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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Kummer 268

Mittwoch, 13. November 1929

19. Jahrgang

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Das belgische Kabinett in Gefahr

Sie Liberalen lehnen die Serflamnng der Genier Univerfiläl ab / Zweite Haager Konferenz am 1. Dezember? / Sie deutsche Delegation

Kamps um die flämische Sprache

> , . . ^Eigener Drahtbericht.)

Brüssel, 13. November.

Auf der Sitzung der liberalen Frattion wurde in der verganguten Nacht beschlossen, den Vorschlag über die Einführung der flämischen Sprache an der Uni­versität Gent abzulehnen.

Damit ist der Bestand des Kabinetts Jaspar in Frage gestellt, da sich der Ministerpräsident für die Verflamung der Universität eingesetzt hatte. In Brüsseler Handels- und politischen Kreisen rechnet man mit einer neuen Krise.

*

Aehnlich wie in Frankreich, hat sich auch die bel=> gische Sozialdemokratie zu entscheiden, ob sie sich un­ter itanijiunJoen an einer Koaliliensretzierung beteiligen toflnbe. Die Haltung fe«-r Liberalen in der Flamen- frage das Kabinett Jasper stützt sich auf die Ka­tholische Partei und die Liberalen gibt dieser Frage eine akute Bedeutung. Es ist immerhin mit der Mögl><^'ei: zu rechnen, daß Jaiver sich zum Rück­tritt entschließt, wenn, wie es beinahe scheint, beim Wtederru» awictrti t« belst '->» Kammer am 19 November der Sprachenstrert zwischen Wallonen und Flamen noch nicht zu einer brauchbaren Verständi- gnng geführt hätte.

Der Fsihr-r der belgischen Sortalisien Vander- velde ist klug genug, um die Notwendigkeit einer Koalitionsregierung auch in Belgien einzusehen. Aber so vorsichtig er sich auch ausdrückte, haben ihm doch seine Parteigenossen bei dem eben abgeschlossenen Parteilongreß alle Wege versperrt. Vandervelde hoffte, die Partei dadurch für sich zu gewinnen, daß er grundsätzlich auch seinerseits eine Regierungsbetei- ltgung ablehnte, wenn nur wenigstens für den Fall außergewöhnlicher Ereignisse eine Aenderung dieser Stellungnahme gestattet würde. Die belgische sozia­listische Partei aber will sich auch durch keine außer­gewöhnlichen Ereignisse von ihrer Bahn der strikten pqlitischen Abstinenz abbringen lassen.

Worauf es-Praktisch ankäme, wenn es Belgien einmal mit einer Linkskoalition versuchen sollte, wäre eine Verständigung über die Unterstützung der Kon- fetsionsich»'. en Ie>' sich, die i-öiotiit«' t>?!od>''lanoe von der südlichen abtrennte, ist der Katholizismus die herrschende Konfession geblieben. In der belgi­schen Koalitionspolitik muß daher mit der katholi­schen Partei (die Katholiken besitzen im Abgeordne­tenhaus '78 Sitze, gegenüber 79 sozialistischen und 22 liberalen Sitzen) rechnen. Wer diese Tatsache leugnet, schaltet sich selbst von jeder belgischen Regierungs- Politik aus.

Deutschland im Haag

(Von unserem Berliner Vertreter).

des Organisationskomitees abermals eine Verschie­bung des Beginns der zweUen Haager Konferenz (((siehe die untenstehendeMatin"-Meldnng!> erfor- derlkch wird: Falls die Notwendigkeit eintreten sollte, diesen Anfangstermin auf Mitte Dezember zu verschie­ben, so würde man cs für besser halten, wenn die Kon­ferenz überhaupt erst im I a n u a r Zusammentritt, an­statt durch eine Weihnachtspause eine Unterbrechung zu erleiden.

