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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 235

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Somrabend/Somrtag, 5 /6. Oktober 1929

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19. Jahrgang

i

Macdonalds Ankunft in Washington

Aosta» zm englisch-amerikanischen SerstSndigmg / Der englische MüsterprWent hofft auf ersvlgreiche Dnrchsühnuig seiner Mission

Ilm Stresemanns Erbe

Bor schweren parteipolitische« Kämpfen.

($oa nuferem Berliner Vertreter.)

Berlin, 5. Oktober.

Der Empfang im Weißen Sause

(Eigene Drahtmelduug^

Roch bevor der verstorbene Außenminister Dr. Etresemann in Ruhe bestattet worden ist, hat der Streit um seine Nachfolgeschaft im Amte in recht unschönen Formen eingesetzt. Der Reichspräsident hat gestern bekanntlich im Einvernehmen mit dem Reichskanzler und auf dessen Vorschlag hin, Reichs- wirtschastsminister Dr. Curtius mit der vorläu­figen Führung der Geschäfte im Auswärtigen Amt betraut Dieser Beschluß ist lediglich zwischen Reichs­präsident und Reichskanzler vereinbart worden und das Kabinett ist nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, darüber befragt worden. Dieses Verfahren rechtfertigt sich durchaus, wenn man bedenkt, welche außerordentlichen Schwierigkeiten die definitive Neu­besetzung dieses Problems in parteipolitischer Hin­sicht haben muß.

Zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ist be- «tts jetzt eine scharfe Konkurrenz um die Nachfolge- fchast Stresemanns im Gange, und andererseits legt selbstverständlich auch die Volkspartei den größten Wert darauf, das Außenministerium zu behalten. Das könnte aber natürlich nur in der Form ge­schehen, daß Dr. Curtius, der als Minister einer der engsten Mitarbeiter und ein persönlicher Freund Dr. Stresemanns und am besten in dessen Gedanken­gänge eingeweiht war, die Nachfolge seines ver­storbenen FreUcides zunächst übernimmt. Ander--,- seits ergibt sich die Frage, ob die Voakspariei nun für das Wirtschaftsministerium eine andere Persön­lichkeit wählen soll, da die Partei natürlich Wert darauf legt, auch weiterhin durch zwei Plfiitiker im Kabinett vertreten sein.

I Allem Anschein nach wird vorläufig an dem jetzt I geschaffenen Zustande, wonach Dr. Curtius Autzen- | Ministerium und Wirtschaftsministerium in einer ' Person führt, nichts geändert werden, besonders, I da man weiß, daß jede Aenderung und jede end- ' gültige Regelung dieser Angelegenheit mit großen koalitionspolitischen Folgen verknüpft sein würde.

Einen Vorgeschmack davon bekommt man durch einige aufschlußreiche Notizen in der Heufigen Poli- fischeu Morgenpresse. DieGermania", das füh­rende Zentrumsblatt meint, die gestrige vorläufige Berufung von Dr. Curfius zum Führer der Ge­schäfte des Außenministeriums, habe allgemein und k besonders in Zentrumskreisen überrascht. Man

hätte damit bis zum Montag warten können und i die Berufung sei mit einer solchen Schnelligkeit er­

folgt, wie sie sonst nicht übfich sei. Das Blafi meint zwar selbst, daß es nicht dem Ernste der Stunde ent­spreche, jetzt schon über die Nachfolgeschast Dr. Stresemanns zu diskutieren, aber man werde über dieses Thema in der nächsten Woche noch sprechen. Der fiesere Sinn dieser Aeußerung dürfte darin zu erblicken sein, daß insbesondere der Minister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth gestern peinlich davon überrascht gewesen ist, daß Dr. Curfius berufen wurde, während Dr. Wirth anscheinend selbst starke Hoffnungen hatte, als Nachfolger Dr. Stresemanns j berufen ju werden.

