Dienstag, IS. November 1929
Ä Kasseler Neueste Nachrichten
Teile 3
Auto führt in eine Kinbergruppe
13 Kinder verletzt.
Erlangen, 19. November.
Ja der Luitpold-Straße snhr ein nngenügend beleuchtetes Auto in eine Gruppe von 7f Kindern der Erziehungsanstalt Buckenhof, die im Stadttheater eine Kindervorstellung besucht Hatje« und fich in geschlossenem Zuge aus dem Heimwege befanden. 13 Kinder trugen Verletzungen davon, fünf von ihnen solche ernstlicher Natur.
« *
In dem Dorf Horhausen (Westerwald) geriet ein fünfjähriges Kind in die lausend« Dreschmaschine. Dem Kind wurden beide Beine zermalmt, sodaß es an den schweren Verletzungen einige Stunden darauf verstarb.
Meuterei an Bord eines Hamburger Dampfers.
Auf der Ausfahrt nach Lulea kam es an Bord des Hamburger Dampfers „Ilona Siewers" zu einem Konflikt zwischen den Heizern und der Schiffsleitung. Schon in Kiel hatten einige Heizer gewaltsam an Bord gebracht werden müssen. Aus der Förde versuchten die Aufsässigen, den Dampfer manövrierunfähig zu machen. Während des Einlaufens in den Kieler Hasen kam es dann zu einer Schlägerei zwischen dem Steuermann und den Heizern, bei der auch der Kapitän, der vermittelnd eingreifen wollte, Faust- schläqe ins Gesicht erhielt. Der Reichswasserschutz nahm vier Heizer fest und lieferte fie ins Gerichtsgefängnis ein. Die „Ilona Siemers" setzte nach Neuanmusterung ihre Reise fort.
Mißlungener Start zum Südamerikaflug.
Am Montag sollte von Travemünde aus der erste Etappenslug versucht werden, der zur Vorbereitung eines regelmäßigen Luftverkehrs zwischen Europa und
Südamerika dienen sollte. Zunächst war ein Flug von Travemünde bis zur spanischen Küste mit dem Flugboot „Romar" beabsichtigt. Alle Vorarbeiten waren vollendet und das Flugboot stand im Seeflughafen zur Abfahrt bereit. Zum vorgesehenen Zeitpunkt nahm die Maschine den vorgeschriebenen Anlauf, es gelang aber nicht, sie aus dem Wasser zu heben. Bei dem Startversuch erlitt das Flugboot Beschädigungen die aber nur geringfügiger Natur sind. Der Flug soll im Lauf e dieser Woche nochmals versucht werden.
„R. 101“ nach längere« Dauerslug glatt gelandet.
London, 19. November. Das englische Lustschiff „R. 101“, das vorgestern zu einem längeren Dauerflug aufgestiegen war, ist gestern in Eardington wohlbehalten gelandet. Dieser neue Probeflug soll zur vollsten Zufriedenheit verlaufen sein.
Ein Tankdampser explodiert.
Brüssel, 19. November. Auf einem Petroleum- dampfer waren acht Arbeiter mit der Reparatur eines leeren Petroleumtanks beschäftigt, als plötzlich eine Explosion erfolgte, durch die ein Arbeiter getötet, zwei verletzt wurden Der Tank wurde zertrümmert, seine Stücke wurden durch die Wucht der Explosion in riesige Höhen geschleudert.
Auto vom Zug zertrümmert.
Paris, 19. November. Der Schnellzug Calais- Basel hat bei einem Bahnübergang zwischen Laon und Reims ein Personenauto erfaßt und überfahren. Die drei Insassen wurden auf der Stelle getötet.
Dampferunglück fotbert 18 Tote.
Mexiko, 19. November. Wie aus Progreso (Aura- ton) gemeldet wird, sind 12 Passagiere und sechs Mann der Besatzung des Dampfers Villa Hermosa, der bei Chiltepee ans eine Sandbank auflies und sank, ertrunken.
Zliegertragödie
Im Looping abgestürzt.
Marburg a. d. Drau, 19. Nov.
