Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Sonnabend/Sonntag, 26./27. Oktober 1929
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19. Jahrgang
Deutschlands Schulden an Amerika
Grklckmngen Stimsons über denssch-aMnkanische Aurgleichsverhandlungen / „Liquidierung der privaten Sortierungen unb Srieg^offen"
Badische Wahlschlacht
Karlsruhe, 26. Oktober.
Am Sonntag, 27. Oktober, finden im Freistaat Baden die Landtagswahlen statt. Der letzte Wählt«, min war der 25. Oktober 1925, der vorletzte im Okto- der 1921, also normal und genau alle vier Jahre. An verfrühte Auflösung des kleinen Parlaments dachte bisher niemand. Dazu wäre nach der badischen Verfassung ein Volksbegehren und eine Volksabstimmung nötig, bei der sich die Hälfte aller Stimmberechtigten für Neuwahlen aussprechen müßte. Man ist eben in Baden für einen ruhigen Gang der parlamentarischen Arbeit. Wenn es aber zu den Wahlen kommt, werden die Parteien sehr lebendig und vielleicht kampses- lustiger als anderswo. Der Kampf wird diesmal nach den Regeln eines neuen Wahlgesetzes ausgetragen, das viele kleinere Wahlkreise geschaffen hat und den aufstrebenden Gruppen und den politischen Talenten vermehrte Gelegenheit gibt, fich zu rühren. Sind doch jetzt nicht weniger als 13 Parteifahnen auf dem Turnierplatz aufmarschiert.
Das Haupttreffen geht um die Weimarer Koalition in Baden. Die bisherige Opposition: Deutschnatio- nale, Bauernv«treter, Wirtschaftspartei, wozu jetzt noch einige Nationalsozialisten treten, sowie die Deutsche Volkspartei stehen im Kampf mit Zentrum, Sozialdemokratie und Demokraten. Die Kräfte d« bisherigen Koalition waren folgende: Hinter den Zentrumsministern standen 28 Abgeordnete. Die Sozialdemokraten, die nach der Revolution 36 Abgeordnete zählten, haben in dem verkleinerten Landtag 16 Eitze erhalten, wozu noch vier Kommunisten kamen. Die Demokraten, die bei der ersten Wahl nach der Revolution 25 Abgeordnete erzielt hatten, sind durch Ue Absplitterung der Deutschen Volkspartei (sieben Sitze), des Landbundes und der Wirtschaftsgruppen auf sechs Vertreter zurückgegangen. Im Kabinett hatten sie immer nur einen Vertreter, das Zentrum vier, die Sozialdemokraten drei. Don diesen acht Mitgliedern des badischen Staatsministerkums find aber nur fünf richtige Ressortminister. Die drei andern find unbesoldete „Staatsräte" und dienen als Verbindungsoffiziere zwischen Regierung und Parteien. Der Vorsitzende des Kabinetts, der Staatspräsident, wird bekanntlich jedes Jahr neugewählt und zwar seit 1920 : vereinbarungsgemäß im regelmäßigen Turnus der I drei Koalitionsparteien. Dieser Turnus hat bis jetzt zu keiner Unzuträglichkeit geführt. Er glich das Uebergewicht, das der Staatspräsident durch seine l Doppelstimme bei Stichentscheiden besitzt, aus und befestigte damit erheblich das Vertrauensverhältnis zwischen den Koalitionsbeteiligten. So sah es bisher | im „Musterländle" aus! Und was bringt bet Wahlsonntag?
Wer die Verhältniffe in Baden näher kennt, weiß, daß dieser schmale Landriemen hinter der Rhein- sch- uke durchaus kein einheitliches Gebilde darstellt. Die geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen gleichen sich nicht aus, und nach dem Wegfall der Reichslande an Frankreich ist Baden auf eine weitere lange Strecke hin (neben der früheren schweizerischen Nachbarschaft) deutsch-französische Grenzmark geworden. Das ist ihm nicht gut bekommen, zumal alle sonstigen Uebelstände der deutschen Wirtschaftslage ■ hinzutreten. Die badische Bauernschaft, bei dem über- *ni:„:.;ben Kleinbesitz das Musterbild eines „grünen Mittelstandes", wird von der Kreditnot nicht minder geplagt als der ostelbische Eroßbesitz. Und auch in der badischen Industrie stürzt mancher Schornstein zusammen, der früher so stolz rauchte. Das alles führt natürlich auf politischem Gebiete zu Reibungen zwischen den Parteien und zur Unzufriedenheit. Die alte Geschichte: in einer Familie, deren Umstände fich verschlechtern, nehmen die Auseinandersetzungen allmählich heftige und feindselige Formen an. Man knurrt fich an, man schreit sich die Not ins Gesicht, man ruft um Hilfe. Die extremen Parteien werden daraus Gewinn ziehen. Die Wahlschlacht am Sonntag wird ein Kampf bis aufs Messer um eine neue Regierungsbildung werden. J. Lang.
