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Redaktion eine Btrantroortung oder Gewähr in keinem i Bellas tuti Druckerei: «taff et. S-blschibsssiraße Nr. 28/80.

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Nummer 222 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Freitag, 20. September 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19« Jahrgang

Dr. Eckeners Pläne

Noch zehn Vaffagierfahrten in Deutschland / Der neue Zeppelin im Herbst 1930 fertiggestellt

Keine Amerikasahrt im HerbstBewaffnete Humanität"

Friedrichshafen, 20. September.

Der Luftschiffbau hat die Absicht, die für den Herbst geplante Amerilafahrt desGraf Zeppelin" aufzugeben, da noch etwa 10 Paffa- gierfahrten in Deutschland und den angrenzen­den Gebieten unternommen werden sollen. Im Winter will man vor allem einige Paflagier- sahrien nach dem südlichen Mittelmeer unter­nehmen. Ferner soll eine Reihe von Schul- fahrien durchgeführt werden, um bis zum nächsten Gommer eine zweite vollständige Be­satzung ausgebildet zu haben. Das neue große Luftschiff soll bereits zum Herbst nächsten Jahres fertiggestellt werden.

Gefängnisstrafe für -en blinden Passagier

Wegen Hausfriedensbruchs.

Friedrichshafen, 20. September.

Der letzte blinde Passagier des Luftschiffes Graf Zeppelin", der 13 Jahre alte Bäckerlehr­ling Boschko aus Lütgen-Dortmund in West­falen, der seinerzeit von der Decke der Halle auf das Luftschiff herabgesprungen war und die Fahrt nach Lakehursi als blinder Passagier mitgemacht hatte, wurde vom Amtsgericht Tettnang wegen Hausfriedensbruches zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde auf die Untersuchungshaft angerechnet, in der sich der junge Mensch nach der unfreiwilligen Rückfahrt auf einem Ozeandampfer nach Ham­burg befunden hat.

Noch in den Anfängen!

Die Untersuchung der vombenattentate.

Berlin, 20. September.

Wie eine hiesige Korrespondenz von dem Untersuchungsrichter erfährt, befindet sich die ganze Untersuchung in der Affäre der Bomben- «»schlüge zur Zeit noch in den ersten Anfän­gen, sodaß die Meldungen durchaus verfrüht sind, die an die Verhandlung des Attentats- Prozesses bereits im November d. I. glauben. Es mutz noch ein überaus großer Kreis von Personen vernommen werden, wobei auch die Kriminalpolizei alS Hilfsorgan der Staatsan- waltschaft noch eine sehr große Anzahl von Er. mittlungen wird vornehmen müssen, sodaß sich zur Zeit durchaus noch nicht übersehen läßt, wann die Bomüenafsäre anklagereif sein wird.

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Berlin, 20. September. Der Verteidiger des verhafteten LandvollfüHrers Wilhelm Hamkens, Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune, Göt- tingeu teilt mit, daß die in die Presse lancierte Nachricht, Hamkens habe ein Geständnis ab­gelegt und seine Mitwisserschaft an den Sprengswftattentaten zugegeben, von A bis Z unwahr fei.

Zu. der Mitteilung des Verteidigers des verhafteten Landvolkführer Hamkens, daß dieser kein Geständnis abgelegt habe, erklärt die .Vossische Zeitung": Hamkens hat im Po­lizeipräsidium Altona zugegeben, daß er von dem beabsichtigten Bombenattentaten Kenntnis hat. Er hat ferner erklärt, daß die Polizei, wenn sie den Kreis sämtlicher Mitwisser er­fassen wolle, gary Dittmarschen verhaften müsse. Hamkens hat die Pause zwischen den ein­zelnen Attentaten auf seineB-remstätigkeif zuruckgeführt, aber er will gegenüber der Be­wegung nicht durchgedrungen sein. Danach steht fest, daß der Landvolkführer von den Plänen der Desperados gewußt hat.

Ostpreußens Schicksal ist Seutschlair-s Schicksal

Königsberg i. Br., 20 September.

