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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 274

Oonnersstag, 21. November 1929

19. Jahrgang

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Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig

Deutsch-polnisches Luftfahrtabkommen

Zur Erleichterung des Luftverkehrs / Heute Segmn der Saarkvnferenz / Langwierige Verhandlungen? / Statte deutsch-französische Gegensätze

Immer noch polnische Luftspionage

(Eigener Drahtbericht.)

Warschau, 21. November.

Wie dieGazeta Warszawska" berichtet, machen die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen weitere Fortschritte. Am heutigen Donnerstag tritt ein Abkommen in Kraft, das den deutschen Flugzeu­gen die Uebersliegung des Korridors im Luftverkehr mit Ostpreußen und den polnischen Flugzeugen die Uebersliegung deutschen Gebietes auf dem Luftwege zwischen Posen und Kartowitz, so wie zwischen Dan­zig und Warschau gestattet.

In Warschau sollen die Vertreter der vier großen deutschen Schiffahrtslinien eingetroffen sein und mit dem polnischen Auswandereramt am Mittwoch eine Konferenz abgehalten haben.

In Lublin hat eine nationalistische Kundge- bung gegen die deutsch-polnische Liquidierung statt- gefunden.

*

Die deutsch-polnische Verständigung in den Fra­gen des Luftverkehrs ist natürlich aufrichtig zu be­grüßen. Es wäre aber zu wünschen, daß die deutsche Regierung die Gelegenheit benutzt hätte, um die Warschauer Regierung auf die zahlreichen Grenzver­letzungen, die m der letzten Zeit durch polnische Militärflieger erfolgten, hinzuweisen. Diese Besuche" dienen ofefnbar nur Spionagezwecken, uns es wird daher Zeit, daß Deutschland gegen diese Gäste" Front macht

Aus Reu-Bentschen wird erst jetzt wieder folgendes berichtet: Am Bußtag nachmittag überflog ein polnisches Militärflugzeug, aus Richtung Dentschen kommend, die deutsch-polnische Ä,.*e«?e Ren ^".tschen. Der Flieger kreiste 'n nur geringer Höhe über der erst vor kurzem errichteten Polizei- und Grenzsunk stelle, sowie über den Anlagen des noch teilweise im Bau be­findlichen Grenzbahnhofes Neu-Bentschen. Im An­schluß hieran flog das Flugzeug an der neuerbauten Eisenbahnstrecke Reu-Bentschen entlang bis zum Grenzbahnhof Schtensch, woselbst es wendete und an der Hauptstrecke Berlin-Posen zurückflog.

Diese Schilderung beweist also, wie dringlich ein

deutsches Einschreiten gegen die polnischen Grenzver­letzungen ist.

Aasige Zwischenfälle in Warschau

Bei einem kommunistischen Umzug.

Warschau, 21. November.

Obgleich die Warschauer Sicherheitsbehörden in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch Haussuchun­gen bei den hiesigen kommunisttschen Organisationen veranstalteten und 327 Personen verhafteten, ist es am gestrigen 10. Jahrestage der Gründung der kommunistischen Jugendinternationale zu blutigen Zusammenstößen gekommen.

Die geplanten großen Kundgebungen der Roten Jugend konnten micht stattfinden, doch bewegte sich ein kommunistischer Umzug von 3500 Personen, hauptsächlich Jugendlicher, durch die Straßen der Vorstadt. Zwischen den Kundgebern und Straßen­paflanten kam es zu einem Zusammenstöße, in dessen Verlaus mehrere Revolverschüfle fielen. Als die Po­lizei anrückte, zerstreuten sich die Masten, während ein Toter und zwei Schwerverletzte aus dem Platze blieben. Zwei weitere Personen sollen Ver­wundungen davongetragen haben.

Deutsche unter Anklage

Warschau, 21. November.

Wie die polnische Telegraphenagentur aus Brom­berg meldet, ist auf Grund einer Entscheidung des Untersuch«nosriebters die gegen 37 Mitglieder des vor 6 Jahren in Bromberg aufgelösten Deutschtums- bundes eingeleitete Untersuchung wegen Hochverrats eingestellt worden. . , ,

Gegen 5 Mitglieder bleibt die Untersuchung wegen Vergehens gegen Paragraph 129 des Strafgesetz­buches aufrecht, ebenso gegen acht weitere Mitglieder, die wegen staatsfeindlicher Tätigkeit angeklagt sind.

