Kasseler Neueste Nachrichten
19. Zahrgang
Oienstag/Miitwoch, 19/20. November 1929
Nummer 223
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Abendzeitung
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Sowjet-Schikanen gegen die Auswanderer
Sin Teil der WWinge nach der Wolgarepublik zurückgebracht / Verbot der Auswanderung? / Frankreich verzögert die Haager Verhandlungen
AnsreifepSffe werden verweigert
BuHtags-Gedanken
Don Arthur Braufewetter
Bayen'sche Attacke
Die Schwierigkeiten der Reichsreform.
Was ist das Glück? Ein Märchen, möchte man sagen. Etwas, das einmal in lichter Vergangenheit, das heute gar nicht mehr sein kann, gar nicht mehr sein darf.
Denn wer hätte in dieser Zeit der heißesten Kämpfe, der oft unverschuldeten bitteren Not, der landwirtschaftlichen und geschäftlichen Katastrophen . . ja, wer hätte da noch den Anspruch, ein persönliches Glück für sich zu fordern?
Glück kann heute eines nur noch bedeuten: die Pflicht. Wir sind nicht in der Welt, um glücklich zu fein, sondern, um unsere Pflicht zu tun. Alles fällt und steigt. Der Wechsel ist das einzig Bestehende. , Die ginge Lehre, meint Wilhelm von Humboldt, ist auch hier, daß man, je schwerer die Zeiten,' um so mehr seine Kräfte anstrengen muß, um seine Pflicht zu erfüllen und das Rechte zu tun, daß man aber für sein Glück andere Kräfte suchen muß, die ewig unentreißbar sind.
Das gilt vollends vom öffentlichen und politischen Leben. Keine Politik und keine Volkswirtschaftslehre find imstande, den Menschen zu befriedigen, sofern nicht innere Mächte mitwirken und ihm sagen, daß ihm in der öffentlichen Tätigkeit Anerkennung nichts geben, Anfeindung und Verlästerung nichts schaden können, wenn er das eine Bewußtsein in sich trägt: „Ich weiß, daß ich meine Pflicht getan habe."
Es ist ein ernster und nachdenklicher Bußtag, den unser Vaterland diesmal feiert. Gerade in den letzten Wochen und Monaten haben wir in eine Verderbnis und Fäulnis des öffentlichen Lebens hineinblicken müßen, die wir nicht für möglich gehalten. Hat Kant einmal gesagt: „Ein jeder Mensch hat seinen Preis, um den er feil ist", so hat sich dies von ihm im höheren Sinne gemeinte Wort, jetzt in seiner niedrigsten Bedeutung bewahrheitet.
Es muß doch etmas- Eigenes um Religion und Gottesfurcht sein. Soviel ist klar, daß die Zeiten, in denen sie aus dem Volksbewußtsein geschwunden, immer Zeiten des sittlichen und vaterländischen Niedergangs gewesen sind. Wenn es schon keine persönliche Betätigung von wirklicher Bedeutung gibt, die nicht in einer mehr oder minder bewußten Beziehung zu den göttlichen Dingen ihren Ursprung hat, so läßt sich eine große, des Namens würdige Nation gar nicht denken, deren politisches Leben nicht von religiösen Zielen angeregt würde. So urteilt Leopold von Ranke in seiner „Deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation" (I. S. 3). Was hat Deutschland, als es vor über hundert Jahren in größter Not war, wieder groß und stark gemacht? Doch ohne Frage seine innere Einstellung, seine Rückkehr zu sich selber und damit zu der Einfalt und dem Glauben seiner Väter. Und wer möchte heute meinen, daß unser zu Boden liegendes Vaterland neu gebaut werden könnte, wenn nicht aus dem Geist und der Kraft einer inneren Erneuerung heraus?
Das sind ernste Bußtagsgedanken — aber eins werden sie nie hindern und beseitigen: den Eliicks- hunger, das Verlangen des Menschen, ob berechtigt * ober nicht, gleichviel — glücklich zu werden um jeden * Preis!
Und dies Verlangen ist wohl verständlich.
