Hessische Abendzeitung
Dienstag, 10. September 1929
gewiß.
des
»re-
Ungerechtfertigte Beschwerden
Deutschlands Antwort an Rußland.
Berlin, 10. September.
Die deutsche Gesandtschaft in Peking sei zu einem eingehenden Drahtbericht über die Lage der Sowjetbürger in China aufgefordert worden. Ein höherer Beamter des deutschen Konsulats in Charbin habe sich inzwischen zu einer Informationsreise persönlich nach Mandschuria begeben. DaS Auswärtige Amt möchte der Sowjetunion im Interesse der friedlichen Regelung der bestehenden Differenzen anheimge- den, daS Eintreffen dieses Berichtes abzuwarten, ehe sie sich zu Repressalien entschließe.
Moskau protestiert weiter
versöhnlich und maßvoll gezeigt. Seine Rede lag ganz in der Linie, die Macdonald und Brtand vorgezeichnet haben.' Aehniich äußern sich „Qnotidien". »Volants" und „EveNouvelle".
x$n der Note wird auf die ständig sich wiederholenden Ueberfälle chinesischer und weißgardiftischer Truppenteile im chinesischen Grenzgebiet hingewiesen und die Nanking- und Mukden-Regierung für diese Ueberfälle und die Besaueßuna der Bevölkerung verantwortlich I ns: tSsE"wS8? IÄ ässä ws ISÄÄÄ» I Ä8ÄÄ""i,,Mu”»"
Mukden, 10. September.
In einem offiziellen Kommunigue zu de« Kämpfen au der russisch - mandschurischen Grenze wird milgeteilt, daß nach zweitägigen heftigen Kämpfen die Stadt Pogranischnaja Von den Russen erobert worden sei. Die Stadt sei aber wieder von den chinesischen Truppen eingenommen worden. Ein russischer Angrif auf die Ortschaft Tunging konnte erfolgreich abgeschlagen werden.
Londons Urteil
London, 10. September.
Paris, 10. September.
Die gestrige Rede Stresemanns wird von der Presse als sehr bedeutsam gewürdigr und von vielen Blättern nach den Erklärunocn Macdonalds und Briands als weiterer Beitrag zur Friedenspolitik bezeichnet. Besonders wird die bei aller Festigkeit maßvolle Art des Vortrags hervorgehoben und besonders die Zustimmung zum Briandschen Vorschläge einer | Neuorganisation Europas unterstrichen.
Der Außenpolitiker des „Mar.n" nennt die Rede Stresemanns sehr bedeutsam. Die eine Gruppe seiner Darlegungen stelle die Ansichten der Wilhelmstraße über die Entwicklung Europas dar. die andere Gruppe ecr Darlegungen sei das persönliche Werk Stresemanns, das Werk eines Ministers, der mit gutem Willen an dem gemeinsamen Unternehmen mit- arbeite.
Der Genfer Sonderberichterstatter des Journal" fragte: Wie lange wird das Reich die Möglichkeiten, die ihm Artikel 19 »Revisicn der Verträge) der Völkerbunvssayung bieten, unbenutzt lassen? Die Kontiuniiät der Auffassung, sich zur Befreiung von den »in Vcr- sailler Vertrag auferlegten Bedingungen dieses Artikels zu bedienen, mache cs den alliierten Staaten zur Pflicht, alle Möglichkeiten, die cin- treten könnten, vorauszusehen.
Der Genfer Berichterstatter des „Petit Journal" meint, Stresemanns Rede sei die Rede eines guten Europäers, aber freilich die Rede eines Europäers, der allzu ausschließlich als Deutscher spreche und denke.
Der Sonderberichterstatter des „Petit Pari- sien" in Genf sagt: Stresemann hat sich sehr
. -'Star" bringt als Ueberschrift in Fett- druck: „Deutschlands Wunsch nach Weltfrie- lc” • -;®öening®tanbarb" überschreibt bie gebe: „Der deutsche Außenminister Feuer und Flamme für die Vereinigten Staaten von Eu- Blätter erwähnen den „dramati- schen Zwischenfall", als Briand unter dem
*in Befall der Zuhörer die Hand RetchsaußenmlNlsters herzlich schüttelte.
