Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 263
Donnerstag, 7. November 1929
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Spionage bei der Reichswehr
MSrere Verhaftungen in Weißenfels / Auch Angehörige der Reichswehr in die Affäre verwickelt? , M Mittelspersonen im Saargebiet
Die Vorbereitungen
Ff
London, 7. November.
Zurückgezogene Mmarschbefehle?
Verschärfung der englischen Kvhlenftise
polens „politischer Stil"
„Graf Zeppelins" polarmsnistnng
Infolge der Weigerung der Bergwerksbesitzer, an den Besprechungen über die Lohnfragen zwischen dem Kohlenausschutz des Kabinetts und Vertretern der Bergarbeiter teilzunehmen, ist eine unerwartete und folgenschwere Wendung in den Bemühungen der Re
tz a l l e, 7. November.
Das Polizeipräsidium Weitzenfels teilt mit: Auf Grund längerer Beobachtungen wurden am 29. Oktober 1929 mehrere Personen in Weihenfels als der Spionage dringend verdächtig festgenommen. Die Dernehmung hat die Bestätigung des dringenden Ber- duchtes erbracht und weiter ergeben, dah in Gemeinschaft mit Angehörigen der Reichswehr militärische Geheimnisse verraten werden sollten, und dah Werk- spümage getrieben wordeu ist.
Aus Weitzeasels find in das Berfahren fieben Per- frmen, darunter drei weibliche, verwickelt. Vier Per- souen sind dem Richter, der inzwischen Haftbefehl er- lossen hat, zugefuhrt und in das Amtsgerichtsgefäng- uis eingeliefert worden.
Die Festnahme des einen Beschuldigten gestaltete sich insofern schwierig, als er bei der Verfolgung in die Saale sprang, um fie zu durchschwimmen und fich »et Festnahme durch die Flucht zu entziehen. Durch ihm nachspringende Beamte wurde er vor dem Tode des Ertrinkens bewahrt und ans Land gebracht.
Einer der tzauptbeschuldigteu, der Reisende Wilhelm Becker, geboren am 2. Februar 1896 in Wesel, Kreis Rees, wohnhaft in Weitzenfels, Leipziger Stratze 61, ist flüchtig. Für die Ergreifung des Becker ist eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden.
Bei der Durchsuchung der Wohnungen wurde schwer belastendes Material oorgefunden, das nach dem Saar- geblet weist, wo sich die Mittelpersonen für die Ausführung des verräterischen Treibens der Festgenommenen befinden.
zur Flottenkonferenz
Washington, 7. November.
Zwischen dem Präsidenten Hoover, dem Staatssekretär Stimson und dem General DaweS sanden gestern erneute Besprechungen über die bevorstehende Flottenabrüstungskonferenz statt. Man glaubt, daß über den Inhalt dieser Unterredungen keine Mitteilungen veröffentlicht werden dürfen, daß aber Präsident Hoover am 11. November vor der amerikanischen Legion die gesamte Flottenabrüstungsfrage in einer Rede ausführlich behandeln wird.
Die amerikanischen Delegierten für die Flottenabrüstungskonferenz werden am 11. Januar an Bord des Dampfers „Olympic" sich nach London begeben. Die zur Zeit in Washington weilende japanische Delegation dagegen wird bereits am 20. Dezember nach London reisen, da sie noch vor der Eröffnung- i^r Konferenz mit der englischen Regierung »erhandeln will.
dieses Entgegenkommens des Kanzlers teilt die „Germania" bereits mit, datz die
Zentrumsmitglieder des Rechtsausschusies fich nunmehr wieder an den Verhandlungen dieses Ausschusses beteiligen
werden, nachdem sie vorgestern den Ausschutz gemeinsam und demonstrativ verlassen hatten. In der Ehe- scheidungssrage jedoch wird das Zentrum in sachlicher Hinsicht seinen grundsätzlichen Standpunkt weiter aufrechterhalten. Es steht auch nichts tm Wege, datz diese Haltung bis auf weiteres besonders betont wird, denn von keiner anderen Koalitionspartei wird besonderer
:t auf die Beschleunigung der Ehescheidungsreform gelegt, vielmehr sind z. B. von dem Vertreter der Deutschen Volkspartei im Rechtsausschutz des Reichstags Anträge eingebracht worden, welche der Reform des Ehescheidungsrechts gewisse Grenzen ziehen.
