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Meier Neueste Mächten

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Kritik an Hoovers Flottenpolitik

Demokratischer Dorstoß im amerikanischen Senat / Die Untersuchung des Falles Shearer

Die in den ersten Tagen der Bölkerbunds- Versammlung mit so großen Worten angekün-

Bewahrung und Sicherung der Stiebens, baS ist hier der große Schrei und die immer wiederkehrende Wendung in allen Reden und Dokumenten. Die Niederlage der Besiegten von 1918 war so groß, daß sie ganz gewiß auf Jahrzehnte hinaus dar

allergrößte Interesse daran haben, bett Frieden zu erhalten und aufzubauen, waz zerstört wurde. Aber haben nicht aus anderen Grün­den die Si e g e r ebenfalls ein wirkliches und sehr erklärlicher Interesse an der Erhaltung und Sicherung der Friedens? Denn Herr Briand jetzt die Bereinigten Staaten von Europa propagiert, so weiß er, daß er auch in diesem schönen Zukunftsideal Vas oberste und wichtigste Ziel jedes nationalen Franzosen ver­tritt: Erhaltung und Ausbau der Früchte des Sieges im Weltkriege. In P o l e n ist der überzeugteste Pazifist gleichzeitig vielleicht ohne sich selbst darüber ganz klar zu sein, der größte Rationalist, denn er wünscht nicht nur die Erhaltung deS auf unrecht Gut aus- gebauten Besitzstandes von 1919, sondern hält eS für selbstverständlich, daß Danzig in fried­licher Durchdringung eines Tages ebenfalls polnisch werden muß und daß das Deutschtum in Polnisch-Oberschlesien weiter zurückgedrängt wird. Wenn diesmal auf den chinesischen Antrag hi» die ersten schüchternen Versuche ge­macht wurden, dem Revisionsartikel 19 des Völkerbundes zunächst formal wenigstens die Möglichkeit der Anwendung zu geben, so sieht man, wie der Vertreter Rumäniens Herr TituleScu, sich anfangs auss Aeußerste sperrt, de» chinesischen Antrag überhaupt in einer Kommission deS Völkerbundes zur Ver­handlung zu stellen, wie er dann der Führer einer Opposition wird, die schon in der D t S. kussion dieses Artikels eine Gefährdung ihre- 1919 erlangten vergrößerten territorialen Besitzstandes erblicken. Als Briand sein pan- europäischeS Frühstück gab, war eS der jugo- slawische Außenminister, der sofort die Forderung aufstellte, das paneuropäisch« Pro­jekt habe keineswegs nur wirtschaftliche, son­dern sehr wohl auch politische Seiten, d. h. er erstrebte die europäische Garantie des jugosla­wischen Besitzstandes gegen Italien. So steckt in den hier so beliebten RufenVive la paix, la paix dabord* gewiß ein ehrliches und positives Verlangen, an der weiteren Sicherung des Friedens mitzuarbeiten, aber doch aleichteitig das im höchsten natio­nalen Interesse der siegreichen Staaten liegende Ziel, die Frucht von 1919 völkerrecht­lich durch immer neue Verträge zu sichern und die Besiegten in ihrer gedemütigten Lage fest­zuhalten.

tige Stadt zu räumen. Da der Vormarsch der Truppen Tschangfatwais nach den vorliegends» Meldungen noch nicht zum Stillstand gekom­men ist, besteht die Gefahr daß es in der Nähe der Stadt Jtschang zu Kämpfen zwischen den Truppen Tschiangkaischeks und denen des auf­ständischen Generals kommen könnte. Bei Jtuh haben bereits gestern kleinere Gefechte zwischen den Soldaten Tschangfatwais und den Streit­kräften eines von Rauling entsandten Gene­rals stattgesunden, in bereit Verlaus die Regie­rungstruppen entwaffsnet wurden.

Die neue Bewegung gegen die Nanking­regierung scheint diesmal mit größerer Energie und Entschlossenheit geführt zu werden als die damalige Aktiv» bet Kwangsitruppen.

