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Teile 2 1. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 23. Oktober T9&

Sie Seidenmission

«eifere Heimat

Wie spät?

das Papier wiever

31. Kapitel.

Jonny Gray war aus seiner Betäubung mit einem heftigen Kopfschmerz und einem Gefühl erstickender

mit- Mch zu sinken..'

Der Missionsverein für Basel hielt unter starker Beteiligung gestern seine Herbstversammlung ab. Den Auftakt gab eine Zusammenkunft der tätigen Missions­freunde, bei der Misfforiar Zimmermann eine Andacht und Missionsinspektor Huppenbauer aus Basel ein fesselndes Referat über die Bibelübersetzung hielt. Pfarrer Hohmann-Bettenhausen gipfelte fein Schluß­wort in dem Aufruf zu festem Verttauen zu dem Herrn der Mission.

Die Tagung am Dienstag hatte einen starken Be­such der Misflonsfreunde zu verzeichnen. Pfarrer Tauber zeigte in seiner biblischen Einleitung die eini­gende Kraft des Evangelismus. Pfarrer Hohmann- Bettenhausen entbot ein herzliches Erußwort, beson­ders dem Redner, Missionsinspektor Huppenbauer aus Basel, derdie Mission im Urteil der ind. Christen" schilderte. Notwendig sei Gleichstellung der europä­ischen und eingeborenen Mitarbeiter, ein völliges Beherrschen der Sprache durch die Missionare.

Der Vorsitzende Kirchenrat D. Mergyn dankte für den gehaltvollen Vortrag und übergab Pfarrer Reuter aus Dagobertshausen das Wort zu einem Bericht über

umfangreiche Reparaturen notwendig geworden sind Wie verlautet, sollen demnächst Verbesserungen vor­genommen werden.

Zur bevorstehenden Kreistagswahl, in der die Zentrumspartei mit Volkmarsen gemeinsame Liste hat, wurden hier ein Gewerbetreibender und ein Handwerker benannt.

Für diekommendenStadtverordneten- w ah len werden hier höchstwahrscheinlich zwei Listen ausgestellt werden. Gemeinsame Liste haben die Sozialdemokraten und der evangelische Bürgerver- ein, die andere Liste stellt die Zentrumspartei, in der sich die katholischen Handwerker, Gewerbetteibenden und Landwirte vereinigen.

die Basler Missionsfeftwoche. Kirchenrat D. Mergyn erinnerte in feinem Schlußwort an die über fünfzig, jährige Verbundenheit der Basler Mission mit den hessischen Gemeinden. Besonderen Dank gebühre auch dem in kommender Woche nach Karlsruhe scheidenden Missionar Zimmermann.

-erMihm

Kathreiner*'

Zu seiner Freude verspürte er einen Zug, und als er nach wenigen Minuten L heraufzog, fand er unter seiner eigenen Mitteilung eine andere, die sein Herz mit Furcht und Zittern erfüllte.

Naumburg, 23. Oktober. (Heimatabend.) Zu einem Heimatabend waren die Einwohner Naum- burgs geladen worden. Bis zum letzten Platz füllte i«? der Saal der Gastwirtschaft

^Hessischer Hof. Nach der Begrüßungsansprache durch Bürgermeister Jakobi übernahm Regierunqsbau- melster Dr. werter das Wort zu seinem Vortrage. An Hand von Lichtbildern führte er die Anwesenden durch die verschiedenen Ortschaften des Kreises Wolf- bagen und machte auf die Schönheiten der früheren Baukunst aufmerksam. Im Gegensatz hierzu zeigte fr dus Unschöne im Dorfbild, die modernen Bauten im Rahmen der alten Fachwerkbauten.

^..driederzwehren, 22. Ottober. (Verschiedenes.) Die >vur)icnftrajje (vor dem Schulgebäude) mußte wegen der Störung des Schulunterrichtes durch den stark zunehmenden Verkehr geteert werden. Die Arbeiten sind bereits vollendet. Mit dem Bau des Krie- rdenkmals ist begonnen worden. Es findet Anfstel-

Handwerkeriagung in Kirchhain

Kirchhain, 23. Ätobcr.