Hier ereignete sich ein schweres Flugzeugunglück. Ein Marburger Kaufmann hatte kürzlich ein Raab- Katzrnstein-Flugzeug namenS „Schwalbe“ erworben. In den letzten Tagen unternahm er gemeinsam mit dem deutschen Piloten Müller mehrere Probeflüge, die glatt verliefen. Gestern nachmittag stieg Müller gemeinsam mit dem Marburger Rechtsanwalt Sesdan auf und vollführte in einer Höhe von ungefähr 300 Meter mehrre Loopings. Plötzlich gelang cs dem Piloten nicht mehr, das Flugzeug aus einer Schrägstellung in die normale zu bringen und gleich darauf schlug der Apparat auf das Dach eines Hauses auf, von wo es schließlich auf den Hauptplatz der Stadt stürzte. Sesdan verlor bei diesem Unglück beide Augen und erlitt schwere innere Verletzungen; dem Piloten wurden beide Füße gebrochen. Der Unfall erregte in der Stadt größtes Aufsehen.
Abenteuer im Stillen Ozean.
Tokio, 19. November. Die aus 25 Köpfen bestehende Mannschaft des japanischen Seglers „Stern von Island“, der nahezu fünf Monate lang hilflos auf dem Pazifischen Ozean umhertrieb, konnte tn der Nähe der japanischen Küste gerettet werden. Der Segler hatte im Juni Yokohama mit der Bestimmung San Franzisko verlassen. Er geriet unterwegs m einen heftigen Sturm, wobei die Takelage und zahlreiche Navigationsinstrumente zerstört und zum Teil über Bord gespült wurden. Die Mannschaft hatte auf dem völlig manöverierunfähigen Schiff unter großem Wasser- und Nahrungsmangel zu leiden, tote hatte bereits jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Völlig erschöpft und zum Teil schwer krank ist die Besatzung nunmehr heute geborgen worden.
Aus aller Well
Feuer im Fahrstuhlschacht.
Berlin, 19. November. Im Stadtteil Moabit erfolgte im Hause der Handelsgesellschaft Deutscher Apotheker in einem Fahrstuhlschacht eine schwere Explosion, durch die fünf Personen verletzt und Wände uns Fensterscheiben zertrümmert wurden. Nach den Feststellungen der Feuerwehr ist die Explosion darauf zurückzuführen, daß ein Benzingefäß, das in dem Aufzug befördert wurde und offenbar undicht geworden wär, durch einen elektrischen Funken des Mowrs der Schaltung zur Entzündung gebracht wurv z.'er Schacht stand sofort vom Keller bis zum fünften Stockwerk in Flammen. Vier Personen trugen durch Stichflammen Brandwunden leichteren Grades davon, eine weibliche Angestellte wurde durch die Trümmer einer einstürzenden Wand verletzt, drei Mädchen erlitten einen Nervenschock. Einige der Verletzten wurden nach dem Krankenhaus geschafft. Der Brand konnte von der Feuerwehr gelöscht werden.
Raubüberfall auf offener Straße.
Berlin, 19. November. Vor dem Postscheckamt in der Berliner Dorotheenstratze wurde eine Kontoristin von 2 jungen Burschen überfallen und ihrer Hand- ta'che beraubt, in der sich 750 Mark befanden. Auf die Hilferufe des Mädchens eilten Leute herbei, die die Verfolgung der Täter aufnahmen. Es waren zwei junge Burschen, von denen einer gefaßt und der Polizei übergeben werden konnte, während der andere in einem Hausflur verschwand und nicht mehr zu finden war. Die überfallene Kontoristin, die bei einer Tuchfirma im Zentrum angestellt ist, hatte im Auftrage ihrer Firma 750 Mark vom Postscheckamt abgeholt. Bei der Vernehmung des Diebes, den man erwischte, stellte es sich heraus, daß beide Burschen sei! längerer $ei+ arbeitslos sind unt sich ftfi-m ös ers auf ähnliche Weise Geld zu verschaffen suchetn. Die geraubte Handtasche konnte nicht wieder herbe-tge- schafft werden.
Zwei Jahre Zuchthaus für einen Geflügeldiebstahl.
