Einzelbild herunterladen
 

f

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Erfchetnuiigsiveife: i.nöchentlid) skibSmal ngchmittagS. SbonnentenWreiS: für ben Monat 2,30 Jl bet freier Zu- nellung ino Saus, iu ber Gefchafisftellk abgeholt 2,10 Jt. Durch die Poft monatlich 2,30 Jl ausschliehlich 3u= neaungsgebußr. ,ln j>a llen von höherer Gewalt he stellt kein Anspruch auf Lieferung der Leitung ober auf ^uclZahlung des Beziigsoreises. Berlag, Schriitleitung und Druckerei: Solnifche Straße 10. Telephon: Samineinummer 6800. Juristische Sprechstunde leben Dienstag von 5 bis 7 Uhr. Kölnische Straße Nr 10

Hessische Abendzeitung

Anzeigenpreise: GeschafZ- und Kumilien-Nnzeigen die 30 mm = Seile 11 Pfennig. Kleine Anzeigen ans Kaflel das Wort 7 A, Auswärtige Meine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 A. Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 a. Cffertgebühr 25 A (bei Zustellung 85 A). Für das Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgaben, an betonbeien Platzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine Gewähr. Rech­nungsbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichisnand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 638(1

Nummer 270

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Kreiiag, 15. November 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

19. Zabraang

Reichshilfe für die Rußland-Flüchtlinge

6 .1 nlWeit in Der pirieisljkerSes,re-it; / Seine Differenzen zwischen der deutschen Zotschast in Moskau und der MIhelmffraße

5-OMllionen Marl sind notwendig

(Von unserem Berliner Vertreter.)

vor dem Krieg zu militärischen Zwecken gebaut wor­den und vom Kriegsministerium bezahlt worden sei. Heute dienen alle diese Bahnen wirtschafckichcn Zwecken. Dieser Grundsatz konnte von der Botschaf­terkonserenz nicht bestritten werden. Wir haben der Gegenseite ein Programm der für die nächsten Jahre in Aussicht genommenen Bahnbauten vorgelegt.

sich bitten. (Diese Verhandlungen zeigen wieder, wie weite Kreise in Frankreich von der Wahnvorstellung derbedrohten Sicherheit" ergriffen sind. D. Red.)

Kritik an Svover

Berlin, 15. November.

Wie zu erwarten war, ist in der gestrigen Partei­führerbesprechung, die unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers stattfand, beschlosien worden, Reichsmittel für eine Hilfsaktion für die deutschstämmigen Auswanderer aus Rußland zur Verfügung zu stellen und damit die Privat-Hilfsaktion, die bereits im Gange war, wirk­sam zu ergänzen. Der Umstand, daß an dieser gestri­gen Besprechung nicht nur die Führer der Koalitions- Parteien, sondern auch die deutschnationale und die Wirtschaftspartei teilgenommen haben, läßt erkennen, datz diese Hilfsaktion eine Angelegenheit ist, die nicht als Parteisache, sondern als Aktion des ganzen Volkes aufaefatzt wird.

Es war vorauszusehen, datz der Beschluß zu der­artigen Hilfsmaßnahmen gefaßt wurde und wenn amtlich jetzt noch keine Zahlen über die erforderlichen Geldmittel bekanntgegeben werden, so liegt dies teils daran, daß man noch keinen Ueberblick über die Zahl der Auswanderer und die erforderlichen Summen hat, teils daran, daß der Haushaltsausschutz des Reichstags erst zusammentreten mutz, um die notwen­digen Summen zu bewilligen. Voraussichtlich werden zunächst

56 Millionen beim Haushaltsausschutz angesordert

werden und man kann sich ein ungefähres Bild von dem Umfange der Hilfsaktion machen, wenn man er­rechnet, daß etwa 10 000 Auswanderer in Frage kom­men, die voraussichtlich den ganzen Winter über bis etw' gegen Ostern in Deutschland h'-iben müssen, ehe an eine Weiterreise nach Kanada gedacht werden kann. Rechnet man dann durchschnittlich etwa 3 M. Verpfle- gungsgebühr pro Kopf und Tag, und nimmt man die notwendigen Transportkosten dazu, so wird sich ein Be­trag von 56 Millionen Mark ergeben. Jedoch steht vorläufig die Zahl der Auswanderer noch gar nicht genau fest, da die letzten Moskauer Meldungen be­reits von 15 000 sprechen.