In der Jahnturnhalle fanden sich die Handwerker des ganzen Kreises Kirchhain ein, um wichtige Han- dolsfvcMn zu beraten. Nach der Begrüßung durch Obermeister Wiegand entbot Bürgermeister Grün den Willkommc n sg ru ß der Stadt. Darauf sprach Dr. Schüller von per Handwerkskammer Kassel über die Wirtschaftslage, insbesondere über die Lage des Handwerks. Die Zahl der Arbeitslosen sei heute um 80 Prozent höher als am 1. Oktober 1928. Die Zahl ier Konkurse betrage 45 Prozent mehr als im Dor- tahre. Von den täglich präsentierten Wechseln gehen ein Drittel zu Protest. Die täglichen Pfändungen mrd Osfen.barungs.eide gehen in die Dausende. Jn- landi)ches Kapital fehle. Die Diskonterhöhung ver- tatepe das Wirtschaftsleben, deshalb können keine ^Gewinne aus dem Betriebe gezogen werden, zumal «mch die Steuern sehr hoch seien. Der § 164 der Reichsversassung sei die Garantie des Handwerks Staat und Gemeinden dürften keine neuen Betriebe' wöffnen, die die Existenz des Handwerks gefährden Redner gab dann noch praktisch: Ratschläge bei der' Kreditbeschaffung. An der Diskussion beteiligte sich Bäckermeister Hans Prediger. Mit Dank an die Red­ner schloß Obermeister Wiegand die lehrreich Dazung und ermahnte zu festem Zusammenschluß bei den Wahlen.

Mm der anfälle

Eschenstruth, 22. Oktober.

Die 10jährige Tochter Elisabeth des Arbeiters Ge- fatte etne kleine Kratzwunde am Bein nicht beachtet und nun mußte die Kasseler Arbeiter- samariterkolonne die Kleine mit einer weit borge« Mjrtttencn Blutvergiftung in das Landeskrankenhaus Stößel uringen.

Elgershausen, 22. Oktober.

Beim Fußballspiel kam der 20jährige Heinr. Fubr- ,$aH und mußte mit ei­nem Bruch des Unterschenkels von den Kasseler Ar b°"er amaritern m das Rote Kreuz-Krankenhaus eingehefert werden.

. Burgusseln, 22. Oktober.

Auf einem Ausflug stürzte ein Bürogehilfe aus Assel, ausgerechnet an seinem Geburtstag, mit seinem Motorrad und erlitt außer inneren Verletzungen ei- uen Bruch des Fußgelenks, sodaß seine Aufnahme in das Manenkrankenhaus nötig wurde.

Wieder fiel die Tür krachend ins Schloß und er hatte Zeit, sich feine Pläne zu überlegen. Man hatte ihm Uhr und Kette, sein goldenes Ziaarettenetui und ein kleines Federmesser weagenommen. aber der Verlust dieser Gegenstände machte ihm nicht die ge­ringste Sorge. Vor allem lag ihm daran, das Key- towngefängnis genau zu kennen, und diese Kenntnis beschloß er sich so bald wie möglich zu verschaffen.

Etwa um vier Uhr nachmittags wurde ihm der Lunch gebracht, und er war ganz bereit davon zu essen, wenn er auch einen gewissen Argwohn in be­zug auf etwaige Zutaten nicht unterdrücken konnte.

Kein Gift darin, Bill?" fragte er in scherzendem Ton. als er dem Mann das Brot und den Käse aus der Hand nahm.

»Wir brauchen kein Gift für dich: wir könnten dich verhungern lassen, nicht?" sagte Bill.Wenn Jeff hier wäre, würde ich vielleicht Kloppe dafür kriegen, daß,jch dir überhaupt was bringe."

»®r ist fort, sagst du? Well, es ist netter im Ge­fängnis. wenn der Direktor nicht da ist. Nicht wahr. Bill? Nun. was meinst du zu ein paar hundert echtes Geld?"