Die heutige Nummer umkuht 16 Seiten
21,30:
Donnerstag, 2L November»
Aus unserer Antenne
feine gewissen
jedenfalls bei Rundfunksendern, bekannt jein. Daun
18,50:
19.05:
19,80:
Des Butz- und Bettages wegen erscheint die nächste Ausgabe unserer Zeitung am Donnerstag zur gewohm- tcn Stunde.
:ark zufammenhängen, der die .. ankam.
Eine doppelsinnige Antwort.
Ein Berliner Kunstmaler, der mehr Wert auf die Menge als auf die Güte der von ihm zusammengebrachten Bilder legte, batte einmal Menzel zu sich gebeten, um ihm seine Gemälde zu zeigen, die zum Teil sehr hoch an den Wanden Hinzen. Ms er mm die kleine Exzellenz um ein Urteil über den Wert der Sammlung bat, erwiderte Menzel mit geistreichem Doppelsinn: .Wissen Sie, solche Bilder kann man nicht hoch genug anschlagen!“
Oer Trick des Einbrechers
In den letzten Wochen waren über hundert Einbrüche in kleinen Läden bei den Pariser Polizeistationen gemeldet worden. Die Verbrechen waren immer auf dieselbe Weise ausgeführl, und die Nachforschungen führten zu einem überraschenden Ergebnis, ^er Einbrecher, ein junger Mann, der gerade an einem Nachmittag sieben unerwünschte Besuche im Battg- nolles-Viertel unternommen hatte, arbeitete mit einer höchst raffinieren Methode. Er versicherte sich stets, daß die Läden, in die er einbrach, von einem Ehepaar ohne Gehilfen geführt wurden. Dann schickte er an den Ladenbesitzer einen anonymen Brief, in dem er sich als ein Nachbar ausgab, der großen Anteil an seinem Schicksal nehme. Das Schreiben enthielt die betrübliche Mitteilung, daß der Ladeninhaber von seiner Frau betrogen wurde. „Wenn Sie einen Beweis wünschen," schloß der anonyme Schreiber, „dann kommen Sie um 5 Uhr nach dem und dem Cafö, gehen Sie die Treppe hinauf zu den Einzelzimmern, und Sie werden sehen, daß ich Recht habe." In neun von zehn Fällen war die Frau am Nachmittag abwesend; der argwöhnisch gewordene Ehemann stürzte nach dem bezeichneten Cafs, nachdem er vorher den Laden verschlossen hatte. Der Einbrecher beobachtete den Ladens und sobald der Besitzer sort war, schloß er mit einem Dietrich auf, betrat in aller Gemütsruhe das Geschäft und suchte sich die Waren aus, die ihm am besten gefielen tmd am werwollsten schienen. So konnte er mit großer Sicherheit die vielen Einbrüche vornehmen, bis man seinem Trick aus die Spur gekommen war.
Neuland „betreten" hat immer . _
Reize. So auch das Aussuchen neuer Sender. Aber wie macht man das?
Erste Voraussetzung: Die Wellenlänge must,
Die Musik zn .Jugement de Midas' von Gre- try wurde bei einer Aufführung am königlichen Hof ausgepfisfen, während die Pariser sie mit Beifall überschüttete. Dieses verschiedene Urteil veranlaßte Voltaire, nachstehenden Vierzeiler an den berühmten Komponisten zu richten:
Der Hof verachtete deine Gesänge,
Paris war von ihnen entzückt, O Gretrtz. die Ohren der Großen sind manchmal Eselsohren.
Als der Komponist Lully sein .Miserere' Sub- tot g XIV. vortrug, überwältigte die Musik den König so, daß er niederkniete. Die Hofgesellschaft folgte dem Beispiele des Königs und mußte während des recht langen Vortrages in dieser unbequemen Stellung ausharren. Gegen Ende des Psalmes wandte sich Ludwig an den Grafen von Gammont mit der Frage, wie ihm die Komposition gefalle. .Sire", antwortete der Graf, .sie ist sehr sanft für die Ohren aber sehr hart für die Knie'^
sieht man sich seine Sendertabclle an, auf der man alle bisher gehörten Sender mit genauer Angabe der Gradzahlen auf den Abstimmkondensatoren verzeichnen sollte; denn eine solche Tabelle bedeutet für das Aufsuchen neuer Sender eine große Erleichterung. Man wird nämlich alsbald finden, daß der „Neue' nach seiner Welle nur zwischen „da und da' liegen kann, und erspart sich das Suchen über die ganze Skala. Außerdem sehe man sich das Programm an, damit man gleich erkennt, „das muß der Neue sein', oder aber man weiß, der bekannte „Nachbar" schlägt durch.
