der Uebergang zu neuer seelischer Entwicklung. Was ich heute in dieser meiner gegenwärtigen Eristenz erlebe an Freude und Leid, an Glück und Unglück, das ist nichts als die Frucht meiner Taten in vorhergegan­genen Existenzen. Ebenso wird das Gute oder das Böse, das ich in meinem gegenwärtigen Leibe tue, der Keim für mein späteres Leben. Je ernster und auf­richtiger ich gesucht und gestrebt habe, je weniger ich mich von der Kleinlichkeit der Welt habe bestricken lassen, in ein um so höheres Lebewesen kehrt meine Seele nach dem Tode ein. Je niedrigeren Lüsten ich gefrönt habe, je äußerlicher und selbstsüchtiger meine Ent-vicklung sich vollzogen, zu um so niedrigeren Lei­bern wird meine der Läuterung bedürftige Seele ge­sandt . . fraglos eine Lehre von tiefer Sittlichkeit.

Aber freilich auch eine unversöhnliche. Denn für bas ganze ruhelose Leben kommt es nach ihr niemals zu einer wirklichen Ruhe. Das ganze Dasein von Ur- begmn ist umklammert von dem unerbittlichen Gesetze der Ursächlichkeit, von der ewigen Verkettung von Schuld und Schicksal.

Eins aber fehlt. Gerade das, was das große, das erhebende Moment der christlichen Religion ausmacht: der Liebesgedanke der Erlösung. Der Tod kein Er­löser, ebensowenig wie es von ihm eine Erlösung chibt. Denn er führt die Seele des Verschiedenen ruhelos von einem Dasein in das andere.

Man wird aber die Lehre von der Seelenwande­rung etwas tiefer fassen müssen, will man ihrem Kern und Gehalte beikommen. Denn wie alles Große ist auch sie symbolisch. Sie verkörpert in sich das Sym­bol für den Sieg über den Tod. Sie nimmt ihm den Stachel. Solange Leben ist, gibt es keinen Tod. Glaubt dieser, eine Kreatur vernichtet zu haben, flugs geht da» eigentliche Sein dieser Kreatur in eine an­dere über und lacht des ohnmächtigen Zerstörers. Sterben also, nicht Aufhören, sondern Fortschritt, Ent­wicklung, nicht Ende, sondern Anfang. Der Tod, wider seinen Wunsch und Willen ein Schöpfer ersten Ran­ges, der unaufhörlich an der Arbeit ist, das Böse wollend und das Gute schaffend. Der Tod, der Former eines nie aufhörenden Lebens, sein eigentlicher Schöpfer in immer neuer Wandlung und Gestaltung: das die Idee der Seelenwanderung.

In einem wunderbaren Empfinden, das vielleicht niemandem fremd ist, mag diese einen natürlichen An­haltspunkt haben: Daß wir nämlich manchmal fühlen ja wissen, daß wir ein bestimmtes Ereignis genau ebenso früher schon einmal erlebt haben. Vielleicht beruht auch die wunderbare und unerklärliche An­ziehungskraft, die uns zu einem bestimmten Wesen hinzieht, auf der Tatsache, daß wir ihm vor langen Zeiten einmal in anderer Gestalt nahegestanden haben.

Was ist das Leben tn der Seelenwanderungslehre? Eine flüchtige Unterbrechung des Todes. Ebenso wie der Tod eine flüchtige Unterbrechung des Lebens ist. Eins nur gibt es, bleibend und über jeden Wechsel erhaben: die Liebe.

Was können wir aus dieser Lehre am Toten­sonntag für uns schöpfen?

Daß die Liebe allein unsterblich macht. Denn wen wir wirklich geliebt haben, den kann kein Tod uns rauben. Wollen wir nicht wesenslos untergehen, so müffen wir dafür sorgen daß uns ein Herz gehört, dem wir unentbehrlich sind. Denn nur der Unent­behrliche ist unsterblich. Ueberall sind wir entbehrlich: in der Arbeit, im Berufe, und seien beide noch so groß, und dünken wir uns in ihnen noch so unentbehr­lich. Nur in dem Herzen nicht, das wir mit unserer Liebe ausfüllen.