Mau nimmt an, dah das ganze Material nicht vor Februar oder März ins Plenum des Reich^ags kom- men wird nnd bis dahin werden die younggefetze längst erledigt sein und die Frage, ob der Zentrnms- minister von Ouetarb mit Rücksicht aus die Ehescheidung nun:~efir dem Iustizmin *erium ausscheiden foH, wird dann unter ganz neuen Gesichtspunkten geprüft werden können.
Englands Vertreter in Moskau
London, 7. November.
Zum englischen Botschafter in Moskau soll nach Informationen des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" Sir Robert H o d g s o n vom Premierminister Macdonald ausersehen sein.
Hodgson war bis zum Abbruch der diplomali- schne Beziehungen zwischen England und Rußland im Jahre 1924 Geschäftsträger in Moskau; er wurde im vergangenen Jahre zum englischen Gesandten und Generalkonsul für Albanien ernannt.
V Paris, 7. November.
Mit Spannung sieht man nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland der heutigen Kammersitzung, dem Programm der Regierung Tardieus, den Erklärungen Briands über die Außenpolitik und der daran anschließenden außenpolitischen Debatte entgegen. Um uns über die Einstellung der verschiedenen Kammerfraktionen ein Bild machen zu können, haben wir mehrere leitenden Parlamentarier von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten über ihre An
Newyork, 7. November.
Nach einer Meldung der Associated Preß aus Washington har sich dort Dr. Walter Blei stein der L-chatzmeister der internationalen Aeroarkiik-Ge- ellschaft, über den Fortgang der Vorbereitungen zur Polarfahrt des, Graf Zeppelin" geäußert. Gr erklärte u. a. Grai Zeppelin" werde drei amerikanische und neun andere Wissenschaftler mitnehmen. Er dürfte auf unersorfchiem Gebiet im Polarmeer landen, da- mit die in aüer Ruhe Beobachtungen an-
teilen konnten.
Der Polarflug werde durch Gefahrlosigkeit und relative Bequemlichkeit gekennzeichnet. Das Luft, chlfs werde frische Lebensmittel für fünf Tage nvt- juhrer». Dies sei die längste Zeit, die man von d-r
gierung zur Reorganisierung der Kohlenindustrie ein- getreten.
Die Grubenbesitzer haben fich gestern in einem Schreiben an den Handelsminister Graham, in dem sie die Regierungseinladung zur Teilnahme an einer ge- meinsamen Konferenz mit den Bergarbeitern ablehn- ten, offen gegen eine Herabsetzung des Achtstundenarbeitstags ausgesprochen, der nach Ansicht der Grubenbesitzer eine unheilvolle Wirkung auf die englische Kohlenindustrie habew würde. Zu Verhandlungen über Lohnfragen konnte fich die Vereinigung der Bergwerksbesitzer gleichfalls nicht bereit finden, da dies eine Angelegenheit der einzelnen Distrikt-Organisationen sei.
Die radikale Linke und die Fraktion Franklin Bouillon haben gestern nachmittag ihre Ltellung- mcchme zum Kabinett Tardieu-Briand ßestgelegt. Die radikale Linke (Lvncheur) beschloß, zunächst die Regierungserklärung abzuwar.en und dann wächreno der Sitzung hierzu Stellung zu nehmen.
Die Fraktion Franklin-Bouillon (Soziale und radikale Linke) betont in einer Entschließung, daß sie vcm Ministerpräsidenten eine präzise Erklärung über die Ausführung des Koung-Plans, bte Bedingungen der Rheinlandräumung und die Saarfrage und die Verteidigungsorganifation der Grenze verlange. Franklin Boutllon soll in diesem Sanne interpellieren und von der Antwort der Regierung will die Fraktion ihr« Stellungnahme abhängig machen.