Sind es allerdings Sender von so großer Energie wie die beiden neuen, London Brookmans Park und Bukarest, bann ist bas Finden etwas leichter. Jeden, ialls haben wir sestgestellt, daß Brookmans Park von großer Reinheit und ebensolcher Konstanz ist, während der Rumäne „leicht verknautscht" erschien. Der neue Riese von Oslo hat noch nicht begonnen, ebenso haben wir den neuen Flamen noch nicht gehört. Aber auch diese beiden werden bald .festgenagelt" werden. Lyon „wackelt" wieder häufig mit feiner Welle und bringt es tatsächlich fertig, Längenberg zeitweise sort- zuquetschen.
.^letterpflamen". Vortrag
..Neuzeitliche Technik", SBortraa
Aus dem grohen Saal des Saalfiaue» Frankfurt a. M.: Ein deutsches Reauiem. Nach Sorten der Heiligen Schrift für Sopran- und Bariton-solo, Chor und Orchester von Johannes Brahms — Dirigent: Generalmusikdirektor Kl. Nettstraeter — Solisten: Mia Pelienburg (Sopran), Rudols Datzke (Battton), Cäcilienverein, vereinigt mit de« Riibl- schen Gesangverein — Orchester: Das Frankfurter Rundfunk^Sinsonie-Orchester
„Dichter des Herbstes", Vortrag eeat UuwersitSrS- lektor S. Roedemever
Bo» der„De «tsche » W e kl e"r
Beranttoortlich für den politische» Teil: Dr. Walter Pehnt: für das Feuilleton: German M. B o n a u: für den lokalen und Heimatteil: Dr. Hans Joachim G laber: für den Handel: Kurt Paul: für de« Sportteil: Herbert Speich: Photoredakteur: Eduard S ch u l z-K e ff e l: für den Anzeigenteil: Konrad Wachsmann. — Berliner Schriftleitung: Dr. Walter Thum, Berlin SW 68. Zimmerstrabe 9. ----- Druck und Ber-
lag: Kasseler Neueste Nachricht-n G. m. 6. H.. Kassel. Kölnische Stratze 10.
Schon die Kapitelüberschriften verrate», daß «» fiter Nicht um Geschichte schlechthin geht, sondern um ihre kulturellen Begleitericheinungen: Da gibt es Kapitel Die Geburt der Dame — Ter Hofrat und die Tänzerin — Das Goetbe-Erlebnis — Musikalität — oder tim zweiten Bande:! Zur Psychologie der Mode — Liebe. Ebe, Emanzipation — Wandlungen der Venus — Das Ethos der Plüschgarnitur — Der Reserveoffizier — Naturgestihl. Dies alles find Kapitel einer Kulturgeschichte, die aus ihrer Zeit, ihren Menschen und Sitten heraus lebt, die mehr gedichtei als gedacht.ist, mehr anekdotisch als wissenschaftlich Ein Buch für den gebildeten, geschmackvollen Leser nichl für den Gelehrten, »em diele tausend reizvolle Bildchen nicht genügend stark zusammenhängen, " Gründlichkeit vermißt, auf die es Heilborn nicht der sich nicht bei der peinlichen Zeichnung der . und Gepalten aufhält, sonder» mit uimo grosserer Siebe die vielfach gestuften, schonen und baMiche» Farbe» die erst das Lebe» einer vergangene» Zeit für uns interessant und erlebbar waren, malt. V.