Wofür?" fragte der Mann, der an der Tür ste­hen blieb.Wenn du glaubst, ich könnte dich dafür einen Ausflug machen lassen, so bist du ein Tölpel Du sollst hier bleiben, bis Jeff dich unschädlich ge­macht hat."

Den ganzen Tag hatte Jonny ein eigentümlich schwirrendes Geräusch gehört oder vielmehr verspürt das von einem entlegenen Teil des Gefängnisses herkam.

retz.eii ^ahre einen erfreulichen Aufschwung genom­men Die Einlagen haben am 1. Oktober eine halbe Million überschritten. Das Kreditbedürfnis der Be­völkerung konnte vollauf befriedigt werden, besonders m Hypotheken und Bürgschaftsd'arlehen.

Gemünden a. d. Wohra, 23. Oktober. (Lehrer­jubiläum.) Sein 40jähriges Lehrerjubiläum beging Lehrer W. Spier dahier.

Alsfeld, 23. Oktober. (Silberne Hochzeit.) Die Sil­berne Hochzeit beging Dr. M. Rothschild und Frau, geborene Nußbaum.

Berndorf, 22. Oktober. tDreiste Diebstähle.) In der vergangenen Freitagnacht drangen Diebe in die Gastwirtschaft Graf ein. Sie erbeuteten wie mau bört, einen größeren Betrag bares Geld. In dersel­ben Nacht wurde auch in der Gastwirtschaft Emde in Twiste ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Lang­finger erbrachen die Kasse, in der sich jedoch nur ein geringer Betrag Wechselgeld befand und stillten dann ihren Durst mit Bier. Die bisherigen polizeilichen Ermittelungen haben noch zu keinem Ergebnis ge- suhrt.

Marburg a. L., 23. Oktober. (Hochschulnachrichten) In,der philosophischen Fakultät der hiesigen Uni­versität ist Der Privatdozent für Bauforschung, Dr ing. Dr. phA. Friedrich W a ch s m u t h, zum nicht- beamteten außerordentlichen Professor ernannt wor­den. Von Per Universität Leipzig ist der ordent­liche Professor Dr. Landsberger von der Uni­versität Marburg als ordentlicher Professor der orientalischen Philologie nach dort berufen worden.

Mardorf, 23. Oktober. (Masernerkraitkung). Diese gefürchtete Kinderkrankheit ist unter den Schul­kindern stark aufgetteten und hat leider auch einige Todesfälle zu beklagen.

Alls dem Kreis Schmalkalden

Wernshausen, 23. Oktober. (Verschiedenes.) Die Ortsbehörde gibt bekannt, daß das Sammeln von Bucheckern in den Zillbachcr Forsten bei Strafe ver­boten ist. Die hiesige Postbehörde veranstaltete vor einigen Tagen eine Probefahrt durch den Rosagrund nach Kaltennordheim; der fahrplanmäßige Bestell­dienst soll wahrscheinlich am 1. April 1930 eingefübrt werden.

Schwallungen, 23. Oktober. (Erfolgreiche Bohrver- suche nach Salz.) Auf dem Bohrturm ist eine Flagge gehißt worden als Zeichen, daß man Salz gefunden bat. Die Fundstelle nt einer Tiefe von 270 Metern stimmt genau mit dem Gutachten überein. Es wird weiter gebohrt, um die Dicke der Schicht festzustellen; vorläufig wird sie auf 70 Meter geschätzt.

Schmalkalden, 23. Oktober. (Zusammenschluß im Gau 2 a des ADAC.) Am Sonntag beschloß eine Versammlung der Vorstandsmitglieder des Gaues 2a im ADAC (Ortsgruppe Thüringer Wald) in Oberbof den Zusammenschluß der Ortsgruppen Zella-Mehlis, Oberhof, Steinbach-Hallenberg, Schmalkalden, Suhl, Schleusingen und Meiningen zu derSport- und Wirtschaftsgemeinschaft Thüringer Wald". Dieser Zusammenschluß soll vornehmlich außer der Behand­lung der nur sportlichen Fragen die- Vertretung der Mitgliedinteressen bezüglich Straßenbezeichnung, Straßenbau, Hilfsdienst usw. dienen. Der bei der Versammlung anwesende Gauvertreter Regierungs­rat Schulz-Erft^ stimmte dem Zusammenschluß zu.

