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Meter Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Donnerstag, 12. September 1929

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Nammer 215 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

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Macdonalds Amerttareise

Beginn am 28. September? / Washington versucht, die Gegensätze in der Kreuzerfrage zu überbrücken

Hoovers neuer Vorschlag

Eigene Drahtmeldung

Uhr über Recklinghausen, 10,5 Uhr über Münster. Von hier aus setzte es die Fahrt tn Richtung Bielefeld fort, wo es 10,41 Uhr ein- traf. 11,15 Uhr wurdeGras Zeppelin" über Bückeburg tn Richtung Hannover fliegend ge. sichtet.

London, 12. September.

Die geplante Reise des englischen Minister- Präsidenten Macdonald nach den Vereinigten Staaten wird, wie der diplomatische Korrespon- den! desDaily Telegraph" erklärt, am 28. September erfolgen, wenn eS zu diesem Zelt- punkt zu einem prinzipiellen Abkomme« über die Frage der Marineabrüstung zwischen Mac- donald und General DaweS gekommen fern sollte. Sollte ein solches Abkommen bis zum 28. September nicht erzielt worden sein, so würde Macdonalds Reise nach Amerika not­wendigerweise auf ein bedeutend späteres Da­tum verschoben werden.

* * *

Washington, 12. September. Präsident Hoover hatte gestern erneut eine Unter- redung von längerer Dauer mit dem Staats­sekretär Stimson, Marineminister Adams unv Konteradmiral Jones über die der englischen Regierung in den Seeabrüstungsverhandlungen zu gebende Antwort.

Wie weiter verlautet, hat die amerikanische Regierung «ach tagekangen RegierungSkonfe- renzen, die unter dem Vorsitz Hoovers stattfan- den, etnen Gegenvorschlag in der zkreuzerfrage auSgearbcitet. ES handelt sich dabei um einen Versuch der amerikanischen Regierung, noch vor dem 28. September, d. h. noch vor der Abreise Macdonalds nach Washington, die englisch- amerikanischen Meinungsverschiedenheiten in der Flottenfrage auszugleichen.

Da zur Stunde über den Inhalt der Kon­ferenzen noch nichts verlautet, lassen sich auch die Aussichten für einen Ausgleich noch nicht übersehen.

rMnistenat in Rambouillet

Parlamentsbeginn nicht vor 28. Oktober.

Paris, 12. September.

Im Schlosse von Rambouillet wird heute ein Ministerrat stattfinden, der im Hinblick auf die letzten im Haag und in Genf stattgefundenen Verhandlungen von besonderer Wichtigkeit ist. Den größten TeU der Sitzung wird das Expose deS Ministerpräsidenten Briand ausfüllen, daS die Haager Konferenz und die Genfer Rats­tagung und seine offiziellen Besprechungen mit den führenden Staatsmännern Europas aus­führlich behandeln wird.

Die Minister werden sich andererseits zu­nächst eingehend mit der parlamentarischen Lage beschäftigen und bezüglich deS Wiederzusam­mentritts deS Parlaments ein prinzipielles Da­tum festsetzen. Man spricht bereit- vom 5. No­vember als Wiederbeginn des parlamentarischen LebenS. Andere sprechen vom 29. Oktober. Je­denfalls wird im Hinblick auf den radikalen Kongreß und die Senatsersatzwahlen der Zu­sammentritt der beiden Parlamente nicht vor dem 28. Oktober erfolgen.

Gin Grun-pfeiler -er Reichseinheit

Deutscher Anwaltstag j« Hamburg.

Hamburg, 12. September.

Reichsjustizminister von G u « r a r d hielt auf dem Deutschen Anwaltstag eine Rede, in der er die hohe Aufgabe der Anwaltschaft hervor­hob, Träger und Mehrer deS großen Gedan­kens der deutschen RechtSeinheit zu sein.

Unsere Rechtseinheit, führte der Minister auS, ist einer der besten Grundpfeiler unserer Reichseinheit. An diesem Grundpfeiler mitge­baut zu haben, kann die deutsche Anwaltschaft für sich in Anspruch nehmen. Ihr fiel die weit gröbere Aufgabe zu, mitzuarbeiten an der Wei­terbildung des Rechtes, denn nur dann kann der Rechtsaedanke im Volke lebendig bleiben. In der Erfüllung dieser Aufgabe wird das Recht auch ein bedeutfamer Faktor für die Ausgestal­tung und Festigung der deutschen Republik.