Austakt zur Gaarkonferenz

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 21. November.

Die deutsch-französische Saarkonferenz wird, wie bereits angekündigt, heute vormittag 11 Uhr am Quai d'Orsay beginnen. Die Besprechungen werden vor­aussichtlich vertraulich sein. Angesichts der großen bestehenden Schwierigketten rechnet man allgemein mit mehreren Wochen, wenn nicht gar mit mehreren Monaten.

Die deutsche Delegation ist gestern nachmittags 3 Uhr unter Führung S i m s o n s hier eingetroffen.

Fundamentale Gegensätze

Paris, 21. November.

Zu der vomJntranssigeant" gestern nach­mittag gebrachten Erttarun«, das Ziel der deutsch- französischen Saarverhandlung sei lediglich ein win- fchaftliches und finanzielles und die polttischen Fra­gen würden nicht berührt werden, erfahren wir aus besonders gut unterrichteter französischer Quelle, daß dies tatsächlich der offizielle französische Standpunkt ist. Es handle sich, so erklärt man uns, nur darum, im Hinblick auf die möglickie Rückgabe des Saarge­bietes dieser poliliscknn Entscheidung solle aber die Konferenz nicht vorgleifen die finanzielle« mid wirtschaftlichen Folgen zu klären, die an dem Tage eintrelen werden, an dem das Saargebiet wieder deutsches Reichsgebiet werde. Dies sei die Aufgabe der deutsch-französischen Kommission und eine rein deutsch-französische Angelegenheit. Dagegen sei die politische »tröge, d h. d e Rückgabe des SaargebieteS, keine rein deutsch-französische Angelegenheit mehr, da der Versailler Vertrag, der ein Vertrag aller Alliier­ten sei, darübe bestimmt habe, und die Volksabstim­mung im Jahre 1935 vorsehe.

Diese von absolut zuverläfiger Quelle uns ge­gebene Darstellung des französischen Standpunktes deckt einen Widerspruch in den Anschauungen der bei­den Regierungen über das Wesen der Verhandlungen auf. wie er schärfer wohl nicht befürchtet werden konnte

Während also die Taktil der Franzosen »dahin geht, ein wirtschaftlich cs Uebereinkommen ohne Ein­beziehung politischer Fragen in die Diskussion zu er­zielen und die Frage der Rückgabe des Saargebiets wruröglich vis zur Pollsadstinmnung tut Jahre 1935 offen zu lasten, ist der deutsche Standvumlt in dieser Fnv.e gerade der. auf Grund der politischen Fragen, b. h. der Rückgabe des Saargebiets zu diesem oder jenem Zeitpunkt, mindestens aber zu einem wesent- kich früher liegenden Datum als der Volksabstim­mung im Jahre 1935, die Wirtschaftlichen und finan­ziellen Fragen zu regeln.

Bei der heute beginnenden Konferenz hcmdelt es sich allo zuerst einmal darum, die politischen Fragen zu regeln und das Datum der Rückgabe des Saar­

gebiets genau zu bestimmen. Auf Grund dieses Datums richten sich dann auf deutscher Seite die Konzessionen, die Deutschland für die frühere Rück­gabe zu machen bereit ist. Nach deutscher Ansicht wäre also, wenn Frankreich wirklich auf dieser Ver- handlunasbasts bestehen sollte, Den Verhandlungen jedes Fundament genommen, denn wie sollten die deulschen Unterhändler über den Rückkaufpreis der Bergwerke, Wer die Zollbedingungen usw. irgendein bestimmtes Ueberenckommen treffen können, wenn sie nicht einmal wissen, wann di« Rückgabe erfolgt und ob dies überhaupt vor 1935 geschehen wird?

Die ersten Berbandlunasiviae werden also gleich lebhafte Auseinandersetzungen über diese Grundfrage über das Fundament der ganzen Verhandlungen, bringen. Es ist nur zu hoffen, daß Frankreich die­sen von Deutschland nicht annehmbaren Standpunkt aufgeben wird.

