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Nummer 236

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Montag, 7. Oktober 4929

49. Jahrgang

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Deutschlands Abschied von Stresemann

Würdiger Verlauf der Berliner Trauerfeierlichketten / Ein Tag nationaler Trauer

Volk in Trauer

r Don unserem Berliner Vertreter.

Berlin, 7. Oktober.

Die Beisetzung des verstorbenen Außenministers Dr. Stresemann ist gestern in Berlin unter einer Teilnahme der Bevölkerung erfolgt, wie diese seit der Bestattung des Reichsprästdenten Ebert nicht wieder zu verzeichnen war. Die Hundertttausende sind überhaupt nicht abzuschätzen, die sich gestern teils vor dem Reichstagsgebäude versammelt hatten, teils an de mlangen Wege vom Reichstag bis zum Fried­hof in dichten Reihen Spalier bildeten.

Bei den großen offiziellen Feiern, die gestern ver­anstaltet wurden es handelt sich um den Trauer­akt im Reichstag, an dem der Reichspräsident und das ganze offizielle Berlin, sowie die Vertreter der ganzen Welt teilnahmen und um die Abendfeier, die von der Dolkspartei an der gleichen Stelle veran­staltet wurde, hatte man wiederum denselben Ein­druck, der schon in den anderen vielen Nachrufen auf Dr. Stresemann zu finden war, daß nämlich die volle Bedeutung dieses Verlustes und die Tragweite dieses plötzlichen Hinscheidens des Außenministers in ihrer politischen Auswirkung und in ihrer menschlichen Tragik noch gar nicht voll erfaßt werden konnte.

Mehrere Reden sind gestern gehalten worden, vom Reichskanzler bei der offiziellen Trauerkundgebung, dann vom Reichstagsabgeord. von Kardorff auf der Freitreppe des Reichstags beim letzten Abschied und schließlich abends vom Senior der Deutschen Dolks­partei, dem Abgeordneten Dr. Kahl. Rur dem Ab­geordneten von Kardorff ist es gelungen, in seinen Abschiedsworten eine Ansprache zu halten, in der vor allem nach der menschlichen Seite hin die Empfin­dungen so Mm Ausdruck gebracht wurden, wie Re der Tod Dr. Stresemanns bei seinen Freunden he^ior- gerufen Hatte^ Die R°de des Kanzlers unb-z-v1 Les ehrwürdigen Kahl dagegen kamen nicht über den ersten schmerzerfüllten Rückblick auf die Persönlichkeit und den Lebensgang des Dahingeschiedenen hinaus. Es mag vielleicht daran liegen, daß einem so ge­waltiger Redner wie Stresemann am Tage seines Begräbnisses kaum Reden gehalten werden können, die nach seinem eigenen Maßstabe zu messen find. Es mag daraufzurückzuführen sein,daß man gestern noch garnicht in der Lage war, die volle Bedeutung dieses Todesfalles zu ermessen. Jedenfalls spricht auch diese Tatsache dafür, wie schwer und niederschmetternd das Hinschieden des Minister? gewirkt hat.

Der Reichskanzler, selbst noch Rekonvalescent, trat müde und hager an das Rednerpult und trug in müdem Tone seinen Nachruf vor und auch der alte Kahl gebrauchte am Abend gewiß keine bloße Redensart, als er sagte, wie schwer es ihm falle, an diesem Tage über den Tod des Freundes und Führers zu sprechen.

So mußte man sich gestern im Wesentlichen mit einem Rückblick auf das äußere Wirken und Leben des Verstorbenen begnügen,, und es wird der jün- [geren Generation vorbehalten bleiben, künftig die tiefere Bedeutung dieses Mannes zu würdigen. Man weiß, wie gerade Stresemann selbst in den letzten Jahren in steigendem Maße sich damit beschäftigte, « die Jugend für seine Ideen zu begeistern, und es

j wirkte bei der gestrigen Trauerfeier geradezu sym­

bolisch, daß der Sarg auf dem hohen schwarzen Kata­falk sehr hoch und sehr entfernt von der ganzen Trauerversammlung unter dem schwarzen Baldachin stand, und daß nur die Vertreter der studentischen Jugend als einzige unmittelbar zu beiden Seiten des Sarges standen, besonders, da tief unten im düsteren Schwarz die Trauerversammlung versank

Sie Trauerfeier im Reichstag

Die Reichsregierung veranstaltete ihre Trauerfeier für Dr. Stresemann am Sonntag vorniittag um 11 Uhr in dem Plenarsitznngsfaal des Rcrchsiags. Schon längere Zeit vor Beginn traten der Plenar- fitzungssaal und die Tribünen stark besetzt. Mehr als tausend Einladungen waren ergangen. Zn der frühe­ren Hofloge erschien vünkrl-ch um 11 Uhr^Reichsprä­sident v. Hindenburg, begleitet vom Staatssekre­tär Meißner, der die Turin des v c r st o r b e - n e n Ministers und die beiden Söhne mit sich auf die forderen Plätze nahm. Die Versammelten er­hoben sich zu Ehren des Rerchspraüdenren und der Witwe Stresemanns oon den Platzen.