Ich kann Ihnen, so schloß der Minister, dir Versicherung geben, daß ich mich als Reichs­minister der Justiz stets dafür einsetzen werde.

daß die Anwaltschaft nicht in ihren Entwick- lungs- und Betätigungsmöglichkeiten eingeengt und durch Fesseln behindert werd«.

Graf Zeppelins" west-eutfchlan-fahrt

Friedrich-Hafen, 12. September.

DaS LuftschiffGraf Zeppelin" ist gestern um 23,16 Uhr zu der angekundigten Fahrt nach dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet mit 28 Passagieren an Bord aufgestiegen. Der Start vollzog sich vollkommen reibungslos.

Um 0.25 Uhr wurde das Luftschiff über Stuttgart, kurz nach 2 Uhr über Frankfurt am Main gesichtet. Es kreuzte dann über dem Taunus. 3.10 Uhr erschien eS über Hanau, machte dort eine Schwenkung und nahm Kurs auf Fulda. Kurz vor Schlüchtern bog das Luftschiff ab, erreichte 3,50 Uhr Gießen und passierte um 4.25 Uhr Siegen.Graf Zeppelin" besuchte dann Remscheid, Solingen, Düsseldorf, Krefeld, Elberseld und Schwelm.

Kurz vor 9 Uhr erschien daS Luftschiff über Esten. 9,20 Uhr war es über Duisburg, 9,45

ein Sckrnerpatz In Amerika

San Diego (Californien), 12. Sept.

Ein Bergsattel im östlichen Küstengebirge wurde zur Erinnerung an die Ueberfuegung durch das LuftschiffGraf Zeppelin" Eckener­paß getauft. Ein Armeeflugzeug, in dem sich Major Karl Spatz sowie der Kapitän derEm­den", De la Perriöre befanden, überflog den Patz und warf einen Fallschirm ab, an dem eine deutsche und eine amerikanische Flagge befestigt waren.

Dr. Eckener, der am 17. September in Hamburg erwartet wird, wird dort eingehende Besprechungen mit den Vertretern der Hapag haben. Bet den Besprechungen wird es sich vor allem um di« Frage der Schaffung eines Flughafens mit moderner Doppelhalle drehen, der in der Nähe eines großen Verkehrszen­trums gelegen sein soll. Die Wahl ist nicht leicht, da nicht nur auf die Verkehrsmöglich­keiten Rücksicht zu nebmen ist, sondern natür­lich auch die meteorologischen Verhältnisse eine Rolle spielen.

Die Aufhellung der Bombenattentate

(Eigener Drahtbericht).

Berlin, 12. September.

Uebcr die Verhaftungen der Bombenatten- täter (über die wir gestern bereits ausführlich berichtet haben) werden aus dem Preußischen Ministerium des Innern noch folgende Ein­zelheiten bekanntgegeben.

Schon nach dem ersten Attentat >n Schles­wig-Holstein wurde von dem Preußischen Mi­nisterium des Innern zusammen mit den Po­lizeibehörden die Ermittlung der Attentäter ein­heitlich organisiert, selbstverständlich unter der Mitarbeit der zuständigen lokalen Polizeibe­hörden. Der Berliner Kriminalrat Weitzel leitete und organisierte oie Ermttteluiigsar- beiten unter voller Wahrung der Zuständigkeit der lokalen Polizeibehörden. Es stand von vornherein fest, daß mit ganz besonderen Mit­teln gearbeitet werden mußte, da es sich offen­bar nicht um eine große Organisation, sonder« um eine« kleinen Teil von Leuten han­delte. die gegenseitig unverbrüchliche Berschwie.

genheit gelobt und gehalten haben.

Infolgedessen mußte man sich Zeit lassen, um die Spuren zu verfolgen und die Verdächtigen einzukreisen, damit man, sobald man Zugriff, nicht nur einzelne Personen, sondern möglichst die ganze Gesellschaft der Attentäter fassen konnte. Die Zusammenarbeit der preußischen Polizei mit den lokalen Polizeibehörden und mit den Polizeibehörden der anderen in Frage kommenden deutsche« Länder, Hamburg uno Mecklenburg hat sich nicht nur reibungslos, sondern geradezu in vollendeter Weise voll­zogen.