Sihamer -ei tzenderson

London, 21. November.

Außenminister Henderson empfing gestern abend den deutschen Botschafter Dr. Sthamer im Foreign Office. Wie es heißt, wurde die Frage des Datums für die Verhandlungen der zweiten Haager Konferenz zwischen Henderson und dem deutschen Boffchafter besprochen.

In hiesigen politischen Kreisen glaubt man an­nehmen zu dürfen, daß die z w e i t e Haager Kon­ferenz am 3. Januar nächsten Jahres srösfnet wer­den wird. Man hält es für wahrscheinlich, daß die französische Regierung sich aus ein Datum einigen wird, das vor dem 5. Januar liegt.

Unsere Berliner* Schriftleitung drahtet uns über die deutsche Stellungnahme zur Verschie­bung der Haager Konferenz ferner folgendes: Unter der Voraussetzung, daß inzwischen alle noch offenen Fragen (dahin gehört z. B. die wichtige Frage der sogenannten Ostreparationen für Rumänien, Südfla- wien usw.) diplomatffch gründlich vorbereitet wer­den, würde man sich auch in Berliner maßgebenden Kreisen mit der Verschiebung der Konferenz auf den Januar abfinden, weil dann die Konferenz selbst wahrscheinlich in wenigen Tagen erledigt sein könnte und sich auf die Unterzeichnung der ausreichend vor- beretteten Verträge beschränken könnte.

Dagegen mutz der immer erneut auftretende Ver­such zurückgewiesen werden, die Terminverschiebung der Haager Konferenz mit irgendwelchen anderen Fragen in Zusammenhang zu bringen. So wird z. B. gegenüber der Korrespondenz Havas von maßge­bender- Berliner Stelle festgestellt, datz der Volks­

entscheid eine rein innerdeutsche Angele­genheit ist, die mit der Haager Konferenz nicht das geringste zu tun hat.

Seftlge Kämpfe in der

Mandschurei

Mulden, 21. November.

Heftige Kämpfe zwischen russischen und chinesi­schen Streitkräften sollen nach hier eingetroffenen Meldungen in der Nähe von Mandschuli im Gange sein. Die chinesischen Truppen unter General Liang- Tschung-Schia sollen den Russen heftigen Widerstand entgegensetzen, trotzdem aber von den russischen Trup­pen umzingelt worden sein. Die Verluste auf bei­den Seiten werden als recht hoch bezeichnet und sol­len auf chinesischer Seite etwa dreihundert Mann betragen.

An der östlichen Front in der Mandschurei ist es nunmehr ebenfalls zu Kämpfen zwischen Russen und Chinesen gekommen. Die Stadt Mischan soll beretts von russischen Truppen eingeschloffen worden fein und dürfte voraussichtlich von ihnen eingenommen werden.

Der afghanische König ennordei?

Delhi, 21. November.

Der neue König von Afghanistan Nadir Schah soll nach in Indien verbreiteten Gerüchten, in Kabul ermordet worden sein. Die indische Regierung hat aber bisher keine derartigen Informationen erhal­ten, weshalb man dazu neigt, die Gerüchte als un­zutreffend zu bezeichnen. Der Londoner afghanische Gesandte bezeichnete gestern abend diese Gerüchte als unbegründet.

Oie laieinischen Schwestern

Außenpolitische Rundschau.

W. P. Das altrömische Reich pflegte in seiner Amtssprache von dem seine Küste umspülenden, erd­teilverbindenden Mittelmeer alsmare nostrum" zu sprechen.Unser Meer" durfte es sagen, seitdem Kar­thagos Mauern in Schutt lagen. Undunser Meer"' möchte auch heute wieder Benito Mussolini, der Dikta­tor des modernen Italiens, der mit seinen Gedanken so gern in die stolze Vergangenheit seines Landes, in hi? Zeiten Lcr riünflchcn Reiche^,, zurückgehl und von dort Ideale für Gegenwart und Zukunft holt, das Mittelmeer taufen. Aber Mussolini als nüchterner Politiker, der er trotz mancher Rede voll südlicher Be­schwingtheit und trotz mancher phantastischen Geste ist, weiß, wie sehr heute das Wortmare nostro", wenn es von italienischem Munde gesprochen wird, noch eine hohle Phrase ist. Drüben an der afrikanischen Küste, dort, wo sie am weitesten gen Italien vor­springt, liegt Biserta, das dem heutigen Italien gerade so auf der Rase sitzt, wie einst dem römischen Reiche Karthago. Frankreich, die wenig geliebte la­teinische Schwester, behauptet die afrikanische Nord­küste und dokumentiert dem italienischen Volke mit einer Deutlichkeit, die auch weniger bewegliche Ge­müter als die italienischen verstimmen könnte, daß es noch andere Bewerber gibt, die das Mittelmeer unser Meer" nennen möchten.