Die deutsche Delegation, die für den Haag in Betracht kommt, wird voraussichtlich ebenso wie bei der ersten Konferenz wieder aus den

vier Ministern des Aeußeren, der Wirtschaft, der Finanzen und der besetzten Gebiete

bestehen. Außerdem wird die Frage erörtert, ob dies­mal nicht auch der Reichsbankpräsident Schacht als Delegierter nach dem Haag gehen soll, oder ob er nur tn seiner Eigenschaft als Sachverständiger an der neuen Konferenz ieilnehmen wird, da ja diesmal wohl die Frage der Errichtung der neuen Repara- tionsbank eine große Rolle spielen dürste. Anderer- setts weist man darauf hin. daß für den Reichsmini­ster der besetzten Gebiete auf der zweiten Haager Kon­ferenz vielleicht nur wenig Beratungsstoff vorhanden se,n wird. Voraussichtlich wird das R e i ch s k n b i - nett, welches über die Zusammensetzung der Dele­gation zu entscheiden hat, schon am morgigen Don­nerstag zu dieser Frage abschließend Stellung nehmen.

In der morgigen Kabinettssttzung wird ferner ei« Beschluß über die Hilfeleistung für di- deutsch-russischen Auswanderer zu er­warten sein. Gleichzeitig ist für morgen die Bespre­chung mit den Führern sämtlicher großer Reichstags- parteiea in Aussicht genommen und man erwartet weiterhin, daß vor Bereinheitlichung der deutschen Hilfsmaßnahmen eine besondere Kommission unter dem Protektorat des Reichspräsidenten von Hinden­burg gebildet werden wird.

Wann beginnt die Konferenz?

Paris, 13. November.

WieMatin" erfährt, soll die zweite Haager Kon­ferenz vorläufig auf den 7. Dezember festgesetzt wor­den sein und der Zeitpunkt der Rheinlandräumung zu Schwierigkeiten keinen Anlaß geben. Das Blatt schreibt, möglicherweise trete noch eine Aenedrung ein.

Was die Räumung betreffe, so habe der Meinungs­austausch zwischen dem deutschen Botschafter von Hoesch und dem Außenminister Briand bewiesen, daß der Zeitpunkt der Räumung zu Meinungsverschieden­heiten nicht führen könne. Die ersten sechs Monate des nächsten Jahres würden nach Ansicht der franzö-

Berlin, 13. November.

Für den Beginn der Haager Verhandlungen wird auch jetzt noch überwiegend mit Anfang Dezember ge­rechnet. Die letzten Nachrichten aus Paris lassen die Erwartung zu, daß der 2. Dezember als Anfangstag tx?r zweiten Haager Konferenz fcstgehalten wird, je- I doch ist man in Berkin in dieser Hinsicht nicht beson­ders optimistisch und hegt immer noch gewisse Zweifel, ob nicht durch neue Verzögerungen in den Arbeiten I

fischen Behörden für die Rücknahme der französtschen Truppen aus der dritten Zone reichlich genügen. Die einzige technische Schwierigkeit bestehe darin, daß die Frist von dem Tage an zu laufen beginnen müsse, au dem die deutsche Schuld kommerzialisiert sei, d. h. I1 an dein die Internationale Bank aufgrund der Ueber- gabe irgendwelcher Wertpapiere Gläubigerin Deutsch­lands geworden sei.

politischer Zlvischensall in München

(Eigener Drahtbericht.)

München, 13. November.

Die Bayerische Bolkspartei hatte gestern in ver­schiedenen Stadtteilen Münchens zahlreiche Wahl­versammlungen abgehaltcn. In einer Versammlung 'am es zu Zusammenstößen mit Nationalsozialisten Ein Nationalsozialistischer Redner rief durch seine Ausführungen eine solche Erregung in der Bersamm- ung hervor, das es zu Tätlichkeiten kam und ein all­gemeiner Tumult entstand. Die Polizei mußte schließlich eingreifen und die Ruhestörer entfernen.

Es kriselt!

Bayerische Bolkspartei und Deutschnationale.

München, 13. November.

Seit der Einbringung eines, deutschnationalen An­trages im Landtage, der mit einem nationalsozialisti­schen Antrag konform geht und die bayerische Staats­regierung in Bezug auf den Youngplan auf die außenpolitische Auffassung der Deutschnationalen und Nationalsozialisten fesilegcn will, hat sich das Ver­hältnis zwischen der Deutschnationalen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei sehr zugespitzt.

