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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 210 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, 6. September 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Bombenanschlag in Lüneburg

Sine Bombe im Kellergewölbe des ItegienmgögebSubes / Don den Tätern fehlt jede Spur

Starke Verwüstungen

Eigene Draht««ldung

Vertagung... der übliche Ausweg

Von unserem Berliner Vertreter.

Lüneburg, 6. September.

Heute nacht gegen 1 Uhr explodierte nahe dem Hauseingang zum Regierungsgebäude mit gewaltigem Knallen und großer Sprengwir­kung eine Bombe. Ein Pfeiler des Keller­gewölbes, in das die Bombe gelegt war, wurde herausgeriffen, einzelne Mauersteine flogen 25 Meter weit an die gegenüber liegende Rathaus­wand und hinterließen dort deutlich stchtbarr Spuren. Fast sämtliche Fenster des Rathauses, viele Fenster des Regierungs- sowie anderer Gebäude sind zertrümmert. Teilweise wurden die Fensterläden durch den Luftdruck eingedrückt.

Die Wirkung der Bombe ging nach oben und zerschlug das Kellergewölbe. In dem darüber liegenden Büro des Bezirksausschusses wurden starke Verwüstungen angerichtet. Ein Schreibtisch versank halb in der Futzboden- öffnung. Die meterhohen, mit Akten voll an- gejüüten Regale sind vollständig durcheinand-'r geworfen.

Der Zeitpunkt des Anschlages war günstig gewählt, da ein Teil der Regierung, darunter der Bezirksausschuß gegenwärtig in einen Neu­bau umzieht. Regierungspräsident Dr. Herbst,

dem Walde zwischen Mehlkuhnen und Kassu- ben sechs Männer die Chaussee betraten. Als er schars hinblickte, zogen sich die Männer wie­der in den Wald zurück. Das kam dem Be­sitzer verdächtig vor. Er alarmierte die Land­jägerei, die das Wäldchen umstellte und die sechs Männer festnahm.

Es stellte sich dabei heraus, daß es sich um den litauischen Emigrantenführer Pletschkai- tvs und fünf Genoffen handelte. Sie gaben an seit zwei Jahren in Polen zu leben und nun den Versuch machen zu wollen, über die Grenze nach Litauen zu gelangen, um dort ihre Verwandten zu besuchen.

Bei der Durchsuchung ihres Gepäcks fand man dann zwei Gewehre, sechs Revolver, sehr viel Munition, sechs Handgranaten und einen Korb mit sechs schweren Bomben. Es hat den Anschein, daß die Absicht bestanden hat, den D-Zug, mit dem der litauische Ministerpräsi­dent Woldemaras aus Genf zurückkehren wird in die Luft zu sprengen. Ob sich diese An­nahme bewahrheiten ,-rd, muß erst die nä­here Untersuchung ergeben. ES steht jeden­falls schon fest, daß Pletschkaiths und feine politischen Freunde ein neues Attentat auf Woldemaras beabsichtigt haben. Sie wurden gefessellt und dem Amtsgericht in Stallupönen zugeführt.

Berlin, 6. September.

Die Verhandlungen, die gestern mittag im Sozialpolitischen Ausschuß stattfan- den, sind völlig negativ verlaufen. Das Er­gebnis kommt nicht überraschend. Man war schon vorher einigermaßen darüber unterrichtet daß die verschiedenen Anträge der Parteien mit wechselnden Mehrheiten abgelehnt wer­den würden und daß auf diesem Wege große Lücken in die Regierungsvorlage hineinkom­men mutzten, da auch für die entsprechenden Artikel der Vorlage selbst, soweit sie umstritten waren, feine Mehrheit vorhanden war. So ist es denn auch gekommen und auf diese Weife ist jetzt nach der ersten Lesung des Ausschusses ein Entwurf vorhanden, der gerade in den wichtigsten Punkten (Beitragserhöhung, Staf­felung der Beiträge, Anwartschaft, Wartezeit, Anrechnung der Renten usw.) überall Lücken aufweist, also vollkommen unbrauchbar ist. Man hat in dieser Situation keinen besseren Ausweg gewutzt, als sich um eine Wo.che zu vertagen, um dann die zweite Lesung zu beginnen.

