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Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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China vor neuen Wirren?
Reue MMSrrevoNe gegen die Nankingregierung / Schwere Nordwestlich me über der deutschen Bucht
Große Bestürzung in Kanton
Eigene" Drahtbericht.
London. 23- Sept.
Ein neuer chinesischer Bürgerkrieg schein« nach Den hier einlaufenden Meldungen nn- mitlelbar bevorzustehen Der frühere Befehlshaber der 4. Division General Tschangfatkwri hat sich in der Provinz Honau gegen die Nan- Nngregierung erhoben und f«B in südlicher Richtung von Schanghai aus auf die Schau tungprovinz marschieren, wo er sich mit den Streitkräften der Kwangsie-Partei vereinigen will und dann einen Angriff auf die Stadi Santo« unternehmen dürfte.
Zur Niederschlagung dieser plötzlich ausge- bracheneu Revolte gegen die nationalistische Regierung ha« Präsident Tschiangkaischek den zentralchinesischen Streitkräften Befehl erteilt, sich den Aufständischen in der Provinz Honau entgegenzustellen.
In Kanton herrscht große Panik. Die Behörden haben dringend um Beistand und Hilfe in Nanking gebeten. Die Armee Tschangfat- kweis bildete seither das Rückgrat der Truppen Tschiangkaischeks.
Moskau, 23. September.
Nach einer Meldung aus Tschita zerschlugen Sowjettruppen bei Nertschinsk an der chinesischen Grenze am 20. September eine aus der Mandschurei eingedrungene Weißgardistische Bande, die elf Tote zurückließ. Bei Mandschu» ria und Progranitschnaja wurden Soimet- grenzwachen am Freitag und Sonnabend wiederum von chinesischen Truppen beschossen, die an einigen Stellen in das Sowjetgebiet eingedrungen waren.
Rußlands „Friedenspolitik"
Kowno, 23. September.
Wie aus Moskau gemeldet wird, sprach am Sonnabend auf der Moskauer Parteikonferenz der Vorsitzende des Rates der Volkskommiffare der Sowjet-Union R y k o w über die internationale Lage der Sowjet-Unton.
Er erklärte in feiner Rede, daß die Regierung der Sowjet-Union eine Politik des Friedens allen Völkern, besonders allen Nachbarstaaten gegenüber verfolge. Der russischchinesische Streit beweise, daß gewisse politische Gruppen daran interessiert seien, einen Krieg gegen Rußland zu organisieren. Der russisch- chinesische Krieg werde, wenn er ausbreche, der Auftakt zu einem Weltkriege sein.
Die Sowjet-Regierung verlange die Wiederherstellung des früheren Zustandes an der chinesischen Ostbahn. Sie hoffe, daß in den am Dienstag in London beginnenden Verhandlungen der russisch-chinesische Streit endlich einmal aus der Welt geschafft werde.
Genfer Abrüstungs-Fiasko
Genf, 23. September.
Die Arbeiten der Völkerbundsversammlung sind bei dem in den letzten Tagen eingeschlagenen Tempo ihrem Ende ein gutes Stück näher gebracht worden. Es ist damit zu rechnen, daß bis zum Mittwoch abend die Vollversammlung und bis zum Donnerstag abend der Völkerbundsrat ihre Genfer Septembertagung abschlietzen können.
Die AbrüstungSbesprechunge« endeten, wie vorauszusehen «ar, mit einem Fiasko. Lord Robert Cecil zog seine von ihm eingebrachte Resolution zurück und schließlich wurde eine von dem griechischen Vertreter Politis eingebrachte Resolution angenommen. wonach das ganze Abrüstungs Problem zur Weiterberatung an die Ab> rüstungsvorkommission überwiesen wird.
