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Nummer 229 Einzelpreis: Wochentag« 10 Pfennig.

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Starker Pessimismus in Berlin

Der Kanzler alSDermwler in dem Streit um bleDerflchemngsreform / DieD.D.V. gegen Kompromisse

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Meier Nemste Nchrichtm

Kasseler Abendzeitung Es Hessische Abendzeitung _____________

SÄssiS

Berlin, 28. September.

Durch die gestrigen Besprechungen und Der- e8 auf beiben Seiten blutige Köpfe. Die rdlungen in der Frage der Arbeitslosenver- Verletzungen zweier Nationalsozialisten stnd lerung haben sich die Aussichten sur die Er- fo schwer, datz sie in dal Krankenhaus über» igung dieses Problems in der bevorstehen» werden mußten.

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kelheit.

Mit Stühlen und Biergläsern...

Die dritte Schweizfahrt

Berlin, 28. September.

Nach der gestrigen Kundgebung der Natio­nalsozialisten gegen den Youngplan kam eS in verschiedenen Teilen der Stadt zu Zusammen­stößen. Die Polizei verhaftete 25 Personen, meist Nationalsozialisten, von denen 20 be-

rei, in der man gegenseitig mit Tischbeinen und Stühlen aufeinander losschlug, hierbei

aus 300 Mann Soldaten und 25 Gendarmen bestehen. Beschlasnahmt wurden vorläufig -in Exerzierplatz, die Wilhelm-Heilanstalt, die von der Reichövermöaensverwaltung errichteten Wohnungen und 18 größere Privatwohnungen.

Die Lufthansa berichtet

Berlin, 28. September.

politische Schlägerei

Hamburg, 28. September.

reits im Lause der Nacht wieder entlassen wurden. In Moabit u»d'Pankow ivv. ,;u l.i

Zwei auf Zivil-Patrouille befindliche Po- lizelbeamte, die sich als solche legitimierten und eingriffen, wurden angegriffen und schwer mißhandelt. Einer davon erlitt einen schweren Schädelbruch, der zweite wurde leich­ter verletzt. Die Täter entkamen in der Dnn-

London, 28. September.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" weist darauf hin, datz Minister­präsident Macdonald ursprünglich die Absicht hatte, die Einladung zu der Fünf-Mächte-Kon- ßerenz am Borabend feiner Abreise von Lon­don zu veröffentlichen. Diefe Absicht sei jedoch aus Veranlassung der amerikanischen Regie­rung aufgegeben worden, da Präsident Hoover die Ansicht vertrete, -atz die Einladungen einen größeren Eindruck machten, wenn sie im An­schluß an die bevorstehenden Besprechungen mit ihm in Washington herausgegeben würden.

Ministerpräsident Maedonald traf mit sei­ner eBgleitung gestern spät abends in Som hampton ein und wurde von Vertretern der Behörden empfangen. DieBeringaria" ver­läßt am heutigen Sonnabend SoMhampton.

Hamk-nS und Muthmann wurden unmit­telbar nach der Verhaftung wieder festgenom­men, um noch über den Oldenburger Anschlag verhört zu werden. Sie wurden aber dann erneut aus freien Fuß gesetzt.

Das BombenLttntat aus den Reichstag, das bisher noch nicht restlos aufgeklärt werden konnte, scheiM fetzt, wieTempo" berichtet, durch ein sensationelles Ereignis bei der rich­terlichen Vernehmung im wesentlichen geklärt *u fein. Ein Arbeitsloser, der in der Rächt deS Bombenattentats außerordentlich wichtige Beobachtungen gemacht und diese Beobachtun­gen sofort der Kriminalpolizei mitgeteilt hatte erlantde bei einerGcgeuübrrstellung den einen der Verhafteten Ernst von Salomon als einen der beiden Männer wieder, die er unter so- I verdächtigen Umständen am Reichstag beob- I achtet hatte.

Schweidnitz, 28. September.

Bei einer vom Reichsbanner, der S. P. D. und den freien Gewerkschaften einberu,ene Kundgebung, zu der sich auch eine große An­zahl von Nationalsozialisten eingefunden halte kam eS zu ernsten Zusammenstößen. Die Gegner gingen mit Stühlen und Bierglasern auseinander lost. Die Saaleinrichtung. Fen­ster, Türen usw. wurden zertrümmert. Mehr

Die Nationalsozialisten hielten am Freitag _ , -z

abend eine von etwa 600 Parteiangehörigen DlS

Eingang des Lokals zu einer heftigen Schläge- I der Rheinlandkommi.sion nach ihrem Umzug

Handlungen sicherung haben sich ledigung dieses Pn------- ------ - . . ,

den Reichstagssession keineswegs gebessert, vtcl- mehr hat man jetzt erst recht Grund zu einer pessimistischen Beurteilung der Lage, die auch

überall waltet.

