Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Nummer 240
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Freitag, 11. Oktober 1929
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags M Pfennig.
Berlins Oberbürgermeister zurückgenrfen!
Auf Sefchluß der Stadtverordnetenversammlung / Gerüchte um Soeß / Sie Stellung des OberdLrgrrrnetfierS erschüttert?
Strenge Prüfung der Sklarekafsäre
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 11. Oktober.
Die gestrige Berliner Stadtverordnetensitzung hat einstimmig einen sozialdemokratischen Antrag angenommen, der strenge Prüfung aller mit der Angelegenheit Sklarek zusammenhängenden geschäftlichen und dienstlichen Vorgänge, sowie das Verhalten aller
Das neue Republikschutzgeseß
Proteste gegen das Stahlhelmverbot. Die Sklarekasfäre
Von unserem Berliner Vertreter.
Berlin, 1L Oktober.
Zu den Maßnahme» für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, über die in de'r Konferenz der Znnenminister der Länder dieser Tage beraten wnrde, gehört anch das neue Republikschutzgesetz. Das Reichskabinett hat gestern in sehr gründlicher Beratung den neuen Entwurf dieses Gesetzes behandelt, hat aber die formelle Verabschiedung auf die nächste Sitzung verschoben. Aus deu gestrige» Beratungen ist amtlich mitgeteilt worden, daß die Bestimmungen des alten Gesetzes über Aufenthaltsbeschränkung nicht in das neue Gesetz ausgenommen werden solle«. Das bedeutet, daß vor allem der frühere Kaiserparagraph nicht mehr in dem Republikschutzgesetz auftauchen wird. Weiterhin aber kann man daraus schlichen, dah auch die Pläne, eine« sogenannten Zwangsaufenthalt in Deutschland einzusühren, wieder sallengelassen worden sind. Bor kurzem wurde bekanntlich berichtet, dah im neuen Republikschntzgesetz Bestimmungen enthalten sein sollten, wonach bestimmte Bergehe« gegen die Sicherheit des Staates mit einem Zwangsaufenthalt in einer besonderen Gegend des Reiches bestraft werde« sollen. Die Rechtsblätter hatten das zum Anlah genommen, von einem „deutschen Sibirien- zu sprechen. Cs ist anzunehmen, dah derartige Bestimmungen, nicht in das Republikschutzgesetz hineinkommeu werde«.
Die Maßnahmen, die die preußische Regierung gegen den Stahlhelm im Rheinland-Westfalen ergriffen hat, sind inzwischen der Gegenstand lebhafter öffentlicher Diskussionen geworden. Man gewinnt aus den aus dem Rheinland vorliegenden Meldungen den Eindruck, daß dieses Verbot nicht den politischen Zweck erreichte, der damit verbunden war. Die Stahlhelmleitung hat inzwischen beim freu» scheu Innenminister Protest gegen das
Verbot der Rheinisch-westfälischen Gruppe eingelegt und darauf hingewiesen, daß die Feldübungen, die Anlaß des Verbotes gewesen find, rein sportlichen Zwecken gedient hätten, nicht aber den Beweis. dafür enthielten, daß die Stahlhelmmitglieder militärisch ausgebildet werden sollten.
Ferner hat der R e i ch s a u s s ch u ß für das Deutsche Volksbegehren eine Beschwerde an den Reichsinnenminister gerichtet, weil bei den Haussuchungen in den Stahlhelmbüros auch Akten des Reichsausschusses beschlagnahmt worden find. Schließlich haben die Deutschnationalen eine Anfrage im Reichstag eingebracht, in welcher die Reichsregierung vor allem darüber befragt wird, ob fie dem Verbot des Stahlhelms durch den preußischen Innenminister zugestimmt hat, und ob fie bereit sei, dieses Verbot zurückzunehmen, sowie für die Unterlassung weiterer Durchsuchungen Sorge zu tragen.
Es ist zwar anzunehmen, daß alle diese Beschwerden und Anfragen gegenwärtige keine Folgen nach fich ziehen werden, als politische Wirkung dürste aber eine unfreiwillige Verstärkung der Agitation für das Volksbegehren zu suchen sein.