Es ist auch davon gesprochen worden, daß die Aus­wanderer zum Teil im deutschen Osten angesiedelt werden könnten, und daß nur ein Teil von ihnen nach Kanada Weiterreisen würde, aber ein derartiges

Siedlunaswerk würde voraussichtlich Hunderte von Millionen erfordern

und in gar keinem Vergleich zu der jetzt geplanten Hilfsaktion, also der einfachen Verpflegung über den Winter hindurch, stehen. Zunächst wird man sich um den Abtransport der Auswanderer aus Rußland nach

Deutschland zu bemühen haben, und voraussichtlich wird man zu diesem Zweck die Vermittlung des Roten Kreuzes in Anspruch nehmen. Man nimmt an, daß ein Teil der Flüchtlinge

in einem der noch bestehenden Flüchtlingslager in Deutschland Unterkunft finden

sollen. Auch wird die Einsetzung eines Kommissars für die Flüchtlingsfürsorge erwogen, wofür wahr­scheinlich ein Reichstagsabgeordneter in Frage kommt, der auf diesem Gebiet von früher her Erfahrungen besitzt.

Der gestohlene Vokfthasterbrief

Gestern ist gemeldet worden, daß dieRote Fahne" einen Brief des deutschen Botschafters in Moskau veröffentlicht hat, worin der Botschafter von D i r k - s e n sich sehr skeptisch über die Möglichkeiten einer deutschen Hilfsaktion für die Kolonisten ausgesprochen hat. Inzwischen wird von amtlicher Seite bestätigt, daß dieser Brief tatsächlich echt ist, und daß er irgend­wie gestohlen sein müsie. Zur Zeit schwebt die Unter­suchung darüber, wie dieser Diebstahl Zustandekommen konnte. Zugleich wird amtlich bestätigt, daß der

Inhalt dieses Brieses inzwischen vollkommen überholt

ist. Zu der Zeit, als der Brief geschrieben wurde, war von Ansammlungen deutschstämmiger Kolonisten und Auswanderer in der Nähe von Moskau noch gar keine »

Erst in den letzte» Monaten hat sich diese Notlage herausgebildet und inzwischen hat sich die deutsche Botschaft mit aller Energie für deutsche Hilfsmaß­nahmen für diese Auswanderer eingesetzt, sodaß von irgendwelchen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung in Berlin und der deutschen Botschaft in Moskau gar keine Rede sein kann.

Der SoivjetbvWafier in London

London, 15. November.

Daily Expreß" meldet, daß der frühere Finanz- kommiffar der Sowjetregierung, S o k o l n i k o f f, der britischen Regierung für den Posten des neuen Sow- jetbotschasters vorgeschlagen und von ihr gebilligt worden sei In einem Leitartikel drücktDaily Er­preß" seine Genugtuung über die Zurückziehung des Vorschlages aus, mit diesem Posten Kameneff zu be­trauen, der in London persona non grata sei.

Der Fememord von Warkenau

(Eigener Drahtbericht.)

Liegnitz, 15. November.

Die Nachforschungen der Liegnitzer Kriminalpolizei, die mit der Auffindung der Leiche des im Jahre 1921 der Feme des Freikorps Oberland zum Opfer gefal­lenen Köhler, alias von Lanken, beauftragt wurde, sind von Erfolg gewesen. In dem von den Angefchul- digten Lampel u. Schweninger bezeichneten Abschnitt auf der Wackenaucr Flur wurde am Mittwoch abend ein Grab gefunden und eine Leiche ausgcgraben (Ucberreste und Gerippe eines menschlichen Körpers), die vermutlich die des erschossen en Köhler ist.

Lampels Darstellung

Peter Marlin Lampel und seine des Fememor- des an Kohler mitbeschuldigten Kameraden vom Freikorps Oberland, Schweninger und von Beulwitz, ra jen eine genaue Darstellung der Vor­gänge innerhalb des Freikorps Oberland Ende Juli 1921 gegeben, die zur Erschießung des Köhler führ­ten. Danach stellt sich die Tat selbst nicht als ein vor­bedachter Mord, »ondern vielmehr als eine

Tötung im Affekk, möglicherweise sogar als ein Akt der Notwehr

dar, vorausgesetzt, daß man der Darstellung der drei An geschuldigten folgt.

lieber die Rolle des Köhler wird von den Ange- schuldigten und den bisher vernommenen Zeugen übereinstimmend folgendes bekundet: Köhler war ein Hüne von Gestalt und sehr brutal.

