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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Die Safleler Nenestrn Nachrichten erlchrlnen wSchentiich iechsmal nachmittag». Der «bee» uemcntsoret» betrag! für den Monat 2.30 X bei ireter Zuttellung ins ©auf, te bet <Se» ichäftsitclle abgedolt 2.10 X Durch die Post monatlich 2.S0 X ausfchlieftli» ZustellungSge. bühi. Rückzabluna des BeruasgeldeS oder «niorbche wegen etwaiger nickt ordunng». mätziger itiefernng «st ausgeickloffen ftür unverlangt einaeiandte «eitraae kann die Redaktion eine Beranrwortung oder Gewähr in keinem Halle übernehmen. L-ckristleitung, Verlag und Druckerei: «ofiel. Schlachibosstrahe Rr. 2H-30. Heruivr. 8601. 8602. 3603, 3604.

V<um:ntT 224 Einzelpreis: Wochentags 10 «kennt«. Montag, 23. September W29 Einzelpreis: Sonntags 20 «kennt«. LS. Jahrgang

China vor neuen Wirren?

Reue MMSrrevoNe gegen die Nankingregierung / Schwere Nordwestlich me über der deutschen Bucht

Große Bestürzung in Kanton

Eigene" Drahtbericht.

London. 23- Sept.

Ein neuer chinesischer Bürgerkrieg schein« nach Den hier einlaufenden Meldungen nn- mitlelbar bevorzustehen Der frühere Befehls­haber der 4. Division General Tschangfatkwri hat sich in der Provinz Honau gegen die Nan- Nngregierung erhoben und f«B in südlicher Richtung von Schanghai aus auf die Schau tungprovinz marschieren, wo er sich mit den Streitkräften der Kwangsie-Partei vereinigen will und dann einen Angriff auf die Stadi Santo« unternehmen dürfte.

Zur Niederschlagung dieser plötzlich ausge- bracheneu Revolte gegen die nationalistische Regierung ha« Präsident Tschiangkaischek den zentralchinesischen Streitkräften Befehl erteilt, sich den Aufständischen in der Provinz Honau entgegenzustellen.

In Kanton herrscht große Panik. Die Be­hörden haben dringend um Beistand und Hilfe in Nanking gebeten. Die Armee Tschangfat- kweis bildete seither das Rückgrat der Truppen Tschiangkaischeks.

Moskau, 23. September.

Nach einer Meldung aus Tschita zerschlugen Sowjettruppen bei Nertschinsk an der chinesi­schen Grenze am 20. September eine aus der Mandschurei eingedrungene Weißgardistische Bande, die elf Tote zurückließ. Bei Mandschu» ria und Progranitschnaja wurden Soimet- grenzwachen am Freitag und Sonnabend wie­derum von chinesischen Truppen beschossen, die an einigen Stellen in das Sowjetgebiet einge­drungen waren.

RußlandsFriedenspolitik"

Kowno, 23. September.

Wie aus Moskau gemeldet wird, sprach am Sonnabend auf der Moskauer Parteikonferenz der Vorsitzende des Rates der Volkskommiffare der Sowjet-Union R y k o w über die inter­nationale Lage der Sowjet-Unton.

Er erklärte in feiner Rede, daß die Regie­rung der Sowjet-Union eine Politik des Frie­dens allen Völkern, besonders allen Nachbarstaaten gegenüber verfolge. Der russisch­chinesische Streit beweise, daß gewisse politische Gruppen daran interessiert seien, einen Krieg gegen Rußland zu organisieren. Der russisch- chinesische Krieg werde, wenn er ausbreche, der Auftakt zu einem Weltkriege sein.

Die Sowjet-Regierung verlange die Wieder­herstellung des früheren Zustandes an der chinesischen Ostbahn. Sie hoffe, daß in den am Dienstag in London beginnenden Verhandlun­gen der russisch-chinesische Streit endlich einmal aus der Welt geschafft werde.

Genfer Abrüstungs-Fiasko

Genf, 23. September.

Die Arbeiten der Völkerbundsversamm­lung sind bei dem in den letzten Tagen einge­schlagenen Tempo ihrem Ende ein gutes Stück näher gebracht worden. Es ist damit zu rech­nen, daß bis zum Mittwoch abend die Voll­versammlung und bis zum Donnerstag abend der Völkerbundsrat ihre Genfer September­tagung abschlietzen können.