Die amtliche Eegenagitation wird inzwischen weiter geführt. Zunächst wird am Sonntag der Reichs- sustizminister von Euerard im Rundfunk sprechen. Der Rundfunk hatte außerdem geplant, in einer Reihe von Dialogen zwischen Anhängern des Volksbegehrens und Gegnern desselben Aufklärung zu schaffen, war z. B. beabsichtigt, im Rundfunk ein Gespräch zwischen dem demokratischen Abgeordneten Georg Bernhardt und dem deutschnationalen Abgeordneten Quaatz abhalten zu lasten. Dieser Plan ist aber nich zustande- gekommen, weil dem Vernehmen nach die Deutsch- nationalen ihre Mitwirkung verweigert haben.
Oie Erörterungen über die Gklarek-Affär^ find gestern abend in der Berliner Stadtverordnetenversammlung in ein neues Stadium getreten, in dem das Stadtparlament einen Antrag angenommen hat, den Berlinrr Oberbürgermeister Dr. Böß sofort telegraphisch aus Amerika zurückzuberufen. Lediglich die Demokraten, zu denen der Oberbürgermeister gehört, haben gegen diesen kommunistischen Antrag gestimmt.
Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß der Oberbürgermeister seine Reise vorzeitig abbrechen wird, denn er könnte höchstens einen Dampfer erreichen, der nur zwei Tage vor dem wirklich beabstchtigten Eintreffen des Oberbürgermeisters ankommt. Der Oberbürgermeister müßte jedoch für diese zwei Tage Beschleunigung noch einmal seine Reisekarte bezahlen, deren Preis bereits erlegt worden war.
Selbstverständlich find in Berlin, angesichts des immer umfangreicher werdenden Sklarek-Skandals Gerüchte aufgetaucht, daß die Stellung des Oberbürgermeisters erschüttert sei. Man spricht davon, daß er «ach Ablauf seiner 12-jährige« Amtszeit «icht wieder gewählt werde« würde. Bis dahin werden jedoch immer «och 3 Jahre vergehen und deshalb ist auch vou einem vorzeitigen Rücktritt die Rede. Es muß jedoch als ei» reiner politischer Versuchsballon und als eia Teudeuzgerücht angesprochen werden, wen« heute in der rechtsradikalen „Deutschen Zeitung" davon die Rede ist, daß der frühere OberprSsident Hör fing als neuer Oberbürgermeister für Berlin in Aussicht genommen jei.
mit dieser %tege in Zusammenhang stellender Personen und darüber hinaus eine Nachprüfung des gesamten Geschäfts- und Beiricbsgebahrens der Stadt- bank verlangt.
Sie hat ferner beschlossen, Oberbürgermeister Boetz zurückzurusen.
Bürgermeister Scholz erklärte im Verlauf der Sitzung, daß das Disziplinarverfahren gegen die hier beurlaubten Direktoren der Stadtbank im Gange sei, ebenso das Konkursverfahren gegen Sklarek. Der Ala- gistrat habe beschlossen, von dem Vertrage mit der Sklarek-Gesellschaft zurückzutreten. Der Magistrat hatte mit dem zuständigen Staatsanwaltschastsrat vereinbart, daß zwei städtische Beamte auf einen Tag Einblick in die beschlagnahmten Bücher und Akten- stücke nehmen dürste«. Diese Einsichtnahme sei da- durch erschwert worden, daß die Beamten in einem Zimmer arbeiten mußten, in dem dauernd Vernehmungen vorgenommen wurden. Infolgedessen konnte das Material nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit durchgegangen werden. Die Liste der öffentlich mitgeteilten Namen höherer städtischer Beamten, die Kunden bei den Sklareks waren, fei das Ergebnis eben dieser erschwerten eintägigen Arbeit der beiden Magistratsbeamten. Der Magistrat wolle nichts vertuschen und verschleiern.
Sie pelzjacke der Frau Soeß
Das Antworttelegraunn des Oberbürgermeisters.
Berlin, 1L Oktober.
Der Berliner Magistrat erhielt gestern ein Telegramm des Oberbürgermeisters Boetz aus San Franzisko, in dem es heißt:
„Haben in gemeinsamer Beratung Sachlage Skla- rek geprüft. Festgestellt keiner von uns über Geschäfte Sklarek in Stadtbank irgendwie unterrichtet oder be- teiligt Oberbürgermeister, Benecke, Nydahl haben in Jahre zurückliegender Zeit, Bennecke u. Nydahl auch in letzter Zeit Bekleidung gekauft. Oberbürgermeister hat alles bezahlt, Benecke, Nydahl in letzter Stunde vor Abreise erhaltenes noch nicht. Für Pelzjacke SNa- rek waren 275 Mark gefordert. Oberbürgermeister
Paris, 11. Oktober.