Köhler habe in Verdacht gestanden, polnischer Spion zu fein,

doch habe man keine Handhaben gegen ihn gehabt. Es seien verschiedene Waffenlager an Polen verra- sen Verrat KSblat zugeVobrn und ihn enEr.rech.end sen Verrat Köhler zugeschoben und in entsprechend im Korps gekennzeichnet.

General Höfer habe, als das Korps Oberland aus dem oberschlesischen Kampfgebiet über die Demarka­tionslinie zurückgezogen worden sei, die ausdrückliche Weisuiksi gegeben, daß Oberland seine Waffen behal­ten sollte.

An einet Scheune auf der Feldmark Wackenau wurde ein Stollen angelegt, in dem die Waffen versteckt wurden.

Der Eingang zum Stollen ging von einer Scheune aus. Von Beulwitz, Lampel und Schweninger erhiel­

ten den Auftrag, für die Sicherheit der Waffen Sorge zu tragen. Eines Tages, Ende Juli 1921,

soll nun von Beulwitz Köhler dabei ertappt haben, wie er sich in der Scheune an dem Stolleneingang zu schaffen machte.

Dabei soll es Zu einem Zusammenstoß zwischen Beul- wttz und Köhler gekommen fein, bei dem Lampel und Lchweninger zugegen waren. Köhler habe sich auf Beulwitz stürzen wollen. Dieser habe seinen Revol- ver gezogen und Köhler int letzten Augenblick durch einen Schutz getötet.

Ganz abweichend davon ist die Aussage des Haupt- belastungszeugen Rehmsdorf, den der Liegnitzer Untersuchnugsrichter durch Rundfunk ausfindig mach­te. Rehrnsdorf bekundete, nicht Beulwitz, sondern Lampel habe den tödlichen Schuß aus Köhler abgegeben. Er habe daher das Grab für Köhler in der scheune ausqehoben, dort, wo man am Mittwoch abend auch die Reste des Getöteten fand.

lieber Köhler verlautet noch, daß er sich in Reiste an entern minderjährigen Mädchen vergangen und nch aucv mehrerer anderer Verbrechen schuldig gemacht haben i oll. Kohler ist vielfach vorbestraft gewesen.

dahnbauien im Rheinland

Berlin, 15. November.

Zu einem Artikel in derDeutschen Tageszeitg * über den Bau rheinischer Eisenbahnen verlautet in unterrichteten Kreisen, es fei richtig, daß von der Linie Münster am SteinHomburg nur ein kleiner Teil, etwa 14 Kilometer eingeschränkt wird. ~te deut­schen Unterhändler haben erreicht, daß wir sämtliche Verbindungskurven behalten, deren Zerstörung zuerst gefordert worden war, und daß die von uns in Aus­sicht genommenen Linien gebaut werden dürfen.

Das Verbot von Mobilmachungsvorbereitungen war zuerst von der Botschafterkonferen; sehr scharf formuliert worden. Tie deutsche Seite hat aber ge­tagt, ein Verbot von Mobilmachungsvorbereitungen flehe für das ganze Deutsche Reich, eine besondere Genehmigung für das besetzte Gebiet käme also nicht tn »trage. Die Gegenseite müßte beweisen, daß eine neugebauie Bahn mehr als wirtschaftliche Zwecke verwlgt.

Ebenso ist unsererseits betont worden, daß es nicht darauf ankomme, ob eine schon bestehende Eisenbahn

AranweichsullgeschWe"Sstgrenze

Paris, 15. November.

Die Armeekommission des Senats hat gestern nach­mittag eine Sitzung abgehalten, in der General Hirschauer über die Resultate seiner Untersuchung betreffend die Organisationsarbeiten an der französi­schen Nordostgrenze Bericht erstattete. Hirschauer wurde bekanntlich von der Kommission mit dieser Untersuchung vor einiger Zeit beauftragt. Aus seinen Erklärungen ließ sich die Enttäuschung über den Stand der Arbeiten nicht verbergen, die, wie er sich ausdrückte, weniger weit fortgeschritten seien, als er nach dem Stande der Arbeiten zur gleichen Zeit des Vorjahres erwartet habe.

Die Kommission wird dem Kriegsminister Maginot einen Bericht vorlegen, und ihn nach Prüfung dieses Berichtes zur Beantwortung verschiedener Fragen zu

London, 15. November.

Auf dem großen Bankett der englischen Völker­bunds-Union am Donnerstag gab General S m u i s einleitend den Ueberblick über die Arbeiten des Völ­kerbundes in den Lehn Jahren seines Bestehens und die Aufgaben der Zukunft.

