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Freitag, 25. Ottover 1929

Kasseler Neueste Nachrichten

1. Beilage Seite 8

Tyrannen, Frauen und Heroen

Die berühmten Staatsstreiche der Weltgeschichte

8. Carl

In der vergangenen Nacht überraschte ein Waäft beamtet des Wach- und Schließ-Instituts in der WMelmshöher Allee 2 junge Burschen, die damit beschäftigt waren, die Schutzgitter der Baume »er« auszureißen. Der Wachbeamte kannte einen der Burschen festnehmen und der Polizei iiberaeben.

8. kür öttt Wahlbezirk »etSfeto.

1. Alfred Wolff, Kaufmann, HerSftld, August Gottlieb' .. SondikuS, Hersfeld, Am Treovchen r.

5. fftr die Wahlbezirke der 3 Waldecker «teile, der Adder, »et Twiste en» »es Eisenberses.

1. Georg Hänel. Glasermeister, Bad Wildungen. Brmt- nenaHee 8.

2. Wilhelm Bachmann. Drogeriebesitzer. 8a» Wildun- gen. <jrunitcnan.ee 4.

t für den Wahlbezirk Eickwcge.

1. Leopold Gtller, Glektro-Meister, Eschwese, Dtad 88.

_ 7.fiit den Wahlbezirk Stiölat. m

1. August «teguer, Kaufmann. Fritzlar, Allee Nr. 167.

2. Carl Busch, Fabrikant, Fritzlar, Kastel-Giebener- Lanüstrabe 151.

Der Weg einer ehrgeizigen Iran

(Mit den Worten Katharinas und ihrer Zeitgenossen)

1 Der französische Gesandte Breteuil berichtet anseinenHof:

Rußland bietet zur Zeit ein wunderbares Schau­spiel bar: der Enkel Peter des Großen vom Throne gestoßen und ermordet, der Enkel des Zaren Iwan schmachtet lebendig begraben im Kerker und eine Fremde eine Prinzessin von Anhalt-Zerbst, trägt die Krone dieser Fürsten und herrscht uneingeschränkt in Rußland.

2. Katharina die Zweite in ihren Memoiren:

Als ich aus dem kleinen Zerbst nach Rußland kam, bestand meine ganze Wäsche aus einem Dutzend Hem­den. Aber ich sagte mir, ich würde bald die Bettel- haftigkeit meiner Ankunft in Reichtum und Größe umwandeln. Denn Unglück und Glück liegen in der Seele und dem Herzen eines jeden Wenn du Unglück empfindest, setze dich darüber hinweg und richte dich so ein, daß dein Glück von keiner Begebenheit abhängt. Vorerst allerdings galt es für mich, das Terrain ken­nen zu lernen. Und sich hierzu in der Kunst des Hor­chens und Aushorchens zu üben. Ich hatte mich während meiner Krankheit daran gewöhnt, die Augen geschloffen zu halten, man dachte, ich schliefe, und dann sprachen die Gräfin Romanzow und die anderen Damen unter sich, was sie auf dem Herzen hatten, wo­durch ich viele Dinge erfuhr. Mein Gemahl Peter war mir immer gleichgültig, er spielte schon als Bräutigam lieber mit Puppen, als mit mir aber die Krone Rußlands war mir nicht gleichgültig! Denn ich fühlte im Grunde meiner Seele ein geheimes Etwas, welches mich keinen Augenblick daran zweifeln ließ, daß ich früher oder später aus eigener Macht­vollkommenheit souveräne Kaiserin von Rußland wer­den würde. Darum bemühte ich mich, die Zuneigung aller zu gewinnen. Große und Kleine, niemand wurde von mir vernachlässigt. Ich machte mir eine Regel daraus, zu denken, daß ich aller bedürfe, darum alles tun müsse, um mir aller Wohlwollen zu erwerben, was mir auch gelang.

Rur mein Manu? Ich mußte mit ihm tagsüber Eoldätles" spielen und bei Nacht?!--Madame

Kruse hatte Peter Spielzeug, Puppen und anderen Kinderkram verschafft, den er bis zur Narrheit liebte. Während des Tages verbarg man dieselben in und unter dem Bette. Der Großfürst legte sich zumeist nach dem Abendbrote niebea. Unb wenn wir bann beide zu Bette waren, schloß Madame Kruse die Tür, und Peter spielte bis ein oder zwei Uhr morgens. Wohl oder übel mußte ich an diesem herrlichen Vergnügen teilnehmen. Oft lachte ich darüber, aber zumeist war es . mir unangenehm und zuwider. Was sollte schließ­lich ein solcher Hansnarr mit der russischen Krone?! Es blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zum Ver­zicht auf den Thron zu bewegen. Das geschah am 8. Juli 1762, als Peter die Entsagungsurkunde unter­zeichnete, und ich ihm gestattete, mit seiner Konkubine Elisabeth Woronzow in seine Heimat Holstein zurück­zukehren. _ »y.

