Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Hummer 269
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Donnerstag, 14. November 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
19. Jahrgang
Oie Aufgaben der Weltbank
Sie Veröffentlichung der Statuts / Sechzig Artikel in sieben Kapiteln / Tarbien bestätigt Srianbs RänmungSettlämng
Wahlkampf
W. P. Der bekannte nationalliberale Führer vergangener Tage Rudolf von Bennigsen bat tinmal das prophetische Wort gesprochen, der Weg zur Macht tm Staate gehe über die Rathäuser in den Städten. Ist diese Prophezeiung bereits in Erfüllung gegangen? Wenn man hineinhorcht in die Sitzungen des. städteta^es oder des StädtebundcK, in die Versammlungen dieser beiden großen Vereinigungen der deutschen Kommunen, dann begegnet man dort gerade heute immer wieder der Klage, daß dem kommunalen Selbstverwaltungsrecht vom Staat und vom Reich nicht die gebührende sorgsame Pflege zuteil werde. Dann stößt man immer wieder auf die Forderung, daß — nach den Worten des Oberbürgermeisters einer süddeutschen Stadt — den „organisch gewachsenen, bodenständigen und eigenwüchsigen Urzellen der Körper des Reichs und der Länder" im staatlichen Ge- samlorganismüs endlich die ihnen zukommende Stellung eingeräumt werden müsse.
Diese Klagen und diese Forderungen haben ihre Berechtigung. Die kommende Reichsreform, die allerdings immer noch tief im Anfangsstadium steckt, wird an diesem Problem nicht vorübergeheu können. Es wird versucht werden müssen, auch den Städten ihren AnteU an der gesetzgebenden Arbeit zu geben. Wie das geschehen wird, ist eine Frage der Zukunft; vorerst läßt sich nur die Richtung erkennen, in der die Entwicklung weitergeben wird. Ohne Einschränkung gilt also Bennigsens Wort auch heute noch nicht; daß der hannoversche Politiker aber im allgemeinen die Dinge richtig gesehen hat, beweist anderseits die starke rgale Macht, die von den Städten in den letzten Jahrzehnten, und nicht zuletzt in den Jahren nach dem Kriege errungen wurde. In den Städten ist sov°>l Kraft zusamniengeballt, von ihnen sind so große Auf. gabengcbiete zu bestellen, daß alles, was in den Kommunen vorgeht, stärkste Rückwirkungen auf Staat und Reich ausüben muß. Das bezieht sich nicht allein auf wirtschaftliche Vorgänge, sondern das hat in unserer Zett der Politisierung des kommunalen Lebens auch für die Politik Gültigkeit.
Am kommenden Sonntag soll die Wahlschlacht um die Rathäuser der preußischen Städte geschlagen werden. Kein Mensch kann heute sein Leben frei nach seinem eigenen Willen gestalten; tausend Ketten fesseln einen jeden an das, was wir Gemeinschaft, Stadt oder Staat nennen. Am engsten aber ist das Schicksal des Einzelnest naturgemäß mit dem Schicksal der Stadt, in der er lebt und wirkt, verbunden. Das kommunale Leben ist für ihn die intensivste Auswirkung des öffentlichen Lebens überhaupt. Die Wahlen geben ledern Bürger die Möglichkeit, auf das kommunale Leben, in das er hineingestellt worden ist, gestaltenden Einfluß zu gewinnen. Diese Möglichkeit der Einflußnahme ist zugleich aber auch eine Pflicht; denn der Gedanke, dem der Vorsitzende des Deutschen Städtetages Mulert vor wenigen Wochen Ausdruck gegeben hat, der Satz „Selbstverwaltung bedeutet Selbsiverantwortung" sollte nicht allein für die leitenden Männer der Kommunen, sondern auch für leben Bürger Richtlinie des Handelns sein. Und dieses Ger«hl, mitverantwortlich zu sein jär die Geschicke ocr Stadt, in der man eine Heimat gesunden hat, sollte auch den Bequemsten und Geruhsamsten antret- ften, am Sonntag an die Wahlurne zu gehen. Die Bedeutung, die der Ausgang der Wahl für jeden und darüber hinaus, wie nufere einleitenden Ausfuhritugen zeigten, auch für das gesamte staatliche Leben hat, macht aus dem Wahlrecht in der Tat eine Wahlpflicht.