Ueber die Anregung des Präsidenten Hoover hinsichtlich der Unverletzbarkeit der Nahrungsmittel­schiffe in Kriegszeiten sagte er, er habe einige Zweifel über die praktische Anwendung dieser Anregung. Vor dem Kriege würden die Ziele der Humanisierung des Krieges verfolgt, aber sobald der erste Schuß abge­feuert wäre, seien die Humanisierungsbestrebungen verschwunden. So werde es immer fein. Eine wirk­same Humanisierung des Krieges sei unmöglich. Kon­ferenzen mögen zu einer Sonder-Immunität für Nahrungsmittelschiffe führen, aber eine allgemeine Regel sollte man vermeiden.

Mittelmeer-Locarno?

Eigener Drahtbericht.)

In den letzten Tagen werden besonders in eng- I lischen Zeitungen Erörterungen angestellt, die sich mit dem Plan eines Mittelmeer-Locarnos befassen, also mit der Schaffung einer gegenseitigen Sicherheits- gsrantie Englsuds. Frankreichs und Italiens. Man behauptet, daß ein solcher

Wunsch besonders in den Kreisen des Bölkerbunds- sekretariats Raum gewonnen

hätte und daß- sich der Sekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drnmmond, zur Zeit anschicke, mit einem solchen Plan nach London zu reisen, um dort mit dem englischen Außenminister über die Verwirk­lichung zu verhandeln.

Der Plan hat auf den ersten Blick etwas sehr Be­stechendes. Die alte Rivalität zwischen Frankreich und der Mittelmeerpolitik Mussolinis ist bekannt, ebenso auch die Tatsache, daß sich in den letzten Jahren sach­lich an den bestehenden Gegensätzen nichts zum Vor­teil einer gütlichen Lösung geändert hat. Würden sich also die führenden Staaten des Mittelmeers zu einem neuen Locarno bequemen, und würde England sich da­zu hergeben, die bestehenden Verträge zu garantieren, dmwn wäre tatsächlich eine Befriedung der Peoensätze in der Mittelmeerpolitik hergestellt. England 'würde in einem solchen Fall die französische Flotte vor einem italienischen Angriff oder die italienische vor einem französischen Angriff zu schützen haben. Run weiß man aber doch, daß schon die Garantie Englands im bestehenden Locarno-Vertrag innerhalb der poli­tischen Kreise. Englands recht wenig Beifall gefun­den hat. Da eine solche Garantie die englische Poli­tik natürlich an die politischen Dinge des europäi­schen Kontinents bindet, so befürchten auch weite Kreise in England, daß eine solche Bindulla auch die Ellenbogenfreiheit der auswärtigen Politik des groß­britannischen Imperiums sehr zum Schaden seiner eigenen Interessen beeinträchtigen müßte. Es ist also

höchst unwahrscheinlich, daß die Schaffung eines neuen Locarno im Mittelmeer in England allzu großen Beifall finden.

wird. Es sei hier nur auf die Erklärungen Ehamber- lains im Vorjahre hingewiesen, im denen ausdrück­lich betont wurde, daß England nunmehr nicht mehr bereit sei, ähnliche iniernativuale VerpflicbLingen zu übern-hmen, wie sie der bestehende Locarno-Vertrag vorsehe.

Es dürfte sich also in der Hauptsache hier um Ge­rüchte handeln, die vielleicht auf andere Umstände zurückw führen sind. Zwischen England und Frank­reich sind in den letzten Wochen sehr eingehende Ver­handlungen über die Stellungnahme der beiden Län­der zur kommenden Seekenseren; gepflogen worden. Ädbnlicke Verhandlungen haben zwar auch zwischen Frankreich und Italien stattgefunden, aber es lätzi sich feststellen, daß eine

Annäherung zwilchen Rom und Paris noch nicht herzustellen

war. Andererseits scheinen die ens-lisch-iraltenifchen Besprechungen schon eine wichtige Tatsache erbracht -u Haven, nämlich die, daß Italien unter Umständen bereit trä e. dem englischen WuN'ch auf eine Abschaf­fung der Unterfeebeotsfrage Verständnis entgegen- znbringen. Bewahrheitet sich vieles italienische Zu- --t'Änhr-ä m(id die y<* -fir. gntf der

kommenden Marinekonferenz ziemlich isoliert sein. Es ist lehr leicht möakich. daß die begreifliche RervosiÄt m Frankreich auch die Gerüchte zum Urlvrung hat. die ein Mittelmeer-Locarno in das Bereich der Wahrscheinlich'eit 'tollen.