politischer Zusammenstoß
München, 26. Oktober.
Rach Schluß bei gestern abend abgebaltenen Versammlungen des Bayerischen Landesausschusses für das Volksbegehren und der Sozialdemokratischen Pariei, die vollkommen ruhig verlaufen sind, kam es an der Hackerbrücke zu einem Zusammenstoß zwischen 20 Reichsbannerleuten und drei Stahlhelmleuren, wobei zwei Reichsbannerleute durch Messerstiche leicht verletzt wurden. Die an der Rauserei Beteiligten wurden festgenommen und zur Polizei gebracht.
Macdonalds Abschied von Lanada
Loudon, 26. Oktober.
Ministerpräsident Maedonald hat fich am gestrigen Freitag mit seiner Begleitung wieder nach England eingeschifti. Der Dampfer „Dutche of Dort", auf dem Maedonald und seine Begleitung reist,wird am nach ften Freitag in Liverpool eintreffen.
* * *
_ ^7“^ecc'.26 Oktober. Bei seiner Abreise nach England richtete Maedonald eine Abschiedsbotschast m b£I er seine Absicht aussprach, seine nach,te Rei,e noch weit« auszudehnen. Bei einem
vertrag mit Amerika in Sicht?
(Eigener Drahtbericht.)
einigten Staaten bildet. Aus demselben Grunde wolle er auch nicht die mögliche Rückwirkung eines solchen Vertrages auf den Noungplan «örtern, fowie auf das neue System, das dieser Plan einsüheen soll.
London, 26. Oktober.
»Times" berichtet aus Washington: Das Staatsdepartement hatte vorläufig nicht die Absicht, die Tatsache bekannt zn geben, daß in Berlin Verhand- fangen über die Zahlungen im Gange sind, die von Deutschland den Vereinigten Staaten geschuldet w«. den, und daß in angemessener Zeit ein Vertrag unterzeichnet werden wird.
Nachdem jedoch diese Nachricht aus ein« deutschen Quelle in Washington eingetroffen ist, erklärte Staatssekretär Stimson gestern, daß es sich bei diesen Verhandlungen um die Durchführung des Verspre- cheus handele, das gemacht wurde, als der Sachver- stäudigeuausschuß in Paris Reparationsfragen erörterte. Die amerikanifche Regi«ung fei damals der Ansicht gewesen, daß sie entsprechende Zugeständnisse zu machen b«eit sei, tote die anderen Gläubiger Deutschlands.
Ein Vertragsentwurf ist noch nicht im Besitze StimfonS. Er wolle daher darüber lediglich sagen, daß « Vorsorge für die endgültige Liguidierung der privaten Forderungen und Sriegskosten treffen würde, die zusammen die deutsche Schuld an die B«-
Der Korrespondent der „Time ä“ bemerkt dazu: Hinter den Verhandlungen über den Vertrag steckt sicher mehr, als aus Stimsons vorsichtigen Anspielungen geschlossen werden kann. Die amerikanische Re. gierung hat aufgrund des in Paris unterzeichneten Abkommens Gebrauch von dem System des Dawesplanes gemacht. Es ist keineswegs sicher, daß sie das System des Uonngplanes amvenden wird. Sie scheint nicht der Ansicht zu fein, daß eine Beteiligung am Funktionieren der Internationalen Zahlungsbank ein notwendiges amerikanisches Interesse sein wird. Dem Korrespondenten zufolge solle ein deutsch-amerikanischer Modus operandi, der von jeder Verbindung mit dem Youngplan und feiner Internationalen Bank frei ist, geschaffen werden. Der Vertrag werde die Zustimmung beider Häuser des Kongresses benötigen.