Wie aus Moskau weiter gemeldet wird, find in den Gebieten von Chabarowsk und Wladiwostok die Jahrgänge 1905 und 1906 ein­berufen worden. Die Einberufenen sollen als Armierungstruppen bei der Sonderarmee Blücher Verwendung finden. In Chabarowsk wurde eine Kundgebung veranstaltet, auf der General Blücher ankündigte, daß seine Armee an der Grenze überwintern werde.

Die ersten Schüsse

im Bürgerkrieg

Hongkonk, 24. September.

Um internationale Konflikte im Zusammen­hang mit bet Revolte des chinesischen Generals Tschangsatkwai zu vermeiden, haben die engli­schen und amerikanische» Einwohner von Jtschang Befehl erhalten, diese strategisch wich-

Zum viertenmal wgr jetzt eine deutsche De­legation in Gens zur Völketbundsversamm- lung. Wieder einmal hieß es, sich von den heimischen TageSsorgen frei zu machen und tn dem hier verlangten »esprit international an den Arbeiten des Völkerbundes teilzunehmen. Das ist schon für Delegationen anderer Lander nicht leicht, jür die deS besiegten Deutschland besonders schwer. Sosort stellen sich Har die Fragen: Ist dieses Genf eine Welt für sich? Ist es eine Scheinwelt ober Wirklichkeit? Wo liegen für einen Vertretet des Deutschland von lS29-Ptaktische Möglichkeiten, die tiefgefühlten eigenen nationalen Wünsche so zu formen und in die Wünsche der Allsemeinheit einzuordnen. daß die Gegenseite mitmacht und von wirk- licher Zusammenarbeit gesprochen wer- den kann? Drei Tatsachen heißt eS sich hier immer vor Augen halten: Trotz schnellster Fortentwicklung des formalen Völkerrechts regiert weiter die Macht in der Welt. Das vae victis wehe den Besiegten ist zwar im Lause der NachkriegSjahre allmählich über­tüncht, aber real doch noch sehr wirksam vor- Hande». Die Größeren, die militärisch und wirtschaftlich Stärkeren und Gesunderen haben mehr*zu sagen als die Schwachen. Ein Zwei­tes: Auch die glühendsten Freunde und Anhän. get des Völkerbundes denken gar nicht daran, ihre in der Einrahmung internationaler For­mel» und Floskeln vorgetragenen nationalen Ziele schmälern zu lassen, geschweige denn aufzugeben. Ein Drittes: Trotz alledem ist bet Völkerbund in den zehn Jahren seines Bestehens so erstarkt, et hat bereits etn solches System von positiven internationalen Bindungen und Verbindungen aller Art ge- schaffen, daß vieles von dem, was heute tn Genf besteht, sich fo leicht nicht wieder auf- lösen ober aufhöten wird.

Schanghai, 2-» btember.

Die Lage im tuffisch-chinesisu, .n Konflitt über die Oftchinesische Eisenbahn ist im Augen- blick völlig undurchsichtig. Die Nanking-Regie­rung besteht allem Anschein nach darauf, daß die Verhandlungen zwischen russischen und chinesischen Bertretern ohne irgendwelche Be­zugnahme auf das Abkommen vom Jahre 1921 durchgeführt werden sollen, wie auch ohne vor- herime Einsetzung eines russischen Direktors bei der Bahn.

Nach Meldungen aus japanischer Quelle soll die Mukden-Regierung eine Rote des russi­schen Außenministers Katachan erhalten haben, in der angedtoht wird, die russischen Truppen werden bei Nichterfüllung der russischen For­derungen durch China die gesamte Ostchinesi­sche Eisenbahn besetzen.