Aiuffolmis Schachzug

Wien, 15. November.

Die neue Freie Prefle meldet aus Rom zur an­geblichen Bereitschaft der i alicnischen Regierung, dem Vortchlag zur völligen Abschaffung der Unter­seeboote beitreten zu wollen, daß die völlige Flotten­gleichheit mit Frankreich dafür Voraussetzung fei. Da dies aber, wie es heißt, nicht verwirklicht werden kann, so ist die italienische Bereitschaf serklärung vorläufig kaum mehr als ein geschickter Schachzug der

italienischen Diplomatie, um Frankreich gegen Amerika und England auszuspielen.

In diesem Zusammenhänge scheint es auch be­greiflich, daß Italien den Vorschlag des gmerlka- nischen Prüsideuien, Lebtnsnirnetschiffe (m v ieg,» falle wie Hofvitalschiffe zu behandeln durchaus ablehnt, sondern sogar als den ersten vernünftigen Vorschlag zur Verwirklichung der Abrüstungsidee begrüßt.

*

Rom, 15. November.

Der Vorschlag eines Locarnopaktes der Mittel­meermächte findet in Italien eine sehr skeptische Auf­nahme. Die Regierungsblätter bemerken in ihren ersten Kommentaren, weder Frankreich noch Italien beabsichtigen, sich unter die englische Vormundschaft zu stellen. Die beiden Länder hätten bis jetzt nicht auf die Freiheit verzichtet, sich direkt zu verständigen, nachdem nicht nur Verhandlungen über die Flotteu- parität im Mittelmeer, sondern auch verschiedene andere Abgelegenheiten int Gange seien.

Der dem Generalsekretär des Völkerbundes zuge­schriebene Vorschlag hätte nur das praktische Ergeb­nis, England zum Schiedsrichter und Schutzherrn über Italien und Frankreich zu stellen. Sir Erie D r u m m o n d sei wohl Generalsekretär des Völker tunbeS, aber vor allem Engländer und scheine das nicht vergeffen zu haben. Dieser Mittelmeerpakt scheine übrigens nur zu bezwecken, den Geist von Locarno wieder ausleben zu lasten, der sich immer mehr zu verflüchtigen beginne.

rermm-SchVierigfeiten

London, 15.

WieTimes" erfährt, wird in den Besprechungen, die der zur Zeit in London weilende Generalsekre­tär des Völkerbundes Sir Erie D r n m m o n d mit dem Foreign Office haben wird, wahrscheinlich auch die Frage des Zeitpunktes der verschiedenen bevorste hcnben Konferenzen behandelt werden,

Diese Konferenzen dürften zeitlich zusammenfal­len, wenn nicht Aenderungen vorgei,ommen werden. Der Bölkerbundsrai iofie aut 20. Januar, die Flotte nkonferenz in London am 21. Januar, zusammentreten. Außerdem sei es möglich, daß auch die Haager Konferenz nicht im nächsten Mtzmat, son dem erst int Januar stattfinden könne.

Times" weist darauf hin. daß eine Vorverlegung des Zeitpunktes der Ratstagung durch die Tatsache erschwert werde, daß mehrere wesentliche Ausschuß­sitzungen für die Tage unmittelbar vor oer Eröffnung des Rates festgesetzt worben sind. Um jedoch zu ver­hindern, daß Ratstagung unb Flottenkonferenz zu­sammenfallen, müßte entroeber die erst» früher be­ginnen, als vereinbart würbe, ober die zweite etwas später.

Was bie Haager Konferenz betreffe, so sei ber 15. Dezember als ber früheitmögliche Zeitpunkt ihres Beginns genannt worben. D'eS wäre 10 Ta­ge vor Weihnachten. Diese Zeit bürste aber kaum ge­nügen für bie Beenbigung ber Arbeiten ber Kon­ferenz, zumal ber Ausschuß für Ostreparationen eine vereinbarte Lösung seiner befonberen Probleme noch nicht erzielt habe. Antzerbem fei gerade um biese Zeit ber Volksentscheid in Deutfchlaub über ben Uoung- Plan im Gange.

Times" stellt fchließlich in Abrebe, baß ber Be­nch Drummonbs mit dem Plane eines sogenannten Flotten-Locarno zwischen Großbritannien, Frankreich unb Italien Zusammenhänge.