„M orning P ost' bemerkt: Die deutsch-amerikanischen Verhandlungen kündigen anscheinend bte Zahlung der deutschen Reparationen unmittelbar an Amerika außerhalb des Doungplanes und ohne V«- wendnng der neuen Internationalen Bank an.
Pessimismus in Paris
(EigenerDrah (bericht.)
Paris, 26. Oktober.
Der gestrige Lag yat, entgegen den Erwartungen, die Regierungskrise ihrer Lösung nicht nähergebracht. Da lavier wurde, wie zu erwarten war, vom Prä- fideuteu der Republik mit der Neubildung d« Regie- rung beauftragt. In den Wandelgängen d« Kammer bezeichnet man es aber mehr und mehr als zweifelhaft, daß es Daladier gelingen werde, ein auf eine tragfähtge Mehrheit gestütztes Kabinett zufam- menzubrtngen. Man zeigt fich außerordentlich erstaunt darüb«, daß Daladier bisher noch keine Berhandlun- gen mit den Sozialisten eingeleitet hat.
Obwohl zwei Sitzungen d« Sozialisten gestern ergebnislos verliefen, zeigte die stürmische Aussprache doch, daß die große Mehrhett der Partei trotz d« Beschwörungen Paul Boncours gegen Beteiligung an einer Regierung ist, die nicht vorwiegend unter ihrem Einfluß stände.
Neue Schwierigkeiten ergeben fich aber aus dem Beschluß der 52 Abgeordnete zählenden radikalen Linken, eine Linksregierung nur dann zu unterstützen, wenn sämtliche Parteien der neuen Mehrhett in der Regierung vertreten feien. Da man dem als intransigent bekannten Daladier nicht zutraut, daß er mit einer nach rechts erweiterten Regierung ein sogenanntes Kabinett der linken Konzentration versuchen wird, neigt mau zu der Annahme, daß er schließlich ein rein radikales Ministerium bilden werde, selbst auf die Gefahr hin, daß es bei der ersten Berührung mit dem Parlament eine Niederlage «leidet.
Zahlreiche andere Parteien ziehen es vor, die Entwicklung der Dinge abzuwarten. Rur bte Fraktion der republikanischen Sozialisten, Gruppe Chabruu, die über 12 Kammersitze verfügt, erklärte fich für eine Einigung der Linken und gegen jede Regierung, die dieser Formel nicht entspricht.
Paris, 26. Oktober.
Wie Haoas berichtet, soll Daladier vor sein« Abreise nach Reims Briand besucht und ihn gefragt
(haben, ob er eventuell bei der Bildung der Regierung aus ihn rechnen könne. Briand soll sich seine Antwort Vorbehalten haben, ab« er hat doch durchblicken lassen, daß es im Interesse der geplanten Koalition vielleicht angebracht wäre, wenn das Außenministerium einem anderen Politik« anvertraut werden würde.
Luwpasöderasson... eint Aotivendigkeit
Die außenpolitischen Ziele der Radikalen.
Paris, 26. Oktober.
Der radikale Kongreß in Reims beschäftigte fich in seiner gestrigen Abendsttzung mit bei Außenpolitik Frankreichs. Der Abgeorbnete M o n t i g n y führte aus, bie Billigung bei Haager Beschlüsse durch die radikale Partei hänge ab:
L von der internationalen Zahlnngsbank und
2. von den Sicherheiten, die die Regierungen für die Entwicklung des Friedenswerks geben könnten.
Montigny schloß unter dem Beifall des Kongresses mit der Erklärung, daß Briand seine Friedenspolitik nur durch einen Linksblock zu einem guten Ende führen könne.
Der ehemalige Ministerpräsident 9 erriet, der von der Versammlung jubelnd begrüßt wurde, sprach hierauf hauptsächlich über die Probleme der Europa- föderation, die keine Utopie, sondern eine Notwendigkeit sei. Herriot lehnte eine Organisation nach dem Muster der Schweizer Kantone, der italienischen Provinzen oder der Vereinigten Staaten von Amerika ab und erklärte sich nur unter großen Vorbehalten für eine Zollunion. Schließlich müsse jeder Gedanke an eine Hegemonie ausgeschaltet werden. Am dringendsten sei die Wirtschaftsunion, die bei den Privatwirtschaftskartellen bereits eingeleitet sei.