Nummer 213 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
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..Die „Times" berichtet an leitender Stelle hibpCV,h»®fa 7 ,*cbe ^r' Stresemanns, daß P?». blede als solche und ihre Aufnahme cha
m^r»-eVur bie Basis der internano- ualen Verständigung, die in diesem Monat in Genf begonnen hat. Der ganze Erfolg der Haager Konferenz habe sich bei der letzten Sitzung des Völkerbundes bemerkbar gemacht und die Luft in zauberhafter Weise gereinigt. Eine solche Rede, wie Dr. Stresemann sie ge- halten habe, hatte niemals von einem bent- W?ertJienr auf ^ner Tagung des Völker- bundes gehalten werden können, solange nicht die Entscheidung über die Rheinlandraumuna gefallen war Briand sei der herzlichen Unterstützung der deutschen Regierung für seinen Plan^ der Vereinigung der Völker Europas
London, 10. September.
- Zum erstenmal nach der Vertagung des Parlaments fand gestern ein Kabine,tsrai statt, an dem außer Macdonald alle zur Zeit in London befindlichen Minister teiuiahmen Entgegen anderslautenden Meldungen teilt der „Daily Herold" heute mit, daß von einer Spaltung oder von Meinungsverschiedenheiten über die von Henderson in Kens abgegebenen Erklärungen in der Frage der finanziellen Unterstützung kleiner Völkerbundsstaaten im Kriegsfälle nickt gesprochen worden ist und daß derartige Berichte als unwahr bezeichnet wer- den müßten.
Kowno, 10. September.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Stellvertretend« Außenminister Litwinow am Montag dem deutschen Botschafter eine Note jur Weiterleitung an die Nanking-Regierung überreicht.
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Der Reichsrat hat das Wort
Don unserem Berliner Vertreter
Berlin, 10. September.
Der für heute nachmittag 5 Uhr anberaum- ten Plenarsitzung des Reichsrats sieht man in politischen Kreisen mit gewisser Spannung ent» Segen. In dieser Sitzung soll bekanntlich die Entscheidung darüber fallen, ob die Länder den Wiffellschen Entwurf über die Arbeitslosenversicherung annehmen oder ablehnen. Wie groß die Schwierigkeiten in dieser Frage auch inner« halb der Länder sind, geht daraus bervor, daß diese Sitzung in der vergangenen Woche ver- schoben werden mutzte.
Das preutzische Kabinett muß sich heute vormittag über seine endgültige Haltung schlüssig werden. Der preußische Ministerpräsident Braun ist zu der heutigen Sitzung gestern abend nach Berlin zurückgekehrt, sodaß alle Mitglieder des preußischen Staatsministeriums an dieser wichtigen Beratung teilnehmen werden.
Reichsinnenminister Severing wird im Laufe des heutigen Tages ebenfalls noch eine Unterredung mit Ministerpräsidenten Braun haben, und
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»Ich glaube feststellen zu können, daß nicht nur Deutschland, nicht nur die BesatzungS- Mächte, sondern auch der Völkerbund sich dazu beglückwünschen kann, wenn seit der vorige» Woche die Zurückziehung der fremden Truppen aus Deutschland in bestimmter, naher Frist eine beschlossene Sache ist." Dr. Stresemann wies mit diesen Worten die Anschauung zurück, daß die Räumungszusage ein Geschenk sei, das nur Deutschland zugute komme. Er kennzeichnete aber zugleich damit auch die Unhaltbarkeit des bisherigen Zustandes. ES war in der Tat eine jener Unbegreiflichkeiten, an der die Nachkriegszeit reich war, daß ein Staat, der in Genf als Gleichberechtigter in den Bund der Völker' ausgenommen worden war, in seiner Souveränität aufs empfindlich- ste beschnitten wurde. Diese Barriere, die bisher die Völker trennte, soll nunmehr aufgehoben werden. Bestehen aber bleibt etwas an- deres, was die Tätigkeit des Völkerbundes Immer wieder gehemmt hat: Die Verankerung der Völkerbundssatzungen in dem Versailler Vertrage. Der deutsche Außenminister ist auf diese Dinge in seiner Rede nickt näher eingegangen. Bei der Besprechung der Vorschläge, die von England zur Reform des VölkerbundpakteS eingebracht worden sind, hat er zwar leine Ansicht dahin festgeleat, daß die Reform nicht
