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Die Kastrier Jlew

itiäg nah Druckerei: SafitL SchlaLtbafstrahe Nr. ä&30. Seruivr. 8601,

rozent

Donnerstag, IS. September 1929

Ein^lpreiS: Sonntag« 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Stummer 221 Einzelpreis: Wochentag» 10 Pfennig.

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KaW Nmste Nachrichtm

________________Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Mtuetgte die nun»; inemetaea die mn 'leine Anzeigen bi.

Das unruhige Oesterreich

Was wirb der 29. September in Wien bringen? / Heimatwehren und Derfaffungsreform

Beziehungen chinesischen R Konferenz in

der richterliche f richterlicher Haft f der Beschuldigten.

Unter der Ueberschrist »Wann hört da« aus" berichtet die .Bossische Zeitung" aus Frank- urt a. M.: Das französische Militärgericht m Landau hat den katholischen Priester Georg igarrdrich ans Ludwigshafen zu 150 Marl Geldstrafe und vier Wochen Gefängnis verur­teilt. Pfarrer Handrich ist Bezirkspräses der .Deutschen Jugendkraft" t« der Pfalz, einer katholischen Sportvereinigung, die am U. Juni bei einer Zusammenkunft in Munden- heim ernen Festzug veranstaltete In diesen, Zug marschierten auch einige Trommler mit. dir von ihren Instrumenten Gebrauch machten. Bekanntlich verleiht das nach einer Ordonnanz

der Rheiwlandkommission einem Festzugmi­litärischen Charakter!"

Was Hoover unter Abrüstung versteht

Washington, IS. September.

Präsident Hoover sprach gestern abend im Rundfunk über dir Flottenabrüstungsver­handlungen, wozu er u. a. ausführte:

Diese Vorschläge würden uns dir Möglich- kett nationaler Verteidigung erhalten, trotz­dem aber die Bürde derer erleichtern, die urt» den riesigen Ausgaben seufzen, sie würden auch die Welt von dem Haß und der Furcht befreien, die da« Ergebnis des Wettbewerbes äü v?n Kriegsschiffen sind. Dieses für d,e Verteidlgung-Gerustetsein dürfte den Rah. u»N de« schlechterdings Unerläßlichen nicht überschreiten, denn im anderen Falle würde es »iner Angrifssdröhung gleichkommen. Amerika habe niemals einen Präsidenten gehabt der dem pazifistischen oder dem militärischen Extrem zugenergt gewesen sei.

Verlorene Liebesmühe

Die Bemühungen um rind chinestfch-ruffischr Konferenz gescheitert.

fordert die Parteimitglieder zur Bereitschafl auf und sagt: Wenn ein rechtswidriger An­griff auf die Verfassung gewagt wird, dann werden wir die Verfassung verteidigen, dann werden wir kämpfen. Österreich wird kein Italien und kein Ungarn Werden. Aber keine Einzelaktionen, keine voreiligen Schritte, da­für Bereitschafl, Wachsamkeit, Entschlossenheit. ES leb« die Verfassung der Republik! Wehe jedem, der sie anzugreifen wagt!.

Die in der Hauptsache katholische Interessen vertretende Reichspost bezeichnet die Heimwehr bewegung als Gegendruck gegen den jahre­langen Druck der Sozialdemokratie in Oester- «ich und erklärt, daß di« Aeußerungen der Heimwehrem die dynamischen Ausdruckssor» men einer Bewegung sind, die in vehementem Vorwärtsdringett, im Sturm ihr Ziel erfas­sen möchte. Aber gerade eine gute, ihrem Zweck entsprechend« Aenderuna der Berfas- sung werde nicht aus der Pistole geschossen werden können. Selbstverständlich müßten die Arbeiten für ihre Fertigstellung mit aller Energie geführt werden.

In einer in Wien abgehaltenen christlichen Gewerkschaftsversammlung erklärte Abgeord­neter Kunschak in einem ReferatUnser Weg in der Zukunft" u. a.: Der Weg zur Gesundung Oesterreichs ist nur der der Ent­wicklung und nicht der de« Umsturz«». Der Weg zur Revision der Verfassung geht über die verfassungsmäßigen Instanzen, über Re- I gierung und Nationalrat. Ob der Rational­rat imstande s«in wird, dieser Aufaabe nach- zukommen, ich glaube, Liese Frage mit ja be­antworten zu können.

Das juristische Nachspiel Die Bombenleger vor dem Untersuchungsrichter

Berlin, 19. September.