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volks- Partei hat gestern nach mehrstündiger Bera­tung, die in Gegenwart von Dr. Stresemann und Dr. Curtius stattfand, eine

Entschließung gefaßt, in bet die bisherige Auffassung noch einmal bestätigt wird, also jätet Kompromitzweg abgelehnt und aber­mals betont wird, datz nach Anficht der Voltspartei eine Reform und Sanierung der Finanzen der VerficherungSanstalt auch ohne Beitragserhöhung möglich fei.

Macdonald erklärte vor der Abreise nach London: Ich erwarte nicht, daß mein Aufent­halt in Washington zum Elntreien einer sen- sationellen Wendung führt. Ein Grund dafür ist der, daß die lausenden Verhandlungen über die Abrüstung zur See soweit gefördert sind, daß sie nun auf die breitere internationale Plattform gebracht werden müssen. Wenn al­les gut geht, wird bald nach Neujahr eine Fünfmächtekonferenz abgebalten werden Wenn sie erfolgreich ausgeht, wird sie der Vorberei- tenben Abrüstungskommission des Völkerbun­des einen ins Gewicht fallenden Beitrag für die Abrüstung zur See liefern. Die Vorberei­tende Abrüstungskommission würde dann die Möglichkeit haben, ihre allgemeinen Arbeiten fortzusetzen, und es wird später dem Völker­bund möglich sein, die allgemeine internatio­nale Abrüstungskonferenz einzuberufen.

Baldwin sprach gestern in Downingstreet vor, um Macdonald persönlich eine gute Reise und guten Erfolg zu wünschen. (Auch ein Bei- trag zu dem Thema, das unser heutiger Seit« arnkel behandelt! D. Red.)

In der Generalversammlung der Deutschen Luschansa sprach Direktor Milch über die im laufenden Jahre durchgesübrten Rationallsie- rungsmaßnahmen. Die Leistung des Betrie­bes war um zehn Prozent geringer als im Vorjahre, das Programm von 9,3 Millionen Betriebskilometer konnte im wesentlichen durch- geführt werden. Die Sicherheitsfrage wurde tu personeller und materieller Hinsicht energisch bearbeitet, sodaß die Zahl der Unfälle fortlau­fend gesunken ist. Technisch wird daran gear- beitet, künftig denFlug bei jedem Wetter, bei Tag und Nacht* zu ermöglichen. Der Verkehr mit großen Flugzeugen hat wefentllch zuge- nommen. 1071 Rachlslüge mit einer halben Million Betriebskilometer wurden zurnckgelegt. Im Personenverkehr hofft man eine Tarissen- fttng durchführen zu können, wenn die Fre- guenz entsprechend steigt.

als 50 Personen wurden teils schwer, teils I leicht verletzt. Mehrere Aerzte. verbanden I die Leichtverletzte« an Ort und Stelle. Eine Reche von Personen, die ernstliche Verletzun­gen davongetraaen hatte, wurde mit -anl' tätSautoS abtransportiert.

Hamkens auf freiem Fuhr

Berlin, 23. September.

Auf Antrag beS Rechtsanwalts Dr. Luetae- brune-Göttmgen sind Donnerstag vom Un­tersuchungsrichter beim Landgericht 1 Berlin, Landgerichtsdirektor Dr. Masur, die In der Bombenattentatsavgelegenhelt angeschuldigten Landvolkangehörigen Gutsbesitzer HamkenS Diplomlandwirt Muthmann und Siedler MattbeS aus der Haft entlassen worden. .Die Haftentlassung ist erfolgt weil ein drin­gender Tatverdacht an den >sprengstoffatten- taten bei diesen Anaeschuldigten nicht mehr vorliegt und im übrigen Fluchtverdacht nicht mehr begründet ist.

desGraf Zeppelin".

Friedrichshafen, 28. September.