Lieben im Bewußtsein, daß unsere Liebe im Lichte der Ewigkeit gemesien wird, das ist die Aufgabe, die das Totenfest uns stellt.

Ser Kampf gegen die Landflucht

Berlin, 23. November.

Der Reichslandbund veranstaltete am 22. und 23. November eine Führertagung, die unter dem Leit­gedanken stand:Der deutsche Bauer und das deutsche Volkstum." _ ,

Die Führertagung eröffnete der Pragdent des Reichslandbundes, Reichsminister a. D. Dr. h. c. Schiele, mit einer Begrüßungsansprache, in der er ii. a. aussührte: Die Landflucht hat ihre letzten Wur­zeln in der Unterbewertung ländlichen und bäuerlichen Wesens, der sich unser ganzes Volk und besonders un-

Amerikas Iniereffe an Europa

(Eigener Drahtbericht.)

Frieden und Schiedsgerichisbarkeik

Von

Loubou, 23. November.

Mit dem Problem der Abrüstung und des Welt­friedens beschäftigte sich gestern abend der frühere amerikanische Staatssekretär Kellogg auf einem zu seinen Ehren gegebenen Essen im Pilgrim-Klub, wo­bei sich Kellogg für eine englisch-amerikanische Ver­ständigung einsetzte. Ministerpräsident Mac- d o n a l d, der an der Teilnahme an dem Festeffen ver­hindert war, schickte ein Begrllßungstelegramm.

Im Verlause der Rede erklärte Kellogg, daß eines der wichtigsten Probleme, denen sich die Völker gegen- Lbergestellt sehen, die Frage der Herabsetzung und Be­schränkung der Rüstungen sei.

In der Herabsetzung der Rüstungen allein liege die eigentliche Sicherheit für den Frieden der Welt. Die Sicherheit in der Welt könne nur durch gegenseitige Achtung, Vertrauen und Für, derung der Mittel zur friedlichen Beilegung von Konflikten zwischen den Nationen erreicht werden. Das amerikanische Volk zeige sich an den Geschehnissen in Europa aus dem Grunde nicht mehr uninteressiert, weil eine Kriegsgefahr in Europa eine Gefahr für die Welt darstellt.

Lord Robert Cecil sprach in feiner Rebe mit Bezug auf die kommende Flottenkonserenz die Hoffnung aus, daß das Ergebnis der Konferenz die Grundlage für einen weiteren Fortschritt bilden werde. Die Flottenabrüsttmg fei nur der erste Teil, die Land- und Lustabrüstung müsse noch behandelt werden. Atzch hier hoste England auf die Hilfe der Vereinigten' Staaten.

(Diehe auch den Artikel

.Frieden und SchiedsgerichtLbarkeit!").

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Doch noch Ausreise-Erlaubnis

Berlin, 23. November.

Am Freitag ist im Reichsministerium des Innern unter dem Vorsitz von Geh. 9tat Hering eine Sitzung zusammengelrelcki, in de« Wer die Angelegenheit der russischen Fluch.linge verhandelt wurde. Es sollte geprüft werden, wie für die Flüchtlinge am besten in Deutschland gesorgt 'werden könne und ob sie nach Kanada oder Südamerika weiter gebracht werden können.

Die rnffische Regierung hat allerdings den Flüchtlingeii die weitere Ausreiseerlaubttis verwei­gert, aber es wurde doch an den deutschen zuständi­gen Stellen die Hoffnung gehegt, daß von der russi­schen Regierung die Ausreisegenehmigung erreicht werden könnte, wenn es gelänge, den Weitertrans­port der Flüchtlinge aus Deutschland möglichst bald durchzuführen.

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Moskau, 23. November. Wie die Telegraphen- agentur der Sowjetunion erfährt, reifen heute über 300 deutsche Kolonisten mit ihren Familien von Leningrad nach Deutschland ab.

Rotruse aus per Mandschurei

Russische Fliegerangriffe erfordern viele Todesopfer.

London, 23. November.