DaS für Königsberg und die gesamte.Pro­vinz Ostpreußen hochbedeutsame Ereignis der Inbetriebnahme der neuen Reichsbahnanlagen

ist gestern mittag sestlich begangen worden. Im Anschluß an die Besichtigung des neuen Hauptbahnhofes hatte die ReichSbahndirekticn zu einem Essen eingeladen, bei dem der stell­vertretende Generaldircttor der Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. W e i r a u ch die Gäste willkommen hieß. Er betonte in seiner Anfprache, Ostpreußen sei für Deutschland un­entbehrlich. Seine Landwirtschaft und sein Handel seien unentbehrlich« Faktoren in der Wirtschaft Deutschlands Die Reichsbahn habe den festen Willen, das Gebiet Ostpreußen pfleglich zu behandeln. Ostpreußen brauche sich nicht auf verlorenem Posten zu fühlen. Stark seien die Kräfte, die im Reich hinter Ostpreu­ßen stehen.

Mimsterialdirektor Knaul überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Reichsoerkehrs- ministers. Er betonte u. a., daß in allen Krei­sen des deutschen Volkes die Erkenntnis fest­gegründet sei: Ostpreußens Schicksal ist Deutsch­lands Schicksal, und daß die Notwendigkeit er­kannt sei, diesem Landesteil mit seiner großen Vergangenheit auch eine gesicherte Zukunft zu schaffen.

w. p. Man sollte glauben, daß ei an dem Begriff Abrüstung nicht viel zu deuteln und auszulegen gäbe, zumal ja durch Deutschland das Anschauungsmaterial beigebracht worden ist, das in unmißverständlicher Weise zeigt, wie eine wirkliche Abrüstung beschaffen ist. Aber wenn man will, kann man natürlich auch die einfachsten und klarsten Begriffe verwirren und entstellen, und das haben die leitenden Männer der Völker, die heute in den Vordergebäuden des europäischen Staatenhauses wohnen, eifrig und gründlich besorgt. Wenn sie in klingenden Phrasen von der Abrüstung sprechen, dann mei­nen sie damit ganz etwas anderes als das, waS auf Grund der Entwaffnungsbestimmungen der sogenannten Friedensverträge in Deutschland und dem im Kriege mit ihnen verbündeten Ländern durchgeführt worden ist. Die ftanzö- sischen Politiker ersetzen bezeichnenderweise das unsympathische Wort Abrüstung gern mit dem harmloseren Wörtchen: Rüstungsbeschränkung, und der frühere Hochschulprofessor Masarhk, Vater und Präsident deS tschechoflowakifchen Staates, hat kürzlich für diese Art von Ab- rüstungspolitik die wundervolle Bezeichnung .bewaffnete Humanität" erfunden. Die früher

RußlandsBrotversorgimg gefährdet!

Eigene- Drahtbericht.

Kowno, 20. September.

Wie aus MoSkau gemeldet wird, hielt der In Kiew eingetroffene Volkskommissar für den Handel MikojaS eine Rede über die Brotver­sorgung der Sowjet-Union. Mikojas erklärte, daß seit Anfang September die Brotversor- gung in den Städten Rußlands gefährdet sei. Die Schuld dafür treffe die reichen Bauern, die sich weigerten, das Getreide an die Regie­rung abzuliefern. Man müsse die reichen Bauern zur Lieferung des Getreides an die vorgeschriebenen Stellen zwingen.

Der Rat der Bolkskoimniffare der Sowjet­union hat beschlossen, auch in Leningrad einen fleischlosen Tag einzuführen. Auch Tee- und Zuckerkarten sollen eingeführt werden.

Die G. P. U. am Werk

Kowno, 20. September.

Wie aus MoSkau gemeldet wird, hat die O. G. P. U. in Leningrad eine neue Organi­sation aufgedeckt, die sich die Wiederherstellung der Monarchie zum Ziele gestellt hatte. Es wurde eine Anzahl Verhaftungen vorgenom­men. Unter den Verhafteten befinden sich mehrere ehemalige russische Offiziere. Ein ehemaliger Rittmeister Schiller soll geständig sein und erklärt haben, daß er mit einem ehe­maligen Oberleutnant Glasenapp in Verbin­dung stehe, der in Danzig eine monarchistische Vereinigung leite. Schiller wurde nach Mos­kau gebracht. Er soll auch geldliche Unter­stützungen von in Berlin ansässigen russischen Emigranten-Organisationen erhalten haben und sich mit Spionage zu Gunsten einer Macht beschäftigt haben.

Politischer Doppelmor­in Sofia

Sofia, 20. September.