Einern so inbrünstigen Verlangen, einer so heißen z Sehnsucht der Menschheit zu allen Zeiten muß eine Realität, eine faktische Wirklichkeit entsprechen. Es muß also ein Glück geben, das die Befriedigung unserer verborgensten Wünsche gewährleistet.
Der verhängnisvolle, immer in die Irre führende Wahn der Menschen ist nur der, daß sie die Befriedigung ihrer Sehnsucht in allerlei äußeren Verhält- nisien suchen, und damit beweisen, daß sie weder das Leben, noch sich selber kennen. Jedes solches Glück wird immer, quecksilbergleich, in der Hand zerrinnen. Daß das Glück lediglich eine innere Angelegenheit ist, fein Ding, keine Wirklichkeit, sondern eine Anschauung, eine Idee, das sollte zuerst klar sein.
Glück ist die acauiscentia cnimi, die innere Rübe, das seelische Gleichgewicht, das man allen einstürmenden Kämpfen, allen Widrigkeiten und Ueberfällen des tückischen Lebens, das man den Verdächtigungen u: dem Unverständnis anderer gegenübersetzt, der Halt der einen stärkt und stählt, wenn alles wankt. Vor allem aber braucht der Mensch diesen Halt gegen sich selber. Da heißt er das Gewissen. Denn der Mensch ist so glücklich als er gut ist. Wer die höchste Kraft bcsttzt, sich selber zu überwinden, der erfährt ba_- schönste Glück.
Wie kommen wir zu diesem Glück?
Auf einem dreifachen Wege: durch Nachdenken. Das ist der edelste. Durch Nachahmen. Das ist der leichteste. Durch Erfahrung. Das ist der bitterste.
Den ersten will ein recht erfaßter Bußtag uns führen. Denn er ist der Tag des Nachdenkens. Ueber uns nachdenken und über die Dinge, das ist seine Bestimmung. Vielleicht gibt es nichts Schwereres, als sich mal als Objekt betrachten, unparteiisch und unbeeinflußt mit sich selber zu Gericht zu gehen. Selbsterkenntnis ist immer Höllenfahrt oder zwecklos. „Wie kann man sich selbst kennenlernen?" fragte einmal Goethe (Sprüche in Prosa 2) „Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche Deine Pflicht zu tun, und Du weißt gleich, was an Dir dran ist."
Nachdenken, Nachahmen und Erfahren, das ist eine mächtige Dreiheit, Sie weist uns den Weg, sie führt
(Eigener Drahtbericht.)
Kowno, 19. November.
Wie aus Moskau gemeldet wird, sind die deutschen Bauern, die nach Moskau gekommen waren, am Sonntag teilweise wieder nach der Wolgadeutschen Republik zurückgebracht worden. Wie weiter gemeldet wird, wurden in zwei Zügen 300 Bauern aus Moskau abbefördert.
Die kommunistische Organisation in der Wolgadeutschen Republik hat die Sowjetregierung ersucht, sofort ein Verbot gegen die Auswanderung der deutschen Kolonisten zu erlaffen.
Wie weiter gemeldet wird, hat es die GPU. abge- lehnt, neue Pässe für die Ausreise deutscher Kolonisten auszustellen, da die Rechtsfrage der Auswanderung noch nicht geklärt sei.
* * *
Berlin, 19. November.
Nach einer Meldung des „BT." aus Moskau sind im Saufe der letzten zwei Tage über 2000 der in Moskau lagernden deutschstämmigen Bauern verhaftet worden. Es wurde t»on ihnen verlangt, daß sie eine Erklärung unterschrieben, in der sie sich zur frei- willigen Rückkehr nach ihren Heimatsorten verpflichten sollten. Um die Unterschriften zu erhalte», wurden die Bauern mit Deportation bedroht. Ein Teil von ihnen hat die verlangte Unterschrift geleistet. Die Abtransporte haben bereits begonnen.
Dm3 Reichskabinett beschloß gestern, entsprechend den Vereinbarungen der Parteiführerbesprechung,
Reichsmittel zuni Abtransport und vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland der in Moskau angesammelten deutschstämmigen Kolonisten bereit zu stellen.
