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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 261

Dienstag, 5. November 1929

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

19. Jahrgang

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

NachspielzumSiegelsdorferEisenbahnunglück

Seginn des Mfenprozeffes in Aürth / Differenzen der KoalitlonSparteien im Reich / Beschleunigte Durchführung des Bolksentscheids?

230Zeugen und 17 Sachverständige

Steine des Anstoßes

(Eigene Drahtmeldung.)

(Von unserem Berliner Vertreter.)

teil-

Großkampftage im Unterhaus

(Eigener Drahtbericht.)

williger Geständnisse'

fordert.

DerFigaro" ist

der Ansicht, das Schicksal der

Opfer der Pulkankatastrophe

M

die die

Beifall! lernen!

ein- auf auf

zollpolitischem Gebiete fassen, weil bis zum 31. De­zember die Stellungnahme der Regierung zu dem Plan des zweijährigen sogenannten Genfer Zollfrie­dens bekanntgegeben werden mutz. Diese Stellung­nahme wird im Rahmen einer umfassenden Agrar-

Die gestrige Erklärung des Arbeitsministers Thomas über die Anleihe der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat eine recht kühle Aufnahme sowohl bei der Opposition wie auch bei den Parlamentsmit­gliedern der Arbeiterpartei gefunden. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß mit einer erheblichen Bcsse- rung der Lage der Arbeitslosen während des Winters kaum zu rechnen ist. Tic Erklärungen Thomas wur­den allgemein als vage bezeichnet und die an sie ge­knüpften Erwartungen werden als nicht erfüllt an­gesehen.

Heftige Kritik an den Plänen des Arbeirslosenmi- nistcrs wurde bereits gestern von Lloyd George wäh »end der Erklärungen Thomas geübt. Der Führer der Liberalen erklärte, daß die Vorschläge Thomas zur Behebung der Arbeitslosigkeit alskleinlich und un­intelligent" zu bezeichnen seien. Viele Pläne des Ar­beitslosenministers Höngen nach Ansicht von Lloyd George vollständig in der Luft.

Fürth, 5. November.

Am Montag begann vor dem erweiterten Schöffen­gericht in Fürth, das wegen ungünstiger Raumver­hältnisse seine Tätigkeit in den Fürther Rathaussaal verlegt hat, der Riesenprozeh wegen des Eisenbahn- «nglücks bei Siegelsdors am Morgen des 10. Juni 1928.

Angeklagt sind der 34jährige verheiratete Ober­bahnmeister Alfred Stuhlfath, der 47jährige verhei­ratete Rottenführer Georg Valland und der 61jährige verheiratete Oberbahnwärter Johann Greller, sämtlich in Siegelsdorf wohnhaft. Die Anklage legt ihnen zur Last, datz sie durch Fahrlässigkeit und Autzerachtlasiung der ihnen obliegenden Pflichten, den Tod von 24 Men­schen und weiter die Körperverletzung von 118 Per­sonen verschuldet hätten. 230 Zeugen und 17 Sachver­ständige sind zur Verhandlung geladen.

Zu Beginn der Sitzung ermahnte der Vorsitzende besonders eindringlich die Sachverständigen zur un­parteiischen Abgabe ihrer Gutachten. Auf Grund des § 261 der Strafprozetzordnung gab er vor dem Ein­tritt in die eigentlichen Verhandlungen ausdrücklich bekannt, datz die Grundlage des Urteils nur in dem Ergebnis der Beweisaufnahme entnommen werden dürfe, und datz der Eröffnungsbeschluß in keiner Weise vorgreifen wolle und sich nur über die Momente aus- lasie, die die Voruntersuchung ergeben habe.

neuen Regierung hänge zum großen Teile von der Haltung der Radikalsozialisten und der unionistischen und sozialen Linken, der Gruppe des Abgeordneten Franklin Bouillon ab. DerFigaro" hat deshalb ein Mitglied der radikal-sozialistischen Kammergruppc um Darlegung seines Standpunktes gebeten. Dieser erklärte, er glaube, wenn das Kabinett auch die Klip­pen des ersten Tages erfolgreich umsegele, so werve die Aussprache über dir Kredite für die neuen Un­terstaatssekretäre nicht in Ruhr verlaufen.

