Nummer 217 Einzelpreis: Wochentags io Pfennig. Sonrrabend^Sonntag, 14./15. September 1929
Einzelpreis: Sonntag« 20 Pfennig. 19. ZahkgaUg
Mandatsfragen in Genf
Genf, 14. September.
hörige für d
troffen, der die Moskauer Behauptungen, daß die sowjetruffischen Untertanen in der Man- dschurei mißhandelt worden seien, widerlegt. Die Untersuchungen hätten ergeben, daß die Nachrichten über Mißhandlungen, über die sich das russische Auswärtige Amt beschwert habe, jeder Grundlage entbehrten.
Sprengkapsel Nr. 8 , Plans bestreitet jede Beteiligung an den
Washington, 14. September.
Die Einberufung einer MarineabrüstungS. konferenz der fünf großen Seemächte Amerika England, Japan, Frankreich und Italien steht nach einer Erklärung des amerikanischen Staatssekretärs S t i m s o n für die allernächste Zukunft bevor. Stimson kündigte gestern an. daß die zwischen England und Amerika noch zu klärenden Einzelheiten nur noch geringfügig seien und in persönlichen Aussprachen zwischen Macdonald und Präsident Hoover gelöst werden könnten.
Anterika ist im Hinblick auf das bevorstehende Abkommen mit Großbritannien nunmehr bereit, so erklärte Stimson weiter, eine allgemeine Marineabrüstungstonferenz einzuberufen, da die englisch-amerikanischenVerhand- lungen ein Stadium erreicht hätten, in dem eine solche Konferenz beste Aussichten auf Erfolg habe.
Wie weiter offiziell bekannt gegeben wurde, ist der Zeitpunkt für die Abhaltung dieser wichtigen Konferenz vorläufig auf den Monat Dezember dieses Jahres festgesetzt worden.
Altona, 14. September.
„ Durch einen Beamten des Berliner Polizei- prasidmms sind der Abteilung I A am gestri- bU bisher in der «ttentatsaffüre in Schleswig-Holstein aufgenommenen Verueh- umngsprotokolle der dort verhafteten Personen übermittelt worden. Aufgabe der Berliner Kriminalpolizei ist es nun, durch Vergleich der Altonaer Protokolle mit den Ergebnisse« der Berliner Verhöre festzustellen, ob sich daraus belastendes Material gegen die in Berlin Fest- genommenen ergibt. Auf jeden Fall soll die Uebergabe der Polizeiakten an den Richter so schnell als möglich erfolgen, zumal schon eine Reche diesbezüglicher Anträge von Rechtsbei- standen vorliegt. «.
Die drei in Mülheim verhafteten Personen sind nach Altona überführt worden, wo die weiteren Vernehmungen stattfinden.
Das Ende der Kriegsperiode
(Eigener Drahtbertcht).
Russischs Aufschneidereien
Chinesisch-russische Verhandlungen in Berlin?
London, 14. September.
Wie aus Pefing gemeldet wird, ist ein Bericht des deutschen Konsuls in Mulden einge-
Das gestern abend aufgetauchte Gerücht von | Waffenfunden in Altona und Umgebung, das auch heute wieder in der Preffe verzeichnet wird, hat sich nach Mitteilung von unterrichte- ter Seite nicht bestätigt. Es liegt offenbar eine Berwechscluna mit der gemeldeten Auffindung eines Waffenlagers im Kreise Winsen vor.
Sine neue Verhaftung
Hamburg» 13. September.
_ Der bekannte Landvolkführer und Hofve» sitzer Johannes Schade aus Kaden ist in der Nacht zum Sonnabend in Wilster verhaftet und nach Altona gebracht worden Schade, der ln der Landvolkbewegung eine führende Rol- le spielt, soll, wie es heißt, der Mittäterschaft an den Bombenanschlägen verdächtig sein.
Im Zusammenhänge mit sei Verhaftung des Hauptschristleiters Bodo Uhse von der .Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung" wurde am yrettng nachmittag auch dessen Braut Eva Elaaß aus der elterlichen Wohnung in Wacken von Kriminalbeamten im Aitto abgeholt und zur Vernehmung nach Altona gebracht. Nach der Vernehmung, die bis 10 Uhr abend stattsand, wurde Fräulein Elaaß wieder in Freiheit gesetzt.
In der Politischen Kommission der Vollversammlung trat der Berichterstatter über die Mandatsgebiete, Pros. Nansen, sehr entschieden für Aufrechterhaltung des internationalen Eigencharaklers der Mandate ein und wurde dabei von Staatssekretär v. Schubert nachdrücklich unterstützt.