Zum Reichskommissar zur Betreuung der Kolonisten wurde der Reichslagsabg Dtücklen bestellt, der ähnliche Ausgaben bereits mit Erfolg gelöst hat.
Schwere Kämpfe in der Mandschm
Mulden, 19. November.
Die feit einiger Zeit angekündigten Angriffe der russischen Grenztruppen auf die chinesischen Stellungen an der Westfront in der Mandschurei haben gestern eingesetzt. Nach mehreren Flugzeugangriffen in den letzten Tagen kam es nunmehr in der Gegend von Mändschuli und Dalainar zu schweren Kämpfen. Russische Artillerie nahm die chinesischen Stellungen in der Nähe der genannten Orte unter heftiges Ge schützfeuer, oas ungefähr zehn Stunden andauerte. An den Angriffen beteiligten sich auch russische Bombenflugzeuge. die die beiden Orte, sowie die Stadt Hailar mit Bomben belegten.
Von der östlichen Front in der Mandschurei kommen ebenfalls Meldungen über Angriffe von russischen Flugzeugen, die die Orte Progranischnaja und Mischan mit Bomben belegten.
Telephon- und Telegraphenleitungen wurden auch hier zerstört. An der westlichen Front soll sich ein Kampf zwischen den chinesischen und russischen Truppen entwickeln. In der Nähe von Progranischnaja sollen nach Informationen aus russischer Quelle ungefähr 40 000 Mann russische Truppen konzentriert fein. Die chinesifche Bevölkerung des Grenz- und Kampfgebietes hat sich nach Hailar geflüchtet.
toeiterMrteiler gegen Snowden (Eigene Drahtmeldung.)
London, 19. November.
Gegen die Haltung ber englischen Regierung in der Frage der Liquidation des beschlagnahmten deutsche» Eigentums macht sich selbst in den Reihe» der Arbeiterpartei immer größerer Widerstand geltend.
Wie aus den Unterschriften zu der von den libera- gen Abgeordneten Mae Pherson den Unterhaus- mitgliebcrn unterbreiteten Denkschrift über die Liquidation des deutschen Eigentums hervorgeht, setzt sich die Mehrzahl der hundert Abgeordneten, die sich bisher eingetragen haben, aus Parlamentsmitgliedern der Arbeiterpartei zusammen.
Die D e n k s ch r i f t, die dem Premierminister Mac- donald, Schatzkanzler Snowden und Handelsminister Graham zugestellt werden soll, verlangt, daß das bisher noch nicht liquidierte deutsche Eigentum unverzüglich freigegeben wird. Ferner sollen die Beträge aus der Liquidation des deutschen Eigentums, sowie der Ueberschuß, der nach Befriedigung der Ansprüche englischer Privatpersonen, gemäß den Artikeln 296 und 297 des Friedensvertrages verbleibt, zur Verteilung an die früheren deutschen Eigentümer bereitgestellt werden.
Wie die „Times" weiter meldet, wird Schatzkanzler S n o w d e » im Laufe der Woche im Unterhaus eine Erklärung über die Frage des beschlagnahmten deutschen Eigentums abgeben.
Haager Konferenz srst im Januar
Paris, 19. November.
Brian- hat int Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten Tardieu uno dem gesamten Kabinett vorgeschlagen, die zweite Haager Konferenz auf Anfang Fanuak:. am besten auf den 6. Januar, anzuberaumen. Er wird wahrscheinlich im Laufe des heutigen Tages dem deutsche» Botschafter von Hoesch offizielle Mitteilung machen.
Die Blätter halten es für nötig, zu sagen, daß der belgische Konferenzvorsitzende Ja spar den framzösischen Wünschen entsprechen werde, und erörtern ausführlich die Gründe für diese Verzögerung, wobei wiederum versucht wird, neben der Un- nachgiebigkeit Rumäniens und Bulgariens in der
Frage der Ostreparalkionen, vor allem Deutschland verantwortlich zu machen.