Die offizielle Korrespondenz der Bayerischen Volkspartei nimmt heute mit scharf formulierten Auslassungen gegen die deutschnationale Auffassung Stellung und erklärt u.. a., daß durch den deutsch- nationalen und nationalsozialistischen Antrag eine koalitionspolitisch unmögliche Situation geschaffen worden sei. Das Koalitionsproblem in Bayern kon­zentriere sich aber nidfrt aut diesen Einzelfall der n -r WMoers ftzmptdü.u..,'ck. c* j« ;nr ctf.c Äeg». rungskoalition ein unmöglicher Zustand, daß eine Koalitionspgrtei faktisch zugunsten der Opposition arbeite. Die Bayerische Volkspartei sei sich ihrer Ver­

antwortung für die weitere Entwicklung der politi­schen Verhältnisse in Bayern bewußt.

Appell an das Gewissen

England und die Freigabe deutschen Eigentums.

London, 13. November.

Das liberale Parlamentsmitglied Jan Macpher­son hat ein Schreiben an die Mitglieder des engli­schen Parlaments gerichtet, in dem er sie ersucht, eine Eingabe betreffend die Freigabe des noch nicht liqui­dierten beschlagnahmten deutschen Eigentums an den Premierminister, dm Schatzkanzler und den Präsiden­ten des Handelsamtes zu unterzeichnen. In dieser Eingabe wird gefordert, daß alles noch nicht liquidierte deutsche Privateigentum unverzüglich zur Rückerstat­tung an seine Eigentümer in Uebereinstimmung mit den Empfehlungen des Aoungplanes freigegeben werde, und daß der Ueberkckiuß der Einkünfte aus dem bereits liquidierten deutschen Privateigentum zur Ver­teilung an die vormaligen Eigentümer freigegeben werde.

London, 13. November. Sir Ronald L i n d s a y ist zum britischen Botsck'after in Washington, Sir Es- inond O v e y zum Botschafter in Moskau und Sir Robert V a n s i 11 a r t zum ständigen Unterstaatssekre­tär im Auswärtigen Amt ernannt worden. *

17. Million Erwerbslose

>n England

London, 13. November.

Die Arbeitslosigkeit in England bat in der w * November' zu Ende gegangenen <ä>u)c wiederum eine recht erhebliche Steigerung erfahren. Die Zahl der Erwerbslosen hat sich um 17 612 auf insgesamt 1252 000 erhöht.

Hoovers Vlockaderechts-Refonn

Von unserem Korrespondenten.

Viktoria Zoubkoff t

Bonn, 13. Rov.

Heute morgen kurz vor 7 Uhr ist Frau Zoub- foff gestorben.

Viktoria Zoubkoff, geb. Prinzessin von Preußen, wurde am 12. April 1866 als Tochter des damaligen preußischen Kronprinzen, des späteren deuts-ben Kai­sers Friedrich III. und der Prinzessin Vik'oria. einer Tochter der Königin Viktoria von England, geboren. In den 80er Jahren

kreuzte ihre Verlobung mit dem Fürsten Alexander von Bulgarien, die Politik Bismarcks,

da dieser aus dieser Verlobung Konflikte mit Ruß­land entstehen sah und ihr deshalb energischen Wi­derstand entgegen setzte. 1887 wurde die Verlobung gelöst.

Am 10. November 1890 schloß sie die Ehe mit dem Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe. Nach dem Tode ihres Gemahles 1916 bezog Prinzessin Viktoria das Palais Schaumburg in Bonn, das ihrem Neffen, dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe ge­hörte.

Im Jahre 1927 machte sie die Bekanntschaft des 23- jährigen russischen Flüchtlings Alexander Zoubkoff, der nach der Revolution vor den Bolschewiken ge­flüchtet und nach einem abenteuerlichen Leben durch Zufall nach Bonn gekommen war. Es kam schließ­lich zu einer Verlobung und trotz. Widerstand von feiten des früheren Kaisers und des Chefs des Hau­ses Schaumburg-Lippe zur Eheschließung einer 61- 'jährigen mit einem Manne, der den Jahren nach Ihr Enkel sein konnte. Die Traut ng wurde nach russischem Ritus vollzogen Besonderes Interesse er- reg*e in der Oefsentlichkeit die Tatsache, daß die Prinzessin einen Spitzenschleier ihrer Mutter, ein kostbares Erbstück aus dem Besitze der englischen nigsfamilie mit den Wappenblumen des Hauses Windsor gestickt, als Brautschmuck /«gelegt hatte.