Die sogenannte Tagesordnungskommisston hat der chinesischen Forderung nachgegeben, ihren Vorschlag auf Einsetzung einer Studienkommission zur schärferen Fassung des Revi- sionsartikels 19 der Völkerbundssatzung an die ständige juristische Kommission zu verweisen.
, London, 14. September.
„Daily News" schreibt in einem Leitartikel zu der heute beginnenden britischen Räumung: Unsere Besatzung läßt keine Bitterkeit zurück. Denn unsere Männer sind nie wie Eroberer ernhergegangen. Es ist selbstverständlich, daß das deutsche Bott als ganzes froh sein wird, dre Truppen abziehen zu sehen; denn sie mutzten die sichtbaren Symbole der Niederlage für eine stolze, gedemütigte Ration sein.
Der Sonderkorrespondent deS „Daily Erpreß" in Wiesbaden schreibt dagegen: Das Rheinland sieht den heutigen Tag als das wirkliche Ende der Kriegsperiode mit England on und als den Beginn seiner nationalen Frei- hett. Seit fast elf Jahren hatten die Bewohner fremde Soldaten unter sich, die in ihren Stra- tzen marschierten, in ihren Häusern unterge- bracht waren. Jetzt zählen sie die Tage bis zu dem Augenblick, in dem der letzte Soldat den Zug nach der Heimat besteigt. Eine schwere Enttäuschung herrscht in Wiesbaden wegen ves Verbleibs der Rheinlandkommission. Dies bedeutet wieder die Anwesenheit französischer Trnppen in der Stadt und die Anfrechterhal- tung der fremden Befatzung.
Aehnlich äußern sich auch die anderen eng- llschen Blätter ohne Unterschied der Partei. Als Schlußtag der Räumung bezeichnen die Lon- I doner Zeitungen den 13. Dezember, genau 90 Tage nach Raumnngsbeginn. Die Räumung beginnt mit der Zurückziehung von 66 Mann, um vom 2. Oktober in größerem Matzstabe durch- geführt zu werden. Als letzter Truppenteil wer- den die König!. Füsiliere das Rheinland ver- lassen und den Union Jack als Zeichen der eng. Irschen Macht im Rheinland mit sich nehmen.
London, 14. September. Der Staatssekretär für das Kriegswesen Shaw hat an den Oberst- kommandierenden der britischen Rheinarmee ein Schreiben aerichtet, in dem er den Armeeange- hörigen aller Dienstgrade seinen tiefsten Dank für die Art zum Ausdruck bringt, in der sie sämtlich Englands Ruf der Ritterlichkeit, der Höflichkeit und des fair play während der gan- zen Zett aufrecht erhalten hätten, wo das Rhein- land von britischen Truppen besetzt war. Wei- terhin bringt der Brief tiefe Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß es den englischen Trup- Pen vergönnt sei. vom Rhein zurückzukehren, begleitet von der Achtung des Volkes, in dessen Mitte sie solange einquartiert gewesen seien.
Die Altonaer Protokolle in Berlin
(Eigene Drahtmeldnng).
Französische Räumungsvorbereitungen
. P"riS, 14. September. Das »Journal Offi- itt veröffentlicht die Aenderungen der dienft- sichen Bestimmungen für die Stabsoffiziere des 30-Armeekorps und der 38. Infanteriedivision, Sitz Koblenz, deren Auflösung unter dem 4. November erfolgt.
Das ist nun schon, fast elf Jahre her. Els I länge, schicksalsschwere Jahre haben die fremden ! Truppen am deutschen Rhein gestanden. Lpfer- I bereit hat die rheinische Bevölkerung dem Vaterlande die Treue gehalten. Sie hat die I Zellen durchkämpft, in denen der Eifer der französischen Militärs noch von der Hoffnung beflügelt war, daß die Trikolore niemals vom , Rhein wieder verschwinden werde. Sie hat . das Leid der Jahre erduldet, in denen Militär- gerichtsurteile an der Tagesordnung waren. 1 Sie hat die Enttäuschungen getragen, als die in Locarno versprochenen Rückwirkungen „auf die Verhältnisse in den besetzten Gebieten und überhaupt auf die Frage der Besetzung" aus- blieben oder doch nur in bescheidenem Maße erfüllt wurden. Und sie ist sich selbst tteugebie- ben, als sie auch vor den letzten Verhandlungen, I die ihr die Freiheit bringen sollten, sich immer wieder dagegen gewehrt hat, daß für die Be- fieiung ihrer Heimat vom ganzen deutschen Volk neue Lasten und neue Verpflichtungen übernommen würden.