Unter Hinblick auf die Einberufung der Flotten- konferenz der fünf Mächte bezieht fich die nationalistische „Siberts" in einem längeren Aussatz auf das deutsche Luftwefen und erklärt, die verstärkte deutsche Luftmacht mache alle Anstrengungen Englands und Amerikas, fich die Herrschaft der Meere zu sichern, zu Nichte. Ein Blick in die Kataloge der Rohrbach-Werke genüge, um festzustellen, daß dort Flugzeuge erbaut würden, die nicht nur Fracht und Passagiere befördern, sondern auch als Aufllärungs- und Angrisss- maschinen dienen könnten.
Das Blatt weist in diesem Zusammenhänge auch auf die Dornier-Werke in Altenrhein in der Schweiz hin, die sogar Flugzeuge mit Panzertürmen und Torpedobomben bauten (!?). Rohrbach, Dornier und Junker seien in der Lage, in kurzer Zeit eine so starke Luftflotte zu bauen, daß in weniger als acht Tagen sämtliche Handelsschiffe auf dem Meere und in den Häfen vernichtet werden könnten.
Es braucht nicht betont zu werden, daß diese Darlegungen des Pariser Blattes sachlich vollkommen unhaltbar sind. Frankreich mit seiner gewaltigen Militärlustflotte ist durch die deuffchen Flugzeugfabriken, die nur auf den Bau von Verkehrsflugzeugen eingestellt sind, wahrhaftig nicht bedroht. Aber diese „Li- berte--Aeutzerung ist doch bezeichnend für die Methoden, mit denen die französischen Rechtskreise alles, was nur «ach Abrüstung aussieht, zu sabotieren suchen.
Ls wird geräumt
Germersheim, 11. Oktober.
Das zweite Bataillon des 17L Infanterie-Regis, hat gestern abend Germersheim verlassen. Es wurde mit der Bahn über Landau-Weitzenburg nach seiner peiien Garnison Bejan^on befördert. Der j-ih»
hat diesen Preis abgelehnt und entsprechend der Einschätzung des Warenwertes mit Wissen des Skla- rek tausend Mark aus eigener Tasche wohltätig nachweisbar verwendet. Presseinterviews hier dahinge- hend beantwortet, daß Beteiligung von Stadtbeamten für ausgeschlossen, Aktion in Berlin für Wahl- manöver halte. Erbitten Berichtigung durch Berliner Presse, gerichtliches Vorgehen gegen Verleumdungen, Abreise wegen ungünstiger Schiffsverbindung schwer möglich und sachlich bedenklich.
Sssarek und fein Buchhalter
Berlin, 11. Oktober.
Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, ist der Pelzkauf des Oberbürgermeisters gestern Gegenstand der Untersuchung durch den Vernehmungsrichter, Landgerichtsrat Dr. Lubliner, gewesen. Max Sklarek der in Gegenwart des Buchhalters Lehmann hierüber vernommen wurde, wollte fich zunächst an den Vorgang nicht recht erinnern und erst auf die Vorhaltungen des Vernehmungsrichters entsann er sich der Einzelheiten.
Sklarek erklärte, bei dem Riesenausmaß seiner Geschäfte könne er sich an die genaue Preisstellung nicht erinnern. Wenn jedoch der Mantel für Frau Boes ihn selber 4000 Mark gestostet hatte, bann habe er sicherlich den Auftrag gegeben, dem Oberbürgermeister die Rechnung in der vollen Höhe von 4000 Mark zn- zustrll-n. L.ollw die Rechnung aber nur auf ‘00 Mark gelautet haben, so könne es fich
lediglich nm einem Schreibfehler handeln.
An die Abmachung, daß der Oberbürgermeister für wohltätige Zwecke 1000 Mark stiften wolle, weil ihm der Preis für den Pelzmantel zu gering erschienen sei, konnte sich Sklarek nach seiner Behauptung nicht erinnern.
Der Buchhalter Lehmann widersprach den Angaben Sklareks auf das energischste, und
es kam zu dramatischen Szene«, da Lehman« Sklarek mehrmals der Lüge bezichtigte.
Erst nach einiger Zeit konnte Dr. Lubliner die beiden Angeschuldigten beruhigen und in der sachlichen Vernehmung forffahren. Max Sklarek wiederholte seine Darstellung, daß er die Stadtbank keineswegs getäuscht habe. Er behauptete, daß ihm die Kredite aufgrund des Monopolvertrags von der Stadtbank zugesagt und daß die Rechnungen usw. lediglich Formalitäten gewesen seien.