Man bat den bevorstehenden 17. November einen Großwahltag getauft, und dieser Novembersonrnog verdient feinen Namen. Neben den Kvmmunaltoah- len werden in Preußen bekanntlich auch die Wahlen für die Kreistage nnv die Provinziallandtage ttt »jene geben. Die Bedeutung dieser Wahlen darf gleichfalls nicht zu gering veranschlagt werden. Schon dte Zahl der Provinziallandtagsabaeordneten, die zu wählen sind, imponiert: Heber Ilm Abgeordnete werden in diese Parlamente der preußischen" Provinzen einziehen. Selbst wer nur einmal flüchtigen Einblick in die Tagesordnungen der Kreis'ags- und Provinziallandtagssitzungen genommen bat, weiß aber auch, daß diesen Instanzen — und das ist natürlich das Entscheidende für die Bedeutung dieser Wahlen — überaus wichtige Ausgaben auf den verschiedenartigsten Gebieten. Ausgaben finanzieller, sozialer. wirtschaftlicher und verkehrspolitischer Art. zusallen. Und endlich noch eins: Die Provinziallandtage haben nicht allein das Recht, die Vertreter für den preußischen Staatsrat zu wähltet, sondern sie, werden auch zu Der Wahl eines Teils der preußischen Reichs^a'smitglieder herangezogen. Ihre Tätiakeit greift damit also in gewisser Weise selbst in das'Ge- biet der größeren. Pontik über.
Wahlen . . . Mit diesem Worte verbinden sich für uns tote dte 2,'inac nun einmal liegen, nicht gerade erquickliche Vorstellungen. Gehäfliakeiten, Verleumdungen und Unsachlichkeiten — an solche u ähnliche Dinge müffen wir denken, wenn es an unser Ohr dringt. Tie Ersahrung bat uns gelehrt, daß sich in Wahlzeiten alle Bande fromm:r Scheu lösen, und daß es den Agi'awren in diesen Kämpfen auf einen inkommentmäßigen Hieb mehr ober weniger nicht ankommt. Was für die Kämpfe, die den Wahlen zu bett großen Parlamenten, zum Reichs'aa und zum preußischen Lanvwg, vorauszugehen pflegen, gilt, trifft, leider teilroeife auch auf die Kampftage, die wir jetzt durchleben, zu. Die Politisierung des kommunalen Lebens hat es mit sich gebracht, daß auch bei diesen Wahlkämpfen von der „Einigkeit und Sachlichkeit, die nach dem Wunsche des verstorbenett Außenministers Dr. Stresemann in unserer innereit Politik „über die parteiliche Einstellung" siegen sollte Nicht viel zu spüren ist. Man könnte meinen, daß vte Parteien gerade bei diesen Kommunaltoahlen. bet denen es sich um Fragen handelt, die der Wählerschaft aus eigener Ersahrung geläufig sind, ihren Ehrgeiz daran setzen würden." um durch die Sach- l i ch k e i t ihres Programms werbend zu wirken Wir haben aber erkennen müffen, daß diese Mei- ’tng nur ein schöner Traum trat. Die Me Hoden
tfbenen die großen Wahlkämpfe betrieben werde«,
500Mll.SchweizerFMken Kapital
Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 14. November.
Das gestern in Baden-Baden unterzeichnete Statut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (siehe auch Seite 2) wird heute veröffentlicht.