Die Leiche Stresemanns war schon am Sonnabend abend vom Auswärtigen Amt in den Reichstag über­führt worden. Sie wurde auf einem schwarz überzoge­nen Katafalk auf dem Platz des Präsidenten aufge­bahrt. Heber dem Präsidcntengestühl erhob sich ein riesiger schwarzer Baldachin, in dessen Mitte der Reichsadler in Goldbrokat angebracht war. Heber den Plätzen der Stenographen hatte man gleichfalls ein schwärz überspanntes Gerüst errichtet, aus dem meh­rere Kränze, darunter der des diplomatischen Korps, niedergelegt waren. Von riesigem Ausniaß bestand er nur aus lila und grünen Orchideen und war mit einer seidenen schwarzen Schleife geziert, die die In­schrift trug:Le corps diplomatraue" Aus dem Sarge selbst lagen nur zwei Kränze, nämlich der der Familie und der des Reichspräsidenten

Im übrigen stand der Plenarsaal im Zeichen weihevoller Feierlichkeit Auch hier hatte man, wie in der Wandelhalle, den Fußboden mit schwarzen Tep­pichen überzogen. Die großen Lampen waren mit schwarzem Flor umbängt, und. rin besonders wür­diges Svmbol, auch die Hhr war schwarz verhüllt. In gleicher Weise batte man auch rund um den Saal herum die Brüstungen der Emporen verdeckt. Die

Stunde des Gedenkens

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Baumeister am deutschen Aufbau"

Die Trauerfeier im Reichstag wurde mit der Beet­hoven-Ouvertüre zuEoriolan" eingeleitet. Darauf nahm der Reichskanzler Hermann Müller das Wort zur Gedächtnisrede. Hierin führte der Reichs­kanzler n. a. aus:

An der Bcchre des deutschen Außenministers stehen nicht nur trauernd seine Gattin und seine Schne, denen sich unsere innige Teilnahme zuwendet, steht nicht nur die deutsche Reichsregierung, die ihren Außen­minister, nicht nur der deutsche Reichstag, der eines seiner hervorragendsten Mitglieder, nicht nur die Deutsche Dolkspartei, die ihren Führer verloren hat, sondern im Geiste nimmt an dieser Alschiedsfeier das deutsche Doll teil, das

einen seiner besten Söhne verloren

hat, und die Welt draußen, die in ihm den großen Staatsmann verehrte und den Menschen guten Willens achtete.

Wenige Stunden vor seinem Hinscheideu war er im Reichstag und dann noch im Hause vom Ärantembeti aus bestrebt, ernste parlamentarische Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Er kannte keine Schonung, so sehr er seit langem der Schonung bedurfte. Bor allem hat er in nie rastender Pflichterfüllung und in Sorge um das große Werk seiner Außenpolitik seit Jahren alle gesundheitlichen Bedenken bei Seite ge­schoben und den Mahnungen seiner Letzte zum Trotz sich nicht abhalten lassen, das letzte Aufgehot seiner Kräfte einzusetzen. Unter allen Kundgebungen des Beileids ist daher keine so treffend, wie die unseres verehrten Reichspräsidenten, in der es heißt, daß der Verstorbene

bis zum letzten Augenblick treu für sein Vaterland gearbeitet

hat. Seinem Land und seinem Volk galt sein Wirken. Für Deutschland und für das deutsche Volk glühte sein Herz mit der ganzen Inbrunst, deren er fähig war.

Von dem gleich ihm viel zu früh verstorbenen Reichs­präsidenten Ebert zur Führung berufen, hat Gustav Stresemann seit über sechs Jahre die Außenpolitik des Deutschen Reiches geleitet.