Im Verlauf der Ehe zwischen der 8-jährigen und dem 23jährigen Manu kam es, wie Virauszusehen war, zu Unstimmigkeiten zwischen dem Ehepaar Aoubkoss vergeudete mit zweifelhaften Freunden das

Vermögen der Prinzessin, die allein eine jährliche Apanage von 40000 Mark hatte. Als Zoubkoff al^ lästiger. Ausländer 192,8 aus Deutschland ausgewiesen wurde,

war das Vermögen der Prinzessin, das früher auf 12 Millionen Mark geschätzt wurde, dahin.

Auf Betreiben der lippeschcn Familienverwaltung in Bückeburg wurde im November 1929 das Konkurs­verfahren über das Vermögen der Prinzessin er­öffnet.

Opfer der Herbstfiürme

Stnrmverheerungen in Dänemark und Norwegen,

Kopenhagen, 13. November.

Durch den heftigen Novembersturm, der in der Nacht zum Dienstag und znm Teil auch noch am Dienstag selbst über Dänemark tobte, find etwa zehn Fischerei-Fahrzeuge gesunken. In Kopenhagen am Südhafen wurden voit den Wellen zahlreiche kleinere Fahrzeuge an Land geworfen und zertrümmert. Groß find auch die Verheerungen, die der Sturm in Norwegen anrichtete. Zwei Fischerei Fahrzeuge in der Gegend von Trondhjem gingen in den Wellen unter. Biel Wald ist vernichtet; taufende von Bäu­men find entwurzelt worden. Telephon- und Telegra­phenleitungen find in Unordnung geraten. Die Tex tilfabrik von Oslo ist von Sturm und Regen stark mitgenommen. Die große Anlegebrücke in Horden ist von den Wellen fortgeriffen worden

Beim Einlaus zum Oslo-Fjord ist der deutsche DampferA r k o n a" auf Grund geraten. Die Mann­schaft konnte nur unter großen Schwierigkeiten von Fischern gerettet werden. Bei Halden sind mehrere Frahmen mit Pflastersteinen gesunken. In Asjer bei Oslo stürzte ein Baum über eine Hochspannungs­leitung Als man ihn entfernen woll e, rourh Personen vom Strom getötet. Oslo ist infolge der Beschädigung einer Hochspaunuugswnung bei Rot- tandden teilweise ohne elektrisches Licht.

Berlin, 13. November.

Der amerikanische Präsident Hoover hat, wie wir gestern meldeten, seinen Vorschlag, die Hungerblockade für künftige Kriege abzuschaffen, derganzen Welt zur Diskussion" unterbreitet. Die Diskussion ist be­reits in vollem Gange. Aus den Vereintgten Staa­ten kommen zahllose Stimmen, die den Glanzpunkt der Hooverschen Waffenstillstands-Rede begeistert unterstreichen. Die öffentliche Meinung Deutschlands hat natürlich in Erinnerung an die furchtbare Hungerzeit des Weltkrieges, an den Massenmord von 800 000 deutschen Frauen und Kin­dern allen Grund, den Vorstoß Hoovers zu unter st ützen und nur in England, der Heimat und dem Hort des unmenschlichen Blockaderechts, scheint man eine offene Aussprache noch zu scheuen. Aber Hoover, der die nichtamtliche Eigenschaft seines Vor­schlages betonte, muß doch bei seinen letzten Be­sprechungen mit dem britischen Premier Macdvnald herausgefühlt haben, daß zum mindesten die der­zeitige Regierungspartei in England zu einem Ein- lenfcn bereit ist.

Man hat wohl auch allgemein ganz vergessen, daß Albion schon einmal, sechs Jahre vor dem Weltkrieg, beinahe so weit war, den alten Seeräuberstandpunkt, der die Freiheit der Meere nicht achtet und das Pri­vateigentum auf See nicht anerkennt, über Bord zu werfen. Es war im Jahre 1908. Die damalige Londoner Regierung lud, wie man das heute ja auch wieder 'zu angeblichen Abrüstungszwecken macht, die anderen Seegroßmächte zu einer Konferenz ein. In m"natelangen Beratungen wurden die Seerechts­normen zusammengestellt, -die sich in dem halben Jahrhundert seit der Pariser Konferenz von 1856 als die allgemein gültigen herausgebildet hatten. Die Londoner Erklärung, die dann am 26. Februar 1909 von den Konferenzteilnehmern, auch von England, unterschrieben wurde, hieß in der damaligen britischen Regierungspresseein großes Werk, durch das dem Fortschritt und der Menschlichkeit ein bedeutender Dienst geleistet ist".