Franklin Bouillon führt den Angaben des Figaro" gegenüber aus, er werde die Regierung um eine Klarstellung über die Rheinlandfrage. die Durchführung des Doungplanes usw. ersuchen. Er wisse nicht, ob das Kabinett von Tauer fein werde. Auf jeden Fall sei er entschlossen, ihm seine Stimme nicht zu geben. Das Land dürfe sich nicht im Un­klaren über die Außenpolitik befinden.

debatte gefunden werden. Weiterhin wird Etatsaufstellung vorzunehmen sein,

Guatemala, 5. November.

Bei dem Ausbruch des Vulkans Santa Maria find nach offizieller Mitteilung 25 Personen ums Leben gekommen. Nach Nachrichten aus privater Quelle be­fürchtet man jedoch, daß die Zahl der Toten minde­stens 300 beträgt. Der Sachschaden ist bedeutend. Ungeheure Lavaströme bedrohen die in der Nähe des Vulkans gelegenen Dörfer und Gehöfte.

D. Red.)

Interpellationen Wer Interpellationen in der französischen Kammer.

Berlin, 5. November.

Die Parteiführer der Koalition, die sich am Mittwoch nachmittag beim Reichskanzler ver­sammeln werden, haben Gelegenheit, sich nicht nnr über die technischen Fragen der Einberufung des Reichs­tags, sondern auch über sämtliche koalitionspolitischen Probleme zu unterhalten, die sich aus einigen Diffe­renzen innerhalb der Regierungsgruppe ergeben.

Zunächst wird es sich allerdings um Fragen mehr äußerlichen Charakters handeln, in erster Linie um den Termin des Wiederzusammentritts des Parla­ments. Auch der Auswärtige Ausschuß soll in nächster Zeit einberufen werden, und so wird neben dem Reichstagspräfldenten Löbe auch Abgeordneter

Positionellen Parlamentarier spenden dazu lebhaften Wir haben in Deutschland noch manches zu

wiederum besondere Schwierigkeiten macht. Schließ­lich aber wird bei der Einberufung des Reichstags auch die Erledigung des Volksentscheides zu berück­sichtigen sein.

Das Gesetz, welches dem Volksbegehren zugrunde liegt, wird vom Reichstag sicher abgelehnt werden, und dann hat die Regierung den Termin für einen Volks­entscheid anzusetzen. Don demokratischer Seite wurde behauptet, die Regierung habe den Wunsch, den Volks­entscheid so rasch als möglich über die Bühne gehen zu lassen. Das ist nur in gewissem Maße richtig. Wäh­rend man angeblich bisher allgemein die Ansicht ver­trat, der Volksentscheid werde erst in Betracht kom­men, wenn die Pounggesetze längst vom Reichstag ratifiziert seien, ist gegenwärtig auch eine andere Auf­fassung aufgetaucht, die dahin geht, datz die Reihen­folge der politischen Vorgänge umgekehrt sein könne. Die Haager Konferenz verzögert sich immer weiter, und es ist infolgedessen noch nicht abzusehen, wann der Reichstag zur Ratifizierung der neuen Repara­tionsvorlagen kommen wird. Anderseits ist im Reichs­tag die Debatte über das sogenannte Freihettsgesetz verhältnismäßig rasch zu erledigen, und da die Regie­rung den

Termin für den Volksentscheid

selbst in der Hand hat, so ist auch hier eine Beschleu­nigung möglich. Jedenfalls ist es vom Standpunkte

'' London, 5. November.

Im Unterhaus machte gestern Minister Thomas seine großem Interesse erwarteten Vorschläge zur Behebung der Arbeitslosigkeit.