Auch die Frage der zu gründenden Internationalen Zahlungsbank gab Veranlassung zu einer ausgedehnien Debatte. Der deutsche Vertreter Tr. B r e i ts ch e i d wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen den polnisch-norwegischen Vorschlag auf Unterstellung der Reparationsbank unter den Einfluß des Völkerbundes. Von einer solchen Maßnahme fei in dem im Haag zustande gekommenen Protokoll mit keinem Wort die Rede und er könne sich nicht denken, daß sich der Völker
bund eine Einflußnahme auf dieses Institut sichern wolle, nachdem er sich seither auch jeder Einflußnahme aus die Beziehungen zwischen Deutschland und seinen früheren Gegnern, soweit sie den Versailler Vertrag angingen, ent- halten habe. Auch der französische Vertreter Loucheur setzte sich für die unabhängige Stellung der Internationalen Bank ein, womit die Frage für den Völkerbund vorläufig erledigt sein dürfte.
Italienisch - französische Einheitsfront?
Frankreich und der Panzerkreuzer «.
Paris, 23. September.
Der Genfer Berichterstatter der „Chicago Tribüne" (Pariser Ausgabe) berichtet, daß private Besprechungen zwischen der französischen und italienischen Regierung eingeleitet worden seien, um eine Einheitsfront zwischen beiden Mittelmeermächten gegenüber den Vereinigten Staaten und England, im Hinblick auf die kommende Fünf-Mächie-Konferenz her- K"’ "en. England habe mehr größere Kampf- int Mittelmeer als Italien und Frankreich zusammen.
Wie der Berichterstatter weiter meldet, verlange die französische Regierung, daß man dem neuen deutschen Schlachtschiff, das in Marinekreisen so ungeheures Aussehen erregte, besondere Beachtung schenke. (Demgegenüber dürfte es von Interesse sein, was — der gleichen Zeitung zufolge — htzhe amerikanische Marineoffiziere über den Panzerkreuzer » zu sagen haben. Der neue deutsche Kreuzertyp werde nicht den geringsten Einfluß aus die Seeabrüstung haben. Deutschland habe diesen Typ nur deshalb entwickeln müssen,
Hamburg, 23. September.
Der schwere Nordweststurm am Sonnabend und Sonntag hat überall in der Nordsee schweren Schaden angerichtet. $tr Wasserspiegel der Oste stieg um mehrere Meter. Die Deichweiden standen vollständig unter Wasser. Das Vieh mutzte sich auf höher gelegene Stellen flüchten, wo eS bis znm Leibe im Wasser stand.
Drei Motorschiffe wurden durch den Sturm »om Anker losgeriffen und gerieten in den An- tzendeichen fest. Das Motorfchiff „Albatros" geriet in Brand und wurde völlig vernichtet.
Wie aus Stade gemeldet wird, hat der Sturm auf der Unterelbe und besonders Über der Elbinsel Grausand verheerend gehaust. Der Autzendeich war vollständig überschwemmt, sodaß die Bohnenernte abgeschwemmt wurde. Die Landungsbrücke wurde völlig zerstört. (Weitere Meldungen siehe 3. Seite 2. Beilage.)
Ehrungen für Eckener
Madrid, 23. September.
Die Regierung Hai beschlossen, Dr. Eckener die Plus Ultra-Medaille, die höchste spanische Fliegerauszeichnung, zu verleihen.
Rewyork, 23. September. Bei dem deutschen Turn- und Sporttag im Lewistohnstadion zu Ehren Dr. Eckeners und zum Gedächtnis Hünr- felds wurde Bürgermeister Walker eine Hüne- feldplakette überreicht. Anwesend waren u. a. Generalkonsul von Lewinski. An der Deranstal- tung nahmen zahlreiche deutsch-amerikanische Sportkreise teil. *
Auf dem Fahrtprogramm deS „Gras Zeppelin" stehen, wie nunmehr im einzelnen feststeht, folgende Fahrten: Am 25. oder 26. September Fahri in die Schweiz. 28. oder 29. September achtstündig« Süddeutschlandfahrt. 5. oder 6.
weil der Versailler Vertrag ihm den Bau von Großkampsschifsen verbiete.)
Ins französische Stammbuch!
Pari», 23. September.