Gegensätze

Die Konkurrenz um das Mittelmeer hat die un­sichtbare Scheidewand gezogen, die heute zwischen Ita­lien und Frankreich, den Verbündeten von 1915, auf­gerichtet ist: sie hat die Gefühle verwandtschaftlicher Liebe aus den Herzen der lateinischen Schwestern ver­bannt. Schritt für Schritt strebte Italien dem großen Ziele, seine Machtsphäre im Mittelmeere zu erwei­tern, zu. Als erste wichtige Etappe betrachtete es die Sicherung der Adria vor fremden Ein­flüssen. Aus der Adria ein italienisches Gewässer zu machen, war eine der heißesten Wünsche, mit denen Italien seinerzeit in den Krieg zog. Oesterreich, dem die Hauptbesorgnis damals galt, verschwand vom Meere. Sein Nachfolger wurde in gewissem Sinne Südslawien. So wurde eine energische Balkanpolitik, die zugleich neben der Sicherung der Adria den italie­nischen Einfluß auf dieser zweiten, vom Mittelmeer umspülten Halbinsel verstärken und damit die Eesamt- pofltion Italiens als Mittelmeermacht verbessern sollte, das Gebot, das die Zeit dittierte. Mussolini hat sich diese Aufgabe, seit er der erste Mann seines Landes ist, besonders angelegen sein lassen. Immer wreder aber traf Italien auf dem streitumtobten Bo­den des Balkans mit dem französischen Konkurrenten zusammen; es spürte bei seinen verschiedensten Aktio- nen, wie Frankreich hinter den Kulissen, vor allem in Belgrad, aber auch in Bukarest, bemüht war, die Fä­den, die Mussolini auf dem Balkan geknüpft hatte, zu zerreißen.

Die Balkanpolitik war aber nicht der einzige An­laß, der die Gegensätze zwischen den beiden lateinischen Schwestern verschärfte. Da war und ist ferner die lunisftoge, die sich ungünstig auf die italienisch- ftanzopschen Beziehungen auswirkt. Es ist bekannt, daß Italien auch heute noch und das ist die Haupt­quelle seiner politischen Macht einen starken Bevöl- kerungsWerschuß hat. Einen Vevölkerungsüberschuß, den es im eigenen Lande nicht unterbringen kann. Kein Wunder dccherj daß es einem unumstößlich fest­stehenden geopolitischen Gesetze folgend in erster Linie seinen Blick nach der gegenüberliegenden nordafrikani­schen Küste, wo das schon erwähnte Biserta liegt, richtet und seine Landsleute dort lieber untergebracht sähe, als daß es diese irgendwo in Amerika für das Volksganze verloren gehen läßt. Es fordert daher von Frankreich eine Neuregelung der rechtlichen Verhält­nisse für die nach Tunis auswandernden Italiener, und zwar laufen seine Vorschläge im wesentlichen darauf hinaus, datz den Auswanderern auch für ihre Nachkommen die italienische Staatsbürgerschaft zuge­sichert werde. Die französischen verantwortlichen Stellen werden natürlich ihrerseits in diesen Vorschlä­

gen vor allem die Gefahr einer friedlichen Eroberung ihrer Kolonie durch die italienische Bevölkerung, die sich aus den großen Reservoiren der Heimat immer wieder erneuert, sehen.