Hierzu wird der Reichs rat am nächsten Dienstag in öffentlicher Sitzung sein Votum bekannt geben, und allgemein hat man ein Interesse daran, den Beschluß des Reichs­rates abzuwarten. Wahrscheinlich wird der Reichsrat sich mit Mehrheit für eine verän­derte Fassung der Vorlage entschließen, in der

Frankreichs RiiumungsMne

Eigene« Drahtbericht.

der über dem seither gefährdeten Torbogen schlief» blieb unverletzt. Die Lichtleitung im Gebäude versagte zunächst.

Die zuständigen Stellen im Polizeipräsi­dium, sowie sämtliche Landjägereien und Poli­zeistationen der Umgebnng sind in Kenntnis gesetzt worden. Polizeipräsident Wentker traf mit mehreren Beamten aus Harburg ein und hat die Ermittlungen ausgenommen. Von dem Täter fehlt vorläufig noch jede Spur.

politischer Fanatismus"

Selbstgestellung des Berliner Attentäters?

Frankfurt, 6. September.

Bei der hiesigen Staatsanwaltschaft meldete sich gestern abend der 30 Jahre alte Kaufmann Joseph Hett und gab an, daß er es sei, der das Bombenattentat auf den Reichstag in Ber­lin erübt habe. Bei einer eingehenden Verneh­mung vor der Staatsanwaltschaft sagte er aus, daß er den Anschlag aus politischen Zwecken verübt habe, um damit zum Ausdruck zu brin­gen, daß er und seine Gesinnungsgenossen mit Sen augenblicklichen Verhältnissen unzufrieden seien. Er gab an, daß ihn politischer Fanatis­mus zu der Tat eranlaßt habe, und er habe jetzt die Absicht, für diese seine Tat auch einzu- stehen. Von den Komplizen, die er bei dem Anschlag gehabt haben soll, hat er noch nie­mand genannt. Bei der Staatsanwaltschaft haben die Aussagen des Mannes einen ernst zu nehmenden Eindruck gemacht.

Attentatsversuch im Postamt

Berlin. 6. September.

Bei Prüfung des Schaltervorraumes und seiner Zugänge fand heute früh ein Beamter des Postamtes £). 27 in der Magazinstratze am Aleranderplatz in einem Korridor eine Blech­büchse, die 23 Petronen und etwa ein halbes Pfund Holzkohle mit Papierstückchen bedeckt, enthielt. Aus dem Holz ragte eine Spiralfeder heraus. Es ist nicht versucht worden, das Papier anzuzünden. Der Täter wurde anschet- nend gestört. Nach Angaben von Sachverstän­digen, die den Inhalt der Büchse untersucht haben, hat der Täter vermutlich nur die Ab­sicht gehabt. Unruhe zu stiften.

Bomben im Gepäck

Berhastung deS litauischen Emignmtenführers Pletschknitys.

Eydtkuhnen. 6. September.

Am Mittwoch vormittag bemerkte ein Be­sitzer, der aus dem Felde arbeitete, wie au8

Paris, 6. September.

Nach einer Straßburger Matinmeldung wird der Abtransport der französischen Truppen ans dem Rheinland in den ersten Oktoberragen beginnen. Das erste Infanterie-Bataillon, das das Rheinland verläßt, wird in Weißenbnrg Garnison beziehen, während das seit dem WaffenMstand dort weilende Jägerbataillon am 6. Oktober Weißenburg verlassen wird.

Amerika

und Her Iveltgerichtshos

Washington, 6. September.

Staatssekretär Stimson bestätigte, daß der Antrag auf Beitritt der Vereinigten Staaten zum Haager Gerichtshof, die offiz,elle Zustimmmung der Regierung gefunden habe, was sofort dem Generalsekretär des Völker­bundes mitgeteilt wurde.

In einer Notiz erklärt die amerikanische Regierung, sie habe das Projekt reif für die Annahme gefunden, nachdem eS von einer juristischen Kommission wesentlich abgeändert worden sei.