Andererseits macht derVorwärts" heute Gründe geltend, die für die Besetzung deS Pos-^gs durch einen Sozialdemokraten sprechen sollen, und gibt fer­ner aus den rechtsstehendenHamburger Nachrich- tett" Aeußerungen wieder, in denen davon die Rede ist, daß die Volkspartei sich nach dem Tode Dr. Stresemanns wieder nach rechts orientteren könne. Diese Aeußerung des Hamburger Blattes entspricht keineswegs der wahren Stimmung in der Volkspar­tei, läßt aber den Schluß darauf zu, wie groß die parteipolitischen Auseinandersetzungen und Streitig« keilen sind, die mit dem Tode Stresemanns ihren Anfang nehmen.

Wieder politische Zusammenstöße

Berlin, 5. Oktober.

Heute nacht kam es an verschiedenen Stellen der Stadt nach nationalsozialistischen Versammlungen zu Zusammenstößen zwischen heimkehrenden Versamm­lungsteilnehmern und politischen Gegnern. So wurde im Norden der Stadt ein Elektro-Jngenieur überfallen und durch Faust- und Stockschläge am Hinterkopf ver­letzt. Ein Angreifer wurde festgenommen. Bei einem anderen Zusammenstoß, ebenfalls im Norden, schritt die Polizei rechtzeitig ein, und nahm elf Personen fest. In Siemensstadt wurden fünf Nationalsozialisten mit Messern von ihren Gegnern bearbeitet. Drei Schwer­verletzte wurden dem Krankenhaus zug-führt. Bei der Auflösung eines Demonstrattonszuges der National­sozialisten im Norden wurden neun Persouru wegen Ruhestörung und wegen Nichtbesolguug polizeilicher An or dn imgen festgenoruweu.

Washington, 5. Oktober.

Der SchuelldampsBereugaria" mit Premier­minister Maedonald an Bord ist gestern in Newyork eingetroffen. Um 17 Ahr MEZ. verließ der eng­lische Ministerpräfident das Schiff und wurde unter den Jubelrufeu einer viellausendköpfigeu Menge und unter dem üblichen Konfettiregen den Broad­way hinauf nach dem Rathaus geleitet, wo Bürger­meister Walker ihn empfing und im Namen der Stadt willkommen hieß.

Den Pressevertretern gegenüber gab Maedonald eine Erklärung ab, in der er ausführte, der König habe ihm telegraphisch die besten Wünsche für den Erfolg seiner Mission übermittelt Er fühle instink­tiv, daß diese feine Mission sich weit über die Gren­ze« beider Länder günstig auswirken werde.

Bo« Newyork «eiste Maedonald «ach Washington, wo er sich sogleich ins Weiße Haus begab. Mardo- uald wurde von dem Marineadjutanten des Präsi­denten Hoover, Kapitän Buchen an, nach dem blauen Zimmer geleitet, wo er von dem Präsidenten begrüßt wurde. Beide begaben sich dann nach dem roten Zimmer, wo die Gattin des Präsidenten die Gäste empfing. Während der Unterhaltung lud Präsident Hoover den Mipisterpräsidenten -Ln, mehrere Tage im Weißen Haufe zuzubriiigen. Macdomfid nahm die Einladung mit Dank an.

Macdonalds Mission

Washington, 5. Oktober.

Gestern abend empfing Maedonald in der brfii- schen Botschaft die Presse. In einer längeren Aus­sprache führte er aus: Er komme nicht, um ein Bünd­nis zu schließen, denn L brauche Amerika keinen Verbündeten und 2. sei die Idee der Bündnisse heut­zutage überholt Was England brauche und erstrebe, sei Vermeidung künftiger Mißverständnisse und beide Regierungen wünschten, eine Befestigung der freundschafüichen Beziehungen anstelle der Rüstun­gen für etwaige Kriege zu setzen. Der Kelloggpcckt, den die Welt den Vereinigten Staaten verdanke, sei

mehr als ei« Dokument er verbanne jeden Gedan­ke« a« Krieg und bringe dadurch die Zivilisation einen wichtigen Schritt vorwäfis.