®te gerichtliche Voruntersuchung gegen die Bombemittentäter" ist in vollem Gange. S,e richtet ftd, gegen nicht weniger als 32 Beschul State. Die bisher in der Oessentlichkeii am häufigsten Genannten sind Timm, Ernst von Salomon, Plaaß, die sogenanntenBerliner", wett sie bereits in Berlin in richterliche Haft Spracht wurden als das große Kesseltreiben der Polizei in der Nordmark einsetzte, sowie .Auswärtigen-,. Nickel, Bruno von Salo- «Ä Heim, Bohm und der Landvolk- Mhrer Wilhelm Hamkens. DieAuswärtigen" 23 im ganzen, 21 tn Altona verhaftet, zwei in H^unover wurden am vergangenen Dieusiag nach Berlin gebracht.

_ Kowno, 19. September.

Wi« aus Moskau gemeldet wird, bet der stellvertretende Außenminister Litwinow am Mittwoch mit dem deutschen Botschafter von Dirks«» eine Unterredung im russisch-chinest- schen Konflikt gehabt. In unterrichteten Krei- sen verlautet, daß vorläufig keine AuSflchr für die Wiederaufnahme der ruffisch-chinesischen .... besteht. Die Bemübunaen der

Regierung um ein« EimgungS- .. . .. n Berlin sind als endgültig ze- icheilert zu betrachten.

...Der rranSpott der 21Hamburger" Mal. £ t R M* dramatisch und obwohl di« Kri- Minalpolizei sich groß« Mühe gab, die Reise Gefangenen möglichst unauffällig zu wurde durch einen unolückUchen Z « da^us gerade da» Gegenteil, nämlich ^fpa^Iauf und ein aufsehenerregende« Ereignis. Drei Wagen des Hamburger D- ÄMes, der auf dem Lehrter Bahnhof eintraf, ei? M "Besetzt". In jedem Ab-

E em Gefangener Mit zwei Beamten. Der ganze Bahnhof war von der politischen ^dtettung des Polizeipräsidiums unter Be- wachung gestellt Draußen standen 21 Kraft- fär Gl'n fäftllng mit seinen jtoet Wachtern eine. Die Abrede war daß die Ende »Mlf J®? Verhafteten sich am Ende deS Zuges befänden und daß man zu- tflÄ , Tat.e Retsepublikum au« dem o,. JafTen könne. Dieintereffanten" h, Zugwagen waren aber unmittelbar hinter bi« Lokomotiven gekoppelt. Nun lief die kleine im Sturmschritt nach vorne und ertfaHon war da. Es war kein Meister, stuck von Polizeiaktion, aber die Schuld trua wie gesagt ein lächerlicher Zufall -.^"Berlin sind sämtliche Ängeschuldigte emer" nack Landgerichts 1. Sie werden kL" nach dem andern vom Unlersuchunas. n* verhört. Das Gesetz verlangt bekannt- mi* e2* ue.rfteJ Verhör des Beschuldigten da-

"fi.vie Stelle der polizeilichen Festnahme »efehs treten kann. In ja erst ein kleiner Dell Da die Untersuchung«-

_ Paris, 19. September.

Wie derPetit Paristen" mitteilt, wird die bevorstehende Konferenz zur Ausarbeitung der Satzungen der Internationalen Bank nicht in Brüssel, sondern höchstwahrscheinlich in Wies­baden stattfinden. Der dahingehende Vorschlag Dr. Schachts wird anscheinend von allen Teil­nehmern gutgeheihen. Die Verhandlungen für die Einberufung dieser Konferenz sollen nun­mehr in versöhnlichem Geiste ihre Fortsetzung nehmen. Die Konferenz selbst wird nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge am 3. Oktober zusammentretkn und mit ihren Arbeiten am 7. Oktober beginnen.

DerMatin" will allerdings wissen, daß nach wie vor Brüssel die meisten Aussichten alS Ta­gungsort haben werde.

Wiesbadens schwierige Lage

Berlin, 19. September.