*
London, 19. November In Londoner politischen Kreisen hat man nach Meldungen des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" nur wentg Hofsnung, daß die zweite Haager Koirferenz noch in diesem Fahre stattsiuoen wird. In Loitvon bringt man allgemein das Bedauern darüber zum Ausdruck, bä3 ein Hinausschieben der Konferenz nunmehr anscheinend nicht mehr zu vermelden ist.
Snowden und Graham sind zur Zeit mit einer eingehenden Prüfung des Entwurfs für die Statuten der Internationalen Zahlungsbank, wie sie in Baden-Baden ausgearbeitet wurden, beschäftigt.
pariser Ouvertüre
zu den Saarverhandluuoe».
Paris, 19. November.
Angesichts der am Donnerstag beginneniben Saar- vevhanidlungen versucht der „Excelstor", dessen halbamtlicher Charakter oft betont wird, die Sachlage vom französische» Standpunkte aus noch einmal zu kennzeichnen:
Die Verhandlungen hätten zum Gegenstand: 1. die Rückgabe der eaaigruben, die auf Grund des Versailler Vertrages >ranrösi'ck-?s Eigentum geworden seien und die die deutsche Regierung im Jahre 1935 zurückkaufen könne, wenn die Volksabstimmung zu Gunsten Deutschlands auefäflt; 2. Die Einrichtung eines Zollregimes, das die Interessen der mit der Saarindustrie in Verbindung stehenden elsässischen und lothringische» Industriellen schützt.
Da Frankreich die Initiative zu den Verhandlungen ergriffen habe, deren Schwierigkeiten kaum noch bezweifelt zu werden brauchten, käme es Deutschland ’it. konkrete Vorschläoe für dos neue W'rt- schaftsstatut zu machen, das alle Rechte der Bevölkerung berücksichtige. Es sei klar, daß die französische Regterung nicht in Erwägungen politischer oder psychologischer Art eintreten werde, die die deutsche Regierung veranlaßt haben, die politische Eittver- leibtmg der Saar in das Reich als notwendige Folgen des Locarnoabkommens und der Anwendung des Vott-igrwnes ’U fordern (V"m bei'^rfi-n punkt aus muß demgegenüber wieder betont werden, daß das Ziel der Verhandlungen nur die Herstellung der vollen Souveränität des Reiches über das Saar- gebict fein kann. D. Red.).
uns zum Ziele: dem Ausruhen in einem in uns selbst verankerten Glück, das kein Sturm und keine Not uns entreißen können. Das ganze Leben an sich ist vergänglich. In der Stille und dem Ernst des Bußtages mutet es uns an wie ein Gleichnis, dem eine Wirklichkeit kaum zukommt. Das Geheimnis eines wirklichen Lebens ruht nur in uns selber. Und es besteht darin, diesem vergänglichen Leben Ewigkeitskräfte zu geben, es fub fpecie aeternitatis, unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit, zu leben.
Wo ist das Glück?
Da, wo der Mensch zuerst sich überwindet, um dann andere zu überwinden, wo er das Zufällige sich untertan macht, um gegen alle Willkür und Unruhe der Welt, die Welt der Kraft und der Ruhe in feinem Innersten zu erbauen.
Glück ist der von den Schlägen und Stürmen widriger Geschicke und Menschen, von den Hemmnissen der Verhältnisse und den Tücken des Lebens harmonisch abgewandte Friedenszustand der Seele.
Möchte Buß- und Bettag zu solchem Glück uns führen und es uns erhalten! - ■ .
(Von unserem Berliner Vertreter.)
Berlin, 19. November.
Ein besonders interessanter innenpolitischer Gegenstand ist gestern in Berlin wieder in Angriss genommen worden und zwar aus der T a g u n g des Un - terausschusses der Länderkonferenz, wo gegenwärtig das sogenannte Organisations-Referat behandelt wird.
Die Beratungen haben gestern einen sehr scharfen Gegensatz zwischen der bayrischen und der preußischen Regierung ergeben, und die fast zweistündige Rede, die der bayrische Ministerpräsident Held in dieser Sitzung gehalten hat, ist ein neuer Beweis dafür, dass Bayern allen Bestrebungen nach einer gründlichen Reichsreform die größten Hindernisse in den Weg legt.