Nur ein Narr ober Böswilliger kann leugnen, daß

Deutschland in diesen sechs Jahren ein gutes Stück vorwärts gekommen

ernste Traucrfarbe war nur unterbrochen durch präch­tige Blumenarrangements. Vor dem Rednerpult be­fand sich ein Beet aus goldgelben Chrvsanthemen. An den schwarz verkleideten Wänden und, in ge­wissen Abständen auf den Brüstungen der Emporen, fanden sich lachsfarbene Alpenveilchen. Der Reichstag selbst hat seinem langjährigen Mitglied einen großen Lorbeekranz mit einer Schleife in den Reichsfarben gewidmet. Riesige Blumenarrangements waren u a. von auswärtigen Regierungen, von den einzelnen Reichs- und den Ministerien der Länder, von der Generaldirektion der Reichsbahn, der Reichsbank, den großenWirffchaftsorganisationen urd sonstigen Der- bänden eiNZegaugen.

ist. An diesem Ausstieg hat Gustav Stresem-an« einen entscheidenden Anteil. Seine Politik war klar und einfach. Nur durch eine Politik der Verständigung, des Friedens war der Ausgleich mit unseren früheren Gegnern herbeigujAhren. In dieser Erkenntnis führte Stresemann die Konferenz von Locarno herbei. Ans Locarno folgte eng verbunden der Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund mit einem ständigen Sitz im DöÄerbundsrat.

Reben den rein politischen Fragen lastete auf Europa die Frage der Reparationen, der Kriegsschulden, die Deutschland infolge des verlorenen Krieges auf erlegt worden find. Jetzt stehen wir in neuen Verhandlungen mit dem Ziel, uns von diesen Fesseln zu befreien und unsere Saften zu oerminbern, ein Ziel, dem unser Außenminister seine gange Kraft gewidmet hat. Es ist die

tiefe Tragik feines Lebens, daß er die endgültige Stunde der deutschen Freiheit am Rhein nicht mehr erleben konnte.

Wenn aber, wie einst bei der Räumung der Kölner Zone die Glocken der Kirchen ihre eherne Stimme er­schallen lassen, dann wird ihr Geläute auch seinem Ge­dächtnis gelten.

Wenn heute eine Welle tiefer Trauer durch unser Volk geht, wenn selbst die Gegner ehrend die Degen an seiner Bahre senken, st, gilt diese Trauer nicht allein dem großen Staatsmann, dies gilt auch dem

Menschen Stresemann, den wir alle liebten.

Aus engen Verhältnissen stammend, hat er sich aus eigener Kraft emporgearbeitet. Was er wurde, ver­dankt er feinen Whigkeiten und seiner unermüdlichen Arbeit.

So steht die Persönlichkeit Gustav Stresemanns vor uns. Wir nehmen Abschied von ihm in der Gewißheit, daß sein Gedächtnis in alle Zukunst fortleben wird. Er wird als einet der Baumeister an dem Wiederauf­bau Deutschlands der Geschichte angehören. Sein Werk steht fest gegründet und uns allen bleibt in Zu­kunft die Aufgabe, es in seinem Geiste fortzusetzen.

Rach der Rede des Kanzlers stillten wieder Beet- hovenklänge den weiten Raum. Mit dem Trauermarsch aus der Eroica fand di« Feier einen weihevollen Ab­schluß.

Unter den Teilnehmern an der Trauerfeier der Reichsregierung befanden sich die bervorragcnden Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissen­schaft. Reben der vom Reichskanzler Müller geführ­ten Reichsregierung waren das preußische Kabinett mit Ministerpräsident Braun an der Spitze, sowie zahlreiche andere Länderminister erschienen. Der Mlnisterplatz Stresemanns war mit schwarzseidenem Tuch und Blumen geschmückt. Das diplomatische Korps, das für den abwesenden päpstlichen Nuntius Pacelli der französische Botschafter de Margarse führte, hatte sich vollzählig in der Diplomatenlsae eingefunden. (Der Berich: über die Trauerrede des Kanzlers siehe obeustehend!)

Des Reichstags letzter Gruß

Rach der Feier im Reichstag trugen sechs Beamte der Schutzpolizei den Sarg auf den Schultern hinaus. Der Weg vom Großen Sitzungssaal bis zur Frei­treppe am Platz der Republik war mit schwarzen Teppichen belegt. Zu beiden Seiten waren die schönsten aus der großen Fülle der Blumenspenden nebenein­ander gereiht. Kurz nach 12 llhr erschien der Trauer­zug in der Wandelhalle. Der schöne Vergißmeinnicht- kranz der Gattin des Verstorbenen und der letzte Gruß des Reichspräsidenten wurden voraufgettagen. Unmittelbar hinter dem Sarge schtttt Hofprediger Keßler. Ihm folgte die Gattin des Dahingeschiedenen geführt von Dr. v. Kardorff und den nächsten Ver­wandten. Dann schloß sich das offizielle Trauer­gefolge an, an der Spitze Reichspräsident von Hinden­burg, ihm zur Seite Reichskanzler Müller und Reichsinnenminister Severing.