LautKreuzzeitung" hat der deutschnati- onale RcichstagSabg. von Lindeiner. Wildau beim Reichsminister Dr. Wirth in seiner Eigenschaft als Abgeordneter für Hessen- Nassan di« nachdrücklichsten Vorstellungen gegen die Berleguna der Rheinlandkommisston nach Wiesbaden erhoben. Er hat, wie das Blatt erklärt, auf die besonders schwierige Lage Wiesbadens htngcw-iesen und das Ver» prechen erhalten, daß von Seiten der Berliner Stellen alles mögliche gegen die geplante Ver­legung geschehen soll, freilich auch den <An« druck gewonnen, daß die Entscheidung darüber ohne Mcksickttnahme auf die deutschen Wünsche von der Rheinlankckommisston hekbeigesichrt wird.

neue Gesetz

allein 202 Millionen aufgebracht, sodaß für das alte Gesetz nur noch 77 Millionen übrig bleiben. Diese 202 Millionen setzen sich sol- aendermaßen zusammen: 180 Millionen aus der allgemeinen Beitragserhöhung um % Pro- «ent, 24 Millionen aus der Sondeterhöhuna der Beiträge der Saisonarbeiter um 1 Proz 6 Millionen aus der Verlängerung der Warte- zeit, 11 Millionen aus den niedrigeren Taxen 'das ist der Rest des ehemals so weitgehenden Antrags Rtesrner-Teusch) und schließlich 21 Millionen aus den niedrigeren Sätzen für die Saisonarbeiter.

Die 77 Millionen, wie sie laut den Bestim­mungen des alten Gesetzes aufgebracht werden sollen, setzen sich zusammen aus 30 Millionen Ersparnissen und dem geringeren Betrage an die Krankenkassen, 25 Millionen aus der Ver­längerung der Wartezeit für die Saisonarbei- ter und 16 Millionen ans der Anrechnung der Renten. Da bleiben noch 6 Millionen unge­deckt, aber auch diese werden aufgebracht durch eine ganze Reihe kleinerer Reformen «der Be­seitigung der sogenannten Schönheitsfehler, aus welchen nicht nut 6, sondern sogar 20 Mil­lionen erwartet werden), sodaß noch gewisse Reserven bleiben würden.

Die letzte Warnung

Eigene Drahtmeldung

Wien, 19. September.

Die Bundesfuhrung der Selbstschutzverbände veröffentlichte gestern unter der Ueberschrist Sie letzte Warnung" eine Kundgebung, in der fte gegen die Versuche einzelner Politiker,die Verfassungsreform durch palamentarifche Kniffe und Kompromisse um ihren tiefen Sinn und entscheidende Wirkung zu bringen" Stellung nimmt.Die Heimatwehr wird diesmal," so heißt eS in der Kundgebung weiterihre ganze Macht einsetzen, um eine halbe Lösung zu ver­hindern' Oeffne man der Heimatwehr keine Tür, so konnte die innere Spannung eines Ta­ges zu einer Explosion führen, die den reinen Partetpolltikern ganz sicher nicht erwünscht wä­re. Heute hätten die reinen Parteipolitiker «S noch in der Hand durch einen großzügigen Ent­schluß den veränderten politischen Verhältnis­sen Rechnung zu tragen und das Staatsruder in die Hände der neuen Macht zu legen, wel­che die Fähigkeit und die Macht habe, eine Ge­sundung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs durchznfübren. Ob sie in einigen Wochen noch die Freiheit des Han­delns hätten, das sei Im Hinblick auf das stur- mische Tempo, daS die Entwicklung der Hei- matbewegung eingeschlagen habe, fraglich.

Weiter werden für den 29. September in der Umgebung Wiens vier große Aufmärsche angekünbigt.

Das Echo -esUltimatums"

Wien, 19. September.

Dir sozialistischeArbeiterzeitung" bezeich­net di« gestrige Erklärung von Heimwehrseite als ein Ultimatum der Heimwehr. Das Blatt

ÄKS KHM I Verbrecher" bestellt den Lanbaerimes. d-rektor Mafur. Dieser hat zunächst nur im l'1 Roh-Umriß festzustellen, wer von

den Angeschuldtglen verdächtigt ist sick aeoen Sm«ei

»Ä'ÄWÄÄ

ES genügt also die Gefährdung n9|Y«ne- und sie allein schon ist 9'^z» 1 fuhren bedroht, auch m"" keinerlei Schädigung eingetreten if? r."sehen kann, daß die .Kind«, der Bombenleger ein auch Iri- fettß » öttb bedenkliche«

Die Mindeststrafe wär« 5 bloßer Gefährdung ein Jahr Zuchthau«.