Personenwagen und 41 Materialwagen bestehende Räumungszug führte etwa 400 Mannschaften und Offiziere und die Bagage des Regiments fort. ~er Abzug geschah ohne jede Formalität. Man rechnet damit, daß der bleibende Tell bet Regiments, der etwa 800 Mann stark ist, im Dezember: abbefordert werden wird, sodaß Germersheim noch in diesem Jahre geräumt werden würde.
Aus Zweibrücken wird ferner gemeldet, daß am Freitag das erste Bataillon des 156. Infanterie- Regiments von Zweibrücken abrückte, nachdem bereits Reservistentra.isporte die Stadt verlassen haben Seit Mittwoch vormittag ist bereits die Verladung der Bagage, Fahrzeuge usw. an der Güterrampe des Zweibrücker Bahnhofes im Gange. Freitag abeno um halb 12 Uhr verlätzt der erste Sonderzug mit rund 250 Mann und 15 Offizieren die Stadt. Der Transport geht nach Brive, einer Stadt der Bretagne, die bisher keine Garnifon hatte. Am 12. Oktober, bald 10 Uhr abends, passiert ein Sonderzug mit Truppen aus Landau, ebenfalls 250 Mann und 15 Offiziere umfassend, den Bahnhof Saarbrücken. Dieser Zug ist nach Verdun bestimmt.
* * *
Wiesbaden, 11. Oktober.
«b Sonnabend wird das in Wiesbaden-Biebrich liegende zwette Bataillon des Jnsanterie-Regiments Royal Welsh Souvenir nach England abtransportiert werden.
(Strafantrag im Prozeß Monroy
Berlin, 11. Oktober.
Im Prozeß gegen die Komtesse Helga von Monroy beantragte heute vormittag Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schmidt gegen die Angeklagte wegen schwerer Urkundenfälschung, Betruges und Diebstahles unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gesängnis. Er stellte dem Gericht anheim, für diese Strafe Bewährungsfrist zu bewilligen. (Prozeßbericht siehe an anderer Stelle
VSstra Trädgardsgatan 17
Die neueste Reichsanleihe vom schwedischen Zündholztrust.
Bon Kurt Paul.
Die Verhandlungen zwischen der deutschen Reichs" regterung und dem schwedischen Zündholztrust über die Einführung eines deutschen Zündholzmonopols sind durch die kürzlichen Veröffentlichungen nicht unterbrochen worden, sondern sie stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Man rechnet, daß morgen am Sonnabend die Einzelheiten dieser für Deutschland neuen Finanztransaktion bekanntgegeben werden. Die Voss. Zeitung berichtete gestern, daß der Präsident der schwedischen Reichsbank als Gast in den Räumen der Berliner Börse erschienen sei und knüpfte daran berechtigte Vermutungen über neue Verhandlungen der deutschen Anleihe.
Wie wir bereits in der letzten Sonntagsausgabe ausführten, wird die Anleihe tatsächlich 500 Millionen Rm. betragen. Heber den Zinsfuß scheint man sich noch nicht im klaren zu sein, doch dürfte 6 Proz. als angemessen gelten bei noch festzusetzendem Ausgabekurse und allerdings vollem Änleiheerlös ohne Abzug einer Bankprovision oder sonstiger Spesen. Das neue Reichsmonopol erstreckt sich lediglich auf den Zündholzverkauf. Die Fabriken hleibeu also nach wie vor Privateigentum der bisherigen Inhaber.