Wir kennen das Ergebnis der Haager Der- Handlungen. Die Lösung der Kontrollfrage ist in großen Kreisen der deutschen Oeffentlichkeit I nicht gerade günstig beurteilt worden. Aber eine Gewißheit haben wir, hat das rheinische Volk letzt: Das Rheinland wird frei! Am heutigen Tage beginnen die Engländer offiziell mit der Räumung. Zunächst ist es nur ein Heiner Truppenteil, der heimwärts fährt, aber wir dürfen darauf vertrauen, daß die englische Regierung bis zum festgesetzten Endtermin die Zurückziehung ihrer Truppen durchgeführt I yaoen wird.
. Und Frankreich? Aus dem Schloß Rem- bomllet, in dem der französische Ministerrat in diesen Tagen verhandelt hat, ist merkwürdige Kunde gekommen. Danach soll Briand die Räu. mnna von zwei neuen Bedingungen, nämlich von dem Funktionieren der neu zu schaffenden Reparationsbank und von der „Ausgabe einer erften Tranche der deutschen Obligationen" I abhängig gemacht haben.
Vielleicht hat der französische Ministerpräst- deut mit diesem Gerede nur die „Sorgen" •®Lner Generäle und der anderen französischen Raumungsfeinde beschwichtigen wollen. Auf reden Fall aber sollten diese seltsamen Meldun. gen die Reichsregierung veranlassen, aus dem ffln’ bOtttit die Haager Ergebnisse I nicht durch irgendwelche Ränke und Listen in Frage gestellt werden!
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Wir aber hoffen, daß der heutige Tag. an dem die Engländer offiziell mit der Räumung beginnen, eine Schicksalswende für das Rheim- lanb, für Deutschland sein werde! Elf schicksalsschwere Jahre haben dem deutschen Volke gelehrt, was der deutsche Rhein für Volk und Reich bedeutet. Was wir damals, als wir im November 1918 über die Hornberger Rhein- brücke ostwärts marschierten, in jähem Aus- flammen suhlten, ist nicht zuletzt durch die lange LeldenSzelt Erkenntnis aller Deutschen gewor. den: „Ohne Rheinland kein Deutschland obn- Deutschland kein Rheinland". ’
— Das eine ist es. das uns beim Klange deS Wortes Rhein immer wieder erfüllt: Der Rhein ist uns ein Symbol deutschen Wesens Symbol deutscher Größe. Symbol deutscher Kraft Des vergangenen Jahrhunderts erste Notzeit, ,ene Zeit, als des Korsen Riesen.
wm-Zeile 45 A. Lsfertaebübr 25 A (bei Zusrellurrg 85 A>. Stedjnungsoeträgt innerhalb fomi»8«?. ^tb«. Brüt bie StWtgteti oder Jurtb öernfpredjer aufaeaebtnen Bmetgen ™< aufnabmebaten und Platze kann nicht garantiert werben. Kür Anzeigen mit besonders ichwterraem Satz 100 Prozent Aufschlag. Postscheckkonto Krankfurt a. M. 6380.
Attentaten.
©erlitt, 14. September.
ließet die Untersuchung der Bombenattentate weiß eine Berliner Korrespondenz zu berichten daß der gestern festgenommene Mitarbeiter deS Kapitän Ehrhardt PlaaS nach wie vor jede Be-eiligung an den Bombenattentaten bestrei- tet. Die ihn hauptsächlich belastende
Auffindung einer Sprengkapsel Nr. 8 in seiner Wohnung
erklärt er damit, daß er die Kapsel noch vom
Deutschlands Strom
. W. 'P, Ende November 1918 war es Durch trübe Morgendämmerung marschierte unsere Batterie in rieselndem Regen auf rheinischer Landstraße. Novemberwind fing sich in kahlem Geäst tropfender Bäume, trieb mit Schanzzeug und Gerät an Fahrzeugen und Kanonen lärmendes Spiel. In graue Mäntel gehüllt kauerten müde Gestalten auf Protzen und Wagen, hingen müde Reiter auf regentriefenden Gäulen!
Und bann! Ein Ruf von der Spitze flog klirrend über die marschierende Kolonne. Die lähmende Müdigkeit floh aus zerschlagenen Gliedern . . . Auf gewaltiger Brücke rollten knirschend schwere Räder von Kanonen und Wagen. Eisernes Stützwerk schwang sich zur Rechten, zur Linken aufwärts. Und tief unter uns, von wallenden Nebelschwaden überzogen, ein Wellenband: Der deutsche Strom! Ein kurzes Halt, und weiter ostwärts ging unser Marsch. Wir wußten, in ein paar Tagen werden fremde Truppen den gleichen Weg durch das rheinische Land ziehen, den wir marschiert sind. Schmerz stieg heiß in uns auf.