Bisher seien Pläne für elf Millionen Pfund von dem Ausschuß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ausgearbeitet und gebilligt worden, die ungefähr einer halben Million Menschen für Monate Beschäftigung verschaffen dürften. Andere Pläne, wie der Ausbau der Londoner Untergrundbahn, die Reorganisation der Eisenbahn, der Ausbau des Telephon- und des Stra­ßennetzes seien zum Teil ebenfalls gebilligt oder in Ausarbeitung begriffen. Die zur Ausführung der einzelnen Pläne notwendige Mittel beliefen sich aus ungefähr 50 Millionen Pfund. Es sei zu hoffen, daß mit der Durchführung einiger dieser Pläne noch vor Weihnachten oegonnen werden könne. Eine außeror dentliche Bedeutung komme der Hebung der englischen Ausfuhr und der englischen Auswanderung nach Ka­nada üu

Hessische Abendzeitung

aajetawrdjt: «eschäNS- -yrd Me 30 mm = Stile 11 Pfennig. Kleine An«tg« 6*8

Kassel das Wort 7 4. «uswayw« Kleine Snseista die 90 mm breite Zeile 11 4, Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 4. Osfcrtaebuhr 25 4 (bei Zustellung 85 4). Für das Erscheinen von Anzeige» in bestimmten Ausgaben, an besondere» Plätzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine gewähr. Rech- n*ng»cträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichisnand Kaffel. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 6380.

Es folgt dann die Verlesung der Anklageschrift: Als die Lokomotive, so heißt es in der

100 Seiten starken Anklageschrift,

auf gerader Strecke schon aus den Schienen gesprungen war, sei kurz darauf die eigentliche Entgleisung inner­halb des Eleiswerkes erfolgt.

Die Ursache der Entgleisung sieht die Anklageschrift in der schlechten Gleisanlage und der Nichtbeachtung der geltenden Vorschriften des Sicherheitsdienstes. Bei den am 8. und 9. Zuni erfolgten Eleisarbeiten hätten sich unter den 28 Arbeitern nur zwei gelernt« Kräfte befunden. Die Regulierungsarbeiten sollen auch den allgemeinen Anforderungen und Dienstvor­schriften nicht entsprochen haben.

Die Sachverständigen.

Der Hauptsachverständige, Prof. Halter- Mün­chen, neigt der Anschauung zu, daß die schlechten Gleisanlagen nicht Ursache des Unglücks waren. Die Geschwindigkeit des Unglückszuges sei, so erklärt die Anklageschrift, nicht unzulässig hoch gewesen. Die Frage, ob etwa die Lokomotive die Ursache der Ent­gleisung gewesen sei, wurde von dem Sachverständigen Prof. Lotter- München verneint.

Die Möglichkeit eines Anschlages verneint die zu­ständige Behörde, da sich hierfür keine Anhaltspunkte ergeben hätten.

Paris, 5. November.

Im Kammerbüro laufen die Interpellationen un­unterbrochen ein. Ueber die allgemeine Politik der Regierung liegen bereits fünf, über die Außenpolitik des Kabinetts drei Interpellationen vor. Die letzte­ren beziehen sich auf den Doungplan, auf die Saar- Verhandlungen und auf die bevorstehende Flottenab­rüstungskonserenz. Ferner ist über ein halbes Dut­zend Interpellationen für die Landwirtschaftspolitik der Regierung eingegange«.

Als Kuriosum sei eine Interpellation erwähnt, die durch die unlängst bekannt gewordene Anwendung mittelalterlicher Foltern beim Polizeiverhör veran­laßt worden ist und in ironischem Tone Aufklärung über dieMethoden der Polizei zur Erlangun» frei-

Deutsche Sauern aus der Wanderschaft

Ser gute Ton

London, 5. November.

Kasseler Abendzeitung

WrMeinunsSweife: möchemllch sechsmal mich mittags. Utoewaaratitrato- fite bat Steoot 130 Jt bei freier 3*. IK

st-llung ins Saus, i» der Geschöiisitclle abgeholt 2,10 Jt. Durch Me Post monatlich 130 Jt ausschließlich Zu- HJk

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Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag. Schriitleitung und Druckerei: Kötüikche Strotze 10. Televhon: eammtinummer 6800. Juristische Sprechstunde leben Dienstag von 5 MB 7 Uhr. Kölnische Strotze Rr. 10.

Paris, 5. November.