Nur wer diese Gedanken bis zu Ende durch­denkt, kann die Haltung der Siegetstaaten in der Abrüstungsfrage verstehen. Der Vorstoß Lord Robert Cecils in der Richtung auf eine neue Beratung der vorbereitenden Kommission nach bestimmten auf wirkliche Rüstungsherab­setzung abzielenden Richtlinien stieß auf här­testen Widerstand. Doch während hier im Völ­kerbund Rede auf Rede und Akten auf Atten über Abrüstung gehäuft werden, ohne daß et­was geschieht, haben sich die beiden anaelsächsi- schen Weltmächte entschlossen, zunächst unter sich und außerhalb des Völkerbundes eine Ver­ständigung über eine Beschränkung der See- rüstung vorzunehmen. Der Optimismus Mac­donalds hat nicht getrogen. Großbritannien wird sich mit Amerika einigen und in Frage steht nur, inwieweit die schon sichtbaren Gegenzüge Frankreichs, Italiens, Japans die allgemeine Verständigung auf diesem Gebiete aushalten können. Gewiß empfinden wir Deut- sche über dieses praktische Resultat aus man­cherlei Gründen Befriedigung und Genug­tuung. Aber was würde es denn für Deutsch­land bedeuten? Wird nicht dieseAbrüstungs- Verständigung* wiederum nichts anderes fein, als die vertragliche Festlegung einer immer noch außerordentlich beträchtlichen Flottenstärke und deutet nicht dieser Vorgang schon daraus hin, was günstigsten Falles eventuell auf dem Gebiete der Landrüstung geschehen wird? Ist daS dieAbrüstung*, auf die Deutschland ein Recht hat? Ist das dann ein Zustand, in dem ein zwangsweise entwaffnetes Volk von 64 Millionen in der Mitte von Europa auf dft Dauer feine nationale Existenz und Unabhäw gigkeit wahren und verteidigen kann?

Washington, 24. September.

Einen heftigen Angriff gegen die gegenwär­tige Seeabrüstungspolitik der Vereinigten Staa­ten und die kommende Seeabrüstungskonferenz erlebte gestern der Senat. Der demokratifche Senator Mac Kellar schlug zu Beginn sei­ner Rede vor, die Bereinigten Staaten möchten das Washingtoner Abkommen, wenn es im Jahre 1926 einmal erloschen sei, nicht mehr er­neuern und für den Augenblick sollten sie keine neuen Abkommen eingehen, denn die gegen­wärtigen Verhandlungen liefen darauf hinaus, die Flotten-Parität mit England unmöglich zu machen.

Die gesunde Flottenpolitik für die Vereinig­ten Staaten würde darin bestehen, die größte Flotte zu bauen, ohne durch irgendeinen Per- trag gehindert zu sein. Er würde aber jedem Abkommen zustimmen, das die Möglichkcft für eine vollständige Flotten-Parität zwischen den Vereinigten Staaten und England offen ließe.

Ausruf zum großen Wettrüfteu

(Eigener Drahtbericht).

Shearers Brief

Die Untersuchung des Falles Shearer.

Washington, 24. September.

Bei den UntersuchungSverhandiungen des amerikanischen Senats ,in denen Shearer wegen seiner Tätigkeit als Beobachter in Genf ange- klagt ist, wurde der Brief Shearers ver­lesen, den er an die Bethlehem-Steel-Corpo- ration gerichtet hat und worin er die Zahlung von 200000 Dollar für geleistete Dienste der- langt, die er zu Gunsten seiner Werbearbeit für Marinerüstungen aufgewendet haben will, und womit er die Kriegsschifsbau-Jnbustrie gerettet habe. '

Shearer führt an, daß bet Erfolg seiner Tätigkeit bewiesen sei, da tatsächlich acht Zehn- tausenb-Tonnen-Kreuzer in Bau seien. Er nimmt ferner für sich in Anspruch, die See- abrüstungs-Konserenz zum Scheitern gebracht zu haben, ein Umstand, der bann im Kongreß zur Annahme der Flottenvorlage in Höhe von 740 Millionen Dollar geführt habe.

MffWe Drohungen

Eigene" Drahtbericht.

Betrachtungen am Genfer See

Von Staatssekretär z. D. v. Rheinbaben M. b. R.

Rardinal Dubois f

Paris, 24. September.

Der Erzbischof von Paris. Kardinal Du­bois, ist gestern abend 17 Uhr 20 gestorben, nachdem er zwei Stunden im Todeskampf ge­legen und das Bewußtsein verloren hatte. Alle Familienmitglieder und zahlreiche kirch­liche Würdenträger waren um das Sterbelager versammelt.