S. Die Fürstin Daschkow, Katharinas Vertraute, erzählt:

Wir hatten die Absicht, den Zaren zu entthronen, wenn Peter die Hauptstadt verlassen hatte, um sich zu seinen in Polen und Pommern stehenden Truppen zu begeben und den Feldzug gegen Dänemark zu eröffnen als unglückseligerweise ein Mitglied unserer Ver­schwörung, der Oberst Paffek, den kaiserlichen Adju­tanten, in der Meinung, er sei einer der Unsrigen. be­fragte. wann denn der Staatsstreich geführt würde. Jetzt hieß es schnell handeln. Die Kaiserin wurde so­fort von dem Verrate des Komplotts benachrichtigt, sie fuhr im Wagen nach Petersburg und ritt dann an

Mann Katharinas zu werden, wie Rasumowski der­jenige der Kaiserin Elisabeth.

5. Der Minister Paschen berichtet:

Peter der Dritte mußte nicht nur abgesetzt werden, sondern auch sterben, wenn Katharina herrschen wollte Das wußte die hohe Frau genau. Es war ihr auch ost gesagt worden. Auch wußte sie, daß Peter die Ab­sicht hegte, sie und ihren Sohn Paul, den er berech­tigterweise nicht anerkannte, in ein Kloster zu sperren. Sie mußte also möglichst radikal handeln. Eine Er­laubnis, Peter nach seiner Heimat Holstein zurück- kehren zu laffen, konnte sie aus Gründen der eigenen Sicherheit nicht erteilen.

6. Friedrich der Große

an seine Schwester Wilhelmine:

Peter der Dritte war ein vorzüglicher Regent. Nicht weil er mich schwärmerisch verehrte, schreibe ich es dir, sondern weil ich seine Regierungshandlungen kenne. Er beseitigte die geheime Polizei, schaffte oie Tortur ab, stellte die Salzpreise für das Volk billiger, verbot den überhandnehmenden Luxus und richtete auch den Ackerbau wieder auf. Tat also alles, um dem herabgekommenen Lande zu helfen. Ich kann den Staatsstreich seiner Frau nicht billigen...!

Dr. Ludw. Pfeiffer, Bankherr; 11. Walter Mai, gan» besomtmann; 12. Willi Wegner, Banangestellter D. H. V.; 13. Dr. Ernst Bromm, Studienrat; 14. Frau Elfe Pelz-Langenscheidt, Ehefrau. Die Liste wirb noch um verschiedene Nennungen erweitert, die dem­nächst veröffentlicht werden.

Für den Kommunallandtag har man mit Rücksicht auf die besonders gelagerten Verhältnisse im Einver­ständnis mit den übrigen zur Hessischen Arbeitsge­meinschaft gehörenden Verbänden eine reine partei­mäßig gebundene Liste aufgestellt. Die Liste trägt folgende Namen: 1. Oberstudiendirektor Dr. Becker, 2. Ernst von Hülfen. Dr. jur., Universitätskurator in Marburg, 3. Ubrmacher'Heinrich Kochendörffer-Kaffel, 4. Kaufmann Johannes Stumpf-Marburg, 5. Kauf­mann Hermann Fuckel-Ichmalkalden, 6. Ehefrau Elfe Warlich-Harleshausen, 7. Bankangestellter Willi Weg­ner, D. H. V.-Kaffel, 8. August Jobst, Verm.-Ober- fetretär, Marburg.

«ahlvorfchlag M Christlichen «clksdiensteS für die Stadtnerordnetenmahlen «atzest

st. Paul Schmidt, Redakteur, Hobenzollernstraste 124.

2. Willy Warlich, Kaufmann, Rronprinzenstr. 34.

3. Dr. Willi. Rohrbach, prakt. »r,t. Sürffertftt. 2.

k tfÄÄWte'e»20,

6. Friedrich Junghans. Pfarrer, Hohentorstr. 21.

Wettervorhersage für Sonnabend de« 26. Oktober.

Zunächst wechselnd bewölkt, für kurze Zeit auch auf­heiternd, aber Neigung zu Schauern, kühler, lebhafte zunächst nach Westen und Nordwesten drehende Winde, später wieder Verschlechterung.

Wohin sehe« wir am Sonnabend?

