Kchckr Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
«ellunasa?bübr In Fällen von Sötzerer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf ilftffin« 6t« Bc;ugsv«ises. Verlag. SSristleitung und Druckerei: Kölnische Strotze 10. — Telephon: Sammelnumm« E Juttftische Sprechstunde t-d-n Drenstag von 5 bis 7 Uhr. Kölnische Stratze Nr. 10.
Hessische Abendzeitung
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19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Dienstag, 15. Oktober 1929
Rümmer 243
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Oer Umzug der Rheinlandkommission
llebersiedlung von Koblenz nach Wiesbaden am 15. November / HSpker-Aschoff über die preußische Seamtenpoliiik / Keine Abbauaktion
Drei Regimenter verlassen Koblenz
((Eigener Drahtbericht.)
Paris, 15. Oktober.
-koch einer Meldung des „Matin" hat fich die internationale Rheinland-Kommission entschlossen, ihren Sitz am 15. November von Koblenz nach Wiesbaden zu verlegen.
Am 15. Oktober verläßt ein franzöfisches Bataillon
mee von Norden nach Süden längs der Eisenbahn
Bad Ems, dem am 10. November die Gendarmerie folgen wird. Zwei Regimenter Infanterie und ein Regiment Artillerie verlassen am Dienstag Koblenz.
* * *
Koblenz, 15. Oktober. Wie nunmehr feftsteht, wird das Reichskommiffariat für die besetzten Gebiete nach Räumung der Koblenzer Zone nach Wiesbaden verlegt.
strecke Peking—Hankau vorgeht.
Tschiangkaischek entsendet eiligst Verstärkungen nach Norden, um den Truppen Fenghjusiangs den Weg nach Hankau zu verlegen. Er habe Dekrete gegen die Generale Fenghiusiangs und gegen diejenigen erlassen, die ein Manifest verössentlichten, in dem Tschiangkaischek beschuldigt wird, ein Tyrannenregime errichtet zu haben, sich mit Gewalt und Bestechung an der Macht zu erhalten, den letzten Kongreß der Kuomintang mit seinen Kreaturen beschickt und über die Erträgnisse der Anleihe verfügt zu haben, ohne darüber Rechenschaft zu geben. Gewisse Mitglieder des rechten Flügels der Kuomintang gehen mit dem nach Honkong geflüchteten linken Flügel zusammen.
Sie bilden so eine Art Syndikat der unzufriedenen Politiker, das bereits die Liste des siebenköpfi
gen Direktoriums veröffentlicht hat, das die Leitung der Geschäfte im Falle des Sturzes der gegenwärtigen Regierung übernehmen soll. Auf dieser Liste stehen auch Yensischen und Sunso, Sohn Dr. Sun- jatsens.
politische Zusammenstöße
Hannover, 15. Oktober.
Gelegentlich einer am Montag abend im Posthorn sta tigefundenen nationalsozialistischen Versammlung kam es gegen Mitternacht auf der Deichen- straße zu Reibereien zwischen dem nationallsozialistischen Saalschutz und politischen Gegnern. Ms die Schutzpolizei erschien, um die Säuberung des Platzes vorzunehmen, kam es zu schweren ^Zusammenstößen, wobei drei Zivilisten und zwei Polizeiboamte durch Messerstiche verletzt wurden Ein Polizeibeamter verstarb nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus.
Raymond poincarßs Wandlungen
Der ehemalige Ministerprästdent über das „Europäische Frühstück".
Paris, 15. Oktober.
Der ehemalige Ministerpräsident Poincare setzt seine Artikelserie in der großen Tageszeitung von Buenos Aires „Nation" fort Der „Temps" bringt die Uebersetzung eines Artikels vom 15. September, in dem Poincare ein Rückblick auf die Haager Abkommen und Ueberblick über die Genfer Ratstagung «nd das „Europäische Frühstück" gibt.
Die Haager Abkommen haben nach Poincares Ansicht trotzdem scheinbar eine Einigung erzielt worden sei, die bedeutenden Probleme inbezug auf das Funktionieren des Aoungplanes ohne Lösung gelassen und, erst wenn einmal die endgültigen Texte angenomme.» seien, könne Frankreich das geschaffene Werk beurteilen. Denn
; . die Opfer, die Frankreich im Haag brachte, Müßten gerechtfertigt werden können nicht durch zweifelhafte Hoffnungen, so.idern durch eine undiskutierbare Wirklichkeit.