Maedonald erklärte weiter, er wolle utit dem Präsidenten Hoover viele, die beiden Länder ange­henden Fragen besprechen, aber er möchte betonen, daß nichts beabsichtigt seh was irgendwie als gegen dritte Staaten gerichtet, aufgefaßt werden könnte. Einer englisch-amerikanischen Verständigung solle vielmehr alsbald die Beseitigung der Mißverständ­nisse mit anderen Ländern folgen. Sollte, was er bestimmt hoffe, seine hiesige Mission erfolgreich sein und der Weg zu herzlicheren Beziehungen zwischen England und Amerika geöffnet werden, so werde er glücklich «Nd zufrieden nach London znrückkehren.

* * *

Ser Mmm Der starken Worte

Lloyd George über die Abrüstungssrage.

Loudon, 5. Oktober.

SMy Cchronicle' zufolge kam Lloyd George tn seiner gestern "L-id in Nothingham gehaltenen Rede a--c>. nnf tde jV *icr Konferenz sprechen UN sagte: Snowcx , bat MM und ErSfchlüssficheit an gesichtS der großen Schwierigkeiten gezeigt, die mart otte von fremden Mächten verursacht Waren. Ich bin sehr froh, daß er es getan hat Ich finde in seiner veutlichcn Sprache nichts auszusetzen und stimme atit Der daran geübten Kritik überein. Ich freue mich, fihr, daß mit der unwürdigen Kriecherei vor Frar kreich, die das Ansehen Englands schädigte, ein Ende gemacht worden ist.

Zur Äb-rüstungsfrage äußerte Lloyd George, er begrüße die Wiederherstellung guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und wünsche Maedonald Glück b> seiner Mission. Die Tatsache, daß Frank­reich and Italien trotz des Versailler Vertrages und der Völkerb-nndssatzung unter Berusung auf ihre Sicherheit noch inimer ungeheure Rüstungen veram- stalteten, sei eine Schande, eine Schmach und eine Gefahr. Maedonald und Henderson sollten selbst nach Genf gehen, um Lord Ereil, der kein Mitglied der Regierung sei, in seinem tapferen Kampfe zu unterstützen.

Oie Räumung der 3. Zone

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 5. Oktober.

Die nationalistischeAction Francaife" beschäftigt sich erneut mit der Rheinlandräumung und macht über die Räumung der 3. Zone folgende Angaben:

Ei« Bataillou eines Infanterieregiments bcr*3. Rheinlandzone soll am 15. Oktober mit dem Ver­waltungsrat dieser Regimenter nach Frankreich zu­rückgeführt werden. Am 10 .November werden drei Jägerbataillone der 3. Zone aufgelöst werden. Es find dies die 19. Jäger in Trier, die 3. Jäger in Kreuznach «nd die 1L in Kaiserslautern. Die drei verbleibenden Bataillone bilden das 7L Infanterie­regiment, von dem ein Bataillon nach Frankreich zn- rückkehre« wird.

transportiert worden. Ein wettet er Tell des Regi­ments wird Kehl am 1L Oktober endgültig verlassen.

*

Paris, 5. Oktober. Havas meldet aus Koblnz, daß die Interalliierte Rheinlandkommisston eine Verord­nung zur Erleichterung des Reiseverkehrs im besetzten Gebiet veröffentlicht hat. Danach wird rin amtlicher Personalausweis von den Konfiollstellen nicht mehr gefordert. Jeder schriftliche Ausweis, der die Iden­tität seines. Inhabers festzustellen geeignet ist, Hai Gültigkeit. Eine besondere Genehmigung der Rhein­landkommission für Reisen von Gesellschaften ist von nun an nicht mehr erforderlich.

DaS 510. Taukregimenl hat Befehl erhalten, vom 15. Oktober ab nach Ranch zu marschieren, wo es das vorher ausgelöste 513. Regiment ersetze« soll. Im letzten Augenblick wird bekannt, daß das 510. Regiment seinen Abmarsch verzögern soll, da die Of­fiziere keine Unterkunft in Nancy gefunden haben. Schließlich hat das 5. Kürasfierregiment aus Trier seinen AbmarsWefehl nach Pointtoise erfüllten.