Die radikale Kammerfraktion hat einstimmig be- itotoffen, gegen die Regierung zu sttmmen und für diese Abstimmung Fraktionszwang auszuüben.
Frankreich und Deutschland
Die gestrige Beratung bcb Z^tsausschusses begann mit einer EeschattsoiDt-üngsdebatte - .ha die V-rtteter des Zentrums nicht erschienen waren und nr deütst? . at snaler -ce..e eine Vertagung der Verhandlungen hf!UT^S«I ro“ti,e-, Die Vertagung wurde aber gegen die ^Deutschnationalen abgelehnt.
Zn den sachlichen Beratungen erläuterte zunächst Ministerialrat B r a n d i s den bereits unter Minister xoa) ausgearbeiteten Entwurf, der die Rechtsftelluna nLU2^eJl^rn-Äi2,beL.”ei6eiiern will. Das unehe- ttche Kind soll im Verhältnis zur Mutter und zu den Verwandten der Mutter die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes bekommen. Die Entscheidung über eine von den Kommunisten und Sozialdemokraten be- furwortete Erweiterung dahingehend, daß das uneheliche Kind auch tm Verhältnis zum Vater und seinen Verwandten die Stellung eines ehelichen Kindes er- zunächst zurückgestellt, nachdem Frische Volkspartei und Deutsche Volkspartei betont hatten daß es dann gar keinen Unterschied mehr zwischen unehelichen und ehelichen Kindern gäbe '
Volksentscheid am 22. Dezember?
(Von unserem Berliner Vertreter.)
Zweite Saager Konferenz Mtte Dezember?
Paris, 7. November.
^uai d'Orsay gut unterrichtete ^evre meldet, daß die zweite Sitzung der Haaoer ha! belgischen Premierminister Fasvar
hi™ Ml"/ D^ember einberufen werden könne mlVten Aoungplan-Komitees würden ihre b?rneitAa mS* ö05 November fertiggestellt ha- bei den Komitees keine unüber« herrschen, abgesehen von dem ^st-Reparattonskomitee, wo man jede fmff- nung aus eme Verständigung aufgegete» hat ® "
Paris, 7. November.
Kriegsminister M aginot hatte gestern eine Unterredung mit dem Kommandanten der Rh-in- .General Guillemaut. in der er sich über die Militärische Lage im besetzten Rheinland, also höchst- wahrschciiilich über den Stand der Räumung, unter- richtete. Der „Excelsior" mißt dieser Besprechung erhöhte Bedeutung zu.
. 9>bt eine Meldung des Sozial
demokratischen Pressedienstes wieder wonach der seit Wochen vorliegende Abmarschbcfehl für das in Kreuznach stationierte sranzöflsche Regiment plötzlich zurückgezogen worden sei. Kre-.znach ble-be bis auf Mette- res besetzt. Eine französische Kompagnie, die aus dem Mainzer Bahnhof bereits zum Abtransport stand, habe den Befehl erhalten, sich in die alten Quartiere zuruckzubegebcn. Mainz bleibe vorläufig ebenfalls besetzt. Mainz und Kreuznach gehören zur dritten Zone des besetzten Gebietes, mit deren Räumung erst nach der Ratifikation des Noung-Planes begonnen werden sollte. Immerhin lpitte die französische Regierung in der berechtigten Erwartung, daß Deutsckj- land die verabredeten Vereinbarungen durchfuhren wird, auch die Räumung des Teiles der dritten Zon-
chon vor Wochen angcordnet.
sicht befragt. Als symptomatisch verdient hervorgehoben zu werden, daß
fich sämtliche Persönlichkeiten für die deutschfranzösische Annäherung und für die Fortsetzung der Politik Briands aussprachen.
Die Sozialisten Renaudel und Grumbach erklärten übereinstimmend, gerade jetzt sei eine energische Fortsetzung der Annäherungspolitik mehr denn je notwendig.