Die Raffelet Neueste» Nachri<bte» erscheine» wöchentlich lechSmal »achmittaa» Der 1 uemeutsvrets beträgt für oe» Monat 2.30 Jt betfreier Snftellung in« HauS htV fchaftSkeüe abaeboü 2.10 X Durch bie Po» monatlich sjjO ass auSichl^tznch uirellur bichr, Rückzabluna be» «ezugSgelbe» ober AnforüZe wegenetwaräeruiLiordn mafetger Lieferung ,S ausgeichionen Kür unverlangt eingeianbte «etträae kam Redaktion eine Verankworruna ober Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Sdniftie1 Verlag unb Druckerei: Rastel, schlachthofftratze Nr. 28/80. Kernior. 8601. 8602, 3603.
Beginn der englischen Räumung
Ein kleiner Lruppenie» macht den Anfang / Durchführung der Räumung in neunzig Tagen
Paris, 14. September. Zu den Presse- außerungen über die Frage ,ob die im französischen Ministerrat in Rambouillet ausgespro- chene Billigung der Politik Briands in Genf entmüttg erfolgte oder nicht, veröffentlicht der „Mattn" im Sperrdruck eine Feststellung, wonach der MlNlsterrat nach einer Erläuterung der Räumungsbedingungen durch Briand und des Standes der Defensiv-Organisation an den französischen Grenzen durch Kriegsminister Painlevs die von der französischen Delegarion sowohl im Haag wie in Genf eingenommene Haltung einmütig gebilligt hat.
rNarineabrüstungsKonferenz im Dezember?
Kasseler Neueste Nachrichten
___Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitnng
Kriege her besessen habe Die Sprengkapsel Nr. 8 wurde im Kriege bekanntlich bei den Stielhandgranaten verwendet unb ist In vielen Millionen von Exemplaren hergestellt worden. Nach dem Gutachten der chemisch-technischen Reichsanstalt ist allerdings eine derartige Sprengkapsel auch bei der Bombe am Reichstag benutzt worden. Die bei ihm gefundene S-Munition will Plaas zu seinem zu einem Jagdgewehr umgearbeiteten Karabiner 98 gebraucht haben.
Kapitän Ehrhardt ist im Verlaufe des Tages, wie eS heißt, in Berlin gewesen,
um sich bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu informieren, ob gegen ihn etwas vorliege. Er soll, der Korrespondenz zufolge, den Bescheid erhalten haben, daß dies nich: der Fall ist.
Zum Fall des Feuerwerkers WilSke er- klären nach der Meldung der Korrespondenz zuständige Stellen der Polizei, daß die in der Wohnung WilSkes in Neukölln beschlagnahm- ten Chemikalien sich entgegen der ersten An- nähme nach dem Gutachten der Sachverständigen nicht zur Herstellung von Sprengstoff eignen. Man habe bei W. aber verhältnismäßig beträchtliche Mengen von Chemikalien gefunden, u. a.
500 Gramm Quecksilber, sodaß zuerst nicht ersichtlich gewesen sei, wie Wllske, der als Kriegsbeschädigter in sehr be- scheidenen Verhältnissen lebte, zu diesen Stof- fen gekommen sei und welchen Zwecken sie dienen sollten.
wieber auf freiem Futz!
Hamburg, 14. September. I nachmittag wurden die Rationalso- riallsten Redakteur Willy Ehlers von der
Artz U. der Kaufmann B e n t s ch "us.Jtzehoe vom Altonaer Polizeipräsidium wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Haupischrifi. huter Uhse wurde in Haft behalten, da die ihm gehörigen beschlagnahmten
Schriftstücke noch nicht abgeschlossen ist.
AufgeklarteZusammenhänge
Lüneburg, 14. September.
Tas in Lüneburg arbeitende Landeskrimi- nalamt hat interessante Zusammenhänge mit den Bombenattentaten aufgedeckt. Als s. Zt. dar erste Attentat in Lüneburg gegen das ^us von Dr. Strauß erfolgt war, vermutete em Tett der Bevölkerung, daß die Attentäter ich m den Kreisen befinden könnten, die s Zt I die Synagoge in gemeinster Weise beschädigt hatten und gegen die Tr. Strauß als Beauftragter der Synagogengemeinde gerichtlich vor. < gehen mußte. Diese Zusammenhänge find jetzt - reftlos erwiesen. Einzelheiten werden der j Presse aber noch nicht mitgeteilt. I <