Gestern abend crplodierie in einer engen Gasse in der Casa-Jtaliena in Manaco eine Bombe. Da das Gebäude, das den italienischen Faschisten als Der- sammlungsort dient, zur Zeit des Attentates völlig verlassen war, sind Menschenleben nicht zu beklagen. Die Explosion war so heftig, datz sämtliche Türen und Fenster zertrümmert wurden. Die Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet

Die Erkrankung des Prinzen Max von Baden. Im Befinden des Prinzen Max von Baden ist eine Ver­änderung auch in der vergangenen Nächt nicht einge­treten. Der Prinz Hal eine gute Nacht verbracht. Auch der gestrige Tag war den Umständen entsprechend gut. Bei der Schwere der Erkrankung besteht aller­dings die Möglichkeit einer ernsten Wendung. Doch ist diese nicht akut.

der Regierung aus verhältnismäßig gleichgültig, ob das eine oder das andere zuerst an die Reihe kommt. Wohl aber möchte man begreiflicherweise vermeiden, daß beides auf den gleichen Termin fällt. Es ist nämlich damit zu rechnen, daß die Deutschnatio- n a l e n versuchen werden, durch ein Drittel des Reichstags eine Aussetzung der Verkündung der Pounggesetze zu erreichen. Dann muß even­tuell über die Frage bzw. über die Pounggesetze selbst ein Antrag auf Volksentscheid stattfinden, und man möchte selbstverständlich diesen Volksentscheid (falls es überhaupt dazu kommt, was sehr fraglich ist) nicht mit dem jetzt schwebenden Volksentscheid verkoppeln lassen. Aus diesem Grunde allein wäre es denkbar, datz in dem jetzigen Volksentscheidsverfahren eine Beschleu­nigung eintritt, worüber von den Parteiführern jeden­falls zu sprechen ist.

Oie koalitionspolitischen Schwierigkeiten

die evtl, ebenfalls zu erörtern wären, bestehen in ge­wissen Differenzen zwischen dem Zentrum und der Bayrischen Volkspartei einerseits und den Sozialdemokraten andererseits.

Der Führer der Bayrischen Volkspartei, Prälat Leicht, hat jetzt in Bamberg eine Rede gehalten, in der er sich scharf gegen die Methoden der strafrecht­lichen Reform wendet, und in welcher er ankündigte, die Bayern und das Zentrum seien sich darüber einig, datz eine Erleichterung der Ehescheidung unter keilten Umstünden eintreten dürfe. Andererseits möchte Prä­lat Leicht auch nicht etwa einer Entwicklung zustim­men, bei welcher Zentrum und Bayern der Annahme des Poungplanes innerhalb der jetzigen Koalition mitmachen, während dann diese Koalition durch den Austritt der Sozialdemokraten noch vor der Erledi­gung der grohen Finanzreform gesprengt wird.

Den Reden des Zentrums und der Bayern stehen auf der anderen Seite Aeutzerungen der Sozialdemo­kraten gegen die Zen'trumspolitik gegenüber, wie heute in einem Artikel desVorwärts" deutlich zum Aus­druck kommt. Dort ist die Rede von einerChristlich- konservativ-sozialen Front", die sich nach der Meinung der Sozialdemokraten beim Zentrum und einem Teile der Deutschnationalen in kultureller, sozialer Form herauszubilden beginne. Ebenso aber tadeln es die Sozialdemokraten, datz zwischen dem deutschen Zen­trum und den österreichisch-christlich Sozialen gewisse Beziehungen bestünden, so daß die Frage auftauche, ob das Zentrum bereits die österreichische Heimwehr­bewegung zu unterstützen beabsichtige.

Es wird sich also zeigen müssen, ob trotz dieser Steine des Anstoßes der Weg der Koalitionsparteieu gemeinsam fortgesetzt werden kann. Aber es dürfte wohl anzunehmen sein, daß in nächster Zeit aus den hier erwähnten Gründen noch keine ernsthaften Ber- fallsmomente anftanchen werden.