Ein Mekka der Kranken
3m Sprechzimmer des Wunderdoktors von Galspach
18—18,20: Viertelstunde der Besinnung. Dr. Albert Dietrich
18,20—19,00: Die KleistpreisttSger des Jahre» 1929: Eduard Reinacher und Alfred Brust — Einführung: Dr. Paul Fechter. Vorlesung au» Werken der Dichter: Dr. Leonhard Blatz
19—19.25: Trost dem Kranken. Dr. Alsr. Bnmchle. letten» der Arzt des Pttebnitz-Krankenhauses
19,25—19,50: Elsa Brand ström und iw Werk r— Pfarrer Schmeling
12,15: Schallvlatten-UMerhalwngSkvnrert
15.15—15,45: Stunde der Jugend: Boa LanSSuSea und Lausmädels
16—17,45: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert — An», führend«: Das Stöbt. Kurorchester Wiesbaden unter Leitung von Musikdirektor Herman» Jr»rer
18,00: Bücherstunde: „Berlin"
18,20: „Ist die deutsche Landwirtschaft rücksiändtg und VN»?" Vortrag
18,40: Von Kassel: Stunde der LandwtttschaftSkannner Kassel: „Chemie im täglichen Leben", Vortrag von Dr. Haun
19,00: Stunde ber Frankfurter Zeitung
19,30—20.00: Blasmusik. — Auss. Der Bläserchor des Wartburgvereins
20,00: Aus dem groben Saal de» Frankfurter Saalbaue»: Lieder- und A rienabenb Ja» Sievura — Arien au» de» Over»: o) Massenet: „Marion" (italienisch), b) Puccini: „La Bohtzme" (italienisch), c) Puccini: „Turanüot" (deutsch), d) Monruszko: „Halka" (polnisch), e) Korngold: „Das Wunder der Heliane" ldeutschi — Lieder: a> Schumann: Zwei Lieder ldeutschi, b). Perez: Ay-Ay-Ay (spanisch), ci Rozocki: Balke Charit« a. d. Over „Casanova" sita- lienischi, di Italienische Lieder.
21,45: Oefterreichischer Abend — HosmannSthal: Au» den hinterlassenen Schttften — Weber: Drei Stücke für Cello und Klavier — Bruckner: Aus einem Drama — Schönberg: Klavierstücke ov 19 — Rilke: Aus den Briefen — Kauder: Trio für Klavier, Oboe und Biola — Lernet-Holenia: Au» den Gedichten — Ausfuhrende: Maurits Frank (Cello), Ettch Jtor Kahn (Klavier). Michael Fuhrmann iCboe). H. Geis «Biola), Paul Laven (Rezitation)
Anschliebend: Tanzmusik
Dem Erweiterten Schöffengericht Potsdam wurde der elfmal vorbestrafte Arbeiter Richard Schünemann aus dem Zuchthaus in Luckau vorgeführt. Schünemann hatte mit einem Komplizen auf einem Rittergute einen großen Geflügeldiebstahl ausgeführt. Dieter schwere Rückfalldiebstahl wurde ihm mit einet Zuchthausstrafe von zwei Jahren abgegolten. Außerdem erhielt er fünf Jahre Ehrverlust.
I Giftweizen.
Seine Nachlässigkeit bei der Legung von Gift- weizen zur Bekämpfung der Mäuseplage auf den Feldern mußte ein Landwirt aus Sennfeld (Baden) teuer bezahlen. Er hatte das Gefäß mit dem giftigen Inhalt in seinen Hof gestellt. Nach kurzer Zeit mußte er mit Schrecken die Wahrnehmung machen, daß der Inhalt des Gefäßes von den Gänsen aufgezehrt worden wat, die sämtlich dem Gift zum Opfer sielen.
j Eine Gemeinde, die auf Steuern verzichtet.
Eine geradezu unzeitgemäße und nicht alltägliche Freude könnte die Gemeindevertretung von Beetz der Einwohnerschaft machen, indem sie beschloß, mit Rücksicht auf den günstigen Stand der Gemeindesinanzen zwei Monat« lang keine Zuschläge zu den Steuern Pom Grundvermögen zu erheben.
Merkwürdiger Eisenbahnunsall
r Essen, 19. November.