Das Angebot des schwedischen Zündholstrustes, ist nicht so neu, wie die deutsche Oeffentlichkeit angenommen hat. Bereits im Jahre 1926 konnte man in schwedischen und deutschen Blättern von einem derartigen „halbamtlichen Angebot'' an die damalige deutsche Regierung lesen. Sogar die 500 Millionen standen damals schon fest, und wenn der Schwedentrust diesmal über seine alte Offerte nicht hinausgegangen ist, so beweist das, daß ich heute — nachdem daS russische Zündholz durch die Edeka-Organt- sationen auf den dc.ftschen Markt gekommen ist — ein d:u!sm.-s ...tOiuVoi nicht mehr wett erschein- als vor drei Jähren. , ,,,
Zwar hat sich Reichsfinanzminister Hilf erd lug beeilt, durch ein Dementi, das gar keins ist, die An- gulegenheit richtig zu stellen: eixe Auslieferung an den schwedischen Zündholztrust komme nicht in Frage, dagegen mache die unhaltbare Lage aller in Deutschland produzierenden Zündholzsabriken eine Neuordnung der Zündholzwi-tschaft unvermeidbar. In diesem Zusammenhang ist die Frage einer
Gegenleistung des Schwedentrustes in Form ein Anleihe Gegenstand von Erörterungen gewesen." Es wäre angebracht gewesen, wenn der Reichsfinanzminister, wenn er schon mit dem Schwerkapital paktiert, der Oeffentlichkeit rechtzeitig hiervon Kenntnis gegeben hätte. Wir sind, wie wir mexjv fach betont haben, zwar keine Freunde, aber auch keine grundsätzlichen Gegner der ausländischen Betätigung im Deutschen Reich.
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Wir haben kürzlich Gelegenheit gehabt, uns mit dem Finanzdiktator eines der größten deutschen Jn- dustriekonzerne über aktuelle Wirtschaftssragen zu unterhalten u. hierbei die Auffassung vertreten gefunden datz der Betätigungsmöglichkeit des Auslandes in Deutschland keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten, vorausgesetzt, datz das Ausland uns als gleichberechtigten Partner ansieht. Wir haben keinerlei Veranlassung, jede ausländische Beteiligung als Gottesgeschenk anzusehen, ebenso wie wir keinen Grund haben, dem Ausland von uns aus Geschenke zu machen. Insbesondere auch im Falle Schwedentrust. Herr Kreuger ist ein zu guter Kaufmann, als dah er das nicht einsieht, er hat auch in seiner bisherigen Politik bewiesen, datz er sich ein gutes Geschäft etwas kosten läßt. Der Reichsfinanzminister Hilferding möchte nun gern den Beweis dafür liefern, daß' er das Reich aus der Finanzkrise retten kann. Wir hoffen, daß gerade er nach den vielen nitz- lnngenen Experimenten nun endlich ruhigen Kovf bewahrt, um bei Monopolverhandlungen als gleichberechtigter Partner angesehen werden zu können.
Und das wäre doch sehr zu wünschen. Zumal da der Schwedentrust wohl die stärkste aktive internationale Finanzkraft darstellt.
Bon Stockholm aus wird die Zündholzproduktion für etwa die Hälfte des Weltbedarfs kontrolliert. Zwar ist es nicht rein schwedisches Kapital, das den Konzern aufgebaut hat. auch die Vereinigten Staaten (Rockeseller) und England sind beteiligt, das Stimmrecht in diesem Konzern sorgt aber dafür, daß der schwedische Einfluß gewährt bleibt Der Schwedentrust kontrolliert u. a. die Zündbolzproduktion in den Vereinigten Staaten, England und den Dominions, Südamerika, Indien fast ganz Europa und Asten. Er hat bisher in jedem Kampf gesiegt, z. B. den japanischen Ein ftuß nach dem Kriege in Indien völlig unterdrückt, sogar in Japan selbst sehr große Anlagen übernommen. Lediglich die ebenfalls stark aktive Exportpolitik Rußlands in Zündhölzern macht ihm eine gewisse Sorge.
Daß man trotz aller Konzessionen bet Verband hingen auf der Hut sein mutz, gebt aus dem Beispiel Perus hervor. In Peru sind die Preise des Schwedentrusts, nachdem er dort eingedrungen ist, derart herausgesetzt worden, daß ein Zstndholz aus etwa % Pfennig zu stehen kommt. Run haben wir an Frankreich, das dem Schwedentrust ebenfalls für eine Anleihe das Monopol eingeräumt hat ein anderes Beispiel: denn die Zündholzpreise dort bewegen fich in mäßigen Grenzen. Dem „B. T." zu- folge soll der Preis der Konsumhölzer auf etwa 35 Pfennig für zehn Schachteln erhöht werden, wodurch die Zündholzfabriken rentabel gemacht, woran aber auch das Reich selbst (zunächst zum Ausgleich entfallender Zolleinnahmen, dann aber auch in Form von Uebergewinn) beteiligt werden soll. Wir bemerken zu allem: die deutsche Oeffentlichkeit möchte nicht durch neue Experimente ihres augenblicklichen Lmanzminifiers überrascht werde«! ,__
Französische Phantasien
(Eigene Drahtmeldung.)