I 6et ,®en beiden von England benannten Para- , graphen stehenbleiben dürfe, aber seine wei-
Nach dem englischen und dem französischen Ministerpräsidenten zu sprechen, — das war für den deutschen Vertreter eine Situation, ! die viel taktische Geschicklichkeit forderte. Denn mit Rücksicht auf unsere ganze außenpolitische Lage mutzte vermieden werden, daß diese deut- sche Rede als eine — wenn das Ges" ‘ chen durfte, nicht schwer zu treffende — Wahl zu Gunsten eines ber beiden Vorredner gedeutet werden konnte. An dieser Klippe ist der deutsche Außenminister vorbeigekommrn, ohne mit diesem vorsichtigen Lavieren die Klarheit der deutschen Stellungnahme zu beeinträchtigen. Und dieser Gesamteindruck der Strese- mannschen Rede kann auch dadurch nicht getrübt werden, daß man vielleicht in einigen Punkten gern eine energischere Betonung unserer Forderungen, ein nachdrücklicheres Eintreten für das, was uns Voraussetzung für eine Gesundung des Völkerbundes zu sein scheint, festgestellt hätte! Beifallswürdig war aber wieder andererseits die überzeugende Art, in der unser Außenminister den Nachweis führte, daß diese deutschen Ziele identisch seien mit den Zielen nach denen jeder verantwortungsbewußte Mitarbeiter am Genfer Werke streben müsse.
London, 10. Sept.
berichtet „Times": Weder die di- i bw militärischen Behörden
™.ber. Ansicht, daß der Angriff auf Pogra- nuschnaja vorsätzlich war oder eine Verände- ntng bedeutet Beamte des KriegSministeri-
^ssuben, daß Tschiangkaischeks Stellung burch die Feindschaft die er im Norden gegen sich hervorgerufen hat, geschwächt worden ist und daß er nicht in der Lage sein werde, sich »och viel länger den Forderungen Moskaus zu wroersetzen.
. Berichterstatter des glei-
che" Blattes berichtet dagegen: Sowjetrußland führt Krieg gegen China ohne jede KriegSer- llSrung Der Bormarsch der Truppen ist auf bie Ankunft von Verstärkungen und auf die Organisation der Streitkräfte unter dem Sow- jetoberbefehlshaber Blücher (GalenS) zurück- zuführen. Wettere Verstärkungen werden aus Moskau während der kommenden Woche er- ?"rt^-Die chinesischen Truppen find angewie- s«r, sich btS zum Aeußersten zu verteidigen, aber nicht in Sowjetgebiet etnzudringen.
eS scheint, als ob auf preußischer Seite Neigung besteht, einem Kompromiß in der Frage der ArbeitSlofen-Bersicherungsreform zuzustimmen.
Die fozialdemokratifchen Minister Severing, HUferding und Wtssell waren am Sonntag abend nach Baden-Baden abgeretst und hatten im Laufe des Montags eine eingehende Aus- fprache mit Reichskanzler Müller. Die Minister werden heute früh wieder in Berlin eintreffen. Reichsarbeitsminister Wissell will an der heuttgen Reichsratssttzung persönlich teilnehmen.
Von dieser Sitzung und von der am Donnerstag beginnenden zweiten Lesung der Vorlage im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wird es
abhängen, ob der gegenwärtige Regierungs- Entwurf Wetter beraten, oder ob die Regierung gezwungen wird, einen völlig neuen Entwurf im Parlament zu unterbrette«.
Es heißt auch im übrigen, daß man in Reichstagskreisen mit der Möglichkeit einer Einberufung des Reichstags für Ende September zu einer kurzen Tagung rechnet, um über die Regierungsvorlage die endgültige parla- j meutarische Entscheidung zu fällen.
Preußische Reformplime
Berlin, 10. September.
Der preußische Innenminister hat wiederholt erklärt, daß die preußische Staatsregie- rung dem Landtag im Herbst 1929 die neuen Verwaltungsreformgcsetze vorlegen werde. Wie der „Vosstschen Zeitung" zufolge verlautet, hofft man im Innenministerium die genannten I Gesetzentwürfe in absehbarer Zeit dem Land- I tag zuzustellen. Es handelt sich vor allem um I die neue Städteordnung, die Landgemeindeord- I nnng und die Provinzialordnung.