Das Luftschiff »Graf Zeppelin", daS ge- stern nachmittag von seiner zweiten Schwetz- sahrt zurückgekehrt ist, ist beute um 8 Uhr bet ziemlich nebligem Wetter zur dritten Schwei- zer Fahrt aufgestiegen. Kapitän Lehmann hat bie Führung des Schiffes übernommen, da Dr. Eckener durch die Sitzungen der De- lag, die heute früh im Kurgarten-Hotel in Friedrichshafen stattfindet, an der Fahrt ver­hindert ist. Das Schiff fchlug ungefähr den­selben Weg ein tote bei den bisherigen Schweizer Fahrten. An der heutigen Fahrt nahmen 31 Passagiere teil.

gen war und Ist. \

?ür uns. die wir in einem Staate leben, em die Maschinerie des Parlamentaris­mus noch recht viele Betriebsunfälle erleidet, klingt daS Pittsche Wort beinahe tote eine Vermessenheit. Aber es kann auch bei uns nicht oft genug betont werden, daß der Par­lamentarismus feine stärkste Wirkung aus dem Wechselspiel zwischen Regierungsparteien und Opposition zieht. In diesem Kampf der Meinungen klären sich bie Ideen, werden neue fruchtbare Anregungen geboren. Vor­aussetzung dafür ist freilich, dass Seiten der Wille zur schöpferischen Tat uns zum Dienst an der Allgemeinheit vorhanden Ist Inb noch eins muß in diesem Zusammen­hänge erwähnt werden: Eine sachlich geführte Opposition, die nicht nur trn parteipolitischen Egoismus aufgeht, kann gerade auch In außenpolltifchen Fragen die Stellung der Re­gierung im Auslande stärken, sie gtbt den Staatsmännern nicht selten Karten In die Hand, die von diesen im großen dtplomati- chen Spiel vorteilhaft ausgesplelt werden : önnen.

Wir wissen, datz bei uns parlamentarische Theorie und parlamentarische Praxis noch in starkem Widerspruch stehen, und gerade in diesen Wochen unseres Mißvergnügens haben wir diese Mängel reckt schmerzlich empfunden. Wo hapert es bet uns? Die Regierenden na­gen die Parteien, bie nach ihrer Ansicht eine unsachliche Opposition betreiben, an, unb die Oppositionellen schieben ber Regierung und ihren Parteien bie Schuld für bie Mißstände in die Schuhe. Die Wahrheit wird auch hier zwischen den beiden Behauptungen liegen.

Wenn man die Betriebsunfälle, die Mal- heurchen, bie bet uns ber Parlamentarismus erleibet, untersucht, stößt man bet den Regie­rungsparteien und bet ber Opposition auf bie gleichen Konstruktionsfehler. Auf beide» Sei­ten hat sich jener leidige .Partettsmus breit» gemacht, ber alle Dinge vom Standpunkt des parteipolitischen Geschäftes aus betrachtet. Dieser Egoismus, ber im deutschen Partei­leben leider die treibende Kraft ist, verhindert bie Bildung starker geschlossener Fronten. Es ist sattsam bekannt, tote schwierig es bet uns ist, eine Regierungskoalition zu bilden, unb bie Erfahrungen ber letzten Wochen haben uns erneut gelehrt, daß die Aufgabe, eine Koalition zusammenzuhalten, nicht einfacher ist. Eine undankbare Arbeit, die soviel Strafte verzehrt, daß für bie Durchsetzung positiver Ziele nicht viel Energie mehr übrig bleibt. Nicht anders als auf der Regierungsseite lie­gen bie Dinge aber auch bei ber Opposition.

Noch eine andere Beobachtung trifft für alle Parteien gleichmäßig zu. Die Beobachtung nämlich, daß das Parteileben gegenwärtig im Zeichen einer starken Beunruhigung steht. Die Schwierigkeiten, mit denen bie deutschen Par­teien zu kämpfen haben, sind auf gewisse Strukturwanblungen zurückzuführen. Die Parteien im alten konstitutionellen Staate waren ausgesprochene Weltanschauungspar- teten. Das Parteiprogramm, diese Umschrei­bung der leitenden polltiscken Idee, war mehr als ein Blatt Papier. Es bestimmte tatsächlich das Handeln der Partei. Aber schon damals kündigte sich der Umbildungsprozeß leise an, der bann in der NachkriegSielt, in der die wirtschaftlichen Sorgen unb Nöte immer mehr in den Vordergund traten, gewaltige Fort­schritte gemacht bat. In immer stärkerem Maße wurden die bisher weltanschaulich eiw gestellten Parteien zu Organisationen, die sich in den Dienst Wirtschaftlicher Gruppen stellten' die Parteipolitik wurde, wie man mit Recht gesagt hat. Immer fester mit der Interessen« Politik verknüpft. Dieses UebergangSstadiunt ist heute noch nicht nbettounben. unb berartigi UebergangS jetten pflegen immer Zeiten bei Unruhe unb Unsicherheit zu sein.