<Zm Unterhaus machte ferner Baldwin, nach­dem er unter dem Beifall der Konservativen Macdo- nald im Namen Der gesamten Opposition des Unter­hauses herzlich willkommen geheißen hatte, den Vor­schlag, die am Donnerstag im Unterhaus stattsindende Debatte über Indien auf Grund eines Vertagungs­antrages von feiten des Führers des Hauses vorzu­nehmen, um dem Staatssekretär für Indien zu er­möglichen, seine Erklärungen abzugeben. Baldwin will mit diesem Antrag verhüten, datz es zu einer fachlichen Abstimmung kommt, was im Falle eines anderen Antrages, wie z. B. eines Mißtrauensantra- fieä oder eines Antrages, das Gehalt des Staats­ekretärs für Indien herabzusetzen, unvermeidlich wäre. (Das klassische Land des Palamentarisinus ist in der Pflege des guten Tons im Parlament im­mer noch unerreicht. Der Oppositionsführer heißt den heimgekehrten Premier willkommen, und die op-

Gerüchte um die Emmilitaristening-ftage

Berlin, 5. November.

Die Meldung in der Pariser Ausgabe derChicago Tribüne", daß eine großzügige Umgestaltung der rhei­nischen Eisenbahnen im Zusammenhang mit der Räu­mung erfolgen solle und daß hierüber ein Vertrag ab­geschlossen worden sei, dessen Durchführung lediglich durch die französische Kabinettskrise verhindert wurde, ist, wie wir aus politischen Kreisen hören, nicht zu­treffend.

Es haben zwar Verhandlungen zwischen Deutsch land und Frankreich stattgefunden, in denen die Fra­gen erörtert wurden, die sich mit der Räumung und dem Freiwerden der militärischen Einrichtungen im entmilitarisierten Gebiet beschäftigten, die bisher den Besatzungstruppen zur Verfügung standen und deren künftige Verwendung noch zu regeln war. Von einem Vertrage, von dem dieChicago Tribüne" spricht, ist aber niemals die Rede gewesen. Bei den Be­sprechungen ist auch die Frage der Rhcinbrücken und Eisenbahnen sowie die Behandlung gewisser kleiner Streckenteile, die ursprünglick' militärischen Zwecken dienten, erörtert worden.

nach Hamburg weiterbefördert worden, von wo aus sie die Ueberfahrt antreten werden.

Dazu wird uns aus Moskau gemeldet: Die Lage der etwa 5000 vor Moskau versammelten deutschen Bauern, die aus dem Sowjetstaat nach Kanada aus­wandern wollen, gestaltet sich immer schwieriger. Nachdem die Sowjetregierung ihre Genehmigung zur Auswanderung erteilt hat, entstehen nunmehr Schwierigkeiten durch die kanadische Regierung, die angesichts einer ungünstigen Ernte und zunehmender Arbeitslosigkeit in Kanada ihre Zustimmung zur Einwanderung der deutschen Bauern nur erteilen will, wenn diese Garantien dafür bieten, daß sie bis zum nächsten Frühling ihre Existenz aus eigenen Mitteln bestreiten können. Die in Kanada lebenden Mennoniten wollen für ihre Glaubensgenossen bür­gen, es bleibt abzuwarten, ob die kanadifche Regie­rung diese Bürgschaft annimmt. Was die Sowjet- regterung betrifft, so besteht sie nunmehr auf be- fchleunigter Ausreise der deutschen Bauern, da sie den gegenwärtigen Zustand einer Massenansammlung vor Moskau für unhaltbar hält.

Antifaschistisches Vonibenattentat

Berlin, 5. Nov 5er.

DieVossische Zeitung" meldet aus Kiel: Bon den deutschen Sibirienbauern, die sich in Kanada eine neue Existenz aufbauen wollen, ist der erste Trupp von 323 Auswanderern auf dem ruff. Dampfer »Felix Dzerfinsky" in Kiel angekommen und gleich

Scheidemann an dieser Parteiführer-Besprechung nehmen. Für die

Einberufung des Reichstags

sind verschiedene Gesichtspunkte wahrzunehmen; mal muß der Reichstag vor Schluß des Jahres jeden Fall noch eine Reihe wichtiger Beschlüsse