Als der Zug die Freitreppe erreichte, durchbrach gerade die Sonne das Gewölk. Ein Geschwader von Flugzeugen mit Trauerwimpeln an den Flügeln um­kreiste das Reichstagsgebäude und den Platz der Re- publik, der mit 10 Trauersäulen geschmückt, von einer gewaltigen Menschemengen gefüllt war, die den Toten in ergriffenem Schweigen grüßten Vor dem Gebäude wehte die Fahne des Reiches auf halbstock. Dor der großen Freitteppe wurde der Sarg auf den mit sechs schwarzoerhüllten Pferden bespannten Wa­gen gehoben. Zu beiden Seiten hatten Ine Delega­tionen des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes aus Berlin und aus dem Reich Aufstellung genom­men. Darauf nahm

Bizepröfident des Reichstages von Kardorff

das Wort, um im Namen des Deutschen Reichstages und im Namen Toten j*f

seiner letzten Fahrt einen letzten herzlichen Abschieds- gruß zuzurufen.

Als Stresemann sein Amt antrat, führte der Redner aus, war die Einheit des Reiches gefährdet. Als das Amt feinen toten Händen entglitt, hinterließ er ein Deutschland, dessen Ansehen in der Welt heute niemand mehr bestreiten kann. Wohl sehen wir mit schweren Sorgen in die Zukunft. Aber in diesen Jahren ist viel erreicht worden. Wir find vorwärts- gekommen und das ist und bleibt sein Verdienst. Der Parteimann wurde zum Staatsmann. Er führte Deutschland nach London, nach Locarno, nach Eens und nach dem Haag, und wenn am 30. Juni nächsten Jahres die Freiheitsglocken läuten werden, er wird fie nicht mehr hören wenn der Tag der Frei­heit der Rheinlande gekommen fein wird, bann wird ein dankbares Volk feiner gedenken. Das ist die Tragik, die über ihm liegt, die Ernte war geschnitten, aber er hat fie nicht mehr in die Scheune bringen können.

Der Verstorbene ist geliebt und vergöttert wor­den von seinen Anhängern wie selten ein Mann zu­vor, und er ist gehaßt und befehdet worden von feinen Gegnern, wie in einem ähnlichen Ausmaß selten ein Politiker und ein Staatsmann befehdet worden ist. Er war ein Mann des Kampfes. Wir werden die Gegnerschaft, die er gefunden hat, be­greifen müssen. Aber unbegreiflich will mir der Hatz erscheinen, mit dem dieser Mann verfolgt wor­den ist. Unbegreiflich will mir scheinen, daß man es gewagt, hat diesem treuesten Patrioten die politische, die nationale und die persönliche Ehre abzusprecheu. Das hat diesen lebensfrohen und empfindlichen Men­schen in tiefster Seele aufs schwerste gekränkt. Es wird viele geben, die ihm Abbitte leisten müssen.

Er war ein leidenschaftlicher Patriot. Er liebte fein Volk und fein Vaterland über alles. In der Arbeit für sein Volk und sein Vaterland hat er sich verzehrt. Die Mitwelt hat ihn erkannt. Die Nach­welt wird ihm gerecht werden. Dein Volk, mein treuer Freund, wird Dich nicht vergessen So fahre denn hin zu Deiner letzten Ruhestätte. Mögest Du dort die Ruhe finden, die Du in einem arbeits­reichen Leben nicht hast finden können und nicht hast finde« wollen.

Der Trauerzug

Unmittelbar nach der Abschiedsrede Dr. von Kar- dorffs formierte fich der Trauerzug. Voran ritt eine Abteilung Schutzpolizei. Es folgte die Kapelle der Berliner Schutzpolizei. Neben dem Leichenwagen schritten nicht nur die Attaches, sondern bis zum Aus­wärtigen Amt in der Wilhelmsiraße auch Staats­sekretär von Schubert und die Ministeriallnrektoren des Auswärtigen Amts, um fich bann später in ben allgemeinen Zug einzugliebern. Dem Sarge folgten die nächsten Angehörigen, bann der Reichspräsident, die Reichsregierung, die ausländischen Diplomaten und das übrige Trauergefolge.

Langsam bewegte sich der Trauerzug durch bas Sranbenburger Tor über die Straße Unter ben Linden zur Wilhelnsstraße. Abordnungen der Deutschen Volls­partei, zahlreicher Verbände und des Reichsbanners bildeten Spalier. Dahinter standen überall dicht ge­drängte Menschenmengen, die den Toten entblößten Hauptes und mit ernstem Schweigen grüßte.

Am Auswärtigen Amt hielt der Wagen un­mittelbar unter dem Arbeitszimmer des Reichsautzen- Viuistexs. I« offenen Zensier standen weiße Blume«.