Dubois, 1856 in St. Calais (Dep.Sarthe) geboren, war feit 1920 Erzbischof von Paris. Er nahm zunächst eine vermittelnde Haltung zwischen Regierung und Kirche ein, bekämpfte aber später heftige die »Action Fran^aise" und erließ sogar 1926 ein Edikt gegen diese unter Androhung der Entziehung der kirch­lichen Gnadenmittel.

eingesetzt, der Vertreter aller in Betracht kom­menden Schichten und Berufe umfaßt und der der deutschen Delegation stets mit seiner Sach­kenntnis und seinen Ratschlägen zur Sette ste­hen soll.

Wiesbaden, Locarno ober Lugano?

Um den Tagungsort der Reparationsbank- Verhandlungen.

Paris, 24. September.

Petit Parisien" berichtet heute, daß die Verhandlungen Über den Tagungsort des Or­ganisationskomitees der Internationalen Zah- kungsbank ihrem Ende entgegengehen und daß in den nächsten Tagen die Entscheidung fallen werde.

Das Blatt glaubt zu wissen, daßvon italie­nischer Sette stark gegen die Wahl Wiesbadens als Tagungsort opponiert werde. Man nehme an, daß wahrscheinlich Locarno oder Sugano als endgültiger Tagungsort in Frage komme.

rkönigftein frei!

Königstein, 24. September.

Das hier stehende zweite Bataillon des Leicestershire Infanterieregiments hat gestern mittag mit einem Sonderzuge Königstein ver­lassen und die Rückkehr in die Heimat angetre- ten. Damit ist Königstein nach nahezu elfjäh­riger Besetzung wieder frei von stemden Trup- pen. Bis zum 1. Oktober bleibt nur noch ein aus wenigen Personen bestehendes Abwick- lungskommandv hier, daS die letzten Heber- gäbe- und Abrechnungsformalitäten zu erledi­gen hat.

Der Abzug der etwa 600 Mann starken Truppe erfolgte programmäßig ohne jeden Zwischenfall. Um 12 Uhr 30 stellten sich die Truppen auf dem Kasernenhof auf. Um 12 Uhr 50 erfolgte der Abmarsch zum Bahnhof unter den Klängen der Regimentskapelle. Fast gleich- zeitig setzte strömender Regen ein, der bis zum Abgang deS Zuges anhielt. Zuschauer gab es nur wenig.

Schlutzarbeiten in Genf

Genf, 24. September. Die Vollversammlung nahm gestern den Bericht über die gesamte Wirtschaftsarbeit, dessen Hauptteil die Einlei­tung von Vorbesprechungen zwischen den Re- gierungen über einen zwei- bis dreijährigen Zollfrieden ist, an.

In der Abrüstungsfrage kam es zu dem erwarteten unbefriedigenden Ausgang. Der vo» der Kommission ausgearbeitete Bericht gibt nur die Ansichten der franzöfisch-italie- Nischen Gruppe wieder und tut die Cecil- scheu Argumente mit einem einzigen Satz ab. Die Frage der Internationalen Zahlungsbank wurde aus den Debatten der Versammlung vollständig ausgeschaltet, indem ein Vorschlag Loücheurs angenommen wurde, nur die steno­graphischen Berichte über die Debatten an die Sachverständigen der einzelnen Regierungen zu übermitteln.

Die Frage wegen dez Revisionsartikels 19 des Völkerbundspaktes geht heute an di« Ju- ristenkommission,. nachdem man sich gestern zu einer Entschließung durchgerungen hat, die nur eine Umschreibung des bisherigen Inhalts deS Artikels 19 darstellt.

Deutsche Vorbereitungen für die Saarverhandlungen

Heidelberg, 24. September.

Gestern hat hier über die bevorstehenden Saarverhandlungen in Gegenwart des Leiters der deutschen Delegation, Staatssekretär z. D. v. Simfon, eine eingehende Aussprache zwi­schen Vertretern aller Beteiligten Behörden des Reiches, Preußens und Bayerns mit den Ver­tretern der politischen Parteien und aller Wirt- schaftskreise des Saargebietes stattgefunden.

Die Aussprache ergab vollkommene Einiq- keit über das Ziel der kommenden Verhand­lungen. Im Interesse der engsten Zusammen- arbeit zwischen der deutschen Delegation und dem Saargebiet wurde ein kleiner Ausschuß