Die Taschenuhr im Kuhmagen.

Rinteln, 23. Oktober.

Eine Knh des Landwirts Karl Beckel in Nöstng- stld verschluckte eine Taschenuhr des Besitzers, die diesem beim Rübenschneiden aus der Tasche gefallen war. Die Uhr wanderte durch den Körper des'Tieres und verließ ihn ohne tierärztlichen Eingriff auf natürlichem Wege. Am anderen Morgen fand die Frau Des Landwirts die Uhr im Kot des Tieres und die Uhr ging noch. Uhr unb Kuh haben die selt­same Reise der Uhr ohne Schäden überstanden.

Rinteln, 23. Ottober. (Bürgerliche Einheitslisten). Rach längeren Verhandlungen kam hier eine bürger­liche Einheitsliste für die Stadtverordnetenwahlen zustande. Für die Kreistagswahlen ist mit zwei bürgerlichen Listen zu rechnen, von denen die eine wr Landwirte, die andere die übrigen Berufsstände Umsätzen wird. Für die Wühlen zum Kommunal­landtag wird dagegen ebenfalls nur eine bürgerliche Liste aufgestellt. I

Ich möchte bis morgen früh hier bleiben", sagte der Mann. ' a

Du gehst heute abend fort. Was hätte es -sonst für einen Zweck, die anderen Kerls wegzmchicken^"

Er schlag das große Tor hinter dem Auw. Er war allem mit seiner Frau und dem Manne, den er Achte. (Er konnte jetzt in Ruhe nachdenken. Die rasende Wut war vorüber.. Er suchte in einer kleinen Vorrats­kammer und fand bald, was er brauchte. Es war ein ftarfes Seil. Er hing es über den Arm, nahm eine Wmdlaterne in die Hand und ging in den Hof hin­aus zu einem kleinen Schuppen, der an die Wand des Hau^es angebaut war. Er schloß das verrostete An- hangefchloß auf und zog die beiden Türflügel aus­einander. Der Schuppen war leer, der Boden mehrere 3oU hoch mit allerhand Plunder bedeckt. Er $eLe.n und fegte ihn rein. Mit Hilfe einer Leiter stieg er bis zu ememBalken, der quer unter ßem Dach des Schuppens hinführte und band ein ?ude des Seiles daran fest. Als er herunter kam, bradjte er eine halbe Stunde damit zu, eine Schlinge herzustellen.

Er befand sich an einer alten Richtstätte des Zucht- L°uies. Unter seinen Füßen war die verhängnisvolle <yalltur, die bei einem Ruck am rostigen Hebel herab- fittten mußte. Er wollte den Versuch machen, und es kostete ihm lange Zeit, bis er die Falle wieder hoch- gezogen hatte. Sein Gesicht war mit Schweiß bedeckt

®r C2tbhr^ I?rtig war. Die Nacht kam heran, und em Blitz erleuchtete sekundenlang die finsteren Winkel des Gesangnishofes.

Als er in die Halle trat, hörte er ein fernes Don­nergrollen aber in [einem Herzen stürmte es heftiger als je in der Natur. 8

Auf den Fußspitzen stieg et die eisernen Stufen hinauf ,und als er an Nr. 4 kam, zauderte er Sein Feind konnte warten. Er schlich wieder die Treppe hinab und blieb mit heftig klopfenden Herzen vor der Tur der Verurteiltenzelle stehen. Der Schlüssel zitterte in seiner Hand, als et ihn in Schloß steckte. Geräusch­es öffnete et die Tür und schlürfte in den Raum hmern.

Mit verhaltenem Atem wartete er: er wußte nicht, ob sie schlief oder wachte. Dann schlich er leise zum Bett Er sah die Umrisse einer Gestalt.