Der weitaus größte Teil des Poincareschen Artikels ist dem europäischen Frühstück ,dem Gedanken einer europäischen Staatenföderation, gewidmet und die Gedanken, die der ehemalige Ministerpräsident hier darlegt, sind selbst für den überraschend, der die Entwicklung Poincares vom „Mann der Ruhr" bis zu seiner letzten Regierungsperiode kennt, die Entwicklung nämlich einer deutsch-französischen Aussöhnung
Konflikte um die Heimwehr
(Eigener Drahtbericht.)
lich um die Ehre und den Bestand des Parlamentarismus. Er werde auf feinem Posten ausharren bis zum letzten Augenblick und sei es auch, um aus dem Kampffelde zu fallen.
Gröschel noch nicht steil
Prag, 15. Oktober.
Der im Kreisgericht von Kuttenberg in Haft gehaltene Direktor der Meißener Porzellan-Manufaktur, Oskar Gröschel, ist noch immer nicht sreigelassen worden. Schon am Freitag wurde der deutsche Gesandte in Prag, Dr. Koch, verständigt, daß das Strafverfahren gegen Gröschel wegen Spionage eingestellt sei und daß er in den nächsten Stunden auf freien Fuß gefetzt werden würde, da sich feine Unfchuld her- ausgestellt habe. Der Staatsanwalt, der Untersuchungsrichter, und der Gefängnisdirektor von Kuttenberg wiesen jedoch darauf hin, daß sie nur aus Zeitungsmeldungen erfahren hätten, daß Gröschel aus der Haft entlassen werden solle. Der Referent im Justizministerium erklärte, Gröschel werde erst in einigen Tagen freigelassen werden. Die Erklärung des Ministers gegenüber dem deutschen Gesandten sei keine bindende Zusage, sondern nur ein Versprechen gewesen.
Wien, 15. Oktober.
Die Gegensätze in der Christlich-sozialen Partei bezüglich der Einstellung zur Heimwehrbewegung sind nunmehr zum vollen Ausbruch gelangt. In einer Versammlung, die am Montag in Wien abgehalien wurde, sprach sowohl der Führer des rechten Flügels der Christlich-Sozialen, Vizekanzler und Heeresmini- ster V a u g o i n, wie auch der Führer des linken Flügels und Obmann der christlichen Gewerkschaften Abgeordneter K u n s ch a k.
Vizekanzler Vaugoin betonte, Bundeskanzler Schober und er hielten fest zusammen. Er könne aber nur wiederholen, daß eine Verständigung mit der internationalen Sozialdemokratie, die den Klassenkampf predige, nicht möglich sei. Um seinen Platz in der Welt auszufüllen, brauche Oesterreich ein klares Bekenntnis zum deutschen Volkstum, zu seiner Religion und zu seiner Tradition. ErfühlewiedieHeim- wehren und reiche ihnen deshalb die Hand.
In der Erklärung des Abgeordneten Kunschak wird gesagt, daß die Geschichte der letzten 10 Jahre zeige, daß unter bestimmten Voraussetzungen eine Verständigung mit der Sozialdemokratie nicht nur möglich, sondern auch erzielt worden fei. Es gehe augenblick-
und Zusammenarbeit.
Poincare fpricht sich natürlich gegen eine europäische Staatenföderatio« tot Sinne einer vollständigen Auflösung des Ratio-
Preußens Beamtenpolitik
ualgutes in den neuen Staaten aus, denn man könne durch den Willen nicht zerstören, wvas die Geschichte langsam aufgebaut habe. Einem großen französischen Schriftsteller habe er, Poincare, einmal auf seinen Ausruf: „Oh Europa, mein Vaterland", erwidert: „Was mich betrifft, bin ich bereit, Europa mein zweites Vaterland zu nennen, aber es kann niemals mein «rftes ersetzen". Poincare drückt im weiteren Verlauf feines Artikels die Meinung aus, daß man
trotz diefer Reserve einen loyalen Versuch machen
müsse; auch wenn sich die Idee jetzt noch nicht verwirklichen lasse, bedeute es schon viel, daß die europäischen Staatsmänner die Gewohnheit angenommen hätten, sich jährlich mehrere Male, sei es in Genf oder einer anderen europäischen Stadt, zu treffen.