„Dts Statut umfaßt 60 Artikel, die sich in sieben Kapitel gliedern. Aufgabe der Bank ist es danach, die Zusammenarbeft der Zentralbanken herbeizusühren, für Erleichterungen bei internationalen finanziellen Operationen Sorge zu tragen und als Treuhänder oder Beauftragter bei der Abwicklung des internationalen Zahlungsausweifes zu wirken.
Solange der Aoungplan gilt, soll die Bank die Bestimmungen des Planes in Bezug auf die Verwaltung und finanzielle Gebahrung ist Anwendung bringen. Sie soll ferner ihre Geschäfte mft der Maßgabe führen, die Durchführung des Planes dadurch zu erleichtern, daß sie, solange es zu ihren Aufgaben gehört, die deutschen Reparationsleistungen entgegenzunehmen und zu verteilen, die Kommerzialisierung und Mobilisierung bestimmter Teile der deutschen Annuitäten in die Wege leitet
Das Kapital der Bank ist auf 500 Millionen Schweizer Franken sestgelegt, hiervon sollen aber nur 25 Zrozent des Wertes jedes Anteilscheines während der Auflegungsfrist eingezahll werden. Die Antell- scheine sind nicht mit einem Stimmrecht verbunden, dieses steht vielmehr den beteiligten Zentralbanken oder ihren Bevollmächtigten zu.
Es itz der Bank untersagt, selbst Geld zu emittieren, Wechsel anzunehmen und an irgend einem Geschäft ein besonderes Jutereffe zu nehmen. Die *int soll bei ihrer Verwaltung berücksichtige«, daß die Li- quidftät aufrecht erhalten bleibt.
Der Aufsichtsrat der Bank soll aus je zwei Direktoren der sieben beteiligten Länder und neun Direktoren der anderen. Länder bestehen. Hierzu tritt je ein weiterer deutscher und französischer Direktor, solange Deutschland Reparationen zahlt. Der Vor
sitzende des Aufsichtsrats ist gleichzeitig Bankpräsident. Der Präsident hat die Verwaltung und Kontrolle der Bank zu überwachen. Seine Amlszeft läuft drei Jahre. Der Generaldirektor wird vom Verwaltungsrat auf Vorschlag des Präsidenten ernannt und ist dem Präsidenten verantwortlich.
Hoesch bei Tardieu
Paris, 14. November.
Botschafter von Hoesch hatte gestern eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräfideuten Tardieu über den Stand der deutsch-französischen Beziehungen.
Zu dieser Unterredung teilt „gnafiu" mit, daß Tardieu ebenso wie seinerzeit Briond den divloma ttschen Vertreter Deutschlands die Versicherung gegeben habe, daß die französische Regierung ihr Möglichstes tun wolle, um
in den ersten sechs Monaten des Jahres 1930 die vollständige Räumung per dritten Zone durchzuführen. Um dies- jedoch zu verwirklichen, so fährt „Malin" fort, müßten der gute Wille Frankreichs und der gute Wille Deutschlands einander entsprechen. Wenn die Verhandlungen sich wunschgemäß abwickeln, könnten die zur Jngangsetzuna des Poungplans geforderten Bedinqunqen am 1. März erzielt und geregelt sein.
Unter diesen Umständen glaubt „Echo de Paris" anlündigen zu müssen, daß die sranzöstsche Regierung den Wunsch habe, daß die
zweite Haager K""fe,-e*” fn bald wie möglich zusammentrete,
und daß, selbst wenn das A.k mmen erst im Februar unterzeichnet würde, die Räumung de-' Rheinlandes am 30. Juni eine vollendete Tatsache sein würde, falls die Inkraftsetzung des Houngplanes ohne Verzögerung erfolge.
Paris, 14. November. Nach dem „Echo de Paris" soll Ministerpräsident Tardieu die Absicht haben, selbst, sowohl an der zweften Haager Konferenz, wie auch an der Seeabrüstungskonferenz in London teilzunehmen.
Aus dem Wege zur Manzreform
(Von unserem Berliner Vertreter.)
Berlin, 14. November.