Matney", sagte et heiser und tastete nach ihrem Gesicht.

Da legten sich zwei Hände wie stählerne Klammern um seine Gurgel und schleuderten ihn zurück.

Jetzt hab' ich dich, Jeffrey Segge," sagte eine Stimme die Stimme von Jonny Eray.

Das Apollo-Theater.

bietet mit feinem neuen Programm Aiaciste und Sträfling Nr. 51, einen interessanten Kriminal- ki.lm. Als zweites läuft ein ExpeditionsfilmBali, die Wunderinsel" mit interessanten Aufnahmen von Lola Kreutzberg von Sitten und Gebräuchen der Inselbewohner, schönen Landschaften, verbunden mit seltenen Tieraufnahmen.

Staatliches Theater.

Am 26. Oktober, 19.30 Uhr, gehtDie Dreigro­schenoper" von Brecht und Weill erstmals in Szene. Jnizenierung: Jacob Geis, musikalische Leitung: Maurice de Abravanel, Bühnenbild: Hans Blanke. Die Intendanz erklärt den Besuch derDreigroschen­oper" für Jugendliche nicht geeignet.

Ms nächste Klassiker-Neueinstudierung des Schau­spiels kommt SchillersKabale und Liebe" zur Auf­führung.

Matney hier! Er stöhnte bei dem Gedanken laut auf. Es war schon zu hell geworden, um eine wei­tere Verständigung zu wagen. Die Wasserkanne und das Waschbecken in seiner Zelle dienten dazu, seinen schmerzenden Kopf zu kühlen, und als das Frühstück kam, war er bereit.

Der Mann, der das Teebrett hereinbrachte, war ihm ebenso fremd wie fein Begleiter, der, mit einem Revolver in der Hand, an der Tür "Wache hielt.

^Las soll das alles bedeuten?" fragte Jonny

-ttchr als tlooo

--liischeÄTk empfehlen Kathreiner in

»Kathreiners Malxkaffee

in kühlem Ton. Er saß auf dem Bett und ließ die Seiner herabhängqn.Hat Jeff einen Kerker ge­tauft, um fein Geschäft darin zu betreiben? Wäre es nicht billiger gewesen, einfachüber die Alpen" zu gehen?"

Halt' den Mund, Jonny Gray", brummte der eine Mann.Du wirst noch was erleben, bevor du hier herauskommst."

»ns glaub' ich gerne ", sagte Jonny.Was machl Peter?"

Du weißt ganz gut, daß Peter entwischt ist", ,agte der Manu, ohne zu überlegen.

Entwischt!" rief Jonny voll Freude.Sprichst du im Ernst?"

Ganz gleich, ob es Scherz ober Ernst ist", brummte der Manu, der merkte, daß er zu viel ge­faßt hatte.Und halte deine Zunge hübsch im Zaum Gray, dann wirst du behandelt werden, wie stch's gehört. Andernfalls gibt es hier am Ort genug Menschen, die mit dir so umgehen werden, daß Dartmoor dir int Vergleich zu Keytown wie ein Paradies erscheint."

Er schlug Jonny die Tür vor der Nase zu, aber diesen nahm die unfreiwillige Mitteilung des Man­nes so in Anfpruch, daß er kaum,an sein Essen den­ken konnte. Bald darauf kam der Mann das Tee­brett holen.

Wie heißt du eigentlich, mein Junge?" sagte Jonny m gleichgültigem Ton.Ich mag dich nicht Kerl anreden ich hasse pöbelhafte Ausdrücke." ,»Bill ist mein Name", sagte der Mannaber du sollst mich auch nichtBill" nennen. Du kannstSir" zu mir sagen."

,Oho!" sagte Jonnv voll Bewunderung.Tu sprichst ja wie ein richtiger Schinder."