Nölows Erkrankung
Rom, 26. Oktober.
Das Befinden des Fürsten Bülow ist unverändert ernst
im Saufe des Tages ihm zu Ehren gegebenen Frühstück des canadischen Clubs führte Maedonald in einer Ansprache aus: Es ist von keiner Seite der Ver- <uch unternommen worden, ein englisch-amerikanisches Bündnis herbeizuführen. Die Jahre, die mir nach im Leben bleiben, sind zu kostbar, um für die Verfolgung lächerlicher Hirngespinste verschwendet zu werden.
polen en,eignet weiter!
Warschau, 26. Oktober.
D« polnische Staatsanzrig« v«öffentlicht »eitere Liquidalionsbeschlüfle gegen deutsches Grotzeigentum. Betroffen »erben diesmal 3 Bauerngüter in den Ärei» en Birnbaum, Czarnikau und Schwetz .deren Besitz« nach Abzug der «osten deS Verfahrens und Verrech nung der Hypothekeufchulden mit 2100 bis 11500 Zloty entschädigt werden. Außerdem wird von dem Groß- grundbefitz deS Grafen Fink von Finkenstein im Steife
Löbau die Wasserfläche des Karas-Sees im Umfange von 237 ha liquidiert, wofür etwa 80000 Zloty ge- zahlt »erben.
Sin neuer Weltflng
Start in Kassel.
D« Inhaber ber Schwedischen Segelfliegerschule Sftab, Douglas Graf Hamilton, plant mtt einem in Kassel von den Raab Kakenstein Flugzeugwerken G. m. b. H. erworbenen Leichtflugzeug „Grasmücke" einen Weltflug. Er will in den nächsten Tagen von Kassel aus starten.
Graf Hamitton hat folgende Route für seinen Wett- flug vorgesehen: Hamburg, Kopenhagen, Stockholm, HeMngfors, Petrograd, Moskau, Kasan, Omsk, Jr- kutfl nach Pelina. Bon dort aus will er entgegen ber Route des Zeppelinluftschiffes, welches bekanntlich direkt üb« den Stillen Ozean flog, den Weg über Ja- l>an, Kamtschatka üb« Alaska nach Newyoik nehmen.
Kulturpropaganda
w. P. Frankreich plant in der amerikanifchen Metropole den Bau eines riesigen Hauses, in dem alle Einrichtungen, die sranzösische Kreise in tz^wyork schon geschasfen haben oder in Zukunst noch zu schassen gedenken, in würdiger, höchst repräsentativer Weise untergebracht werden sollen. Vom Konsulat bis zum 3icife5üro werden bie verschiedenartigsten wirtschaftlichen und politischen Organisationen dort ein Heim finden; für alle möglichen kulturellen Awecke werden Räume in überreicher Zahl zur Verfügung gestellt werden. Selbst ein Hotelbetrieb nach feinstem Pariser Muster soll nicht fehlen. „Palais de France" will man diesen 65-stöckigen Wolkenkratzek taufen, utw auf die Kleinigkeit von 250 Millionen Mark sind bie Baukosten veranschlagt worden. Eben dieses Frankreich, das mit so großzügigen, vorläufig noch ein wenig utopisch anmutenden Plänen umgeht, hat vor ein paar Jahren einen „Service des ocuvres francaises ä l’etranger", einen „Französischen Buchdienst für das Ausland" gegründet, es ist eifrig bemüht, den Strom der Fremden in seine Städte zu lenken, kurz, es bestellt unermüdlich und energisch das wette Feld, das man Kutturpropaganda nennt
Nicht weniger rührig sind die anderen: Mussolini hat ein Ausstellungsschiff, das vom Kiel bis zum Deck mit den Erzeugnissen italienischer Wirtschaft und italienischer Kunst beloben war, eine Rundreise durch bie südamerikanischen Hafenstädte machen lassen. Die Männer um Pilsudski versuchten ihr Glück mit einer I Landesausstellung und ließen es sich viel Mühe kosten, um ein paar leibhaftige ausländische Minister zur Reise nach Posen zu bewegen. Aber schon etliche Zeit zuvor hatten sie einen auf seine Art recht instruktiven Beitrag zum Thema „Kulturpropaganda",geliefert. Das war damals, als Polen in Kaltowitz seinen neuen Rundsunksender aufstellte und ihn mit solch« Energie funken ließ, daß die