Auch der ehemalige Minister Albert Sarraut, einer der hervorragendsten Führer der Radikalen Partei, zeigt sich davon überzeugt, daß die Politik Frankreichs gegenüber Deutschland unverändert weitergeführt werde. Man dürfe die Rolle der reakttonären Regierungsmitglieder nicht überschätzen.
Der kürzlich zum Senator gewählte Führer der sozialistifchen Republikaner V i o l l e t t e ist der Ansicht, daß die französifche Außenpolitik ohne Rücksicht auf die Zufammensetzung der Regierung unverändert bleiben werde, wenn es auch paradox erfcheine, daß die Rechte gezwungen fei, die Außenpolitik der Linken fortzusetzen. Falls das Kabinett Tardien den Verfuch machen wollte, die Außenpolitik umzubiegen, fo Werse sein Parleifrcuns Briana ohne reden Zweifel zurücktreten und dadurch die Gesamtdemission des Ministeriums erzwingen.
Auch für den parlamentarischen Führer der Gruppe Maginot, Paul R e y n a u d, ist das Verbleiben Briands im Außenministerium ein Beweis dafür, datz der bisherige autzenpolitische Kurs beibehalten wird. Es handle sich nicht um eine persönliche Politik Strese- manns oder Briands, sondern um die
Außenpolitik zweier Völker, die gerade jetzt der
Stimmung in Deutschland und Frankreich entspreche.
Selbst ein Mitglied der Gruppe Marin, der Abgeordnete Taittinger, bezeichnete Briands Politik als unabänderlich und sprach sich für die Räumung des Rheinlandes unter gewissen Bedingungen, die für Deutschland durchaus annehmbar seien, aus. Diese Bedingungen seien: 1. Anerkennung des Aoungplanes, 2. Kommerzialisierung der deutschen Schuld, 3. Fortsetzung der Annäherungspolitik. Frankreich verlange für seine Zugeständnisse gleichwertige Konzessionen von Deutschland,
i Paris, 7. November.
' Die Morgenblätter rechnen damit, datz die Kammerdebatte über die Regierungserklärung und insbesondere über die Außenpolitik des Kabinetts Tardien einen derartigen Umfang avnehmen wird — gestern übend waren bereits 38 Interpellationen und 10 Frak- tionsredirer vorgemerkt —, daß die Abstimmung höchstwahrscheinlich erst im Lause des Freitags erfolgen kann.
Zn der Voraussage über den Ausgang der Ab- pimmnng zeigt man fich nach wie vor znrückhaltend, doch glauben die meisten Blätter, datz die Regierung Tardieus, falls es nicht zn unvorhergesehene« Zwi- sqensälleu kommt, mit einer knappe« Mehrheit siege« wird.
Vor Tardieus Premiere
(Eigener Drahtbericht.)
Schwer belastendes Material
(Eigener Drahtbericht.)
Warschau, 7. November.
Der am letzten Oktobertage zwischen dem polnischen sraaisprapdenten und dem Sejmmarschall ausgebro- chene Konflikt hat bekanntlich dadurch eine vorläufige Lojung gefunden, daß der Staatspräsident durch ein zerret die Eröffnung der fälligen Sitzungsperiode des «eim um einen Monat bis zum 5. Dezember vertagt hat. dahinter steht der schon lange unter der Oberfläche dahlnschleichcnde Konflikt .zwischen der Staats- »gterung und der Mehrheit des Sejm. Dem vollen Austrag des ernsten Konfliktes ist jedoch Pilsudski, augenblicklich der mächtigste Mann in Polen, durch die Vertagung nur ausgewichen, wie ja auch die oppositionelle Mehrheit des Sejm eine den Konflikt schürende oder lösende Entscheidung nicht gewagt hat, vielleicht auch der ganzen Sachlage nach nicht wagen oder provozieren kann, obwohl es von ihr heißt, daß sie die Sympathien des größeren Teiles der Bevölkerung ge-
Dieser Zustand des polnischen Staates, für den die Demonstration der Offiziere im Sejm und der Auf- trrtt zwifchen Pilsudski und dem Sejmmarschall Tac- zlnskl nur ein Symptom unter vielen ist, hat seine tieferen Ursachen. Im Polentum steckt ein tiefer Zwie- Ipalt, der aus der intensiven Berührung der Polen mit dem Geiste Westeuropas stammt. Es liegen in mm Gegensätze, die bedingt sind einmal durch das Vorhandensein starker Reste der slawischen Volksseele im PofeKAm und zum anderen durch die von Westeuropa her übernommenen Methoden der Politik und der Staatenführung. Diese verschiedenen Grundvoraussetzungen wirken sich heute-in der polnischen Volksseele erneut aus und zwar in der Weise, daß man mit Recht sagen darf, der „politische Stil" des polnischen Staates fei „verschwommen".