Enge aufgewacht, bas, wie er halb entdeckte, darauf Mruckzuführen war, daß sein Kragen allen rohen Griffen dieser Nacht siegreich widerstanden hatte und immer noch fest saß. Das hätte Parker ohne Zweifel große Freude gemacht, aber Jonny fühlte sich dadurch aufs äußerste gepeinigt. In einem Nu hatte er den beengenden Kragen abgerissen und sich auf feine schwankenden Füße gestellt.

Der Raum, in dem er sich befand, schien ihm ver­traut. Es war eine Zelle und

Keytown Jail! Er dachte an Fenners Warnung. Fenner hatte es also gewußt! Keytown Jail, das die Regierung an Jeffrey Legge verkauft Ijatte! Der Gedanke schien ungeheuerlich; aber warum nicht? (Etn Holzhändler hatte ein Gefängnis in Hereford ge­kauft; eine Restaurantfirma hatte ein altes Gefäng­nis in Nordengland erstanden und in den Zellen wurde Funs-Uhr-Tee serviert.

Jetzt verstand er alles. Keytown war das Haupt­quartier des Großen Druckers: nie konnte es der Poli­zei in den Sinn kommen, diesen Ort zu durchsuchen insbesondere, wenn Jeffrey Legge, wie er annahm! einen schonen Vorwand gefunden hatte, der es ver­ständlich machte, daß er und feine Gesellschaft sich in dieser verlassenen Gegend aufhielten.

Der Klang von Stimmen drang leise an sein Ohr; bann hörte er eine Tür zufallen und ein Schloß ichnappen. Dabei fielen ihm die Ereignisse des letzten Abends ein. Das mußte Peter fein; auch bet war in ihrer Gewalt. Trotz der erlittenen Niederlage trotz bet furchtbaren Gefahr, in der er sich fühlte, lachte er leise vor sich hin.

lieber seinem Bett befanb sich ein Fenster, an dem kaum eine Scheibe ganz war. Aber eine Flucht auf diesem Wege war ausgeschlossen. Es kam ihm ein Gedanke: er bückte sich nieder und klopfte nach der Morsemethode auf den Fußboden. Wenn Pe­ter unten war, konnte er es verstehen. Er suchte in seinen Taschen und sand ein kleines Bleistiftende, aber kein Papier außer einem Packen Fünfpfund­noten, die seine Feinde unberührt gelassen hatten. Papier und Schreibzeug waren zur Hand, aber auf welche Weise sollte er sich mit dem Insassen der un­ter ihm befindlichen Zelle in Verbindung setzen? Im Nu war sein Plan gefaßt: er riß den Aufschlag seines Fracks ab und zog einen langen Seidenfa­den heraus. Dann befestigte er den Bleistift und ließ den schein langsam hinab, in der Hoffnung, daß ,ein Leldensgenosse unten, so unwahrscheinlich es auch war, den Zettel bemerken würde.

Deutsch von Ur. Robert von Vob Copyright W. Goldmann Verlag

( durch Dr. Pragers Pressedienst

Jeff trat in die eine von den drei Vorhallen des Gefängnisses. Sie war hell erleuchtet. Die Türen der meisten Zellen waren entfernt worden und mehrere von ihnen dienten offenbar als Schlafräume für ein halbes Dutzend Männer, die um einen Tisch herum saßen und Karten spielten. Nur vier Zellentüren waren unberührt geblieben: hinter diesen befanden sich die empfindlichen Druckerpressen, die vom Morgen bis zum Abend ftanzöstsche, amerikanische und englische Scheine zu Tage förderten. Von den Männern, die cm Tische saßen oder an die Türen ihrer Schlafräume traten, um den nur selten sichtbaren Segge zu be­grüßen, war keiner, der nicht schon wegen Fälschung eine lange Gefangenschaft durchgemacht hatte. Jefftey hatte sie so sorgfältig ausgesucht wie ein Theaterdirek­tor die Schönheiten seines Ballettkorps. Das waren Menschen ohne Heim, ohne Familie, ohne Hoffnung für die Zukunft. Sie waren an das Eefängnisleben gewöhnt und fanden in ihrer neuen Lebensweise eine angenehme Abwechslung ihres gewohnten Daseins.