Heber die Durchführung der Finanzreform im einzelnen besteht auch heute noch keine volle Klarheft. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding wird voraussichtlich in der nächsten Woche im Reichskabinett seine gesamten Pläne über die Etat-Aufstellung und die Finanzreform darlegen, und es ist beabsichtigt, im Anschluß daran die Führer der Regierungsparteien ebenfalls von diesem umfaffenden Programm in Kenntnis zu setzen, um eine Verhandlungsbasis von vornherein sicherzustellen.
Es soll sich habet um 12—15 Gesetzentwürfe handeln. Diese hohe Zahl erklärt sich daraus, daß eine große Zahl von Steuergesetzen geändert «erde» muß, wobei auf der einen Seite Steuererleichterungen und aus der anderen Seite Steuererhebungen auf den Verbrauch vorgesehen find, der sich durch die Freiwilligkeft als Luxusverbrauch qualifiziert. Dagegen wird die offizielle Verabschiedung des Etats und des Finanzprogramms durch das Kabinett vorläufig noch nicht stattfinden, sondern die Ueberwei- sung an die parlamentarischen Körperhaften ist nun endgültig erst für Januar vorgesehen, da man erst den Abschluß der Haager Konferenz und die Unterzeichnung der Poungvläne abwarten will. Man bedauert es in den Kreisen der bürgerlichen Koalitionsparteien, daß die Ersparniffe, die aus dem doungplan zu erwarten sind, bereits in die neue Finanzrechnung eingestellt wurden, und man würde es für bester gehalten haben, wenn der Finanzminister die Einnahmen und Ausgaben des Etats zunä^st einmal ohne Rücksicht auf die Reparationsersparnisse ins Gleichgewicht gebracht hätte, well jede andere Rechnung zu leicht ein täuschendes Bild unserer Leistungsfähigkeit ergibt. Im Rahmen der Ersparniste. die jedenfalls in stärkstem Maße Platz greifen wüsten,
denkt man vor allem an eine Einschränkung her öffentlichen Bautätigkeit, hab man bemängelt es sehr, bah bas Reichsarbeitsministerium bisher noch keinerlei klare llebersicht über biefe öffentliche Bautätigkeit geliefert hat.
Bekannttich wollen auch die Städte die Bautätigkeit einschränken. In den bürgerlichen Parteien ist man
der Ansicht, daß die finanzielle Selbständigkeit der Gemeinden zum Zwecke einer Sanierung der kommunalen Selbstverwaltung gestärkt werden müste, und man erwägt in diesem Zusammenhang bei der Finanzreform einen sogenannten variablen Faktor in die Gemeindeeinnahmen einzufügen, etwa in Gestalt einer sogenannten Kopfsteuer nach bayrischem Muster. Man erkennt ferner an, daß die Fürsorgeausgaben der Städte zum Teil auf das 10—15- fache der Vorkriegszeit angeschwollen sind, und daß die Selbstverwaltung unter dreien Lasten dem Zusammenbruche nahe kommt.
SombenattentaWäne
in Gumbinnen
Tilsit, 14. November.
Wie die „Tilfiter Allgemeine Zeitung" zu berichten weiß, ging der Regierung in Gumbinnen am Freitag voriger Woche ein anonymes Schreiben zu, in dem die Regierung mit einem Bombenanschlag bedroht wurde. Der Briefschreiber drohte, das ganze Regierungsgebäude in die Luft zu sprengen.
Es wurden sofort toeitumfaffenbe Sicherheitsmaßnahmen getroffen Die naft Gumbinnen führenden Straßen werden durch Landjäger überwacht. Kriminalbeamte aus dem ganzen Regierungsbezirk sind zu- fammengezogen, die das Regierungsgebäude und seine Umgebung bewachen.
Selbstmord de« mesopotamischen Premiers
Baghab, 14. November.