Die AbrüstungSbesprechunge« endeten, wie vorauszusehen «ar, mit einem Fiasko. Lord Robert Cecil zog seine von ihm eingebrachte Resolution zurück und schließ­lich wurde eine von dem griechischen Ver­treter Politis eingebrachte Resolution ange­nommen. wonach das ganze Abrüstungs Problem zur Weiterberatung an die Ab> rüstungsvorkommission überwiesen wird.

Auch die Frage der zu gründenden Inter­nationalen Zahlungsbank gab Veranlassung zu einer ausgedehnien Debatte. Der deutsche Vertreter Tr. B r e i ts ch e i d wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen den polnisch-nor­wegischen Vorschlag auf Unterstellung der Reparationsbank unter den Einfluß des Völ­kerbundes. Von einer solchen Maßnahme fei in dem im Haag zustande gekommenen Pro­tokoll mit keinem Wort die Rede und er könne sich nicht denken, daß sich der Völker­

bund eine Einflußnahme auf dieses Institut sichern wolle, nachdem er sich seither auch jeder Einflußnahme aus die Beziehungen zwischen Deutschland und seinen früheren Gegnern, so­weit sie den Versailler Vertrag angingen, ent- halten habe. Auch der französische Vertreter Loucheur setzte sich für die unabhängige Stellung der Internationalen Bank ein, wo­mit die Frage für den Völkerbund vorläufig erledigt sein dürfte.

Italienisch - französische Einheitsfront?

Frankreich und der Panzerkreuzer «.

Paris, 23. September.

Der Genfer Berichterstatter derChicago Tribüne" (Pariser Ausgabe) berichtet, daß private Besprechungen zwischen der französi­schen und italienischen Regierung eingeleitet worden seien, um eine Einheitsfront zwi­schen beiden Mittelmeermächten gegenüber den Vereinigten Staaten und England, im Hinblick auf die kommende Fünf-Mächie-Konferenz her- K" "en. England habe mehr größere Kampf- int Mittelmeer als Italien und Frank­reich zusammen.

Wie der Berichterstatter weiter meldet, ver­lange die französische Regierung, daß man dem neuen deutschen Schlachtschiff, das in Marinekreisen so ungeheures Aussehen er­regte, besondere Beachtung schenke. (Demgegen­über dürfte es von Interesse sein, was der gleichen Zeitung zufolge htzhe ameri­kanische Marineoffiziere über den Panzer­kreuzer » zu sagen haben. Der neue deutsche Kreuzertyp werde nicht den geringsten Einfluß aus die Seeabrüstung haben. Deutschland habe diesen Typ nur deshalb entwickeln müssen,

Hamburg, 23. September.

Der schwere Nordweststurm am Sonnabend und Sonntag hat überall in der Nordsee schwe­ren Schaden angerichtet. $tr Wasserspiegel der Oste stieg um mehrere Meter. Die Deichweiden standen vollständig unter Wasser. Das Vieh mutzte sich auf höher gelegene Stellen flüchten, wo eS bis znm Leibe im Wasser stand.

Drei Motorschiffe wurden durch den Sturm »om Anker losgeriffen und gerieten in den An- tzendeichen fest. Das MotorfchiffAlbatros" geriet in Brand und wurde völlig vernichtet.

Wie aus Stade gemeldet wird, hat der Sturm auf der Unterelbe und besonders Über der Elbinsel Grausand verheerend gehaust. Der Autzendeich war vollständig überschwemmt, so­daß die Bohnenernte abgeschwemmt wurde. Die Landungsbrücke wurde völlig zerstört. (Weitere Meldungen siehe 3. Seite 2. Beilage.)

Ehrungen für Eckener

Madrid, 23. September.

Die Regierung Hai beschlossen, Dr. Eckener die Plus Ultra-Medaille, die höchste spanische Fliegerauszeichnung, zu verleihen.

Rewyork, 23. September. Bei dem deutschen Turn- und Sporttag im Lewistohnstadion zu Ehren Dr. Eckeners und zum Gedächtnis Hünr- felds wurde Bürgermeister Walker eine Hüne- feldplakette überreicht. Anwesend waren u. a. Generalkonsul von Lewinski. An der Deranstal- tung nahmen zahlreiche deutsch-amerikanische Sportkreise teil. *

Auf dem Fahrtprogramm deSGras Zeppe­lin" stehen, wie nunmehr im einzelnen feststeht, folgende Fahrten: Am 25. oder 26. September Fahri in die Schweiz. 28. oder 29. September achtstündig« Süddeutschlandfahrt. 5. oder 6.

weil der Versailler Vertrag ihm den Bau von Großkampsschifsen verbiete.)