/lch ans fünf Jahre her schwerer Körperverletzung, auf 10 Jahre, wenn ein Mensch getötet wird. In letzterem Falle"kann Zuchthaus "kann" werden. Und: Hat der Täter den Tod eine« Menschen voraussehen können, so ist nach gel- sogar die Todesstrafe verwirkt.

^ucklüberweise sind bet allen in Frage kam- """den DprengsioffatteNtaten Menschen nicht k«- gekommen. Aber da die Gefahr

für die Allgemeinheit Nicht erst mit bet Au»» fuhrung eines Attentates, sondern bereit« mit _ , _ ^'uer Vorbereitung beginnt, sind nach dem

«eine Erhöhung der vostgebühren Zk-^k.^s-'eseh a«e diejenigen, dr« sich,ur ku,y. «erubung eine« Attentate« verabredet oder »ÄS® eSäÄStiS

legte und erklärte, daß eine Gebührenerhöhung I Nun {ft es s-br wallt mRnh* k,i ku LL" $"*en "i* »-611411» ««»«. *»K *".5 u,

1 .Verschwörung" von den SprengstoffpLtnen

Bor der Rückkehr des Kanzlers

(Von unserem Berliner Vertreter.)

Berlin, 19. September.

®° rialpoliti sche Ausschuß dek ÄÄLS? ^u-e die Beratungen m-n^»^?^rstcherung wieder ansneh- ^jun ist sich tn der gestrigen interfraktio- nellen Besprechung lediglich darüber klar ge­worden, daß der Ausschuß vorläufig nur das wabre«ll"ll Ilte ^Esetz in Arbeit nehmen kann, N,"ud das neue, befristete Gesetz mit den "KW" und den sonstigen wtchtt- M s^uanziellen Bestimmungen auf sehr große mKSSR upter den Parteien stößt, sodaß es aussichklos erscheint, diesen wichtigen Teil der Materte vom Ausschuß beraten zu lassen. Die gestrige ParteifÜhrerbespre- Zuna,an der die meisten Mitglieder des Reichskabmetts teilnahmen, hat ohnehin einen

Verlauf insofer'n genommen, al- ^/u Uuederum nicht zu einer sachlichen Ver- sandrgung kommen konnte, sondern sich nur äußerliche Fragen des wetteren ?j"suhrens einigte. Insbesondere eben über b7^tetlung der Materie für den Sozial- Ausschuß. Dagegen konnte man noch über die Ernberufung des Reichstages der bereits gemeldete Plan, den Ende September zu einer dreitägi- gen Sitzung emzubernfen, wird jetzt in parla- '»Lu-arischen Kreisen wieder für unwahrschetn- lich gehalten. Man hat sich ferner

verständigt, daß man die nächste in- j""fr°ktwnclle Sitzung Ende dieser oder An- - fang nächster Woche abhalten will, wenn der Reichskanzler nach Berlin zurückaekelirt setn wird und dann die Leitung der Ver­handlungen wieder selbst in die Haud neh. «en kann. DaS gilt als ein Anzeichen da- sul' daß man sich darüber einigen konnte die ArbettslosenversicherungSreform sei aus retn sozialpolitischem Boden überhaupt kaum lSSbar, sondern werde wohl nur im Rahmen allgemeiner großer politischer Ge- stchtSpunkte geregelt werden können. Dann werden aber auch Dr. Strese- mann und Dr. Curtius wieder an den Beratungen teilnehmen können, die ja beide schon seit längerer Zeit von Berlin abwe- - send find.

Der Sozialpolitische Ausschuß deS Reichs- tag» aber wird sich vorläufig damit begnügen müssen, die verhältnismäßig wenigen wichtigen Punkte, die vom alten Reformantrag über- Haupt übrig geblieben sind, zu ordnen. Man hofft allerdtngs, daß dieser Teil des Material« L"^-,??sschuß ohne allzugrotze Schwierigkeiten bewältigt werden kann, und daß auch die So- ztaldemvkraten ihren Widerstand gegen ein- ö'k'Nt dsr im alten Gesetz enthaltenen Reform- vorschlage aufgeben werden. Umso heftiger wird allerdings der Kampf um das neue Gesetz mtt seinen finanziellen Bestimmungen sein. Man ist sich natürlich darüber klar, daß dem neuen Gesetz in finanzieller Hinsicht die weit- au§ größere Bedeutung zukommt.

Bon dem gesamten Defizit von 279 Millio- nen, welches bei der Arbeitslosenversicherung gedeckt werden muß, werden durch das

8« versöhnlichem Geiste

Eigene" Drahtbericht.