Die Nachforschungen führten zu einem be- stimmte« Kreis von Personen, der der Polizei seit längerer Zeit bekannt war, aber man mußte mit dem Zugriff warten, weil die Be­weise noch nicht schlüssig waren und man mcht auf bloßen Verdacht hin eine Verhaftung vor- nehmen konnte, solange die Möglichkeit bestand, daß nachher ein Verhafteter vom Unter­suchungsrichter freigelaflen würde.

Durch das Zuwarten wurde der Kreis der Attentäter In eine gewisse Sorglosigkeit gewiegt.

Der verhaftete Nickels stand schon seit einiger Zeit im Verdacht, daß er mit den Bomben­attentaten in Zusammenhang zu bringen fei. Nickels wird als ein ftüherer Polizeihaupt­mann aus Stuttgart bezeichnet. Unrichtig ist die Angabe in einem Blatte, daß er national­sozialistischer Abgeordneter sei. Im Jahre 1923 und 1921 gab es allerdings einen Polizeicsfi- zier Nickels, der aber schon 1922 aus der Poli­zei ausschied. Es ist möglich, daß der damalige Polizeioffizier mit dem Verhafteten Personen- gleich ist; diese Frage wird noch nachgeprüft

Bei dem Bankbeamten Schrader wurde am Dienstag in Hamburg eine Bombe beschlag­

nahmt. Die Polizei wußte, daß Nickels im Be­sitz einer neuen Bombe war; diese hat er an Schrader gegeben, und daraufhin erfolgte am Dienstag der Zugriff und die Beschlagnahme der Bombe bei Schrader.

Die Bombe zeigt eine vollendete technische Arbeit.

Die Attentäter haben augenscheinlich aus den bisherigen Attentaten gelernt und technische Verbesserungen angebracht.

Die Verhaftung von Nickels und Schrader führte auf die Spuren des Kreises, der tn Berlin verhaftet worden ist. Zn diesen Ver­hafteten gehören der Bruder des in Hamburg verhafteten Redakteurs derLandvoll-Zei- tung" Bruno v. Salomon, Ernst v. Salomon und Hans Gert Techow, sowie ein anderer Kreis von Personen, bei denen nur feststeht, daß sie sich theoretisch und praktisch mit dem Unterrichten in der Herstellung von Spreng­stosfen beschäftigt ober diese auch selbst ange­fertigt haben, aber nicht ob sie auch mit den jetzigen Attentaten in Verbindung zu bringen sind.

Die Zahl der unter dem Verdacht der direk­ten oder indirekten Beteiligung an dem Bom­benattentat in Berlin und im Reich verhafteten Personen hat sich in den gestrigen Nachmittags- stunden auf 22 erhöht. So wurde« u. a. in 6er Nähe von Breslau noch zwei Personen sestgr- nommen, und zwar handelte es sich dabei um den Landvolkführer Hamkens und den Ge- fchästsführer Muth mann. In einem Ber­liner Cafe wurden gestern nachmittag ferner bet 25jährige Vertreter Horst von Salomon, der 27jährige Kurt Heinz von Winterfeldt und der 29jährige Flugzeugführer Willy Eichler festge- nommen, weil sie sich in verdächtiger Weise über die Bombenattentäter unterhielten. Da der Ver- dacht der Mitwifferfchaft bestehe, konnte ihre Entlassung nach der Vernehmung auf dem Poli­zeipräsidium nicht erfolgen.

Rrimmalpolizei in -er Redaktion

Drei weitere Verhaftungen.

Hamburg, 12. September. Am Donnerstag morgen erschienen in der Redattion der natio- nalsozchlistischenSchleswig-Holsteinischen Ta­geszeitung" in Itzehoe fünf Beamte der San- deskriminalpolizei aus Altona u. durchsuchten die Schreibtische und Schubfächer der nicht an­wesenden Redakteure. AuS dem Schreibtisch deS Hauptschriftleiters Uhfe wurde ein Bries, sowie ein Notizbuch beschlagnahmt. Weiter be- lastendes Material wurde jedoch nicht gefun­den. In dem Brief befand fich ein Zeitungs­

ausschnitt einer dänischen Zeitung, der fich mit dem Bombenattentat auf daS ReichStagsgebäu- be beschäftigt.