Ins französische Stammbuch!

Pari», 23. September.

Ein Vertreter desMatin" hatte in Koblenz eine Unterreduna mit dem ReichSkommiflar für das besetzte Gebiet, Freiherrn von Sim­mern, der erklärre, er könne die Versiche­rung abgehen, daß es bei der Räumung der zweiten Zone nicht zu Zwischensällen kommen werde. Er sei grundsätzlich Anhänger der Lo­carnopolitik, er weise aber auf zwei Ange­legenheiten hin, die der Annäherung nicht ge- rade dienlich sein könnten, und zwar handele «S sich um einen von dem franzöuschen Kriegs­gericht verurteilten Feldhüter in der Pfalz und um einen jungen Geistlichen, der in Un­kenntnis einer Verordnung der Rheinland- kommission junae Leute mit Trommeln und Pfeifen an sich vorüberziehen ließ. Solche Urteile machten auf die Bevölkerung einen äußerst peinlichen Eindruck und müßten im Interesse einer Verständigung vermieden werden.

Lutfpannung in Oesterreich

Wien, 23. September.

Sonnabend nachmittag 5 Uhr fand auf dem Heldenplatz in Wien die angekündigte Kund- gebung der veimwehr und deS Heimalbundes statt. Die Beteiligung war sehr stark; die Schätzungen der Deilnehmerschaft schwanken zwischen zehn- und zwanzigtausend. Als Hauptredner trat der erste Bundesführer Dr. Steidle auf, der einen überaus gemäßigten Ton anschlug und im wesentlichen sagte, daß die Heimwehr nicht daran denke, mit Gewalt- Mitteln, etwa durch einen Putsch oder den Bürgerkrieg Aenderungen der bestehenden Verhältnisse im Staate herbeizufuhren. son­dern daß sie durchaus im Rahmen der Legali­tät und auf dem Boden des Parlaments be­harren wo!

ahtberichy.

Oktober SchlesienBerlinOstpreußen und am 10. Oktober 14-stündige Hollandfahrt.

politische Ausammenstötze in Berlin

Berlin, 23. September.

Bei einem Propagandaumzug, den die Nationalsozialisten Sonntag mittag durch Neu- kölln und den Südosten der Stadt veranstalte­ten, kam es an verschiedenen Stellen zu Zu­sammenstößen zwischen den Teilnehmern und politisch Andersdenkenden, bei denen die Poli­zei eingreifen mutzte. Ms der Zug die Luisen- brücke passierte und dort ein Gedränge ent­stand, fielen mehrere Schüsse, durch die aber niemand verletzt wurde. Die Polizei nahm neun Angreifer fest. Bei einem von ihnen sand man eine Schreckschutzpistole, aus der, wie fest- gestellt, zwei Schüsse abgegeben worden waren

Auf dem Spreewaldplatz am Görlitzer Bahn­hof wurde ein Privatkraftwagen, in dem der Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels und vier andere Nationalsozialisten satzen, von Andersdenkenden anqehalten. Im Verlause der Auseinandersetzungen wurden auf beiden Sei­ten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Polizei nahm den Abg. Dr. Goebbels und die übrigen Insassen des Autos fest und führte sie der Ab. teilung la des Polizeipräsidiums zu. Gegen Abend wurden die Verhafteten wieder freige- lassen. Wie festgestellt wurde, war das Auto, in dem Dr. Goebbels und feine Parteifreunde saßen, von politisch Andersdenkenden scharf be» drängt worden, worauf einer der Infassen deS Wagens Schüsse aus einer Schreckschutzpistole abgab.

Auch in anderen Stadtteilen kam es zwischen Angehörigen verschiedener politiskher Richtun- gen zu Zusammenstößen. In Schöneberg wur­den gestern abend 80 Kommunisten, die teil­weise Rotfrontuniform trugen und verboten« Lieder fangen, festgenommen.

Km» Poimaü rulülttommeu?

Pari», Ende September.