Weitere Marschbefehle werden für die übrigen Formationen, die schwere Artillerie und den Train, erwartet.

Sie marschieren ab!

Kehl, 5. Okto ter.

Nachdem schon vor längerer Zett die im Kehler Brückenkopfgelände stationierte Kavallerie-Abteilung abgerückt war, find gestern auch schs Offiziere und 100 Mann des fa Kehl liegenden 170. französischen Infanterieregiments nach Remircmout (Vogesen) ab.

Sheron in Verlegenheit

Paris, 5. Oktober.

Zwischen dem Finanzausschuß der Kammer und dem Finanzminister sind wegen des Budgets für 1930 ernste Differenzen entstanden. Der Finanzaus­schuß hat an der Regierungsvorlage derartige Aende- rungen vorgenommen, daß der Büdgeworairschlag ein Defizit von rund 500 Millionen aufweist. Hierbei sind die von der Regier-mg vorgesehenen und vom Ausschuß nicht einmal für genügend erachteten Steuerermäßigungen in Höhe von rund 2ch Milli­arden noch nicht berücksichtigt.

Finanzminister CHeron erfiärte gestern vor dem Ausschuß, daß dessen Maßnahmen eine ernste Bedrohung der von Poincaree durchgeführten Kon­solidierung der budgetären unfc finanziellen Sage darstellten. Er sagte sogar, daß er lieber auf sein 9tiUi verzichten, als für derartige Maßnahmen die Verantwortung übernehmen würde. Wie Hcivas mitteilt, bat zwischen dem Finanzminister und dem Finanzausschuß gestern noch fettteÄoi Einigung er» Zielt werden können.

Das Gesicht des Krieges

WJ?. Das Erlebnis des großen Krieges ist in unserem Volke noch unvergessen. Das starke Echo, das RemarguesIm Westen nichts Neues" und RennsKrieg" bei uns fanden, bewies, wie lebendig die Erinnerung an diese vier Jahre, in denen eine dichte Sperrfeuerfette Deutschland von den anderen Völkern trennte, noch ist. Wie ein schweres Alb­drücken kommt sie immer wieder über uns, und die Frage steht auf: Was war dieser Krieg, was ist der Krieg?

Wie sollte es auch anders fein! Vier Jahre wur­den aus unserem Leben mit scharfen Schnitten her­ausgetrennt; zwischen dem, was vor ihnen wat, und dem, was nach ihnen kam, fehlten viele Verbindungs­linien. Die Grundlage, auf der wir einst gebaut hatten, ward verändert, und auch der Geist der Bau­leute wandelte sich. Wir sind noch nicht fertig ge­worden mit diesem gewaltigen, diesem furchtbaren Geschehen, das wir von allen Völkern wohl am tiefsten erlebt haben. Wir greifen zu den Büchern, in denen Männer, die unser Schicksal teilten, ihr Er­leben geschildert, ihre Empfindungen und ihre Er­kenntnisse niedergelegt haben, um unsere eigene Ant­wort auf die Fragen, die uns so tief bewegen, vor­zubereiten und zu klären.