Tatsächlich war durch die Aufstellung jener Grund­sätze über die Blockade und die Konterbande sowie über die Prisen dem alten Seekriegsrechte von seinem mittelalterlich-barbarischen Charakter viel genommen, und man schien dem schon seit der genannten Pariser Konferenz angestrebten Ideal, daß das Privateigen­tum auch zur See im Kriege unverletzlich sein solle, einen Schritt naher gekommen zu sein. Die Erklä­rung ist aber dann von England nicht rati­fiziert worden, nicht etwa, weil die Regierung an­deren Sinnes wurde, sondern, weil eine starke Oppo­sition auftrat, die namenttich aus den Kolonien kam und im Oberhause ihre varlamenturische Macht äußerte. Jene Gegner der Deklaration zitterten für Englands ungehindette Rahrungsmfttelzusuhr, da in ei .cm der Paragraphen Lebensmittel als relative Konterbande, d. h. als , solche Bannware feit gelegt

wurden, die weggenommen werden kann, wenn sie für die feindliche Wehrmacht bestimmt ist.

Die Angelegenheit blieb also in der Schwebe. Bei Ausbruch des Weltkrieges machte sich England den geltenden Zustand zunutze, um an die Stelle des inter­nationalen Seerechts die berüchtigte Order im Council vom 2 0. August 1914 treten zu lassen, die den wesentlichsten Teil der Londoner Dekla­ration mit einem Federstrich beseitigte. Es folgte di« Order in Council vom 11. März 1915, die Blockade gegen die Neutralen, die Rationierung der neutralen Völker, um Deutschland abzuwürgen. Alles weiter« ist ja noch in grauenerregender Erinnerung.

Wie glaubt nun der Präsident der U.S. A., dem Problem des Blockadeverbots betzukommen? Hoov«: hat ja seinerzeit unendlich viel getan, um die schlimm­sten Wirkungen der Hungerblockade hintanzuhalten. 15 Millionen Menschen, sagt man, haben es ihm zu verdanken, ihm und den Quäkern, daß sie nicht Hun­gers starben. UeBeraH griff er ein, in Oesterreich, in Ungarn, in den baltischen Staaten, in Polen, im Bal­kan. In Paris, März 1919, focht er wie ein Löwe dafür, daß Frankreich einwilligte, die deutsche Fischer- flotte die alliierte Blockade durchbrechen zu lassen, um den hungernden deutschen Frauen und Kindern wenig­stens auf diesem Wege einige Nahrung zukommen zu lassen.

Aber das war doch nach dem Kriege! Noch im Waffenstillstaichsmonat November 1918 hatte er er­klärt, er sehe keinen Grund, weshalb sich Amerika ein- schränken solle, nur um den Deutschen zu helfen. Und noch im Dezember, als deutsche Regierungsvertreter über Nahrungsmittelzufuhr mit Hoover in Rotterdam verhandeln wollten, telegraphierte er feinen Leuten, die arroganten Deutschen, die Mörder Belgiens, soll­ten sich zum Teufel scheren. Das war noch Kriegs­psychose. Wird diese nicht eines Tages jedes schön­formulierte Vlockadeverbot nebst Kriegsächtungspakt wieder über den Haufen werfen? I. HesslöhL

Panzerwagen und Giftgas

im chinesischen Bürgerkriege.

Schanghai. 13. November.

Obwohl über die Kampfhandlungen zwischen der Kuomintschun utiö_ den Truppen der Nankingregie­rung keine zuverlässigen Berichte corliegen, scheint es sich, ZU bestätigen, daß die Armee Feng-Pu-Hsiangs sich auf dem Vormarsch nach Tschangtlchau befindet. Die Kuomintschun sollen sich bei ihren Angriffen gegen die nationalchinestfchen Truppen der modernsten Kriegswaffen wie Tanks und Giftgas bedienen. Als Folge der Anwendung von Giftgas durch die Sol­daten Fengs soll die Nankingregierung eifrig bemüht fern, die nationalchinesischen Truppen so schnell wie möglich mit Gasmasken aus-urüsten. Richt weniger als eine Viertelmillion chinesischer Soldaten sollen in die Kämpfe in der Provinz Honan verwickelt sein