Staatsthewter:Die Dreigroschenover', 19.30 Ubr: Kleines Theater:Man kann nie wissen', 20 Uftr. Ufa-Theater:Im Prater blühen wieder die Baume

undWochenendliebchen'. -

Ehassalla-Lichtsvtele:Die Flucht der Delia undDer gefährliche Feialing".

Avollo-Lichtsviele: ..Meine offizielle Frau nnd Die Luftpiraten". m _

Stadtvark «grober Saal):Der Bauer ohne Hem» (Schlierseerl.

Capitol:Der schwarze Domino' undDer einsame

Odeon: 'Ein Tag der Rosen tat August' und Bei- Programm.

Restaurant Bleuel: Bauernkirmes.

Oie Liste der deutschen Volkspariei

Die Liste für die Stadtverordnetenwahl nennt fol­gende Namen: 1. Georg Schornburg, Kaufmann; 2. Ludw. Schmidt, Glaserobermeister; 3. Julie Schmidt, Leiterin der vereinigten Fürsorge; 4. Fritz Catta, Ar­chitekt: 5. Dr. Halbleib, Syndikus der Industrie und Handelskammer; 6. Georg Gonnermann, Rektor; 7. Dr. Hartmann, Syndikus der Handwerkskammer; 8. Hans Joh. Grenzebach, Genoflenfchaftsdirektor des Gastwirteverbandes; 9. Gustav Faber, Prokurist; 10.

Film her Unfälle

Im Landeskrankenhaus zeigte ein 18jäbriger Mann aus Wabern plötzlich Zeichen von Geistesge­störtheit und mußte durch die Arbeitersamariter in das Karlshospital gebracht werden. Er halte vor ei­nigen Wochen eine schwere Kopfverletzung durch einen Fahrradunfall in Hertingshausen erlitten.

In einem Geschäftsbetrieb in der Altstadt glitt einem Maschinist ein Schnitzmesser mit solcher Wucht von dem zu bearbeitenden Holzstück ab, daß ihm düs Mester das rechte Schienbein durchschnitt. Die Sani­tätswache Fuldabrücke brachte ihn nach erster Hilfe zum Arzt.

In einer Mafchiuenfabrik vor dem Holländischen Tor blieb ein Arbeiter aus der oberen Fuldagasse beim Tragen von schweren Eisenteilen mit dem lin­ken Fuß unter einer Schiene bangen, stürzte und zog sich einen Bruch des Mittelfußes zu, sodaß er durch die Sanitätshauptwache in feine Wohnung befördert werden mußte.

Im Eifenbahn-Ausbefferungswerk wurde ein Schreiner aus der Hartwigstraße neben dem Gleis schreitend von einem beim Rangieren abgestoßenen Rungenwagen mit großer Wucht gegen den Kopf ge­troffen. sodaß er eine Gehirnerschütterung erlitt und bewußtlos von der Sanitätshauptwache in das Lan­deskrankenhaus überführt werden mußte.

Immenhausen, 25. Oktober.

Der Glasarbeiter Heinrich Brencher hatte sich bei der Arbeit vor einigen Tagen eine kleine Verletzung so verschlimmerte, daß das Bein steif wurde und B. heute morgen durch die Kasseler Sanitätshauptwache in das Rote Kreuzkrankenbaus gebracht wurde, wo er sich einer sofortigen Operation unterziehen mutzte.

bet Spitze ber zu ihr übergetretenen Garbe in Uniform auf einem weißgrauen Tigerhengst bas Band des An- breasorbens umgehängt, auf ben fliegenben Haaren einen Solbatenhut mit Eichenlaub, zur Kasanschen Kathebrale, wo sie ber Erzbischof als Regentin ein­segnete, während außerhalb der Kirche Alexei Orlow sie als regierende Kaiserin ausrief. Am anderen Morgen hieß es, Peter sei ermordet, und bald erschien auch Orlow und bat die entsetzte und aufgebrachte Kaiserin in demütigsten Ausdrücken für diese Missetat um Verzeihung. Sie hätte einen solchen Mord nie­mals gebilligt!