Berlin, 7. November.
Auf Grund der gestrige« Parteiführerbe s p r e ch u n ge « beim Reichskanzler kann man jetzt mrt einiger Sicherheit annehmen, daß der Reichstag am 27. November zusammentreten wird, und datz am 22. Dezember, also drei Tage vor Weihnachten, der Volksentscheid über das sogenannte Freiheitsgesetz dnrchgesührt wird.
Nach der amtlichen Mitteilung über die gestrige Besprechung soll der Aeltestenrat gebeten werden, den Reichstag für den genannten Termin einzuberufen. Gs handelt sich dabei um ein ziemlich umfangreiches Programm. Erstens soll selbstverständlich das Gesetz, welches dem Volksbegehren zugrunde liegt, so schnell als möglich vom Reichstag verabschiedet (d. h. also, wie mit Sicherheit zu erwarten ist, abgelehnt) werden. Ferner wird man sich mit dem Republikschutzgesetz, mit dem Standesherrengesetz und mit anderen wichtigen Fragen befassen. Dahin gehört z. B. die Erledigung der dringenden Zollfragen, die bis Ende des Jahres erledigt sein müssen, und in interfraktionellen Besprechungen (wahrscheinlich aber noch nicht im Plenum des Reichstags) wird man sich auch mit der Etatsaufstellung und mit der steuerlichen Deckung der vorhandenen Fehlbeträge befassen. Damit würde die Zeit bis zum 21. Dezember reichlich ausgefüllt fein, und man hält es für wahrscheinlich, daß dieses Programm in den 3tLWochen bis Weihnachten erledigt werden kann. Die zweite Haager Konferenz wird voraussichtlich Anfang Dezember ihren Anfang nehmen, so daß, bit pn de« Repärationssttkgcn Utail^ren UkMsier, ' die sich nach dem Haag begeben müssen, in den ersten Tagen der Reichstags-Session noch in Serlin anwesend sein roürfr.'re Der WuM Parteiführer, den Volksentscheid so schnell wie möglich zu erledigen, ist darauf zurückzuführen, daß man die künftige Beratung und Ratifizierung der Younggesetze nicht mit den Erörterungen über das sogenannte „Freiheitsgesetz" belasten möchte.
lleber die Ernennung der neuen Minister und über den Ehereformkonflikt ist in der gestrigen Rachinit- tagssitzung der Parteiführer nach amtlichen Mitteilungen nicht gesprochen worden, sondern diese Dinge sind bereits in den Einzelbesprechungen erledigt worden, die beim Kanzler vor der gemeinsamen Sitzung stattfanden. Man hält es daraufhin
ffit sehr wahrscheinlich, daß bereits heute oder morgen die endgültige Ernennung des Ministers Dr. Curt ins zum Wirtschaftsminister und die Berufung des volksparteilichen Abgeordneten Dr. Albrecht oder seines Fraktionskollegen Professor Moldenhauer in das Wirtschaftsministcrium bekanntgegeben wird.
Der Reichskanzler wird überdies am morgigen Freies die Parteiführer und die maßgebenden Mitglieder des Rechtsausschusses noch einmal zu einer Besprechung zusammenrufen, um über die Behandlung der Ehe- scherdungsreform eine Vereinbarung zu treffen mit welcher das Zentrum fich abfinden könnte. Angesichts