Schon um 6 Uhr früh waren Kriminalbeam­te in der Privatwohnung deS Hauptfchriftlei- terS Uhfe erschienen und durchsuchten dort im Beisein deS Hauswirtes sämtliche Schriftstücke, sowie auch die Privatkorrespondenz. Ei« gro­ßer Teil der Schriftstücke wurde beschlagnahmt.

Der Hauptschriftleiter sowie der Redakteur EhlerS und der Gaugeschäftsführer der Natio­nalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Strafe, wurden In Hamburg auf dem Haupt- bahnhos festgenommen, als sie hier auf die An- kunst eines Zuge- warteten. Es ist anzuneh­men, daß das Gebäude derSchleswig-Holstei­nischen Tageszeitung" von Beamten her Kri­minalpolizei überwacht wird.

* * *

Winsen (Prov. Hannover), 12. Sept.

Fm Zusammenhang mit der Bomvenaffäre wurde hier gestern nachmittag der Führer der Landvolkbewegung im Streife Winsen, Hofbe­sitzer Amandus B i ck aus Rönne, verhaftet.

Versuche mit Sprengstoff

un- Tränengas

Berlin, 12. September

Der Polizeipräsident teilt mit: iw Zu,

sammenhang mit den in Hamburg und Schles­wig-Holstein erfolgten Verhaftungen am Morgen deS 11. September festgenommenen Personen wurden im Laufe de- gestrigen Tages vernom­men. Dabei stellten sowohl die zur Gruppe Salomon wie auch die zur Gruppe Timm ge­hörenden Personen jede Verbindung mit den Attentaten in Abrede.

Durch das beschlagnahmte, umfangreiche Schriftmaterial und auch durch Zeugenaus­sagen' ist jedoch schon einwandfrei sestgestellt, daß die zur Gruppe Salomon gehörenden Fest­genommenen in engster Verbindung mit bett tn Holstein festgenommenen Personen standen.

Bei den zur Gruppe Timm gehörenden Per­sonen ist festaestellt worden, daß noch in letzter Zeit in der Wohnung des Timm Versuche nvt Sprengstoffen, Tränengas und Sprengwasser (Pykrin und Nitroglyzerin) angestellt worden sind. Die Chemikalien stammten von dem sest- genommenen ehemaligen Feuerwerker Wilske, dessen Wohnung in der Bodestraße in Neukölln ein vollständiges Laboratorium darstellt und dessen Einrichtung und Bestände zur Zeit von einem Sachverständigen eingehend untersucht werden. In diesem Laboratorium Wilskes, der sich Laborant nennt, sind praktische Versuche zur Herstellung von Sprengkörpern vorgenom- men worden.

Die Haussuchung im Büro Ehrhar-t

Berlin, 12. September.'

In Verbindung mit den Untersuchungen der Sprengstoffattentate sollte «wie berichtet wurde) gestern vormittag das Büro Ehrhardt in der Lützowstraße, das von früheren Mitglie­dern der Organisation Consul geleitet wird, einer Durchsuchung unterzogen werden. Als die Beamten erschienen, war aber noch niemand im Büro anwesend, sodaß sich die Haussuchung verzögerte, bis gegen Mittag die Sekretärin Sonja Lankes eintrat. Dre Beamten der Abteilung I a des Polizeipräsidiums beschlag­nahmten nunmehr das gesamte schriftliche Ma- terial und nahmen Fräulein Lankes fest. Der Geschäftsführer Platz ist nicht aufzufindett. Er scheint sich verborgen zu halten. Fräulein Lan­kes wurde nach einstündtgem Verhör wieder auf freien Futz gesetzt.

Sine nationalsozialistische Erklärung

Berlin, 12. September.

Die Reichstagsfraktion der Nattonalfoziali- sten erklärt in ihrer Presse-Korrespondenz, daß die Partei mit den Leuten von der Organisa­tion Consul nicht das geringste gemein habe, auch wenn der eine ober andere sich im Besitz eines Mitgliederausweises befinden sollte. Nach den strengen Parteibefehlen, die seit lan- ger Zett inkrast seien, schließe sich jedes Mit- fllieb im Augenblick der Beteiligung an illega­len Akttonen autornattsch selbst aus. Zur Or- gantfotion Consul selbst habe die Partei nie- malS Beziehungen irgendwelcher Art gehabt, sie habe zu ihr stets in denkbar schärfstem Ge- gensatz gestanden.