Sowjetrussifche Flugzeuge haben nach Moskauer Meldungen auf die Stadt Hailar, 125 Kilometer von Mandschuli entfernt, Bomben abgeworfen. Der Be­zirk zwischen Mandschuli und Tschakan ist von den Sowjetruffen besetzt worden.

Von zahlreichen öffentlichen Körperschaften in der Mandschurei sind Telegramme an die Unterzeichner­mächte des Kellogg-Paktes gerich.et worden, in denen die Aufmerksamkeit der Mächte auf die durch den Ein­marsch der ruffischen Truppen in der Mandschurei entstandene Lage gerichtet wird.

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Wie die Tokioer ZeitungAsahi" aus EHarbin meldet, sind ttach Fküchtliugsnachrichten bei dem wäh­rend der letzten Kämpfe an der mandschurischen Grenze unternommenen Bombeuangrifs sowjetrusstscher Flie­ger auf Dalainor tausend Personen, sowohl Soldaten wie auch Angehörige der Zivilbevölkerung in den Kohlengruben von Dalainor ums Leben ge­kommen. Sie hatten in den Minengängen Schutz ge­sucht. Einige Fliegerbomben trafen in die nächste Um­gebung der Zeche, wodurch die Flüchtlinge verschüttet wurden.

Clemenceau im Sterben

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. November.

Der Zustand Clemeueeaus hat sich bis zu den frühen Morgeuftunden nicht geändert und ist weiterhin hoff­nungslos. Einer der behandelnden Aerzte erklärte, daß ein chirurgischer Eingriff nicht mehr möglich sei.

Im einzelnen wird über die Erkrankung des Tigers" berichtet: Der Todeskamps Elemenceaus dauert an, doch haben die Schmerzen, die in der ver­gangenen Nacht so groß waren, daß sein Seufzen und feine Klagerufe bis auf dem Hofe vernommen wer­den konnten, etwas nachgelaffen. Kurz vor Mitter­nacht gab Dr. de Gennes die Erklärung ab, daß C-lemenceau Momuete habe, in denen das Bewußt- fein zurückkebre Tann fiele er wieder in den Zustand der Bewußtlosigkeit zurück, der die Folge einer um sich greifenden Harnsäurevergistung fei. Herz und Lunge des Kranken arbeite en dabei vollkommen nor­mal, nur die Nieren ließen den Kranken im Stich.

Nomgplau «nd Räumung

Neue Erklärungen Briands.

Paris, 23. November.

In seinen gestrigen Erklärungen vor der Außen­politischen Kammerkommission gab B r i a n d über die gesamte internationale Politik Ausschluß. So äußerte er sich eingehend zu den Poungplanverhandlungen. Er hoffe, daß auch auf der im Januar stattfindenden

zweiten Haager Konferenz alles gut gehen werde. Wahrscheinlich werde auch der englische Schatzkanzler Snowden keine allzu großen Schwierigkeiten hin­sichtlich der Internationalen Zahlungsbank machen.

Die zu lösenden Probleme würden in diplomatischen Verhandlungen genügend vorbereitet werden, sodaß die Konferenz, wie er hoffe, in kürzeestr Frist mit einem positiven Ergebnis abgeschloffen werden könne. Man werde also vor Ende Februar wissen, ob der Poung- plan in Kraft trete. In diesem Falle

habe die französische Regierung kein Jntereffe daran, die Räumung des Rheinlandes zu ver­zögern, sondern sie werde sie im Gegenteil nach Möglichkeit beschleunigen. Wenn dagegen der Poungplan nicht zustande käme, könne auch von einer Räumung keine Rede sein.

Auf eine Frage Franklin - Bouillons, der wieder einmal sein bekanntes Steckenpferd ritt, er­klärte Briand, Deutschland habe versprochen, die-Zer­störung der an der französischen und polnischen Grenze bestehenden strategischen Bahnen und insbesondere der Laderampen in Kürze durchzuführen.