Der endgültige Beitritt der Vereinigten Staaten hängt also jetzt nur noch von bet Billigung der amerikanischen Reserven gegen­über dem Statut des Haager Gerichtshofs durch die in Betracht kommenden Haager In­stanz« ab. Bis zur Erledigung aller Forma. litSten dürfte aber wohl noch ein Jahr ver­gehen.

Flotten- abrüstungs - Abkommen im Oktober?

London, 6. September.

Zu der Frage der englisch-amerikanischen Seeabrüstungsverhandlungen teilt der New- Yorker Korrespondent des »Daily Telegraph- mit, daß nach Ansicht der offiziellen Stellen ein Abkommen mit England im Lause des Jahres für durchaus möglich gehalten wird Trotz der Warnungen Stimsons vor übertrie­benem Optimismus, wird in Washingtoner politischen Kreisen betont, daß die Schwierig­keiten nicht derartig seien, um Pessimismus in dieser Angelegenheit zu rechtfertigen. Stim­son selbst soll bereits der Hoffnung Ausdruck

gegeben haben, daß das Abkommen zum L Oktober abgeschlossen werden könne.

*

Präsident Hoover hatte erneut eine Kon­ferenz mit hervorragenden Persönlichkeiten des Marine-Ministeriums, in der das Seeabrü- stungsproblem und die Verhandlungen mit England einer eingehenden Besprechung un­terzogen wurde. Vor allem wurde einer der wichtigsten Punkte erörtert, nämlich die Ge­samttonnage, die den Seemächten zugespro­chen werden könne, sowie die verhältnismä­ßige Verteilung der einzelnen Schifssthpen aus die einzelnen Seemächte.

Die Vereinigten Staaten von Europa"

London, 6. September.

Wie Pertinax imDaily Telegraph« be­richtet, beabsichtigt Briand, in der nächsten Wochx eine Konferenz der Führer der euro­päischen BölkerbundSländer znsammenznrufen, um mit ihnen seinen Plan derBereinigten europäischen Staaten« zu erörtern. Die Zu­sammenkunft wird einen nicht amtlichen Eha- rakter tragen. Briand sei der Auffassung, daß kein Fortschritt erzielt werden könne, folange die ganze Frage nicht vorher mit den verant­wortlichen Ministern besprochen worden fei.

RairLiöaten

für den Völkerbundsrat

Genf, 6. September.

Präsident Guerrero hat die Neuwahlen zum Völkerbundsrat auf Montag nachmittag angesetzt. Rach der Wahlordnung scheiden in diesem Jahre Polen. Chile und Rumänien ans dem Rate aus. Da Polen jedoch einen halbständigen Sitz erhalten hat, kann Polen seine Kandidatur von neuem aufstellen und dürste aller Voraussicht nach mit einfacher Stimmenmehrheit gewählt werden. Anstelle von Rumänien hat jetzt Jugoslawien und auch Belgien die Kandidatur aufgestellt. Belgien hatte im Jahre 1927 bei seinem Ausscheiden die Zuerteilung der Wiederwählbarkeit bean­tragt, hatte jedoch nicht die notwendige Zwei- drittelmehrheit auf sich vereinigen können. Es wird also fraglich sein, ob Belgien diesesmal die notwendige Stimmenmehrheit erhalten wird.

sowohl die Beitragserhöhung um % Prozent, als auch eine Staffelung der Leistungen aus Grund eines bayerischen Antrages enthalten fein wird. Dieser bayerische Antrag lehnt sich an einen ursprünglichen Zentrumsantrag (Riesener-Teusch) an, welcher damals etwa 120 Millionen Ersparnisse bringen sollte, in­zwischen aber durch zweimalige Revision aus 42 Millionen Ersparnisse heruntergedrückt wor­den ist. Der im Reichsrat vorliegende Antrag hält allerdings die ursprüngliche hohe Erspar­nissumme aufrecht.