Die Behörden waren der Meinung, daß Keywwn Jail sich im Besitz eines Konsortiums befand, das sich mit technischen Versuchen höchst komplizierter Art befaßte und hatten die Anlagen von Kraftteitungen zu den .Laboratorien" anstandslos bewilligt. Jeff hatte das sicherste Asyl im ganzen Lande gesunden, und es war besser geschützt, als wenn er es sich selbst erbaut hätte.

Seine Rede war kurz und sachlich

Linder, ich glaube, daß der Augenblick gekommen ist, uns schnell aus dem Staube zu machen Ihr habt alle genug Geld, um den Rest eures Lebens angenehm »erbringen zu können, und ich rate euch, England so schnell wie möglich zu verlassen. Ihr habt eure Pässe; ihr kennt den Weg, und es ist jetzt der beste Moment."

Meinst du, daß wir uns heute abend aufmachen tnü||en, Jeff?'^ ließ sich eine Stimme vernehmen.

Ja, heute abend. Ein Auto soll euch nach London bringen; aber euer Handwerkszeug müßt ihr hier lassen."

Was willst du mit der Fabrik machen?" |Das ist meine Sache," sagte Jeff.

Der Vorschlag fand nicht allgemeine Zustimmung, aber ihr Respekt vor dem Großen Drucker war so groß, daß sie trotz ihrer Bedenken gehorchten. Gegen zehn Uhr abends war das Gefängnis leer, bis auf Jeffrey und seinen Stellvertreter.

Ich habe Bill Holliß nicht fortgehen sehen," sagte dieser: aber Jeffrey Segge war zu sehr mit seinen Plä­nen beschäftigt, um der Bemerkung auch nur einen Augenblick Aufmerksamkeit zu schenken.

Vielleicht siehst du zu, daß duZetzt selbst fort« kommst, Jenkins", sagte er.Du kannst deinen Zwei­sitzer nehmen und fahren, wohin du willst."

Verschiedenes aus Naumburg

Seit längerer Zeit ist die Ruine der Wei- delsburg nicht ohne Gefahr zu besteigen. Der Zahn der Zeit hat an dem Mauerwerk genagt, so daß

hing neben dem Psarrhause hinter oer stirdje. Die Ehefrau des hiesigen Landwirts Sauer, welche vor einiger Zeit von einem Knechte schwer mißhandelt und verletzt wurde, befindet sich auf dem Wege der Besserung und ist aus dem Krankenhause entlassen worden.

Weimar (Bezirk Kassel), 23. Ottober. (Vorsicht mit Benzin!) Gestern abend ereignete sich auf dem Grundstücke des Kaufmanns W. Siebert Hierselbst ein schrecklicher Unglücksfall. Auf bisher noch nicht geklärte Weise explodierte beim Tanken ein Benzin­behälter, wodurch die Kleider des Hausburschen Heinrich Butte sofort in Brand gesetzt wurden. Im Augenblick höchster Gefahr sprang er als lichter­loh brennende Fackel geistesgegenwärtig in den an dem Grundstücke vorbeifließenden Dorfbach und ret­tete so fein Leben. Trotzdem hat er schwere Brand­wunden erlitten, so daß Zweifel an seinem Aufkom­men bestehen.

Epterode, 22. Ottober. (Wahlversammlung.) Am eonntag nachmittag 4 Uhr fand im hiesigen Schulsaale eine Wahlversammlung statt. Als Redner trat Gewerkschastssekretär Völker-Kassel auf. Er wrack über die allgemeine Lage und betonte, daß die Gemeinden resp. bereit Mitglieder es jetzt in der Hand hätten, solche Mitglieder in die Gemeindever­tretung zu entsenden, die frei von jedem persönlichen Haß, nur das Wohl der Gemeinde im Auge hätten. Nach dem Vortrag kam die übliche Debatte.

Hann. Münden, 23. Oktober. (Von der Forstlichen Hochschule). Zum außerordentlichen Professor an der Forstlichen Hochschule wurde Dr. phil. Hermann Eidmann, Privatidozent in München, unter Uebemmhme in den preußischen Staatsdienst ab 1. Oktober ernannt. Prof. Eidmann übernimmt die Leitung des 'ooloaischen Instituts.