4. Alexei Orlow

schreibt in seinem Tagebuch:

Heute früh war ich am Bette meiner liebsten Kai­serin unb führte sie in einer bereitstehenden Kutsche, wie im Triumphwagen, nach Petersburg. Nachdem ich auf allen öffentlichen Plätzen verbreitet hatte, Katharina hieße von heute ab die Regentin, denn der Zar habe gegen seine Frau einen Vergiftungsversuch unternommen, eilte ich nach dem kaiserlichen Land- hause Ropscha, in dem der Kaiser gefangen saß. Es stand in mir fest, daß er sterben müsse, denn nur so kann mein glühender Wunsch in Erfüllung gehen, der

1. Magnus Rtebeltug, Pfarrer. Raffel, Große Rosen- siratze 5.

2. Otto Kaffer, Landesinspektor, Kaffel-Wtlbelmshöh«, Weitfalenstratze 4.

3. Sol). Gustav Groß, Direktor, Staffel. Hoben,ollerttr. 44

4. Heinrich Wilhelm. Landwirs. Werkel, Fritzlar-Land.

5. Martin Lüber. Kaufmann, Hofgeismar.

6. Gottlob Jouldan, Bundesgauwart. Kaffel-B.. Sen- senstcinstrahe 6.

7. Heinrich Leiter. Jugeudsekretär, Raffel. Grüner Weg 28.

2._rl Fröde, Maurermeister, Mühlhausen Homberg.

9. August Kevver, Landwirt. Wolfhage«.

9. für »en Wahlbezirk Hofgeismar.

1. Heinrich Wicke, Maschinenschlofferei, LippoldSberg, Reuendorferstratze 189.

2. Heinrich Mazet, Landwirt. Hümme.

10. für den Wahlbezirk Melsungen.

1. Mar Umlandt, Syndikus. Melsungen, Raffelet Land­straße 580.

2. Gg. <vr. Reinbold, Zementwarerffabriken, Genfungen

3. Wilhelm Löwe, Landwirt, Melfungen, Friedhosstr. 116

4. Iran Markols, Gastwirt. Melfungen. Rotenburger­ftraße 414.

11. für den Wahlbezirk Rotenburg (Salbe).

1. Gg. Dörr, Landwirt und Metzgermeister, Rotenburg, Breitenstratze 271.

2. Ronrab Biel, Landwirt und.Gastwirt, Ronshausen.

3. Heinrich Dieterich, Kaufmann, Sontra.

4. Georg Eifel, «chubmachrrmeister. Bebra. BtSmarck- straße 99.

12. für de« Wahlkreis Wolfhagen.

1. August Pötter. Gasthofbesitzer, Zierenberg, Mittel- itraße 99.

2. Hermann Reese, Ztegeletbesider, Zierenberg. Dörn- bergftratze.

Der Wahloorschleg de» Christliche« Bolksdienstes für den Kommunallandtag lautet:

Aeues aus Kassel

Kaff-l, 25. Oktober

Der Herr Kandttat

Die Retchspartei des deutschen Mittelstandes lWirt- schastsvartei) hat folgende Kandidaten aufgeftellt:

1. für die Wahlbezirke Katzel-Stadt, Rassel-Land., Witzen- hansen, Sraukenberg, Herrschaft Schmalkalden, Grafschaft Schaumburg

1. Xaver Wietbosf. Kaufmann, Ratzel. Overnstr. 8.

3. Karl Wacksmuth, Tifchlermstr., Rassel, Luffenstr, 5%.

3. Leopold Richter, Bauunternehmer, Raffel, Quer- allee 47.

4. Max Guttmann, Uhrmacher, Heffifch-Ltchtenau, Hov- feldstratze 1.

5. Fritz Röder, Bauunternehmer, Heffifch-Lichtena«, Lanögrasstratze 201.

2. für die Wahlbezirke Marburg-Stadt. Marburg-Land. «reis Kirchhain MWB.

1. Paul John, Hotelbesitzer. Marburg-L., Retzerbach 1.

2. Johann Piktor Brcdt, Univ.-Pros. D., Marburg-L.. Frankmrterstrahe 53a. _

3. Carl. Wernh. Schneider. Kaufmann, Marburg-L., Am Weinberg 4.

4. Johannes Klcindovf, Malerobermeister, Rtrchhatn, Biegenstrahc 395.

8. für die Wahlbezirke Fulda-Stadt, Fulda-Land. Hünfeld, Hanau-Stadt, Hanau-Land, Gelnhanie», «-chlüchter« und Gersfeld.

1. Karl Erbe. Kaufmann, Hanau, Bruchköbelerlandstr. 7.

2. Karl Paulo. Drogeriebesitzer. Fulda, Franks»rter-

3. Franz Witzler, Ingenieur. Fulda, Lindenstr. 85.

4. Carl Schang, Dachdeckermeister, Hanau, Sandel­damm 10.

4. für die Wahlbezirke Ziegenhain Homberg.

1. Wendelin Egner, Ztmmermeifter, Ziegenhain, ,

2. Heinrich Wiegand, Buchhändler, Borken. Bahnhof-

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