So stark auch der Eesantteindruck des Kriegserleb- msses in uns noch ist, die geschichtliche Entwicklung dieser Zeit von 1914 bis 1918 selbst steht den meisten von uns nicht mehr klar vor Augen. Das ist fein Wunder. Damals als die Ereignisse auf uns ein­stürzten, war es unmöglich, die Einzelheiten ht feste Zusammenhänge einzuordnen. Die offiziell-- «-richt- erftattung Ejchwieg vieles, und was sie sah.., wurde so vorgetragen, daß alles in dem Lichte erschien in dem es gesehen werden sollte. Wenn wir aber 'un­mittelbar an den Dingen beteiligt waren, erschwette gerade die Nähe des Geschehens die richtigr Beur­teilung. In den Nachkriegsjahren find dann neben den in ihrem Wert als Quellenwerfe häufig recht zweifel­haften Memoiren der führenden Männer viele gründ­liche und wissenschaftlich einwandfteie Darstellungen über den Verlauf des Krieges und über bedeutsame seiner Entwicklung erschienen. Für den Nichtfachmann war es eine Unmöglichkeit, sich durch diese umfangreichen, ttocken geschriebenen Werke hin- durchzuarbetten und aus ihnen Maßstäbe zu gewin- nen, an denen die Eindrücke, die das Kriegserlebnis hinterlassen hatte, nachzuprüsen. Elf Jahre aber in denen uns so viel Neues wie in der Nachkriegszeit be- wegt und erregt hat, verändern das Erinnerunqs- f!ir ieben der auf die Frage .Mos war der Krieg eine eigene Antwort sucht, notwendig seine Erinnerung an den Tatsachen selbst aufzufrischen

I" ber Kriegsliteratur eine Lücke es fehlte SX1? >U Verlauf des Krieges in packender, barstellt' °6ei Irisch richtiger Weise Es soll unternommen werden, die kriegerischen ®°I9aSc .mt ben seelischen Vorgängen zu verschmei­ss h,S° ^"Gemälde entstehen, das, begründet ^Zb£" zuverlässiger Forschung, das

Lh'9- Besicht des Krieges festhält". Diese Worte finden sich tn der Einleitung eines Buches, das in SfiÄ" £n-er bem TitelSperrfeuer um Deutschland erscheinen wird. Ein Buch mit dieser m^te rnmaI geschrieben werden; aber rr? I9a6C 'st außerordentlich groß und schwer. Sie verlangt einen Historiker mit militärischen Fachkennt- uFen ober einen militärischen Fachmann mit ge- ItMtsrotffenfdjaftltdjer Schulung, und sie fordert da- «neu Schriftsteller von hohem Können Werner Beumelburg heißt der Mann, der das Wag- unternommen hat, diese Geschichte des Krieges zu ma"$en 'st er aus seinen Schriften, die in ber Rethe Schlachten des Weltkrieges" erschienen sind, kein Unbekannter,

Beumelburg versteht es ausgezeichnet, die großen Linien des kriegerischen Geschehens aufzuzeigen. Sein klarer militärischer Verstand verhütet ein Versinken in der Überfülle der einzelnen Ereignisse, sein histo­rischer Sinn läßt ihn fast immer zu dem Wesentlichen Vordringen.

Der Weltkrieg hat sein Gesicht in den vier Jahren, tu denen er seine Eisensaat auf den Fluren Europas aussäte, gründlich geändert. Aus dem Bewegungs­kriege von 1914 wurde im Westen seit der Winter­schlacht in der Champagne der Stellungskrieg. Zwi­schen Perthes und Tahure begann im Februar 1915 »die blutige Aera der Materialschlachten... Aus einigen 20 Kilometern Breite und in ganz geringer liefe entwickeln sich Schlachten von ungeheurer Kon­zentration und Massierung, die den Boden zerfleischen und Division auf Division zerstampfen." Ihre wil­desten Triumphe feierte die Materialschlacht später vor Verdun, an der Somme und in Flandern. Während also im Westen die Front erstarrt, während in Frankreich der Stellungskrieg zum Selbstzweck, zu einer neuen .Lebensform für Millionen Menschen wurde, die sich von den Daseinsbedingungen des Frie­dens hauptsächlich durch die größere Sterblichkeit unterscheidet", bestimmen im Ostenbie Leistungen ber Marschkolonnen, bie fechtend unb marschierend die strategischen Gedanken der Führung verwirklichen" das kriegerische Geschehen. Und mit Recht fügt Beu­melburg hinzu: »Memals hat ein einziger Krieg gleichzeitig zwei jo verschiedene Gesichter getragen.