Fritzlar, 23. Ottober. Den Ausklang der diesjäh­rigen nt Fritzlar gehaltenen Verbandstagung des Kurhesstschen Verbandes evangelischer Arbeiter- und Bolksvereine gab der im dichtbesetzten großen Saal desReichsadler" veranstaltete Festabend Weihe­volle Posaunenklänge leiteten ein, bann begrüßte Vorsitzender Velsner vom Evangelischen Verein die große Festversammlung. Generalsekretär Rudolph- Berlin sprach überEvangelium und Oeffentlichheit" und beleuchtete bas erschütternbe Ergebnis bei einem Maßstab ber heutigen Zustände in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber dem Evangelium. Darum gelte es, das Leben der Oeffentlichkeit nicht allein den chrtitentumsfeindlichen Personen zu überlassen, son­dern die Parole laute: Evangelische Christen an die Front, christlich-soziale Aktion! Nach wechselnden Vorträgen des Posaunenchores und des Gesangver­einsLiederkranz' unter Leitung von Lehrer Müller hielt Pfarrer Laabs-Zwesten ein fesselndes Referat überDu und Dein Beruf."

,r, Bonafort bei Münden, 22. Oktober. (Goldenes Ehejubiläum.) Das Ehepaar Postschaffner a. D. Her­mann Frost konnte in seltener Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit begehen.

»om Meißner, 22. Oktober. (Sprungschanze.) Der csttklub Eschwege plant hier eine Ski-Sprungschanze zu bauen. Die Sprungbahn soll eine Länge von etwa 200 Metern, eine Höhe des Sprungtisches von zirka 2 Metern, eine Anlaufstrecke von etwa 40 Metern er- balten. Die Arbeiten hierfür sollen noch vor dem Winter in Angriff genommen und im Frühjahr been­det werden. Um den nicht geübten Springern eine Uebungsmöglichkeit zu bieten, wird eine kleinere Schanze in der Nähe von Eschwege von etwa 15 bis 20 Metern errichtet.

Eschwege, 22. Oktober. (Auszeichnung.) Anläßlich der vierten Westdeutschen Gastwirtsmesse und Hotel- «achausstellung in Köln wurde der Firma Herzog u. Co., hier, die silberne Medaille verliehen.

_ Bad Sooden-Mendorf, 23. Oktober. (Die Stadt- Väter tagen.) Die Stadtverordneten beschäftigten sich in einer neuen Sitzung mit dem Erlaß einer Wahl­ordnung für die unbesoldeten Magistratsmitglieder. Es entspann sich eine längere Aussprache. Schließlich wurde die vom Magistrat vorgelegte Wahlordnung angenommen, nachdem eine vom Stadtverordneten Krauser ausgearbeitete Wahlordnung abgelebnt worden war. Voraussichtlich wird die Wahl der Ma­gistratsmitglieder und der Schöffen am 24. Oktober stattfinden.

Obersuhl, 23. Ottober. (Bautätigkeit. Arbeits­losenversicherung.) Die Bautätigkeit ist gegenüber dem Vorjahre stark zurückgegangen. Während 1928 18 Wohnhäuser mit 27 Wohnungen entstanden sind, wurden 1929 nur 8 Wohnhäuser mit 12 Wohnungen geschaffen. Die Zahl der Arbeitslosen der Zahl­stelle Obersuhl ist gegenüber der Vorwoche von 52 auf 78 gestiegen. Nach neuesten Unterlagen besteht Obersuhl aus 546 Familien mit 2297 Einwohnern

Neustadt, 22. Oktober. (Im Silberkranz.)' Die Ehe- leute Bahnwärter Füllgrabe konnten das Fest der Silberhochzeit begehen.

Rauschenberg, 22. Oktob. (Zunehmender Sparflnn.) liniere im ^ahre 1866 gegründete Sparkasse hat im