Ein Vertreter des „Matin" hatte in Koblenz eine Unterreduna mit dem ReichSkommiflar für das besetzte Gebiet, Freiherrn von Simmern, der erklärre, er könne die Versicherung abgehen, daß es bei der Räumung der zweiten Zone nicht zu Zwischensällen kommen werde. Er sei grundsätzlich Anhänger der Locarnopolitik, er weise aber auf zwei Angelegenheiten hin, die der Annäherung nicht ge- rade dienlich sein könnten, und zwar handele «S sich um einen von dem franzöuschen Kriegsgericht verurteilten Feldhüter in der Pfalz und um einen jungen Geistlichen, der in Unkenntnis einer Verordnung der Rheinland- kommission junae Leute mit Trommeln und Pfeifen an sich vorüberziehen ließ. Solche Urteile machten auf die Bevölkerung einen äußerst peinlichen Eindruck und müßten im Interesse einer Verständigung vermieden werden.
Lutfpannung in Oesterreich
Wien, 23. September.
Sonnabend nachmittag 5 Uhr fand auf dem Heldenplatz in Wien die angekündigte Kund- gebung der veimwehr und deS Heimalbundes statt. Die Beteiligung war sehr stark; die Schätzungen der Deilnehmerschaft schwanken zwischen zehn- und zwanzigtausend. Als Hauptredner trat der erste Bundesführer Dr. Steidle auf, der einen überaus gemäßigten Ton anschlug und im wesentlichen sagte, daß die Heimwehr nicht daran denke, mit Gewalt- Mitteln, etwa durch einen Putsch oder den Bürgerkrieg Aenderungen der bestehenden Verhältnisse im Staate herbeizufuhren. sondern daß sie durchaus im Rahmen der Legalität und auf dem Boden des Parlaments beharren wo!
ahtberichy.
Oktober Schlesien—Berlin—Ostpreußen und am 10. Oktober 14-stündige Hollandfahrt.
politische Ausammenstötze in Berlin
Berlin, 23. September.
Bei einem Propagandaumzug, den die Nationalsozialisten Sonntag mittag durch Neu- kölln und den Südosten der Stadt veranstalteten, kam es an verschiedenen Stellen zu Zusammenstößen zwischen den Teilnehmern und politisch Andersdenkenden, bei denen die Polizei eingreifen mutzte. Ms der Zug die Luisen- brücke passierte und dort ein Gedränge entstand, fielen mehrere Schüsse, durch die aber niemand verletzt wurde. Die Polizei nahm neun Angreifer fest. Bei einem von ihnen sand man eine Schreckschutzpistole, aus der, wie fest- gestellt, zwei Schüsse abgegeben worden waren
Auf dem Spreewaldplatz am Görlitzer Bahnhof wurde ein Privatkraftwagen, in dem der Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels und vier andere Nationalsozialisten satzen, von Andersdenkenden anqehalten. Im Verlause der Auseinandersetzungen wurden auf beiden Seiten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Polizei nahm den Abg. Dr. Goebbels und die übrigen Insassen des Autos fest und führte sie der Ab. teilung la des Polizeipräsidiums zu. Gegen Abend wurden die Verhafteten wieder freige- lassen. Wie festgestellt wurde, war das Auto, in dem Dr. Goebbels und feine Parteifreunde saßen, von politisch Andersdenkenden scharf be» drängt worden, worauf einer der Infassen deS Wagens Schüsse aus einer Schreckschutzpistole abgab.
Auch in anderen Stadtteilen kam es zwischen Angehörigen verschiedener politiskher Richtun- gen zu Zusammenstößen. In Schöneberg wurden gestern abend 80 Kommunisten, die teilweise Rotfrontuniform trugen und verboten« Lieder fangen, festgenommen.
Km» Poimaü rulülttommeu?
Pari», Ende September.
Immer näher rückt der Augenblick, wo Herr Briand vor das Parlament treten mutz, um zunächst dessen Zustimmung zu dem Haager Abkommen zu erhalten. Und die Debatten tm Senat und in der Kammer werden sich nützt nur auf das bereits Geschehene (Houngplan und Rheinlandräumungsfristen) etftreden, sondern auch auf Zukünftiges, wozu vor allem die Lösung der Saarsrage gehört. Briand hat seine Politik bisher mit einer Mehrheit geführt, die schwer zusammenzustellen war und die ihm nicht etwa freudigen Herzens folgt Die „europäische" Politik Briands entspricht ja im Grunde mehr der Auffassung der Radikalsozialisten und der Sozialisten, als der „gemäßigten", eigentlich nationalistischen Mehrheit, aus der er notgedrungen sein Kabinett gebildet hat. Es zeigt sich hier einmal deutlich, daß tn den Fragen der auswärtigen Polittk nicht die Parteizugehörigkeiten, sondern Notwendigkeiten entscheiden, denen man sich nicht entziehen kann. Vom Standpunkt des prattischen Politikers kann man unterschreiben, was der „Temps" sagt: „Die Annahme des Haager Abkommens bedeute« keineswegs, daß man sich zu einer' Linkspolitik oder überhaupt zu einer Partei- Politik bekennt. Man beugt sich einfach vor dem Unvermeidlichen."