Poincare fchont in feinem Artikel auch gewisse Seiten der Vorkriegspolitik nicht. Eine der unangenehmsten Seiten diefer Politik fei die Jfolierung der Regierungen gewefen, in die sie sich verdrossen eingeschlossen hätten.
Hören wir zum Schluß die neue Melodie, die aus dem Schlußsätze des Poincare-Artikels vom 25. Sep- tember 1929 klingt: „So laßt uns denn so oft als dies nur möglich ist, das Frühstück van Genf wiederholen und laßt uns guten Mutes auf die Gesundheit von Europa trinken."
Syndikat der tlnzusnedenen
Die Lage in China.
Paris, 15. Oktober.
Der Pekinger Korrespondent des „Petit Parisicn" schildert die gegenwärtige Lage in China wie folgt: Die Zensur der chmestschen Regierung wird besonders scharf über die Telegramme ausgeübt, sodaß genaue Angaben über die Feindseligkeiten zwischen den rebellierenden Generälen und den Regierungstruppen fehlen. Man weiß nur, daß ein Teil der Armee Fenghjusiangs von Westen nach Osten längs der Zen- traleifcnbahn marschiert, die die Provinz Honan durchquert, und daß der andere TeU der gleiche» Ar
(Eigener Drahtberich ü)
Berlin, 15. Oktober.
Im Beamtenausschuß des Preußischen Landtags gab der Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f am Montag nachmittag sehr bemerkenswerte Erklärungen über die Finanzlage Preußens und über die dadurch beeinflußte Beamienpolitik.
In Richtlinien vom 22. Mai 1929 sind, wie der Minister darlegte, die Ressorts darauf hingewiesen worden, daß auf der Einnahmeseite voraussichtlich eine Verschlechterung des Etats von 38 Millionen Mark eintreten würde, und sie find ersucht worden, mit Rücksicht hierauf ihre Anmeldungen aufs äußerste einzuschränken. Durch ein Rundschreiben vom 13. Sept. 1929 sind diese Richtlinien ergänzt worden, weil sich zeigte, daß die Lage in Wahrheit noch viel ungünstiger sei. Die Mehranforderunqen der Ressorts für 1930 belaufen sich auf zweihundert Millionen.
In dem Rundlch'--iben vom 13. September wurde mit besonderem Nachdruck wurde auf die drohende Erhöhung der Perlonalsausgaben hingewiesen. Die Auswirkungen der Besoldunasedhöhung sind unterschätzt worden. Während die Mehrausgaben 1928 noch dadurch gedeckt werden konnten, daß die Neberweisungen an Reichssteuern das Soll erheblich überschritten, stehen diese Mehrerträge nicht mehr zur Verfügung. Es wurde daher als erstrebenswertes Ziel bezeichnet, die Personalkräfte allmählich um 10 Prozent zu vermindern. Dabei war
nicht etwa gedacht an eine Wiederholung des Personalabbaues, sondern an eine planmäßige Verminderung des Personalbedarfs durch Einschränkung der Berwaltungsaufgaben
und Verbesserung der Verwaltung, die es ermöglicht hätten, freiwerdende Stellen nicht wieder zu besetzen. Die Finanzverwaltung war sich darüber im klaren, daß diese Verminderung leider nur als ein stzhr fernes Ziel betrachtet werden könnte. Der Preußische Staat beschäfttgr rund 200 000 Beamte, Angestellte und Arbeiter. Dazu kommen noch die Zuschüsse an die Landesschulklasse für 110 000 Volksschullehrer. Der Minister schilderte dann die Schwierigkeiten einer Ver
minderung des Lehrerpersonals, der Polizeikräste, der Justizbeamten und der Steuerverwaltung.
Die Schwierigkeiten liegen nicht zum geringsten Teil in der unglücklichen Aufstellung der Kompetenzen zwischen Reich und Länder».