Immer näher rückt der Augenblick, wo Herr Briand vor das Parlament treten mutz, um zu­nächst dessen Zustimmung zu dem Haager Ab­kommen zu erhalten. Und die Debatten tm Senat und in der Kammer werden sich nützt nur auf das bereits Geschehene (Houngplan und Rheinlandräumungsfristen) etftreden, son­dern auch auf Zukünftiges, wozu vor allem die Lösung der Saarsrage gehört. Briand hat seine Politik bisher mit einer Mehrheit ge­führt, die schwer zusammenzustellen war und die ihm nicht etwa freudigen Herzens folgt Dieeuropäische" Politik Briands entspricht ja im Grunde mehr der Auffassung der Radikal­sozialisten und der Sozialisten, als derge­mäßigten", eigentlich nationalistischen Mehrheit, aus der er notgedrungen sein Kabinett gebildet hat. Es zeigt sich hier einmal deutlich, daß tn den Fragen der auswärtigen Polittk nicht die Parteizugehörigkeiten, sondern Notwendigkeiten entscheiden, denen man sich nicht entziehen kann. Vom Standpunkt des prattischen Politi­kers kann man unterschreiben, was derTemps" sagt:Die Annahme des Haager Abkommens bedeute« keineswegs, daß man sich zu einer' Linkspolitik oder überhaupt zu einer Partei- Politik bekennt. Man beugt sich einfach vor dem Unvermeidlichen."

Es ist begreiflich, datz die Radikalsozialisten es einigermaßen schmerzlich empfinden, nicht in der Regierung »ertreten zu fein, wenn doch ge­rade eine Politik gemacht wird, die sie mit­machen müssen. Die bevorstehenden Debatten werden ihnen keine Möglichkeit geben, gegen Briand zu stimmen. Sie werden also für ihn stimmen müssen ohne etwas dafür zu bekom­men. Logischerweise müßte Briand feine Poli­tik mit einer Linksregierung machen. Warum macht er sie nun mit einer Rechtsregierung? Einfach, weil die Linke zu fchivach und auch zu zerfahren ist, um ein haltbare» Kabinett lie­fern zu können. Man spricht zwar von einer Wiederherstellung des Kartells (Radikalsoziali­sten und Sozialisten), aber da man im besten Falle nur ca. 270 Stimmen zusammenbekommt, reicht es eben nicht. So wird man wohl als» bis zu den Wahlen von 1932 warten müssen, um die Herrschaft der »nationalen Einigung" zu stürzen. Wenn diese »Einigung" auch nicht immer ganz einig ist, so ist sie doch schon dadurch fester als die Linke, daß sie eben jetzt im Besitz der Macht ist. Dor allem aber wird die natio­nale Einigung durch die Furcht vor den Kom­munisten zufammengehalten, während dieselbe Furcht spaltend auf das Verhältnis zwischen den Radikalsozialisten und den reinen Sozia­listen wirkt.

Die sogenannten KonzentrationSbestrebun- gen, die dahin gehen, eine Regierungsbildung aus allen nicht-extremen Elementen also un­ter Ausschluß von reaktionärster Rechten und revolutionärster Linken zu bilden, haben ihren Ausdruck tn einer Rede gefunden, die der InnenmNiister Andrs Tardieu kürzlich hielt: Rechts und links, meinte er, seien überhaupt veraltete Begriffe, die in ein Verkehrsregle­ment, aber nicht in die Politik gehörten. Man müsse sich zur Verfolgung positiver Ziele eini­gen, und da sei ein jeder willkommen, der Mit­arbeiten wolle. Es war eine Lockrede, um die Persönlichkeiten der Radikalsozialisten «mb der Sozialisten, die Lust auf MinisterportefeuilleS haben, und Anhang mitbringen, zum Eintritt in die Regierung zu bewegen. Aber vorläufig wagt doch niemand, diefer Lockung zu folgen. Bei den unsicheren Fraktionsverhaltnissenff ist kein Führer seines Anhangs sicher und der Neid zwischen den Gruppen ist zu groß. Di« Linke ist eben schwach und nicht aNionssShig. So gern man des englische Beispiel nachahmen möchte, man kann es hier nicht. An eine Arbei- terregterung ist in Frankreich überhaupt nicht und niemals zu denken.

Es wird no chviel von Krisen die Rede fein. Gewisse Verschiebungen sind auch möglich, et­was Grundsätzliches wird sich aber bis zu den Wahlen 1932 nicht ändern. Sollte die Sage bedenklich werden, so ist die Rückkehr von Poin- carL, der sich auf dem Wege zur vollständigen Wiedergesundung zu befinden scheint, gar nicht ausgeschlossen Der größte Teil des Volkes würde sie freubig begrüßen Er tat es immer verstanden, seinen perfönlichen, ja diktatorischen Willen in streng verfassungsmäßiger Form dur^usetzen. Er regiert mit der ewigen Vev»

Sturmschäden an der Rordseelüfte (Eigener Dr