Wenn der Reichsrat auf dieser Basis einen Entschluß faßt, so würde damit eine Vorlage geschaffen sein, die nicht nur die erforderlichen Mittet für die Sanierung der Versicherungs­anstalt aufbringt, sondern sogar noch einest Ueberschuß von dreißig bis vierzig Millionen Mark erbringen würde. Dieser Ueberschuß könnte entweder zu Rücklagen für Reserven der Anstalt oder auch für die Milderung eini­ger Bestimmungen z. B. bei der Wartezeit usw. aufgebracht werden.

Es ist aber gar keine Aussicht dafür vor­handen, daß eine derartige Fassung deS Ent­wurfes, falls der Reichsrat sie beschließt, dann auch im Reichstag eine Mehrheit finden könnte vielmehr glaubt man, daß im Reichstag eine Kompromiß-Linie nur in der Richtung deS abgeminderten Zentrumsantrages zu suchen ist Allerdings fehlen vorläufig selbst dafür noch die politischen Voraussetzungen, weil weder von den Sozialdemokraten noch von der Deut­schen Volkspartei die Zustimmung zu diesem AentrumSantrag zu haben ist. Die ReichSre- flicrung wird sich vorläufig jeglicher neuen Vorschläge enthalten, zum mindesten bis der Beschluß des Reichsrates vorliegt.

Formal ließe sich das durchaus rechtfertigen, da man nicht eine neue Vorlage machen kann, solange die alte noch vom Reichsrat behandelt wird. Wenn aber dieses Kapitel zu Ende ist, wird die Reichsregierung auf jeden Fall erneut die Jniative ergreifen müssen. Ein neueS Rundschreiben, welches der Präsident der Ser- sicherungsanstalt an den Berwaltungsrat ge­richtet hat, stimmt recht nachdenNich. Darin wird nämlich auf daS Nachdrücklichste betont, daß die Reichsanstalt im Winter wieder er­hebliche Darlehen vom Reiche brauchen wird, wenn das Gesetz erst am 1. November in Kraft treten würde und man dann vier Wochen ge­brauchen werde, um die notwendigen techni- scheu Umstellungen vorzunehmen. Auch die be­drohliche Tatsache, daß die Kurve der Arbeits­losigkeit bereits wieder zu steigen beginnt, sollte, wie der Präsident aussührt, die Not­wendigkeit einer Beschleunigung der gesetzge­berischen Arbeit beweisen.

* *

Aus den Verhandlungen des Sozialpoliti­schen Ausschuffes seien noch folgende Einzel­heiten nachgetragen: Reichsarbeitsministet Wissel gab einen Ueberblick über die Er­sparnisse, die durch die verschiedenen Anträge der Parteien über die Regierungsvorlage hin­aus erzielt werden würden. Die Anregungen der Sozialdemokraten und der Demokraten, die für die Saisonarbeiter auf eine Herabsetzung der Regelsätze hinausliefen, würden eine Er­sparnis von 21 Millionen Rm. ergeben.

Der Antrag der Zentrumspartei, Kürzung der Lohnklaffen 7 bis 11 auf die Sätze der Kri- fenunterstützung, würde eine Ersparnis von 45 Millionen Rm. zur Folge haben, unter der Voraussetzung, daß die heute gültigen Fami- lienzuschläge erzielt würden.

Durch den Antrag der Wirtschastspartei (Staffelung der Unterstützungssätze) würde sich eine Ersparnis von 113 Millionen Rm. er­geben, durch die Verlängerung der Wartezeit übet die Regierungsvorlage hinaus eine wei­tere Ersparnis von 24,5 Millionen Rm.

Eine Herabsetzung der Unterstützungssätze nach bestimmten Prozentsätzen, wie es der An­trag der Deutschen Volkspartei verlangt, würde ein Erträgnis von 130 Millionen Rm. brin­gen, die Verlängerung der Wartezeit auf 21 Tage unter Berücksichtigung der beantragten Staffelung eine weitere Ersparnis von 15,3 Millionen Rm.

Der Antrag bet Deutschnationalen, der eine Minderung der Regelsätze verlangt, würde ein Erträgnis von 134 Millionen Rm. bringen, die Verlängerung der Wartezeit für berufsübliche ArbeitSlofe auf vier Wochen eine weitere Er­sparnis von 26 Millionen Rm.