Es ist begreiflich, datz die Radikalsozialisten es einigermaßen schmerzlich empfinden, nicht in der Regierung »ertreten zu fein, wenn doch gerade eine Politik gemacht wird, die sie mitmachen müssen. Die bevorstehenden Debatten werden ihnen keine Möglichkeit geben, gegen Briand zu stimmen. Sie werden also für ihn stimmen müssen — ohne etwas dafür zu bekommen. Logischerweise müßte Briand feine Politik mit einer Linksregierung machen. Warum macht er sie nun mit einer Rechtsregierung? Einfach, weil die Linke zu fchivach und auch zu zerfahren ist, um ein haltbare» Kabinett liefern zu können. Man spricht zwar von einer Wiederherstellung des Kartells (Radikalsozialisten und Sozialisten), aber da man im besten Falle nur ca. 270 Stimmen zusammenbekommt, reicht es eben nicht. So wird man wohl als» bis zu den Wahlen von 1932 warten müssen, um die Herrschaft der »nationalen Einigung" zu stürzen. Wenn diese »Einigung" auch nicht immer ganz einig ist, so ist sie doch schon dadurch fester als die Linke, daß sie eben jetzt im Besitz der Macht ist. Dor allem aber wird die nationale Einigung durch die Furcht vor den Kommunisten zufammengehalten, während dieselbe Furcht spaltend auf das Verhältnis zwischen den Radikalsozialisten und den reinen Sozialisten wirkt.
Die sogenannten KonzentrationSbestrebun- gen, die dahin gehen, eine Regierungsbildung aus allen nicht-extremen Elementen — also unter Ausschluß von reaktionärster Rechten und revolutionärster Linken — zu bilden, haben ihren Ausdruck tn einer Rede gefunden, die der InnenmNiister Andrs Tardieu kürzlich hielt: Rechts und links, meinte er, seien überhaupt veraltete Begriffe, die in ein Verkehrsreglement, aber nicht in die Politik gehörten. Man müsse sich zur Verfolgung positiver Ziele einigen, und da sei ein jeder willkommen, der Mitarbeiten wolle. Es war eine Lockrede, um die Persönlichkeiten der Radikalsozialisten «mb der Sozialisten, die Lust auf MinisterportefeuilleS haben, und Anhang mitbringen, zum Eintritt in die Regierung zu bewegen. Aber vorläufig wagt doch niemand, diefer Lockung zu folgen. Bei den unsicheren Fraktionsverhaltnissenff ist kein Führer seines Anhangs sicher und der Neid zwischen den Gruppen ist zu groß. Di« Linke ist eben schwach und nicht aNionssShig. So gern man des englische Beispiel nachahmen möchte, man kann es hier nicht. An eine Arbei- terregterung ist in Frankreich überhaupt nicht und niemals zu denken.
Es wird no chviel von Krisen die Rede fein. Gewisse Verschiebungen sind auch möglich, etwas Grundsätzliches wird sich aber bis zu den Wahlen 1932 nicht ändern. Sollte die Sage bedenklich werden, so ist die Rückkehr von Poin- carL, der sich auf dem Wege zur vollständigen Wiedergesundung zu befinden scheint, gar nicht ausgeschlossen Der größte Teil des Volkes würde sie freubig begrüßen Er tat es immer verstanden, seinen perfönlichen, ja diktatorischen Willen in streng verfassungsmäßiger Form dur^usetzen. Er regiert mit der ewigen Vev»
Sturmschäden an der Rordseelüfte (Eigener Dr