Auf der Strecke Münster—Rheine ereignete fich gestern abend kur, nach 8 Uhr ein schweres Eisenbahn, «»glück. In der Nähe von Emsdetten wurden die drei letzten Wagen des Eilzuges Dortmund—Emden vermutlich von einem iiberhängenden schweren Eisenteil eines entgegenfahrenden Efiterzuges schwer beschädigt. Die Beschädigungen erfolgten in bestimmten Abständen von 2—3 Metern, sodaß von drei Abteilen immer das mittlere beschädigt wurde. In diesen Abteilen wurden die Wandnngen eingedrückt und die Türen ins Abteil geschleudert. Zwei Personen wurde» schwer und sieben leicht verletzt. Aerztliche Hilfe war schnell zur Stelle. Die verletzten wurden ins Emsdettener Krankenhaus geschafft. Besonders schwer wurde eine Meppener Fabtikantenfarnilie betroffen. Die Frau wurde durch ein Eisenstück am Kopf schwer verletzt, und auch die drei rnitfahrenden Söhne tragen schwere Kopswunden davon. Die bahnpolizeiliche Untersuchung wnrde sofort einßeleitet
gewölbten Gelaß mit abgeblendeten Fenstern, wird eine Schmalwand durch das elektrische Schaltbrett für die Sprühelektrode, vor das sich der alte Zeileis stellt, durch ein Stativ mit einer verschiebbaren Röntgenröhre und einer sehr Hellen, angeblich Helium enthaltenden Lampe eingenommen. An der Decke sitzen seltsam geformte Glasröhren. Der alte Zeileis tritt in die Ecke, ergreift die Sprühelektrode, eine runde, auf einem Elasstab befestigte Scheib« von etwa 200 Millimeter Durchmesser, die mit zahlreichen Spitzen besetzt ist, und schaltet den Strom ein. Gespenstisch leuchtet der Anschlußdraht im Halbdunkel auf. Das Licht der .Seliumlampe“ wirft auf die Decke schnell wechselnde Lichtreflexe, die Sprühelektrode zischt mächtige Blitze aus. Zuerst werden die Blinden, die ?alblahmen und die Kinder behandelt. Oft holt sich eileis einen Patienten durch einen kräftigen Griff am Genick heran. Er führt die Elektrode nahe am Rumpf vorbei über Brust, Arm und Rücken. Die Bestrahlung dauert nur drei bis fünf Sekunden, die Kranken ziehen am alten Zeileis, einem rüstigen, mittelgroßen untersetzten Sechziger mit dominierenden Augen unter buschigen Wimpern wie auf dem Band vorbei, der hemdärmelig, im Schillerkragen, die unvermeidliche Virginia im Munde, immer gleichmäßig ruhig, schlagfertig und freundlich im Gedränge steht.“
Die, die das erste Mal kommen, werden von Zeileis mit einem blaugrünlich aufleuchtenden Stab, den et vor ihrem Gesicht und am Oberkörper entlang führt, untersucht, er stellt auch einige Fragen und ruft seinem Assistenten, angeblich je nach Art des Aufleuchtens, den Namen der Krankbeit zu. Fast alle Kranken werben gleich behandelt, höchstens 10 bis 20 Sekunden lang bestrahlt. Meist werben zehn Behandlungen vorgenommen; mehr als 30 Bestrahlungen hintereinander scheint Zeileis nur ungern zu geben. Die Verehrung des alten Zeileis und der Glaube an ihn ist sehr groß. Die Wirkung seiner Behandlung ist sehr verschiedenartig; manche berichten über wunderbare Heilung, während andere öfters wiederkommen müssen und manche gar keinen Erfolg sehen. Die natürliche, selbstsichere Einfachheit des Mannes, seine völlige Nichtbeachtung von Vermögen, Bildung und Stand, das vollkommene Untertauchen der Einzelperson in der Menge macht einen starken Eindruck und mag wohl viel zu der seltsamen Wirkung beitragen.
Wir haben die Gestalt und Heilweise des österreichischen „Wunderdoktors“ Valentin Zeileis bereits kritisch besprochen. Heute wollen wir die sachliche Schilderung eines Laien hören, der sich in Zeileis' Behandlung gab. Der Schilderet ist ein Ingenieur, der Leiter eines großen Unternehmens der Elektro- Jndustrie. Er erzählt von dem amerikanischen Aufschwung, den das bescheidene Dörfchen genommen, von dem großen neuen Behandlungshaus, das bald fertig sein wird und dem gegenüber ein neues Kurhaus und ein neues Hotel entstehen, und berichtet dann von dem merkwürdigen Schauspiel in der alten Wasserburg, in der Zeileis wirkt.