Don den Ressorts in den Mahnrufen des Finanzministers bisher nicht Rechnung getragen, im Gegenteil es wurden 2700 neue Beamtenstellen und 3500 Höhergruppierungen angemeldet. Diese Anmeldungen sind von der Finanzverwaltung ohne Ausnahme abgelehnt worden. Lediglich für überalterte Anwärter wurden einige neue Stellen bewilligt.
In der eingehenden Aussprache, die sich an die Erklärung des Ministers anschloß, wurde allgemein der Ernst der Lage anerkannt und entsprechend den Ausführungen des Ministers größte Sparsamkeit bei der Aufstellung des nächsten Etats für notwendig erachtet.
SManfahri des „Gras Zeppelin"
Friedrichshafen, 15. Oktober.
Wie wir vom Luftschiffbau Zeppelin erfahren, wird das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Dienstag abend 8 Uhr zu seiner Balkan- und Schlesienfahrt starten. Nach der bisher bekannt gewordenen Fahrroute dürsten auf dem Flug folgende Orte überflogen werden: Friedrichshafen, München, Trostberg, Wien, Preßburg. Buvapest, Szeged, Belgrad, Nisch, Sofia, Plewna, Mexandria, Bukarest, Kronstadt, Hermannstadt, Temesvar, Szegedin, Budapest, Brünn. Von hier aus nimmt das Luftschiff sofort Kurs nach Breslau, wo eine Zwischenlandung vorgesehen ist. Dort werden auch die Passagiere gewechselt.
Kowno, 15. Oktober. Wie aus Moskau gemeldet wird, erklärte Professor Resche, der kürzlich mit Dr. Eckener Verhandlungen wegen des Nordpolfl u- g e s des „Grafen Zeppelin" führte, einem Vertreter der Telcgraphenagenlur der Sowjetunion in einer Unterredung, er habe mit Dr. Eckener vereinbart, daß der „Graf Zeppelin" schon in allernächster Zcii einen Flug nach Moskau unternehmen werde, um dort bte Verhältnisse für den Nordpolflug zu studiere».
Finanz-Reform?
(Von unserer Berliner Schriftleitung)
Bei einer großen Zahl schwieriger politischer Probleme, die in den letzten Monaten wiederholt vergeblich in Angriff genommen wurden, hat man sich beim Scheitern aller Versuche und bei der immer neuen Hinausschiebung der angestrebten Lösungen stets mit dem Hinweis getröstet, daß alle diese Dinge im Rahmen der „großen Finanzreform" erledigt werde» müßten, mit der im Spätherbst dieses Jahres unter allen Umständen zu rechnen sei. Diese Finanzreform ist somit immer mehr in den Mittelpunkt aller politischen Pläne des Winterhalbjahres gerückt. Die Reparationsfrage, die Arbeitslosenversicherung, der Ausgleich des Etats, die so sehr erwünschte Steuersenkung, darüber hinaus aber manche viel weitergreifenden Probleme, wie z. B. das Verhältnis zwischen Reich und Ländern, alles wird in Zusammenhang mit dieser großen Finanzreform gebracht, nicht zuletzt die Frage, ob die jetzige Reichsregierung und der gegenwärtige Reichstag diesen Winter überdauern werden, ober ob die übliche Weihnachtskrise diesmal auf jeden Fall auch eine Reichstags Neuwahl bringen werde. Ordnung in den Etat zu bringen, die Reichskasse aus ihrer ständigen Geldverlegenheit zu befreien und den Steuerzahlern einige dringend notwendige Erleichterungen zu verschaffen, das find die drei Hauptaufgaben der geplanten Finanzreform. Daher wird es Zeit, sich die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer solchen Reform näher anzusehen, ehe der ganze Plan immer mehr einen sagenhaften Charakter annimmt, der notwendigerweise zu einer Enttäuschung führen müßte.