Der Premierminister hes Irak, Abdul Nutzst», beging gestern abend ans unbekannten Gründen Selbstmord. Er gehörte einer der vornehmste» Familien Mesopotamiens an und hat viermal den Mini- sterpräfidentenposten des Irak bekleidet. Er '»and zur Zeit an der Spitze einer Koalitionsreoieruno. die vor kurzem »ach der Ankündigung der englischen Regierung das Aufnahmegesuch des Irak an den Bölker- bunb zu unterstützen, gebildet morden war.
finden jetzt leider nur allzu häufig Anwendung weil die Verunglimpfung des Gegners offenbar bequemer als Die Festsetzung positiver Arbeirsziele ist
Die Parteien manövrieren sich durch diese Tak tik immer weher auseinander, obwohl sie wiffen müßten, daß sie, soweit ihnen der Dienst an Der Kommune, am Kreise oder an der Provinz überhaupt mehr als eine schöne Redensart ist, nach dem Kampsc wieder auf einander angemefeu sind. Es ist
nur zu hoffen und zu wünschen, daß die Wählerschaft sich von dem billigen agitatorischen Feuerwerk nickt blenden läßt, daß sie prüft, wo der Wille zur sachlichen Arbeit vorhanden ist, und dementsprechend ihr Votum fällt. Die fanatifchen Nur-Parteiman- ner, Die im Wahlkampf vor keinem Mittel zurückschrecken. werden am schnellsten und gründlichsten erzogen werden, wenn ihre Rattenfängermelodien un gehört verklingen.... ,
Staatliche Aufbauarbeit
Oie Provinz Hessen-Nassau als Beispiel
Vom Ob. rvräsidenten Dr. Schwandet
Der unglückliche Ausgang des Weltkrieges hat dem deutschen Volke schwere Opfer auferlegt und die Verwaltungsbehörden vor neue und schwierige Aufgaben gestellt. Es liegt mir fern, all die Opfer aufzuzählen; die Reihe würde zu groß werden und dennoch wahrscheinlich unvollständig bleiben. Ich beschränke mich auf einige mir in meiner Amtsstellung als Oberpräsidenten der Provinz Heffen-Naffau nächstliegende und auf die Ausgabe der Staatsbehörde, die Schäden, wenn auch nicht abzuwenden, so doch zu mildern, ihre schädlichen Einwirkungen auf die Bevölkerung und auf die Volkswirtschaft, die in der Entwicklung erhalten werden muß, abzuschwächen.
Wohl am fchwierigsteii ist die Lage der Landwirtschaft unter allen Berufsständen. Die Gründe zu diesem Anerkenntnis find so oft ausgesprochen, daß ich sie nicht zu wiederholen brauche. In der Provinz Hessen-Nassau kamen zu der überall herrschenden Un- wirtschaftlichkeit der Betriebe die schweren Hoch - wasserkatastrophen in den Jahren 1924 und 1925/26 und lang andauernde Niederschläge, welche die Leberegelseuche und Mißernten zur Folge hatten. Sie haben der Preußischen Regierung Anlaß zu außerordentlichen Hilfsmaßnahmen gegeben Zur Behebung von Hochwaffer- und Unwetterschäden (einschließlich der Leberegelseuchenschäden) find der Provinz Hessen-Nassau 1924: 924 500 RM. und 1925: 749 000 RM. teils als Kredite, teils als verlorene Zuschüsse zugeflossen, 1924 zur Beschaffung von Saatgut an Getreide und Kartoffeln als Kredite dem Regierungsbezirk Kaffel 8,85 Millionen und dem Regierungsbezirk Wiesbaden 5,23 Millionen Reichsmark.
Außerdem hat der Staat vorbeugende Hoch- Maß^rschutzniatznahmen durch Förderung von Eindeichungen, Flußbettregulierungen usw. im Stromgebiet des Rheins und feiner Nebenflüsse getroffen. Hierfür sind im Jahre 1927 : 300 000 RM., 19281 300 000 RM. und im Jahre 1929: 100 000 RM. in der Provinz verausgabt worden. Zu allen diesen Ausgaben steuerten die beiden kommunalen Bezirksverbände der Provinz entsprechende Summen bei.