deutsch-oberschle- sischen Runbfunkhvrer am Detektor nur noch die polnische Stimme vernahmen. Erst als Deutschland zu Gegenmaßnahmen griff und dem Gleiwitzer Send« die notwendige Kraft zum Widerstand gab, sanden sich die polnischen Propagandamacher zur Beilegung dieses „Rundfunkkrieges" bereit. Und endlich, um diese kleine Auslese von Beispielen moderner Kultur- Propaganda abzuschließen, noch ein Blick ins Reich ber Sowjets! Auch hier betrieb und betreibt man, wie ab und an ein schüchterner Protest aus ben Randstaaten beweist, die Rundsunkpropaganda im großen Stil. Origineller und deshalb interessanter war aber doch der kulturelle Vorswß, den die Sowjets seinerzett in das „Reich der Mitte" unternahmen. Heute hat sich China zwar von den kommunistischen Einflüssen bereits wieder in weitgehendem Maße befreit, aber feine symptomatische Bedeutung hat dieser kommunistische Vorswß, der unter ber geschickten Regie Radeks zur Gründung einer „neuen oftasiati-
Universität" in Peking geführt hatte, doch behalten.
Der Imperialismus, bie Politik der Eroberungen, ist auch heute trotz Völkerbund, trotz Friedens bereue rungen und Verständigungsphrajen noch nicht aus der Wett verbannt, und es ist geradezu kennzetchnend für die gegenwärtige Situation, daß auch die Kuilur- propaganda jetzt stärker als zuvor in den Dienst dieser unperialistijchen Politik gestellt wird. Einige der von uns servierten Kostproven kutturpropagandisti scher Tätigkeit gaben bajur recht eindeutige Beweise. Gewiß, imperialistische Ziele können nur von Slaa- ten erstrebt und erreicht werden, die über reale Macht, über stark gerüstete Armeen und Fwtten verfügen, ab« diese Staaten wissen doch auch, die Kulturpropaganda als vorbereitendes Mittel für ihre Politik etnzusetzen. In ihren Augen ist die itultur- propaganda nur ein Mittel zum Zweck und zwar zum Zweck des politischen Geschäjtemachens!
In einem in bleien Tagen erschienenen kulturpolitischem Buche eines Anoitymus ftneet sich der Satz: „Die einzige Außenpolilik, die Deulschland heute noch mit Aussicht aus Ersolg treiben kann, ist ttutturpoll- tik." Hier wird eine richtige Erkenntnis so überspitzt formuliert, daß der Widerspruch nicht ausbletben taniL Deutschland muß selbstverständlich auch weiterhin alle anderen äugen- uno wtrtschastspolutschen Möglichkeiten, die eine Verbesserung unserer Lage versprech«!, ansnutzen. Richtig ist aber zweifellos das eine; Für uns, jur einen Staat, dessen äußere Macht- mittel auf ein Minimum beschränkt sind, hat die Kulturpropaganda eine ganz besondere Bedeutung, sie hat die Aufgabe, der Wett einen Begriff von fien kulturellen Werten, die Deutschland den anderen geschlickt hat und noch zu schenken vermag, zu geben, öeni deutschen Volle wenigstens auf diesem Gebiete bie Weitung, die ihm zukommt, zu verschaffen und damit auch gleichzeitig feine Gefamistellung zu stai- ken. Insofern mag man auch die deutsche Stultutpro- jaganöa eine politische Aufgabe nennen. Aber nur insofern! Die imperialistischen Nebenabsichten, die von den anderen Staaten bei ihrer ftulturpropaganba »erfolgt werden, können wir nicht haben, einfach schon aus dem Grunde, weck uns die Voraussetzungen für eine derartige Politik fehlen. Und damit ist eine Unterscheidung von größter Bedeutung gegeben!
Mit vollem Recht sieht Professor Rühlmann in einem Vorträge über „Ziele, Methoden und erfolge ber französischen Kulturpropaganda", den er in die- en Tagen in der Hauptausschußsitzung des Vereins ür Deutschtum im Auslande hielt, in dies« Tatsache «fa positives Moment. Ein Moment, bas der beul«