Gestern abend 8.15 Uhr wurde in Varna ein politischer Doppelmord verübt. Zwei unbekann­te Männer gaben auf eine Gruppe von drei Männern in rascher Folge mehrere Revolver­schüsse ab. Durch die Schüsse wurden zwei Männer getötet und der dritte schwer verletzt. Die Polizei stellte fest, daß einer der Getöteten mit einem gewissen Georg BarbaroW identisch ist, der ein intimer Freund des gewesenen Füh­rers der inneren mazedonischen revolutionären Organisation lJmro), General ProtogeroW, war. Der getötete BarbaroW galt als ein er» bitteter Gegner Michailows, der seit dem Tode des Generals ProtogeroW der Führer des ma­zedonischen revolutionären Komitees ist. Die Identität des zweiten Toten konnte bisher nicht festgestellt werden. Das dritte Opfer des Attentats heißt Osepp; er ist Mitglied des Zen- tralausschufles der mazedonischen revolutionä­ren Organifation. Die Nachricht von dem At­

tentat hat in Sofia große Aufregung und Be- unruhtgung hervorgerufen.

Rabinettskrisen

Prag, 20. September.

Die Ernennung des agrarischen Abgeordne­ten Viskowski zum Minister für nationale Ver­teidigung hat in dem Kabinett Udrzal, das durch den Tuka-Prozeß ohnehin in seinem Be- stand bedroht ist, einen schweren Konflikt her­vorgerufen. Die tschechischen Klerikalen erklä­ren, daß die Agrarier nach dem Parieischlüffel nur Anspruch auf drei Portefeuilles haben, während sie durch die Ernennung Viskowskis vier besäßen, und verlangen als Kompensation die Ernennung eines Klerikalen zum Finanz- minister. Der stellvertretende Ministerpräsident Schramek, der der Klerikalen Partei angehört, soll mit dem Austritt der Partei aus der Re­gierung gedroht haben. Die Forderungen der Klerikalen haben eine Entrüstung bei den Na- tionaldeinokraten hervorgerufen, die die Abbe- rufung des gegenwärtigen Finanzministers Vlasak als einen Casus belli erklären

Kowno, 20. September. Sämtliche Minister haben dem Präsidenten der Republik ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt, um ihm bte Umbildung des Kabinetts zu ermöglichen. Der Präsident der Republik hat den Rückttitt der Regierung angenommen. Voraussichtlich wird Finanzminister Tubelig mit der Neubil­dung der Regierung beauftragt werden.

Dasalte Sonttular

Scharfe Angriffe gegen de» Oberbürgermeister von Saarbrücken.

Saarbrücken, 20. September.

Sn einer öffentlichen Bürgerversammlung wurden, wie bte «Saarbrücker Zeitung" mel­det, gegen die Finanzgebahrung der städtischen Verwaltung und gegen den Oberbürgermeister Dr. Nettes schwere Vonbürse erhoben. Stadt­verordneter Becker von der Volkspartei be­hauptet u. a., Dr. Neikez habe eine durch An­leihe beschaffte nickck unmittelbar zur Verwen­dung benötigte Summe von 2 Millionen Mk. entgegen einem Beschluß der Stadtverordne­tenversammlung, der Geldanlagen nur bei saarländischen Kreditinstituten erlaubt, bei der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsge­sellschaft angelegt. Auf die Vorhaltung, daß die Anlegung de- Geldes bei der Frankfur- ter Allgemeinen sogar noch in her letzten Auf­stellung verschwiegen worden fei, habe her Oberbürgermeister dies mit her versehentlichen Verwendung einesalten Formulars" zu er­klären versucht. Die Darlegungen des Stadt- berorbneten Becker verursachten starke Erre­gung unh Entrüstung der Versammlung.

österreichischen, jetzt tschechischen Skoda-Werke produzieren täglich in Gestalt von groß- und kleinkalibrigen Kanonen zahlreiche Belege für biefe Humanität a la Masaryk.