Die Verhandlungsführer der Deutschen Volkspartei würben beauftragt, auf dieser Li­nie weiter zu operieren, bie also jede Annähe- rung an bie Sozialdemokratie ausschließt. Schlägereien zwei Personen leicht verletzt. Wenn im Reichstag das sogenannte Hauptgesetz 1 zur Debatte steht, wird die Fraktion ihre von früher her bekannten Anträge dazu stellen; sie totrb ferner sowohl die Hauptvorlage, als auch das sogenannte Sondergesetz als unzu­länglich ablehnen. Es ist aber mit der Mög­lichen zu rechnen, daß für die Haupworlage eine Mehrheit gegen die Volkspartei zustande- kommt, während für die Sondervorlage Wohl überhaupt keine Mehrheit vorhanden sein dürfte. Mit einer solchen Teilreform ist die Deutsche Vollspartei aber wiederum nicht ein­verstanden, wird aber in diesem Punkte vor- aussichttich überstimmt werden. Man glaubt «nicht, datz aus diesem Auseinandersall oalttion eine Wirkliche Krise entstehen

I Parlamentarische Betriebsunfälle

w. P. William Pitt soll einmal gesaat haben, wenn er keine Opposition hätte, so würde er sich eine schassen. Das ist ein Wort, das an die Lebensbedingungen und die Le- benSnotwendigkelt des Parlamentarismus rührt. ES wurde ausgesprochen von einem Mann, der die Führerqualitäten, die den gro­ßen Staatsmann machen, besaß, und ver­gessen wir es nicht es gibt eine Erkenntnis wieder, die den idealen parlamentarischen Ver­hältnissen Englands abgewonnen wurde. Die­ses Englands, baS im 18. Jahrhundert so gut Wie heute in der politischen Erziehung seiner Bevölkerung allen anderen Landern uberle-

Macdonalds Abreise nach Amerika

Eigene- Drahtbericht

wird.

Die Besprechungen, die ber Reichskanz­ler gestern mit mehreren Ministern unb Par- I teifübrern gehabt hat, sind zwar rein informa­torischer Natur. Es handelt sich in erster Linie um eine Aussprache mit bem Flnanzmt- I nrster Dr H i l f e r b i n g, bann um eine Unter- rebung nv den beiden Zentrumsverttetern I GuLrcrd und Brüi ing, weiter um eine Besprechung mit Stresemann und schließ­lich wurden am Abend noch bie beiden sozial­demokratischen Abgeordneten WelS und Aus­häuser vom Kanzler empfangen. Der Kanz­ler wollte zunächst in 3ild von der Stellung der Parteien gewinnen und heute soll in einer gemeinsamen Ministerbesprechung versucht wer- ! den einen Ausweg zu finden.

Man bat jedoch wenig Hoffnung, daß etwas anderes als bestenfalls die Annah­me einer Teilreform zustandekommt, aber auch daS ist fraglich, weil da die wenigen Tage der Reichstags-Session kaum ausrei- chen werden, um die beiden Vortagen ge schästSordnungSmäßig in alle» drei Lesun­gen zu erledigen. Die Beurteilung der Ge­samtlage ist daher in varlamentarischen Kreisen durchaus pessimistisch.

Der .Vorwärts" begnügt sich heute ange- stchts dieser gestrigen Besprechungen mit einer kurzen Bemerkung, die dahingeht, es be­stünden jetzt zwei Möglichkeiten, entweder würde die Beitragserhöhung (also die Son­dervorlage) von einer knappen Mehrheit ans der Weimarer Koalition und der Bäuerischen VollSpartei angenommn oder von einer an­deren Mehrheit, auS Deutscknatwnalen. VollSpartei. Nationalsozialisten. Kommunisten etc. abgelehnt. In diesem zweiten Falle würde, wie baS Blatt meint dieser Ableh nungsmehrheit bie Ausgabe zufallen. die Re- form ebne Beitragserhöhung positiv zu geRat­ten. Leider wird nicht gesagt tote sich bie Sozialdemokraten zu einem solchen Versuche rinstellen würden.

Der Ritz in der Koalition

(Bon unferem Berliner Vertreter.)