Nach Schluß der Sitzung trat erneut die Spannung zwischen der Regierung und ihrer Mehrheit zutage: Während die der Linken, also der Opposition, ange­hörenden Abgeordneten sich von Briands Mitteilungen sehr befriedigt zeigten, erklärten die zur Regierungs­mehrheit zählenden Mitglieder der Rechtsparteien, Briands Erklärungen hätten die nötige Klarheit ver­missen lassen, und man habe keinen Grund, Vertrauen in seine Polirik zu setzen.

Frank B. Kellogg

(ehemaligem Staatsfekretär der Vereinigten Staaten.)

Wir leben in einer Periode großer Fortschritte auf dem Gebiet freundschaftlicher Verständigung zwischen den Nationen, und kein Zeitpunkt scheint mir geeigneter, mit dankbaren Gesühlen des Waffen­stillstands zu gedenken, der dem größten Krieg, der schrecklichsten Katastrophe aller Zeiten ein Ewvo machte, als die Tage, da sich fein Abschluß zuck elf­ten Mal jährt.

Die beste Art. den Krieg als Mittel zur Schlich­tung internationaler Streitigkeiten zu beseitigen, ist die, das Wirkungsfeld der Schiedsgerichtsbarkeit über alle rechtlichen Fragen zu erstrecken, Verträge abzuschlietzen, welche die Grundsätze der Versöhnung auf alle Fälle anwenden, die dem Schiedsverfahren nicht unterliegen, und alle Nationen der Welt zu veranlassen, den Krieg zu verwerfen, ihm als In­strument internationaler Politik zu entsagen und sich zugunsten einer friedlichen Regelung aller Strei­tigkeiten auszusprechen. Auf diese Weise kann die Unrechtmäßigkeit des Krieges gesetzlich festgelegt werden.

Es gibt noch ein zweites Mittel, zu dem die Regierungen und Privatorganisationen der ganzen Welt greifen können, nämlich das, die Menschen 3« vevci.Äaffen, sich einer friedlichen ^'ffuung zu bc- fleißigon und ihnen einzuschärfen, daß der Krieg nicht mir ein barbarisches Mittel ist, Streitigkeiten zu schlickten, sondern auch eines, das die Welt in fure.;.- bareS ELnll, Leid und Unglück Kstdrzt'hat. Wenn die Völker keinen Krieg mehr wollen, wird es auch keinen mehr geben. Tas Schiedsverfahren ist der Mechanismus, durch den der Friede ausrechterhalten werden kann. Dieser Mechanismus stmktioniert aber nur dann klaglos, wenn er von einem allgememsn Friedenswillen gestützt wird.

Schiedsgerichtsbarkeit und Versöhnung gewinnen im Gedankenkreis der Menschen ständig an Raum. Meines Erachtens ist diese Bewegung für die Festi­gung des Weltfriedens von außerordentlicher Wich- tigkeit. Wenn alle Völker zu der Ueberzeugung ge­langen, daß sich ihre Zwiste am heften durch diploma­tische Schritte oder, falls diese versagen, durch Schieds- oder Schlichtungsverfahren beseitigen laffen, so hat die Welt einen großen Schritt nach vorwärts getan. Ich weiß genau, daß Schieds- und Freund­schaftsverträge schon seit vielen Jahren bestanden Hu­ben und daß trotzdem der größte Krieg, den die Ge­schichte kennt, zum Ausbruch kam. Das aber darf kein Grund zur Entmutigung sein, de.nn die ganze Welt ist heute derartigen Mitteln, internationale Konflikte zu beseitigen, zugänglicher denn je. Ich weiß auch genau, daß es viele politische Fragen gibt, die sich nicht durch das Schieds-, wohl aber durch das Schlich­tungsverfahren regeln laffen. Ich weiß, daß interna» lionale Eifersüchteleien, nationaler Ehrgeiz und Ras­senhaß oft zum Kriege führen. Diese Reibungsur­sachen aber können durch Belehrung, Erziehung und Duldsamkeit und Schaffung eines werktätigen Willens zum Frieden beseitigt werden.