Da aber bekanntlich doppelt genaht besser hält, haben sich die vorsichtigen Staatsmänner in Paris, Warschau und Prag und anderswo nicht nur mit einer Fälschung des Begriffes Ab­rüstung befaßt, sondern sie haben darüber hin­aus auch daS Ihrige getan, um auf allen Wegen die zu diesem ihnen so unerwünschten Ziele füh­ren, Verhaue und Barrieren zu errichten. Vor allem das Pariser Repertoir an Listen und Ränken, war unerschöpflich, wenn es galt, die Abrüstungsverhandlungen abzubremsen und zu unterbinden. Neben der TheseErst Sicherheit, dann Abrüstung" leistete der Begriff despo* tentiel de guerre", durch den die Abrüstungs­verhandlungen auf eine Untersuchung der ge­samten wirtschaftlichen Kraft der Völker aus­gedehnt werden solle, vortreffliche Dienste. Und wenn dieser Begriff und jene These nicht mehr recht wirken wollten, bann hatten die französi­schen Vertreter schnell die Ausrede bereit, daß die Seeabrüstung der Landabrüstung voraus­gehen müsse. So ist es kein Wunder, daß die Abrüstungsverhandlungen im Völkerbund, her Ja, wie sattsam bekannt ist, immerhin meu# feinen zehnten Geburtstag feiern konnte, noch tief im vorbereitenden Stadium stecken. Mit bitterer Ironie stellte bann auch gestern Graf Brenstorff, der deutfche Sachverständige für die Abrüstungsfragen, in Genf fest, daß die Be- fchlüsse der natürlich noch vorbereitenden Ubrüstungskommission, wenn es in Tempo und Methode so weitergehe wie bisher, nichts ande­res als ein Vertrag zur gegenseitigen Unter­stützung gegen die Abrüstung fei...

Rach der Rede, die der englische Ministerprä­sident vor zwei Wochen in Genf hielt, fchien es freilich so, als ob diese Jubiläumstagung des Völkerbundes den Abrüstungsverhandlungen endlich einen neuen Impuls geben Würbe. Es schien so bamit ist schon angebeutet, daß un­sere Hoffnungen bereits wieder ein bissel un­sicher geworden sind. Allerdings wird England bei den Genfer Beratungen von einem Manne vertreten, der als ehrlicher Vorkämpfer der Ab­rüstung zu gelten hat, und Lord Robert Cecil hat sich denn auch gestern wieder tüchtig ins Zeug gelegt, er hat ein Programm entwickelt, dessen 4 oder 5 Punkte eine entschiedene För­derung der Abrüstungsbestrebungen bedeuten würden, wenn sie für bas englische Kabinett wirkliche Verhandlungsziele wären. Wenn und aber sind. Wie Franz Grillparzer einmal gesagt hat, des Pferdes schlechtester Hafer, und das Wenn muß leider auch in diesem Falle unter­strichen werden. Denn trotz Lord Cecils Ab­rüstungseifer kann man im Augenblick noch nicht recht erkennen, wo bei der englischen Regierung die Ueberzeugung aufhört und wo die taktischen Uebertegungen beginnen.

DaS wichtigste außenpolitische Ziel ist für die Männer in der Londoner Downlngsireet ge­genwärtig die Verständigung mit den Vereinig­ten Staaten von Amerika. Voraussetzung dazu ist aber die Lösung der Seeabrüstungsfrage, die auf der Washingtoner Konferenz von 1921-22 und auf der völlig mißglückten Genfer Dreierkonfe- renz vom Jahre 1927 nicht erreicht wurde. Im Januar des kommenden Jahres soll nunmehr in einer Konferenz zu Fünfen erneut versucht werden, dem Wettrüsten zur See wie an die- fer Stelle schon mehrfach betont wurde, bandelt es sich tatsächlich nur um eine Begrenzung bei Wettrüstens und nicht um eine Abrüstung im wahren Sinne des Wortes Einhalt zu ge­bieten. Zwischen Amerika und England scheint in groben Zügen bereits eine Einigung erzielt worden zu sein, die drei anderen Mächte Frank­reich, Japan und Italien stehen noch abseits. Frankreich hat ebenso wie Italien stets gefor- den, daß bei der Festlegung der Seerüstungen nur die Gesamttonnage bestimmt werde, wäb- rend die Verteilung dieser Gesarnttonnaae auf die einzelnen Schiffsgattunqen den beteiligten Mächten überlassen bleiben solle. Der Vater dieses Gedankens war der Wunsch, durch eine Bevorzugung des Kleinschiff, und U-Boot- Baues das Kräfteverhältnis in gewisser Hin­sicht gegenüber den angelsächsischen Mächten aufzubessern. Selbstverständlich stießen aber diese Pläne in London und Washington stets auf energischen Widerstand. Dieser Gegensatz muß aber überbrückt werben, Wenn die Fest­setzung des Rüstungsstandes der Flotten etwas Rundes und Ganzes Werden soll.

Wie gesagt, für England steht die See-