Die Reihe der strittigen Punkte, die zwischen Rom und Paris zu klären wären, ist damit noch nicht abge­schlossen. Man müßte noch die Mandatrfragen, die Gegensätze in der Tangerfrage, den latenten Streit um Corsika, Nizza und Savoyen behandeln, wenn mau eine einigermaßen vollständige Liste aufstellen wollt«. Und schließlich wäre noch ein Quell, aus dem dauernd Unstimmigkeiten fließen, zu erwähnen: Die faschistische Presse wird nicht müde, Frankreich anzuschuldigen, daß es mit Freude den antifaschistischen Emigranten ein Asyl gewähre, von dem aus diese Gegner Mussolinis ungestört ihre Propaganda betreiben könnten. ..

Locarno-Geflüster

Unser Meer" neben den miteinander hadernden lateinischen Schwestern ist noch ein Dritter da, der feine Rechte auf das Meer, an dem sich die älteste Ge­schichte Europas abgespielt hat, gewahrt wissen will: England, die Macht, die mit Gibraltar und Suez die Schlüssel und mit Malta das Herz des Mittelmeeres besitzt. Austen Chamberlain, damals noch Herr in der Londoner Downingstreet, hat sich, unterstützt von dem britischen Botschafter in Rom, Sir R. Graham, wäh­rend der Genfer Tagung im Dezember des Vorjahres mit Eifer um die Regie eines politischen Spieles be­müht, in dem er als Schlußapotheose offenbar der er­staunten Welt die Versöhnung der lateinischen Schwestern zeigen wollte. Der frühere britische Außen­minister hat auch in diesem Falle kein Glück gehabt; es war ihm nicht beschieden, die Rolle des Versöh­nungsengels zu spielen; dashappy end" blieb aus!

In dieses Genfer Intermezzo von 1928 sei heute erinnert, weil jetzt wieder Gerüchte umgingen, die von ähnlichen englischen Plänen, wie sie Chamberlain da­mals hegte, wissen wollen.Mittelmeer-Locarno" lautete die neue Signatur dieser Vorschläge, und der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Erik Drum-, mond, wurde als verantwortlich zeichnender Regisseur genannt. In London wurde natürlich, sobald man erkannte, daß diese zweite Auflage der Locarnover- träge vor allem in Paris derQuotidien" ging so­gar so weit, daß er das Projekt mit der Büchse der Pandora verglich wenig Gegenliebe fand, die Dementiermaschine in Bewegung gesetzt. Immerhin besteht aber der Eindruck, daß die Gerüchte nicht aus der Luft gegriffen waren. Ein Ausgleich der italie­nisch-französischen Gegensätze, bei dem England das nahezu risikolose, aber doch ausschlaggebende Amt des Aufflchtsbeamten übernimmt, müßte den Londoner Staatsmännern in der Tat höchst wfllkommen fein. DieBalance of power", die Ausbalancierung der Kräfte, war immer eins der wichtigsten und nütz­lichsten Mittel der englischen Politik; es ist hervor­ragend geeignet, die englischen Rechte ohne Unkosten und Gefahren zu wahren, und seine Anwendung in den Mittelmeerfragen wäre in einer Zeit, in der Eng­land feinen Blick von den europäischen Dingen ein wenig abwendet, nur zu begreiflich.

Mussolinis Schachzug

Ohne Zweifel stehen die englischen Pläne eines Mittelmeerlocarnos, deren Existenz durch das De­menti kaum in Frage gestellt wird, mit den bevor­stehenden Verhandlungen Wer die Beschränkung der Seerüstung, auf die die Londoner Regierung ihre ganze Arbeitskraft konzentriert, in Zusammenhang. Das Wie dieser Verknüpfung der beiden Themen ist freilich gegenwärtig noch in Dunkel gehüllt. Die ita- lienisch-französische Rivalität wirkt sich natürlich auch auf dem Gebiete der Seerüstung aus; andererseits gibt es Wer in der Flottenfrage für die lateinischen Schwestern auch gemeinsame Interessen, und zwar ge­meinsame Ziele insofern, als beide Staaten im Gegen­satz zu den großen angelsächsischen Seemächten bisher eine Abschaffung oder starke BaWeschränkung der 17-Boote Wlehnten. Vielleicht hoffte die englische Re­gierung mit ihrem Plan eines Mittelmeerabkommens