Als der sogenannte .^öpfungsausschuß", das heißt die Sachverständigen der Regierungsparteien, im Frühjahr d. I. den gegenwärtigen Etat mit grausamer Entschlossenheit zusammenstrichen, sah man im Finanzminister.um^ <M.^«wUltU>n mU, ju - gebissenen Zähnen zu. Man schwieg" wett man vorläufig schweigen mußte, aber man sagte schon damals voraus, daß doch bald wieder alles anders kommen werde. Das große Sparprogramm der Finanzfachleute ist ja tatsächlich nur eine Hilfe für den Augen-: blick gewesen, und der Streit wird vor allem darum gehen, ob diese Sparmethoden mit derselben Entschlossenheit fortgesetzt ober roieber rückgängig gemacht werden sollen. Im Laufe des Sommers hat sich trotz der Frühjahrskürzungen sehr bald wieder ein Defizit herausgestellt, welches erst 400, bald aber 700 Millionen betrug. Manche Streichungen hatte man seinerzeit schon in dem Bewußtsein vorgenommen, daß die gekürzten Etatposten später irgendwo wiederherge- stellt werden müßten. Man war fich aber darüber einig, daß das letzte Wort über die Gestaltung des Haushaltsplanes erst gesprochen werden könnte, wenn die Auswirkungen der neuen Reparationsverträge in allen Stücken zu übersehen wären. Die Verhandlungen über den Poungplan haben sich aber nun erheblich in die Länge gezogen, und vor Dezember wird an eine Ratifizierung der neuen Reparationsverträge nicht mehr zu denken sein. Run soll aber eigentlich im Laufe des Herbstes der neue Etat aufgestellt werden, damit er in den Monaten Januar bis März vom Reichstag behandelt und zum 1. April verabschiedet werden kann. Man sieht ohne weiteres, daß fich in dieser Hinsicht im laufenden Jahre geradezu eine Unmöglichkeit ergibt, dieses normale Programm innezuhalten.
Roch ehe man aber an den neuen Etat überhaupt herangeht, wird man sich erst mit einem sehr erheblichen Nachtragsetat zu beschäftigen haben. Dieser mutz zunächst Deckung für bas oben erwähnte neuauf- gelaufene Defizit bringen unb soll außerdem mancherlei von den im Frühjahr zurückgestellten Ausgaben nachträglich anforbetn. Schon zu diesem Zwecke wäre eigentlich eine Finanzreform erforderlich, weil ja die aus bei Reparationspolitik erhofften Ersparnisse für dieses Jahr nicht nur ausbleiben, fonbern geradezu doppelt aufgezehrt find, nämlich einmal durch den neuen Fehlbetrag im Haushalt und zweitens durch die verschiedenen Zugeständnisse^ die bei den Haager Verhandlungen für das erste J.chr der Poung-Anuität gemacht werden mußten. Die Kalamität ist aber noch erheblich größer, denn sowohl die Landwirtschaft verlangt immer dringender die Hilfe des Reiches, als auch die notleidenden Grenzgebiete.
Unter diefen Umständen ist an eine pünktliche Aufstellung ober gar Verabschiebung des nächsten Haupt- ctats natürlich nicht zu denken. Man wird vielmehr für das nächste Jahr wieder mit einem Notetat rechnen müssen, der vielleicht noch länger inkrast bleiben muß, als es im laufenden Jahre der Fall war. Für den Hauptetat ist auch die Neuregelung des Finanzausgleiches zwischen Reich und Ländern und damit die Verabschiedung des Steuervereinheitlichungsgesetzes notwendig, wenn man den sehr unzulänglichen vorläufigen Finanzausgleich nicht immer wieder verlängern Will. Nebenher aber ist es erforderlich, die Kassenlage des Reiches endlich einmal zu sanieren, nachdem der Versuch mit der Htlserbing-Anleihe ebenso lückenhaft geblieben ist, wie der Versuch mit einer Reform der Arbeitslosenversicherung.
Aus allen diesen Schwierigkeiten soll uns nun die große Finanzreform heraushelfen. Pläne für diese Finanzreform liegen selbstverständlich in verschiedenen Formen vor. Die Kernstücke sind die Anrechnung der allerdings erst von 1930 ab fühlbar werdenden Ersparnisse aus dem Aoungplan, eine Aenderung des Steuersystems durch Steigerung der Einnahmen aus Alkohol und Tabak und weiterhin verschiede« M»