„Welch ein Bild beim Eintritt in den Burghof!“ schreibt er. „Einige hundert Menschen, Reiche und Arme, blühend Aussehende und vom Tode Gezeichnete, Lahme, Krüppel und athletisch Gebaute, Menschen mit erloschenen Augen und mit zerfressenen Gesichtern, Männer, Frauen, Greise, und Kinder, von anderen gestützt oder im Rollstuhl gefahren, auf Bahren oder von kräftigen Armen getragen, stehen vor der Schlange zum Vorraum, in dem, durch ein großes Fenster sichtbar, wohl auch schon etwa hundert Menschen warten, bis sie mit dem nächsten Schub in den Behandlungsraum eingelassen werben. Auffallend viele katholische Geistliche, auch einige Mönche und Nonnen befinden sich in der Menge, die sich zu etwa 70 Prozent aus sehr einfachen Leuten und zu 25 Prozent aus Angehörigen des Mittelstandes zusammensetzen mag. Glühend brennt die Sonne, unermüdlich zischen die elektrischen Entladungen, und aus _ dem Raum dringt, durch mehrere Ventilatoren gefördert, stark ozonisierte Luft ins Freie, deren Geruch weithin zu spüren ist. Erzählungen von wunderbaren Heilerfolgen, von der mit der Behandlung verbundenen Schererei und vom alten Zeileis, vor dem es kein Gerede, keinen Widerspruch und kein Geheimnis gibt, machen die Runde.“
Beim Eintritt in den Dorraum kauft man sich eine Anzahl Behandlungskarten für drei Schilling (1,80 Mark) das Stück. Zahlreiche Patienten werden umsonst behandelt und sollen zuweilen von Zeileis noch Unterstützung erhalten. In dicht gedrängten Masien stehen die Patienten, wenn sie endlich hereingelassen werden.
„Im Behandlungsraum, einem spärlich erleuchteten
rogisseur Dr. ErlMtdt nebst dem Orchester hatten das M.nschenmögl'chste getan. Adolf Mahnke hatte Bühnenbilder von starker Eigenart geschaffen. Cläre Born neben Taucher. Bador, Ermold und Burg in der Titelrolle setzten ihre gange Kraft an das Werk, das zweifellos eine Sensation bedeutet, wenn auch von einem bauernden Erfolg nicht die Rede sein kann. Jedenfalls galt die freundliche Aufnahm- ebenso sehr den Ausführenden wie dem Verfasset.
Schattplatten
Große Sänget bei Elettrola. Stets interessierte mich — rein künstlerisch — auf der Schallplatte das Individuelle mehr als das Kollektive, der Solist mehr als das Orchester, der Sänger mehr als ein Chor. Es ist denkbar, daß ein Orchester von internationalem Ruf, wie etwa das Berliner Philharmonische, in hundert Jahren einen gleichwertigen Klangkörper als Parallele aufweist, ober es ist nicht sicher, ob in hundert Jahren etwa eine Stimme wie die Carusos existiert. Große Stimmen sind stets Naturphänomene, die sich — absolut gleich — nicht wiederholen. So ist eine gute Eesanasplatte stets als Dokument zu betrachten, der Reiz einer seltenen Stimme ist stets intimer, unmittelbarer als jede durch Instrumente wiedergegebene Musik. Um so verdienstvoller, daß die Elektrola-Eesellschaft die bedeutendsten Stimmen der Gegenwart auf der Platte zu fixieren sucht. Das November-Programm nennt wieder eine Anzahl berühmter Namen: (Sigit, Melchior, Eranforte, Jeritza, Onegin u. a. E i g l i offenbart in Arien aus Tra- viata und Lucia di Lammermoor („Grabstätte meiner Ahnen“) einen sinnlich schönen Tenor von strahlender Höhe und einem Piano von klangvollster Substanz. Was ihm zum Titel eines „zweiten Caruso“ noch fehlt, ist die Ueberwinbung des Druckes tn der Höhe, die bei Caruso von einer wunderbaren Freiheit und Offenheit war. Eranforte, der italienische Bariton, bet zwei Troubadour-Arien singt, besitzt ebenfalls eine fast makellose, große Stimme, an bet nur bie gutturale Tiefe zu bemängeln ift; ein Bariton {ebenfalls von gewaltiger Klangfülle und feiten schöner Höhe. Der Dritte im Bunde, Lauritz Melchior, ist in Deutschland kein Unbekannter. Er singt Tannhäusers Romerzählung in künstlerisch vorbildlicher Auffassung. Auch Melchiors Stärke liegt in ber Höhe und im Forte die Tiefe versackt etwas und sein Piano hat zu wenig Substanz. (Im Konzettsaal erscheint Melchiors Stimme vorteilhafter.) Jede dieser drei Vokalplatten sollte zum festen Bestand aller Plattenfreunde gehören.