Wie hoch daneben hie regelmäßigen und jährlich wiederkehrenden Staatsbeihilfen für landwirtschaftliche Zwecke sich belaufen, geht am besten aus de» Zahlen der den beiden Landwirtschaftskammern zu Kassel und Wiesbaden im ganzen zugewiesenen Staatsgelder hervor, die die Zweckbestimmung haben, abgesehen von der Geschäftsführung der Kammern für das landwirtschaftliche Schulwesen, für Förderung der Tierzucht und für Obst -, Wein « und Gartenbau verwendet zu werden. Sie betrugen 1928 und ähnlich 1929 für die Landwirtschaftskammer Kassel 309 750 RM. und für die Landwirtschaftskammer in Wiesbaden 227 210 RM.
Besondere Aufmerksamkeit hat der Staat der Meliorierung der Gemeindewiesen und Viehweiden int Westerwald zugewendet und deren Ertragsfähigkeit im Interesse der Viehzucht ganz erheblich gesteigert. Für diesen Zweck sind 1924—26 im ganzen 594 500 RM. aufgewendet. Ein gleiches Interesse bekundet er für die landwirtschaftliche Weiterentwicklung der Rhön, auch der Hohen Rhön, insbesondere durch Beihilfen für Umlegungen, Beispielswirtschaften und Pflanzensaatgutbeschaffung.
Für Meliorationen und Flußregulie- rungen stehen der Provinz jährlich an Staatsbeihilfen in der Form verlorener Zuschüße zur Verfügung: aus dem Fonds zur Förderung der Landwirtschaft 142 900 RM. und aus dem Flußregulierungsfonds 97 000 RM. An ertraorbinären Beihilfen sind außerdem 1928 und 1929 : 313 250 RM. bewilligt. Dazu kommen noch an außeretatsmäßigen Staats- bzw. Reichsbeihilfen für 1928: Landwirt- fchaftskammer Kassel: 147 680 RM. und Lanhwirt- schastskainmer Wiesbaden: 212 900 RM.
Ich erwähnte schon die enge Zusammenarbeit des Staates mit den provinziellen Kommunaloerbänden bei der Bekämpfung der Unwetterschäden; ähnlich nahe ist sie auf allen Gebieten der Wasserwirtschaft oder, wie man sie meist nennt, der Landeskultur. Die Landeskultur bezweckt in der Hauptsache die Regelung der Vorflut in den Flußläufen, die Anlage von Ent- oder Bewässerungssystemen, im Zusammenhang damit war auch die Verkoppelung der F^Marken, wo sie noch nötig ist, die Beseitigung störender Unebenheiten des Bodens oder störender Steinablagerungen, die systematische Ausschließung des Bodens durch Düngung und ähnliches. Im Anschluß an die Kanalisierung der größeren Flüsse (z. B. der Lahn) oder durch Ausbau der kleineren Cebirgsflüsse mit starkem Gefälle werden Wasserkraftanlagen ausgebaut. Zu solchen Zwecken sind in den letzten fünf Jahren weitere Millionen verwendet worden.
Für die K a.n a I i f i e r u n g der Lahn, die der Bezirksverband Wiesbaden in den Jahren 1926/29 ausführte, find allein an Ausgaben für die wert- schaffende Arbeitslosenfürsorge etwas über drei Millionen RM., für den Ausbau von Wasserkraftanlagen weitere 500 000 RM. ausgegeben, von denen der S aat die Hälfte getragen hat.
3n dem zum Regierungsbezirk Kassel gehörigen Kreise Schmalkalden, dessen zahlreiche Bewohner in den nach Süden abfallenden Tälern des Tyiiringer Waldes in Städten und Dörfern sich zusaminendrän- gen, wurde einst eine blühende Kleineisenindustrie betrieben. Das Eisenerz wurde tm Tru^al. --__