Außer diesen Maßnahmen zur Sicherung des all­gemeinen Friedens, kenne ich nur noch ein Mittel: einen Vertrag, durch den die Nationen der Welt ver­pflichtet werden, den Krieg zu verwerfen, ihm ge­genseitig als Instrument nationaler Politik zu entsa­gen und feierlich zu erklären, daß die Regelung inter­nationaler Streitigkeiten, welcher Natur und Ur­sprungs sie auch fein mögen, nur auf friedlichem Wege angestrebt werden dürfe. Das ist der Sinn des viel- feitigen Antikriegspaktes, der in Paris unterzeichnet wurde. Die erste Anregung zu diesem Schritt ging von M. Briand in Form eines Vorschlags an die Verei­nigten Staaten aus, in einem zweiseitigen Vertrag mit Frankreich auf den Krieg als Mittel zur Schlich­tung der Streitigkeiten zwischen beiden Ländern zu verzichten. Die amerikanische Regierung war der An­sicht, daß dieses Uebereinkommen auf alle Nationen

jete Politik schuldig gemacht hat. Heimstättenpolitik und Siedlungspolitik sind deshalb die beiden Pfeiler einer neuen, im wahren Sinne sozialen Bevölkerungs­politik. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die Wiederherstellung der Rentabilität vor allem unserer bäuerlichen Betriebe. Ebenso wichtig, in mancher Be­ziehung noch wichtiger ist eine Besitzerhaltungspolitik.

Das Gesamtergebnis der zahlreichen Referate faßte Präsident Hepp in feinem Schlußwort dahingehend zusammen, daß der Pernichtungsfeldzug gegen den Menschen durch den Versailler Knechtungsvertrag nicht beendet, sondern nur in ein Stadium getarnter Zer stönmgsarbeit übergeleitet worden sei. Kennzeichnend für diese Einstellung fei es auch, daß der im Dawes- ubkommen vorgesehene Wohlstandsindex mitbestimmt wird von einer etwaigen Kinderzunahme. Die Wie­derherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft be­deute nicht mehr Neufundierung des Bevölkerungs­wachstums, sondern sei vor allem das beste Vertei­digungsmittel des deutschen Ostens.

Die Lüneburger Attentate aufgeklärt

Neue Verhaftungen.

Altona, 23. November.

Landgerichtsdirektor Masur-Berlin, der die Er­mittlungen in der Bombenangelegenheit leitet, gab gestern nachmittag folgenden Berichi aus: Der verhaf­tete Landwirt Amandus Vick junior aus Rönne ge­stand, an drei Lüneburger Attentaten beteiligt gewe­sen zu fein. Auch der verhaftete Landwirt Luhmann aus Clues, Kreis Winsen, gab die Beteiligung an den ersten beiden Bombena tentaten zu. Alle drei Lüneburger Attentate find somit aufgeklärt.

Donnerstag wurden weitere zahlreiche Berhaftun gen wegen Verdachts der Beteiligung an den Brenn- stosfattentaten vorgenommen und zwar in Lüneburg, in der Umgebung von Lüneburg, in Friedrichskoog, Leck, Flederwurth, Harblek und Lunden.

der Welt erstreckt werden muffe, damit die Erklärung Teil eines internationalen Gesetzes und der Grund­stein eines dauernden Friedenstempels werden könne.

Ich weiß, es gibt Männer, die es den hohen Idea­len eines Welttribunals oder Ueberftaates anheim­stellen wollen, zu entscheiden, wann eine Nation ihr Versprechen, dem Kriege zu entsagen, gebrochen hat, oder gewaltsam den Frieden aufrecht zu erhalten und den Schuldigen zu bestrafen: ich für mein Teil staube jedoch nicht, daß alle unabhängigen Nationen bereits so fortschrittlicher Gesinnung sind, daß ein derartiges Tribunal eingesetzt werden kann. Sollen wir daher den Abschluß der Weltverträge, in denen wir uns ver­pflichten, dem Krieg zu entsagen, auf jenen unbe­stimmten Zeitpunkt verlegen, da die Völker zur Ueberzeugung gelangt sein werden, daß sich ein souve­räner Staat sehr wohl einem internationalen Tribu-