Im übrigen steht das November-Programm im Zeichen Wagners: Szenen aus bet „Götterdämmerung“, sechs Vorspiele, Szenen aus Parsisal und oteg« fried u. a. Die Wiedergabe ist, wie ich an den Beispielen der Tristan- und Holländer-Ouvertüren (Dr. Karl Muck mit dem Berliner Staatsopernorchefterj
Rundfunk
Programm des Kasseler und Frankfurter SendetS Mittwoch. 20. November:
8,15—0.15: Morgenfeier, veranstaltet von der tixmoelt- f(fielt Landeskirche Frankfurt a. M.
18,30—14.30: Schallplattenkonzert: Butztags-Konzert
15.15—15,45: Stunde der Jugend: „Norüifche Ballade» vo» Theodor Fontane"
16—17,45: Konzert des Rnndfunkorchefier»: ButztagSkon^rt — I. S. Bach: „O Menfch, bewein deine Sünde. Cboralvorfviel — I. Seb. Bach: Solokantate — Händel: Konzcrw gross» Nr. 10 — Dvorak: Biblische Lieder — Locatelli: Trauersinfonie — Honegger: Fuge und Choral — Miiwirkung: Els« Liebüolb (so* vran). Reinhold Metten (Orgel), Leitung: Kiwell- nteiiter Reinhold Merten
18,00: „Die Frau im Rechtsleben", Vortrag
18,80; „Als Zahlmeister auf einem Tankschiff «ach Schottland". Vortrag
feststellen konnte, wagnerisch im besten Sinne, technisch einwandfrei und klar übertragen. V.
Reue Bücher
e»«8 Sochaczewer: „Menschen «ach dem Kriege". Roma». Verlag Paul Zfolnay, Berlin. 373 S.
Sochaczewers Roma» „Das Liebespaar" wurde von feinen Kritikern deshalb gelobt, weil feine zarte Tonart und fein verhaltenes Tempo in unserer Zett der Hast, .des Tempos und der „Entleelung" wie eine heilsame, besänftigende Musik Jet. Nach »em Titel seines neuen Romans „Menschen nach dem Kriege" konnte man vermute», datz der Dichter die Tonart nun iüh geändert habe, da Nachkriegszeit eins ist mit seelischem und körperlichem. Wirrwarr, mit lauter Not, Jmlatton, svekulantentum und politischem Chaos. Wir batten — mit einem Wort — einen Zeittoman erwartet und finden wieder -><« Erzählung voller Musik, voller zarter Tone, voll feinster Psychologie. „Attnschen nach..dem Kriege" find zwei Manner: Einer, Ser (von dem iahen Kriegsabbruch innerlich verfrost-t) sich der neuer Zeit entgegenstellte, ein passiver Held, dem der aktivere Freund gegen über sieht, F ilmregts- feur und vielfacher Liebhaber. Ma» wird der beide» Helden weniger froh als ihrer fein gesponnenen Ge'vrache, aber das beste des Buches find die zärtlich gezeichneten Frauengestalten: hier ist vorläufig Dichters Kraft nicht in der halben Verdichtung eines Zeitvroölems. V.
Ernst Heilbar»: „Zwischen jn»et Revolutionen"— 1. Band: Ter Geist der Schinkelzeit (1789—1848), 2. Band: Der Geist der Bismarckzeit (1848—1916). Sm Verlag Otto Elsner, Berlin.