Im Preußischen Landtag, der seine Plenarberatungen am 15. Oktober wieder aufnimmt, I ist der neugebildete Untersuchungsausschuß zur Nachprüfung der Kreditgewährung der Preu- I tzenkasse an die Landbund- und Raifseifeng»- noffenschasten bereits für Mittwoch, den IS September einberufen worden. Er will in nicht öffentlicher Sitzung den Präsidenten der Zen- tralgenoffenschattskaffe Klepper als AuskunstS- person hören. Die Beratungen werden voraussichtlich von längerer Dauer fein.
Englischer Ministerrat
Ausbauende Kritik
fvW- p- Der gestrige Tag der Genfer Aus- spräche gehörte fchon feiner äußeren Aufma- chung nach zu jener Kategorie von Ereignissen, Heren Bedeutung durch das schmückende Bei- wort „großer Tag" der Mitwelt jeweils nahegebracht wird. Filmoperateure und Pho- waraphen suchten auf ihren Bildstreifen und Platten zu erhafchen, was des Erhaschens wert war und den Objektiven preisgegeben wurde. In den Vorräumen zum Resorma- ttonssaale, dieser mit hygienischen Unvollkommenheiten ausgestatteten Schreckenskammcr, herrschte ein beängstigendes Gedränge von debattierenden Diplomaten. Massenaufgebot der internationalen Presse; auf der Galerie ein sehr elegantes Publikum, darunter auch dies- wal ein erheblicher Prozentsatz weiblicher Be- sucher (ber Rekord vom vorigen Donnerstag, m dem der französische Außenminister sprach, ist freilich wohl nicht erreicht worden, denn Briand, der Mann der klingenden Phrasen, ist nun einmal der politische Star für die Genfer Damenwelt). Die ganze Atmosphäre mit gespanntester Erwartung geladen: Ein großer Tag in Genf!
Nach Macdonald und Briand sprach ge- steril Dr Stresemann. Auf den „Revolutto- uar. bei dem das Revolutionäre weniger in ber ftubnbeit seines Programmes, als m ber Entschiedenheit seines Auftretens, bas neue Methoden ber englischen Politik ankündigte, lag, und auf ben Zauderer, der fein Zaudern hinter einem Wall von großen Worten ber* barg, folgte der deutsche Außenminister. In einem Teil seiner Rede war Dr. Stresemann Kritiker und. wie die Dinge sich in Genf bis- her entwickelt haben, mußte er Kritiker sein. Aber feine Kritik machte nicht beim Verneinen Halt, sondern ste wies zugleich den Weg zu neuen Usern. Und damit wurde die Rede Stresemanns zu einem Ereignis, das den ge- fingen Tag der Völkerbundsverhandlungen nicht nur aus äußeren Gründen zu einem großen Tage machte.
In Beantwortung der rufstschen Verbalnote vom 7. d. M., in ber die Sowjettegierung über Gewalttätigkeiten gegen Sowjetbürger in China und die geringen Erfolge ber von den deutfchen Konfulen in China ergriffenen Schutzmatznah-
Neue Kämpfe in der Mandschurei
Eigene- Drahtbericht.
folgenden Inhalts überreicht,in der ei u. a. heißt:
. Das Auswärtige Amt hätte den wesentli- eben Inhalt der Verbalnote gemäß den Wünschen der Sowjetregierung der deutschen Gesandtschaft in Peking zur weiteren Veranlassung gedrahtet. DaS Auswärtige Amt müßte aber zugleich darauf hinweifen, daß eS die Angriffe gegen die Tätigkeit der deutschen Konsulate in der Ausübung des Schutzes der Sowjetbürger sehr befremdet habe, umsomehr, als diese Anwurfe sich auf in keiner Weise nachgeprüfte, allgemeine Behauptungen stützten, und die Sowjetregierung eS für richtig gefunden habe, ihre die Vorwürfe enthaltende Verbalnote sofort zu veröffentlichen. Aus den auch der Sowjetregie- rung bekannten Berichten der deutschen Konsulate geht hervor, daß diese sich im Rahmen des Erreichbaren mit aller Kraft erfolgreich für die Interessen der Sowjetbürger eingesetzt haben.
Beitrug zur Friedenspolttit
Eigene Drahtmeldung
Das Echo der Stresemannrede
Freundliche -Aufnahme in Varis unh London / , Steinigung der internationalen Atmosphäre
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