Der bayrische Ministerpräsident erklärte, daß nach den historischen und verfassungspolitischen Zusammenhängen der ganze Lösungsversuch nichts anderes bedeute als die Hebertragung der Reichsgewalt an Preußen, das Aufgehen Deutschlands in Preußen und die Herbeiführung des großpreußischen zentralisierten Einheitsstaates. Es sei selbstverständlich, daß Bayer» sich gegenüber derartigen Reformabfichten „rein negativ" verhalte. Sehe Preußen seine historische Mission in Zentralisations- und Angliederungsplänen, so stelle Bayern diesen Plänen als seine historische Mission um eines starken, großen und glücklichen Reiches willen die werbende Kraft des föderativen Gedankens gegenüber, der sich allen Schwierigkeiten zum Trotz durchsetzen werde.
Man ist jedoch in den beteiligten politischen Kreisen in Berlin der Meinung, daß derartige Aeußerun- gett des bayerischen Ministerpräsidenten im wesentlichen darauf zurückzuführen sind, daß
Held starke innerpolitische Rücksichten zu nehme» habe und daß an und für sich das Schicksal der Reichsreform nicht so sehr von dem Widerstand Bayerns, als vielmehr von den positive» Beschlüssen der preußischen Regierung abhänge« werde. Allerdings ist auch in bezug aus die Haltung der preußischen Regierung bis jetzt noch keinerlei Bild darüber z» gewinnen, ob die notwendigen Schritte zur Reichsreform schon in nächster Zeit in Angriff genommen werden sollen.
Vorläufig wird man sich — und das wird wahrschein- lny der Abschluß dieser neuen Verhandlungen sein — nut der Annabme des Organisations-Referates und mit dem geschäftsordnungsmäßigen Beschlüsse über dis weitere Behandlung der sonstigen Referate begnügen.
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Reichstags-Programm
Die gestrigen Beschlüsse des Aeltestenausschusses des Reichstags sind dahin festgelegt worden, daß am 27. November die Beratungen zunächst mit kleineren Gegenständen Beginnen sollen, und daß am 28. das Vo lksbegehren-Eesetz behandelt werden wird. Vis zur Weihnachtspause wird dann noch eine ganz« Reihe anderer Fragen, so das Republikschutzgesetz, das Gesetz über die Standesherren, der Zolltarif usw. erledigt werden. Ueber den Zolltarif haben gestern Besprechungen beim Reichsernährungsminister Dietrich stattgefunden, sodaß heute das Reichskabinett in der Lage sein wird, die entsprechende Vorlage dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat zuzuleiten.
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Deutschnationale und 14
Zur Vorbereitung des deutschnationaleu Parteitages, der bekanntlich am Donnerstag in Kassel beginnt, fand bereits gestern eine Sitzung der deutschnationalen Fraktion statt. Dabei sind die Gegensätze, die innerhalb der dcutschnationalcn Partei bestehen, bereits sehr deutlich hervorgetreten. Ju der -Sitzung, die beinahe acht Stunden in Anspruch nahm, gab der Parteiführer Geheimrat Hilgenberg, zunächst einen umfangreichen Bericht über das Volksbegehren und den bevorstehenden Volksentscheid: in der Debatte über diese Angelegenheit kam es bann zu recht lebhaften Auseinandersetzungen. Wie man hört, war das verrnfttelnde Eingreifen des Fraktionsfnhrers Graf Westarp notwendig, um schärfere Differenzen in der gestrigen Sitzung zu verhindern.
Der Hauptstreit drehte sich um den 8 4 des soge- imnnten Freiheitsgesetzes, welches dein Volksbegehren zugrunde liegt Dieser sogenannte Zuchthaus- Paragrapy wird auch von einem großen Teile der Deutschnutionalen nicht gebilligt.
Die gestrige Diskussion bei den Deulschnario» n<en wurde damit beendet, ba i die Fraktion mit Zustimmung des Paricivorfitzenden Hugenberg die Abstimmung über den § 4 freigibt.
Selbstverständlich wird der Gesetzentwurf vom Reichstag abgelehnt werden, und es ist nur noch fraglich, ob eine Ausschußberatung zustandekommt, oder